Das Gebiet des unteren Lafnitztales ist ohne Zweifel uraltes Kulturland. Aus urgeschichtlicher zeit gibt es aber nur wenige Funde, aus der Römerzeit im Nordosten des Gemeindegebietes Hügelgräber. Die erste urkundliche Erwähnung fällt erst in das Jahr 1428. Das Dorf war allerdings mit Sicherheit im Mittelalter bereits eine bedeutende Siedlung und wohl auch eine Pfarre an einem wichtigen Straßenknotenpunkt.

1428 übergab König Sigismund Burg und Herrschaft Güssing mit dem  Ort Heiligenkreuz und dem dortigen Zoll an Peter Chek de Leva, wegen dessen Verdienste in den Hussitenkriegen. Der Ortsname war zwischen dem 15, und 17. Jh. Kereszthur (Sanctam Crucem), im 18. Jahrhundert Szent Kereszthur oder Heylig Creitz, dann Rabakeresztur. Das Dorf war deutschbesiedelt, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es zur Einsiedlung von Kroaten. 1647 gestattete Ferdinand III. die Abhaltung von Wochenmärkten und von zwei Jahrmärkten. Die Herrschaft Güssing betrieb im Ort eine große Mühle und ein Sägewerk. Wichtig war die Mautstelle am Kreuzungspunkt der beiden Straßen Körmend - Fürstenfeld und Güssing - St. Gotthard.

Einen ersten Bericht über einen Pfarrer gibt es im Jahre 1564. Heiligenkreuz war aber mit Sicherheit schon eine mittelalterliche Pfarre. In der Visitation von 1698 werden Kirche und Pfarrhof beschrieben. Poppendorf war Filialgemeinde. Der Pfarrer musste auch den Seelsorgedienst in Oberradling mit den Filialen Inzenhof, Jakobshaza und Raabfidisch versehen. Raabfidisch war sogar bis 1933 Filiale, obwohl seit 1921 von der Muttergemeinde durch die Staatsgrenze getrennt. Pfarrhof und Kirche wurden in den 1780er Jahren von Ludwig Battjyany errichtet.

Auch in Heiligenkreuz war die Bevölkerung evangelisch. Es sind vier evangelische Pfarrer belegt: Gregor Pythireus 1596, Richardy Michael (1616 - 1620), Scheffler Johann (1624 - 1628) und Balogh Nikolaus (1648). Mit Cziczak Johann (1596) und Wenzel Weingarth sind auch die Namen von zwei Lehrern überliefert. Weingarth war später Pfarrer in Rattersdorf, Weppersdorf und Lutzmannsburg.  Nach der Konversion Adam Batthyanys zum Katholizismus wurden die evangelischen Pfarrer vertrieben, die Bevölkerung blieb aber noch lange lutherisch. Noch 65 Jahre  nach dem Beginn der Gegenreformation wurden 427 Evangelische und 169 Katholiken gezählt. 1698 überwog noch die Zahl der Evangelischen. Erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ging ihre Zahl stark zurück.

1828 ging Heiligenkreuz durch Heirat in den Besitz der Draskovich über. Wirtschaftlich war das Dorf immer eng mit St. Gotthard und den dortigen Markt verbunden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert arbeiteten dann viele Einwohner von Heiligenkreuz in den Industriebetrieben von St. Gotthard, in der Uhren-, Seiden- und Zigarrenfabrik, im Sägewerk oder in den Ziegelöfen.

1857/58 wurde ein Schulgebäude errichtet, 1872 entstand auch eine evangelische Volksschule. Zuvor besuchten die evangelischen Kinder die Schule in Raabfidisch.

Poppendorf wurde 1427 erstmals urkundlich erwähnt, unter der Bezeichnung  Podaboch. Im 16. Jahrhundert hieß der Ort Pathafalva, ab 1604 Poppendorf. Umstritten ist, ob der Ort im Stiftungsbrief Walfers 1157 gemeint ist.

