Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte erst im Jahre 1577. Es ist jedoch anzunehmen, dass das Dorf schon einige Jahrzehnte früher von den Batthyany gegründet wurde. 1524 bekam Franz II. Batthyany, Banus von Kroatien und Slawonien, Burg und Herrschaft Güssing übertragen. Er erhielt die Erlaubnis, Flüchtlinge anzusiedeln.

Mit dem Tod Lorenz Ujlakis fiel die Herrschaft an die Krone zurück und konnte von Ludwig II. an Batthyany übergeben werden. Von Ferdinand II, erhielt er 1527 die Herrschaften Rechnitz und Schlaining.  Das Problem war, dass sich die zahlreichen Verwandten von Ujlakis Frau damit nicht einverstanden erklärten und Ansprüche erhoben. Franz Batthyany begann offenbar sofort mit der Neubesiedlung von verlassenen Orten und der Neuanlage von Siedlungen.
 

Der neue Ort der Kroaten   ( "... nova villa aliter Horvathfala vocata") wurde zwischen Rohrbrunn und Stegersbach und gegenüber von Neudau und Wörth auf der steirischen Seite gegründet. Der Ort lag ursprünglich direkt an der Lafnitz. Später kommt für Stinatz auch die Bezeichnung Arrand vor, was von einigen Forschern als "am Rand" gedeutet wird. (Urbar von 1750: "Conscription von dem Dorff Stinatz aliter Arrand" ). Es setzte sich aber dann - eventuell in Verbindung mit einer zweiten Gruppe von Ansiedlern -  die kroatische Bezeichnung Stinatz durch, die vermutlich vom Herkunftsgebiet der Neusiedler, der Herrschaft Stenicnjak abzuleiten ist. VIele Familiennamen, die dort und in den benachbarten Herrschaften in den Urbaren verzeichnet sind, finden sich auch in Stinatz.  Entwicklung des Ortsnamens: Kanonische Visitation 1698 Stinyak; Urbar 1693: Stinyak; Urbar 1748 Stinak.

Das neue Dorf dürfte schon sehr früh, im Jahre 1528, entstanden sein, also im Zuge der ersten Welle von Kroatenansiedlungen in Westungarn. Seit dem Türkenzug von 1532 waren ja viele Dörfer verwüstet und teilweise verödet. Die große Ansiedlung von Kroaten erfolgte dann in den Jahren zwischen 1530 und 1560, vor allem nachdem 1556 die Burg Kostajniza in türkische Hände gefallen war und das Gebiet zwischen Save, Una und Kupa verwüstet wurde.

Die erste Kroatensiedlung direkt an der Grenze (Horvathvalu, Nova Villa) - 20 Personen und 4 bis 5 Familien -  musste aber nach mehreren Überfällen der Bauern Erhards von Pollheim von westlich der Lafnitz wieder aufgegeben werden. Die Bewohner der Herrschaften rechts der Lafnitz  Wörth, Neudau und Burgau hatten auch auf "ungarischem" Gebiet seit langer Zeit Felder, Wiesen und Weingärten. Sie waren nicht bereit, Batthyany dafür den Zehent zu zahlen. Der Streit um die Westgrenze der Güssinger Herrschaft brach 1528 offen aus. Batthyany sah die Lafnitz als Grenze, Polhaim versuchte zu beweisen, dass er und seine Untertanen seit jeher Besitzungen jenseits der Lafnitz hatten.

Um seine Ansprüche zu bekräftigen gründete Batthyany eine Siedlung im umstrittenen Gebiet. Er siedelte 20 Leute an. Der Konflikt verschärfte sich immer mehr. 1529 führt Polhaim zahlreiche Schäden und Gewalttaten auf, die er und seine Untertanen von Seiten Batthyanys zu erdulden hatten.  Polhaim hätte im September 1529 bewaffnete Leute geschickt und die Gründe an der Lafnitz besetzt. Außerdem hätte er den Weinzehent eingehoben. Pollhaim beklagte sich, dass Batthyany seinen Untertanen - den Kroaten - gestattete, ihr Vieh in den Weingärten seiner Leute zu weiden. Die erwähnten 20 kroatischen Ansiedler waren also schon 1528 im umstrittenen Gebiet und wurden von Batthyany anscheinend angesetzt, um sich gegenüber Pollheim zu behaupten und dessen Leute zu verdrängen. 1530 überfiel Pollhaim das neue Dorf, zerstörte es und vertrieb die Siedler.

