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Urgeschichte und Römerzeit

Das Gebiet der Katastralgemeinden Oberpullendorf und Mitterpullendorf ist überaus reich am urgeschichtlichen Funden. Aus der frühen und mittleren Jungsteinzeit sind mehrere Siedlungsplätze bekannt, beim Friedhof und am Engelberg und eine besonders große im Bereich des Bahnhofes , der Bahnhofstraße und der Hauptstraße. Eine Siedlungsgrube in der Augasse ist der ausgehenden Jungsteinzeit zuzuordnen. Aus der Bronzezeit und der Urnenfelderzeit sind Keramikbruchstücke bekannt. In der Hallstattzeit bestand in der Ried Burdicz eine aus ca. 34 Lehmhütten bestehende Siedlung mit dazugehörenden Gräberfeld. Einzelfunde könnten auf eine frühe, hallstattzeitliche Eisenverhüttung hinweisen. Ein ausgedehntes Eisenverhüttungswesen mit zahlreichen Verhüttungsöfen und Schlackenplätzen ist aus der La Tène - Zeit bekannt. Viele Funde wurden beim Neubau des Rathauses aufgedeckt. Dort wurden 11 Verhüttungsöfen und Reste von zwei eingetieften Brennöfen sowie geröstetes Erz und vile Schlackenreste gefunden. In einem kuppelförmigen Verhüttungsofen war noch eine Winddüse vorhanden. Im Keller des Rathauses wurde ein kleines Museum dazu eingerichtet.

1970/72 wurden in der Ried Doppelfelder die Überreste einer stark zerstörten Villa rustica aufgedeckt. In ihrer Umgebung weisen Schlackenfunde auf eine fortgesetzte Eisenproduktion in der Römerzeit hin. Auf dem Gebiet des römischen Gutshofes wurde im Frühmittelalter, im 10. und 11. Jahrhundert, ein Gräberfeld angelegt. Römische Siedlungsreste gibt es auch an anderen Stellen. Aus dieser Zeit stammt auch eine große Hügelgräbergruppe am Höhenweg im Langenthaler Wald. 37 Gräber wurden freigelegt.

Im späten Frühmittelalter erfolgte anscheinend eine Neubesiedlung, wieder mit Eisenverhüttungsanlagen, etwa am Ortsende von Mitterpullendorf, in der Ried Burdisz und auf der Fürstenwiese.

Mittelalter

Ortsnamenformen: 1225 Pule, 1323 und 1359 Pula, 1378 Felpula, 1410 utrisque Pula, 1419 Pwelldorfer, 1425 utraque Pulndorf, 1455 Mitteren-, Oberen Pulendorff, 1468 Nemes pula, 1526 Felseupula alias Nemespula

Pula ist von einem slawischen Personennamen Pul, Pula abzuleiten. 1225 wurden Pule maioris et minoris erstmals urkundlich erwähnt. Beide Orte waren magyarische Grenzwächtersiedlungen. Sie waren im Besitz eines Konrad und seiner Brüder. Die Dörfer gelangten in den Besitz der Athinai, die seit 1263 die Herrn der späteren Herrschaft Landsee waren. Nikolaus Athinai verpfändete 1359 Neckenmarkt mit den dazugehörenden Pula der Familie Kanizsai. 1425 gelangten die beiden Pullendorf als Teil der Herrschaft Landsee aus dem Besitz des Sigismund Athinai an den Palatin Nikolaus Garai. Weitere Besitzer bzw. Pfandinhaber waren 1482 Ulrich von Gragenegg, 1491 bis 1495 die Söldnerführer Peter und Johann Mrakse, 1495 Ulrich von Weispriach, dessen Witwe Gertraud und deren Sohn Hans von Weispriach. 1648 bis 1553 war Erasmus Teufel Besitzer der Herrschaft. ER verkaufte sie an Erzbischof Nikolaus Olah. Es folgten dessen Neffe Nikolaus Olah - Csaszar, dessen Tochter Ursula, die Franz Dersffy heiratete. Ihre Tochter Ursula heiratete 1612 in zweiter Ehe Nikolaus Esterhazy. Seither war die Herrschaft und mit ihr die beiden Pullendorf im Besitz der Esterhazy.

