ostland

In den Awarenkriegen Karls des Großen wurde die awarische Macht ausgeschaltet und der ganze riesige Raum bis zum Plattensee und der ungarischen Donau Bayern und damit dem Frankenreich eingegliedert, verwaltungsmäßig und kirchlich organisiert und zum Teil auch kolonisiert. Im 9. Jahrhundert spielte dieses Ostland eine politisch immer wichtigere Rolle. Mit dem Auftauchen der Magyaren und der schweren Niederlage des bayerisch-fränkischen Heerbannes bei Preßburg im Jahre 907 endete diese hundertjährige Epoche unserer Geschichte, die Enns wurde wieder Grenze. Anders als das Gebiet bis zur Leitha und Lafnitz, das ja nach wenigen Jahrzehnten erneut von der deutschen Ostexpansion erfaßt wurde, geriet das Gebiet des heutigen Burgenlandes in den Einflußbereich der ungarischen Staatsbildung.

Auf die Eroberung erfolgte die organisatorische Eingliederung in das Frankenreich. Schon 796 wurde dem Erzbischof von Salzburg "das Gebiet Pannoniens um den Plattensee" sowie der gesamte Raum, der von Raab, Donau und Drau begrenzt wird, übergeben. 799 führten der Präfekt Gerold und Erzbischof Arn von Salzburg den neugeweihten Chorbischof Theoderich in sein Amt im Ostland ein. Es wird vermutet, daß er seine Basis in Besitzungen an der Leitha hatte. Die Diözesangrenzen waren in dieser Zeit noch fließend, lediglich dort , wo es zu Streitereien kam, wurden sie genau festgelegt. Dies geschah 828/30 zwischen Passau und Salzburg: König Ludwig d.Deutsche bestimmte folgende Grenze zwischen der Diözese Passau im Norden und der von Salzburg im Süden: Spratzbach,Rabnitz und Raab.

Auch in der weltlichen Verwaltung kam es bald zu einer ähnlichen Lösung. Zunächst unterstanden die neu eroberten Gebiete dem Bayernpräfekten Gerold. Nach seinem Tod wurden Altbayern und das Ostland (bestehend aus dem Traungau, Karantanien und Pannonien) getrennt, das Ostland bekam eigene Präfekten, die aber den Bayernpräfekten nachgeordnet waren. Die Präfekten des Ostlandes waren Goteram, Werner, Albrih, Gotafrid , Gerold II. Neben ihnen sind aber auch noch andere Grafen und Königsboten als königliche Beauftragte im Ostland bezeugt. 828/30 wurde das fränkisch-bayerische Pannonien in ein Oberpannonien und ein Unterpannonien geteilt.

Unter der Leitung des Ostlandpräfekten standen auch die einheimischen Stammesfürsten, so weit sie von den Franken anerkannt wurden. Bei einem Thronwechsel mußte allerdings die Zustimmung des ostfränkischen Königs eingeholt werden. Solche trubutäre Fürstentümer waren Karantanien und auch das 805 errichtete awarische Gebiet des Theodor. Im Laufe der Zeit verschwanden diese allerdings und wurden in die normale fränkische Grafschaftsverfassung eingegliedert. Östlich der Enns gab es nach der Eroberung viel "herrenloses" Land, was natürlich nicht bedeutet, daß es auch menschenleer war. Dieses Land wurde nun an bayerisch-fränkische Große, vor allem aber an die Kirche vergeben oder einfach in Besitz genommen. Die königlichen Schenkungsurkunden konnten später eingeholt werden. Besonders reiche Schenkungen gingen an Salzburg, Passau, Regensburg, Freising, an die Klöster Tegernsee, Niederaltaich, Kremsmünster, Mattsee und Moosburg am Plattensee. Es scheint, als ob diese neuen Herren zumindest im heutigen Niederösterreich und am Ostrand der Alpen,also auch im heutigen Burgenland, eine umfangreichere Kolonisation mit abhängigen Bauern begonnen hätten. Wie intensiv diese Erschließung war, ist allerdings umstritten.

833 bekam das Ostland mit Radpot einen neuen Präfekten. Im selben Jahr mußte der christliche Sawenfürst Priwina seine Heimat Neutra in der Slowakei - vom Mährerfürst Moimir bedrängt - mit seiner Gefolgschaft verlassen. Dies war für Pannonien ein folgenschweres Ereignis, denn Priwina wurde 838/40 am Plattensee angesiedelt, wo er ein slawisches Tributärfürstentum errichtete. Das Zentrum seiner Herrschaft war die Mosapurc (Moosburg, das heutige Zalavár). Mosapurc wurde zum Stützpunkt der bayerischen Kirche bei der Christianisierung Pannoniens. Unter Priwina und seinem Sohn Chozil wurden etwa 30 Kirchen geweiht.

