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Urgeschichte, Römerzeit und die mittelalterliche Burgruine

1989 wurden auf den Hügeln westlich des Ortes Raseneisenerze entdeckt. In der Nähe von Willersdorf, bei der Sixtinaquelle, wurden Eisenschlacken und spätkeltische Tonscherben gefunden. Es wurde also auch hier im 1. u.2. Jahrhundert n. Chr. Eisenerz verhüttet. Die römerzeitliche Besiedlung ist zwar nicht durch Siedlungen, wohl aber durch Hügelgräber belegt. Grabhügel liegen an der Straße von Oberschützen nach Aschau, an einem Verkehrsweg, der schon in der Römerzeit bestand. Im Winkelwald, etwa einen km nördlich von Willersdorf, liegen sieben  gut erhaltene Grabhügel aus dem 1. oder 2. Jahrhundert n.Chr.

Das interessanteste archäologische Objekt in Willersdorf ist die Burgruine Schlosshansl, etwa einen km nördlich des Ortes.  Von der Burg Willersdorf sind nur spärliche Reste erhalten. Die Burg wurdezwischen 1279 und 1289 von den Güssingern erbaut. Die Burg war auf einem gegen Südost fallenden, sonst auf drei Seiten steil abfallenden Geländesporn gebaut. An der Nordseite mussten Verteidigungsbauwerke errichtet werden. Der Geländesporn wurde mit zwei tiefen Gräben abgesperrt. Dahinter lag die mit dem Aushubmaterial gebaute Schildmauer, 12 m lang. 3 m dick und 8-10 m hoch. Sie schützte die dahinter gelegenen Wohngebäude, ein "festes Haus" oder ein Bergfried.  Zwischen den beiden Gräben lag die Vorburg, über die Gräben fühten Holzbrücken, die im Belagerungsfall abgebrochen werden konnten. In der Hauptburg standen zwei Gebäude. Unterhalb, am Hang, waren ein Ringgraben und ein Ringwall, der vermutlich mit Holzpalisaden befestibt war. Die Schildmauer war in Schalenmauertechnik errichtet. Diese Technik spricht für eine Errichtung um 1200.

Nach der Nennung in der Continuatio Vindobonensis wurde Wilamstorf 1289 von den Truppen Albrechts I. im Verlauf der "Güssinger Fehde" eingenommen bzw. übergeben, denn eine Verteidigung der kleinen Burg war wohl nicht möglich. Die Quellen berichten nicht von einer Zerstörung der Burg. Scherbenfunde aus dem 14. und 15. Jahrhundert legen nahe, dass sie weiter benützt wurde. Erst im 16. Jahrhundert wurde die Burg aufgegeben und verfiel. In einem Urbar von 1645 heißt es "beim öden Schloss". 700 m nördlich der Willersdorfer Burg befindet sich eine weitere mittelalterliche Befestigungsanlage, der Hausberg von Weinberg. Über sie ist nichts bekannt.

Mittelalter

Der Ortsname ist vom deutschen Personennamen Wilhalm abzuleiten. Andere Deutungsversuche: nach Moor von einem slawischen Personennamen Vilan oder Viljan, nach Schwartz vom lateinischen vilanus, nach Kranzmayer und Bürger Wielantesdorf (Dorf des Wieland), nach Ratz von Vello (Kurzform von Vellmar. Willemer oder Wilmar),  einem Burggrafen des Yban II. (Iwein) von Güssing.

