Im Burgenland wurden mehr Münzschätze gefunden als in vergleichbaren Landstrichen ähnlicher Größe. Die Gründe dafür sind in der geographischen Lage, aber auch in der wirtschaftlichen Struktur des Landes zu vermuten. Dr. Kaus zählte im Jahre 1984 75 bekannte Münzschatzfunde auf. Davon stammten 5 aus keltischer, 18 aus römischer, 10 aus mittelalterlicher Zeit; 38 Funde waren neuzeitlich.

Einer der fünf keltischen Silbermünzenfunde und zugleich einer der bedeutendsten im Alpenraum stammt aus der südburgenländischen Gemeinde Güttenbach.

Am 4. Nov. 1927 fand der Landwirt Lukas Radakovits beim Ackern hinter seinem Haus die Bruchstücke eines Tongefäßes und etwa 150 Münzen, die sich später als keltische Großsilbermünzen erwiesen. Es dauerte nahezu einen Monat, bis der damalige Leiter des Landesmuseums, A. Barb, am Fundort erschien - obwohl der Fund schon nach wenigen Tagen bekannt geworden war. Barb konnte zunächst nur 77 Münzen sicherstellen. Etwa die Hälfte der Münzen wurden - aus Mißtrauen - unterschlagen, obwohl Barb versprach, daß das Landesmuseum die Münzen ankaufen würde. Tasächlich wurde der Ankauf zwar genehmigt, die Zahlung an den Finder zögerte sich aber noch lange hinaus. So gelangte ein Teil der Münzen in private Hände. Der Großteil konnte zwar später in Wien sichergestellt werden, ein Teil aber blieb verschwunden. Im Dezember 1927 erfolgte im Münzkabinett in Wien die Reinigung, Datierung und Wertschätzung. Insgesamt kamen 193 Münzen in das Landesmuseum; heute sind noch 157 Stück im Besitz des Museums. Die Familie Radakovits erhielt die damals im Handel übliche Bezahlung für ihren Münzschatzfund.

 

Der Güttenbacher Fund wird dem "Velemer Typ" keltischer Münzen zugerechnet - nach Velem (St. Veit bei Güns), wo zuvor schon ein ähnlicher Münzschatzfund aufgetaucht war. Velem - St. Veit war eine der bedeutendsten Siedlungen in damaliger Zeit. Es handelt sich bei den Güttenbacher und Velemer Münzen um einen Typus, der große Ähnlichkeit mit norischen Münzen aufweist. Zeitlich wurde der Fund von Barb in den Bereich 150 bis 50 v.Chr. eingeordnet, andere Datierungsversuche sprechen von 70 oder 60 v.Chr. Die Münzen sind keinem keltischen Stamm eindeutig zuzuordnen. Es wäre möglich, daß es sich um Prägungen der Arabiates handelt. Die Schatzfunde von Güttenbach, St. Veit und die vergleichbaren Funde von Kroisbach und Neudörfl könnten bei der Ankunft der Boier in Westpannonien vergraben worden sein. Wahrscheinlicher ist aber, daß die Münzen von den Boiern geprägt wurden und in den Boier - Daker-Kriegen vergraben wurden.

Karl Kaus sagt über den Güttenbacher Münzschatz folgendes: "Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der keltische Silbermünzschatzfund von Güttenbach - der zweitgrößte Keltenmünzfund Österreichs nach Simmering - mindestens 214 Stück Großsilbermünzen des ostkeltischen Velemertyps enthalten hat. Als Vergrabundszeit wird etwa die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. - möglicherweise die Zeit der Boiereinwanderung oder der Boier - Dakerkriege - anzunehmen sein. Der enge Konnex der Velemer und Güttenbacher Münzen mit den ostnorischen Prägungen läßt auf politische und wirtschaftliche Bindungen mit dem Regnum Noricum schließen: nach Plinius, hist. nat. III, 147, umfaßte das norische Königreich auch die Gebiete der späteren Munizipien von Savaria (Szombathely - Steinamanger) und Scarabantia (Sopron - Ödenburg). Die Wirtschaftsverbindungen dürften wohl mit der spätkeltischen Eisenindustrie im Burgenland zusammenhängen. Der Verberger des Münzschatzes wäre dann im Kreis der keltischen Eisengewerken zu suchen."


Karl Kaus: Der keltische Münzschatz von Güttenbach. Fundgeschichte und Berichte. In: WAB, Bd. 69)

Wem gehört ein Münzschatzfund?

pfeil top

footer-epochen-urgeschichtefooter-epochen

pfeil top