Burg1
Burg Forchtenstein (alte Ansichtskarte)

 

Entwicklung des Ortsnamens

1343 Ferchiton; 1346Faruhno; 1425: Vorchtenaw; 1435: Frathnow; 1445 Vorchtenaw; 1461: Vorichtenaw; 1534 Vorchtenaw; 1552 Forchtenau; 1626 Fracno aliter Forchnau; 1631 Frakno; 1756 Forchtenau; 1898 Fraknó, Forchtenau; offizieller ungarischer Ortsname bis 1921: Fraknó

Die Entstehung des Ortsnamens erfolgte im Zusammenhang mit dem Bau der Burg Forchtenstein, das sich von mittelhochdeutsch vorhte = Furcht ableitet. Schwartz vermutet einen Zusammenhang mit mittelhochdeutsch Vorhe = Föhre.

 

Urgeschichte

Das Gebiet von Forchtenstein war bis in das beginnende Sätmittelalter bewaldet. Urgeschichtliche Funde sind daher nicht zu erwarten. Rätsel gibt noch immer der Hausberg auf. Auf seinem Gipfel befindet sich eine große Wehranlage mit Vor- und Kernwerk, Wall- und Grabenanlage. Da keine datierbaren Funde vorliegen reichen die Interpretationen von einer spätmittelalterlichen Anlage bis hin zu einer Burg der Grafen von Mattersdorf - Forchtenstein.

 

Mittelalter und frühe Neuzeit

1202 war das Gebiet, das zu Mattersburg gehörte, noch bewaldet und unbewohnt. 1294 musste die Burg in Mattersburg geschleift werden und es begann der Bau der neuen Burg, eben der Burg Forchtenstein. Der Ort entstand anfangs des 14. Jahrhunderts als Suburbium, als Dorf unter der Burg. 1343 wird das Dorf erstmals urkundlich erwähnt, als "Ferchiton", 1346 wird es "villa subtus castrum Farnhno" genannt. Eine Entwicklung zum Marktort, wie es sonst bei einem Suburbium üblich war, kam wohl wegen der abseitigen Lage nicht in Frage. Diese Funktion behielt Mattersburg.

Die Lehen wurden zu Burgrecht vergeben, eine relativ günstige Lehensform, sodass der Ort rasch wuchs und große Waldflächen gerodet wurden. Vor allem wurde ein sehr großes Weingebirge angelegt und auch der Obstbau spielte schon früh eine wichtige Rolle. Der Weinbau wird etwa 1453 bezeugt, als der Ortspfarrer seinen Wein nach Ödenburg in Sicherheit brachte. Die Wr. Neustädter hatten schon im 15. Jahrhundert Weingartenbesitz in Forchtenau. Im 16. Jahrhundert erreichte das Weingebirge seine größte Ausdehnung. Ursprünglich gab es 12 3/4 Ansässigkeiten. Davon waren 6 der Pfarre dienstbar, ebenso eine Mühle und 4 der 9 1/2 Hofstätten. Die Zahl der Pfarrholden war ungewöhnlich hoch. Vielleicht war schon damals eine Klostergründung geplant. Der Ort entwickelte sich günstig, von der Wüstungswelle des Spätmittelalters war er kaum betroffen. Um 1500 lagen nur ein Viertellehen und 5 1/2 Hofstätten öde. Ob und wie stark der Ort von den Türkenzügen 1529 und 1532 betroffen war ist nicht bekannt.

Forchtenau gehörte zur Herrschaft Forchtenstein und unterstand nach dem Aussterben der Mattersdorf Fochtensteiner verschiedenen Pfandherrn (Prüschenk/Hardegg, Jakob von der Dürr, Weispriach), danach der Verwaltung der niederösterreichischen Kammer. 1589 bestand die Siedlung bereits aus 61 Häusern. 1605, in den Bocskai - Wirren, verlegte der Hofkriegsrat eine Besatzung in die Burg, der Ort wurde durch Verhaue geschützt. Ein Angriff der Heiducken wurde zurückgeschlagen. Als sie von der Burg aus mit einer Kanone beschossen wurden ergriffen sie die Flucht. In der Burg hatte auch die Bevölkerung der Umgebung Schutz gefunden. 1621, im Bathoryaufstand, wurde das Dorf geplündert und neidergebrannt. Viele Frauen wurden gefangen und nach Steinamanger verschleppt, wo sie mit den Heiducken "in viehischer Dienstbarkeit" und "in Unzucht" leben mussten.

Nikolaus Esterhazy belam die Herrschaft und damit auch das Dorf Forchtenau in seine Hand. Er enteignete den "Forchtenauhof", der seit dem Spätmittelalter im Besitz kleinadeliger Familien war, und auch noch einen zweiten Edelhof. 

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war der "Forchtenauhof" im Besitz des Ritters Wilhelm von Kynast, eines Dienstmannes des Grafen Paul von Forchtenstein, später gehörte er dem Ritter Lienhart Hasib, 1445 war ein Niclas de Häsib Dienstmann der Forchtensteiner Grafen. Lienhart verkaufte den Hof an Sigismund von Weispriach, damals Inhaber der Herrschaft Forchtenstein. 1552 verkaufte Hans von Weispriach den Edelhof an den Ritter Ulrich von Neudeck zu Rastenburg. Damals bestanden auf dem Gebiet des Edelhofes, zu dem auch ein großer Weingarten gehörte, drei Bauernhöfe. Ulrich verkaufte den Hof an Christoph Grafensteiner, Pfleger der Herrschaft Eisenstadt. Grafensteiner errichtete einen Ziegelofen. Weispriach übertrug ihm die Zugrobot von 5 und die Handrobot von 10 Bauern. Christoph stiftete einen vierten Bauernhof, sehr zum Ärger der Forchtensteiner Bauern, deren Beschwerden aber vergeblich waren. 1577 ließ Christoph Grafensteiner seinen Abgebrannten Edelhof neu aufbauen. Er besaß in Forchtenau auch eine Mühle. Über Grafensteiners Tochter Elisabeth gelangte der Hof an Jobst Wilhelm Khotzer, Rentmeister in Forchtenstein, nach dessen Tod an ihren zweiten Gemahl, den Ritter Daniel Schmidt, Inhaber des Großhöfleiner Edelhofes. Aus der ersten Ehe stammte Dorothea, die den Hof erbte. Sie war mit dem Wr. Neustädter Bürger Jonas Khuttner von Khunitz und dann mit Benedikt Gregor Tollas verheiratet. 1627 wurde Tollas von Esterházy enteignet. Der Freihof mit 6 Söllnerhäusern und dem Weingarten wurden der Herrschaft Forchtenstein einverleibt. 1629 wurde eine Entschädigung gezahlt. Der Freihof wurde zu einer herrschaftlichen Meierei. Er war auch Wohnsitz des Hofrichters. Zur Meierei gehörten auch ein Küchengarten, ein schöner Obstgarten und ein 192 Tagwerk großer Hofweingarten, der von den Sieggrabenerm, Wiesenern, Marzern und Hirmern bearbeitet werden musste. Neben dem Meierhof lag der herrschaftliche Ziegelofen.

