Ortsname

 

Jahr Ortsname
1223 Beseneu
1265  Besenev
1291  Petschnaern
1325  Beseneu
1388  Petschnarn
1435  Pechyned
1492  Pettschafften
1571  Pödtsching 
1593  Petsching 
1627  Pechermed aliter Petsingh 
1655  Peczingh 
1810 Pötsching 

 

offizieller ungarischer Ortsname bis 1921: Pecsenyéd

Der Ortsname ist von im 10. Jahrhundert an der Wr. Neustädter Pforte angesiedelten ungarischen Grenzwächtern, den Petschenegen oder Bissenern, abzuleiten. Diese haben wahrscheinlich in Röjtökör  (Wart) gesiedelt. Das spätere Pöttsching  - Petschnarn - entstand als deutsches Dorf "bei den Petschenegen".

 

Urgeschichte

Wie auf Grund der Lage im fruchtbaren Wulkabecken nicht anders zu erwarten weist das Gebiet von Pöttsching zahlreiche urgeschichtliche Funde auf, die eine Siedlungskontinuität seit der Jungsteinzeit nahe legen. Zahlreiche Siedlungsgruben nördlich des Ortes wurden 1930 bei der Anlage des Braunkohlentagebaues zerstört. Scherben aus der linearbandkeramischen Kultur über die Lengyelkultur bis zur Badener Kultur, von  "Bomben" mit Linearverzierungen, Verzierungen mit Fingerkuppenleisten, Fischgrätenmuster und Litzenverzierung gelangten in das Landesmuseum. Gefunden wurden außerdem Spinnwirtel, Knochengeräte, Steinbeile, Klopf- und Reibesteine, Tonlöffelbruchstücke, Schnecken- und Muschelschalen. Weitere Funde aus der Jungsteinzeit folgten, etwa 1949 bis 1955 bei der Anlage der Siedlungsgasse oder 1957 ein Hockergrab mit einer Knochennadel und einer Steinklinge als Grabbeigaben. Weitere Funde aus dem Jahre 1975 wie ein Flachbeil aus Serpentin und andere verschwanden in "private Kanäle". 2015 wurde beim Bau der Wasserleitung Neudörfl–Ödenburg ein 7500 Jahre altes, gut erhaltenes jungsteinzeitliches Skelett in einer Lehmgrube gefunden.

Aus der Bronzezeit ist in der Archäologie der Dolchtyp Boiu - Sauerbrunn bekannt. Namensgebend wurde ein Fund, der 1895 im Bereich des Wurtkreuzes gemacht wurde: ein 48 cm langes Bronzeschwert und ein 28,8 cm langer Bronzedolch, beide mit reicher Ritzverzierung. Dolch und Schwert befinden sich heute im burgenländischen Landesmuseum. Aus der Frühbronzezeit stammen Gefäßbruchstücke mit Litzenverzierung aus dem Braunkohlenbergbau und der Sandgrube Popp. 1978 wurde ein Griffzungenschwert gefunden.  Der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur gehört ein Grab an mit einem zerbrochenen Vollgriffschwert, zwei Dolchen, einer Lanzenspitze und zwei Armreifen. Der Fundort liegt bereits auf Zillingtaler Hotter.

Auch aus der Hallstatt- und La Tène - Zeit wurden viele Funde gemacht. 1929 wurden Wohngruben aus der Hallstattzeit entdeckt. Ein "sehr seltenes Exemplar" einer Fibel wurde am Hausberg gefunden. Sie gelangte in die Sammlung Paur in Ödenburg, ist heute jedoch verschollen. 1978/79 wurden bei der Freizeitanlage "Römersee" zahlreiche frühlatènezeitliche Gräber gefunden. In den frühen 1960er Jahren wurden in der Sandgrube am Kaltenberg (heute "Keltenberg") Körpergräber der La Tène - Zeit ausgegraben. Unter den Funden war auch eine Lanzenspitze aus Eisen.

Am linken Ufer des Edelbaches (Siebenwirteichbach) lag eine römerzeitliche villa rustica, also ein Gutshof. 1923 nahm der Heimatforscher Ernst Löger eine Probegrabung vor. Dabei wurde - wie in vielen anderen Gebäuden dieser Zeit - eine Brandschicht festgestellt. Die Ausgrabungen wurden nicht fortgesetzt, Kleinfunde werden aber noch immer gemacht. Bedeutend ist ein Münzschatzfund mit 429 Münzen aus der Zeit von Kaiser Nerva (96-98) bis Kaiser Theodosius (379 - 395). Der Großteil der Münzen stammt aus dem 4. Jahrhundert und ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Wirtschaft in unserem Raum auch noch in der Spätantike und beginnenden Völkerwanderungszeit florierte. 1927 wurde ein Stück eines Reliefgrabsteines gefunden. 1956 wurden die sterblichen Überreste des ungarischen "Revolutionärs" Tibor Számuelly geborgen und nach Budapest überführt. Er hatte sich in einer Panikreaktion auf der Flucht am Grenzübergang erschossen und wurde von ungarischen Zollbeamten im Lamerwald begraben. Bei den Grabungsarbeiten wurde ein weiterer "Römerstein" gefunden.

1977 wurde bei Kanalarbeiten ein Körpergrab aus langobardischer oder frühawarischer Zeit (6. Jahrhundert) angeschnitten.

