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  maforchtensteiner

Wappen der Mattersdorf -

Forchtensteiner   Aus: 800 Jahre Marz

 

 Das Gebiet der späteren Herrschaft Mattersdorf - Forchtenstein entspricht etwa dem westlichen Teil des heutigen Bezirk Mattersburg. Das klimatisch begünstigte und sehr fruchtbare Gebiet war seit der Jungsteinzeit kontinuierlich besiedelt. Vor allem entlang der Wulka häufen sich die urgeschichtlichen Fundorte. 808 wird dieses Gebiet erstmals urkundlich erwähnt, in einer Schenkung an St. Emmeram in Regensburg. Es ist dies die älteste Urkunde aus dem Gebiet des heutigen Burgenlandes. Dieser Regensburger Besitz überdauerte anscheinend sogar die Eroberung des landes durch die Magyaren (1014 tauscht Bischof Megingaud von Eichstädt ein Jagdgebiet bei Stederach/Stöttera von Regensburg ein.

 

 Das Gebiet von Mattersburg gelangte an das von Stefan den Heiligen eingerichtete Kapitel von Ofen, von dem es König Bela III. (1173 - 1194) erwarb. Im Jahre 1202 schenkte König Emmerich das Dorf Mattersdorf Benedikt, dem Wojwoden von Siebenbürgen. Über dessen Gemahlin Thota gelangte es in den Besitz jener Familie, die das ganze Spätmittelalter hindurch als "Mattersdorf-Forchtensteiner" sein Geschick bestimmen sollten.

 

 Die Grafen von Mattersdorf - Forchtenstein zählten zu den mächtigsten Grenzadelsgeschlechtern an der Westgrenze Ungarns. Sie kamen wahrscheinlich im Gefolge von Konstanze von Aragonien, der Gemahlin König Emmerichs (1195 - 1205) in das heutige Burgenland. Im Hofdienst des ungarischen Königs schufen sie sich bald Ansehen und Reichtum. Um die Schenkung Mattersdorf (Mattersburg) bauten sie durch Aufsaugen benachbarter Kleinadelsbesitzungen und durch königliche Schenkungen bald eine mächtige Grundherrschaft auf. Als Verbündete und Verwandte der Güns - Güssinger wurden sie in der "Güssinger Fehde" besiegt, ihre Mattersdorfer Burg musste abgerissen werden. Als Ersatz dafür durften die Mattersdorfer Grafen mit Genehmigung des ungarischen Königs die Höhenburg Forchtenstein am Ostabhang des Rosaliengebirges errichten. Sie nannten sich ab nun Grafen von Forchtenstein. Die nach der Burg benannte Herrschaft trug bis in das18. Jahrhundert den üblichen Namen "Grafschaft Forchtenstein". Bedeutende Vertreter der Familie heirateten in österreichische Adelsfamilien ein, was eine politischen und wirtschaftlichen Annäherung über die damalige österreichisch/ungarische Grenze bewirkte. So förderten die Forchtensteiner Grafen die österreichische Stadt Wiener Neustadt, deren Bürger ausgedehnten Weingartenbesitz in der Herrschaft Forchtenstein hatten.

 

 Später verpfändeten sie Teile ihres Herrschaftsbesitzes an ihre Gefolgsleute. Durch diese Verpfändungen sank die Wirtschaftskraft der Besitzungen. Im Jahre 1445 verpfändete Wilhelm von Forchtenstein, der letzte aus seinem Stamm, dem Herzog Albrecht VI. von Österreich Landsee. Als Wilhelm ohne Erben starb, gingen seine Besitzungen nach finanzieller Abgeltung der weiblichen Nachkommen aus einer anderen Linie der Forchtensteiner Grafen, in den habsburgischen Besitz über. Einige Jahre später verkaufte Albrecht VI. die Grafschaft Forchtenstein seinem Bruder, dem römischen Kaiser Friedrich III., der sie in der Folgezeit seinen Dienstmannen in "Pflegschaft" und auch als Pfandgut übergab. Die Grafschaft Forchtenstein blieb bis 1626 im Besitz der Habsburger.

