Schon in der Zeit der Römischen Republik taucht bei griechischen und römischen Atoren erstmals der Begriff "Pannonien" auf. Polybios nannte die Völker an Drau und Save Pannonioi, Tibull bezeichnet sie als tapfere Krieger und charakterisiert sie ganz nach dem für die nördlichen Barbarenvölker üblichen Topos. Mit der Gründung von Aquileia 181 v. Chr. wurden die Nachrichten über die Bewohner des Karpatenbeckens genauer. Vor allem nach den Illyrischen Kriegen 229/28, 219 und 168 v. Chr. waren dessen westliche und südliche Bereiche gut bekannt. "Illyrien" wurde 167 v. Chr. Protektorat des römischen Reiches und wahrscheinlich unter Caesar Provinz. Strabon gibt in seiner "geographica" eine detailierte Beschreibung von Pannonien, das bei ihm noch ein geographischer Begriff ist. In griechischen Quellen scheinen die Begriffe Paiones, Peiones und Paionia auf. Die Herkunft der Bezeichnung ist unklar. Einige Sprach- und Religionswissenschaftler leiten sie vom Gott Pan ab. Cassius Dio spricht von einem Kleidungsstück pannus, das von den Bewohnern des Landes getragen wurde. Er gibt auch eine genauere Beschreibung der geographischen, klimatischen und ethnischen Verhältnisse. Er konnte dabei auch aus eigener Anschauung schöpfen, da er zwischen 224 und 228 n. Chr. Statthalter der Provinz Oberpannonien war.  "Die Pannonier wohnten in der Nähe von Dalmatien, unmittelbar dem Donauufer entlang von Noricum bis Mösien und führten das elendste Leben von allen Menschen. Denn was Boden und Klima angeht haben sie es schlecht: sie pflanzen keinen Ölbaum und erzeugen auch keinen Wein, es sei denn ganz wenig und dann von schlechtester Sorte, da sie ja den größten Teil des Jahres in bitterstem Winter leben: sie essen und trinken vielmehr gleichermaßen sowohl Gerste als auch Hirse. Doch gelten sie als die tapfersten von allen Menschen, die wir kennen; da sie ja nichts besitzen, was ein ordentliches Leben lohnend macht, sind sie äußerst leidenschaftlich und blutdürstig."
 

Im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. war die politische Situation des Raumes durch die Lage zwischen dem römischen Reich und Makedonien bestimmt. Durch das Gebiet der Pannonier führten wichtige Verkehrsverbindungen von Makedonien nach Italien, unter anderem durch das Savetal. Auch als Aufmarschgebiet gegen die Daker, gegen das Reich König Burebistas, der zuvor die Skordisker, die eine Hegemonie ausübten, besiegt hatte, war das Gebiet wichtig. Ein Feldzug gegen die Daker wurde vorbereitet. 35 v. Chr. begannen die Römer von Italien ausgehend eine Straße unter dem Konsul Fufius Geminus in Richtung Siscia zu errichten (Via Gemina).  Octavian, der spätere Kaiser Augustus, griff die Iapoden an, zwischen 29 und 27 v. Chr. führte M. Licinius Crassus einen Feldzug gegen die Daker, Moesier und Thraker. Octavian eroberte 35 v. Chr. Siscia, das als Militärbasis besonders wichtig wurde. Von hier aus zog Tiberius 15 v. Chr. gegen die Skordisker.

Eine Eroberung des weiten Raumes nördlich der Save war im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. kaum beabsichtigt. Es ging darum, die Verkehrs- und Handelsrouten zu sichern, die entlang dieser Verbindungen lebenden Völker auf die Seite Roms zu ziehen und eine Pufferzone zu Makedonien zu schaffen. Entlang der Save lief der Handelsweg nach Osten, zur Donau und zum Schwarzen Meer. Dazu kamen wichtige Nord - Süd Verbindungen: aus Noricum mit seinen reichen Rohstoffen (Gold, Eisen) an die Adria, vor allem aber die "Bernsteinstraße", die von Aquileia aus nach Norden führte und bei Carnuntum die Donau querte. Aus Germanien wurde Blei, von der Küste der Ost- und Nordsee Bernstein geliefert.

Plinius, der zu einer Zeit schrieb, als Pannonien schon als Provinz in das Römerreich eingegliedert war,  nennt in seiner naturalis historia die Donau, den Plattensee (Lacus Pelso), die Drau und andere Flüsse. Der Drau entlang lebten die Serretes, Serapilli, Jasi und Andizetes, an der Save die Colapiani und Breuci. Als weitere wichtige Völker zählt er auf: die Arviates (Arabiaten), Azali, Amantini, Belgites, Catares, Cornacates, Eravisci, Hercuniates, Latobici, Oseriates und Varciani. Es gab zu dieser Zeit schon drei Coloniae: Sabaria, Emona und Siscia. Weitere Städte waren das oppidum Scarbantia Iulia (Ödenburg), Sirmium und Taurunum in der Nähe der Mündung der Save in die Donau.


Literatur:

  • Borhy, Laslo: Die Römer in Ungarn. Darmstadt 2014
  • Artikel Pannonia. In: Der Neue Pauly, Bd.9 
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