Neben dem Forchtenauhof gab es noch einen zweiten Edelhof, der 1675 vom Verwalter Eschenbeck bewohnt wurde. Die Familie Eschenbeck stand schon lange im Dienste der Herrschaftsverwaltung. Nikolaus Esterházy löste das Steinhaus ein und verpfändete es an Emerich Bersenye, bald darauf wurde es Wohnhaus für das Herrschaftspersonal. Während der Umbauten der Burg wurde es zeitweise auch vom Grundherrn persönlich bewohnt.

Die Abgabenlasten waren im Vergleich mit anderen Dörfern der Herrschaft zunächst eher gering. Viele Lehenshöfe und Hofstätten waren Pfarrholden. Die Robot war ähnlich hoch wie in den anderen Dörfern. Die Bauernhöfe waren eher klein. 1589 gehörten zu einem halben Lehen 6 Joch Acker und 2 Tagwerk Wiesen, dazu kamen aber ausgedehnte Rottgründe. Die Kalkbrennerei ist schon im 16. Jahrhundert nachgewiesen. und wurde bis ins 20. Jahrhundert betrieben. 1675 wurden die Pfarrholden von der Grundherrschaft in Anspruch genommen. Es gab 5 halbe, 6 Dreiachtel- und 29 Viertelansässigkeiten, 18 Hofstätten und 1 Kleinhäusler sowie zwei Mühlen. Alks Bannwein mussten 28 - 30 Forchtensteiner Eimer getrunken werden, an Bergrecht wurden 126 - 127 Eimer abgeliefert. "Kucheldienst" und "Verehrung" ("Geschenke") waren beträchtlich, ebenso das Tazgeld (Getränkesteuer) und das Husarengeld. Im Zuge der Robot mussten die Forchtensteiner einen 95 Pfund großen Hofweingarten und 20 Joch Acker bearbeiten. Die Belastung der Untertanen war also unter der Herrschaft der Esterházy stark angestiegen und hatte einen großen Umfang erreicht. Die Esterházy bauten die grundherrschaftliche Eigenwirtschaft nach Erwerb der beiden Edelhöfe stark aus und forderten entsprechende Robotleistungen. 1717 gab es 57 Sessionisten und 7 Hofstättler, 1752 108 Sessionsbauern und Hofstättler, 1767 42 Sessionisten, 28 behauste und 40 unbehauste Söllner. Die Eigenwirtschaft der Herrschaft umfasste 1786 nahezu 100 Joch Acker, 23 2/4 Tagwerk Wiesen und 255 Pfund Weingarten und zwei Obstgärten. 1851 war der Obstbau schon der wichtigste Wirtschaftszweig. Den Edelkastanien kam besondere Bedeutung zu. Unterhalb des Burgberges, bei der Schlossmühle, gab es drei Forellenteiche, die der Herrschaft beträchtliche Erträge brachten. Im 19. Jahrhundert verlandeten sie und wurden 1820 bereits als Wiesen genutzt.

Das Weingebirge wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stark ausgeweitet. Viele Weingärten gehörten Bauernhöfen in der Buckligen Welt, die aus Forchtenau ihren Eigenwein bezogen. 1570 befanden sich 51 % der Weingärten im Besitz der Forchtenauer. Niederösterreichische Besitzer kamen zusammen auf 24 %. 1589 befanden sich 71 % im Besitz der Forchtenauer und der Herrschaft.. Unter den auswärtigen Besitzern war auch das Paulinerkloster in Wr. Neustadt. 1696 gehörten 82 % der Weingartenfläche Auswärtigen, 1717 noch immer 62 %, 1752 71 %. Die Qualität des Forchtenauer Weines war zu allen Zeiten nicht besonders hoch. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann ein Schrumpfungsprozess. Erst die Reblauskrise am Ende des 19. Jahrhunderts zerstörte den Forchtenauer Weinbau nahezu vollständig. Der Weinbau wurde durch den intensiven Obstbau ersetzt, der für den Ort überaus wichtig wurde. Die Zählung von 1938 ergab 32 089 Obstbäume.

Im 17. Jahrhundert wurden die vielen Pfarrholden zur Grundherrschaft geschlagen, der Pfarrhof erhielt dafür eine Viertelsession. 1675 umfasste das Dorf 63 Häuser. Der Türkenkrieg von 1683 und die Kuruzzenzüge 1704 - 1709 dürften auch in Forchtenau schwere Opfer gekostet haben. Paul Esterházy ließ im Dorf ein Servitenkloster errichten. Den Serviten wurde auch die Pfarre übertragen. Ein Sohn Paul Esterhazya wurde als Servit im Kloster aufgenommen. Nach der Walter - Kare von 1750/54 gab es in Forchtenau drei Mühlen, eine Ziegelei, drei Forellenteiche und zwei Kalköfen. Eine Einsiedelei und ein Kreuzweg zum Hausberg sind ebenfalls verzeichnet.