Mitterpullendorf war ein Untertanendorf. Die in Oberpullendorf lebenden Kleinadeligen erhielten 1526 eine Donation und übten im Rahmen der Grundherrschaft verschiedene Aufgaben aus. Die Donationsurkunde von 1526 führt 10 Familien namentlich an. 1598 lebten in Oberpullendorf 22 Adelige, 1604 23. Ende des 17. Jahrhunderts wurden 38 aufgezählt, darunter viele, die erstmals neu aufscheinen. Die letzte Adelskonskription von 1845 wies 13 Kleinadelsfamilien aus (Ányos,Bácsmegyey, Bánovits, Bertalanffy, Czeglédy, Derencsény, Dominkovits, Fábiánits, Jurkovits, Kemény, Kulcsár, Nagy, Sághy).

Im Mittelalter tauchen die Namen von Oberpullendorfer Kleinadeligen in verschiedenen Gerichtsdokumenten auf. Im Jahre 1323 verpflichtete sich ein Paulus de Pula vor dem Güssinger Grafen Nikolaus Kakas, dem Kloster Marienberg eine in Pula gelegene Mühle zu übergeben - als Sühne für die Ermordung eines Verwandten. 1368 scheinen ein Myke de Pula, Stephanus, Ladislaus et Johannes de eadem Pulya als Zeugen in einem Prozess gegen Graf Nikolaus von Mattersdorf bei einer Gerichtssitzung des Komitates in Chepregh ( Csepreg, Tschapring) auf. 1378 schwören vor dem Domkapitel von Eisenburg Johannes de Felpulya et Petrus de eadem Urfehde - dass sie gegen die Stadt Ödenburg nicht Vergeltung üben würden. Beiden waren in Ödenburg wegen eines Marktvergehens vom Stadtgericht zum Abhacken beider Hände verurteilt worden. 1429 wurde ein Petrus Vos de Felsö Felsewpula als Räuber in Abwesenheit verurteilt. Oberpullendorfer Adelige fungierten immer wieder als Beauftragte des Königs in Rechtsangelegenheiten. 1430 waren Oberpullendorfer Adelige als Vertreter des Königs Sigismund bei der Übergabe des Dorfes Kohlhof an Ödenburg anwesend. Ebenfalls 1430 war ein Valentinus de Pula als Vertreter des Königs bei der Untersuchung von Anschuldigungen, die die Kanizsai von Lockenhaus erhoben, anwesend. 1459 scheinen in Oberpullendorf neben den Kleinadeligen bäuerliche Untertanen des Sigismund von Weispriach , des Herrn von Kobersdorf, auf. Von größerer Bedeutung war anscheinend ein Vitus de Pula. Er war Vertrauensmann des Ulrich von Grafenegg und hatte diesen als Beauftragter des Königs Matthias 1482 in den Besitz der Herrschaft Landsee eingeführt. Dabei war auch ein Leonardus de Felsewpwla anwesend, der 1492 König Ladislaus II. bei einer Besitzeinführung in Girm vertrat. Bei einer Besitzeinweisung vor dem Konvent von Csorna - Minihof wurde an den Abt von Klostermarienberg übertragen - fungierte wieder Vitus de Pwla als Vertreter des Königs. Zu größerer Bedeutung gelangte am Ende des Mittelalters Michel Puelndorfer. 1528 war er Bürgermeister von Ödenburg. Anlässlich der Besitzeinweisung. in der König Ferdinand I. 1558 den Thomas Nadasdy und seiner Gattin Ursula, der letzten Vertreterin der Familie Kanizsai, ihre umfangreichen Besitzungen übertrug, waren eine ganze Reihe von Oberpullendorfer Adeligen anwesend: Ulricus, Nikolaus, Dionysius, Blasius und Emmericus Pwlay sowie Pécsi Johannes, Luca Martinus, Czázár Simon, K´zma Emmericus, Thompa Benedictus, Erdös et Dionysius, Myley Albertus anwesend.