 

Mittelalter

Sehr interessant ist der Hausberg am Südhang des Lamerwaldes an der Straße nach Bad Sauerbrunn. Das dortige Erdwerk ist der Überrest einer hochmittelalterlichen Wehranlage, wobei das Kernwerk einen Durchmesser von 27 bis 33 m hat.Das Kernwerk ist von einem doppelten Wall- Graben - System ungeben. Es wurde die Vermutung geäußert, dass es sich hierbei um das "Praedium Guntheri", das im Jahre 1223 erwähnt wird, handelt. In den Urkunden wird ab 1230 ein Lampert erwähnt, vielleicht Namen gebend für das in den Urbaren 1500 und 1526 genannte "Lamerguet".

Um 1200 war das Dorf durch königliche Bewilligung im Besitz eines Juden. Dessen Sohn, der königliche Kammergraf Theha, verkaufte es mit Zustimmung König Andreas II. im Jahre 1232 dem Grafen Simon von Mattersdorf. Seither gehörte Pöttsching zur Herrschaft Mattersburg bzw. zu der sich herausbildenden "Grafschaft" Forchtenstein. Pöttsching wurde noch im Hochmittelalter durch die Eingliederung wüst gefallener kleinerer Orte immer größer. Südlich und westlich lagen die Dörfer Wart, Haustraß, Eckendorf, Fesendorf und Telek. Das Gebiet des späteren Sauerbrunn gehörte noch bis in das 19. Jahrhundert zu Pöttsching ("Pöttschinger Sauerbrunn"). Pöttsching wurde so zu einem der größten Orte der Grafschaft. Aus dem Jahre 1291/92 ist der Name eines Richter, Hartlieb, als Zeuge in einer Urkunde genannt. 1299 erteilte Bischof Theodor den Grafen Simon und Michael von Mattersdorf auf Bitten der Pöttschinger die Erlaubnis, eine Kirche zu bauen. Die frühere Mutterpfarre Kleinfrauenhaid behielt jedoch ein Viertel der Zehenteinnahmen und einige andere Vorrechte. Die beträchtlichen  Einkünfte aus der HälftePöttsching übertrugen die beiden Mattersdorf - Forchtensteiner Paul und Lorenz, die Söhne Simons, als Morgengaben an ihre Bräute Els, Tochter des Grafen Albert von Pottendorf, und Margaretha, Tochter des Grafen Wolfgang von Haschendorf.

Die Grafen von Mattersdorf - Forchtenstein übergaben ihren Dienstleuten als Entschädigung für geleistete Dienste und geliehene Gelder immer wieder Höfe in ihren Dörfern, die als Freihöfe oder Edelhöfe von allen Abgaben befreit wurden. In Pöttsching sind drei solcher Edelhöfe nachweisbar. In einem Besitzstreit mit den Osl werden als Zeugen genannt: Jakob, Sohn des Oliver von Pöttsching, Philipp, Sohn des Stybar, Johannes Sohn des Jerunfryd, Kadold, Sohn des Kadold, Urban und Henzlin, Söhne des Artolph von Pöttsching. Hanns, Sohn des Jernfrid zu Katzelsdorf, erhielt 1372 von Niclas von Mattersdorf zwei Lehen und eine Hofstatt als Pfand. Interessant an dieser Übertragung  sind die Größenangaben. Jedes Lehen umfasste 66 Joch Ackerland, Wiese und Wald. Damit war ein Lehen in Pöttsching doppelt so groß wie in den Nachbarorten. Dieses Pfandgut kam später wieder an die Grafschaft zurück. 1428 versetzte Graf Wilhelm von Forchtenstein seinen Dienstleuten, den Brüdern Michael und Wolfgang Wagramer, drei ganze Freilehen in Pöttsching. 1445 verkaufte Wolfgang Wagreamer seine Pöttschinger Pfandgüter an Hans Neudegger von Rastenburg.  Dieser verkaufte den Hof bei der Pöttschinger Kirche an den Ritter Wolfgang Wolffenreutter, 1451 an den Ritter Michael Agler. Durch Heirat gelangte der Hof an Sigismund Lilienfelder, der ihn 1497 an den Abt Martin des Wr. Neustädter Neuklosters verkaufte. Ein anderer Freihof gelangte unter Paul von Mattersdorf an den Ritter Heinrich Franckh , Sein Urenkel Wolfgang Trampel in der Aw, der in Rust wohnte, verkaufte 1483 den Freihof an den Ritter Christoph Praitenwieser. Später gelangte er an Ritter Martin Perger von Perg, der ihn schließlich 1502 an Alexander Schiffer von Freiling verkaufte. Von Pankraz Kressling kaufte Schiffer drei Untertanen in Pöttsching. Schiffer machte den Edelhof Petlau in Sigleß zum Sitz seiner kleinen Herrschaft. Der Freihof in Pöttsching wurde an untertänige Bauern verliehen. Auch die Königsberg sind bis 1627 in Pöttsching vertreten. Sie kauften ihren Freihof 1418 von Adam Linzer. Sie ließen aber den Freihof offenbar auf und bestifteten ihn mit Bauern.

 

Frühe Neuzeit

Aus dem Forchtensteiner Urbar von 1498/1500 sind bereits die Namen aller 23 Halblehner   und der 7 Viertellehner  sowie der drei Hofstättler  (des Forchtensteiner Teils) bekannt. Öd lagen 4 ganze und ein Viertellehen. Es scheint, als ob die spätmittelalterliche Agrarkrise Pöttsching kaum betroffen hätte. Bis 1526 waren nur mehr 1 halbes und 4 Viertellehen öde. Entscheidend für die günstige Situation war wohl die Nähe zur Residenzstadt Wr. Neustadt. Es bestanden lebhafte Handelsbeziehungen, wie die Geschäftsbücher der Forma Funk in Wr. Neustadt beweisen. Die Wr. Neustädter besaßen viele Weingärten in Pöttsching. Das Weingebirge "in der Wart" befand sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts  zu drei Viertel in Wr. Neustädter Besitz.