Willersdorf gehörte zur Burg und Herrschaft Bernstein der Güssinger. Im Zusammenhang mit der "Güssinger Fehde" wird der Ort als "Wilamstorf" erstmals urkundlich erwähnt. 1388 verpfändete König Sigismund die Burg Bernstein dem Erzbischof von Gran und königlichen Kanzler Johann Kaniszay, unter den zugehörigen Dörfern auch "Vyllani". 1392 schenkte Königin Maria den Kaniszay die Burg, unter den Dörfern "Vilyancz". 1486 kommt Bernstein als Pfandbesitz an die Königsberger, die sie 1644 an Adam Batthyany verkaufen. Nach der Teilung von 1659 gehörte Willersdorf zunächst zur Herrschaft Pinkafeld, 1665 kommt es zusammen mit Aschau wieder an Bernstein.Paul Batthyany verpfändete das Dorf an Andreas Joanelli. 1711 war die Gräfin Maria von Auersperg im Besitz von Willerdorf und Aschau.

Neuzeit

Von den Türkenzügen war Willersdorf weniger betroffen. Auch in den Bocskay-Wirren fand die Bevölkerung offenbar in der Festung Bernstein Unterschlupf. Eine neue Siedlung Weinberg entstand an der Stelle der aufgelassenen Willersdorfer Weingärten. Der Grenzverlauf des Willersdorfer Hotters zu Riedlingsdorf, Pinkafeld, Wiesfleck. Ober- und Unterschützen läßt vermuten, dass dazwischen eine mittelalterliche, wüstgefallene Siedlung lag. Der große Haidwald wurde im 16. Jahrhundert von Willersdorf, Oberschützen und Jormannsdorf gem,einsam genützt. Später gab es Streitigkeiten.

Der Grundbesitz der Willersdorfer Bauern war klein. 1559 hatte ein ganzes Lehen 9 Tagwerk Felder und 4 Tagwerk Wiesen. Dazu kamen die Rodungsäcker. Im Dorf befand sich eine Mühle. Im Urbar von 1569 heißt es: "Wiellerstorff ist geen Märhenstorff (Mariasdorf) gepharrdt und in das Gericht daselbst gehörig. In diesem Aigen sein 17 ganze und zween halbe Höf, gehört in ein jeden ganzen Hof  9 Joch Ackher und 4 Tagwerkh Wiesen, in ein halben Hof halb sovil Grundt samt einen Haußgarten". Daran änderte sich im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts nur wenig. 1645 werden neben den ganzen Höfen und einem halben HOf auch 8 Söllner aufgezählt.

1845, also noch vor der allgemeinen Grundablöse, wurde von den Willersdorfern ein Urbarial- Eliberationsvertrag mit Graf Gustav Batthyany abgeschlossen. Die Bedingungen waren günstig, die Bauern hatten ihre Schulden in 20 Jahren zu tilgen. Die Magyarisierungsbemühungen in der zweiten Jahrhunderthälfte hatten auch in Willersdorf - ab 1882 Villamos-  nur geringen Erfolg. Die Bevölkerung war in den Anschlusswirren proösterreichisch. In der Zwischenkriegszeit war die wirtschaftliche Situation der Bauern trist, die Bereitschaft, sich den Nationalosozialisten anzuschließen, groß - zumal diese im benachbarten Ober- und Unterschützen eines ihrer Zentren hatten.

Die Verluste an Gefallenen und Vermissten im Zweiten Weltkrieg waren für den kleinen Ort mit 28 Personen groß. Die Besetzung durch die Russen vollzog sich ohne Kampfhandlungen.

Die Elektrifizierung erfolgte schon 1921, also sehr früh, durch die Rotenturmer Industrie AG. 1959 wurde das gesamte Stromnetz erneuert. Die Wasserversorgung, die in einigen höher gelegenen Ortsteilen ein Problem war, wurde durch drei Wassergenossenschaften schon in den 1950er Jahren mit viel Eigenarbeit  organisiert 1965 wurde ein Freibad errichtet. 1966 wurde die eigene Volkschule geschlossen. 1971 wurde Willersdorf als Ortsteil der Großgemeinde Oberschützen angeschlossen.1978 wurde der Willerbach im Ortsbereich reguliert. In der "Willersdorfer Schlucht" wurde von einem rührigen Fremdenverkehrsverein eine Langlaufloipe angelegt.