Ein großes Problem waren die vielen Überschwemmungen, etwa 1773, 1774 und 1813. 1813 lagen im Ort Schlamm, Geröll, Steine bis zu eineinhalb Meter hoch. 1831 brannten 59 Häuser ab. Im gleichen Jahr forderte die Cholera viele Tote.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts ging der Weinbau immer mehr zurück und wurde durch den Obstbau ersetzt. Vor allem die Edelkastanien konnten auf den Märkten gut verkauft werden. Im 19. Jahrhundert kam zu den vielen Äpfel- und Birnbäumen auch der Anbau der Ananaserdbeeren. Die erste Grundbuchanlegung und Katastralvermessung wurde 1858 abgeschlossen. 1855 wurde der Notariatsbezirk Forchtenau geschaffen, zu dem auch Neustift und Wiesen gehörten. Nach der Volkszählung von 1850 gab es 103 Häuser und 179 Wohnparteien. Die Bewohner waren nahezu ausschließlich Deutsche und Katholiken. 1852 erbauten Forchtenau und Neustift gemeinsam eine neue Schule. An ihr waren zwei Lehrer tätig. 1853 war das Weingebirge noch 60 Joch groß. 1853 erfolgte die Grundentlastung. 43 Bauernhöfe und 48 Kleinhäusler erhielten das Eigentumsrecht an den Urbarialgründen. 1873 wurden auch die übrigen Gründe abgelöst, 1885 die Hutweide zwischen Grundherrn und Bauern aufgeteilt. 1879 entstand die Urbarialgemeinde. 1860 wurde das Kreisnotariat wieder aufgelassen, die Notariatsgeschäfte übernahmen wieder die Lehrer. 1871 entstand dann das Kreisnotariat Wiesen, dem auch Forchtenau und Neustift angehörten. 1894 wurde das Kreisnotariat auch Matrikelbezirk.  1882 wurde ein Postamt eingerichtet, 1889 ist ein Arzt, Dr. Franz Kessler, belegt, 1900 ein Kreisarzt Dr. Engelbert Pestl, der in Mattersburg wohnte. 1908 wurde Dr. Johann Palkovich zum Kreisarzt gewählt, später war Dr. Philipp Kövesi Kreisarzt. 1896 wurde in Neustift eine Staatsschule eingerichtet. 1877 brannten in Forchtenau 28 Häuser ab, 1890 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, 1892 der Männergesangsverein "Echo", 1903 ein Weinproduzentenverein, 1907 ein Verschönerungsverein.

Die gewerbliche Wirtschaft des Ortes profitierte immer von Bau und Erhalt der Burg und der Nachfrage des Hofes. Die Handwerker arbeiteten vielfach als entlohnte Vertragsangestellte der Burg. 1632 werden "Brüderische Zimmerleute" erwähnt (wiedertäuferische mährische Brüder). Der Versorgung der Festung diente eine Pulverstampf, die 1647 an den Mattersburger Juden Isac Joseph verpachtet war. im 18. Jahrhundert gab es eine Büchsenmacherwerkstätte. Der von Christoph Grafensteiner errichtete Ziegelofen wurde auch von den Esterházy weiter betrieben. Im 18. Jahrhundert wurde im Ort ein neuer Ziegelofen errichtet. 1890 bestand der Ofen noch. Später wurde das Gebäude an die Hirmer Zuckerfabrik verpachtet. Der Ziegelofen arbeitet vor allem für den Bedarf der Herrschaft.

1900 lebten von den 1004 Einwohnern 33,5 % von der Landwirtschaft, 46 % von Industrie und Gewerbe. 1910 hatte der Ort 1085 Einwohner, nur mehr 18,9 % lebten von der Landwirtschaft, 57,9 % von Industrie und Gewerbe, 6,5 % vom Handel. 1905 wurde eine neue Volksschule gebaut. 1907 erhielten Forchtenau und Neustift einen eigenen Notär. 1910 wurde der Bau der Straße über die Rosalia bis zur niederösterreichischen Grenze beschlossen. Realisiert wurde dieses Vorhaben aber erst 1917/18 durch Kriegsgefangene, die in einem Barackenlager untergebracht waren.

Die Bevölkerungszahl nahm vor allem in der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu, besonders  infolge eines sehr hohen Geburtenüberschusses. 1785 hatte das Dorf 750 Einwohner, 1843 716, 1869 760, 1880 845, 1900 1004, 1910 1085, 1920 1160, 1934 1214, 1946 1196, 1961 1440, 1971 1557 und 1981 1640. 2015: 2781 Einwohner. Die starke Zunahme in den vergangenen Jahrzehnten ist eine Folge der starken Zuwanderung und der günstigen  Möglichkeiten, einen Bauplatz in Forchtenstein zu erwerben. Vor allem viele Mattersburger sind im Zeitraum 1981 bis 2001  nach Forchtenstein übersiedelt. In den letzten Jahren stagnierte die Bevölkerung.

 

Zwischenkriegszeit

Im Ersten Weltkrieg hatte Forchtenau 72 Gefallene zu beklagen. Im November 1918 wurde ein Deutscher Volksrat gebildet. Während der Rätezeit wurde ein Arbeiter- und Bauernrat eingesetzt. 1922 wurde eine Gemeindeverwaltungskommission eingesetzt, die -paritätisch besetzt - bis 1923, den ersten Gemeinderatswahlen, im Amt blieb. Die Wahl von 1923 brachte den Christlichsozialen 340 Stimmen und 7 Mandate, den Sozialdemokraten 218 Stimmen und 5 Mandate. Bürgermeister wurde Anton Hammer, Vizebürgermeister Anton Bierbaumer, beide von den Christlichsozialen. 1922 wurden der Radfahrerverein "Alt Frei" und eine Konsum- und Verwertungsgenossenschaft gegründet. Schon 1923 kamen 130 Familien als "Sommerfrischler", aber auch Tagestouristen nach Forchtenau. Die Elektrifizierung des Ortes wurde vom Gemeinderat abgelehnt. 1924 gab es einen Konflikt um die Wahl des Schulstuhles. Da kein Arbeiter in die Kandidatenliste aufgenommen worden war wurde die Wahl für ungültig erklärt. Es gab eine rege Bautätigkeit, Baugründe wurden aus Gemeindebesitz verkauft. Schon 1925 entstand im Gasthaus Helene Nemeth eine Ortsgruppe der NSDAP. 1927 konnten die Christlichsozialen ihren Vorsprung in der Gemeinderatswahl behaupten. Am 16. Oktober kam es zu einem Zusammenstoß im Gasthaus Kretzinger zwischen Frontkämpfern und Sozialdemokraten. Es gab mehrere Verletzte. Ein großes Problem war nach wie vor die Überschwemmungsgefahr. 1929 wurde mit der Regulierung der Wulka und dem Ausbau der Dorfstraße begonnen, die Elektrifizierung wurde eingeleitet. Diese Aufgaben führten zu einer hohen Gemeindeverschuldung, die durch eine übermäßige Gemeindeumlage reduziert werden sollte. 1931 schmolz der Vorsprung der Christlichsozialen auf 7 Mandate, die Sozialdemokraten bekamen 6. Bürgermeister wurde Rupert Strodl, Vizebürgermeister Johann Reisner. 1933/34 fanden Renovierungsarbeiten an der Pfarrkirche statt. 1934 mussten die Sozialdemokraten aus dem Gemeinderat ausscheiden. Strodl blieb Bürgermeister, Anton Bierbaumer wurde Vizebürgermeister. 1935 legten drei Gemeinderäte ihre Funktion nieder, nach Streitigkeiten zwischen Strodl und dem Ortsleiter der Vaterländischen Front. 1935 löste die Landesregierung den Gemeindetag auf, Franz Spuller wurde mit den Bürgermeistergeschäften betraut. Er plante 1936 die Errichtung eines Bades. 1937 wurde ein neuer Gemeinderat bestellt. Bürgermeister wurde Anton Huber. Der Fremdenverkehr sollte durch Verschönerung des Dorfes und Infrastrukturmaßnahmen (Bachregulierung, Elektrifizeirung, Telefon ...) angekurbelt werden. Auf kulturellem Gebiet waren vor allem die katholischen Vereine tätig. Die Abstimmung über den Anschluss an Deutschland erbrachte zwei Gegenstimmen. Landeshauptmann Portschy ernannte Michael Schwarz zum Gemeindeverwalter. Am 1. April 1945 erfolgte der Einmarsch der Russen. Bis gegen Ende Juni 1945 sorgte eine Einheit des sowjetischen Nachrichtendienstes (NKDW), die in Forchtenau stationiert war, für relative Ruhe. Erst nach deren Abzug wurde das Dorf durch ehemalige Kriegsgefangene terrorisiert. Zu einer gefährlichen Situation kam es am 30. Juni, als Forchtensteiner versuchten, diese am Obstdiebstahl zu hindern. In der tätlichen Auseinandersetzung wurde ein russischer Offizier getötet. Die Russen verprügelten daraufhin die Ortsbevölkerung und verschleppten Bürgermeister Matthias Strodl und andere Gemeindevertreter als Geisel in ein Lager nach Krensdorf. Nach einigen Tagen wurden sie aber wieder freigelassen. Im Herbst 1945 wurde ein Zivilist von einem Russen erschossen.