 

 Das Wappen der Mattersdorf - Forchtensteiner wurde zum Hauptbestandteil des 1922 neu geschaffenen Burgenländischen Landeswappens.
Das Gebiet von Mattersburg hatte König Bela III. vom Kapitel von Ofen gekauft. In der Forschung wurde vermutet, dass es sich hierbei um "Wolfsbach", das Gebiet der Schenkung an St. Emmeram in Regensburg von 808 handelte, das offenbar im Kirchenbesitz geblieben war. Das Kapitel von Ofen wurde schon zur Zeit König Stefans des Heiligen gegründet.

 

 1202 gab König Emmerich das Gebiet an Benedikt, den Sohn des Konrad, Woiwode von Siebenbürgen. In der Schenkungsurkunde von 1202 werden als Nachbarorte erwähnt: Forcosfertes, Sumpotokfeu, das Grenzwächterdorf Kethuch und Zolounta (Lantendorf in Sigleß) und Putym (Petlau, ebenfalls Sigleß). Benedikt bestimmte Mattersburg (Villa Martini) zusammen mit dem Dorf Bajót als Witwengut für seine Gemahlin Tota (Thota). Diese galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. Sie war als Hofdame der Königin Konstanze aus Aragonien nach Ungarn gekommen. 1221 fiel Benedikt in Ungnade, Tota konnte aber ihren Besitz behaupten. Mit Tota kamen auch ihre Brüder Simon und Bertrand. König Andreas II. schenkte Simon das nordwestlich von Mattersburg gelegene Röjtökör, um 1300 "Wart" genannt, auf dem Gebiet des heutigen Neudörfl, Sauerbrunn, dem südlichen Teil des Pöttschinger und Teile des Wiesener Hotters bis zum Edlesbach. Als Nachbarorte der Schenkung werden Beseneu (Pöttsching), Mortun (Mattersburg), die beiden Eggendorf und Hof (Telek) sowie das Prädium des Gunther sowie eine Erdburg genannt. Nach Totas Tod kam auch Mattersburg an Simon, der 1232 auch Pöttsching erwarb, nach Zahlungen an Juden Thekan, einen Kammergrafen, der ebenfalls Anspruch auf Pöttsching erhob.

 

 Schon zur Zeit Simons entstand in Mattersburg ein befestigter Wohnturm. Der Standort der Mattersburger Burg ist umstritten. Es wurden der Kirchhügel, das Gebiet der heutigen Handelsakademie, der Bereich der heutigen Volksschule sowie der Bereich um das Hochhaus in Erwägung gezogen.

 

 Simon und Bertrand (Bartolomäus) hatten sich im Mongolensturm bei der Verteidigung von Gran ausgezeichnet. Als Belohnung erhielten sie unter anderem 10 Hufen Land in Schattendorf, 4 Hufen in Szalonta (Zolonta) und 6 Hufen in Putym. Simon, der vermutlich mit einer Stubenbergerin verheiratet war, hinterließ zwei Söhne, Simon II. und Michael. Bertrand, vermutlich wesentlich jünger als sein Bruder, wird 1243 erstmals urkundlich erwähnt. Er erhielt Szalonta (Landtendorf) und Putym (Sigleß). In den Grenzkämpfen geriet er in Gefangenschaft Herzog Friedrichs II. von Österreich und musste sich um eine hohe Summe freikaufen. In Putym kaufte er 1265 weitere Besitzungen von königlichen Burgleuten in Ödenburg. Als Nachbarorte werden in der Urkunde im Norden Poghon (Pomag, heute Zillingtal) und Pöttsching, im Osten Heren (Krensdorf) und im Westen Telek (Hof) angegeben. Bertrand, "nobilis de villa Mortun", hatte nur weibliche Nachkommen, sein Besitz fiel an die Söhne Simons, Simon II. und Michael, mit Ausnahme der Pflichtanteile für seine Witwe und Töchter.