Mitterpullendorf war ebenfalls ein Grenzwächterdorf. Die dortigen Bewohner konnten ihre Priilegien aber nicht behaupten. Mitterpullendorf wurde als Untertanensiedlung der Herrschaft Landsee - Lackenbach eingegliedert. 1359 verpfändete Nikolaus Athinai vor dem Konvent von Csázma die zu seinem Besitz Neckenmarkt gehörenden Orte Pula und Zenthmarton um 200 Wiener Denare an die Familie Kanizsai. Der deutsche Name Pullendorf scheint zum ersten Mal 1392 in einer Urkunde der Stadt Ödenburg auf. Ein Wolfart von Unden (Und) legte ein Geständnis ab, dass unter seiner Führung mehrere Raubtaten erfolgt waren. 4 Pferde und 23 Ochsen wurden erbeutet. An den Raubzügen waren Männer aus Warasdorf, Tschapring, Deutschkreuz und ein Parrlag Michel de Pullendorf, vermutlich Mitterpullendorf, beteiligt. Ein Nymet Janus de Medio Pullendorf war außerdem mit einigen Stoobern an Raubzügen im Gebiet von Steinamanger beteiligt. 1578 erhielt Mitterpullendorf neben anderen Orten der Herrschaft von König Rudolf II. das Recht, Märkte abzuhalten, und zwar zwei Jahrmärkte und Wochenmärkte. Das Privileg war aber nur personenbezogen, auf Anna Zluny, Witwe des Nikolaus Olah-Csaszar

Frühe Neuzeit

Im Jahre 1576 kam es zu einem spektakulären Prozess gegen Adelige und Unfreie, denen vorgeworfen wurde, schon seit 20 Jahren ein großes Schmuggelgeschäft zwischen Österreich und Ungarn aufgezogen zu haben. Aus Nemespulya wurden die Adeligen Bükk, Erdös, Potgondi, Takách und Deli genannt. Die Adeligen waren von der Maut und vom Dreißiger - Zoll befreit, allerdings nur für die Ausfuhr ihrer eigenen Produkte. Tatsächlich wurden aber Ochsenherden bis zu 100 oder mehr Stück über die Grenze getrieben. 1575 wurde ein Mandat gegen die "Pullendorffer Contrabandierer" erlassen, offenbar ohne Erfolg, denn schon drei Jahre später folgte ein weiteres Mandat. 1580 gelangte eine anonyme Anzeige an die Niederösterreichische Hofkammer wegen des Viehschmuggels der Pullndorfer. 1592 erließ Kaiser Rudolf II. ein Generalmandat gegen die "Croaten und Pullendorffer- Vieh-Hanthierung". 1597 berichtete der Hauptmann von Forchtenstein und Eisenstadt, Jörg Seyfried von Kollonitsch, der niederösterreichischen Regierung über die Klagen des Dreißigers von St. Martin, dass die Pullendorfer niemals die vorgesehenen Abgaben entrichten würden, ihn bedroht und sogar auf das Zollhaus geschossen hätten. Kollonitsch berichtete außerdem, dass die Pullendorfer für einen venezianischen Vieheinkäufer namens Lukas Bassin Schlachtvieh in großen Mengen zugetrieben hätten, ohne die Abgaben zu leisten. 1611 drohte ein Generalmandat des Kaisers Matthias den Untertanen "zu Oben-Mittern und underm Puellndorf" schwere Strafen an. All dies nützte nichts. Bis 1687 erschienen immer wieder kaiserliche Mandate gegen den Viehschmuggel der Pullendorfer.