Ein kaiserliches Gericht in Wien gab Batthyany recht. Polhaim gab aber nicht nach und setzte die Übergriffe fort. Die Feindseligkeiten dauerten bis 1546 an. In diesem Jahr wurde ein Übereinkommen zwischen den Streitparteien geschlossen. Der Kompromiss ah vor, dass die Steirer ihre Besitzungen jenseits der Lafnitz noch zehn Jahre bewirtschaften durften. Dafür bezahlten sie der Herrschaft Güssing eine Entschädigung.  Das zerstört Kroatendorf wurde neu, weiter östlich an der Stelle des heutigen Stinatz, gebaut und konnte sich offenbar friedlich entwickeln.1676 lebten dort bereits 40 Familien.  Erst im Jahre 1576 taucht Stinatz in einem Güssinger Urbar auf, mit einem Verzeichnis der Bewohner. Es sind ausschließlich kroatische Namen.


Die kriegerischen Ereignisse von 1605 und 1620 dürften auch Stinatz betroffen haben. In den Urbaren von 1649 und 1693 tauchen neue Familiennamen auf, darunter erstmals vereinzelt auch deutsche Namen. Das Dorf blieb aber kroatisch. Anscheinend hatte schon 1635 die Viehzucht gro0e Bedeutung. Es deutet einiges darauf hin, dass schon im 17. Jahrhundert das Transportgewerbe wichtig war und auch der Viehhandel spielte in Stinatz immer eine große Rolle. 1750 war der Bestand an Pferden beachtlich. So wie die anderen Dörfer war auch Stinatz immer wieder von Großbränden betroffen. 1648 forderte die Pest viele Opfer. Die Die Einwohnerzahl betrug 1779 497 Personen. stieg bis 1812 auf 634, 1832 auf 760, 1870 auf 940 und 1930 auf 1086 Personen.

 

1869 wurde mit der Grundherrschaft die Grundablöse vereinbart.

1929/30 wurde die Volksschule neu gebaut. Die Volksschule aus dem Jahre 1976 wurde mit einer Mehrzweckhalle ausgestattet. Die bauliche Entwicklung des Ortes ist durch die Anlage neuer Straßen für die Errichtung von Einfamilienhäusern gekennzeichnet. Der alte bäuerliche Ortskern hingegen leidet unter der Vernachlässigung vieler leer stehender alter Häuser. 1870 wurde eine gemeinsame Gemeindeverwaltung mit Hackerberg, Wörtherberg und Neudauberg eingerichtet. 1894 kam Ollersdorf hinzu. 1977 wurde Stinatz Marktgemeinde. 1970 löste sich Neudauberg als selbständige Ortsgemeinde. Das Gemeindestrukturverbesserungsgesetz von 1970 schloss Ollersdorf, Hackerberg und Wörtherberg zur Großgemeinde Ollersdorf zusammen. 1966 wurde ein neues Gemeindeamt errichtet, mit einer Kreisarztstelle und drei Wohneinheiten.  1882 wurde ein Post- und Telegraphenamt eingerichtet. 1948 wurde eine Lichtbaugemeinschaft zur Elektrifizierung des Dorfe gegründet. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort evakuiert, 11 Häuser brannten während der Kampfhandlungen ab, 23 wurden schwer beschä#digt. Es kam zu den üblichen Plünderungen und zur Requirierung des Viehbestandes durch die Besatzungsmacht. Bis 1947 waren russische Soldaten im Ort stationiert. Einige Personen, darunter zwei Kinder, kamen durch Kriegsmaterial ums Leben. 1957 wurde eine Wasserleitungsgenossenschaft gegründet. 1976 wurde die Ortskanalisation abgeschlossen.  1981 wurde das neue Zntralamtsgebäude eröffnet (Feuerwehr, Post, Kindergarten), 1999 das Gemeindehaus und 2000 die Volksschule saniert; 2004 - 2005 Errichtung eines neuen Kindergartens und 2011 – 2012 Errichtung des neuen Feuerwehrhauses