 

Heiligenkreuz als Zentrum der Anschlussbewegung

Schlüsselfigur der Anschlussbewegung war Karl Wollinger, Mühlenbesitzer in Heilgenkreuz. Er wurde 1877 in St. Gotthard geboren. Seine frühe Jugend verbrachte er in Bingen am Rhein, woher sein Vater stammte. 1904 übernahm er die väterliche Mühle.und begann mit der Förderung des Deutschbewusstseins. 1907 entstand der Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn in Wien  (Patry).  1907 wurde die Ungarländische Deutsche Volkspartei unter Führung Edmund Steinackers. 1909 übernahm Wollinger die Organisation in Wetungarn und wurde bald darauf erstmals verhaftet. 1908 wurde in Heiligenkreuz die deutsche Protokollsprache eingeführt, der Kampf um die Amtssprache begann. Alle diese Bemühungen scheiterten am Widerstand der magyarischen Komitatsbehörden. In den Reichstagswahlen von 1910 kandidierte Steinacker im Wahlbezirk St. Gotthard, scheiterte aber am heftigen Widerstand der Magyaren. Wollinger war zunehmend Repressionen ausgesetzt. 1912 gründete er den West - Eisenburger Volksbildungsverein und den Eisenburger Volks- und Fortbildungsverein. Beide Vereine wurden verboten. Neben der kulturellen Emanzipationsbewegung sollte auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der deutschen Bevölkerung gehoben werden. 1913 wurde die Eltendorfer Raiffeisengenossenschaft gegründet.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges trat Wollinger sofort für den Anschluss Deutschwestungarns an die Steiermark ein. Schon im November 1918 entfaltete er eine starke Bewegung für den Anschluss. Viele Veranstaltungen fanden statt, etwa  am 4. Dezember 1918 eine große Anschlusskundgebung in Eltendorf. Wollinger wurde in den Deutschen Volksrat für Ungarn gewählt und war an der Ausarbeitung eines Autonomiegesetzes beteiligt. Am 15. Dezember 1918 trafen sich Vertreter von mehr als 40 Gemeinden in Heiligenkreuz. Es wurde das große Misstrauen gegenüber den Autonomieversprechen geäußert und der Anschluss an die Steiermark gefordert. Wollinger berichtete Staatskanzler Renner über den Anschlusswillen der Bevölkerung. Wollinger gründete die "Deutsche Freiheitspartei". Zusammen mit Rosa Werner aus St. Martin/Raab organisierte er geheime Unterschriftenaktionen. Über 70 % der Bevölkerung waren für den Anschluss.

In der Rätezeit wurde Wollinger im April 1919 verhaftet und in Budapest für vier Wochen  interniert. Angeblich wurde er auf Intervention örtlicher "Kommunisten" freigelassen. In der Horthy - Zeit wurde Wollinger ebenfalls verfolgt und verhaftet. Im Herbst 1920 fand auf freiem Feld bei Heiligenkreuz eine große Versammlung statt. Sie wurde von bewaffneten Freischärlern gesprengt. Es gab Verletzte und Tote. Die Magyaren forderten den Verbleib von Heiligenkreuz bei Ungarn.

Am 28. August 1921, während des ersten Landnahmeversuchs durch Österreich, wurden Österreichische Gendarmerie und Zollwache in Heiligenkreuz angegriffen und die meisten Beamten gefangen genommen. Am 10. September wurden sie gegen den promagyarischen Pfarrer Horvath, der in Königsdorf von österreichischen Gendarmen verhaftet worden war, ausgetauscht. . Für etwa drei Monate blieb das Dorf von Freischärlern besetzt. Wollinger floh nach Fürstenfeld. Es kam zu massiven Einschüchterungsversuchen, etwa der Arbeiter, die in St. Gotthard beschäftigt waren. Alle Bewohner, die entschieden für Österreich eintraten, wie Franz Rafel, August Mild, Johann Zieger, Johann Jost oder Rudolf Unger, wurden verfolgt.