 
Priwina erhielt von den fränkischen Königen große Landschenkungen. In Mosapurc ließ er einige Kirchen erbauen, der Erzbischof von Salzburg schickte ihm dafür Handwerker wie Maurer, Maler, Schmiede und Zimmerleute. Auch die Geistlichkeit an Priwinas Hof war überwiegend bayerisch - fränkischer Herkunft. Für die burgenländische Geschichte besonders interessant ist ein Presbyter Dominicus, ein Bayer, der möglicherweise Notar in der Kanzlei Ludwigs des Deutschen gewesen war. Ihm verlieh 844/45 der König zu Brunnaron am Zöbernbach, dort, wo die Grafschaften Radpots und Rihharis zusammenstießen, aber außerhalb von Priwinas Herrschaftsbereich, Besitzungen. Etwas später beschenkt Ludwig der Deutsche seine Anhänger im Ostland, auch im Bereich des heutigen Burgenlandes, reich: so etwa erhält der Chorbischof Alberich eine reiche Ausstattung im Raume Ödenburg, das Reichskloster Mattsee zwanzig Hufen am Ostabfall der Buckligen Welt und das Erzbistum Salzburg Steinamanger und Postrum (Szentpéterfa).

Zu den in Karolingerzeit sicher belegten Orten gehören neben Odinburch - Ödenburg, das 859 belegt ist, auch Miesingenburch - Wieselburg (Mies = Moos, davon ist die Bezeichnung Moson abgeleitet. Die unter Ludwig dem Deutschen am 24. September 859 in Ostermieting bei Salzburg ausgestellte "Odninburch-Urkunde" ist zwar nicht im Original erhalten, es gibt aber mehrere Abschriften.

844 wurde das Land des Ostlandpräfekten geteilt. Grenze wurde der Zöbernbach. Nördlich davon lag die Grafschaft des Radpot, südlich davon die des Rihhari mit der Hauptstadt Steinhamanger. Östlich schloß das abhängige und in das fränkische Lehenssystem eingebaute Fürstentum Priwinas und Chozils an. Das Nord- und das Südburgenland gehörten also wieder - wie schon zur Römerzeit - getrennten Verwaltungseinheiten an.

Die zweite Hälfte des 9.Jahrhunderts ist geprägt durch heftige Auseinandersetzungen mit dem Mährischen Reich. Die Krieger Rastislavs fielen wiederholt im Ostland ein. Dazu kamen innere Probleme wie etwa die Rebellion Karlmanns gegen seinen Vater Ludwig d.Dt. 871 wurden die Grafschaften im Osten an Ar(i)bo vergeben, den Stammvater der Aribonen, die die mächtigste Familie im Ostland werden. Die vielen Kriege und die Fehden zwischen den Adelsparteien schaden aber dem Land sehr, die Zeitgenossen beklagten den Untergang des "glücklichen Pannonien". 876 übernahm Arnulf von Kärnten, Karlmanns Sohn, die Herrschaft im Ostland.

Nach Chozils Tod wurde auch das Fürstentum Mosapurc direkter bayerisch- fränkischer Herrschaft unterstellt. Im Jahre 881 kam es zum ersten Zusammenstoß der Bayern mit den Magyaren bei Wien und Pöchlarn, 892 nahmen magyarische Scharen an einem Einfall König Arnulfs in Mähren teil. In Bayern hatte inzwischen der Aufstieg Liutpolds begonnen. Er übernahm nun die Magyarenabwehr. 900 überschritten diese erstmals die Enns. In diesem Jahr ging vermutlich auch die Grafschaft Steinamanger an die Magyaren verloren. 901 plünderte ein magyarisches Heer Karantanien, bei der Rückkehr wurde es an der Fischa geschlagen. Sie erwiesen sich immer mehr als die gefährlicheren Gegner. 902 zogen bayerisch-fränkische Truppen und Mährer gemeinsam gegen den neuen Feind. 904 wurde eine magyarische Gesandtschaft von den Bayern umgebracht.

Am 4.Juli 907 ging in der Schlacht bei Preßburg das bayerische Ostland, das Kolonisationswerk eines Jahrhunderts, unter. Markgraf Liutpold, Eb.Theotmar von Salzburg, Bischof Udo von Freising, zahlreiche Grafen und Herren Bayerns und des Ostlandes fielen gegen die Magyaren, die Enns wurde wieder zur Grenze. Allerdings heißt das nicht, daß jegliches Leben östlich der Enns aufhörte. Die alten Rechte, die dort bestanden, auch die Besitzansprüche, wurden niemals aufgegeben. Noch 926 hielt sich etwa der Freisinger Bischof Drakolf im Ostland auf (er ertrank dabei im Greiner Donaustrudel). Die Beziehungen zu den Magyaren waren auch keineswegs nur feindlicher Natur. So etwa ging der Bayernherzog Arnulf (Sohn Liutpolds) zweimal ins magyarische Exil. Es ist zu vermuten, daß auch ein beträchlicher Teil der Bevölkerung den "Ungarnsturm" überlebte. Zu einer magyarischen "Besiedlung" des eroberten Gebietes kam es nicht.


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