In wirtschaftlicher Hinsicht ist Stinatz eine typische Auspendlergemeinde. Schon im 19. Jahrhundert zwang die wirtschaftliche Not zur landwirtschaftlichen Saisonarbeit. In den 1920er und 1930er Jahren waren immer mehr Bewohner als Bauarbeiter tätig, viele in Tirol und in der Szeiermark. Die Amerikawanderung war relativ gering. 1910 waren es 10 % der Bevölkerung, die in Amerika waren, vor allem in Buffalo. Vereinzelt wanderten Stinatzer im 19. Jahrhundert nach Kroatien aus. In den 1970er Jahren stieg der Auspendleranteil auf über 80 % der Erwerbstätigen. Die meisten Stinatzer arbeiteten als Wochenpendler in Wien. Der Handel spielte in Stinatz immer eine bedeutende Rolle, besonders der Vieh- und Weinhandel. 1901 gab es noch 12 Vieh- und 4 Weinhändler. Die Handelsbeziehungen reichten bis nach Bosnien. Das Gewerbe war hingegen immer schwach entwickelt.

 

Geschichte der Pfarre

1696 fand eine Visitation statt. Stinatz gehörte noch zur Pfarre Stegersbach.  Erwähnt wird ein Glockenturm an der östlichen Seite des Dorfes. In einem eingefriedeten Areal konnten Messen stattfinden. 1757 gab es schon eine Kapelle. dem Hl. Petrus und Paulus geweiht, in der Mitte der Ortschaft. Sie war laut Visitation gut ausgestattet.  Der Kirchengrund, über den die Filiale verfügte, war an Bauern verpachtet. Die Bewohner waren alle Katholiken und Kroaten. Die Gemeinde war verpflichtet, zur Erneuerung des Stegersbacher Pfarrhofes beizutragen. In der Visitation von 1779 wird ein Lehrer erwähnt und eine Hebamme. Die Bewohner der Berge von Burgau, Neudau und Wörth besuchten die Gottesdienst in Burgau und Neudau und nicht in Stegersbach. 1790 wurde Stinatz eine selbständige Pfarre. 1812 wurden erstmals die Kirche  und der Pfarrhof visitiert. Pfarrer war Georgius Telkits. Die Kirche war in einem schlechten Zustand. Sie war, ebenso wie der Glockenturm, aus Holz. Auch der Pfarrhof sollte neu gebaut werden. Kantor und Lehrer war Andreas Blaskovics, der zwar auch Deutsch konnte, aber nur in kroatischer Sprache unterrichtete. 1832 war Ivan Nepomuk Fabiankovic Pfarrer. die Kirche war neu. 1819 hatte man die alte Kirche abgerissen, die neue Kirche wurde mit Hilfe des Religionsfonds gebaut. Sie bot Platz für 900 Personen. Auch der Turm war nunmehr gemauert, der Pfarrhof noch immer in einem schlechten Zustand. 1824 wurde für den Lehrer ein neues Haus gebaut. 1859 war auch der Pfarrhof schon renoviert. 1901/2 wurde die Kirche erweitert., die Apsis angebaut. 1848 wurde sie renoviert.Weitere Renovierungen fanden 1971 und 1986/87 statt, 1971 mit neuerlicher Vergrößerung.  Um 1870 wurde ein neuer Pfarrhof gebaut, ebenso 1954. Unter Pfarrer Grubits wurde ein Pfarrheim errichtet und zum Veranstaltungszentrum ausgebaut. 1977 wurde die alte Schule aufgelassen und ebenfalls als Pfarrheim eingerichtet. Unter den Pfarrern von Stinatz ist sind von Bedeutung: Peter Jandrisevits (1906 - 1924), später Pfarrer von Schandorf. Er war vier Jahre lang Abgeordneter im burgenländischen Landtag, Alfred Grubits (1952 - 1954) und Karl Gregorits (1955- 1963) sowie Dr. Leo Stibits (1967 - 1977). Unter den aus Stinatz stammenden Priestern ist vor allem Dr. Aegidius Szifkovics, derzeit Bischof von Eisenstadt, zu erwähnen.




Literatur:

  • Milan Kruhek, Die Grenzsstreitigkeiten zwischen Erhard von Polhaim und Franz von Batthyany und die Gründung eines neuen "Dörfl mit Crabathen" auf den deutschen Bergen. In: Türkenkriege und Kleinlandschaft 2, S.41 - 62
  • Stinatz - Geschichte und Erbe (zweisprachig), Stinatz 1990