 

Nachkriegszeit und Gegenwart

1948 beschlossen die provisorischen Gemeindeausschüsse von Forchtenau und Neustift den Bau einer Leichenhalle. 1949 wurde das Gemeindeamt renoviert, in den folgenden Jahren die Güterwege und die Elektrizitätsversorgung ausgebaut, neue Bauplätze aufgeschlossen.1954 wurde der Neubau der Volksschule beschlossen. In der Gemeinderatswahl von 1950 erhielt die ÖVP 7, die SPÖ 6 Mandate. Bürgermeister wurde Johann Schwarz, Vizebürgermeister Georg Ecker von der SPÖ. 1954 änderte sich daran wenig. Bürgermeister wurde Johann Huber. Ab 1955 begann der Ausbau der Wasserversorgung, 1957 schied die Gemeinde aus dem Wasserleitungsverband Nördliches Burgenland aus. Ein neuer Sportplatz wurde gebaut. 1958 wurde der Bauplatz für den Schulneubau angekauft. 1959 wurde mit dem Neubau begonnen.  In der Gemeinderatswahl von 1958 blieb der bisherige Mandatsstand erhalten. Bürgermeister wurde Josef Wutzlhofer, Vizebürgermeister Johann Tatar von der SPÖ. 1959 wurde die Errichtung des Stausees im "Paradies" beschlossen. Die Burgspiele wurden finanziell unterstützt. In der Gemeinderatswahl von 1962 konnte die ÖVP ein Mandat hinzugewinnen. Ab 1965 wurde das Gebiet rund um den Stausee ausgebaut, 1967 ein Campingplatz errichtet und der Stausee eröffnet. Ab 1966 begann der Ausbau der Ortskanalisation, 1968 das erste Teilstück vergeben. Die Gemeinderatswahl von 1967 bestätigte die starke Position der ÖVP, die bisherigen Funktionäre blieben im Amt. 1968/69 wurde der Campingplatz vergrößert ein Flächenwidmungsplan beschlossen und Wasserleitungs- und Kanalnetz ausgebaut. Kindergartenbau und die Errichtung eines Gemeindewahnhauses wurden in die Wege geleitet. 1971 wurden durch Landesgesetz Forchtenau und Neustift zur neuen Gemeinde Forchtenstein (ab 1971) zusammengeschlossen. Die Gemeinderatswahl von 1971 ergab eine Stimmengleichheit der ÖVP - nahen Namensliste und der SPÖ, die Wahl musste wiederholt werden. Die Namensliste Wutzlhofer erhielt mit 21 Stimmen Vorsprung 11, die SPÖ 10 Mandate. Wutzlhofer blieb Bürgermeister, Georg Stöger wurde Vizebürgermeister. Das Gemeindehaus Neustift wurde teilweise in ein Pensionistenheim umfunktioniert. Die weiteren Kanalarbeiten, die Bachabdeckung usw. erforderten sehr hohe Ausgaben, ebenso der Straßen- und Güterwegebau, die Gehsteige, eine neue Bestattungshalle und ein neues Gemeindehaus.

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg nahm die Zahl der Gasthöfe und Beherbergungsbetriebe stark zu. Forchtenstein wurde zum Fremdenverkehrsort. Die Zahl der Nächtigungen betrug 1976 schon nahezu 100 000, wovon allerdings der Großteil auf den Campingplatz entfiel. Die Zahl der Übernachtungen in den Beherbergungsbetrieben  ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. 2014 gab es nur mehr 331 Übernachtungen.  Der Tagesausflugsverkehr wird hingegen immer wichtiger.

Die jüngste politische Entwicklung ist durch die Dominanz der SPÖ geprägt. In der Gemeinderatswahl von  1997 erhielt die SPÖ 47,4 % der Stimmen und 11 Mandate. Die ÖVP kandidierte nicht. Eine Bürgerliste Biringer bekam 42 % der Stimmen und 10 Mandate, die FPÖ 10,57 % der Stimmen und 2 Mandate. Mit 55,5 % der Stimmen wurde Friederike Reismüller zur Bürgermeisterin gewählt. 2002 bekam die SPÖ 52,86 % und 13 Mandate,  die ÖVP 39,5 % und 9 Mandate, die FPÖ ein Mandat. Reismüllrt blieb Bürgermeisterin. 2007 und 2012 blieb die SPÖ mit 48,4 und 49, 7 % knapp unter der absoluten Mehrheit, konnte aber um ein Mandat von 11 auf 12 dazugewinnen. Die ÖVP verlor 7 % der Stimmen und zwei Mandate, die FPÖ bekam 2012 über 11 % der Stimmen und zwei Mandate, die Grünen konnten mit 5,84 % erstmals ein Gemeinderatsmandat gewinnen. Reismüller blieb als Bürgermeisterin im Amt. 2012 konnte sie nahezu 60 % der Stimmen gewinnen.