In der Wart lagen 24 öde Lehen, "so vorhin ein gestiftes Dorff gewest". 15 Lehen waren gegen Zins an Bauern aus Pöttsching und Nachbardörfern vergeben. Viele Überlandäcker auf der Wart waren im Besitz von Wr. Neustädtern. Auch die Wiesen an der Leitha und kleine Wälder waren ebenfalls an Wr. Neustadt vergeben - etwa an den Bischof, an das Neukloster, das Bürgerspital, die Fischerzeche und an Bürger. Aber auch die Mattersdorfer, die Zillingdorfer etc. besaßen dort Wiesen. Es waren dies zum Teil frei verkäufliche Erbwiesen, zum Teil Allodialwiesen, von der Herrschaft verpachtet. Von den großen Zinsgründen bezog die Herrschaft beträchtliche Einnahmen. Die Weide "am Steinfeld", 240 Joch groß, war an die Freiin Teuffl von Krottendorf , an die Wiener Neustädter und Katzelsdorfer verpachtet. Es gab ausreichend Wälder. Aus dem "Wardtlyß", 480 Joch, bezogen die Pöttschinger ihr Brennholz. Die Benützung des Gemeindewaldes im "Kärntal" wurde unter den Untertanen aufgeteilt.  Als Bannwein musste die Gemeinde drei Fässer mit rund 36 Eimer annehmen. Zugrobot musste an 12 Tagen im Jahr geleistet werden.

1493 kam Pöttsching mit der Grafschaft Forchtenstein an die Freiherrn Prüschenk (später Grafen von Hardegg), 1533 an Jacob von der Dürr und 1546 an Hans von Weispriach. Dieser baute seine Eigenwirtschaft aus und verlangte auch von den Untertanen immer mehr Robot. 1548 wollte Weispriach ein Gestüt errichten und ließ ein großes Stück Land einfrieden. Dieses Land war aber zwischen Pöttsching und Sigleß strittig und so kam es zu ernsthaften Auseinandersetzungen mit Ritter Jacob von der Dürr, dem Inhaber der Kleinherrschaft Petlau in Sigleß. Nach jahrelangen Prouessen setzte sich Dürr durch und das Gestüt wurde nach Forchtenstein verlegt. 1572 wurde dann die Grafschaft von der Niederösterreichischen Kammer rückgelöst, wobei die Dörfer einen beträchtlichen Anteil an der Pfandsumme aufzubringen hatten. Im falle von Pöttsching waren dies 500 Gulden. Dafür erhielten sie das Versprechen, dass sie nie mehr verpfändet werden sollten - ein Versprechen, das aber schon bald nicht mehr eingehalten wurde.

1569 umfasste der Forchtensteiner Anteil an Pöttsching 52 Bauernhäuser und vier Hofstätten. Um die Jahrhundertmitte gab es bereits eine Schule. Der Schulmeister Andre Pinder besaß eine Hofstatt. 1578 gehörten folgende Untertanen nicht zu Forchtenstein: 6 Untertanen zum Freiherrn Christoph von Rappach, 5 dem Freiherrn Wolf von Königsberg und 9 Untertanen dem Wr. Neustädter Neukloster. Der ganze Ort umfasste daher bereits 76 - 80 Häuser. Die Häuser waren wahrscheinlich schon teilweise aus Stein gebaut. Jedenfalls lebten in Pöttsching mehrere Maurermeister, etwa Hans Thomasin, der wahrscheinlich oberitalienischer Herkunft war. Das Wr. Neustädter Neukloster hatte großen Weingartenbesitz und ließ diesen von den Pöttschinger Untertanen bearbeiten. Am Freihof hatte das Kloster aber offenbar weniger Interesse und verpachtete ihn an den Pöttschinger Georg Lechner und an den Forchtenauer Georg Reißner. 1558 verkaufte das KLoster den Freihof an den Ritter Lorenz Sarschitz. 1580 kam der Freihof an das Kloster zurück. 1595 wurde der Hof erneut verpachtet, an den Pöttschinger Fleischhauermeister Urban Laßnockh.

Zwischen dem Neukloster und der Gemeinde Pöttsching kam es immer wieder zu Konflikten, zunächst weil bei einem Neubau der Freihof an die Kirchenmauer angebaut wurde, dann wegen der Holzzuteilung an das Kloster. Der Abt weigerte sich 1610, als 17 wallonische Söldner über zwei Wochen in Pöttsching einquartiert wurden, einen Anteil des Klosters zu zahlen. Schließlich musste die Gemeinde nachgeben und das Holz liefern sowie den Freihof anerkennen. Wegen des Ortsgerichtes wurde ein Vergleich geschlossen. In den beiden Kriegsjahren 1605 und 1619/20 dürfte auch Pöttsching gelitten haben. 1683 wurde das Dorf verwüstet, der Großteil der Bevölkerung konnte sich in Sicherheit bringen.