Zur Zeit des Bocskai - Aufstandes wurden Mitterpullendorf und Oberpullendorf niedergebrannt. 1608 wird der Ort im Steuerregister als "totum comburtum" verzeichnet. 1634 erstellten die Adeligen der Gemeinde eine Gemeindeordnung. In ihr wurden Wald- und Weidenutzung, Flurschäden, Bachreinigung und Weinausschank geregelt. 1638 wurde diese Gemeindeordnung vom Komitat bestätigt. 1726 folgte eine weitere Gemeindeordnung. Alle Bewohner, auch die nichtadeligen Einwohner, mussten sich zur Einhaltung verpflichten. Im 18. Jahrhundert wurde die Echtheit des Adels einiger Pullendorfer Familien, etwa der Somogyi, überprüft.

1748 kaufte Graf Christoph Niczky mehrere Besitzungen in Oberpullendorf, etwa die Adelssessionen der Gebrüder Oláh. Das Kastell wurde im 17. Jahrhundert gebaut. Ein älterer Vorgängerbau wird auf Grund von Mauerresten vermutet. 1752 war Anna Nedeczky, Witwe des Matthias Bacsmegyei, Besitzerin des Kastells. Unklar ist, wann und von wem das Kastell errichtet wurde. Es war jedenfalls die Adelskurie einer Familie, die den sozialen Aufstieg geschafft hatte. Die meisten Oberpullendorfer Kleinadelsfamilien verfügten aber über Häuser,die sich von den üblichen Bauernhäusern nicht unterschieden. Georg Bácsmegyei war Distriktssteuereinnehmer des Komitates Ödenburg. 1753 pachtete er drei Häuser in Oberpullendorf, die zur Herrschaft Lockenhaus gehörten. Zwei Jahre später kaufte er um 663 Gulden eine Adelssession, 1763 erwarb er drei Hausplätze und Grundbesitz. Später verkaufte er seine Besitzungen in Oberpullendorf, eine Mühle in Stoob und ein Bauernhaus in Steinberg dem Fürsten Esterhazy. In den 1780er Jahren, zur Zeit der josefinischen Landesaufnahme, bestand der Ort aus zwei Häuserzeilen beiderseits des Stoberbaches. Neben den ungarischen scheinen auch kroatische und deutsche Familiennamen auf. Zu einem Konflikt kam es mit dem adeligen Stuhlrichter Gregor Sághy, der Schafe halten wollte, obwohl für die Rinder nicht ausreichend Weideplätze vorhanden waren.Auch der Nebau der Brücke über den Stooberbach war umstritten. 1831 wurde die baufällige Brücke durch ein Hochwasser weggerissen. 1831 kam es zu einem Konflikt zwischen den adeligen und den nichtadeligen Einwohnern um die Finanzen.Die Nichtadeligen verlangten eine eigene Vertretung auf der Komitatsversammlung. 1848 brachte die Gleichstellung der beiden Gruppen. Einige Adelige, die auch andernwärts Besitzungen hatten, zogen aus dem Ort weg, andere Adelsfamilien verarmten. Vertreter der Familie Rohonczy brachten es zu Wohlstand und höheren Ämtern. Nicht bekannt ist, wann das Kastellvon der Familie Rohonczy erworben wurde - vermutlich erst nach 1870. Über die Herkunft der Familie Rohonczy gibt es nur Spekulationen. Erst 1696 wird ein Halbadeliger Georf Rohonczy erwähnt. In den Pfarrmatriken von Mitterpullendorfscheint ein Josef Rohonczy 1787 bis 1806 als Fleischhauer auf. Ein Adalbert Rohonczy, geboren 1837 in Ödenburg, war Finanzrat, ein Geza Rohonczy, geboren 1840 in Ödenburg, war Oberfinanzrat. Herausragender Vertreter der Familie war Baron Georg Rohonczy. geboren 1837 in Hogyyész im Komitat Tolna. Er war mit einer bairischen Adeligen, Maria Kress von Kressenstein, verheiratet. 1878 wurde er zum Flügeladjutanten Kaiser Franz Josefs ernannt. 1885 erhielt er das Kommando über das Husarenregiment Nr.6, 1891 wurde er Generalmajor, 1785 k.k. Feldmarschalleutnant und Stadtkommandant von Budapest. Anlässlich von Günser Kaisermanöver waren Franz Josef und der deutsche Kaiser Wilhelm II. in Oberpullendorf anwesend. Vom Spitalsberg aus beobachteten sie die Truppen. 1903 ging Rohonczy in den Ruhestand und erhielt den Generalsrang und den Barontitel. Er und seine Gemahlin starben in Oberpullendorf und wurden in der Familiengruft bestattet, 1971 in die Pfarrkirche von Mitterpullendorf umgebettet. Bis 1975 lebte noch ein Vertreter der Familie in der Adelskurie. Das 1889 renovierte Kastell wurde 1965 von der Burgenländischen Landwirtschaftskammer gekauft.