 

Kirchengeschichte

Die Aufzeichnungen im Klosterarchiv, wonach die Pfarrkirche schon 1095 entstanden sein soll und die Gnadenstatue schon im 12. Jahrhundert verehrt worden sei, sind keine seriösen Quellen. Die Pfarre kann erst nach dem Bau der Burg entstanden sein, also Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts. Die Kirche wurde 1347 geweiht. 1343 war Forchtenau jedenfalls noch keine selbständige Pfarre. 1352 wird erstmals ein Pfarrer von Forchtenau genannt, Gottfried, der "Phaff von Vorchtenawe". Im Visitationsbericht von 1641 wird ein Pfarrer Martin Ketzler erwähnt, der im Jahre 1498 ein Altarbild gemalt hat. In einem Ödenburger Testament 1534 wird ein Willibald Jagerhofer als Pfarrer von Forchtenau genannt. Laut der nicht sehr seriösen Klosterchronik sollen die Türken 1529 den Ort und die Kirche abgebrannt haben, wobei aber die Marienstatue unversehrt blieb.

Forchtenau wurde unter den protestantischen Pfandherrn evangelisch, Johannes Hoe bekannte sich 1580 als Flazianer. In der beginnenden Gegenreformation wurde 1584 ein Jakob Keller als katholischer Pfarrer eingesetzt. 1597 war er noch Pfarrer, wurde aber von der Bevölkerung nicht akzeptiert. 1610 hatte Forchtenstein keinen eigenen Pfarrer und war dem Mattersburger Pfarrer Martin Wittmann zugeteilt. 1641 und 1652 - 1660 war Forchtenau noch bei Mattersburg. 1641 gab es einen Pfarrhof. Die Kirche besaß zwar vier Weingärten, das Einkommen war aber so gering, dass sich kein eigener Pfarrer halten konnte. 1638 war noch die Hälfte der Forchtenauer evangelisch, 1651 waren sie mit Ausnahme von vier Personen wieder alle katholisch. 1655 wurde die Kirche vergrößert, 1660 wurde die selbständige Kirchengemeinde mit den Filialen Neustift und Wiesen erneuert. Der erste Pfarrer war Patritius Prasser, gefolgt von Matthias Freimstock  und Paul Prenestl (Kaprisovics, bis 1686). Beide waren Kroaten. 1678 ließen sich bei der Rosalienkapelle zwei Einsiedler nieder. Von ihrer Unterkunft gegenüber dem Schulhaus von Neustift führte ein Kreuzweg auf den Gipfel des Hausberges. Der letzte Weltpriester war Andreas Stankovics. 1695 übernahmen die Serviten die Pfarre. Sie wurden von Paul Esterházy aus Loretto nach Forchtenau gerufen. Esterhazy ließ ein Kloster erbauen, in das ein Prior und zwei Ordensbrüder einzogen. Die Kirche wurde erneut vergrößert. Paul Esterházy plante am Hausberg eine Kapelle und eine Kalvarienbergkirche am Fuße des Hausberges, konnte die Pläne aber nicht mehr verwirklichen. In seinem Testament ordnete er die Errichtung eines Spitals für arme Leute an. Diese Stiftung wurde verwirklicht. 1708 wurde das Kloster von den Kuruzzen schwer mitgenommen. An die Kirche ließ 1719 Michael Esterházy eine "Heilige Stiege" mit 28 Stufen errichten. 1775 wurde der Kirchturm renoviert. 1756 wurden mehrere Kapellen der Kalvarienberganlage errichtet. Die Wallfahrten vor allem zur Rosalienkapelle nahmen ständig zu, von zahlreichen "Wunderheilungen" wurde berichtet. Zur Zeit Josefs II. verlor dann die Wallfahrt rasch an Bedeutung. Die Serviten leisteten weiterhin die Seelsorge in Fochtenau. Erst 1981 wurde die Ordensniederlassung aufgehoben. In das Kloster zog 1950 das Bildungsheim der katholischen Landjugend, das aber nur für wenige Jahre florierte.

Das längst zu kleine Schulhaus -  1820 gab es 178 Schüler - wurde endlich 1851/52 durch einen Neubau ersetzt. Ende des 19. Jahrhunderts bekam Neusift eine eigene Schule. In Forchtenau wurde 1905 eine neue, vierklassige Schule erbaut, dort, wo heute der Kindergarten steht. 1961 wurde wieder eine neue Schule gebaut.

 

Neustift

16. Jahrhundert: Forchtenauer Neustifft; 1622: Schlossneustift; 1675 Neustift; im 20. Jh. Neustift an der Rosalia; Offizieller ungarischer Ortsname: Újtelek

Die Siedlung entstand erst in der Neuzeit, auf Rodungsgründen der Gemeinde Forchtenau. Es waren zunächst verstreut liegende Söllnerhäuser. Die ersten Häuser wurden anscheinend Mitte des 16. Jahrhunderts gebaut. Von den 1569 in Forchtenau genannten 11 Hofstättler und 6 Neustiftler waren wahrscheinlich schon einige der Streuhöfe, die später zur Gemeinde Neustift zusammengefasst wurden. 1589 bestanden um den von Hans Weispriach angelegten Tiergarten bereits 24 Hofstätten. 1588 wurde mit Rudolf Pliembl ein Neustifter Richter genannt. Im 17. Jahrhundert entstanden zwischen den Hofstätten die Holdenhäuschen ohne gebundenen Grundbesitz. 1675 gab es 61 Häuser, darunter 22 Hofstätten und 39 Holdenhäuschen und eine Mühle. Zu Neustift wurden auch das herrschaftliche Wirtshaus bei der Burg und eine Schmiede gerechnet. Auf der Walterkarte von 1750/54 sind ein "Mayrstall" und eine Kaserne verzeichnet. Unterhalb der Rosalienkapelle lag ein Wirtshaus, gegenüber eine Reihe von Häusern, die den einzigen geschlossenen Siedlungsblock bildeten. Von Kriegsschäden und Bränden war der Ort wegen der Streulage weniger betroffen, wohl aber von Überschwemmungen und Unwettern mit Hagel. 1822 und 1823 etwa vernichteten verheerende Hagelschäden die Obstbaumbestände.

