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Urgeschichte

In und um Geresdorf wurden bis jetzt wenige urzeitliche Funde gemacht. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass das Gebiet schon in der Jungsteinzeit besiedelt war und es über die Bronze- und Eisenzeit hindurch auch blieb. Die archäologischen Fundstätten liegen nödlich des Ortes im Bereich des früheren Meierhofes. An der Gemeindegrenze zu Nebersdorf lag eine Siedlung der Kupfer- und der Bronzezeit. Das kleine Dorf dürfte bis in die späte Bronzezeit und Urnenfelderzeit bestanden haben. Zwei Grabhügel befinden sich an der Grenze zu Lutzmannsburg. Am Ortsrand, an der Straße nach Nebersdorf, wurden Keramikteile der Badener Kultur gefunden. Auch Eisenschlacken wurden auf dem Gemeindegebiet von Geresdorf gefunden, ein Hinweis auf keltische Verhüttungsöfen. Ziegelbruchstücke auf den Meierhofgründen lassen auf ein kleines römerzeitliches Anwesen schließen.

Mittelalter

Der Ortsname leitet sich vom deutschen Personennamen Gerold ab. 1156 schzenkte König Geza II. den Komitatssitz und Dekanatssitz Lutzmannsburg (Lusman) mit allen Markteinkünften und zusammen mit den beiden Dörfern Gerolth und Sarud (Frankenau) an zwei deutsche Ritter aus Meißen. Sie hießen Gottfried und Albrecht und waren vielleicht Brüder. Die Originalurkunde ist nicht erhalten, wohl aber eine Abschrift aus dem Jahre 1412. 1156 befand sich Gerolth zum Teil im Besitz königlicher Hofleute (udvornici) der Komitatsburg Lutzmannsburg, zum Teil im Besitz des Burggespans von Lutzmannsburg, Ivan de Luchnan. Ivan protestierte gegen die Schenkung aan Gottfrid und Albrecht. König Stephan III. wies den Protest zurück und bestätigte 1174 die Schenkung seines Vaters. Im Testament des Ivan vermachte dieser 1218 die Hälfte der Einkünfte in Gerolt dem Erzbischof von Kolocsa. In der großen Grenzbeschreibung des Klosters Marienberg aus dem Jahre 1225 wird Gerolt ebenfalls genannt, ebenso in Urkunden aus den Jahren 1229 (villa Gerolth) und 1240 (Gyrolth). 1262 teilten die Nachkommen Gottfrieds und Albrechts, Franko und dessen Neffe Stephan, ihr Erbe. Lutzmannsburg wurde geteilt, Frankenau und Geresdorf fielen an Franko. Aus der Linie des Frank wurden die Frankenauer, später Göß. Die Burggewalt über Lutzmannsburg wurde 1263 von König Bela IV. seinem Truchseß Lorenz II. von Athinai verliehen. Die Komitatsburg verfiel. Im Gefolge der Güssinger Fehde ging die Grundherrschaft von Lutzmannsburg an die Güssinger über, die Besitzer der Herrschaft Güns. Erst 1351 gelang es den Göß (Frankenauern) ihre Besitzungen in Frankenau und Geresdorf zurückzukaufen.