 

 Es ist wahrscheinlich, dass Simon II. und Michael jenem Hilfskontingent angehörten, das König Ladislaus IV. Rudolf von Habsburg gegen Ottokar von Böhmen in der Schlacht von Dürnkrut zur Verfügung stellte. 1278 wurde Simon II. Obergespan von Bacs. 1278 erhielt er weitere Besitzanteile in Schattendorf. Ebenfalls 1287 kauften Simon II. und Michael um 300 Mark reinen Silbers von Arnold aus der Familie der Buzád-Haholt dessen Besitzanteile in Müllendorf und von Kleinhöfleiner Zweig der Osl für 50 Mark deren Besitzanteile in Deutschkreutz.
In den Auseinandersetzungen mit den ungarischen Königen waren die Mattersdorfer Verbündete der mächtigen Güns-Güssinger. Im Feldzug Herzog Albrechts I. von Österreich ("Güssinger Fehde") wurden sie das erste Opfer. Die Mattersburger Burg wurde elf Tage lang von den Österreichern belagert. Der erwartete Ersatz durch Iwein von Güssing blieb aus. Schließlich wurde die Burg nach Zusicherung des freien Abzuges der Besatzung übergeben. Die Mattersdorfer Brüder gerieten in Gefangenschaft, die wahrscheinlich wegen ihrer einflussreichen österreichischen Verwandtschaft nicht lange dauerte. Die Burg in Mattersburg musste allerdings abgebrochen werden.

 

 Im Streit um Besitzungen in Wandorf, den die Mattersdorfer gekauft hatten, mussten sie nachgeben und erhielten dafür ein anderes Dorf bei Perestagen und Deutschkreutz. In Schattendorf gelangen weitere Erwerbungen. Sie kauften 1298 drei Hufen von den Söhnen des verstorbenen Matthäus von Schattendorf. Die weitere Erwerbspolitik erfolgte durch Pfand- und Kaufgeschäfte mit den verarmten Kleinadeligen der Umgebung. Die Mattersdorf-Forchtensteiner verfügten offenbar durch ihre Heiraten mit Österreicherinnen über ausreichende Mittel. Die Gattin Michaels stammte aus einem österreichischen Landherrengeschlecht. Schon im 13. Jahrhundert sind Verbindungen mit Stubenbergern und Liechtensteinern wahrscheinlich, im 14. Jahrhundert mit den Pottendorfern; Mattersdorferinnen heirateten in Familien wie Wallsee-Drosendorf oder Puchheim ein. (Prickler Harald - Tobler Felix, Bollwerk Forchtenstein S. 15).

 

 Michael erwarb von Peter, genannt Mutari, der Mautner von Cylygental (Zillingtal) sieben Lehen in Pfandbesitz (1301) , von den Osl (Németi - Linie) Oberpetersdorf und Besitzungen in Krensdorf und Großhöflein. 1302 verkauften die Nemeti schließlich Oberpetersdorf und Sieggraben an Simon II. und Michael. Schon 1287 wurde von Buzád-Hahold Müllendorf erworben und zu Beginn des 14. Jhs. gegen Warasdorf, das Burgland Karakó und das bei Pöttsching gelegene Haustroz mit den Güssingern getauscht. Später gelangte Müllendorf allerdings wieder an die Mattersdorf-Forchtensteiner.

 

 Besonders wichtig waren für die Entfaltung der Mattersdorf - Forchtensteiner die beiden einträglichen Mauten in der Wart (bei Sauerbrunn) und in Müllendorf. Der Grenzzoll in der Wart wurde den Mattersdorf - Forchtensteinern schon 1294 als Entschädigung für die Zerstörung ihrer Burg von König Andreas III. übertragen. 1320 verlieh König Karl Robert den Mattersdorf-Forchtensteinern, nämlich Andreas und Nikolaus I. und deren Vettern Paul I. und Lorenz die Maut Müllendorf, die bisher dem Ödenburger Obergespan unterstand. Mit dem Besitz der beiden Zollstätten kontrollierten die Mattersdorf-Forchtensteiner den gesamten Grenzverkehr in Richtung Wr. Neustadt. Ebenfalls 1320 erhielten sie durch eine Schenkung Zillingtal und Simon II. und Michael konnten die beiden Eggendorf kaufen.1318 konnte Paul, der Sohn Simons II., Stöttera in Pfandschaft nehmen. Simon II., Obergespan des Komitates Raab, dürfte 1318 gestorben sein.