Die Erträge aus den kleinen landwirtschaftlichen Betrieben waren karg, Viele Neustifter verdingten sich als Taglöhner in den Weinbaugemeinden der Nachbarschaft. Auch die gewerbliche Wirtschaft war nur wenig entwickelt. Hohe Einnahmen hingegen bezog die Herrschaft aus ihren beiden Wirtshäusern, bei der Burg und bei der Rosalienkapelle. Es entstanden einige weitere Wirtshäuser, Privatpensionen und auch eine Jugendherberge.  Die Kalkbrennerei wurde über Jahrhunderte betrieben und deckte vor allem den Bedarf bei den Arbeiten am Schloss. 1883 - 1885 etwa wurden 200 000 kg produziert. Es entstand ein zweites Kalkwerk. Die Kalkproduktion wurde erst 1980 eingestellt.

Im Maria Theresianischen Urbar wurden die früheren Hofstätten als Achtelansässigkeiten gezählt. Es gab damals 12 Achtelhöfe, 53 Söllnerhäuser ohne Grundbesitz und 28 Inwohnerfamilien. Bald darauf wuchs der Ort stark. Die erste Volkszählung von 1784/87 verzeichnete bereits 87 Häuser, 125 Familien und 541 Einwohner. 1828 wurden dann aber nur mehr 81 Häuser mit 605 katholischen Einwohnern gezählt. In den 1840er Jahren wurden viele neue Curialhäuser, insgesamt 31, gebaut, zum Teil im herrschaftlichen Hofgarten.  Katastralvermessung und Grundbucheintragung wuren 1856/58 abgeschlossen. Die Volkszählung 1850 ergab 104 Häuser mit 798 Einwohnern, alle Katholiken und mit zwei Ausnahmen Deutsche. 1852 wurde gemeinsam mit Forchtenau eine neue Schule gebaut. 1853 wurde die Grundentlastung  für 12 Bauernhöfe und 61 Kleinhäusler verfügt, 1872 wurden die Rodungsgründe abgelöst und Weide- und Waldnutzung mit der Herrschaft geregelt. Die Gemeinde erhielt 69 Joch Wald. 1879 wurde die Urbarialgemeinde gegründet. 25 Kurialhausbesitzer konnten erst 1894 ihren Besitz ablösen. 1896 wurde in Neustift eine zweiklassige Staatsvolksschule errichtet, die zunächst in zwei Privathäusern untergebracht war. 1899 übersiedelte sie in das Schulgebäude. 1891 wurde der Freiwillige Feuerwehrsverein gegründet.

Im Jahre 1900 lebten von den 1050 Einwohnern 28 % von der Landwirtschaft. Bis 1910 sank dieser Anteil sogar auf 18,3 %. Von Industrie und Gewerbe lebten 1900 59,6 %, 1910  59,2 %. Im Herbst 1918 wurde auch in Neustift ein Deutscher Volksrat gebildet. Im Jänner 1919 fand in Neustift eine Volksversammlung statt, die für Deutschwestungarn die Autonomie verlangte, falls diese nicht gewährt würde den Anschluss an Deutschösterreich.

Nach dem Anschluss des Burgenlandes an Deutschösterreich wurde eine Gemeindeverwaltungskommission unter dem Vorsitz von Sebastian Kornfehl eingesetzt. Sie versah bis zur ersten Gemeinderatswahl 1923 die Gemeindegeschäfte. Bei dieser ersten Wahl erhielten die Sozialdemokraten mit vier Stimmen Vorsprung 6 Mandate, die Christlichsozialen ebenfalls 6 Mandate. Bürgermeister wurde der Christlichsoziale Georg Huber. 1927 bauten die Sozialdemokraten ihren Vorsprung deutlich aus. Sie kamen auf 7 Mandate, die Christlichsozialen erhielten 6. 1931 erhielten die Sozialdemokraten 8, die Christlichsozialen 5 Mandate. Bürgermeister wurde Michael Tinhof. 1934 mussten die Sozialdemokraten ihre Mandate niederlegen, Bürgermeister wurde wieder Georg Huber. 1936 wurden die Mitglieder des Gemeindetages im Zusammenwirken mit der Vaterländischen Front ernannt. Bürgermeister wurde  Stefan Müller. 1938 ernannte Landeshauptmann Portschy Franz Schumitsch zum Gemeindeverwalter.

In den ersten Nachkriegsjahren mussten Arbeiten an der Infrastruktur durchgeführt werden: Ausbesserungsarbeiten an der Schule, Elektrifizierung, Neubau einer Lehrerwohnung ...In der Gemeinderatswahl von 1950 erhielt die SPÖ 9, die ÖVP 4 Mandate. Josef Degwerth wurde Bürgermeister, Georg Sauerzapf (ebenfalls SPÖ) Vizebürgermeister. 1954 wurde die Aufstockung des Gemeindehauses beschlossen. Die Gemeinderatswahl änderte nichts am Mandatsstand. Bürgermeister wurde Georg Stöger. 1955 wurde die Renovierung der Rosalienkapelle und der Bau einer gemeinsamen Wasserleitung mit Forchtenau beschlossen. Wichtige Aufgaben waren der Ausbau der Güterwege und die Wulkaregulierung, der Bau von Brücken und die Wasserleitung. 1958 konnte die SPÖ ihren Vorsprung im Gemeinderat auf 10 Mandate ausbauen, die ÖVP erhielt nur mehr 3 Mandate. Stöger blieb Bürgermeister, 1962 bekam die SPÖ sogar 11 Mandate, 1967 wieder 10 Mandate. Die Schule erhielt einen Zubau. Eine Badeanlage wurde errichtet. 1968 sprach sich der Gemeinderat für die Zusammenlegung mit Forchtenau aus. Mit Wirkung 1. Jänner 1971 erfolgte die Vereinigung der beiden Gemeinden.

