Urgeschichte

Das Gebiet an der Lafnitz wurde in der mittleren Jungsteinzeit, im 5. Jahrtausend v. Chr., besiedelt. Der frühgeschichtliche Siedlungshorizont ist durch dicke Schwemmschichten überdeckt, sodass bisher nur wenige Funde gemacht wurden. 1992 konnten unterhalb der Basis eines römerzeitlichen Hügelgrabes in den Oberlafnitzwiesen Tonscherben aus der späten Lengyelkultur (ca. 4000 v. Chr.) geborgen werden. Funde aus der Bronzezeit und Eisenzeit fehlen hingegen, sind aber im benachbarten Wolfau gemacht worden. Der Ringkogel bei Hartberg war in der Eisenzeit sogar befestigt.

Aus der römischen Kaiserzeit, aus dem 1. bis 3. nachchristlichen Jahrhunderten, sind sehr viele Hügelgräber bekannt, besonders im Lafnitzwald, Stockwald und Mooswald. Sie sind in Gruppen oder großen Hügelgräberfeldern angeordnet, bevorzugt an Altwegen. Die Einbauten der Aschegräber sind aus Holz, häufiger aus Stein. Die Grabhügel zwischen Loipersdorf und Wolfau waren schon im 19. Jahrhundert bekannt. Auf einem broßen Kongress 1876 in Budapest berichtete der Altertumsforscher Florian Romer darüber. Romer wurde vermutlich von Andreas Renner, dem damaligen evangelischen Pfarrer von Markt Allhau, auf die Hügelgräber hingewiesen. Bald darauf wurden erste Ausgrabungen vorgenommen. Die Funde gelangten in das Savariamuseum in Steinamanger, 1982 begann der Landesarchäologe Karl Kaus mit der systematischen Vermessung und Kartierung, da der Bau der Südautobahn bevorstand. Insgesamt wurden 57 Hügelgräber erfasst. Die Hügel haben eine Höhe von 1 bis 3 Meter und einen Durchmesser von 10 bis 20 Meter. Die vier Hügel, die direkt auf der Autobahntrasse lagen, wurden 1983 untersucht. Einer davon wies eine besonders schöne, bienenkorbartige Steinsetzung auf. 1992 wurden zwei Hügel auf den Lafnitzwiesen ausgegraben und dabei eine besonders schöne Dreifußschale gefunden.

Münzschatz

Im Jahr 1938 wurde in Markt Allhau ein Münzschatz entdeckt. Ein kleiner Krug enthielt 118 Silbermünzen. Das Eisenstädter Museum konnte den kompletten Fund erwerben. Die Münzen sind Kremnitzer Denare (Kremnica in der Slowakei). Kremnitz war lange Zeit die Hauptmünzstätte des Königreiches Ungarn. Die Münzen enthalten ca 50%, ab 1574 nur mehr 43 % Silber. Sie wurden über einen langen Zeitraum hinweg angespart (Prägejahre von 1520 bis 1601). Die Münzen wurden wahrscheinlich 1601 vergraben. 1600 hatten die Türken Kanitscha erobert und es herrschte damals große Angst vor einem Türkeneinfall, der dann 1602 tatsächlich erfolgte. Der Wert des Münzschatzes war damals nicht besonders groß. Zum Vergleich: 1 Liter Wein kostete etwa 2 Denare, ein Pfund Rindfleisch 15 Denare, ein Taglöhner erhielt 20 Denare.

Mittelalter

Ortsname: Es gibt verschiedene Deutungen: E. Moór als Alachau (Au bei der Kirche, Alach = althochdeutsch Kirche), Elmar von Schwartz: Rodungsname, "Hau", al = gänzlich, allgemein. Die zweite Version wird heute für die wahrscheinlichere gehalten. 1331: Alho, 1365 Alhau, 1538 Olhaw

Das Gebiet um Markt Allhau wurde in der Völkerwanderungszeit von Slawen dünn besiedelt und nach der Eroberung durch die Franken von Adeligen und Bauern aus dem Westen erschlossen. Zu den karolingerzeitliche Orten zählt das 864 genannte Wisitindorf an der Lafnitz, Es wird bei Rohrbach an der Lafnitz, aber auch mit guten Argumenten bei Markt Allhau vermutet (Johann Ritter).

Nach der Niederlage der Ungarn auf dem Lechfeld wurde auf steirischer Seite von den Traungauer Grafen (Ottokare) kolonisiert, auf der ungarischen Seite von eingewanderten Adeligen aus dem Westen, allen voran von den Güssinger (Günser) Grafen. Viele ihrer steirischen Gefolgsleute errichteten kleine Ritterburgen. Im Jahre 1257 verlieh König Bela IV. dem Georg, Sohn des Olper, den Besitz Erunsd an der Grenze zur Steiermark, im Tausch gegen den Ort Ablánc bei Güns. Erunsd oder Erusd (1331) leitet sich vom ungarischen ´"erös" (=scharf, stark, mächtig) ab und verweist auf einen Festungsbau. Nach der Grenzbeschreibung lag Erunsd im Südteil des heutigen Hotters von Allhau. Wo der Festungsbau bzw. der "Turm" lagen, ist unbekannt. Der Wald östlich der Brunnäcker käme in Frage. 1331 werden sowohl Erösd wie Allhau genannt. Sie waren also nicht identisch. 1365 bestand Erösd nicht mehr. Die Bevölkerung übersiedelte vielleicht in das günstiger gelegene Allhau.

Die Besitzer von Erösd/Allhau und Schachen, die Brüder Georg und Tyba, benannten sich nach ihrem Stammsitz Köveskút (=Steinbrunn), einem Ort nördlich von Steinamanger. Ihr Vater Olper war der Gründer des Dorfes Olbendorf und der Erbauer der dortigen Kleinen Ritterburg. Die Herren von Köveskút blieben bis in das 15. Jahrhundert im Besitz der Region Buchschachen - Markt Allhau. Ihre Personennamen legen nahe, dass sie deutscher Abstammung waren: Georg, Tyba = Diwald, Wolfer, Ek = Eckhard. Es wurde sogar vermutet, dass sie ein Seitenzweig der Güssinger (Günser) waren. Mit Sicherheit waren sie aber Gefolgsleute bzw. Dienstleute der Güssinger.

Im Kampf zwischen König Stefan V. und Przemysl II. Ottokar schlossen sich Peter von Schachen, sein Sohn Wolfer und sein Bruder Eck dem Böhmenkönig an. Zusammen mit den Friedberger Rittern unternahmen sie einen Einfall in Ungarn. Georg von Köveskút, der Besitzer von Allhau, stellte sich ihnen entgegen und nahm Peter und seine Leute gefangen. Dafür bekam Georg vom König auch Buchschachen geschenkt. Die Anlage auf dem Schlossriegel blieb bis in das Spätmittelalter adeliger Wohnsitz und einer der Mittelpunkte der Landschaft, die man im 16. Jahrhundert die "deutsche Gegend" nannte und die Allhau, Buchschachen, Loipersdorf, Kitzladen und später auch Wolfau umfasste. Vielleicht noch unter Georg, wahrscheinlich aber unter seinem Sohn Posa oder seinem Enkel Paul wurden  auf dem Gebiet von Buchschachen die neuen Dörfer Kitzladen und Loipersdorf angelegt. In Kitzladen wurde die neue Pfarrkirche St. Jakob gebaut. Zu dieser Pfarre gehörten auch Allhau, Buchschachen und Loipersdorf. Zuvor hatte das ganze Gebiet zur Pfarre St. Peter in Pinkafeld gehört.

1365 teilten die Brüder Johann und Nikolaus, die Söhne des Paul, ihren Besitz. In der Teilungsurkunde werden zwei Burgstellen in Buchschachen und eine in Allhau genannt. In Allhau, Buchschachen, Loipersdorf und Kitzladen gab es je eine dreigängige Mühle. In Wolfau wurde eine Maut eingehoben. Die Mautstelle wurde noch im Spätmittelalter nach Allhau verlegt.

Die Teilungsurkunde von 1365 gibt Aufschluss über die Anlage des Dorfes. Es war ein langes Straßendorf zu beiden Seiten des Stögersbaches. Noch im Mittelalter entstand außerhalb des Dorfes auf dem Anger eine Kirche. Sie war eine Filialkirche von Kutzladen bzw. später von Wolfau.

Die Teilung blieb bis in das 15. Jahrhundert bestehen. Der Anteil des Nikolaus, genannt "Dallus" (dallos =der Sänger) kam an seinen Sohn Job (Justus), von ihm an seine Schwestern Barbara, Martha und Bynthel, 1415 setzte sie König Sigismund in Sohnesrechte ein. Später ging der gesamte Besitzteil an Bynthel und deren Gatten Peter von Csorna über (1446). Der Johann - Anteil kam an dessen Sohn Georg und dessen Tochter.