1475 schenkte König Mathias Corvinus die Besitzungen Gösfalva, Hegyfalva, Frankenau, Geresdorf u.a., die Besitzungen des verstorbenen Benedikt von Gösfalva, seinem Anhänger Ladislaus von Egervár aus dem Geschlecht Geregye. Dagegen whrten sich die weiblichen Nachkommen des Benedikt. 1481 wurde der Prozess um diesen Streit beendet und Frankenau und Geresdorf endgültig dem Ladislaus von Egervár, Ban von Kroatien und Slavonien,  zugesprochen. Die Töchter Benedikts wurden mit Weingärten abgefunden. Aber schon 1482 ließ Corvinus den Söldnerführer Ulrich von Grafenegg als Herrn der Herrschaft Landsee einsetzen. Zu dieser Herrschaft gehörte in diesem Jahr auch bereits Geresdorf. Wie dieser Wechsel zustande gekommen war ist unbekannt. In der Folgezeit machte Geresdorf das Schicksal der Herrschaft Landsee mit. Die Herrschaft kam an Erasmus Teuffl, 1553 kaufte Nikolaus Olah, Erzbischof von Gran, die Herrschaft und überließ sie seinem Neffen Nikolaus Olah Csaszar. Herrschaftszentrum wurde nach der Zerstörung Landsees durch einen Großbrand Lackenbach. Nach Nikolaus Olah- Csaszar erbte 1591 seine Tochter Ursula, die mit Franz Dersffy verheiratet war. Ihre Tochter Ursula Dersffy heiratete Franz Magocsy und nach dessen Tod Nikolaus Esterhazy. Im Besitz der Esterhazy blieb Landsee - Lackenbach und damit auch Geresdorf bis zum Ende des Feudalzeitalters 1848. Das Dorf wurde aber immer wieder verpfändet, besonders im Zeitraum von 1612 bis 1720, etwa an die Cziraky, Szalay, Rauch, keldi.1721 wurde Geresdorf  aus der Pfandherrschaft ausgelöst und der Herrschaft Deutschkreutz zugeteilt. Ab 1835 gehörte es zur Schafferei Samersdorf. Der Meierhof in Geresdorf wird erstmals erst 1885 erwähnt. Als Sarmajor bestand er bis1930. Dann wurde der Grund an die2 Dorfbevölkerung verkauft.

Das genaue Datum der Kroatenansiedlung ist nicht bekannt. Wahrscheinlich erfolgte sie schon in der ersten Ansiedlungswelle 1533 bis 1545. In der Steuerkonskription von 1550 werden nur vier Porten angeführt. In den Urbaren von 1675 und 1690 sind jedenfalls überwiegend kroatische Fmiliennamen angeführt. Die Pfarrer dieser Zeit waren ebenfalls ausschließlich Kroaten. Im Visitationsbericht von 1674 heißt es: Alle 285 Pfarrangehörigen sind katholisch und Kroaten.

Die Bevölkerung von Geresdorf lebte hauptsächlich vom Getreideanbau. Es gab aber auch Weinbau. Vor allem durch die Pfandherrn wurden die Bauern immer wieder schwer belastet. Gegen die ihnen auferlegten gefürchteten "weiten Fuhren" mussten sie sich wehren. Sie stellten eine hohe Belastung für die Menschen und das Zugvieh dar. Die wirtschaftliche Situation war anscheinend prekär. 1767, in der Antwort auf die "Neun Punkte" in Voprbereitung des maria theresianischen Urbars, zeigt sich, dass acht Halblehenshäuser und sechs Söllnerhäuser schon seit langer Zeit öde lagen. Offenbar waren die Bauern nicht mehr in der Lage, die hohen Belastungen zu tragen.1864 wurde der Urbarialvergleich der Geresdorfer mit der ehemaligen Grundherrschaft geschlossen. Rottgründe, Remanentialgründe, Bergrecht usw. mussten in Geld abgelöst werden, für 247 Joch Rottgründe etwa über 11 000 Gulden. Insgesamt war die Belastung, die in 20 Jahren Ratenzahlungen getragen werden mussten, sehr hoch. Die Folgen der "Grundentlastung" waren so wie in den meisten Dörfern Besitzzersplitterung durch Erbteilung. Die Verschuldung war hoch, Verpfändungen hatten oft die Versteigerung des Besitzes zur Folge. Dazu kam ein exlosionsartiges Bevölkerungswachstum. Die Einwohnerzahl von etwa 300 um 1700 stieg auf 900 in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es blieben nur wenige Auswege: die Saisonarbeit und schließlich die Ab- und Auswanderung.

In der Zeit der Räteregierung brachten die dramatischenEreignisse in Nikitsch (Hinrichtung des Pfarrers Semeliker) natürlich auch nach Geresdorf viel Unruhe. Die Einstellung der Bevölkerung zum Anschluss an Österreich war nicht einheitlich.Der Pfarrer von Geresdorf, Johann Windisch und der MesnerFranz Kirchknopf, der Kaufmann Alexander Krismanits und einige Bauern traten für Ungarn ein. Am 3. November1921zogen 50 österreichische Soldaten von Lutzmannsburg her kommend in Gerisdorf ein. In den 1920er Jahren blühte auch in Geresdorf der Schmuggel über die neue Staatsgrenze. Die verstärkte Abwanderung nach Wien setzte in den ersten Nachkriegsjahren ein. Nach der Grundentlastung blieben 60 haAcker und 100 ha Wald im Besitz der Esterhazy. Die Herrschaftsäcker wurden zusammengelegt und von einem Meierhof aus bewirtschaftet. Der Meierhof wurde an eine ungarische Zuckerfabrik verpachtet. 1931 wurde das Gebäude an zwei Familien verkauft, ebenso die Äcker, die die Bauern erwarben. Den Wald kaufte die Urbarialgemeinde.