 

 Der Simon - Zweig wurde durch die Söhne Paul I. und Lorenz sowie die Tochter Klara fortgesetzt. Im Michael - Zweig gab es fünf Söhne: Johann I., Bartholomäus II., Andreas, Dionysius und Nikolaus I. Die Besitzungen wurden gemeinsam verwaltet.
Die stärkste Persönlichkeit in dieser Generation war Paul I., unter dem die Familie den Höhepunkt ihrer Macht erreichte. Paul I. war Obergespan des Ödenburger Komitates und wurde 1328 Hofrichter. Damit gehörten die Mattersdorf -Forchtensteiner zu den angesehendsten Familien des Königreiches. Paul I. nützte seine Position, um den Besitz der Familie abzusichern. Paul I. war mit Elisabeth, der Tochter des Grafen Albert von Pottendorf verheiratet, sein Bruder Lorenz mit Margarethe, der Tochter des Grafen Wulfing I. von Haschendorf. Kleinadelige, die ihren Besitz verloren hatten, traten nunmehr in den Dienst der Mattersdorf-Forchtensteiner, etwa die Edlen von Götsch oder Nikolaus von Antau aus einem Osl-Zweig. 1344 führten die Mattersdorf-Forchtensteiner erstmals das Adelsprädikat "de Frakno", also von Forchtenstein. Der Bau der Burg begann wahrscheinlich um 1300, zunächst mit der Errichtung eines Wohnturmes. Das Gebiet um die Burg, die heutigen Ortsgebiete von Forchtenstein und Wiesen, gehörten damals noch zum Mattersdorfer Hotter.

 

 
Weitere Erwerbungen waren Goberling als Pfandbesitz, 1312 von den Edlen von Stinkenbrunn weitere Besitzanteile in Schattendorf einschließlich der Hälfte eines Wohnturmes, 1314 weitere Besitzanteile in Schattendorf und 1312 Besitzungen in Marz und Großhöflein, von Margarethe, der Witwe Perlups von Rohrbach. Der Pfandbesitz in Stöttera konnte 1321 gekauft werden, 1322 kamen vier weitere Lehen in Zillingtal hinzu.1332 wurde Breitenbrunn von den Frankenauern erworben, 1335 konnten Besitzanteile in Wulkaprodersdorf und Tempfl (bei Eisenstadt) gekauft werden. 1337 kauften Paul I. und sein Bruder Lorenz weitere Besitzanteile in Schattendorf und Steinbrunn. Dazu kamen neue Besitzungen auch in anderen Komitaten. Wegen Alrams gerieten die Mattersdorf - Forchtensteiner in Gegensatz zu den Osl, die diese Besitzung an Wr. Neustädter Bürger verpfändet hatten. Da sie diese Besitzungen damit UNgarn "entfremdet" hatten schenkte Karl Robert Alrams den Mattersdorfern. Auch von den Gut-Keled wurden Besitzungen erworben, etwa 1337 14 ganze Lehen in Wulkaprodersdorf oder Besitzanteile in Trausdorf. 1346 kamen Besitzungen in Weppersdorf hinzu. König Ludwig I. übertrug Pamhagen an Paul I. Margarethe, die Witwe von Lorenz, kaufte gemeinsam mit Paul von Wolfing dem Geyer aus Baumgarten und dessen Bruder Liegenschaften in Zillingtal und Müllendorf.
Von großer Bedeutung war die Erwerbung von Kobersdorf. Angeblich hatte Simon II. die Burg und Herrschaft "von den Deutschen" gekauft. König Karl Robert bestätigte den Besitz, nachdem die Mattersdorf - Forchtensteiner sich ganz auf seine Seite geschlagen und viel zu seiner Herrschaftssicherung beigetragen hatten. Unter König Ludwig dem Großen dauerte das Nahverhältnis der Mattersdorf - Forchtensteiner zur Krone zunächst an. 1343 starb König Robert von Neapel, die ungarischen Anjou stellten Thronfolgeansprüche. Eine königliche Delegation wurde zum Papst nach Avignon gesandt. Sie stand unter der Führung des Hofrichters Paul I. von Mattersdorf - Forchtenstein. Dieser nützte die Gelegenheit, um die Erhebung des Rektorates Mattersburg zu einer selbständigen Pfarre zu erlangen. Im Jahre 1344 wird der damals bereitsverstorbene Lorenz erstmals mit dem Adelsprädikat "de Frakno et de Mortun", also von Forchtenstein und von Mattersdorf, versehen.