 

Kirchengeschichte

Ein vom Pfandinhaber von Forchtenstein eingesetzter evangelischer Pfarrer wurde 1582 vertrieben. Sein Nachfolger Paul Kitz ist schwer einzuordnen. Eine Untersuchung des Wiener Klosterrates 1591 ergab, dass er zwar manchmal die Messe lese, die Sakramente aber protestantisch spendete. Zu den Kranken ging er ohne Chorrock. Als Wirtschafter wurde er gelobt. Die Untersuchung wurde eingeleitet, weil der Administrator des Neuklosters der Meinung war, Kitz sei eher ein evangelischer Predikant. Das Neukloster wollte einen Ordensbruder in Pöttsching einsetzen Kitz setzte sich jedoch durch, die Gemeinde bürgte für ihn und er selbst wehrte sich in einem Brief an den Erzherzog Matthias gegen die Vorwürfe. In der Visitation von 1597 war er noch immer Pfarrer von Pöttsching. Die 30 Joch Pfründenäcker und die zwei Weingärten wurden von der Dorfbevölkerung klaglos bewirtschaftet. Bei der Visitation von 1641 war Krensdorf eine Filiale von Pöttsching. Das Kirchenschiff wurde damals neu gewölbt. Es gab einen Schulmeister, dessen Name jedoch nicht genannt wird. Pfarrer war Johann Textor aus der Diözese Konstanz. Zehn Jahre später war Johann Stegman, ein Schwabe aus Augsburg, Pfarrer. Er wurde geschätzt, seine vielen Fahrten nach Wien waren aber verdächtig. Schulmeister war Johann Henneman, aus Eisfeld bei Mainz. Er hatte Philosphie studiert. Er unterrichtete 30 Schüler und betreute auch die Turmuhr. Krensdorf war noch immer Filiale, die dortigen Bewohner wollten aber wieder zu Klainfrauenhaid. Sie begründeten ihren Wunsch mit der kürzeren Enrfernung. Außerdem würde die kroatische Minderheit den Pöttschinger Pfarrer nicht verstehen. 1651 musste der Pöttschinger Pfarrer auch Neudörfl betreuen. Pfarrer Nikolaus Malleschitz war gebürtiger Hornsteiner. Zusammen mit einem Teil der Bevölkerung floh er 1683 vor den Türken. Nach der Rückkehr brach aber eine Krankheit aus, der 80 Personen zum Opfer fielen, darunter auch der Pfarrer. Auch im folgenden Jahr starben 100 Personen an der Seuche.Ab 1709 bis 1744 war Martin Markovits aus Hof Pfarrer. 1722 wurde der Grundstein zum neuen Kirchturm vom damaligen Grundherrn, Johann Graf Jörger von Tollet, gelegt. Unter Pfarrer Philipp Pinter, einem gebürtigen Schattendorfer, wurde ein kleines Armenhaus eingerichtet. Pfarrer Paul Anton Stephan war Jesuitenzögling in Graz. Er ließ die Kirche gründlich renovieren. Unter Pfarrer Karl Alois  Scossa wurde eine neue Orgel angeschafft. Josef Gellermann, ein Preßburger, war zuvor Schlosskaplan in Eisenstadt. Er beklagte sich über die mangelnde Opferwilligkeit der Bevölkerung. Unter Michael Stengel hatte der Ort unter der Cholera zu leiden. Über 44 Jahre war Matthias Paur Pfarrer in PöttschingUnter Pfarrer Trojan waren Pfarrhof und Kirche vom großen Ortsbrand von 1872 betroffenDie letzten Pfarrer in ungarisher Zeit waren Anton Kölly und Aladár Faludy, der betont ungarisch gesinnt war. Er starb 1921. 1923/24 wurde die Kirche unter Pfarrer Georg Vihar (Sturm) renoviert und vergrößert. Sein Nachfolger wurde Dr. Gottlieb Adalgott Benz, ein Schweizer, der ein sehr bewegtes Leben führte. Unter anderem war er für einige Jahre Kaplan der Schweizergarde in Rom. Kirchenrechtslehrer in Heiligenkreuz und Hotelseelsorger in St. Moritz. Pfarrer Martin Petschowitsch ließ einen neuen Pfarrhof errichten und die Kirche völlig umgestalten. Ab 1975 war Josef Schermann Pfarrer.

 

 

Unter den Esterházy

Entgegen den Zusagen der Kammer wurde 1622 die Grafschaft an Nikolaus Esterhazy in Pfandbesitz, 1626 ins Eigentum übergeben. 1627 sprach dieser die Enteignung aller österreichischen Besitzer von Edelhöfen und Untertanen aussprechen. Davon waren das Neukloster, die Königsberg und die Urschenbeck, die Besitzer der Petlau, betroffen. Der Abt weigerte sich zunächst, stimmte dann aber gegen eine entsprechende Geldentschägigung zu. Der Freihof wurde in einen Esterházyschen Meierhof umgewandelt. Auch mit den anderen Enteigneten kam es zu einem Ausgleich, so dass nunmehr das ganze Dorf im Besitz der Esterhazy war. Der frühere Königsbergische Freihof wurde mit vier Viertellehensbauern bestiftet. Das Dorf wuchs stark, die Bevölkerungsstruktur differenzierte sich durch Handwerkerfamilien. Die früheren  Königsbergischen  Höfe wurden wieder verpfändet, diesmal an ungarische Kleinadelige.