16. Jahrhundert: Forchtenauer Neustifft; 1622: Schlossneustift; 1675 Neustift; im 20. Jh. Neustift an der Rosalia; Offizieller ungarischer Ortsname: Újtelek

Die Siedlung entstand erst in der Neuzeit, auf Rodungsgründen der Gemeinde Forchtenau. Es waren zunächst verstreut liegende Söllnerhäuser. Die ersten Häuser wurden anscheinend Mitte des 16. Jahrhunderts gebaut. Von den 1569 in Forchtenau genannten 11 Hofstättler und 6 Neustiftler waren wahrscheinlich schon einige der Streuhöfe, die später zur Gemeinde Neustift zusammengefasst wurden. 1589 bestanden um den von Hans Weispriach angelegten Tiergarten bereits 24 Hofstätten. 1588 wurde mit Rudolf Pliembl ein Neustifter Richter genannt. Im 17. Jahrhundert entstanden zwischen den Hofstätten die Holdenhäuschen ohne gebundenen Grundbesitz. 1675 gab es 61 Häuser, darunter 22 Hofstätten und 39 Holdenhäuschen und eine Mühle. Zu Neustift wurden auch das herrschaftliche Wirtshaus bei der Burg und eine Schmiede gerechnet. Auf der Walterkarte von 1750/54 sind ein "Mayrstall" und eine Kaserne verzeichnet. Unterhalb der Rosalienkapelle lag ein Wirtshaus, gegenüber eine Reihe von Häusern, die den einzigen geschlossenen Siedlungsblock bildeten. Von Kriegsschäden und Bränden war der Ort wegen der Streulage weniger betroffen, wohl aber von Überschwemmungen und Unwettern mit Hagel. 1822 und 1823 etwa vernichteten verheerende Hagelschäden die Obstbaumbestände.

Die Erträge aus den kleinen landwirtschaftlichen Betrieben waren karg, Viele Neustifter verdingten sich als Taglöhner in den Weinbaugemeinden der Nachbarschaft. Auch die gewerbliche Wirtschaft war nur wenig entwickelt. Hohe Einnahmen hingegen bezog die Herrschaft aus ihren beiden Wirtshäusern, bei der Burg und bei der Rosalienkapelle. Es entstanden einige weitere Wirtshäuser, Privatpensionen und auch eine Jugendherberge.  Die Kalkbrennerei wurde über Jahrhunderte betrieben und deckte vor allem den Bedarf bei den Arbeiten am Schloss. 1883 - 1885 etwa wurden 200 000 kg produziert. Es entstand ein zweites Kalkwerk. Die Kalkproduktion wurde erst 1980 eingestellt.

Im Maria Theresianischen Urbar wurden die früheren Hofstätten als Achtelansässigkeiten gezählt. Es gab damals 12 Achtelhöfe, 53 Söllnerhäuser ohne Grundbesitz und 28 Inwohnerfamilien. Bald darauf wuchs der Ort stark. Die erste Volkszählung von 1784/87 verzeichnete bereits 87 Häuser, 125 Familien und 541 Einwohner. 1828 wurden dann aber nur mehr 81 Häuser mit 605 katholischen Einwohnern gezählt. In den 1840er Jahren wurden viele neue Curialhäuser, insgesamt 31, gebaut, zum Teil im herrschaftlichen Hofgarten.  Katastralvermessung und Grundbucheintragung wuren 1856/58 abgeschlossen. Die Volkszählung 1850 ergab 104 Häuser mit 798 Einwohnern, alle Katholiken und mit zwei Ausnahmen Deutsche. 1852 wurde gemeinsam mit Forchtenau eine neue Schule gebaut. 1853 wurde die Grundentlastung  für 12 Bauernhöfe und 61 Kleinhäusler verfügt, 1872 wurden die Rodungsgründe abgelöst und Weide- und Waldnutzung mit der Herrschaft geregelt. Die Gemeinde erhielt 69 Joch Wald. 1879 wurde die Urbarialgemeinde gegründet. 25 Kurialhausbesitzer konnten erst 1894 ihren Besitz ablösen. 1896 wurde in Neustift eine zweiklassige Staatsvolksschule errichtet, die zunächst in zwei Privathäusern untergebracht war. 1899 übersiedelte sie in das Schulgebäude. 1891 wurde der Freiwillige Feuerwehrsverein gegründet.

Im Jahre 1900 lebten von den 1050 Einwohnern 28 % von der Landwirtschaft. Bis 1910 sank dieser Anteil sogar auf 18,3 %. Von Industrie und Gewerbe lebten 1900 59,6 %, 1910  59,2 %. Im Herbst 1918 wurde auch in Neustift ein Deutscher Volksrat gebildet. Im Jänner 1919 fand in Neustift eine Volksversammlung statt, die für Deutschwestungarn die Autonomie verlangte, falls diese nicht gewährt würde den Anschluss an Deutschösterreich.

Nach dem Anschluss des Burgenlandes an Deutschösterreich wurde eine Gemeindeverwaltungskommission unter dem Vorsitz von Sebastian Kornfehl eingesetzt. Sie versah bis zur ersten Gemeinderatswahl 1923 die Gemeindegeschäfte. Bei dieser ersten Wahl erhielten die Sozialdemokraten mit vier Stimmen Vorsprung 6 Mandate, die Christlichsozialen ebenfalls 6 Mandate. Bürgermeister wurde der Christlichsoziale Georg Huber. 1927 bauten die Sozialdemokraten ihren Vorsprung deutlich aus. Sie kamen auf 7 Mandate, die Christlichsozialen erhielten 6. 1931 erhielten die Sozialdemokraten 8, die Christlichsozialen 5 Mandate. Bürgermeister wurde Michael Tinhof. 1934 mussten die Sozialdemokraten ihre Mandate niederlegen, Bürgermeister wurde wieder Georg Huber. 1936 wurden die Mitglieder des Gemeindetages im Zusammenwirken mit der Vaterländischen Front ernannt. Bürgermeister wurde  Stefan Müller. 1938 ernannte Landeshauptmann Portschy Franz Schumitsch zum Gemeindeverwalter.

In den ersten Nachkriegsjahren mussten Arbeiten an der Infrastruktur durchgeführt werden: Ausbesserungsarbeiten an der Schule, Elektrifizierung, Neubau einer Lehrerwohnung ...In der Gemeinderatswahl von 1950 erhielt die SPÖ 9, die ÖVP 4 Mandate. Josef Degwerth wurde Bürgermeister, Georg Sauerzapf (ebenfalls SPÖ) Vizebürgermeister. 1954 wurde die Aufstockung des Gemeindehauses beschlossen. Die Gemeinderatswahl änderte nichts am Mandatsstand. Bürgermeister wurde Georg Stöger. 1955 wurde die Renovierung der Rosalienkapelle und der Bau einer gemeinsamen Wasserleitung mit Forchtenau beschlossen. Wichtige Aufgaben waren der Ausbau der Güterwege und die Wulkaregulierung, der Bau von Brücken und die Wasserleitung. 1958 konnte die SPÖ ihren Vorsprung im Gemeinderat auf 10 Mandate ausbauen, die ÖVP erhielt nur mehr 3 Mandate. Stöger blieb Bürgermeister, 1962 bekam die SPÖ sogar 11 Mandate, 1967 wieder 10 Mandate. Die Schule erhielt einen Zubau. Eine Badeanlage wurde errichtet. 1968 sprach sich der Gemeinderat für die Zusammenlegung mit Forchtenau aus. Mit Wirkung 1. Jänner 1971 erfolgte die Vereinigung der beiden Gemeinden.