Die Volkszählung 1934 zeigte folgende sozialökonomische Struktur: Das Dorf hatte 869Einwohner. 89 % lebten von der Landwirtschaft,3,5% von Gewerbe und Industrie,2,7% von Handel und Verkehr. 1% vom öffenlichen Dienst. Im Dorf gab es nur wenige Handwerker, zwei Tischler, zwei Schmiede, einen Schuster, einen Schneider, einige Gemischtwarenhändler, vier Gasthäuser und eine Windmühle.Einige Bauern betrieben nebenbei einen Pferdeoder Schweinehandel oderwaren als Fuhrleute tätig. Einige Frauen handelten mit landwirtschaftlichen Produkten, die sie mit der Eisenbahn von Deuschkreutz aus nach Wien brachten. Später übernahm den Transport die Firma Blaguss mit Lastwagen. Ab 1937 nahm auch in Geresdorf die Zahl der Bau- und Hilfsarbeiter stark zu. Die politische Situation wurde instabiler.Im benachbarten Lutzmannsbur fand die NSDAP immer mehr Zulauf.Am 10.März 1938 unternahmen die L utzmannsburger NS- Organisationen einen Propagandamarsch, der auch durchGeresdorf führte. Angehörige der Lutzmnnsburger NSDAP erklärten nach dem Anschluss den Bürgermeister Michael Krizmanich für abgesetzt. Dem neuen Gemeinderat stand JOhann Kuzmich, später Johann Fellinger vor. Die NSDAP - Ortszelle mit etwa 22 Mitgliedern gehörte zur Ortsgruppe Lutzmannsburg. Der Ansqchluss an Deutschland wurde mit 100% "Ja- Stimmen bgrüßt. Di beiden in Geresdorf lebenden jüdischen Familien Grüneis und Lederer "verschwanden".Zu den OPfern der NS- Diktatur gehörte auch Julia Bancic, die den Führer als Mörder bezeichnete, nachdem ihr Mann in Russland gefallen war. Die Volksschuldirektorin Anna Horvath, geb 1903 in Geresdorf, stammte aus einer sehr katholischen Familie. Zwei ihrer Brüder waren Priester. 1938 wurde sie in das kroatische Neuberg versetzt. Sie versuchte, die dortige Volksschule offiziell als "kroatische Volksschule" zu führen - was von der Schulbehörde untersagt wurde. 1943 wurde sie unter der Beschuldigung, Feindsender zu hören verhaftet und in ein Grazer Gefängnis gebracht. Im Prozess konnte ihr nichts nachgwiesen werden.Sie wurde trotzdem zu einer 12-monatigen Zuchthausstrafe verurteilt.

Am 20. September 1944 brach bei Drescharbeiten ein Brand aus, der sich zu einem Großfeuer entwickelte.,29 Häuser brannten völlig nieder,weitere 29 Gebäude wurden schwer beschädigt. Beim Herannahen der Russen erging die Aufforderung zur Evakuie2rung des Dorfes, der aber nicht befolgt wurde. Am Karfreitag 1945 wurde das Dorf von den Russen besetzt. Am 31. März griff eine SS- Einheit von Lutzmannsburg her die Russen an und warf diese aus dem Dorf. Im folgenden Kampf fielen sämtliche 60 deutsche Soldaten. 15 Schanzarbeiter wurden von den Russen erschossen. Einige Gebäude gerieten in Brand, mehrere Zivilisten kamen dabei ums Leben. Zwei ältere Männer wurden von einstürzenden Mauern getötet. Auch die Volksschule brannte nieder. 70 -75 % des Gebäudebestandes wurden zerstört. Dann begannen die Plünderungen. Etwa 60 % des Viehbestandes gingen verloren. Geresdorf gehörte zu den am meisten geschädigten Orten des Landes. Das Dorf hatte 42 Gefallene und 27 Vermisste zu beklagen. Im Oktober 1945 wurde Bürgermeister Andreas Markovich erschossen aufgfunden.