Die Grenzregulierungskommission stellte in Heiligenkreuz und Poppendorf eine eindeutig pro - österreichische Stimmung fest. In Poppendorf gab es um Bürgermeister Deutsch allerdings auch eine Gruppe, die pro - ungarisch war. Leider sprach die Grenzregulierungskommission die fünf Gemeinden Raabfidisch, Jakobsdorf, Ober- und Unterradling sowie Ginisdorf Ungarn zu, obwohl die Bevölkerung deutsch war und den Anschluss an Österreich verlangte. In diesen Dörfern war die Einschüchterung der Bevölkerung durch "Freischärler" aus St. Gotthard besonders stark. Nach dem Anschluss an Österreich wurde am 28.11.1921 ein Gendarmerieposten eingerichtet, 1922 eine Expositur bei der Wollingermühle, da ein Überfall auf Wollinger befürchtet wurde. Für Heiligenkreuz bedeutete die Grenzziehung eine verkehrsmäßige und wirtschaftliche Umorientierung . Die Straßenverbindungen zu den burgenländischen Zentren, zu Jennersdorf und Fürstenfeld, mussten in der Zwischenkriegszeit erst hergestellt werden. Die Arbeitsplätze in St. Gotthard gingen verloren, der Grenzübertritt war bald mit Schikanen verbunden. Die Grenzübertrittsscheine wurden von den ungarischen Behörden oft nicht anerkannt. Der Schmuggel florierte zwar, war aber nicht ungefäjrlich. Immer wieder kam es zu Zwischenfällen.  1928 etwa flog ein Waffenschmuggel auf. So mussten viele Heiligenkreuzer  und besonders Poppendorfer entweder zu Pendlern werden oder auswandern.

Hatte der Ort 1900 noch 2073 Einwohner waren es 1934 2001 und 1951 nur mehr 1721. Die Höhepunkte der Auswanderung waren nach dem Ersten und dann wieder nach dem Zweiten Weltkrieg. Unter den Auswanderern war Josef (Joe) Pandl, der 1922 nach Pittsburg ging und in der Nachkriegszeit den Ortsbewohnern sehr viel helfen konnte. Aus Poppendorf gingen insgesqmt 232 Auswanderer weg, in der Zwischenkriegszeit 66 Personen, nach 1945 99 Personen, die meisten nach Allentown. Viele, die nicht nach Übersee auswandern wollten, fuhren jährlich im Frühjahr auf Saisonarbeit (Grünarbeit) und kamen erst im Herbst wieder zurück.  Die Bauern waren  gezwungen, einem Nebenerwerb nachzugehen. Dies führte dazu, dass in den sechziger Jahren die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten stark abnahm und viele Männer Berufe wie Bauarbeiter oder Industriearbeiter ausübten. Die Lage unmittelbar am „Eisernen Vorhang“ war der Grund dafür, dass sich kein Industriebetrieb hier ansiedeln wollte. Die Folge war eine starke Zunahme des Pendlertums. Die Mehrzahl der Arbeiter wurde zu Tagespendlern nach Güssing, Fürstenfeld oder Jennersdorf. Sehr viele waren Wochenpendler als Industrie- und Bauarbeiter in der  Steiermark,in  Graz und im  Wiener Becken.

Heiligenkreuz wurde zunächst vom Amtshaus in Mogersdorf aus mitverwaltet. 1929 wurde ein eigenes Amtshaus gebaut. Die beiden Schulen wurden umgebaut. Ein von Wollinger besonders geforderter Bahnbau von Güssing über Heiligenkreuz nach Fürstenfeld wurde nicht verwirklicht. 1924 erfolgte die Elektrifizierung, Der Strom wurde von einem E-Werk in Dobersdorf geliefert. Die Berghäuser wurden allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg an das Stromnetz angeschlossen. 1926 erhielt Heiligenkreuz das Marktrecht. Vier Jahrmärkte mit Viehauftrieb sollten stattfinden. In den 1930er Jahren wurde eine ländliche Fortbildungsschule eingerichtet, mit einem dreijährigen Kurs. Unter den Vereinen waren der katholische Männergesangsverein, ein katholischer Burschenverein und ein Mädchenbund aktiv. Besonders wichtig waren die Einrichtungen des Deutschen Schulvereines Südmark. Auch ein deutscher Turnverein bestand. Schon 1924 bestand die Ortsgruppe Josef Reichl det "Südmark". Sie verfügte über eine große Bücherei und veranstaltete Theateraufführungen. 1931 errichtete die Ortsgruppe in Richtung Poppendorf ein Anschlussdenkmal. 1923, nach dem Scheitern des NS - Putsches in München, soll sich Hermann Göring für einige Wochen bei Wollinger in Heiligenkreuz aufgehalten haben.