1675 bestand der Ort aus 19 Halblehen (darunter der Pfarrhof), 82 Viertellehen, 3 alten Hofstätten, 5 halben alten Hofstätten und 12 Kleinhäusel. Es gab ein Gemeindewirtshaus, eine Gemeindeschmiede, ein Schulhaus, drei Halterhäuschen und ein Kleinhäuschen der Gemeinde, insgesamt etwa 130 Häuser. Mit ihren großen Lehen und den vielen  Überland-, Rodungs-, Pacht- und Zinsgründen war Pöttsching eine der reichsten Agrargemeinden, wie die hohen Zehentabgaben beweisen. Vor allem die Getreideproduktion war hoch. Nach Übergang der Herrschaft an Nikolaus Esterházy wurde mit der Gemeinde ein Kontrakt geschlossen. Nach dem Urbar von 1675 betrug das Kontrakt geld 1 900 Gulden. 46 - 48 Eimer hatten die Pöttschinger nunmehr als Bannwein abzunehmen. Sie mussten 30 Eimer "Verehrwein"  206 Eimer an Bergrecht abzuliefern. Die Auswärtigen gaben von 12 Eimer Maische je einen Eimer Most. Dazu kam des "Zettel- und Schreibgeld" bis zu 70 Gulden. Zum Meierhof gehörten 119 Joch, die von den Pöttschingern bearbeitet wurden und 39 Joch, die die Hirmer und Stötterer bearbeiteten. Die Wiesen der Herrschaft hatten die Pöttschinger, zum Teil auch die Marzer und Wiesener zu bearbeiten. Die herrschaftlichen Weingärten wurden von den Neudörflern bearbeitet, Die Herrschaft unterhielt zwei Fischteiche.

Die Blütephase des Ortes endete mit dem Türkenzug von 1683 und den Kuruzzenkriegen von 1704/8. 1761 erfroren zwei alte Frauen. Auf Anregung des Herrschaftsverwalters richtete die Gemeinde daraufhin in einem kleinen Häuschen ein "Spital"  für die Dorfarmen ein. 1716/17 gab es 1913 Hauer Weingärten, davon waren nur 592 im Besitz der Ortsansässigen. , 973 waren im Besitz von Niederösterreichern. Im 18. Jahrhundert weitete die Herrschaft ihren Wiesenbesitz stark aus. Die Wiesen, 141 Tagwerk, wurden von den Wr. Neustädtern gekauft. Da diese nicht verkaufen wollten musste manchmal der Prozessweg beschritten werden.

1719 borgte sich der Fürst von dem in Katzelsdorf sitzenden Grafen Franz Dominik Jörger 50 000 Gulden. Jörger übernahm auch die Schulden der Esterhazy beim Neukloster in der Höhe von 20 000 Gulden. Dafür erhielt er die Dörfer Pöttsching und Neudörfl mit der Leithamühle als Hypothek. Diese Besitzungen wurden Jörger auf 10 Jahre verpfändet. Damit wurden die beiden Dörfer aus der Herrschaft Forchtenstein gelöst und bildeten seit 1719 eine eigene Verwaltungseinheit, aus der nach dem Anschluss von Zillingtal die Herrschaft Pöttsching wurde. Erst 1735 löste Paul Anton Esterházy die Pfandschaft wieder ein. Die Jörger ließen die Pfarrkirche neu errichten. 1800 wurden die Herrschaften Pöttsching und Hornstein vereinigt, Sigleß und Krensdorf wurden angeschlossen.

Nach dem Maria Theresianischen Urbar gab es 116 Häuser von Bauern (4 ganze, 81 halbe, 17 Dreiachtel, 2 Viertel und zwei Achtellehen) und 17 Söllner mit Haus. Die Einwohnerzahl war aber beträchtlich angestiegen, denn es lebten im Dorf noch 73 Söllnerfamilien ohne Haus (Holden). Nach den Bestimmungen des Urbars wären 3960 1/2 Tage Zugrobot oder 7515 Tage Handrobot zu leisten gewesen. Neben dem Hauszins und dem Neuntel hätten sie Brennholz, Gespunst, Schmalz, Kapaunen, Hühner und Eier abliefern müssen. Die Pöttschinger zogen es jedoch vor, nach dem alten Kontrakt mit der Herrschaft weiter zu leben, da dieser offenbar vorteilhafter war. Die erste ungarische Volkszählung 1784/87 stellte 164 Häuser, 222 Familien und 1107 Einwohner fest.

Der Weingartenbesitz der Wr. Neustädter erreichte in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts den größten Umfang. Das Weingebirge bestand aus zwei Teilen. Im Bereich des früheren Dorfes Wart lag das Gebiet "Zehenthütte", das Gebiet in Pöttsching am Lichtenberg wurde "Koglhütte" genannt. Im Bereich Zehenthütte betrug der Anteil der Pöttschinger 23,6 %, von den Auswärtigen waren die Hälfte Wr. Neustädter. Unter den Weingartenbesitzern waren auch adelige Herrschaftsinhaber aus Niederösterreich. Im Bereich Koglhütte hatten die Pöttschinger 25,9 %. Auch hier gehörten den Niederösterreichern 72 %, den Wr. Neustädtern 33,3 %. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwand der niederösterreichische Weingartenbesitz als Wirtschaftsfaktor. 1716/17 besaßen sie nur mehr etwa die Hälfte. Diese Entwicklung war eine Folge der Absatzkrise für den westungarischen Wein. Die Pöttschinger konnten ihren Zehent in Geld ablösen, die Ausländer mussten ihn in natura bezahlen. Diese hatten außerdem den "Ausgang" , also die Verbringung des Weines oder Mosts über die Grenze - in Geld zu bezahlen. Nach Protesten gegen eine Erhöhung dieser Abgabe durch Nikolaus Esterházy wurde 1635 eine jährliche Pauschalablöse von 400 Gulden festgelegt.

