wollinger


Karl Wollinger

 

* 26.Mai 1877 in Sankt Gotthard
† 13. September 1945 in Graz

 

Großdeutscher Politiker und einer der Väter des Burgenlandes
  

Zusammen mit Alfred Walheim war er eine der entscheidenden Persönlichkeiten, die den Anschluß des Burgenlandes an Österreich betrieben.

Die Familie Wollinger stammte aus Bingen am Rhein. Karl Wollingers Vater zog nach Westungarn, wo er in Heiligenkreuz im Lafnitztal eine Mühle (Wollingermühle) erwarb. Die evangelische und deutschbewußte Familie wurde schon früh zu einem Zentrum der Emanzipation des deutschen Westungarn gegen den magyarischen Nationalismus.

Karl Wollinger studierte in Graz, zunächst an der Technischen Hochschule und dann an der Universität. 1904 übernahm er den Mühlenbetrieb in Heiligenkreuz und begann mit seiner politischen Betätigung. Er wurde rasch der Sprecher einer Bewegung, die vor allem für die Wiedereinführung der deutschen Sprache in den Schulen und Ämtern eintrat. Als die "Ungarländische deutsche Volkspartei" auch in Westungarn eine Organisation aufzubauen versuchte, wurde Karl Wollinger 1909 ihr wichtigster Vertreter und Organisator in den westungarischen Komitaten. Dieser Versuch wurde jedoch von den magyarischen Behörden mit brutaler Gewalt vereitelt. Wollinger verlegte sich daraufhin auf die Bildungsarbeit und auf die wirtschaftliche Tätigkeit. Er gründete 1911 den Westeisenburger Volksbildungsverein" und 1912 den "Eisenburger Volks- und Bildungsverein". Dieser gab eine eigene Zeitschrift, den "Weckruf", heraus. Außerdem gründete Wollinger Raiffeisenvereine.

1918 war Wollinger nur für kurze Zeit für die Autonomiebewegung zu gewinnen, erkannte bald deren Aussichtslosigkeit und stellte aich daraufhin kompromisslos in den Dienst des Anschlusses an Österreich. Er gründete die Deutsche Freiheitspartei und vertrat das südliche Deutschwestungarn im "Deutschen Volksrat für Ungarn" sowie im "Deutschen Volksrat für Westungarn". Da die versprochene Autonomie nicht verwirklicht wurde, vertrat er immer entschiedener die Anschlussidee. Die Kommunisten ließen ihn nach ihrer Machtergreifung als "Gegenrevolutionär" in ein Gefängnis nach Budapest bringen. Nach dem Sturz der Räteregierung kam er zwar frei, das Horthy - Regime ließ ihn aber nun als Volksverräter verfolgen. Er floh in die Steiermark, kehrte aber heimlich unter größter Gefahr immer wieder zurück, um seine Freunde in ihrer Arbeit zu bestärken.

1921 wurde Wollinger, der in der Bevölkerung weithin bekannt war, an die Spitze der Großdeutschen Volkspartei bzw. des "Großdeutschen Landbundes für das Burgenland" gestellt. 1922 wurde er Mitglied der Verwaltungsstelle für das Burgenland, 1922/23 Nationalratsabgeordneter. 1923 scheiterten Fusionsversuche mit dem Landbund, Wollinger wurde Obmannstellvertreter des "Großdeutschen Volksbundes für das Burgenland". 1923 erlitt dieser eine Wahlniederlage, Wollinger schied aus seinen politischen Funktionen aus. Erst 1927 zog er als Kandidat der Einheitsliste der Christlichsozialen und der Großdeutschen in den Landtag ein. 1930 schnitt seine Partei bei den Wahlen selbst in seinen südburgenländischen Hochburgen schlecht ab. Wollinger blieb bis zur Auflösung der Großdeutschen Volkspartei im Jahre 1934 deren Landesobmann.

1938 wurde Wollinger von den Nationalsozialisten zum Bürgermeister von Heiligenkreuz berufen. Dieses Amt legte er 1941 nieder, da er mit der Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung nicht einverstanden war. Das hinderte die einmarschierenden Russen jedoch nicht, seinen Besitz komplett zu verwüsten. Wollinger starb wenige Monate danach völlig gebrochen in Graz.