 

Wollinger war 1922 erster Obmann der Großdeutsche Volkspartei des Burgenlandes, 1931-1934 war er Landesparteiobmann, 1927 bis 1930 war er Landtagsabgeordneter und 1922/23 saß er im Nationalrat. 1923 erhielten die Großdeutschen 147 Stimmen. der Bauernbund (Landbund) 178 Stimmen. 1927 bekamen die Großdeutschen und der Landbund 216, die Christlichsozialen 152 und die Sozialdemokraten 127 Stimmen. 1931 konnten die Christlichsozialen schon 6 Mandate erzielen, der Landbund erhielt 3 und der Nationale Wirtschaftsblock 2 Mandate. Bürgermeister war von 1923 bis 1927 Johann Plaukowitsh, 1927 bis 1931 Franz Reichl.

 

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Die Vaterländische Front konnte die Bevölkerung nur teilweise mobilisieren, vor allem die Evangelischen sahen sich zunehmend diskriminiert. Der Zulauf zu den illegalen Nationalsozialisten wurde stärker. 1936 gab es schon eine SA-Ortsgruppe. Bürgermeister war in der Zeit des Ständestaates der Gastwirt Franz Rabel. Ab 1936/37 wurde eine verstärkte Tätigkeit der illegalen Nationalsozialisten registriert, etwa ein Anschlag auf die Telefonleitung. Die Täter wurden gefasst und vor Gericht gestellt. Am 21. Feber 1938 organisierten die Nationalsozialisten einen Aufmarsch in Heilienkreuz, am 12. März übernahmen sie auch in Heilgenkreuz die Macht. Vaterländische Funktionäre wurden inhaftiert. Verhaftet wurde der Kommandant der Frontmiliz, Franz Beutl, Franz Rabel wurde seines Amtes enthoben. Die konfessionellen Schulen wurden aufgelassen, Direktor Franz Thaler in Poppendorf kam in Schutzhaft, Stefan Müller, Schulleiter in Heiligenkreuz, wurde strafversetzt. Im August 1938  wurde der Sozialist Josef Mild zu drei Monaten Haft verurteilt. Die Abstimmung ergab 100 % für den Anschluss an das Dritte Reich. Wollinger übernahm das Amt des Bürgermeisters, trat aber schon 19451 aus Enttäuschung über die nationalsozialistische Politik zurück. Sein Nachfolger wurde Albert Gibiser. Wollinger starb am 13. September 1945 in Graz. Er musste noch die totale Verwüstung seines Anwesens in Heiligenkreuz erleben.  Ortsgruppenleiter waren Gustav Karner, danach Franz Reichl. Die Zigeunerfamilien von Heiligenkreuz, die in einem Gemeinschaftshaus im Schmalzgraben, von der Gemeinde errichtet, lebten, wurden nach Lackenbach deportiert. Das Geschäft der einzigen  jüdische Familie im Dorf, der Kaufmannsfamilie Pinter, wurde enteignet. Das weitere Schicksal der Familie ist nicht bekannt. Die Arbeit am Südostwall forderte auch in Heiligenkreuz, vor allem unter den jüdischen Zwangsarbeitern, viele Opfer.

