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  • 1390 Bodonya
  • 1397 Bugya
  • 1492 Bwynna
  • 1519 Bwnya
  • 1558 Bonnya
  • 1646 Piritschdorf
  • 1663 Piringstorf
  • 1676 Piringhdorf
  • 1697 Piergersstorff
  • 1750 Pürgentorff
  • 1785 Piringsdorf
  • 1808 Piringsdorf
  • 1907 Répcebónya

Nach Kranzmayer ist der Ortsname vom slawischen Persoenennamen Budan abzuleiten (B(u)danya v/i)s(i), von Bud =Wachen und visi =Dorf, also Dorf des Wächters)

Im Lampachgraben wurden drei Eisenverhüttungsplätze aus der La Tène-Zeit gefunden.

 

Mittelalter

Die erste urkundliche Erwähnung als Bodonya erfolgte anlässlich der Übertragung der Herrschaft Lockenhaus an die Kanizsai 1390. 1558 kam die Herrschaft an die Nadasdy.

 

Neuzeit

Im Bocskai-Aufstand von 1605 wurden 20 Höfe niedergebrannt und viele Einwohner getötet oder verschleppt. Noch 1608 lagen einige Höfe öde, der Wiederaufbau ging nur langsam vor sich. Die Hälfte der Höfe war „nicht dienstbar“. Viele der Verschleppten waren nicht zurückgekehrt.

Interessant ist ein Konflikt zwischen der Herrschaft und einem Untertanen. Der Müller Florian Böhm hatte 1713 von der Herrschaft Lockenhaus eine „verdorbene Mühle“ gekauft. 1716 nahmen ihm Beamte des Fürsten Michael Esterhazy die Mühle und dazu Frucht im Wert von 100 Gulden weg. Trotz einer Mahnung durch die unagrische Hofkanzlei wurde die Mühle nicht zurück gegeben. Böhm wandte sich mit einer Bittschrift direkt an den Kaiser und erhob Klage gegen die Grundherrschaft. In einem Schreiben an die Komitatsbehörden wurde die Rückgabe der Mühle und des Getreides angeordnet.

1750 gab es 81 Sessionisten, darunter ein Gastwirt, ein Waldhüter, ein Schneider, ein Schuster und drei Weber. Unter den 10 Söllnern mit Haus war der Müllner, unter den zwei Söllnern ohne Haus der Schmied. Dazu kamen ein Kuhhirt, ein Schweinehirt und der Schulmeister.

1758 brannte der Großteil des Ortes ab, darunter 12 Viertellehen, 5 Achtellehen, ein Dreisechzehntellehen, win Sechsehntellehen, 2 öde Häuser und zwei Halterhäusel. Die Not war groß. Der Grundherr überließ den Betroffenen je zwei Metzen Korn. Da aber auch die nächste Ernte schlecht ausfiel konnten sie diese nicht zurück geben. Die Exekution und Abstiftung drohte.

Nach dem Urbar von 1767 gab es 79 Anwesen, gleich große Achtellehen mit je zwei Joch Acker und einem Tagwerk Wiesen. Jeder Hof leistete jährlich 5 ½ Tage Zugrobot, lieferte 1/8 Klafter Brennholz, ½ Pfund Gespinst, 1 Kapaun, 1 Huhn und 7 Eier ab. Zusätzlich gab es 4 behauste Söllner.

1802 wurden 79 Achtelbauern und 4 Kleinhäusler gezählt.

Der Weinbau war im Mittelalter auch in Piringsdorf von Bedeutung. 1765 gab es noch 78 Weingartenbesitzer, insgesamt 304 Tagwerk (etwa 10-11 ha) Weingartenfläche. Die meisten Bauern hatten nur bis zu 2 oder 4 Tagwerk Weingärten, also Wein für den Eigenbedarf. Nur 13 Bauern besaßen mehr als 6 Tagwerk. Das endgültige Aus für den Weinbau, der schon im 18. Jahrhundert zurück ging, erfolgte dann in der Reblauskrise.

1808 musste auch Piringsdorf im Zuge der Besetzung des Komitates durch die Franzosen hohe Leistungen erbringen. Vor allem Heu und Hafer sowie zahlreiche Vorspanndienste wurden immer wieder eingefordert.

1864 wurde der Urbarialvergleich mit der ehemaligen Grundherrschaft geschlossen. Reut- und Remanentialgründe wurden abglöst, das Weideland der Gemeinde aufgeteilt, aus dem Waldanteil die Urbarialgemeinde gebildet.