Bevölkerung und Wirtschaft

Willersdorf ist ein Angerdorf. Der Anger hat ein Ausmaß von 180 X 90 m. An den beiden Enden des Angers befindet sich je eine Brücke. Dominierendes Gebäude is die ehemalige Turmschule. Gegenüber befindet sich das Feuerwehrhaus. Der Anger wurde teils parkähnlich gestaltet, teils dient er als Sportplatz. Zwischen Schule und Gasthaus wurde eine Festhaqlle aus Holz errichtet. Der übrige Ort ist locker verbaut, mit großen Hausgärten. Die Ortsentwicklung war nach dem Zweiten Weltkrieg son wie in den meisten burgenländischen Dörfern durch eine rege Neubautätigkeit geprägt. Auch ältere Bauernhäuser wurden zum Teil revitalisiert. Im großen und ganzen ist das Ortsbildrelativ harmonisch.

Die Bevölkerungsentwicklung Willersdorfs zeigt den für Deutschwestungarn zypischen Verlauf. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stagnierte die Einwohnerzahl bzw. ging sogar leicht zurück, von 391 im Jahr 1812 auf 336 im Jahr 1924. In der zweiten Jahrhunderthälfte stieg sie sprunghaft an, auf 505 1869 und 563 im Kahr 1880. In der katastrophalen eirtschaftlichen Situation nach dem Ersten Weltkrieg fiel die Einwohnerzahl auf 464 im Jahre 1923. Die Amerikawanderung erreichte nach dem Ersten Weltkrieg einen Höhepunkt. 72 Personen verließen den Ort, nur wenige kamen zurück.  Die Abwnderung und die Auswanderung nach Amerika sowie dann die Verluste des Zweiten Weltkrieges ließen die Einwohnerzahl auf 373 im Jahre 1946 absinken. Seither geht die Bevölkerungszahl weiterhin kontinuierlich zurück, auf 317 im Jahre 1989. Die Geburtenrate sank, die Jungen verließen den Ort. Heute ist die Bevölkerung stark überaltert. 1971 waren 17,2 % der Einwohner 61 Jahre oder älter.

Der Anteil der Evangelischen betrug meist über 90 %, 1971 sogar 95 %. In der Bildungsstruktur fällt ein für burgenländische Verhältnisse hoher Anteil von Maturanten auf: 1989 waren es nahezu 13 %. Das ist eine Folge der Nähe zu den höheren Schulen in Oberschützen. In wirtschaftlicher Hinsicht betrieben  vor dem Ersten Weltkrieg nahezu alle Familien eine kleine Landwirtschaft, von der aber viele Familien nicht leben konnten. So mussten sie nebenbei ein Gewerbe ausüben. Hoch war die Zahl der Schuster (7) Schmiede (5), Schneider (4). Es waren dies ein-Mann-Betriebe, die für die Dorfbevölkerung arbeiteten. Die insgesamt 47 "Betriebe" waren für den kleinen Ort sehr viele. Es gab zwei Mühlen, eine auch mit Sägewerk und Ölpresse, zwei Gastwirte und vier Gemischtwarenhandlungen.Auffallend war die große Zahl an Pferdehändlern. Es gab 9 davon. Sie gehörten zu den reichsten Einwohnern. Sie kauften die Pferde in Innerungarn oder in der Untersteiermark im Raume Cilli und verkauften sie auf den westungarischen Märkten, vor allem aber im benachbarten Österreich, auf dem Markt von Maltern. Viele Viehhandelsgeschäfte wurden im großzügig ausgebauten Gasthaus Karner abgeschlossen. Nach dem Anschluss an Österreich kam der Pferdehandel zum Erliegen. Auch viele Kleingewerbebetriebe wurden in der Zwischenkriegszeit eingestellt.. 1921 gab es nur noch 36 "Betriebe" und nach dem Zweiten Weltkrieg nur mehr 19. Es blieben nur ein Gasthaus und ein Geschäft übrig. Nur die Zimmerei und das Sägewerk der Familie Fürst konnte sich halten und ausbauen.