Am 30 März 1945 wurden Mogersdorf und St. Gotthard von den Russen besetzt. Heiligenkreuz wurde geräumt, die Bevölkerung fand Zuflucht in den Berghäusern und in Zahling. Um das Dorf wurde 12 Tage lang gekämpft, es wechselte mehrmals den Besitzer. Die Russcen mussten das Dorf dreimal erobern. Am 1. April wurden die Russen von Einheiten der SS-Division Wiking und des Volkssturmes zurückgeworfen, ihr Vorstoß in Richtung Fürstenfeld wurde abgewehrt. Am 5. April wurden Feldbach und Fehring wieder befreit, Heiligenkreuz geriet unter Artilleriebeschuss, am 6. April wurden Jennersdorf und erneut Fehring von den Sowjets eingenommen. Am 8. April erfolgte ein Gegenangriff der 3. Panzerdivision, Heiligenkreuz kam wieder in deutschen Besitz. Der Munitionsmangel ließ die Deutschen jedoch zurückweichen, so dass am 10 April Heiligenkreuz endgültig von den Russen erobert wurde. Die Zerstörungen waren größer als in jedem anderen burgenländischen Dorf. Von den 249 Häusern waren 56 vollständig und 57 teilweise zerstört, 58 waren beschädigt. Auch in Poppendorf waren 48 Häuser abgebrannt und viele schwer beschädigt. 10 Personen, darunter drei Frauen, wurden getötet.Es kam zu Übergriffen gegenüber der Zivilbevölkerung.

 

Wiederaufbau in der Nachkriegszeit

Franz Rabel wurde wieder als Bürgermeister eingesetzt. Die Gemeindekanzlei wurde in der früheren evangelischen Schule eingerichtet. Im Zuge der "Entnazifizierung" wurde Franz Reichl 1947 vom Volksgerichtshof zu einem Jahr schweren Kerkers und Verfall seines Vermögens verurteilt. Parteimitglieder wurden auch von den Russen ausgeforscht und inhaftiert., Johamm Gröller etwa war für 4 Monate in Jennersdorf in Haft. Josef Dix warf man Beteiligung an Massenerschießungen von an Typhus erkrankten Juden vor. Er wurde zu vier Jahren strengen Arrest verurteilt und war von 1946 bis 1949 in Haft.

Der zu 75 % zerstörte Ort wurde auch mit Hilfe von Staat und Land wieder aufgebaut. Große Hilfe kam aus Amerika, durch den Auswanderer Joe Pandl, der Lebensmittel- und Kleiderlieferungen organisierte und hohe Geldbeträge, unter anderem für die Errichtung des Kindergartens, spendete, Das Gemeindehaus wurde wieder aufgebaut und 1950 eine neue Volksschule eingeweiht. 1951/52 entstand ein neues Feuerwehrhaus. Der Turm der katholischen Kirche, der vollständig zerstört war, wurde wieder aufgebaut. Da die Hochwässer der Gemeinde schwer zu schaffen machte wurde 1966 mit der Lahnbachregulierung begonnen. Wasserversorgung und Telefonnetz, Straßen und Wege wurden ausgebaut. Wirtschaftlich setzte man zunächst  Hoffnung auf den Fremdenverkehr. Das Kulturleben kam mit Laientheater und der 1969 gegründeten Chorvereinigung wieder in Schwung.

In den 1970er Jahren wurde mit dem Ausbau der Kanalisation begonnen, der Abwasserverband Unteres Lafnitztal baute 1984 eine Zentralkläranlage.

Die politische Entwicklung im Herbst 1945ergab für die ÖVP 6, dien SPÖ 4 und die KPÖ 1 Gemeinderatsmandat. Ab 1946 war Franz Beutl Bürgermeister. An der politischen Struktur änderte sich in den folgenden Jahzehnten nichts. Die ÖVP behielt eine kleine Mehrheit. 1968 erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues Gemeindehaus, das 1970 - ebenso wie der Kindergarten - eingeweiht wurde. 1971 erfolgte die Gemeindezusammenlegung mit Poppendorf. Die dortige Volkschule wurde aufgelassen. Johann Aufner blieb weiterhin Bürgermeister, Ortsvorsteher in Poppendorf war August Schlener. Heiligenkreuz wurde 1971 zur Marktgemeinde erhoben. 1970 wurden die ersten "Grenzlandfesttage" veranstaltet und eine Mehrzweckhalle, die "Grenzlandhalle" errichtet. Auch ein Sport- und Erholungszentrum  mit einem Freibad entstand 1986. 1972 wurde Franz Mahr sen. Bürgermeister, dann 1986 bis 1990 Franz Mahr Jun. und von 1990 bis 1997 Anton Takacs. 1991 wurde endlich auch die im Verfall begriffene Wollingermühle von der Familie Auer gekauft und vorbildlich restauriert. Ab 1997 war Anton Györy Bürgermeister, dann wieder Franz Mahr Jun.