Die fortschreitende Erbteilung machte die ohne dies kleinen Bauernhöfe immer unwirtschaftlicher. Von den ursprünglich 79 Achtelhöfen waren 1868 schon 21 in Sechzehntelhöfe, ein Achtelhof sogar in drei Vierungdzanzigstelhöfe geteilt. Die Kapitalarmut machte ein Auszahlen der Miterben oft unmöglich. Die Auswege ist dieser schlimmen Situation waren die in Westungarn üblichen landwirtschaftliche Saisonarbeit, Heimarbeit im Winter – in Piringsdorf vor allem die Korbflechterei – und die Auswanderung. Schon in den 1880er Jahren gab es zahlreiche Auswanderer nach Kansas City.

Eine indirekte Folge der schlimmen wirtschaftlichen Situation war dann auch der Zwischenfall vom Juli 1923, der mit einem Lynchmord endete. Das Verhältnis zur ehemaligen Herrschaft und nunmehr zu den Esterhazy als Großgrundbesitzern und deren Verwaltungsbeamten war schon lange angespannt, wobei es vpr allem um die Waldnutzung ging. Auch die ungarnfreundliche Haltung des Forstpersonals wirkte nach. Der fürstliche Förster Györke war besonders verhasst. Als er Kinder aus Piringsdorf, die im Wald Beeren sammelten, schlug und ihnen die Früchte abnahm wurde er von einem Vater eines Kindes zur Rede gestellt. In der folgenden Auseinandersetzung erschoss der Förster den Piringsdorfer. Der Förster ergriff die Flucht, wurde aber von Piringsdorfer Burschen verfolgt und misshandelt. Er starb bald darauf, wobei die Todesursache nicht ganz klar war. Zur Empörung der Öffentlichkeit weit über Piringsdorf hinaus wurden die Burschen verurteilt. Die Affäre platzte zudem in die damals heftig geführte Debatte um die „Bodenreform“, in der von den Sozialdemokraten und den in Piringsdorf dominierenden Landbündlern, die Aufteilung des Großgrundbesitzes gefordert wurde.

Nach einem Bericht des Gendarmeriepostens Unterrabnitz vom Dezember 1923 waren die Verdienstmöglichkeiten in Piringsdorf gering, die Bezahlung in den Esterhazy-Forsten sehr schlecht. Die „Hausindustrie“, die Anfertigung der Piringsdorfer Körbe, benötigte Gerüstholz (Buchenholz), das vielfach im Esterhazywald „gestohlen“ wurde. Der Gendarmerie wurden zahlreiche Holzdiebstähle, im Jahr 1824 allen neun Fälle, gemeldet. Die Situation war 1923/24 äußerst prekär, im Feber 1924 mangelte es an Viehfutter, die Kühe gaben zu wenig Milch, einige Familien hungerten.

Piringsdorf war wiederholt von großen Bränden betroffen: 1713, 1758, 1863 (69 Häuser und 62 Scheunen brannten ab, 27 247 Gulden Schaden), 1911, 1941 und 1952. Auch Überschwemmungen verursachten schwere Schäden, etwa am 7. und 8. August 1982. Die Folge war eine brutale „Regulierung“ der Rabnitz.

In der Auseinandersetzung um den Anschluss des Burgenlandes an Österreich war die Stimmung in Piringsdorf – anders als in Lockenhaus, wo die dörfliche Oberschicht für Ungarn war, eindeutig proösterreichisch. Dementsprechend waren auch die politischen Verhältnisse. Die deutschbewussten Landbündler hatte die Mehrheit und behielten diese noch bis in die 30er Jahre,

In der Zeit des Ständestaates fand die illegale NSDAP in Pringsdorf einen fruchtbaren Boden. Man hoffte auf ein Ende der wirtschaftlichen Not, zumal auch in Pringsdorf die Arbeitslosigkeit unter den Kleinbauern hoch war. Der Anschluss an das Dritte Reich wurde mit 100 % befürwortet. Piringsdorf war der Standort einer Ortsgruppe, der mehrere Orte in Rabnitztal und in Hochstraß als Zellen angehörten. Die einzige jüdische Familie wurde aus dem Dorf vertrieben. Der Ordensgeistliche Paul Tomischek aus dem Kloster Oberpullendorf wurde vorübergehend verhaftet.