1455 gab Ladislaus Postumus dem Domkapitel von Preßburg den Auftrag, den Johann von Pielach in den Besitz des Johann - Anteils einzuführen. Pielach stand im Dienst der Habsburger und der ungarischen Verwaltung und bekam das Dorf Jois. Wie er in den Besitz der Köveskúter Dörfer kam ist unbekannt. Entweder heiratete er in die Familie ein oder der Besitz fiel an die Krone und wurde neu vergeben. Sie kamen dann in den Besitz des Berthold von Ellerbach und 1462 schenkte sie Matthias Corvinus seinem Mundschenk Georg von Turoc, den Verlobten der Christina von Csorna, die eine Tochter des Peter von Csorna war. 1478 verkauften auch Christina von Csorna und ihre Schwester Katharina ihren Anteil an um 3000 Gulden an Johann von Ellerbach. Schließlich kauften die Brüder Wilhelm und Jörg Baumkircher, die Söhne des Andreas Baumkircher, 1482 die Orte von den Ellerbach und schlossen sie ihrer Herrschaft Schlaining, zu der auch bereits das benachbarte Grafenschachen gehörte, an.

Auch in Allhau spielte, wie in Buchschachen, Wolfau, Loipersdorf und Kitzladen, eine wichtige Rolle. Im Spätmittelalter wurden in Allhau und Wolfau große herrschaftliche Eigenweingärten angelegt. 1540 besaß die Herrschaft einen 40 Tagwerke großen Eigenweingarten.  Beide Herrschaftsweingärten zusammen  lieferten im Jahresdurchschnitt ca.5 Fass Wein (5436 Liter). Zusammen mit dem Bergrechtswein musste der Eigenwein während der Verpfändung nach Thernberg in den Burgkeller gebracht werden. In Allhau wurde auf 248 ha Weinbau betrieben. Die wichtigsten Weingartenriede waren Buchgraben, Schönberg, Klarampf, Koller, Grünwald , Hinterleiten, Groß- und Kleinbrunngraben.  Die Ried Prisching weist auf den Herrschaftsweingarten (von Prüschenk, später Grafen von Hardegg). An den herrschaftlichen Weingarten in Wolfau erinnert der Riedname Radtaler (Rottaler). Im 16. Jahrhundert begannen die steirischen Stände gegen den übermäßigen Weingartenbesitz im "Ungarischen" zum Schutz des steirischen Weinbaues vorzugehen. Das hatte einen deutlichen Rückgang zur Folge. In Loipersdorf und Kitzladen wurde der Weinbau ganz eingestellt.

Frühe Neuzeit

1497 wurde die "Deutsche Gegend" von Georg Baumkircher mit den Dörfern  Allhau, Buchschachen, Wolfau, Loipersdorf, Grafenschachen und Kitzladen um 1400 Gulden an den steirischen Adeligen Georg von Rottal verpfändet.  Dieser  besaß damals die Burgen Kirchberg und Thalberg. 1515 befanden sie sich noch im Pfandbesitz, da sie im Schlaininger Urbar von 1515 nicht erwähnt werden.  Wann sie ausgelöst wurde und wieder an die große Doppelherrschaft Rechnitz - Schlaining zurückfiel ist nicht belegt. 1538 gehörten die Dörfer jedenfalls nach dem Steuerverzeichnis des Komitates bereits wieder dazu. Wahrscheinlich wurden sie zwischen 1532 und 1537 ausgelöst. Von nun an gehörten die fünf Dörfer den Batthyany, die inzwischen Rechnitz - Schlaining erworben hatten.

1540 gab es in Allhau rund 50 bäuerliche Anwesen, davon waren allerdings 18 öde. Wie sehr sich die beiden Türkenkriege ausgwirkt hatten, zeigen auch die Steuerverzeichnisse. 1540 wurden 12 "Pforten" gezählt, aber 19 pauperes, also Verarmte.

Ein ganzer Hof musste zu drei Terminen - Georgi, Jakobi und Weihnachten - je 8 Kreuzer (32 Wr. Pfennige)  zahlen, dazu 2 Hühner, 1 Wecht (Metzen, ca 83 Liter) Hafer abliefern. Ein halber Hof zahlte je 5 Kreuzer, 1 Hahn und 1/2 Wecht Hafer. Zu Weihnachten musste jeder Bauer eine Fohre Holz in das Schloss bringen.

1584 erhielt Allhau ein Marktprivileg. Große Schäden erlitt der Ort in der Bocskai - Rebellion (1604 - 1606). Die Dica - Liste von 1609 verzeichnete nur eine halbe Pforte, die anderen Höfe waren abgebrannt. 1622 wurde das ganze Dorf als abgebrannt verzeichnet.

1662 wurde das Dorf unter den Söhnen Adam Batthyánys, Christoph II. und Paul, geteilt. 1663 verpfändete Paul 2 Sessionen mit Bergrecht und Weinzehent an Viktor Raimbolt für 300 Gulden. Vom Besitzanteil Christophs II. gehörten 9 Bauernhöfe Adam Francsics, die 1663 ebenfalls Raimbolt überlassen wurden, 1666 verpfändte Paul seinen Anteil am Dorf um 2000 Gulden an Johann Enyedy.

1576 wurden 4 und 1601 7 Söllner verzeichnet, 1636 gehörten der Kuh- und der Schwinehirt zu den Söllnern, drei Söllner hatten zusammen 2 Pferde und 4 Kühe. Im Weinberg wohnten 12 Söllner im eigenen Haus. Einige von ihnen besaßen Kühe, nur drei hatten keine Kuh. 1648 wohnten im Dorf 4 Söllner, im Weinberg 8. Alle hatten Zugvieh. Interessant ist, dass auch 14 Bauern mit einer Session im Weinberg wohnten. Liberi (von Abgaben befreit) waren 1636 Cjristoph Kern, Verwalter, 1678 Handrich Landenperger und Mert Khaden, 1697 Landenperger und die Mühlenbesitzerin Frau Mert Kern. 1365 wurde erstmals eine Mühle erwähnt, 1540 gab es zwei Bauernmühlen, 1636 nur eine. An Allodialgütern gab es neben dem großen Herrschaftsweingarten zwei Wiesen neben der Lafnitz. 1648 baten fünf Bauern um Herabstufung von einer halben auf eine Viertelsession und drei mit einer Viertelsession wollten zu Söllnern abgestiftet werden.

1540 lebten 241 Personen, 1576 464 Personen und 1601 406 Personen in Allhau. Interessant ist, dass es 1540 fünf und 1576 acht Bauern gab, die "in einem Brot" lebten, das heißt, dass sie in einem gemeinsamen Haushalt mit einer anderen Familie, meist der eines Bruders, lebten. Ganze Sessionen gab es kaum, auch die Zahl der halben Ansässigkeiten ging stark zurück. Die Zahl der Viertelansässigkeiten stieg stark an. Der Tierbestand war relativ groß. 1648 hatten 77 Bauern Pferde, 29 hatten Ochsen und 139 Kühe. Ein Bauer hatte im Durchschnitt 1,74 Zugtiere.

Türken und Kuruzzen

Die Lage an der Grenze wirkte sich fatal aus. Schon 1683, während der Belagerung Wiens durch die Türken, begann das UNheil. Christoph Batthyany huldigte den Türken und dem Kuruzzenführer Emmerich Thököly. Er warnte die steirischen Stände vor einem Einfall. Es kam zu gegenseitigen Überfällen und Raubzügen. Türken und ungarische Rebellen kamen bei Allhau über die Grenzeund raubten die steirischen Dörfer aus. Aus Rache fielen die Steirer in das obere Lafnitztal ein, plünderten Allhau und Umgebung und verwüsteten Pinkafeld. Nach der Niederlage der Türken vor Wien huldigte Batthyany wieder dem Kaiser.

1690 wurden die Besitzungen von Paul Batthyány weiter aufgeteilt, unter seinen Söhnen Sigmund und Franz. Daraus ergaben sich Streitigkeiten und Prozesse. Erst 1717 konnten diese endgültig geregelt werden. Sigmund Batthyany verpfändete 1692 seinen ganzen Anteil an der Herrschaft Schlaining seinem Cousin Adam II. Batthyany. Erst 1711 zahlte er den Pfandschilling an die Witwe Adamas II., Eleonore Batthyany - Strattmann, zurück.