 

In kirchlicher Hinsicht gehörte das Gebiet von Mattersburg zur Urpfarre Kleinfrauenhaid. Diese wurde erstmals 1299 unter dem Namen Sancta Maria de Bagad (nach Bajot, dem spanischen Stammsitz der Mattersdorfer) genannt. Aber noch zur Zeit Simons II. und Michaels erhielten die Pöttschinger das Recht, eine eigene Kirche zu bauen, wobei aber die Bindung an Kleinfrauenhaid nicht ganz gelöst werden konnte, das auch weiterhin ein Viertel des Zehents erhielt. Im 15. Jahrhundert wurden Forchtenau, Wiesen, Zillingtal, Breitenbrunn, Walbersdorf, Marz und Sigleß selbständige Pfarren.

 

 Paul I. setzte 1349 seine letzte Amtshandlung als Hofrichter. Er wurde seines Amtes enthoben. Im Verlauf seiner Amtstätigkeit hatte er wohl so manche Entscheidung zu Gunsten seiner Familie getroffen. 1351 war er nicht mehr am Leben. Er hatte keine männlichen Erben. Um Besitzstreitigkeiten zu vermeiden wurde 1346 eine Güterteilung vorgenommen. Die Linie wurde von Pauls Bruder Lorenz fortgesetzt, von dessen Söhnen Bartholomäus III. und Nikolaus III., dem Deutschen. Bartholomäus III. starb erbenlos. Im Teilungsvertrag erhielt Nikolaus III. das gesamte Erbe Pauls I., also den Großteil der Besitzungen. Von den fünf Söhnen Michaels hatte nur einer, Nikolaus I., männliche Nachkommen. Auch er war, so wie seine Vettern Paul und Lorenz, mit einer Österreicherin verheiratet. Nikolaus I. hatte einen Sohn, Nikolaus II., den man den Ungarischen nannte. Kobersdorf blieb im Zuge der Erbteilung in gemeinsamer Hand. Nach Streitereien unter den Erben wurde die Erbteilung schließlich rückgängig gemacht.

 

 In der dritten Generation tauchten immer häufiger finanzielle Probleme auf, ausgelöst vor allem durch im Auftrag des Königs durchgeführte kostspielige Missionen. Der prächtige Hochzeitszug nach Passau (Nikolaus II. und Nikolaus III. nahmen daran teil; man holte Anna, die Verlobte des Stephan, Bruders Königs, Tochter des verstorbenen Kaisers Ludwigs des Bayern ab) oder ein Feldzug gegen die Litauer kosteten viel Geld. Die Mattersburg-Forchtensteiner mussten Kredite zunächst beim Pressburger Juden Israel aufnehmen. Die Pfandschaft wurde schließlich von den Kanizsay übernommen. Die Ehe Nikolaus II. mit einer Frau aus der Familie der St.Georgen-Bösinger brachte eine finanzielle Erholung. Nikolaus III. musste hohe Hypotheken aufnehmen, um den repräsentativen Aufgaben und den standesgemäßen Verpflichtungen nachkommen zu können. So verpfändete er etwa seinem "serviens", also seinem Dienstmann Konrad von Rohrbach einen seiner Edelhöfe (curia) in Schattendorf mit 126 ha Grund, drei Bauernlehen in Eggendorf, seinem Schwager, Mag. Emerich aus dem Geschlecht Herman Besitzanteile in Wulkaprodersdorf und den halben Zoll in Müllendorf. Auch von Juden wurden Kredite aufgenommen, so etwa 1363 vom Juden Steuzz. Der Ausbruch der Pest und die Verödung zahlreicher Höfe verstärkten die wirtschaftlichen Probleme.