Heute gibt es nur mehr wenige Vollerwerbsbauern und auch der landwirtschaftliche Nebenerwerb verliert an Bedeutung. Die Felder werden zumeist verpachtet. 1989 waren noch 7 % der Bevölkerung der Landwirtschaft zuzurechnen. 12,9 % waren Arbeiter, 12,3 % Angestellte, 9,5 % Hausfrauen und 28,2 % Pensionisten. 21 Personen (6,6 %) waren Lehrer. Die Zahl der in der Landwirtschaft Tätigen ging von 205 im Jahre 1951 auf 22 im Jahre 1989 zurück. Die Bauberufe stiegen bis in die 1970er Jahre an, um seither ebenfalls abzusinken. Stark gestiegen ist hingegen in jüngster Zeit die Zahl der im Handel und in Dienstleistungsberufen Tätigen. Die meisten Willersdorfer sind Pendler. Die wichtigsten Arbeitsorte sind Oberwart, Oberschützen, Pinkafeld und Wien.Von den 97 Auspendlern sind die meisten Tagespendler, zumeist mit eigenem Fahrzeug. Der Motorisierungsgrad ist sehr hoch.

In der Bodennutzung gab es im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts erhebliche Veränderungen. Der Anteil des Ackerlandes sank in den 1960er Jahren erheblich ab um in jüngster Zeit wieder anzusteigen. 1960 nahmen die Wiesen nahezu ein Viertel der genutzten Fläche ein, heute gibt es kaum mehr Dauerwiesen.Sie wurden umgeackert.Im Getreideanbau überwiegt die Gerste, der Maisanbau (Silomais und Körnermais) hat stark zugenommen. In der Betriebsgrößenstruktur gab es Verschiebungen, die aber nicht allzu markant warn. 1982 hatten noch immer 16 Betriebe weniger als 5 ha und nur drei Betriebe über 20 ha.  12 Betriebe lagen in der Größenordnung von 10 - 20 ha. Die Zahl der Rinderhalter ging stark zurück, die Schweinehaltung diente in den meisten Familien der Selbstversorgung. Nach der Schließung der Mühle und des Sägewerkes Unger wurde dort ein Reitstall eröffnet. Zwei Betriebe hatten sich auf Hundezucht verlegt. Mit dem vielen Streuobst wird Schnaps gebrannt. Aber auch neue Edelobstanlöagen, meist Äpfel, wurden gepflanzt. Die ERnte wird über die Obstverwertungsanlage Pinkafeld vermarktet.  1977 wurde die Kommassierung (Grundzusammenlegung) eingeleitet, aber nur ein Teil des Hotters einbezogen.  Damit im Zusammenhang entstand ein neues Wege- und Grabennetz. Damit verbunden waren uch beträchtliche Eingriffe in das Landschaftsgefüge (Rodung von Hecken und Rainen. Einebnung von Hohlwegen, Trockenlegung von Feuchtbiotopen ...)

Die Viehzucht, besonders die Rinderzucht, erreichte in Willersdorf ein beachtliches Niveau. Seit 1923 besteht ein Viehzuchtverein, der später dem Burgenländischen Fleckviehzuchtverband beitrat. Die Milchleistung pro Kuh stieg erheblich an. Die Milch wurde an die Molkerei Oberwart geliefert. In der Zwischenkriegszeit wurden viele Kühe noch als Zugtiere verwendet.