Der Weinbau ging bis Mitte des 19. Jahrhunderts stark zurück. 1847 gab es nur mehr 69,1 ha Weingärten. 1857/60 stieg die Fläche wieder auf 201 ha an. 1865 betrug sie 130 ha. Die Reblauskrise führte dann zum völligen Erliegen des Pöttschinger Weinbaues. 1925 gab es nur 14,82 ha. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Weingartenfläche wieder an, 1976 auf 64 ha, wobei nunmehr die Rotweine überwogen.

 

19. Jahrhundert

Die Franzosenkriege, Viehseuchen und Überschwemmungen sowie Missernten führten dann zu einer wirtschaftlichen Stagnation. 1823 vernichtete ein Großfeuer 34 Häuser. Die Bevölkerungszahl wuchs aber weiter.1828 gab es schon 180 Häuser und 1306 Einwohner. Dann stagnierte die Einwohnerzahl.

1749 kaufte Paul Anton Esterházy mehrere Wiesen um den Sauerbrunnen vom Neukloster und Wr. Neustädter Benefizien und Bürgern an und begann mit der Nutzung des Sauerwassers durch Flaschenversand nach Wien. Nach 1800 wurde beim Sauerbrunnen ein Wirtshaus erbaut, um das bald eine Siedlung heranwuchs.

1848 mussten auch die Pöttschinger Einquartierungen, Fuhrwerke und Vorspanne leisten. Im Juli/Augist 1849 brach die Cholera aus, die 73 Menschenleben forderte. 1853/4 musste Pöttsching wieder Quartiere für Soldaten zur Verfügung stellen. 1856 wurden Katastralvermessung und Grundbuchanlegung abgeschlossen. 1855 entstand das Bezirksnotariat Pöttsching (Pöttsching, Neudörfl, Sigleß. Krensdorf). Es wurde 1860 wieder aufgelöst.

Nach der Volkszählung von 1850 gab es In Pöttsching 216 Häuser mit 301 Wohnparteien. Nahezu alle waren Deutsche und Katholiken. Im Ort lebten 6 Juden. 1857 /60 erzielte die Pöttschinger Landwirtschaft einen Reinertrag von 23 533 Gulden. Das war im Durchschnitt mehr als in den Gemeinden der Umgebung. Die Rodungsgründe (270 Joch Acker und 223 Joch Wiesen) wurden 1857  bzw. 1874 abgelöst, 1870 wurde ein Vertrag mit der Herrschaft über die Ablöse der Remanentialgründe und der Holzrechte. Eine Kommassierung wurde durchgeführt und die Herrschaftsgründe - 234 Joch Hutweide und 289 Joch Acker - zusammen gelegt. Auch das Bergrecht wurde abgelöst. Weide und Wald wurden der Urbarialgemeinde zur gemeinsamen Nutzung übergeben. Nach dem Gemeindegesetz von 1871 wurde Pöttsching zur Gro0gemeinde erklärt. In Pöttsching wirkte ein Gemeindearzt, 1898 wurde die Einrichtung einer Apotheke genehmigt. 1899 wurde die katholische Schule in eine Gemeindeschule umgewandelt, 1894 mit der Einführung der staatlichen Matrikelführung wurde Pöttsching ein Matrikelbezirk. 1883 wurde der Freiwillige Feuerwehrverein gegründet, 1878 ein Krankenunterstützungs- und Leichenbestattungsverein, 1893 ein Landwirtschaftsverein, 1898 ein Männergesangsverein, 1903 der Weinproduzentenverein. 1878 entstand eine Knabenkapelle, die von Julius Hartig, dem Gutspächter und Hirmer Zuckerfabrikanten, unterstützt wurde.

1900 lebten von der Landwirtschaft 55,8 % der Bevölkerung. Bis 1910 ging dieser Anteil auf 40,6 % zurück. Der Anteil von Industrie und Gewerbe stieg von 20,4 % auf 29,6 %. 1909 wurde der Kurort Pöttschinger Sauerbrunn von Pöttsching abgetrennt und zur selbständigen Gemeinde.

Um 1850 brachte der Pöttschinger KleinhäuslerKarl Stumpf die Weichselkultur, die er in Baden bei Wien kennen gelrnt hatte, nach Pöttsching. Sie wurde dort und in den Nachbargemeinden bald zu einem beachtlichen Wirtschaftszweig.

Das Ende des Krieges und der Beginn der Auseinandersetzungen um den Anschluss an Österreich war mit Unruhen verbunden. Am 11. und 12. November 1918 stürmten etwa 300 Ortsbewohner, teilweise bewaffnet, die beiden Gemeindeämter. Es wurde ein deutscher Volksrat gegründet und eine Nationalgarde aufgestellt. Im Dezember 1918 wurde in Pöttsching eine Abstimmung über die staatliche Zugehörigkeit vorgenommen. 493 Stimmrn esren für Deutschösterreich, 90 für Deutschwestungarn (Autonomie), 3 Stimmzettel waren leer. In der Rätezeit wurde auch in Pöttsching ein Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat eingesetzt. Am 4. Mai kam es zum "Aufflackern einer Gegenrevolution". Am 22. Jänner 1920 verfasste die Gemeinderepräsentanz unter dem Einfluss der Behörden und des magyarisch gesinnten Gemeindenotärs noch einen gegen den Anschluss an Österreich gerichteten Beschluss. Der Anschluss an Österreich wurde schließlich fast ausnahmslos begrüßt.

