rausnitz


Dr. Alfred Richard Viktor Rausnitz

 

* 1876 in Wien
† 1956 in Graz

 

Landeshauptmann
  


Rausnitz entstammte einer Wiener Offiziersfamilie. Sein Vater war Leiter des Wiener Landesbauamtes. Rausnitz war parteiloser Beamter. Nach dem Jusstudium trat er in den Staatsdienst. Dann wurde er Leiter des Pressereferates der Wiener Polizeidirektion. Ab März 1918 leitete er das Polizeikommissariat Wr. Neustadt und war ab September 1918 für den Grenzschutz gegen Ungarn zuständig. 1921 wurde ihm die Oberleitung des gesamten Grenzschutzes gegen Ungarn übertragen.

Als Anfang 1922 Robert Davy, der erste Landesverwalter des Burgenlandes, zurücktrat, wurde Rausnitz mit Unterstützung der Christlichsozialen und Zustimmung der Sozialdemokraten dessen Nachfolger. Es gelang ihm, die wichtigsten Schritte zur Einrichtung des neuen Landes und zum Aufbau der Verwaltung zu setzen. Nach der Wahl des Landtages und der Konstituierung der neuen Landesregierung erlosch mit 19. Juli 1922 das Amt des Landesverwalters. Die Parteien einigten sich jedoch darauf, den Beamten Rausnitz, der als unparteiisch galt, zum ersten Landeshauptmann des Burgenlandes zu wählen.

Als Landeshauptmann konnte er allerdings seine unabhängige Position nicht behaupten. Er geriet immer mehr in die parteipolitischen Gegensätze. Vor allem in der Schulfrage stellte er sich auf die Seite der Christlichsozialen und damit gegen die Sozialdemokraten und Großdeutschen bzw. Bauernbündler (Landbündler), die eine Abschaffung des konfessionellen Schulwesens und eine Angleichung an die österreichischen Verhältnisse wollten. So wurde die Ansetzung von Rausnitz beschlossen. Er selbst verhielt sich äußerst ungeschickt. Vor allem in der Landeshauptstadtfrage beharrte er auf Wr. Neustadt und in der Piringsdorfer Lynchaffäre stellte er sich auf die Seite des Oberpullendorfer Bezirkshauptmannes, den man für die Vorfälle mitverantwortlich machte (Landespolitik 1922 bis 1927). Um seiner Absetzung zuvorzukommen trat Rausnitz schließlich am 14. Juli 1922 zurück. Als Pensionist trat er 1925 nochmals in Erscheinung. Er war an der Gründung der Elektrizitätsgesellschaft Ostburg beteiligt und übernahm den Vorsitz im Verwaltungsrat.