 

 Nikolaus III. bewirkte für Mattersburg ein Jahrmarktprivileg (25. Juli). Durch Nikolaus III. und sein aggressives Verhalten gerieten die Mattersdorf-Forchtensteiner in schwierige Situationen. Im Streit mit den Osl erlaubte er sich Übergriffe in Antau, in Agaren usw. Er wurde deshalb zum Verlust aller seiner Güter verurteilt. Wegen weiterer Übergriffe kam es auf der Komitatsversammlung von Csepreg (Tschapring) 1368 zu einer Verhandlung gegen ihn. Nikolaus ließ den gesamten Kleinadel in seinem Einflussbereich als Zeugen aufmarschieren und zu seinen Gunsten aussagen.

 

 Die Profiteure des Niederganges der Mattersdorf - Forchtensteiner waren die Kanizsay, die hervorragende Beziehungen zum königlichen Hof hatten. Mit ihnen geriet Nikolaus III. ebenfalls in Deutschkreutz in einen Konflikt. Die Kanizsay ließen alle Güterübertragungen der Mattersdorf-Forchtensteiner für null und nichtig erklären, mit der Begründung, dass sie viele österreichische Deutsche in ihren Diensten hätten und diese begünstigen würden. Deutschreutz musste an die Kanizsay verkauft werden und wegen der Übergriffe auf Martin, genannt Lambert von Pöttelsdorf, musste eine Strafe bezahlt werden.

 

 1374 schloss Nikolaus III. "der Teutsche von Merteinsdorf" mit dem Habsburger Herzog Albrecht III. jenen Geheimvertrag auf Burg "Vorchtenstein", der den Übergang der Besitzungen der Mattersdorf-Forchtensteiner an die Habsburger vorbereitete. Der Vertrag wurde von Graf Iban von Pernstein und Rudolf von Hardegg mit besiegelt. Nikolaus III. verpflichtete sich, dem Herzog dienstbar zu sein, mit Ausnahme gegen König Ludwig von Ungarn. Der von allen Seiten bedrängte Nikolaus III. stellte sich also unter den Schutz der Habsburger, ähnlich wie der Bernsteiner Zweig der Güssinger Grafen, die 1312 im Fürstenfelder Vertrag habsburgische Lehensträger geworden waren.
Die Rückschläge für die Mattersdorf-Forchtensteiner häuften sich, da sie keinen Rückhalt im Königshaus hatten. In Zillingtal und in den beiden Eggendorf etwa, die zur Hälfte noch immer den Kleinadeligen von Bik gehörten, verloren sie in einem Prozess ihren Anteil an diese (die Biky waren noch im 13. Jahrhundert Burgjobagionen von Ödenburg). In Goberling mussten sie ein Drittel an die Athinai. zwei Drittel an den königlichen Fiskus abtreten.

 

 Als die finanziellen Probleme Nikolaus III. immer größer wurden wollte er offenbar einen Teil seiner Besitzungen an die St.Georgen-Bösinger, ja sogar an die Juden Afferl (Efferl) in Wr. Neustadt und Smerl (Smarell) in Ödenburg, Söhne des Isaak, verkaufen. Dagegn erhoben die Kanizsay sofort heftigen Protest. Erst nachdem die Kanizsay den Forchtensteinern einen großen Kredit gewährt hatten konnten sie den Juden verpfändeten Güter auslösen. Auch mit Ödenburg kam es wegen des Zolls in Müllendorf zu Streitigkeiten (die Ödenburger waren von den Zollabgaben befreit), ebenso mit den Osl in Marz.