Der Fremdenverkehr spielt nur eine bescheidene Rolle, trotz des 1965 gebauten Schwimmbades.  Erst die Erklärung der Willersdorfer Schlucht zum Landschaftsschutzgebiet, die Langlaufloipe im Winter und der Naturlehrpfad sind Anziehungsobjekte, hauptsächlich für Tagesausflügler. Es fehlen Fremdenzimmer und eine entsprechende Gastronomie. Sehr rege ist der 1957 gegründete und 1978 unter Dr. Siegfried Pertl  reorganisierte Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein. Im November 1981 stellten die Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereine von Aschau, Schmiedrait, Schönherrn, Weinberg und Willersdorf gemeinsam den Antrag zur "Erklärung der Willersdorfer Schlucht zum Landschaftsschutzgebiet".1988 wurde der Antrag ergänzt und die ERklärung zum Teilnaturschutzgebiet beantragt. 1984 wurde ein Naturlehrpfad errichtet.

Nach der politischen Struktur ist auffallend, dass 1949 der VDU sehr stark war. Bei der Nationalratswahl  erhielt er 34,7 % der Stimmen. Er überholte die SPÖ und blieb nur knapp hinter der ÖVP. In der Folgezeit konnte die FPÖ als Nachfolgerpartei des VDU dieses Ergebnis nicht mehr erreichen, blieb aber mit 4-11 % relativ stark. 1962  konnte sie in der Gemeinderatswahl 23,2 % erreichen. In den Nationalratswahlen von 1986 überflügelte die SPÖ mit 47 % die ÖVP. Die Bürgermeister stellte aber immer die ÖVP. Der letzte Bürgermeister vor dem Anschluss an Oberschützen 1970  war Ing. Gustav Hutter. Oberschützener Bürgermeister waren bis 1984 Wilhelm Hutter, gefolgt von Mag. Helmut Frauneder. Ortsvorsteher wurde Johann Wolfger.

Kirche und Schule

In Willersdorf steht ein architekturgeschichtliches Juwel - die mittelalterliche Kleinkirche St. Katharina im Friedhof. Diese Kirche, die heute als Begräbniskirche verwendet wird, ist eine katholische Filialkirche, die früher zur katholischen Pfarre Mariasdorf gehörte. Der romanische Bau entstand noch in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Schiff ist rechteckig, mit einer Holzdecke. Daran schließt ein nahezu quadratischer Chor mit dem einzigen erhaltenen spätromanischen Schlitzfenster. Schiff und Chor verbindet ein wuchtiger Bogen. Ser ehemalige Hochaltar stammte aus dem 18. Jahrhundert. Er wurde 1964 entfernt. Im Schiff befinden sich zwei Spitzbogenfenster, die 1964 nach Entwürfen von Josef Mikl verglast wurden.  Der Kirche aufgesetzt ist ein Dachreiter. Nach dem Willen der wenigen Katholiken im Dorf wurde die Filiale der neuen Pfarre Bad Tatzmannsdorf angeschlossen.

Die konfessionelle Entwicklung von Willersdorf ist eng mit der von Oberschützen verbunden. Oberschützen hatte schon 1565 mit Alexius Püchler einen evangelischen Pfarrer. Willersdorf war damals so wie Aschau , wahrscheinloich auch Schmiedrait und Unterschützen, Filuiale der evangelischen Kirche Oberschützen, Die Gottesdienste wurden in der mittelalterlichen Kirche im Friedhof gehalten.Trotz der Rekatholisierungsbestrebungen Adam Batthyanys konnte sich der evangelische Glaube auch in Willersdorf halten. Evangelische Gottesdienste konnten auch nach der Vertreibung der Pfarrer in der Artikularkirche in Tschobing (Nemes Csó) besucht werden. 1697 lebten in der Pfarre Mariasdorf, zu der auch Willersdorf gehörte. neben 351 Katholiken noch immer 478 Evangelische.  Nach dem Toleranzpatent schlossen sich die Willersdorfer der neugebildeten evangelischen Gemeinde Oberschützen an.1817 baute die Tochtergemeinde Willersdorf eine eigene evangelische Schule. Das Presbyterium fungierte als Schulstuhl. 1886 waren alle 456 Bewohner evangelisch. Die Nähe zu den evangelischen Schulanstalten in Oberschützen prägte auch das geistlich - geistige Leben in Willersdorf, aus dem immer wieder evangelische Lehrer hervorgingen.