Franz II. Rákóczi wagte 1704 erneut den Aufstand. Die Kuruzzen überfielen immer wieder die Grenzgebiete in Niederösterreich und in der Steiermark. Im Sommer 1704 unternahmen ca 300 Steirer einen Rachefeldzug, fielen bei Allhau in Ungarn ein und verwüsteten das ganze Gebiet. 1705 mussten die Allhauer kaiserliche Truppen einquartieren, was einer Plünderung gleichkam. Die Allhauer wurden verdächtigt, mit den Kuruzzen zusammen zu arbeiten. In den Jahren 1704 bis 1707 verheerten die Kuruzzen die westungarischen Komitate und fielen immer wieder in die Nachbarländer ein, wobei sich die völlig verarmten Bewohner der Grenzdörfer manchmal anschlossen. Erst 1711 kam es nach mehreren Niederlagen der Kuruzzen zum Frieden von Szatmár. Mit den Folgen der Verwüstungen hatten die Dörfer noch lange zu kämpfen. 1715 lagen noch viele Höfe öde.

Einige Untertanen konnten sich von den Leistungen an die Herrschaft freikaufen, etwa 1666 Paul Knielitsch. 1646 kauften sich die beiden Brüder Mathias und Simon Kern mit zwei ganzen Sessionen von allen Abgaben und Dienstleistungen frei, wahrscheinlich auf 99 Jahre. Sie zahlten dafür 450 Gulden.

Grundherrschaft

Die Batthyany als Grundherren übten zunehmend Druck auf die Bauern aus und verlangten immer mehr Robotleistungen. So flüchteten schon im 17. Jahrhundert viele Bauern im Lafnitztal in die Weinberge, wo sie sich Söllnerhäuser bauten. Im 18. Jahrhundert setzte sich diese Entwicklung verstärkt fort. Die Grundherrschaft versuchte vergeblich, die Bauern in den Ortskernen zu halten. So entstanden die "Berglerhöfe".

Mit dem Weinbau ging es schon im 18. Jahrhundert bergab, viele Weingärten waren verwahrlost. 1732 wurden noch 173 Weingartenbesitzer gezählt, von denen viele bis 1835 den Weinbau aufgaben. Der Wein hatte keine besondere Qualität. In den stillgelegten Weingärten wurde Getreide angebaut, von der Herrschaft aber weiterhin ein "Bergrecht" verlangt (Bergrechtshafer, Bergrechtsgeld).

Nach der Teilung des Dorfes gab es zwei Gemeinderichter. Nach der Erhebung zum Markt wurden zusätzlich zwei Herrschaftsrichter eingesetzt, sodass es insgesamt vier Richter gab. An "Gewerbebetrieben" wären vor allem die Mühlen zu nennen. Die Allhauer Mühle wurde ebenso wie die in Wolfau, von Max Batthyany von den bisherigen Pächtern übernommen. In Allhau zahlten eine Fleischbank und eine Ledererwerkstatt der Herrschaft Zins. Erst im 19. Jahrhundert stieg die Zahl der Dorfhandwerker (Schneider, Leinweber, ein Schmied, ein Hafner). Sie gehörten den Pinkafelder Zünften an.

Die Gehöfte der Bauern waren in den Jahren 1782 - 1784, während der josephinischen Landesaufnahme, noch durchwegs Blockbauten aus Holz. Nur die Kirche, der Pfarrhof und die Mühle waren aus Stein und Ziegeln gebaut. Die Landesaufnahmen von 1844 und 1857 zeigen die Ablöse der Holzhäuser durch Lehm- und Ziegelbauten. Die Ziegelbauweise setzte sich immer mehr durch. Die Zigel wurden von den Ortsbewohnern selbst hergestellt, luftgetrocknet, zum Teil auch gebrannt. 1900 gab es in Allhau 298 Häuser, davon waren 179 Ziegel-, 99 Holz- und 20 Lehmhäuser.

1746 schloss das Dorf Allhau mit der Herrschaft Schlaining einen Kontrakt. Danach musste ein ganzer Hof 18 Gulden Bannwein- und Robotgeld bezahlen. Dazu kam für die ganze Gemeinde ein Rossquartiergeld (für drei Pferde je 25 Gulden), ein Weingartenarbeitsgeld sowie eine Geldablöse für drei weite Fuhren in der Höhe von 45 Gulden. Zu Weihnachten musste jede ganze Session zwei Fuhren Holz in die Burg Schlaining bringen. Zum Eimergetreide kamen noch Kuchelabgaben  (Hühner, Kapaune, Gänse, Eier). Jedes Haus hatte einen Gulden Hausgeld zu zahlen.

Die hohen Ausgaben der Herrschaft für die Hofhaltungen, die Besitzteilungen, der Unterhalt von Höfen in Wien und Graz bewogen die Herrschaftsinhaber, die Abgaben und Leistungen immer höher zu schrauben. Zwischen 1746 und 1765 stiegen sie besonders stark. Vor allem die Robotlast wurde von den Bauern als unerträglich empfunden. So wie im gesamten Komitat wuchs auch in Allhau und in Wolfau der Widerstand. 1762 wurden bereits Wochenroboten verweigert. 1765 verweigerten die Allhauer und Wolfauer die Bearbeitung von Grundstücken in Schlaining. 74 Tage Zugrobot wurden nicht geleistet, viele Äcker blieben ungepflügt, die Erträge gingen zurück. Auch Fuhrwerkleistungen wurden verweigert, 1765 waren die Wolfauer und Allhauer bereits 649 Tage Handrobot schuldig. Bergrecht und Weinzehent wurden nur zum Teil abgeliefert, Gelddienste wurden ebenfalls teilweise verweigert. Der Markt Allhau zahlte 138 Gulden und blieb 757 Gulden "schuldig". Den Bannwein holten die Dörfer einfach nicht ab. 1766 wurden wieder Robotarbeiten im Ausmaß von 1203 Tagen Handrobot verweigert.

Es gärte im ganzen Komitat und es drohte ein Bauernaufstand. So stimmte der Adel schließlich widerwillig den Reformen durch das Maria Theresianische Urbar zu. Die Robot wurde, zur großen Enttäuschung der Bauern, nicht abgeschafft, aber auf einen Tag Zugrobot oder zwei Tage Handrobot pro Woche für einen ganzen Hof eingeschränkt. Söllner hatten 18 Tage, Inwohner 12 Tage Handrobot im Jahr zu leisten. In den "Neun Punkten", die die Allhauer den königlichen Kommissaren beantworteten, gaben sie an, dass sie bisher 978 Gulden , dazu Bergrecht und Weinzehent, an die Herrschaft zahlen mussten. Die Robot betrug 980 Tage Zug- und 3273 Tage Handrobot. Trotz einiger Erleichterungen waren die Bauern unzufrieden und es gab weitere Arbeitsverweigerungen. 1777 strengte die Herrschaft einen Urbarialprozess an und  1789 untersuchte ein Herrenstuhlgericht die Beschwerden. In vielen Punkten setzte sich die Herrschaft durch.

Nach dem Ende der Kuruzzenkriege erholten sich die Dörfer rasch. In Allhau stieg die Zahl der Häuser im 18. Jahrhundert  rasch an, besonders die der Söllnerhäuser - von 14 im Jahre 1728 auf 102 im Jahre 1770. Das Bevölkerungswachstum war eine Folge des Geburtenüberschusses. Er betrug etwa 1819/20 bis 1830 117 Personen. Trotzdem stieg die Einwohnerzahl in diesem Zeitra8um nur 12. Es gab also eine starke Abwanderung. Dafür spricht auch der relativ hohe Frauenanteil. Die Bevölkerung war im Durschnitt sehr jung, 46 % der Bevölkerung waren unter 17 Jahre, nur ein Viertel über 40. 1830 waren 87,2 % der Bevölkerung evangelisch.

1844 standen im Allhauer Ortskern 117 Häuser, 34 in den Oberen, 71 in den Unteren Berghäusern, dazu 6 Mühlhäuser 12 Hagenauerische Häuser. 1851 erwähnt Richter Samuel Hagenauer am Waldrand stehende Zigeunerhäuser. 1850 wurden 250 Häuser, 276 Feuerstellen und 30 Brunnen mit gutem Wasser sowie 200 Ställe gezählt. 1852 werden im Schematismus der Diözese Steinamanger 1496 Einwohner, darunter 1382 Evangelische und 114 Katholiken erwähnt. 1895 erreichte die Einwohnerzahl mit 1850 Personen einen Höchststand. 1910 waren es 1819 Einwohner 1920 1535, 1923 1503.  Die Auswanderung machte sich also deutlich bemerkbar.