 

 Auf Nikolaus III. folgte sein Sohn Paul II., in dessen Namen das Geheimabkommen von Forchtenstein ebenfalls bereits unterschrieben war. Unter Paul II. schien sich die Lage der Mattersburg-Forchtensteiner wieder zu bessern. Noch vor der Krönung zum ungarischen König hatte Paul II. Sigismund von Luxemburg wertvolle Dienste geleistet. 1385 wurde er sogar in Sigismunds "Hofgesinde" aufgenommen. In Großhöflein gelang sogar eine kleine Besitzvermehrung. Martin und Peter Súr verkauften dort ihre Besitzungen, die zuvor an die Juden Afferl und Smerl verpfändet waren, an Paul II. In der Angelegenheit des Verkaufs von Wolfs an die Ödenburger trat Paul II. als Vermittler auf und konnte so noch einmal die angesehene Position seiner Familie zur Geltung bringen. Paul II. war mit Anna von den St.Georgen-Bösingern verheiratet, die als Morgengabe 900 Pfund Wr.Pfennige (als Hypothek in den Dörfern Schattendorf und Trausdorf) erhielt. Aber noch zu Lebzeiten Pauls II. verschlechterten sich die Beziehungen zu Sigismund, unter dem Einfluss der Kanizsay. Paul II. hatte einen Deutschen namens Linzer Hut und Verwaltung von Forchtenstein anvertraut und ihn zum Vormund für seine minderjährigen Söhne bestellt. Linzer hatte zahlreiche deutsche Söldner in seinen Dienst genommen. Nach dem Tode Pauls II. verwüstete Linzer angeblich die Dörfer der Umgebung. Es wurde ihm vorgeworfen, dass er sich auf Forchtenstein mit vielen fremden und ausländischen Bewohnern, besonders mit Deutschen, umgeben hätte und auf Forchtenstein viel Waffen gelagert hätte. Während sich die Kanizsay auf einem Türkenzug befanden soll Linzer ihre Güter geplündert haben. Sigismund erteilt darauf hin den Kanizsay die Erlaubnis, die Burg Forchtenstein dem Linzer und den Mattersdorf-Forchtensteinern abzunehmen. Der "erbern Gnecht Hannsen der Linzer" hatte von Paul II. ein ganzes Lehen in Pöttsching versetzt bekommen. Wahrscheinlich waren die Linzer schon länger Bürger von Ödenburg, dort wird ein Andreas dictus Lynther erwähnt. Zu einer Belagerung Forchtensteins kam es aber nicht. Linzer konnte seinen Besitz ausweiten, er kaufte drei Sessionen in Antau. Die Vorwürfe gegen Linzer waren offenbar nicht begründet, sonst hätte er sich wohl kaum halten können. Offenbar waren die "verräterischen Umtriebe" nur ein Vorwand der Kanizsay, um die Burg in ihre Hand zu bekommen. Linzers Sohn konnte sich allerdings nicht behaupten, er verkaufte zwei Freihöfe in Pöttsching an die Königsberger, die schon in Klettendorf und Zemendorf ausgedehnte Besitzungen hatten. Konflikte gab es mit den Kanizsay um Trausdorf. Dort saß im 14. Jahrhundert ein Seitenzweig der Gutkeled, später die österreichische Familie Hagenauer. Nach deren Aussterben wurde die Kleinherrschaft mit einem Kastell in Trausdorf und Besitzungen u.a. auch in Wulkaprodersdorf, vom König eingezogen. Dieser Belehnte die Kanizsay mit der Kleinherrschaft. Paul III. von Forchtenstein besetzte aber das Kastell mit fremden Söldnern und machte ältere Rechte geltend. Die Forchtensteiner setzten sich durch und erhielten alle Besitzungen durch König Sigismund bestätigt. Streitigkeiten gab es auch mit der Propstei Csorna um zwei Bauernsessionen in Marz. Paul III. und Wilhelm verzichteten schließlich zugunsten des Konvents.