1853 wurde in Oberpullendorf ein k.k. Steueramt eingerichtet, 1854 auch eine Stuhlbezirksbehörde (Stuhlrichteramt). 1908 kam ein Grundbuchamt, 1931 ein Vermessungsamt hinzu. Ein Gendarmerieposten wurde eingerichtet. Damit begann der Aufstieg Oberpullendorfs zum administrativen Zentrum der Region. Interessant ist, warum das Kleine Oberpullendorf zum Sitz der Behörde bestimmt wurde. Wahrscheinlich spielte die Lage im Zentrum des Oberpullendorfer Beckens eine wichtige Rolle, aber auch die Tatsache, dass der Ort ungarischsprachig war. Die Behörde war zunächst in einem Privathaus, dann in der Robicza-Villa in Mitterpullendorf und schließlich im Gasthaus Mayer in Oberpullendorf untergebracht. 1908 wurde das neue Amtshaus fertiggestellt. In der Zwischenkriegszeit ließ der Bund ein Amtsgenäude errichten, in dem das Bezirksgericht, die Gendarmerie, das Vermessungsamt und die Post untergebracht waren. 1932 konnte das neue Gebäude bezogen werden.

Es gab in Oberpullendorf eine Gemeindeziegelei, die verpachtet war. Ein Gemeindewirtshaus wurde versteigert.1858 wurde zunächst vergeblich um die Abhaltung von Wochen- und Jahrmärkten angesucht. Schließlich wurden vier Jahrmärkte genehmigt und auch Wochenmärkte konnten stattfinden. 1908 wurde die Lokalbahn Ödemburg - Güns eröffnet, die über Oberpullendorf führte. Sie war vor allem für den Vieh- und Agrarproduktentransport wichtig. Der Personentransport blieb auch nach 1921 aufrecht. Die Strecke Oberpullendorf - Güns wurde 1945 aufgelassen. Während des Ersten Weltkrieges wurde im Kastell ein Notspital eingerichtet. Die finanzielle Situation der Gemeinde war prekär. Das Bezirksgericht war in einem Privathaus untergebracht, Da man eine Verlegung befürchtete beschloss die Gemeinde einen Neubau. Das erste Gerichtsgebäude stand auf dem Platz des heutigen Gasthauses Strommer. Das Vermessungsamt wurde in Oberpullendorf 1931 eingerichtet.

Bis 1850 entwickelte sich Oberpullendorf aus einem Linsenangerdorf zu einem unregelmäßigen Haufendorf. 1905 fielen 40 Häuser einem Großbrand zum Opfer. 1906 brannten erneut 36 Häuser nieder. Schon 1900 bis 1910 ging die bäuerliche Bevölkerung Oberpullendorfs stark zurück, von 72,21 % auf 59,38 %. Im Gewerbe waren 12,96 %, in Handel und Verkehr 10,10 % der Erwerbstätigen beschäftigt. Es siedelten sich immer mehr Beamte an.