 

Zwischenkriegszeit

1922 wurden durch die Landesregierung Stefan Sauerwein und Ernst Stangl , beide Sozialdemokraten, in die Verwaltungskommission berufen, nachdem bei der Landtagswahl die Sozialdemokraten die Mehrheit erlangt hatten. Bis zur ersten Gemeinderatswahl 1923 führte auch in Pöttsching eine Gemeindeverwaltungskommission die Geschäfte. Die Gemeinderatswahlen von 1923 brachten 631 Stimmen und 8 Mandate für die Sozialdemokraten, 495 Stimmen und 6 Mandate für die Christlichsozialen. Stefan Sauerwein wurde Bürgermeister. 1926 vernichtete ein Feuer mehrere Wirtschaftsgebäude. Die Gemeinderatswahl von 1927 verstärkte noch den Vorsprung der Sozialdemokraten. Sie erhielten 694, die Christlichsozialen 548 Stimmen. 1927 wurde der tägliche Autobusverkehr nach Wr. Neustadt durch die städtischen Verkehrsbetriebe aufgenommen.1926 wurde die Genossenschaft der Kleinbauern gegründet, die bald neben einer Dreschgarnitur auch über andere Landmaschinen verfügte und ein Kino betrieb. 1929 wurde ein neues Feuerwehrgerätehaus errichtet. Um die Errichtung eines Gemeindebrunnens kommt es zu Streitigkeiten. Die Gemeinderatswahlen 1931 brachten den Sozialdemokraten 657 Stimmen und 8 Mandate, den Christlichsozialen 549 Stimmen und 7 Mandate. Bürgermeister wurde Anton Sauerwein, Vizebürgermeister Johann Marchart. Ab 1931 kam es vermehrt zu Konflikten im Gemeinderat, wobei die Christlichsozialen vorübergehend ihre Mandate zurücklegten. 1933 verstärkten sich diese Konflikte, der Gemeinderat stand nahe an seiner Auflösung. Im Frühjahr 1934 musste das Kohlenbergwerk wegen Absatzschwierigkeiten geschlossen werden.  Im Feber 1934 verloren die Sozialdemokraten ihre Mandate, Bürgermeister wurde Johann Marchart, 1935 Johann Reisinger. 1936 wurden Gemeindegrundstücke verkauft und mit dem Geld die Gemeindevolksschule adaptiert.

Die gesamte Zwischenkriegszeit war durch eine lebhafte kulturelle Tätigkeit gekennzeichnet: Es bestand ein Laientheater und die Bauernkapelle unter der Leitung Peter Zauners, die weit über Pöttsching hinaus bekannt war. 1936 gewann Zauner den ersten Preis für die Vertonung der Landeshymne. 1928 wurde die hervorragende Ortsgeschichte des Lehrers Ernst Löger herausgegeben.

Der Anschluss an das Dritte Reich wurde ohne Gegenstimme befürwortet. Landeshauptmann Portschy ernannte Ludwig Treuer zum Gemeindeverwalter. Die Volsschule wurde neu gebaut. Im September 1938 wurden die jüdischen Familien Gleissner, Molnar und Kopfstein deportiert.

Als Ersatz für den Weinbau wurde auch in Pöttsching der Obstbau ausgeweitet. Vor allem die vielen Kirschbäume brachten den Einwohnern Einkünfte auf dem Wr. Neustädter Markt. Ebenfalls wichtig wurde der Tabakanbau. Es wurden 1939 zwei riesige Trockenschuppen errichtet.

Im Juni 1943 stürzte ein deutsches Flugzeug ab, ein weiteres im Juli 1943.Am 31. März 1945 warfen russische Flugzeuge Bomben auf Pöttsching ab. Am 1. April rückte die Rote Armee in den Ort ein. Es kam zu schweren Ausschreitungen, mehrere Personen, unter ihnen auch der Gutspächter Franz Diem, die Familie Kraut und der Schuster Rottenschlager wurden ermordet, einige Pöttschinger begingen Selbstmord.  Die Sowjets beschlagnahmten das Gasthaus Reisinger und setzten Johann Knotzer zum Bürgermeister ein. Frauen und Mädchen wurden zur Zwangsarbeit an der gesprengten Leithabrücke eingesetzt. Zu Tumulten kam es, als sich griechische Flüchtlinge im Ort breit machten.  Ein großer Ordnungsdienst wurde wegen der zahlreichen Diebstähle eingesetzt.

 