 

 Die Mattersdorf - Forchtensteiner hatten auch Besitzungen in anderen Komitaten, aber auch in Österreich und in der Steiermark. In Kärnten nahmen sie Glaneck und die Maut von St. Veit in Anspruch (die sie angeblich von Marsilius von Carrara geschenkt bekommen hatten). Die Erzbischöfe von Salzburg anerkannten diese Besitzrechte aber nicht.

 

 Wilhelm war der letzte Vertreter der Michael - Linie und der letzte der Mattersdorf - Forchtensteiner. 1412 erhielt er - zunächst noch gemeinsam mit Paul III. und Nikolaus IV. aus der Simon - Linie - die Donation eines königlichen Wohnturmes in Wulkaprodersdorf. Vorübergehend besaß Wilhelm auch zwei Drittel der Herrschaft Landsee als Pfand. Um die Herrschaft Landsee kam es zu einem langwierigen Prozess. Angeblich hatte Wilhelm ein Drittel der Herrschaft, das Sigismund von Athina zustand, in Besitz genommen. Eine Tagsatzung des königlichen Hofgerichtes besuchte Wilhelm nicht und schickte auch keinen Vertreter, so dass ihm schließlich die Herrschaft Landsee abgesprochen wurde.

 

 Wilhelm vermachte die Hälfte seiner Anteile an Forchtenstein und Kobersdorf an seinen Verwandten Otto von Stubenberg, weitere Herrschaftsanteile wurden erneut verpfändet. Man nahm jetzt Kredite von Gutsbeamten aus dem österreichischen Mittel- und Kleinadel auf und überließ ihnen dafür Adelskurien oder Bauernsessionen, etwa den Kynast, Neidperg, Wagram und Neudegg. Es gibt Vermutungen, dass diese Österreicher vielleicht von Herzog Albrecht VI. "eingeschleust" wurden, um die Übernahme der begehrten Herrschaften zu erleichtern. Die Wagramer wurden in Krensdorf ansässig, sie hatten seit 1426 einen Freihof mit vier Lehen und erwarben auch drei Lehen in Pöttsching. Diese Güter und auch zahlreiche andere erwarb später Hans Neideckher (Neudegg) von Rastenberg, Burghauptmann von Eisenstadt. Auch wenn hier nicht gezielt und geplant eine Entfremdung der Herrschaft von Ungarn und der Anschluss an Österreich angestrebt wurde, bleibt doch die Tatsache, dass alle diese Herren zu den engsten Vertrauten der österreichischen Herzöge gehörten.

 

 Es sei noch erwähnt, dass Forchtenstein vorübergehend auch Aufenthaltsort für Ladislaus Postumus war. Er befand sich zunächst in Ödenburg, wurde dann aber auf die anscheinend als sicherer erachtete Burg gebracht. Die Königinwitwe Elisabeth stellte ein entsprechendes Ansuchen an Albrecht VI. - ein Indiz dafür, dass Albrecht VI. von Österreich anscheinend schon Rechte auf Forchtenstein hatte. Die Verpfändung von Forchtenstein und Kobersdorf an den Habsburger wird 1441 erstmals in den Quellen erwähnt. Die Pfänder wurden ausgelöst, dann aber erneut verpfändet - um die enorme Summe von 150 000 ungarische Gulden. Schon wenige Monate danach starb der kinderlose Wilhelm als letzter männlicher Vertreter der Mattersdorf - Forchtensteiner.


 

 

Literatur: Allgemeine Landestopographie, Bezirk Mattersburg, Band III/1. Aufzählung des Pfandgutes auf S. 213
Leonhard Prickler,Das älteste Urbar der Grafschaft Forchtenstein von 1500/1510. Burgenländische Forschungen Heft 77. Eisenstadt 1998

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