Über Markt Allhau schrieb Korabinsky in seinem Geographisch - Historischen Produkten Lexikon von Ungarn 1786: Die Einwohner des großen deutschen Dorfes Allhau  "...nähren sich vom Weinbau und gehen auch nach Rust, Ödenburg und Preßburg in die Weingartenarbeit, Die übrigen im Dorf selbst geben sich mit dem Wein-, Wildbrett-, Butterhandel und der Viehzucht ab."

Die Reformen von 1848 und der Neoabsolutismus

Um Einfälle aus Ungarn zu verhindern wurden im Dezember 1848 eine Kompanie eines Grenzbataillons nach Lafnitz und St. Johann verlegt. Am 14. August 1949 wurde vom Generalkommando in Graz die Entwaffnung der Markt Allhauer angeordnet. Am 17. August trafen vier Kompanien eines Infanterieregimentes ein. Der Stuhlrichter verordnete die Abgabe aller Waffen innerhalb von zwei Stunden. Zwei beinahe unbrauchbare Pistolen wurden abgegeben. Hausdurchsuchungen brachten keine Ergebnisse. Die Bevölkerung hatte bereits davor ihre Waffen an Händler verkauft.

Die Verfassungsreform des Jahres 1848 hatte auch auf die Gemeinden Auswirkungen. Das System der Grundherrschaft und die grundherrliche Gerichtsbarkeit wurden aufgehoben, die allgemeine Steuerpflicht nach persönlichem Einkommen und ein neues Wahlrecht wurden eingeführt. Das Wahlrecht zur Unteren Tafel des Reichstages  besaßen Adelige (unabhängig von ihrem Besitz!), Inhaber städtischer Bürgerrechte und Männer über 20 Jahre, die in den Städten im Besitz eines Hauses von mindestens 300 Gulden Wert waren, in den Dörfern all jene, die mindestens eine Viertelsession innehatten, ferner Fabrikanten, Kaufleute, Handwerker mit mindestens einem Gesellen und all jene, die ein jährliches Mindesteinkommen von 100 Gulden nachweisen konnten, Ärzte, Advokaten, Ingenieure, Professoren, Seelsorger, Lehrer, Gemeindenotare und Mitglieder der Akademie der Wissenschaften ohne Brücksichtigung des Einkommens, Wählbar waren alle Männer über 25, die der Sprache der Gesetzgebung - seit 1844 Ungarisch - mächtig waren.

Das Komitat Eisenburg hatte 10 Abgeordnete zu stellen. Allhau gehörte zum Wahlbezirk Oberwart. Waren zuvor 1,7 % der Bevölkerung wahlberechtigt, so waren es nunmehr immerhin 7 bis 9 %. Das Land wurde in Wahlbezirke eingeteilt.  Die Wahlbezirksordnung blieb bis 1921 in Kraft.  Die Volksvertreter wurden auf drei Jahre gewählt.

Die Adelsvorrechte, also vor allem die Steuerfreiheit, wurden aufgehoben und damit die "Bauernbefreiung" eingeleitet - früher als in Österreich, wo sie von Hans Kudlich erst im September 1848 im Reichstag beantragt wurde.  Die grundherrschaftliche Gerichtsbarkeit wurde endgültig abgeschafft. Die Gerichtsbarkeit wurde von den Komitaten übernommen (Zivilsachen von den Stuhlrichtern, Kriminalsachen von den Komitatsgerichten).

Abgeschafft wurden alle Dienstleistungen, Natural- und Geldabgaben.  Auch die schwierigen Fragen der Kommassierung, der Abtrennung der Hutweiden und der Waldnutzungsrechte wurden prinzipiell geregelt und Grundsätze zur Entschädigung der früheren Grundherrn beschlossen. Der geistliche Zehent wurde entschädigungslos  aufgehoben, die niedere Geistlichkeit sollte durch staatliche Zuwendungen erhalten werden. Die Avitizität wurde nun endlich abgeschafft. Zu vielen dieser Gesetze fehlten allerdings noch die Ausführungsbestimmungen. Sie hätten erst am nächsten Reichstag beschlossen werden sollen. Dazu kam es aber nicht mehr, denn es folgte der Bürgerkrieg und schließlich die Rücknahme vieler Gesetze im Zeitalter des Neoabsolutismus.

Auch die geplante neue Rechtsstellung der Gemeinden als Gebietskörperschaften mit Selbstverwaltung konnte nicht mehr beschlossen werden. Der bisherige Gemeinderichter Johann Wolfauer, die sechs Geschworenen und der Notör - der Lehrer Michael Niko, blieben im Amt.

Nach der Niederlage der Revolutionsarmee wurde die Verwaltung neu geordnet. An der Stelle der bisherigen 6 Oberstuhlrichterämter wurden 12 Bezirkskommissariate geschaffen. Allhau gehörte zum Bezirkskommissariat Pinkafeld. 1850 wurden die ersten Bezirksgerichte eingerichtet. Aber schon 1854 übernahmen wieder die neu geschaffenen Stuhlrichterämter die gerichtlichen Aufgaben. Die Bezirksbehörden wurden nun wieder Stuhlrichterämter genannt. Das Eisenburger Komitat wurde in zehn Stuhlrichterämter gegliedert. Allhau kam zum Bezirk Oberwart, Sitz der Behörde blieb aber bis 1855 Pinkafeld. Richter, Geschworene und Notäre wurden nun vom Komitatsvorstenad bestellt. Der Richter hieß offiziell seit 1852 Gemeindevorstand. Es gab sechs Geschworene. Nach dem Oktoberdiplom von 1860 konnte der Gemeindevorstand von den Gemeindebewohnern frei gewählt werden. In Allhau wurde Michael Auer gewählt, sein Nachfolger war ab 1862 Michael Hagenauer. Unter ihm wurde 1864 der Urbarialvertrag abgeschlossen. Ab 1861 gab es im Komitat Eisenburg 24 Bezirke. Allhau gehörte zum Bezirk Pinkafeld, allerdings nur bis zum Ausgleich 1867.

Ab Herbst 1849 wurde auch das Steuerwesen neu geordnet. Direkte Steuern waren die Grundsteuer, die Häusersteuer, Einkommens- und Personalerwerbssteuer, indirekte Steuern die Verzehrungssteuern (Branntwein-, Bier-, Wein-, Fleisch- und Zuckersteuer), Rechts- und Stempelgebühren, Taxen, Salz- und Tabakmonopol, Lotto und Zolltarife. Die Grundsteuern wurden nach dem Kataster erhoben. 1858 waren die erste Katastralvermessung und die Anlage der Grundbuchmappe abgeschlossen. Die vielen neuen Aufgaben in den Gemeinden führten 1856 zur Trennung von Gemeindenotariat und Schuldienst. 1857 wurden Bezirksnotariate geschaffen, diese aber schon 1861 wieder aufgelöst und der alte Zustand wieder hergestellt.

Der "Ausgleich" von 1867 hatte schwerwiegende Folgen. Das Nationalitätengesetz von 1868 erklärte alle Einwohner zu Angehörigen der "ungarischen politischen Nation". Die bürgerliche Gleichberechtigung der nichtmagyarischen Nationalitäten wurde zugesichert, ebenso der freie Gebrauch der Muttersprache in den Volksschulen und auf der niederen Verwaltungsebene. Aber Ungarisch wurde zur Staatssprache erklärt. Der Schriftverkehr zwischen den Behörden, die Gerichtsprotokolle, Grundbucheintragungen ... mussten nun in der "Staatssprache" erfolgen. Der Staat konnte Volksschulen errichten, mit entsprechenden Auflagen zur Unterrichtssprache, die konfessionellen Schulen wurden ebenfalls unter staatliche Kontrolle gestellt. Der Druck in Richtung Einführung des Ungarischen als UNterrichtssprache wurde immer größer. Das Komitat wurde wieder in 10 Bezirke eingeteilt. Allhau gehörte zum Bezirk Oberwart.

1871 wurde ein "modernes" Gemeindegesetz geschaffen, Die Gemeinden erhielten Vertretungskörperschaften - Gemeinderepräsentanzen, die zur Hälfte aus "Virilisten", also diejenigen, die die höchsten Steuern zahlten, und zur Hälfte aus gewählten Männern. Für je 100 Einwohner wurde ein Vertreter "gewählt". Es sollten nicht weniger als 10 und nicht mehr als 20 sein. Wahlberechtigt war jeder mindestens 20-jährige Ortsbewohner, der Steuern zahlte. Gewählt wurde alle drei Jahre mit einer Mandatsdauer von 6 Jahren. Die Repräsentanten wählten den Gemeindevotstand, bestehend aus Richter, Vizerichter, Geschworene, Waisenvater und Gemeindenotär. Allhau war "Kleingemeinde", aber Sitz eines Bezirksnotärs, der auch für Buchschachen, Wolfau, Kitzladen und Loipersdorf zuständig war. 1886 kam auch der Gemeinde- bzw. Kreisarzt in den Gemeindevorstand. Allhau war auch Sitz des Sanitätskreises. Erster Kreisarzt war Franz Wansauer. Zuvor, 1843 bis in die 1860rt Jahre, praktizierte bereits RFranz Watschinger als "Wundarzt oder Chyrurg".