Zeitgeschichte

In der Zeit der Räterepublik wurde auch in Oberpullendorf eine Rote Garde aufgestellt. Der politisch Beauftragte für den Bezirk war ein Schneiderlehrling namens Hermann Varady. Die Baron Rohonczystraße wurde in Proletarierstraße, die Franz Josef-Straße in Leninstraße umbenannt. Nach dem Sturz der Räteherrschaft im August 1919 wurde an Stelle des Arbeiter- Soldaten - und Bauernrates der frühere Bürgermeister und der Gemeinderat wieder eingesetzt. Die Kommunisten sollten in Ödenburg vor Gericht gestellt werden, die Gemeinde setzte sich jedoch für sie ein, nachdem sie ein schriftliches Versprechen abgegeben hatten, die Ruhe und Ordnung nicht mehr zu stören. Die Anschlussbewegung war in der magyarischen Gemeinde Oberpullendorf naturgemäß nur schwach. In Oberpullendorf war ein Trupp der Freischärler unter Führung des Miklos Budahazy stationiert. Er ließ am 15. September 1921 drei seiner Offiziere wegen Disziplinlosigkeit auf dem Marktplatz erschießen. Oberpullendorfer, die von den Freischärlern beim Lebensmittelschmuggel erwischt wurden, wurden mit Stockhieben bestraft. Am 4. November 1921 verließen die Freischärler Oberpullendorf, Ende November marschierte die österreichische Gendarmerie ein. 1932 wurde ein Amtsgebäude für die Gendarmerie, das Vermessungsamt und die Post errichtet. Es kamen immer mehr Deutschsprach8ige als Beamte, Lehrer und Ärzte nach Oberpullendorf. 1924 gab es schon 24 Gewerbebetriebe. 1951 waren noch 30, 25 % in der Landwirtschaft tätig, 1961 14,19 % , 1971 5,54 % und 1991 nur mehr 1,5 %.

Zu dramatischen Ereignissen kam es am Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Bereich des Bahnhofes fanden schwere Kämpfe statt. Die dortige Brücke wurde am 29. März 1945 gesprengt. Savon wusste das deutsche Infanterieregiment, das in der Nacht auf den 30. März einfuhr und die Reichsschutzstellung verteidigen sollte, nichts. Die Russen hatten aber schon zwischen Dörfl und Oberpullendorf Stellung bezogen und griffen die Deutschen, die beim Entladen des Zuges waren, unerwartet an. Den äußerst schweren Kämpfen fielen zahlreiche deutsche und russische Soldaten zum Opfer.

Die wirtschaftliche Entwicklung nach 1945 war durch den Aufschwung des Ortes als Bezirksvorort gekennzeichnet. 1975 wurde der Ort zur Stadtgemeinde erhoben. Vor allem 1921 bis 1939 wurden zahlreiche neue Häuser errichtet. Der Bereich um den Hauptplatz nahm zunehmend den Charakter einer Kleinstadt an. 1950 wurde der Stooberbach abgedeckt. Westlich der Bahnlinie entstand inm südlichen Ortsbereich eine Industriezone. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden drei Gemeindewohnblöcke mit 50 Wohnungen. 1951 bis 1961 entstanden im Zuge eines Baubooms 118 neue Häuser. 1910 zählte man im Ort 91 Häuser, 1961 waren es 489, 1981 795 und 1991 935 Häuser.

Die Einwohnerzahl betrug 1697 440 440 Personen in beiden Orten gemeinsam:

 Jahr Einwohner 
 1697  440
 1785  733
 1836  891
 1869  1188
 1890  1236
 1910  1327
1923 1400
1939 1857
1961 2047
1991 2640

 

1880 war Oberpullendorf zu 86,20 %, Mitterpullendorf sogar zu 91,5 % ungarischsprachig. Der Anteil der Ungarn stieg bis 1910 auf 93,5 %, 1920 auf 94 %. Seither ist der Anteil der Ungarn ständig im Sinken. 1951 waren es nur mehr 47,3 %, 1991 23,9 %.

