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Wanderarbeit

Die starke Bevölkerungsvermehrung vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die ungünstige Besitzstruktur in der Landwirtschaft, die ständigen Besitzteilungen hatten nicht nur die große Auzswanderung zur Folge. In den nördlichen Landesteilen wurde die Arbeit als Pendler in Industrie und Gewerbe im angrenzenden Niederösterreich und in Wien ein wichtiges Ventil. Vor allem im heutigen Südburgenland hingegen mussten schon im 19. Jahrhundert auch die landwirtschaftliche Saisonarbeit in weiter entfernten Gebieten, auf den Gutshöfen Innerungarns, des Nordburgenlandes und Niederösterreichs aufgenommen werden, um die Familien ernähren zu können. Landwirtschaftliche Arbeiter, Taglöhner, frühere Weingartenarbeiter, aber auch Klein- und Kleinstbauern, Männer und Frauen, meist in jüngeren Jahren, schlossen sich zu "Partien" zusammen und nahmen während des Sommers, vom März bis Anfang November, bis zum Abschluss der Zuckerrübenernte, ihre Arbeit auf.  Die Saisonarbeiter wurden zum Getreideschnitt und Getreidedrusch, vor allem aber für die sehr arbeitsintensive Rübenarbeit benötigt. Der "Partieführer" schloss den Vertrag mit dem Arbeitgeber. Er war Vorarbeiter und Vertrauensperson sowohl der Gutsverwaltung wie auch der Arbeiter. Oft wurden die Verträge für das nächste Jahr abgeschlossen und der Partieführer garantierte ausreichend Arbeitskräfte. Er nahm auch die Verteilung des Lohnes vor.  Entlohnt wurde zum Teil in Geld, zum Teil in Naturalien - in Form eines Anteiles am geernteten Getreide oder eines Zuckerkontingentes. Die Entlohnung wurde ebenso wie zu leistenden Arbeiten in den Verträgen oft genau beschrieben. Ältere Frauen kochten für die "Partie" und beaufsichtigten die Kinder, die oft mitgenommen wurden. Die Unterbringung in Scheunen, Ställen oder Massenquartieren der Gutshöfe und die hygienischen Verhältnisse waren  oft miserabel. Während ihrer Abwesenheit wurden ihre kleinen Betriebe von den Eltern, den Geschwistern oder von den Ehefrauen bewirtschaftet.

Ab den 1930er Jahren erfolgte die entlohnung auf der Basis von Kollektivverträgen. Vereinzelt kam es trotzdem zu Konflikten. Vor allem wegen der steigenden Arbeitslosigkeit kam es zum Widerstand gegen die ausländischen Saisonarbeiter. besonders dann, wenn diese als Streikbrecher eingesetzt wurden wie etwa 1923 am Tadtner Neuhof. Die Gutsbetriebe wurden schließlich durch verschiedene Verordnungen wie etwa dem Landarbeiterschutzgesetz von 1925 gezwungen, inländische Arbeitskräfte anzustellen. Nicht immer war es aber möglich, ausreichend inländische Landarbeiter zu bekommen. 1928 wurde ein landwirtschaftliches Arbeitsamt gegründet. Die Anzahl der slowakischen Saisonarbeiter ging stark zurück: 1930 16 300, 1932 13 400, 1935: 4200.

Die meisten landwirtschaftlichen Saisonarbeiter kamen aus dem Güssinger Bezirk. Hier waren zeitweise nahezu 30 % der arbeitsfähigen Bevölkerung als Saisonarbeiter tätig. Auch der Oberwarter Raum war ein wichtiges Herkunftsgebiet der Saisonarbeiter. In der Zwischenkriegszeit gingen viele Gutsbetriebe dazu über, billigere Arbeitskräfte aus der Slowakei anzustellen. Diese verdrängten die burgenländischen Saisonarbeiter. Erst in der Weltwirtschaftskrise, mit steigender Arbeitslosigkeit, wurden die ausländischen Arbeitskräfte durch Burgenländer, die von den Arbeitsämtern vermittelt wurden, ersetzt. Vereinzelt gab es auch noch nach dem zweiten Weltkrieg landwirtschaftliche Saisonarbeit, die aber mit der Mechanisierung der Landwirtschaft verschwand. Die zunehmend bessere Verkehrserschließung machte die besser bezahlte Arbeit als Pendler in Gewerbe und Industrie attraktiver.

Literatur:

Brettl, Herbert: Herrschaft, Hof und Hofer.Sozialökonomische Betrachtung der Meierhöfe und der Landarbeiter im Bezirk Neusiedl a. See. Burgenländische Forschungen Eisenstadt 2009.

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