Allhau war der Sitz der evangelischen Pfarre. Es gab eine evangelische Volksschule, in der 1848 ein Lehrer unterrichtete. Ab 1854 wurde die Schule baulich erweitert und ein zweiter Lehrer angestellt. Über Anordnung der evangelischen Kirchenvisitation von 1859 erhielt die Schule einen Zubau.

Urbarialregulierung, Grundablöse

Bis 1848 gehörten in Allhau zur Herrschaft Schlaining des Grafen Christof Batthyány 149 Untertanen - 72 Bauern mit zusammen 23 5/8 Sessionen und 77 Söllnern mit zusammen 9 5/8 Sessionen. Zur Herrschaft Jormannsdorf des Grafen Franz Batthyány gehörten 97 Untertanen, 48 Bauern mit 14 6/8 Sessionen und 49 Söllner mit 6 1/8 Sessionen. Die Urbarialgründe gingen nunmehr in das Eigentum der Bauern über. Die Grundherrn wurden dafür vom Staat entschädigt, mit 700 Gulden pro Session und 50 Gulden pro Söllner. Die Gründe, die nicht zur Session gehörten, wurden 1864 im Urbarialregulierungsprozess vor dem Vizegespangericht abgelöst. Inbegriffen waren die Remanetialgründe (Überlandgründe), die Rodungsgründe, die Waldnutzung, Bergrecht und Weinzehent, Aufteilung der Hutweide und des Waldes. Für die Überlandgründe waren 7075 Gulden zu zahlen, ab 1864 in zehn Halbjahresraten mit 5 % Verzinsung.  Die Rodungsgründe, 177 Joch, wurden den Bauern um insgesamt 3900 Gulden überlassen. Von den Weiden entfielen auf die beiden Grafen 172 Joch Angerweide und 283 Joch Waldweide. Die früheren Grundherren nahmen nur kleine Flächen in Anspruch, der Rest konnte mit 4270 Gulden für die Anger- und 6270 Gulden für die Waldweide abgelöst werden. Für das Bergrecht mussten 4364 Gulden Ablöse gezahlt werden, ebenso musste die Marktgerechtigkeit in Geld abgelöst werden. Die finanziellen Belastungen waren also groß. Dazu kam am 17. Sept. 1848 ein Großbrand, der während des Gottesdienstes ausbrach und der 22 Häuser und Wirtschaftsgebäude verwüstete.

Das Handwerk war um die Mitte des 10. Jahrhunderts schon besser entwickelt. 1850 werden 3 Händler, ein Gastwirt  und ein Bäcker erwähnt. 1852 war der Baumeister Joseph Techet Pächter der herrschaftlichen Lafnitzmühle und des dazugehörenden Wirtshauses. Techet errichtete eine Holzbrücke über die Lafnitz. 1854 war Joseph Kaiser Gastwirt und Fleischhauer, Joseph Ritter Gemeindewirt. Zu den 1857 zur Handelskammer Wahlberechtigten gehörten 1 Krämer, 1 Müller, 1 Bäcker, 1 Sattler, 2 Wirte, 3 Wagner und 3 Schmiede.

Entwicklung bis 1921

1872 wurde ein königliches ungarisches Postamt mit einer Postsparkasse errichtet. Ab 1885 wurde eine neue Brücke über die Lafnitz gebaut. 1891 wurde ein Schneepflug, von 6 Pferden gezogen, angeschafft. 1892 errichtete der Kaufmann Johann Roßmann eine Sodawasserfabrik. 1895 wurde die staatliche Matrikelführung eingerichtet (der Matrikelbezirk entsprach dem Notariatskreis). In den 1890er Jahren wurden die Straßen und Gassen beschottert, 1897 die Ortsfeuerwehr gegründet.

Die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen änderten sich nur langsam. 1900 lebten 81,97 % der Bevölkerung von der Land- und Forstwirtschaft (1910: 76, 52), 6,9 % von Industrie und Gewerbe (1910: 10,11), 2,25 % vom Handel (1910: 3,37), 0,11 % vom Verkehr (1910: 0,66). 0,99 % vom öffentlichen Dienst und freien Berufen (1910: 1,81). 6,26 % vom Taglohn (1919: 6,2) und 1,15 % waren Hausgesinde (1910: 0,96). Besonders zwischen 1900 und 1910 war die Auswanderung starl. 158 Personen verließen den Ort. Besonders wichtig für die weitere Entwicklung war der Eisenbahnbau. : die Linie Steinamanger - Oberwart - Pinkafeld 1888, vor allem aber die Linie Fürstenfeld - Hartberg 1891 und Hartberg - Friedberg 1905 und dann die Verlängerung über den Wechsel 1910. Die Station St. Johann lag nahe bei Allhau. Damit waren Wr. Neustadt und Wien rasch erreichbar.

1907 beschloss die Komitatsverwaltung die Errichtung einer Kinderbewahranstalt. 1910 wurde eine Apotheke eröffnet, ein Kaffeehaus entstand. 1912 bekam Markt Allhau eine Telegraphenstation. Die Allhauer Sparkassenaktiengesellschaft wurde gegründet. Im Ersten Weltkrieg fielen 70 Männer aus Markt Allhau.

Während des Landnahmeversuches durch die österreichische Gendarmerie rückte die Gendarmeriekolonne Nr. 8 von Hartberg her vor. Die in Allhau stationierten Freischärler, 40 Mann unter Tibor Hejjas, zwangen die Gendarmen zum Rückzug. Am 10./11. November 1921 zogen die Freischärler ab, ab 25. November rückte das Bundesheer auch im Südburgenland ein. Größere Schäden durch die Besatzung gab es im Haus des Samuel Raiger, das als Gendarmeriekaserne und auch als Hauptquartier der Freischärler gedient hatte. Die Müller wurden von den Freischärlern komplett ausgeplündert.

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

1923 gab es keine Wahl, da nur eine Einheitsliste kandidierte. Im Gemeinderat saßen 10 Großdeutsche und Landbündler sowie zwei Sozialdemokraten. 1927 erhielt der Landbund 281 Stimmen, die Christlichsozialen 29 und sie Sozialdemokraten 92 Stimmen. 1931 bekam der Vereinigte Wirtschaftsblock 411 Stimmen und 12 Mandate, die Christlichsozialen 48 Stimmen und ein Mandat. 1927 wurde das Kriegerdenkmal errichtet, 1928 das Stromnetz ausgebaut.

Die NSDAP - Ortsgruppe entstand schon vor Mitte 1932. Sie wurde vor allem nachdem Tobias Portschy die Leitung übernommen hatte ausgebaut. Ab 1936 gab es heftige Konflikte der illegalen Nationalsozialisten mit dem evangelischen Pfarrer Viktor Jakoby in Markt Allhau. Dieser war aktiv in der Vaterländischen Front tätig. 1937 wurde der evangelische Lehrer unter Verdacht des Hochverrats verhaftet.  Es gab Ortsgruppen der SA, der SS, der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädchen. sowie der NS - Frauenschaft. Im Juni 1937 wurden 27 Burschen aus Markt Allhau wegen Teilnahme an der Hitlerjugend angezeigt und verhaftet.

Die Begeisterung für den Nationalsozialismus war groß. Zahlreiche Personen waren am "Sternmarsch" nach Oberwart beteiligt. Am 15 März fand ein Fackelzug in Buchschachen statt. Tierarzt Gödel aus Markt Allhau hielt eine Ansprache. Am 13. März gab es in Markt Allhau eine Sieges- und Heldengedenkfeier. Die führenden Persönlichkeiten waren der Tierarzt Gödel und Lehrer Unger. Am 31. März kam es in Allhau zu einer Massenkundgebung. Redner war Prof. Dr. Karner aus Oberschützen.

Weder in Allhau noch in Buchschachen gab es eine Gegenstimme in der Anschlussabstimmung. Pfarrer Jakobi, ein gebürtiger Siebenbürger, der sich ganz auf die Seite der Vaterländischen Front gestellt hatte, wurde 1939 verhaftet und blieb 17 Tage in Schutzhaft.  Er ging nach Ungarn und emigrierte in die Slowakei, wo er 1945 starb. 1938 bis 1941 wurden die Roma von Allhau und Buchschachen deportiert.