Währen des Zweiten Weltkrieges hatte Piringsdorf 39 Gefallene und 30 Vermisste zu beklagen. Während des russischen Einmarsches wurden drei ungarische Soldaten erschossen. Die Bevölkerung floh in den Wald. Es kam zu den üblichen Plünderungen und Übergriffen.

Schon im 19. Jahrhundert, vor allem aber in der Zwischenkriegszeit stellte die Korbflechterei einen wichtigen Nebenerwerb dar, der das Überleben vieler kleinbäuerlicher Betriebe sicherte. Hergestellt wurden Buckelkörbe, die größeren Futterkörbe und von den Frauen Strohsimperl.

1950 wurde die Elektrifizierung abgeschlossen. 1955 begann der Bau der Nord-Süd-Verbindung zwischen Piringsdorf und Hochstraß. Von 1957 bis 1961 wurde an der neuen Schule gebaut. 1959 wurde der Wasserleitungsverband Lockenhaus und Umgebung gegründet und bis 1960 wurde die Ringwasserleitung errichtet. Ab 1961 wurde die „Sulz“, die Mineralwasserquelle, ausgebaut. 1965 wurde eine Bohrung durchgeführt, die die Hoffnungen aber nicht erfüllte. Die alte Sulzquelle versiegte. Eine neue Bohrung musste bald wieder saniert werden, eine weitere Bohrung war wenig ergiebig. 1973/74 wurde über der Mineralwasserquelle „Sulz“ eine Trinkhalle gebaut. Eine kommerzielle Nutzung und der erhoffte Bau eines Kurzentrums kamen nicht zustande. 1965 begann die Ortskanalisation, der Abwasserverband Lockenhaus und Umgebung wurde gegründet.. Seit 1984 ist die Kläranlage in Klostermarienberg n Betrieb.

 

Bevölkerungsentwicklung und bauliche Entwicklung

Die Bevölkerungszahl blieb seit 1868 erstaunlich konstant. 1890 hatte der Ort 840, im Jahre 1923 951 Einwohner. Seither schwankt die Zahl leicht um 900, mit einem leichten Rückgang auf 843 seit 2001.

Noch bis in das 19. Jahrhundert war Piringsdorf ein einzeiliges Straßendorf entlang der Rabnitz. Nur Kirche, Pfarrhof und Schule standen am anderen Ufer der Rabnitz. Der starke Bevölkerungszuwachs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die Ausweitung der Bebauung zur Folge. Vor allem nach der Kommassierung setzte eine rege Bautätigkeit ein. Auf der rechten Seite der Rabnitz wurden neue Straßen angelegt. Ab 1956 entstanden an beiden Seiten der Bundesstraße Wohn- und Geschäftshäuser, auch die neue Schule und das Gemeindeamt. In jüngster Zeit wurden zahlreiche neue Wohnbaugebiete aufgeschlossen. Im Gefolge der Kommassierung ab 1983 wurden an die 100 neue Bauplätze geschaffen und ein neues Wegenetz angelegt. Die Parzellenzahl wurde von 6500 auf 1300 reduziert.

Ab 1971 wurde Piringsdorf mit Unterrabnitz und Schwendgraben zusammengeschlossen. Inzwischen wurde nach dem Willen beider größerer Orte diese Verbindung wieder aufgelöst.

 

Politische Entwicklung

In der ersten Gemeinderatswahl 1923 bekamen der Bauernbund (Landbund) 267 Stimmen und 8 Mandate, die Sozialdemokraten 127 Stimmen und 4 Mandate. Bügermeister wurde Franz Schnabl, Vizebürgermeister Johann Schnabl, beide vom Bauernbund. 1927 hatte der Landbund mit 280 Stimmen und 9 Mandaten noch immer die Mehrheit. Die Christlichsozialen bekamen 151 Stimmen und 4 Mandate, die Sozialdemokraten bekamen nur 22 Stimmen und kein Gemeinderatsmandat. Bürgermeister wurde Franz Hauser. 1931 war der Landbund verschwunden. Die Christlichsozialen dominierten nun mit 10 Mandaten, die Sozialdemokraten bekamen 3 Mandate. Bürgermeister wurde Josef Maurer, Vizebürgermeister Josef Leidl. Ab 1935, in der Zeit des Ständestaates, wurde Franz Mandl zum Bürgermeister ernannt, 1938 bis 1945 war Anton Böhm Bürgermeister.