Mit Dezember 1958 wurden die beiden Dörfer Ober- und Mitterpullendorf zusammengelegt.1948 bis 1970 Hatten Ober-, Mittel- und Unterpullendorf eine gemeinsame Verwaltung. Am 1. Jänner 1971 schied Unterpullendorf aus und wurde mit Frankenau, Groß- und Kleinmutschen zur Gemeinde Frankenau-Unterpullendorf zusammengeschlossen. Die Infrastruktur der beiden Orte wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ausgebaut. 1925 erfolgte der Stromanschluss, ab 1955 die Kanalisation, 1957 bis 1965 die Ortswasserleitung. 1970 bis 1975 wurde ein Wasserspeicher errichtet, 1971-1978 eine Zenrale Kläranlage.

Das Oberpullendorfer Spital wurde 1926 bis 1928 gebaut. 1929 eröffnet. als Allgemeindes öffentliches Landeskrankenhaus. Es hatte zunächst 60 Betten. Noch in der Zwischenkriegszeit wurde es auf 110 Betten erweitert. 1945 war es sowjetisches Militärlazarett. 1963 wurde die Kapazität auf 172 Betten erweitert. Das Spital ist heute ein wichtiger Arbeitsgeber für die Stadt und die Region.

Die landwirtschaftlichen Betriebe waren immer klein. Um 1970 gab es 18 Betriebe, davon nur 23 Vollerwerbsbetriebe. Nur 13 Betriebe hatten mehr als 10 ha Grundbesitz. Bis 1990 ging die Zahl der Betriebe auf 56 zurück, davon in Oberpullendorf 6 und in Mitterpullendorf 13 Vollerwerbsbetriebe. 1991 waren 3432 Personen in Oberpullendorf beschäftigt, davon 2647 Einpendler. 444 Personen waren Auspendler, 134 davon in Wien. Vor allem im Handel und im Öffentlichen Dienst nahmen die Beschäftigten stark zu. 1991 waren schon 32,6 % im Öffentlichen Dienst tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche neue Gewerbebetriebe gegründet. 1975 gab es 73 Betriebe mit 667 Beschäftigten. Zumeist waren es Kleinstbetriebe, mit Ausnahme von zwei Baubetrieben mit über 100 Beschäftigten. 1991 wurden 290 Arbeitsstätten gezählt. Großbetriebe waren Blaguss - Reisen, seit 1929 bestehend. 1994 hatte die Firma 350 Beschäftigte. Kronberger & Schubert (kroSchu) Austria, 1987 gegründet, fertigt Autozubehör. 1994 hatte der Betrieb 500 Beschäftigte. Das Bauunternehmen Pfnier u. Co wurde 1947 gegründet und hatte 1994 250 Beschäftigte. Ein 1961 eröffnetes Triumph - Werk hatte zeitweise 350 Beschäftigte, hauptsächlich Frauen in der Niedriglohn-Branche. 1975 kam es zu zahlreichen Entlassungen. Wichtig als Arbeitgeber ist der Umweltdienst Burgenland (Burgenländischer Müllverband), der seit 1991 besteht und 1994 202 Beschäftigte hatte.

Das Kastell wurde 1994 von der Diözese Burgenland gekauft und zum "Haus St.Stefan" umgewidmet. Das Gemeindeamt wurde 1974 neu gebaut, 1995 erfolgte ein Zubau.