1942 musste ein englischer Aufklärer in Buchschachen notlanden, am 10. Mai 1944 wurde ein amerikanischer Bomber in Allhau abgeschossen, von sechs Personen konnte sich nur eine mit dem Fallschirm retten.

Am 10. April 1945 kam die Rote Armee nach Buchschachen und Allhau. Entlang der Lafnitz wurde noch lange gekämpft. In  Markt Allhau wurde eine Verteidigung des Ortes angeordnet. Vom 5. bis 14. April wurde erbittert Widerstand geleistet. 47 Häuser wurden dabei total zerstört, 173 Häuser schwer beschädigt. Das waren die größten Kriegsschäden im ganzen Land. Vom 28.4. bis 10. 5. wurde der Ort evakuiert, es kam in dieser Zeit zu Plünderungen. 5 Personen kamen während der Kämpfe ums Leben. Die Zahl der Kriegstoten und der Vermissten war in Allhau und auch in Buchschachen sehr hoch. In Allhau waren 41 Gefallene und 27 Vermisste, in Buchschachen 20 Gefallene und 9 Vermisste zu beklagen.

Die Zigeuner (Roma) von Allhau und Buchschachen

1674 gestattete Christian Batthyány einer Gruppe von Roma die Niederlassung auf seinen Gütern und stellte ihnen einen Freibrief für ihren Woiwoden Sarközi  aus. Sie waren "Zeltbewohner", umherziehende Gruppen. Jährlich im Frühling mussten sie 25 Taler Steuer oder ein gutes Ross abliefern. Die Zigeuner, an denen der Grundherr offenbar Interesse hatte, waren gute Waffenschmiede und auch Experten für die Instandhaltung von Feuerwaffen. Sie galten als Gemeinfreie und schlossen sich mit ihrem gesamten Tross dem Heer an. Mit dem Aufkommen der modernen Volksheere verloren sie diese Aufgaben und wurden zu "ausgegrenzten Händlern oder sanken auf den Status von Räuberbanden ab"  (Baumgartner, Festschrift Markt Allhau, S. 169) 1758 wurde unter Maria Theresia den Zigeunern befohlen, sich in den Dörfern niederzulassen. 1762 folgte eine Verordnung über die Wegnahme der Kinder und deren Übergabe an "christliche Zieheltern". 1881 fand im Komitat Eisenburg eine Zigeunerkonskription statt, In Markt Allhau wurden 37 Personen, in Buchschachen 59 gezählt. 1893 wurden auch die Berufe erhoben. Die meisten waren Musiker, Schmiede, Taglöhner und es gab einen sehr hohen Anteil von Beschäftigungslosen. Bis 1900 verdoppelte sich die Zahl der Zigeiner, in Markt Allhau auf 78 und in Buchschachen auf 141 Personen.

In der Zwischenkriegszeit verschlechterte sich die Situation der Roma erheblich. Immer häufiger kam es zu Konflikten mit der übrigen Bevölkerung. Die Roma wanderten nicht aus, da ihnen dazu die Mittel fehlten und so wuchs ihr Anteil an der Ortsbevölkerung. 1934 betrug er in Markt Allhau 9,1 %, in Buchschachen 22,7 %. Ein Problem war, dass sämtliche Fürsorgekosten von den Gemeinden zu tragen waren. Schul- und Spitalskosten für die mittellosen Roma mussten von den Gemeinden aufgebracht werden. Nach 1929, als im Zuge der Wirtschaftskrise immer mehr "ausgesteuerte" Arbeitslose wieder in der Landwirtschaft arbeiten mussten, gab es für viele Roma keine Verdienstmöglichkeiten als Taglöhner. Die katastroiphalöe soziale Situation spiegelt sich etwa in der steigenden Kindersterblichkeit der Roma - Bevölkerung wider: sie betrug in manchen Jahren 50%.

Zur Zeit Maria Theresias wurden die Zigeuner noch im Dorfverband angesiedelt. Die meisten Siedlungen entstanden aber im 19. Jahrhundert abseits der Dörfer. Sie erhielten die Erlaubnis, auf Gemeindegrund Häuser zu bauen. Es waren dies meist Holz- oder Lehmbauten, selten kleine Ziegelhäuser.

Schon im 19. Jahrhundert standen die Zigeuner unter Beobachtung durch Gendarmerie und Polizei, ab 1923 begann die internationale Zusammenarbeit der Polizeibehörden. 1928 wurde begonnen, alle erwachsenen Zigeuner zu fotographieren und Fingerabdrücke abzunehmen. Damit wurde eine zentrale Kartei angelegt. 1933 lud Landeshauptmann Dr. Alfred Walheim  zu einer "Zigeunerkonferenz" nach Oberwart, an der Vertreter der Behörden und aller politischen Parteien teilnahmen. Bezirkshauptmann Mayerhofer schlug die Deportation auf eine wenig besiedelte Insel im Stillen Ozean vor. Auch über eine Sterilisation der Zigeuner wurde offenbar gesprochen. Landesrat Wagner schlug die Aberkennung der bürgerlichen Rechte und die Einführung der Stockstrafe vor. Die Zigeuner sollten in Reservate gebracht oder auf alle Gemeinden Österreichs aufgeteilt werden.

Mit der Machtergreifung durch die Nartionalsozialisten begann eine radikale Phase der "Zigeunerpolitik". Schon 1938 wurden 232 Personen inhaftiert und in Konzentrationslager eingewiesen. Ein Mann aus Allhau wurde in Vorbeugehaft genommen. Im Sommer 1939 begann die erste große Deportationswelle, obwohl inzwischen viele Roma Arbeit gefunden hatten. In Allhau und Buchschachen waren 27 Männer von der Deportation betroffen. 16 Roma aus Allhau und Buchschachen wurden in Buchenwald ermordet. Im Frühsommer 1939 wurden auch viele "Zigeunerinnen" aus dem Burgenland nach Ravensbrück deportiert.  Viele Roma waren beim Straßen- und Kraftwerksbau in der Steiermark eingesetzt. 11 Männer kamen in das Arbeitslager Kobenz in der Steiermark. In den Dörfern blieben immer mehr unversorgte Alte und Kinder zurück. Im Herbst 1940 wurde das Sammellager in Lackenbach errichtet. Zwischen 1940 und 1945 waren dort zwischen 4000 und 5000 Roma aus ganz Österreich inhaftiert. 1941 und 1943 kam es zu Deportationen in die polnischen Vernichtungslager, hauptsächlich nach Lódz - Litzmannstadt. Sie wurden im Dezember 1941 oder Jäner 1942 nach Chelmno - Kulmhof überstellt und dort vergast. Ein weiterer Transport ging im April 1943 nach Auschwitz - Birkenau. Bis Ende 1943 starben dort 70 % der Häftlinge. Die Überlebenden wurden als Zwangsarbeiter in den Industriebetrieben eingesetzt. Unter den in Birkenau inhaftierten Personen stammten 49 aus Allhau und Buchschachen.

24 Personen aus Markt Allhau und Buchschachen überlebten die Arbeits- und Konzentrationslager. Nur wenige kehrten in ihre Heimatgemeinden zurück. Die früheren Zigeunersiedlungen waren nahezu ausnahmslos zerstört worden. Nach 1945 waren die Gemeinden verpflichtet, den überlebenden Roma Häuser auf Gemeindegrund zu bauen.

Nachkriegszeit

Da die Lafnitz Zonengrenze war waren die Orte abgeschnitten. In Allhau setzten die Sowjets Viktor Bartos als Bürgermeister ein, ab August 1945 wurde Josef Hötl Bürgermeister, Am 25, November 1945, in der ersten Gemeinderatswahl, erhielt die ÖVP 293, die SPÖ 229 und die Kommunistische Partei 21 Stimmen. Bis 1950 konnten die meisten Kriegsschäden behoben werden, 1948/49 wurde die Volksschule renoviert. Ab 1950, unter Bürgermeister Samuel Hagenauer (ÖVP), wurde die Elektrifizierung vorangetrieben, ab 1962 wurden Güterwege zu den Berghäusern ausgebaut, 1953/54 ein neues Feuerwehrhaus gebaut. 1956 erfolgte der Hauptschulneubau.1957 wurde eine Gendarmeriekaserne mit einigen Wohnungen errichtet.  1954 wurde Alois Krutzler, 1961 Emmerich Holl Bürgermeister. Wichtigste Aufgaben waren neben der Wasserversorgung auch weiterhin der Güterwegebau und die Elektrifizierung. 1956 wurde Joserf Ziermann neuer Bürgermeister. Die ÖVP blieb die stärkste Partei (Mandate im Gemeinderat: 1950 8:5, 1954 8:5, 1958: 8:5, 1962: 9:4, 1967: 7:6)

1973 wurde die Ortskanalisation ausgebaut und ein Grundstück für den Neubau der Hauptschule gekauft. 1979/1980 wurde das alte Gemeindehaus durch einen Neubau ersetzt. Neben dem Gemeindeamt wurden auch Standesamt, Bücherei, Gendarmerieposten, Ordination und Wohnung des Kreisarztes in diesem Neubau untergebracht.