1945 bis 1950 gab es keine Wahlen. Die ÖVP stellte 8, die SPÖ 3 Mandate, Bürgermeister war Franz Mandl. In der Wahl von 1950 wurden Franz Stampf zum Bürgermeister und Johann Hauser zum Vizebürgermeister gewählt, beide von der ÖVP. 1954 bekam die ÖVP 10, die SPÖ 2 und die KPÖ 1 Mandat., 1958 verlor die KPÖ ihr Mandat, es stand nunmehr 9 : 4. Bürgermeister war Johann Hauser. 1962 gewann die FPÖ 2 Mandate, die ÖVP 8 und die SPÖ 3, 1967 gewann die ÖVP ein zusätzliches Mandat von der FPÖ. Bürgermeister war nunmehr Josef Böhm.

In der Großgemeinde Piringsdorf – Unterrabnitz – Schwendgraben stand es 1971 13: 5 : 1 und 1977 12: 6 :1 Böhm blieb Bürgermeister. Ab 1982 war Ing. Alexander Prenner Bürgermeister. Im Gemeinderat stand es 11 : 7 : 1 und 1987 11 : 8. Die politische Wende kam nach der Gemeindetrennung. In Piringsdorf wurde Robert Hauser von der SPÖ Bürgermeister, ab 1996 Stefan Hauser und seit 2016 Thomas Hauser. Er wurde 2017 mit 63,44 % der Stimmen gewählt und 2022 mit 66,13 % erneut bestätigt. Im Gemeinderat gab es in den vergangenen Jahrzehnten kaum Veränderungen. Die SPÖ erhielt 9-10, die ÖVP 5-6 Mandate. Die FPÖ bekam nur 1997 ein Mandat.

 

Kirche

1390 gehörte das Dorf zur Pfarre Lockenhaus und wurde wahrscheinlich von den dortigen Franziskanern betreut. Unter den Nadasdy sind von 1596 bis 1637 mehrere evangelische Pfarrer für Lockenhaus und Piringsdorf bezeugt: Johann Alger (1596), Markus Ott (1609), Meinrad Unger (1612), Johann Kerts (1613) und Theodor Vogel (1637). Alger wurde für Lockenhaus ordiniert und kam 1596 nach Ritzing. Unklar ist die Konfessionszugehöigkeit Algers, da er die Augsburger Konfession unterschrieb, aber auch den Raaber Bischof anerkannte. Die Kirch wurde anscheinend von beiden Konfessionen benutzt.

Mit Heinrich Trost, 1624 in Jena geboren, bekam die evangelische Gemeinde Lockenhaus eine bemerkenswerte Persönlichkeit als Pfarrer. 1647 wurde er in Preßburg ordiniert. Der Konvertit Franz III. Nadasdy berief aber katholische Priester nach Lockenhaus, Anton Mangoni und Lorenz Jakoby (1647 – 1654), danach übernahmen die Augustiner – Eremiten die katholische Pfarre Lockenhaus mit den Filialen Langeck, Piringsdorf, Hochstraß , Hammer – Teicht und Kohlstätten. Den Evangelischen wurde die Kirche entzogen. Pfarrer Trost ging nach Piringsdorf , das 1652 – 1661 zum Zentrum des evangelischen Lebens wurde. Trost fand sehr schwere Bedingungen vor. Es gab keinen Pfarrhof, Trost musste in einer „Hütte“ wohnen. Er wurde 1658 als Pfarrer in die Ödenburger Gemeinde Agendorf-Wandorf-Loipersbach berufen. Anschließemd war er für zehn Jahre Spitalspfarrer in Ödenburg. Nach der Vertreibung der evengelischen Pfarrer in Ödenburg wagte es Trost, eine Trauung abzuhalten. Er wurde verhaftet. Es gelang ihm aber eine abenteuerliche Flucht. Lange wurde er bei einem Wr. Neustädter Messerschmied verborgen. Er konnte sich nach Jena durchschlagen. 1675 verschaffte ihm der Herzog von Sachsen eine Pfarrstelle. Trosts Nachfolger als evangelische Pfarrer in Piringsdorf waren Johann Johann Vibegius (1655 – 1657), Anton Laymayr (1658) und Andreas Graumann (1659). 1652 wird Georg Maurer als evangelischer Lehrer in Piringsdorf genannt. Das Haus des evangelischen Pfarrers stand am linken Ufer der Rabnitz, mit einem hölzernen Glockenstuhl. Gottesdienst wurde im Pfarrhof abgehalten. Vibegiuswar zuvor Pfarrer in Rattersdorf und dann lange Zeit sehr erfolgreich Pfarrer in Lutzmannsbug. Von dort wurde er vertrieben. Auch aus Piringsdorf musste er weichen. Er starb als Pfarrer in Preßburg. Von seinen 11 Kindern überlebten nur zwei. Graumann war Schulmeister in Lutzmannsbug und wurde 1659 für die Pfarre Piringsdorf ordiniert. 1660 ließ ihn Nadasdy durch den Lockenhauser Richter vertreiben.