 

Wirtschaft, Bevölkerung, Wanderungsbewegungen

Es gab nur kleine gewerbliche Familienbetriebe. Eine kleine Textilfabrik wurde schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe stellten auf Nebenerwerb um. Das Pendlerwesen nahm zu. 1967 pendelten bereits 168 Personen aus, viele als Wochenpendler nach Graz oder Wien. Die triste wirtschaftliche Situation trieb aber immer mehr Menschen in die Ab- und Auswanderung. Die Bevölkerungsentwicklung zeigt dies deutlich: 1939  hatte der Ort 1890 Einwohner, 1951 1721, 1961 1574. Die Lage am Eisernen Vorhang verhinderte eine positive Entwicklung. Der Grenzübergang nach St. Gotthard wurde geschlossen. Erst 1956 gab es Erleichterung im Reiseverkehr. Dann setzte nach dem Ungarnaufstand im November 1956  die große Flüchtlingswelle ein - über 1320 Flüchtlinge kamen über den Grenzübergang, Es folgte die neuerliche totale Abschließung. Erst ab den 1960er Jahren gewann der Grenzübergang wieder an Bedeutung. Im September 1060 kamen zahlreiche Flüchtlinge aus der DDR über die Grenze.

Mit der Ostöffnung und der Zunahme des Verkehrs wurde der Grenzübergang stark ausgebaut. 1991 gab es erste Überlegungen zur Errichtung eines grenzüberschreitenden Wirtschaftsparks auf einem Areal von 400 ha, davon 60 ha in Österreich. Die Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde wurden nur teilweise erfüllt. Die Verkehrsbelastung nahm stark zu, besonders ab 1990/91. In der Bevölkerung fand die Industrialisierung nicht nur Zustimmung. 1995 fiel die Entscheidung der Lenzing AG, ihr neues Lyozell - werk in Heiligenkreuz zu errichten. Ausschlaggebend waren die hohen Förderungen der EU. Absatzprobleme der Lyozell konnten bald überwunden werden. und die Zahl der Mitarbeiter stieg.

In Poppendorf leben heute 402 Einwohner (2009). Die Auswanderung war besonders stark. Das Dorf hatte 372 Amerikawanderer zu verzeichen. Anders als in vielen anderen Orten stieg auch nach dem Zweiten Weltkrieg die Zahl der Auswanderer. (83 Personen). Allein 1953/54 zogen 48 junge Leute nach Amerika, hauptsächlich nach Kanada.   Die sozialökonomische Struktur hat sich total gewandelt.  Nur mehr zwei Familien sind Vollerwerbsbauern. Die Pferdehaltung spielt eine Rolle.  Auch Poppendorf wurde zur Wohngemeinde. Mit der Erschließung neuer Bauplätze versuchte man, jüngere Bewohner im Ort zu halten. Erst die Errichtung des grenzüberschreitenden Wirtschaftparkes entspannte die Arbeitsplatzsituation leicht.


Literatur

  • Orts- und Schulchronik der Volksschule Poppendorf.
  • Walter Dujmovits: Die Amerikawanderung der Burgenländer, Stegersbach 1975.
  • Martina Planer: Heiligenkreuz im Lafnitztal im Wandel der Zeit., Diplomarbeit, Universität Wien 2000.
  • Franz Michael Koller: Destination Amerika – Transatlantische Arbeitsmigration im 19. und 20. Jahrhundert am Beispiel der Gemeinde Patafalva/Poppendorf (vormals Ungarn/heute Burgenland), Master Thesis, Universität Salzburg 2009.