Nach dem Krieg kam es zu Spannungen zwischen Geresdorf und Lutzmannsburg, die 1946 in einer schweren WIrtshausrauferei kumulierten. Die Geresdorfer wollten Rache nehmen an den Lutzmannsburger Nationalsozialisten.

Ab 1974 begann der Wasserverband Mittleres Burgenland mit demBau der Ringwasserleitung. Auch die Kommassierung wurde eingeleitet. Die Zahl der Grundstücke wurdê von 2406 auf 769 reduziert. 1978 wurde die Kläranlage in Betrieb genommen. 2005 wurde eine Hochwasserrückhalteanlage in Betrieb genommen. Sehr schlecht steht es um die Nahversorgung mit Gütern es täglichen Bedarfs.

So wie die meisten Kroaten aus der Region ließen sich die meisten Auswanderer aus Geresdorf in der Zeit von 1900 bis 1924 nahezu geschlossen in South Bend nieder. Dort gründeten sie 1905 den Krankenunte2rstützungsverein St. Anton . 1924 ba         uten sie ein neues Vereinshaus mit einer Kegelbahn.1955 hatte der Verein 370 Mitglieder.

Kirche: Geresdorf wa r vermutlich eine vorreformatorische Pfarre. 1579 nimmt Pfarrer Georg Paswadics von Geresdorf an der Synode von Steinamanger teil. In den Visitationsberichten des 17. Jahrhunderts wird die der Heiligen <Kunigunde geweihte Kirche erwähnt. Alle Einwohner werden als katholische Kroaten bezeichnet. 1781 fiel auch die Kirche dem großen Brand zum OPfer. 1789 wurde die neue Kirche, dem Hl. Andreas geweiht, erbaut. Bis 1816 war Neberssdorf Filiale von Geresdorf. 1805 wurde der Pfarrhof errichtet., 1964 ein neuer Pfarrhof gebaut. 1977 wurde die neue Aufbahrungshalle eingeweiht. 1945 wurde die Schule zerstört. Die Kinder mussten vorübergehend im Zollhaus unterrichtet werden. Oberlehrer Hafner wurde außer Dienst gestellt, da er Mitglied der NSDAP war. Bis 1948 wurde nur unregelmäßig unterrichtet. 1948 wurde mit dem Schulneubau begonnen. 1949 wurde die Scule mit drei KLassenräumen und Lehrerwohnungen eröffnet. Ab 1960 wurde nur mehr zweiklassig unterrichtet, 1975 einklassig.1991 wurde ein Kindergarten eröffnet. Sowohl in der Schule wie im Kindergarten wird größter Wert auf die Verwendung der kroatischen Sprache gelegt.. In derVolksschule besteht auch eine Tamburizzagruppe.

Trotz der sinkenden Einwohnerzahl gab und gibt es noch ein funktionierendes Vereinsleben. Der Feuerwehr kommt auch im Gesellschaftsleben große Bedeutung zu. 1981 wurdeein neues Gerätehaus gebaut.Schon 1926 wurde e2in Vorschusskassenverein gegründet. Ab 1960 weitete die Raiffeisenkasse Lutzmannsqburg ihre Tätigkeit auf Geresdorf aus und errchtete eine Zweigstelle.1927 bis 1972 bestand eine Milchgenossenschaft. Sie musste aufgelöst werden. 1995 gab es nur mehr drei Milchbauern.Es gibt einen Fremdenverkhrs- undVerschönerungsqverein, einen Sportclub, eine Laientheatergruppe und die bekannte Musikgruppe PAX. Im Jahre 2001 gab es 444 Haupt- und 111 Nebenwohnsitze.

In politischer Hinsicht dominierte    bis in die 1960er Jahre die ÖVP mit jeweils etwa zwei Drittel der Stimmen. 1971 erlangte erstmals die SPÖ die Mehrheit. 1970 wurde nach der ZUsammenlegung zur GRoßgemeinde NIkitsch der Gemeinderat aufglöst. Seit 1992 isqt jOhann Balogh Bürgermeister der GRoßgemeinde, Franz Klemen Ortsvorsteher.

Literatur: Festschrift 850 Jahre Kroatisch Geresdorf.2006. Teilweise in kroatischer Sprache.