1990 wurde die Grundzusammenlegung abgeschlossen, das Wegenetz teilweise neu angelegt, ausgebaut und asphaltiert. Die Kosten von nahezu 25 Millionen Schilling wurden mit der Grundablöse für die Autobahn und die Umfahrungsstraße finanziert. In Buchschachen wurde die Kommassierung 1994 abgeschlossen.

Der Plan, eine Hauptschule zu errichten, bestand schon in der Zwischenkriegszeit, 1938/39 kaufte die Gemeinde ein Haus. 1956 erhielt die Gemeinde die Zustimmung der Behörden. 1962 wurde das Schulgebäude eingeweiht. Der Bedarf an neuen Klassenräumen stieg rasch auf 12. 1969 wurde der Zu- bzw. Neubau beschlossen, 1977 fertig gestellt. Seit 2008/9 ist die Schule in Markt Allhau eine "Neue Mittelschule".

1977 stellte die SPÖ erstmals mit Erich Gall den Bürgermeister in der Großgemeinde. 1977 wurden in beiden Orten Kindergärten errichtet, 1978 das Gemeindezentrum gebaut, 1981 die Leichenhalle in Allhau. 1982 wurde die Autobahnanschlussstelle errichtet und 1985 eröffnet.  1984 die Autobahnmeisterei Markt Allhau.  1982 wurde Johann Koch von der ÖVP Bürgermeister, 1985 Engelbert Raser (ÖVP), 2007 Hermann Pferschy. Die Volksschule in Buchschachen wurde revitalisiert und die Hauptschule saniert. 1987/88  wurde die Umfahrungsstraße Markt Allhau gebaut. 1992 bekam Markt Allhau das Gemeindewappen verliehen. Ein Freizeitzentrum mit Badeteich wurde errichtet. 1981 entstand die Wasseraufbereitungsanlage Stögersbachtal. Die Volksabstimmung über den EU- Beitritt erbrachte 72,4 Ja - Stimmen. 1992 erhielt Buchsachachen einen Dorferneuerungspreis. Schule und ehemaliges Bethaus wurden zum Dorfzentrum. Ab 1999 wurde zwischen Allhau und Wolfau ein Gelände für Betriebsansiedlungen geschaffen. Die Gemeinde kaufte das Gelände der Baufirma Krutzler. Im Jahre 2000 wurde die Bio- Fernwärmegenossenschaft Markt Allhau gegründet. 2001 waren 85 Haushalte mit Fernwärme versorgt. 2006 kaufte die Gemeinde den Gasthof Samuel Hagenauer, Wohnhausanlegen entstanden. 2007 wurde Hermann Pferschy neuer Bürgermeister.

Gemeinderatswahlen/Mandate: (ÖVP : SPÖ : FPÖ): 1972 12:7, 1977: 9:10, 1982; 10 : 9, 1992: 11:7:1, 1997: 10:7:2, 2002: 9:9:1, 2007: 11:10

Bevölkerungsentwicklung

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl stark an, von 1404 Einwohner im Jahre 1830 auf 1850 Einwohner im Jahre 1895. Denn setzte die erste Welle der Auswanderung ein. Von 1895 bis 1900 verließen 100 Personen Markt Allhau, 1900 bis 1910 sogar 334 Personen.  In Buchschachen nahm die Bevölkerung bis 1900 nur leicht zu. In der Zwischenkriegszeit ging die Bevölkerung in beiden Orten zurück.  Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren beide Orte durch die Aus- und Abwanderung erneut erheblich an Bevölkerung. Buchschachen verlor von 1939 bis 1951 fast ein Drittel deiner Bevölkerung. Der Rückgang konnte erst mit dem Bau der Südautobahn gestoppt werden. Nun konnten viele Menschen als Tagespendler im Wiener Raum arbeiten. 2001 waren 68 % der Erwerbstätigen Auspendler, 57, 8 % der Erwerbstätigen am Wohnort waren Einpendler.

Natürlich hat sich auch die sozialökonomische Struktur stark verändert. 2001 waren nur mehr 6,4 % der Bevölkerung im primären Sektor (Landwirtschaft, Forstwirtschaft) tätig, 32,7 % in Industrie und Gewerbe und schon 60,9 % im Dienstleistungsbereich.

Wirtschaft

Die vielen Handwerksbetriebe fielen größtenteils dem Angebot industrieller Massenprodukte zum Opfer. Größere Betriebe gab es nur wenige. Dazu gehörten der Maurermeister und Holzhändler Josef Krutzler und dessen Sohn Alois. Der Baumeisterbetrieb beschäftigte schon während des Zweiten Weltkrieges etwa 20 Arbeiter und wuchs bis 1966 auf etwa 70 Mitarbeiter. Adolf Krutzler führte den Betrieb bis 1993 weiter. 1993 wurde er in eine Ges.m.b.H. umgewandelt. Baumeister Gerhard Krutzler war bis 1997 Geschäftsführer.

Ein ganz besonders interessantes Kapitel der Allhauer Wirtschaftsgeschichte ist der Fellhandel. Schon um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es zahlreiche Fellhändler. Die meisten waren "Einsammler", aber es gab im Ort auch einige Großhändler. In den 1930er Jahren gab es in Allhau etwa 50 Inhaber von Gewerbescheinen als Pelzhändler, 1948 bis 1953 waren in Markt Allhau noch 30 und in Buchschachen 8 Personen Fellhändler. Die Einsammler begaben sich Anfang Dezember auf die "Reise", die sie in die Steiermark und darüber hinaus nach Kärnten, Osttirol und Salzburg führte, wo sie den Jägern und Bauern die Felle abkauften. Jeder dieser "Katzenwupper" (Spitzname für die Fellhändler) hatte einen eigenen Rayon. Mit ihren gefüllten blauen Säcken, den "Kalier", kehrten sie noch vor Weihnachten in die Heimatgemeinde zurück. Gekauft wurden die Felle von Füchsen, Dachsen, Mardern, Iltissen, Eichhörnchen, Hasen, Bisamratten und Katzen, aber auch die besonders wertvollen Maulwurfsfelle. Die Fellhändler verdienten gut und brachten viel Geld ins Dorf.

Heute (2010)  bestehen in Markt Allhau und Buchschachen bereits zahlreiche Betriebe, von denen die größten aufgezählt sein sollen (Mitarbeiterzahl 2010 in Klammer): Alu - Pfeiffer (55), Hafnermeister Joachim Binder (5), Baumeister Ing. Ronald Brenner (10), Gartenbau Gall (10), Grassel Spenglerei und Solarmontage (11), Hagenauer Haustechnik (14), Hatzl Peter Speditions- und Transportfirma (40), Spenglerei Holl (11), Ing. Hans Igler Holzbau - Dachdeckerei (18), Polychem Handelsgesellschaft (27), Autohaus Rasser (9), Malerei Ringbauer (25), Schlacher Getränkeerzeugung (78), Fleischerei Seybold (19), YIT - Gebäudetechnik (22), Günher Ziermann Finanz- und Vermögensberatung (40).

Kirchen

Die alte katholische Kirche ist der Hl. Lucia geweiht, was für ein sehr hohes Alter spricht. Die alte Kirche wurde 1956 abgetragen. Sie wies zum Teil romanische Formen auf. Allhau war Pfarrort. In der Refoprmation wurde aber der Pfarrsitz in das noch teilweise katholische Wolfau verlegt, das um 1500 zu einer selbständigen Pfarre geworden war. In Wolfau bestand nur eine kleine Holzkirche, in Allhau laut Visitation von 1674 anscheinend eine tgrößere Kirche aus Stein mit gewölbtem Sanktuarium. 1732 wurde in Wolfau eine große katholische Kirche gebaut, 1776 neu errichtet. Der katholischen Pfarre Wolfau gehört neben Allhau auch Kemeten an.

Nach dem Toleranzpatent schlossen sich der evangelischen Gemeinde Allhau auch 82 Familien aus Wolfau an. Da die Lucia- Kirche oft unter Wasser stand entschied man sich 1956, das Kirchenschiff abzutragen. Der Turm wurde gesprengt. Der Neubau wurde im Zentrum des Ortes errichtet, mit Hilfe eines flämischen Bautrupps des "Speckpaters" Werenfried van Straaten. 1963 wurde die neue Kirche geweiht.