 

Die Rosalienkirche

Angeblich stand dort schon 1644 eine Kapelle. 1666 ordnete Paul Esterházy den Bau einer Holzkapelle an. 1670 begann man mit der Errichtung der heutigen Kirche, Sie wurde 1680 fertig gestellt. Der barocke Bau erhebt sich über einen kreuzförmigen Grundriss. 1955 bis 1961 wurde die Kirche restauriert.

 

Die Burg Forchtenstein

Die Burg ist das weithin sichtbare Wahrzeichen des nördlichen Burgenlandes und als Sitz der Grafen von Mattersdorf - Forchtenstein ein wichtiges Identifikationsobjekt des burgenländischen Landesbewusstseins. Leider wird allzu oft vergessen, dass hier schon im Mittelalter ein Herrschaftszentrum zwischen Österreich und Ungarn bestand und Forchtenstein über eineinhalb Jahrhunderte auch ein Zentrum der österreichischen Dominanz im westlichen Ungarn war.  Forchtenstein ausschließlich mit den Esterhazys in Verbindung zu bringen - wie dies heute die Fremdenverkehrswerbung oft macht -  ist also nicht gerechtfertigt, da diese die Burg erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts in ihre Hände bekamen.  Nur der Bergfried stammt aus dem 14. Jahrhundert. der dreigeschossige Schlossbau und die Befestigungsanlagen wurden im 17. und 18. Jahrhundert errichtet.

Nach 1296 musste die Stammburg der Mattersdorf - Forchtensteiner im Zuge der Güssinger Fehde niedergerissen werden. Daraufhin entstand um 1300 auf einem nur von einer Seite zugänglichen Dolomitfelsen beim gleichzeitig angelegten Dorf Forchtenau die neue Burg mit Bergfried und Palas. Wie deren Befestigungen aussahen wissen wir nicht, sie wurden später abgerissen. Lediglich der Bergfried mit mächtigen Mauern und einer kielförmigen Verstärkung in Richtung Halsgraben blieb erhalten. Im Bergfried ist noch das Wappen der Mattersdorf - Forchtensteiner erhalten. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Burg 1343. Eine ältere Urkunde aus dem Jahre 1298 ist wahrscheinlich eine Fälschung.  Nach dem Aussterben der Mattersdorf- Forchtensteiner und dem Übergang der Burg in die Hand der Habsburger war Forchtenstein ein Bollwerk gegen Ungarn. 1445 verpfändete Wilhelm, der letzte Mattersdorf - Forchtensteiner, seine Herrschaften Forchtenstein, Kobersdorf und Landsee an Herzog Albrecht VI. von Österreich, der sie 1447 kaufte und sie 1451 an seinen Bruder, den späteren Kaiser Friedrich III., weiterverkaufte. Forchtenstein befand sich anschließend im Besitz verschiedener Pfandherrn bzw. wurde von Pflegern verwaltet.  Unter den Burgherrn Heinrich von Hardegg und Jakob von der Dürr fanden 1507 und 1534 Ausbesserungsarbeiten statt, mit Geldern der Kaiser Maximilian und Ferdinand I. Nach von der Dürr gelangte die Pfandherrschaft an Hans von Weispriach. 1572 wurde die Herrschaft rückgelöst und befand sich in kaiserlichem Besitz. Den hohen Geldbetrag dafür brachten die Untertanen auf, für das Versprechen, sie nie mehr zu verpfänden.

Trotz des Versprechens gingen Burg und Herrschaft 1522 an Nikolaus Esterházy über, zunächst als Pfand und ab 1626 als Eigentum. Esterhazy enteignete die "ausländischen", also österreichischen Edelhofbesitzer, wandelte deren Höfe in Meierein um und baute die herrschaftliche Eigenwirtschaft stark aus.  Er baute die Burg 1629 bis 1644 um, nach den Plänen des Wiener Baumeisters Simon Retacco, eines Komasken. Polier war Domenico Carlone. Die Kosten des Neubaues waren mit 35 000 Gulden enorm. Die Untertanen mussten am Neubau roboten. 1642 wurde die Kapelle durch Bischof Georg Draskovich geweiht.  Die äußeren Basteien kamen ab 1652 unter Paul Esterházy hinzu. 1681 ließ Paul Esterhazy den Oberstock umbauen und ein zweites Stiegenhaus errichten. 1687 wurde die Kapelle renoviert, 1692 bis 1694 wurde die neue Schatzkammer gebaut. Im 18. Jahrhundert, als die Burg keine militärische Finktion mehr hatte,  wurde die Zugbrücke durch eine feste Holzbrücke ersetzt. Das kleine Vorwerk am Zugang zur Brücke wurde im 19. Jahrhundert romantisch umgestaltet. Im inneren Schlosshof steht ein steinernes Reiterdenkmal des Paul Esterhazy aus dem Jahre 1687. Die Burg verfügt über eine 142 m tiefe Zisterne, die jedoch nicht, wie die Sage behauptet, von gefangenen Türken gebaut wurde.

Nachdem die Burg ihre Wohnfunktion verloren hatte - nach dem Ausbau des Schlosses in Eisenstadt - wurde sie zur Waffenkammer und zum Arsenal und beherbergt bis heute eine riesige und sehr wertvolle Waffensammlung, darunter Beutestücke aus den Türkenkriegen. Auch ein beträchtlicher Teil des Esterhazy-Archivs ist in der Burg untergebracht.


Literatur:

  • Landestopographie, Band 3 (bezirk Mattersburg), 2. Teilband, Artikel Forchtenau und Neustift
  • Prickler, Harald : Burgen und Schlösser Burgenland. Wien 1972
  • Kunsttopographie Österreich, Band XLIX, Bezirk Mattersburg