Willersdorf ist nahezu ausschließlich evangelisch. Da das Dorf keine eigenständige Kirchengemeinde war kam der Schule umso größere Bedeutung zu. Die kleinen Schulkinder besuchten bis 1817, die größeren bis 1829 die Schule in Oberschützen. Der erste Lehrer der evangelischen Schule war von 1817 bis 1828 Stephan Mart, der zugelich auch der Viehhirte war.Von 1829 bis 1852 gab es erstmals einen offiziellen Lehrer, Adam Ulreich. Sein Nachfolger war Tobias Nika aus Unterschützen. 1856 trat der nächste Lehrer sein Amt an, Johann Friedrich Stoppe, der aus Preu0en stammte. Er starb 1859 erst 37jährig in Willersdorf. Danach wählte die Gemeinde Johann Endler aus Jormannsdorf zum Lehrer. Er blieb bis 1872. 1885 führte der Seniorakinspektor des oberen Eisenburger Seniorates zusammen mit Senior Mathias Kirchknopf eine Inspektion durch. Im Protokoll heißt es: " Die evangelische Filialgemeinde Willersdorf zählt 405 evangelische Seelen und 70 Schulkinder, hat ein Schulgebäude solid gebaut aber nicht in bestem Zustande, aus einem Schulzimmer, zwei Wohnzimmer, 1 Küche, 1 Kammer und Stall bestehend. Im Hof befindet sich ein Brunnen und ein wüster Grasfleck, Garten genannt, zur Nutznießung des Lehrers bestimmt... Lehrer ist seit 21. März 1859 keiner. Es wird daher der Gemeinde aufgetragen, längstens binnen 14 Tagen die Lehrerstelle zu besetzen ... widrigenfalls ...von Herrn Senior ein Lehrer angestellt wird..."

1888 beschloss die Gemeinde den Bau der Turmschule. Der Turm wurde erst 1891 errichtet, zwei Glocken angekauft und geweiht. Lehrer war damals Gottlieb Mühl aus Tauchen, der bis 1909 in Willersdorf wirkte. Das alte Schulhaus wurde an einen Bauern verkauft. Die Schülerzahl stieg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark an:

  • 1858 70
  • 1909  83
  • 1910 102

Eine zweite Lehrerstelle wurde gefordert.Die Gemeinde plante 1914 die Errichtung einer zweiten Schule. Das Schulhaus wurde aufgemauert, aber nicht fertiggestellt, da die Schülerzahl zurückging. Das Gebäude wurde an einen Wirt verpachtet. Ab 1910 war Michael Karner Lehrer, der - unterbrochen vom Militärdienst - bis 1945 wirkte, dann aber wegen seiner NS-Zugehörigkeit suspendiert wurde. 1938 wurde die konfessionelle Schule eine Gemeindeschule. 1948 wurde Ferdinand Gottfried Posch als Schulleiter eingesetzt. Er starb 1960.Johann Posch aus Oberschützen wurde mit der provisorischen Schulleitung betraut. Letzter Lehrer war JOsef Pertl, der 1966 in Pension ging. Die Schule wurde trotz heftigen Widerstandes der Bevölkerung geschlossen, die Kinder mussten nach Oberschützen fahren. Die schöne, gründlich renovierte Turmschule wird für Veranstaltungen und Gottesdienste genützt.

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Quellen

  • K.Ulbrich - J.Weichselberger,  Die Wehranlage von Weinberg im Burgenland. Burgenländische Heimatblätter31, 1969, S.173-181

  •  

    700 Jahre Willersdorf 1289 - 1989. Festschrift 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr