person

Graf Theodor Batthyány

 

* 15. Oktober 1729 in Rechnitz
† 13. Juni 1812 in Wien

 

Grundherr
  

Graf Theodor Batthyany war einer der wichtigsten Grundherrn des westungarisch -burgenländischen Raumes und einer der wenigen Angehörigen der ungarischen  Magnatengeschlechter, der auch in frühindustriellen Unternehmungen tätig war, Bergwerke und Manufakturen  betrieb und großes Interesse an der Technik hatte.

Theodor entstammte der älteren Linie der Familie Bathhyany. Sein Vater war Ludwig Ernst Batthyany, ungarischer Hofkanzler und ab 1751 Palatin, seine Mutter Gräfin Maria Theresia, eine geborene Kinsky. Sein Onkel Josef war Feldmarschall, ban von Kroatien, Gouverneur in Bayern, Minister in den Niederlanden und Erzieher Josefs II. Theodor genoss eine gute Ausbildung und interessierte sich anscheinend schon früh für Technik. Von seinen neun Geschwistern überlebten nur fünf. Zwei seiner Brüder wurden Militärs, sein Bruder Josef  wurde Erzbischof von Gran und Fürstprimas von Ungarn. Theodor heiratete 1756 die Gräfin Philippine Esterházy von Galántha aus der gräflichen Linie der Esterhazy. Als Morgengabe erhielten sie die Herrschaft Poschendorf (Bozsok). Sie lebten im Schloss von Poschendorf und später in Bernstein. Eine seiner Töchter heiratete den Grafen Michael Franz von Althann und war Obersthofmeisterin der Kaiserin Maria Ludovica. Sein Sohn Anton Josef bekam den Ort und das Bad Tatzmannsdorf. Dort ließ er eine klassizistische Halle, den "Tempel der Genesung", errichten. Sein Verhältnis zum Vater war schlecht. Theodor setzte seine Tochter zur Universalerbin ein. Aus Antons zweiter Ehe gingen zwei Söhne hervor, Gustav und Kasimir. Gustav wurde später der 5. Fürst Batthyany und erbte die Majoratsgüter. Er lebte zumeist in England. Mit seinen Söhnen Edmund und Gustav starb dann die ältere Linie der Batthyany 1914 aus. Kasimir war in der Revolutionsregierung 1848/49 Außenminister, floh nach dem Scheitern der Revolution in die Türkei und dann nach Paris, wo er 1854 starb.

Theodor widmete sich der Verwaltung der Güter und der Technik. Zu seinen Besitzungen gehörten die Herrschaften Bernstein, Großpetersdorf (ein Teil der Herrschaft Schlaining) und Kisbér,  die er vom Vater geerbt hatte, drei Herrschaften von seinem Onkel Karl, Rechnitz und Biscske von seinem Bruder Josef usw. Die Herrschaft Nadelburg bei Wr. Neustadt  kaufte er selbst, ebenso wie drei kroatische Güter. Schließlich kaufte er auch noch die Kärntner Herrschaften Glanegg, Oberaich und Trabuschgen vom Grafen Stampfer von Walchenberg.

Die Herrschaft Bernstein war die einzige Batthyany - Herrschaft, in der Bergbau betrieben wurde. Nach der Übernahme der Herrschaft begann Theodor mit Investitionen im großen Stil und brachte auch Besitzanteile anderer Batthyanyzweige in seinen Besitz. Neben Schwefel wurden auch Kupfer und Kupfervitriol  gewonnen. Das Problem war das Auftreten von Grubenwasser. Schurfbaue wurden bei Grodnau, Langau und Dreihütten  mit reichen Schwefelkiesvorkommen und ein Antimonbergbau in Neustift betrieben. Es bestanden Schwefel- und Vitriolhütten und dazu ein Kupferschmelz mit Pochwerk errichtet. Es wurden täglich sieben Zentner Schwefel gewonnen, die Vitriolproduktion blieb aber unter den Erwartungen. Der Schwefel- und Kupferbergbau florierte gut. Der Schwefel wurde an die Kaiserlich - Königliche Artillerie verkauft, das Kupfer wurde in der gräflichen Manufaktur in Loipersdorf verarbeitet. Über 100 Arbeitskräfte waren beschäftigt. 1806 wurden die Gruben in Kärnten gekauft, die sich aber als nicht rentabel erwiesen. Sie wurden nach Theodors Tod verkauft. Theodor beschäftigte gut ausgebildete Fachkräfte, etwa den Engländer William Blakey, der einen "Steinkohlenbruch" bei Schreibersdorf anzeigte und der den Grafen mit der Dampfkraft vertraut machte. Auch der Bergrat Franz Mitis stand in seinem Dienst und hatte die Oberleitung der Unternehmungen inne.

Neben dem Bergbau betrieb Theodor Batthyany eine ganze Reihe von Manufakturen. 1769 kaufte er die "k.k. Nadelburger Metallwaren- und Messingnadelfabrik" in Lichtenwörth. Die Manufaktur machte unter der Leitung des Ärars hohe Verluste, litt an einer Überproduktion und an den hohen Arbeitslöhnen. Batthyany reduzierte das Personal und die Arbeitslöhne und stellte neue Produkte wie Säbelklingen her. Sein Ziel war es die Produktion nach Ungarn, in das Gebiet von Loipersdorf, zu verlegen. Dort glaubte er die große Zahl von Arbeitern besser versorgen zu können bzw. wollte er die Herstellung der Produkte im Verlagssystem billiger machen um so der Konkurrenz der Nürnberger Messingwaren gewachsen zu sein. Der Kommerzienrat war dagegen und strengte einen Prozess gegen Batthyany wegen einiger nicht eingehaltener Vertragsbestimmungen an. In der Nadelburg arbeiteten damals 8 Offizianten, 38 Meister, 98 Gesellen, 147 Frauen, 155 Knaben, 134 Mädchen, 22 Dienstmädchen und 12 Tagelöhner. Die Hofkammer versuchte vergebens, einen anderen Käufer für die Nadelburg zu finden.  Die Loipersdorfer Fabrik dürfte um 1775 entstanden sein. Sie beschäftigte nur 30 Arbeiter, dazu aber zahlreiche Heimarbeiter. Da der Ärar auf die Bezahlung der restlichen Schuld für die Nadelburg bestand wurden die drei Häuser Theodors in Wien verkauft.

Nach dem Tode Theodors beauftragte sein Sohn Anton Josef den Juden Lazar Goldstein mit der Leitung der Nadelburg. Schließlich wurde sie dem Wiener Großhändler Anton Hainisch verkauft, der die Fabrik zu wirtschaftlicher Blüte führte.  Auch auf dem Gebiet der Textilindustrie war Theodor Batthyany tätig. Eine in Kroatien gegründete Tuch- und Bandfabrik wurde nach Bad Tatzmannsdorf verlegt, dort aber bald eingestellt. Auch in der Herrschaft Kisbér bestanden eine Tuch- und eine Majolikafabrik.

Theodor Batthyany beschäftigte sich auch mit der Konstruktion von Schiffen. Er erhielt ein entsprechendes Privileg. 1797 wurde seine "Wassermaschine" auf der Donau in Wien ausprobiert. Batthyany hatte in das Projekt, das sich als erfolgreich erwies und großes Interesse hervorrief, viel Geld investiert. Sein Assistent war Josef Max Freiherr von Liechtenstern, der die Gesamtleitung der Güter übernahm. Er war vielseitig gebildet, weit gereist und verfasste Schriften zur Geographie, Recht, Statistik, Geschichte, Landwirtschaft und Schifffahrt. Später ging er nach Dresen und Preußisch Schlesien. Unklar ist, wie Graf Theodor diese Projekte finanzierte. Nach seinem Tod wurde auch der Schiffsbau eingestellt, so wie alle seine Unternehmungen. Seine riesige Bibliothek mit 30 000 Bänden in Rechnitz wurde von seinem Enkel Gustav der Ungarischen Akademie der Wissenschaften geschenkt.

Literatur:

  • Polster, Gert: Theodor Graf Batthyány (1729 - 1812). In: Die Familie Batthyány; Band 1. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Band 139. Eisenstadt  2014