Nachkriegszeit

Der Provisorische Gemeindeausschuss wählte am 6. November 1945 Alexander Stangl zum Bürgermeister. Dieser kam bald darauf bei einem Unfall ums Leben. Sein Nachfolger wurde Johann Knotzer, dann Heinrich Knotzer. Die ersten Nachkriegsjahre sind durch Infrastrukturmaßnahmen geprägt: Zubau zum Gemeindehaus, Straßen- und Wegebau, Verstärkung des elektrischen Ortsnetzes.1948 wurde der Braunkohletagebau wieder in Betrieb genommen, etwa 100 Personen fanden Arbeit (bis 1956). Die Kohle wurde mit Lastautos zum Bahnanschluss Neudörfl gebracht. 1948 wurde die Erste Burgenländische Siedlungsgenossenschaft Pöttsching gegründet. Maßgeblich beteiligt waren Heinrich Knotzer, Karl Preissegger, Ludwig Parise, Ludwig Ankerl und Georg Dörfler.  Bis 1950 stellte die Genossenschaft 30 Einfamilienhäuser fertig. 1949 wurde mit der Neufassung des Ortsteiches ein Reservoir für Feuerlöschzwecke geschaffen.  In der Gemeinderatswahl von 1950 erhielt die SPÖ 804 Stimmen und 10 Mandate, die ÖVP 433 Stimmen und 5 Mandate. Die KPÖ erhielt 60 Stimmen und kein Mandat. Heinrich Knotzer blieb Bürgermeister. 1951 wurde mit Regulierungsarbeiten am Steinbrunnbach begonnen. Die Sozialistische Jugend errichtete ein Jugendheim. 1952 trat Heinrich Knotzer zurück, Bürgermeister wurde Johann Pauer. Der Kindergarten wurde fertig gestellt, die Schulgasse kanalisiert und eine Wasserversorgungsanlage projektiert. Die Gemeinde kaufte zahlreiche landwirtschaftliche Maschinen an und diese in der angekauften Tabakscheune untergebracht. In der Gemeinderatswahl von 1954 erhielt die SPÖ 9, die ÖVP 5 und die KPÖ mit 102 Stimmen ein Mandat. Bürgermeister blieb Pauer, Vizebürgermeister Johann Reisinger von der ÖVP. 1954 gab es in Pöttsching 140 Tabakpflanzer. Mit 30 ha war Pöttsching die größte Tabakanbaugemeinde Österreichs. 1955 legte Pauer sein Amt zurück, Heinrich Knotzer wurde Bürgermeister, 1957 wieder Pauer und bald darauf wieder Knotzer. Die erste gemeinnützige Burgenländische Siedlungsgenossenschft Pöttsching  bekommt ein Grundstück für den Bau eines Amtsgebäudes. Der Bau einer Hauptschule wurde beschlossen. Die Kanalisation  fortgeführt. In der Gemeinderatswahl 1958 verlor die KPÖ ihr Mandat, es stand wieder 10 : 5. Heinrich Knotzer blieb Bürgermeister, Franz Endler von der ÖVP wurde Vizebürgermeister. Knotzer wurde 1959 Landesrat, sein Nachfolger als Bürgermeister war Ludwig Parise. Die Firma Frank & Dvorak errichtete eine Elektromotorenproduktion und eine weitere Firma, Coreth & Co, die in der alten Schule Platikverpackungen produzierte, ließ sich im Ort nieder.  In vielen Straßen wurden Gehsteige errichtet. 1962 gewann die SPÖ ein weiteres Mandat hinzu. Parise blieb Bürgermeister. 1964 beschloss der Gemeinderat die Pachtung des Pöttschinger Sees und den Erwerb eines Zuganges aus. 1966 wurde das neue Amtsgebäude, das auch Sitz der Pöttschinger Seidlungsgenossenschaft, der Post, der Gendarmerie und einer Arztpraxis war, in Betrieb genommen.

In Pöttsching wurde der Bau eines Kinderdorfes beschlossen. Am 4. Juli 1965 wurde von Minister Anton Proksch der Grundstein gelegt, im September 1968 fand die feierliche Eröffnung statt.

Die Gemeinderatswahl 1967 brachte keine Änderungen. 1968: Mit der Esterhazyschen Güterverwaltung wurde ein Pachtvertrag über den Seezugang auf 50 Jahre geschlossen, der Meierhof von der Gemeinde gekauft. Der Ausbau der Kanalisation und der Wasserversorgung ging weiter. 1972 trat die Gemeinde dem Abwasserverband Wulkatal bei. In der Gemeinderatswahl 1972 erhielt die SPÖ 14 Mandate, die ÖVP7 Mandate. Bürgermeister wurde Rudolf Moser, Vizebürgermeister Ing. Walter Gruber von der ÖVP. 1974 wurde ein Teilbebauungsplan für die Feriensiedlung Römersee beschlossen. 1975 wurde der neue Kindergarten in Betrieb genommen, 1977 ein Freibad mit einer großzügigen Freizeitanlage  errichtet. Ab 1983 wurden mehrere Wohnhausanlagen errichtet. Ein großes Problem war lange Zeit die Revitalisierung des desolaten Meierhofes, die schließlich mustergültig untertatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung gelang.

Die politische Entwicklung der Gemeinde war durch eine starke Dominanz der SPÖ geprägt.1972 bis 1991 war Rudolf Moser Langzeitbürgermeister. 1991 bis 1994 war Christa Prets Bürgermeisterin. 1997 erhielt die SPÖ 55 % der Stimmen, 2002 64,8 %. Der Stimmenanteil der ÖVP stagnierte bei 29,1 bzw. 28,1 %.Die FPÖ erhielt 1997 15,8 %, 2002 7,1 %.Bürgermeisterin Irene Izmenyi wurde mit 56,3 bzw. nahezu 68 % direkt gewählt. Von 2007 bis 2012 sank der Stimmenanteil der SPÖ von 57,1 auf 50,9 %. Freiheitliche und Grüne konnten je ein Mandat gewinnen. Bürgermeister wurde in beiden Wahlen Herbert  Gelbmann. Ein bedeutender, aus Pöttsching stammender Landespolitiker war Dr. Manfred Moser, lange Zeit Abgeordneter im Landtag und dessen dritter Präsident.


Literatur:

  • Pöttsching. Eine Gemeindegeschichte.  1986
  • Landestopographie Bezirk Mattersburg. Band III.