Mit der Ansiedlung der Augustiner- Eremiten in Lockenhaus begann auch in Piringsdorf die Gegenreformation langsam Fuß zu fassen. Noch gab es aber dort keine Kirche. Sie wurde erst 1745 errichtet. 1750 wurde Piringsdorf zur Pfarre erhoben und von den Augustinern in Lockenhaus betreut. Ein Pfarrhof wurde gebaut. Unter den Pfarrern waren bedeutende Persönlichkeiten wie etwa Pater Casimir Radl. 1800 wurde der hölzerne Kirchturm durch einen gemauerten ersetzt, 1836 wurde das Kirchenschiff um 5 m verlängert, war aber sehr vernachlässigt. Die Augustiner-Eremiten blieben bis 1820. In Piringsdorf sollte eine Weltpriesterpfarre eingerichtet werden. Das Problem war dabei die große Armut der Pfarre. Der erste Weltpriester, Pfarrer Fink, schrieb: „sie sind recht arm, schlecht gekleidet, haben fast nur Kartoffeln zum essen und ihr Hausrat ist primitiv. Die Männer flechten im Winter Körbe. Bei der Predigt und beim Katechismusunterricht schlafen sie vor lauter Schwäche in den Bänken ein“. 1901 kam Pfarrer Muskovits nach Piringsdorf. 1902 wurde ein neuer Pfarrhof gebaut, 1906 eine Schule errichtet. Er ließ 1928 die Kirche nochmals erweitern, 1934/35 erhielt sie einen neuen Fußboden. 1980/81 fand unter Pfarrer Zonschitz eine große Kirchenrenovierung statt. 1978 wurde eine Aufbahrungshalle gebaut. Unter Pfarrer Schwarz wurde die Pfarre von Steinberg aus betreut. Der Pfarrhof wurde in ein Pfarrheim umgebaut.

Die Schule stellte über lange Zeit ein großes finanzielles Problem dar. Gestritten wurde um das mit dem Lockenhauser Convent vertraglich vereinbarte „Congeld“. Die Piringsdorfer stellten einen eigenen Schulmeister ein, der vom Lockenhauser Verwalter aber als ungeeignet abgelehnt wurde. Die Piringsdorfer hielten an ihm fest, die Zahlungen an Lockenhaus blieben aus.1779 forderte der Lockenhauser Schulmeister eine Schuld von 100 Gulden ein. Diese Forderung wurde von der Hofkanzlei unterstützt.

Ein erstes Schulhaus wurde schon 1820, gleichzeitig mit dem Pfarrhaus, gebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts war das Schulhaus baufällig, der Neubau wurde aus Kostengründen immer wieder verschoben.1855 war der Bau fertig, die Piringsdorfer aber weigerten sich, ihre Kinder in diese Schule zu schicken, aus Protest gegen den Lehrer Georg Kraxner, der die Kinder brutal behandelte. Gegen ihn gab es eine „Unterschriftenaktion“. Im Dorf tobte ein heftiger Streit um die Lehrerbesetzung zwischen Pfarrer und Richter. Auch das Schulgebäude wurde wieder stark vernachlässigt. 1877 war der Schulbesuch noch immer mangelhaft, obwohl die Eltern bestraft wurden. 1880 lehnte die Gemeinde wegen der großen Armut eine von der Komitatsbehörde geforderte Vergrößerung der Schule ab. Ein neues Schulhaus entstand 1904. Die alte Schule wurde weiterhin benützt, beide Häuser waren aber unzureichend. 1932 wurde dreiklassig, im Wechselunterricht in zwei Räumen, bis zu 190 Kinder unterrichtet. 1942 stellte eine Inspektion „haarsträubende Verhältnisse“ fest. Obwohl die Gemeinde immer wieder zu baulichen Maßnahmen aufgefordert wurde, kam es zu keiner Lösung. Erst 1961 konnte die neue, großzügige Schule mit fünf Klassenräumen eingeweiht werden. Die alte Schule wurde geschlossen und 1986 abgerissen.

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Quellen

  • 600 Jahre Piringsdorf 1390 - 1990