Balthasar Batthyány setzte 1680 den Flazianer Thomas Brauneisen als Prediger in Kitzladen ein, 1600 wird ein lutherischer Prädikant erwähnt, der aus Stubenberg mit Frau und Kind als Flüchtling nach Wolfau kam. Andreas Crusius wirkte von 1618 bis 1624 als evangelischer Prädikant in Kitzladen, 1618 bis 1629 ein Wolgbang Schindler in Kemeten. 1630 trat Adam I. Batthyány zum Katholizismus über. Trotzdem konnten sich evangelische Prädikanten noch einige Zeit halten. 1647 ging Paul Künel nach Kitzladen. Tochtergemeinden waren Loipersdorf, Grafenschachen, Allhau und Neustift an der Lafnitz. Sein Nachfolger war Melchior Gärtner aus Schemnitz, der 1657 bis 1660 in Litzladen, später in Loipersbach und Harkau wirkte. In Kitzladen konnten sich die Evangelischen auch wegen der Verpfändung an die Familie Rindsmaul halten. 1647 wurde Philipp Weith als evangelischer Pfarrer in Wolfau ordiniert. Dort war auch ein Christoph Winkler aus Augsburg Pfarrer. 1650 ging er als Spitalspfarrer nach Ödenburg. Daniel Mumerius war 1613 evangelischer Prädikant in Kukmirn. 1652 wurde er, bereits 70 Jahre alt, als Pfarrer von Wolfau genannt. Doert war 1665 Franz Brenner Pfarrer.

Adam Batthyany verpfändete 1652 die Dörfer Loipersdorf und Kitzladen, zu dem kirchlich auch Buchschachen gehörte, an den Freiherrn Georg Albrecht Rindsmaul, einen Glaubensflüchtling aus der Steiermark. Damit konnten die beiden Dörfer zunächst evangelisch bleiben. Rindsmaul durfte allerdings keinen evangelischen Prediger halten. 1729 wurde die Pfandschaft rückgelöst. Die Protokolle der Kirchenvisitationen von 1697/98 und 1713/14 zeigen, dass sich die Allhauer weigerten, dem katholischen Pfarrer Abgaben zu leisten. 1713 waren in den drei Gemeinden Loipersdorf, Kitzladen und Buchschachen von den 900 Einwohnern zwei Drittel evangelisch.

Nach dem Toleranzpatent wurde 1782 um die Erlaubnis zur Gründung einer evangelischen Pfarrgemeinde in der königlichen Hofkanzlei  angesucht. Eine Zählung ergab 484 evangelische Familien in den sechs Gemeinden Allhau, Buchschachen, Wolfau, Loipersdorf, Kitzladen und Kemeten). Das Ansuchen wurde zunächst abgelehnt. Die sechs Dörfer entsandten daraufhin Vertreter nach Preßburg. Im Juni 1783 erfolgte dann die Genehmigung. Schon Mitte September war ein provisorisches Bethaus aus Holz errichtet. Am 9. September 1783 kam der erste evangelische Pfarrer, Samuel Topler. in Markt Allhau an. Am 14. September 1783 wurde der erste öffentliche Gottesdienst gehalten. Im Mai 1984 wurde der Grundstein für ein massives Gotteshaus gelegt, 1786 war der Bau fertig gestellt. Gleichzeitig wurden Pfarr- und Schulhaus errichtet. Die Schule wurde zunächst weiterhin vom katholischen Mesner gehalten. 1785 ersuchten die Allhauer um die Erlaubnis, eine evangelische Schule einrichten und einen evangelischen Lehrer anstellen zu dürfen. Auch die evangelischen Kinder der Filialgemeinden durften diese Schule besuchen, blieben aber zumeist in ihren Heimatgemeinden, wo sie von Winkelschulmeistern unterrichtet wurden, etwa in Buchschachen und Loipersdorf.  Die insgesamt 257 Kinder hätte die Allhauer Schule wohl auch kaum verkraftet. Die Kirche in Allhau hatte zunächst einen Glockenstuhl, 1832 wurde der Bau eines Turmes beschlossen. 1844/45 wurde die Kirche neu mit Ziegel gedeckt, das Pfarrhaus umgebaut und erweitert. 1910 wurde ein neues, modernes Schulhaus in Allhau gebaut. Ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung  wurde 1910 auch in Buchschachen  errichtet. 1902 wurde das Loiopersdorfer Schulhaus umgebaut und erweitert sowie ein Turm errichtet.

1956 wurde in Allhau ein Gemeindesaal eingeweiht, 1973 bis 1979 die Kirche saniert, 1987 das Evangelische Gemeindezentrum geweiht und 2000 ein neues Pfarrhaus errichtet. 2007/8 kaufte die Gemeinde eine neue Orgel.

Die Pfarrer der Allhauer Kirchengemeinde waren Samuel Topler (1783 - 1828), ein Ödenburger, der in seiner Heimatstadt und in Jena und Göttingen studiert hatte. Er war der Verfasser eines Gesangbuches. Unter ihm wurden die evangelische Kirche und die Schule gebaut. Sein Nachfolger war Joseph Gödör de Gödörhaza (1829 - 1836). In seiner Zeit wurde 1832/33 der Kirchturm errichtet. Er geriet in Konflikt mit Mitgliedern der Kirchengemeinde. Andreas Remer, ein gebürtiger Ödenburger, war 1836 bis 1886 Pfarrer. Er studierte in Ödenburg und Wien. 1874 wurde er Senior des Obereisenburger Seniorats. 1848 wurde er von kaiserlichen Soldaten gefangen genommen und als "verdächtiger Rebell" in Preßburg eingesperrt, bald aber wieder freigelassen. Ferdinand Martin Kühne (1888 - 1891) war der Enkelsohn Gottlieb August Wimmers. Er starb erst 44-jährig. Carl Ferdinand Warkoweil war gebürtiger Ödenburger und Pfarrer in Rust. 1891 kam er nach Allhau und blieb bis 1923 Pfarrer. Sein Nachfolger war der aus Bistritz in Siebenbürgen stammende Victor Robert Jacobi. In seiner Amtszeit gab es heftige Konflikte in der Gemeinde. Man warf ihm vor, eigenwillig und selbstherrlich zu agieren. Dazu kam sein politisches Engagement in der Vaterländischen Front, zu einer Zeit, als seine Gemeinde bereits stark vom illegalen Nationalsozialismus durchdrungen war. Am 13. März 1938 wurde Jacobi verhaftet. Nach kurzer Zeit in Schutzhaft in Oberwart kehrte er nicht mehr in seine Gemeinde zurück. Er ging nach Ungarn und schließlich in die Slowakei, wo er 1945 starb. Ladislaus Josef Johann Brunner stammte aus Modos im Banat und war ab 1938 Pfarrer. Er fiel 1944 an der Ostfront. Während seiner Militärzeit ab 1939 war Pfarrer Nitschinger aus Pinkafeld Administrator. Walter Hermann Deutsch war von 1944 bis 1958 Pfarrer. In seiner Amtszeit wurde die stark beschädigte Pfarrkirche wieder aufgebaut. 1955 erwarb er das Doktorat der Theologie. Manfred Dopplinger stammte aus Gmunden und war 1958 bis 1966 Pfarrer in Markt Allhau. Er war auch als Organist tätig und gründete den Posaunenchor. Nach seiner Übersiedlung nach Oberösterreich verwaltete Gustav Reingrabner, Pfarrer von Großpetersdorf, Markt Allhau. Er wurde später Superintendent. Wolfgang Leo Nicolai Johannsen stammte aus Berlin, wuchs in Kärnten auf und studierte in Wien. 1966 bis 1999 wirkte er in Allhau. Er gründete den Kirchenchor. 1973 bis 1979 wurde Pfarrkirche renoviert. 1987 wurde das Pfarrgemeindezentrum eingeweiht. Gerhard Harkam war Pfarrer in Pinkafeld und für kurze Zeit Administrator in Markt Allhau. Mit seiner Familie wohnte er in Kitzladen. Seit 2000 ist Heribert Hribernig Pfarrer. Auch der derzeitige Superintendent Manfred Koch stammt aus Markt Allhau.

Literatur: Markt Allhau - Buchschachen. Im Wandel der Zeit. November 2010. 788 Seiten. Eine hervorragende Festschrift mit kompetenten Autoren wie Karl Kaus, Harald Prickler, Vera Zimányi, Hans Seedoch, Rudolf Kropf  u.a. Gesamtprojektleiter Reinhard Weltler