Der Aufschwung Oberpullendorfs war auch eine Folge des Bedeutungsgewinnes als Schulstandort. Im 17. Jahrhundert bestand eine katholische Pfarrschule in Mitterpullendorf. Oberpullendorf erhielt erst 1879 eine eigene zweiklassige Volksschule. Unterrichtssprache war Ungarisch. 1923 wurde eine dritte Klasse mit deutscher Unterrichtssprache eingerichtet. 1928/29 wurde eine Volksschule durch den Deutschen Schulverein Südmark errichtet. Dieses Gebäude wurde 1945 niedergebrannt. 1963 wurde in Oberpullendorf eine neue Volksschule gebaut, die Schule in Mitterpullendorf wurde aufgelassen. Ungarisch war Freigegenstand. Die Hauptschule entstand 1942 und erneut 1950, 1969 erfolgte ein Neubau. 1969/70 erhielt der Ort ein Gymnasium. 1970/1 wurde eine Handelsschule, ein Jahr später auch eine Handelsakademie eröffnet. 1951 bis 1966 gab es eine Landwirtschaftliche Lehranstalt für Burschen, 1952 bis 1962 eine Hauswirtschaftsschule. 1966 wurde nach Ankauf des Kastells durch die Landwirtschaftskammer erneut der Lehrbetrieb aufgenommen und die 1965 in Güssing geschlossene Landwirtschaftliche Fachschule für Mädchen nach Oberpullendorf verlegt. Die Schule wurde nach dem Verkauf des Kastells an die Diözese eingestellt. 1932 wurde eine private Musikschule gegründet. Sie wurde 1938 bis 1945 als Gau-Musikschulwerk weitergeführt und 1945 vom Volksbildungswerk übernommen. 1952 erfolgte die Neueröffnung.

Politisch wird die Gemeinde durch die ÖVP dominiert, die nach dem Zweiten weltkrieg alle Bürgermeister stellte. In der Gemeinderatswahl 2017 erhielt die ÖVP 53,21 % und 13 Mandate, die SPÖ 40,9 % und 9 Mandate. Ein Mandat fiel an die Grünen. Bürgermeister wurde mit 54,53 % der Stimmen Rudolf Geißler, erste Vizebürgermeisterin Elisabeth Trummer von der SPÖ.

Kirche

Pfarrgemeinde war Mitterpullendorf, die mit Sicherheit schon im Mittelalter bestand. 1482 wurde ein Anthonius plebanus de Pwla, also ein Pfarer von Mitterpullendorf, erwähnt. Kirchenheiliger war der Hl. Dionysius. Nach der Pfarrchronik wurde die Kirche 1666 gebaut bzw. erneuert. 1940 wurde die Pfarrkirche nach den Aposteln Simon und Judas umbenannt. Oberpullendorf war Filialgemeinde.1707 wurde in Oberpullendorf eine Kapelle gebaut. 1785 dazu ein Turm mit drei Glocken. 1804 wurde sie vergrößert und restauriert. 1934 ließen sich die Redemptoristen in Oberpullendorf nieder und errichteten Kloster und Kirche. 1949 wurde Oberpullendorf selbständige Pfarre. Die Pfarrkirche in Mitterpullendorf wurde 1863 restauriert. Die Dekanate Steinberg und Lockenhaus wurden zum Dekanat Oberpulendorf zusammengelegt.

Unter der Grundherrschaft Franz Dersffys wurde die Pfarre Mitterpullendorf evangelisch. 1584 bis 1603 war Georg Muraközi evangelischer Prediger. 1604 war Peter Baksai Prediger. 1637 entzog Nikolaus Esterhazy den Evangelischen die Kirche. 1647 waren noch sieben Adelige evangelisch, 1696 waren alle Einwohner wieder katholisch.

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ortslage

 

Quellen

  • Literatur zur Urgeschichte:
    Polatschek, Josef: 7000jähriger Siedlungsraum. In: Die Stadt Oberpullendorf. 1975

  • Die Stadt Oberpullendorf. 1975

  • Somogyi, Laslo: Die burgenländischen Magyaren in geographischer Sicht. Graz 1966

  • Poor. R.: Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadtgemeinde Oberpullendorf seit 1900. Wien 1978