Eine Reise ins Burgenland vor 170 Jahren

"Es war um das Jahr 1830 schon sehr leicht zu reisen. In Wien hatte man mehrere Fahrgelegenheiten nach Eisenstadt. Mit dem Gesellschaftswage dauerte es gar nicht lange, ungefähr sieben Stunden. In der Wiedner Vorstadt auf der Hauptstraße (der heutigen Wiedner Hauptstraße) gab es ein Einkehrgasthaus zum goldenen Lamm. Jeden Dienstag und Freitag um halb zwölf fuhr von dort der Gesellschaftswagen nach Eisenstadt. Das war ein teurer Wagen, denn die Fahrt kostete 1 fl. C. M. (1 Gulden Konventionsmünze), Ein zweiter Wagen fuhr täglich zwischen 10 und 11 vom "rothen Rössel", auch auf der Hauptstraße der Wieden ab, da kostete eine Fahrt nur 48 Kreuzer. Die Gesellschaftswagen waren vielsitzige Wagen, die im Innern meist Platz für 10 Personen hatten, außerdem noch 4 Plätze hinter und neben dem Kutscher.

"Die Straße führte über Laxenburg -Weigelsdorf-Wampersdorf nach dem zu beiden Seiten der Leitha gelegenen Wimpassing (oder wie man damals auch sagte, Windpassing, Hampecz) mit dem k. Dreißigstamte (also der Maut). Von dort war man in einer starken halben Stunde in Markt Hornstein. Nicht viel länger dauerte es nach Eisenstadt."

Von der heutigen Landeshauptstadt hieß es damals: "Man lebt hier fast um die Hälfte billiger als in Wien und daher siedeln sich immer viele Pensionisten hier an." "Von da ging es über Groß Höflein, Hierm, Frauenhaid. Czemendorf (bei schlechtem Wetter wohl auch von Höflein auf der Ödenburgerstraße bis zur Wulka Mühle und dann an der Wulka aufwärts über St. Anton (Antau) nach Czemendorf. Weiter über Betlsdorf, Walbersdorf (Borbalja) nach Matersdorf, mit einer alten Kirche und einer Geschirrfabrik. Eine halbe Stunde hinter diesem Markt erreichte man den Markt Forchtenau. Im Markt konnte man Pferde bekommen, um auf den ziemlich hohen Schloßberg zu reiten. Nach Forchtenstein konnte man von zwei verschiedenen Seiten gelangen. Über Eisenstadt und über Wiener Neustadt. Die Entfernung ist auf beiden Seiten ziemlich gleich, nur hat man über Neustadt den interessanteren Weg. Wer aber in Wien die schriftliche Erlaubnis zur Besichtigung der Forchtensteiner Schatzkammer erhalten hatte, mußte über Eisenstadt, um daselbst den fürstlichen Herrn Archivar abzuholen, welcher den Reisenden begleiten mußte. Wer von Wien über Neustadt nach Forchtenstein wollte, konnte von der Wieden, "Gasthof zum goldenen Kreuz", täglich um 10 Uhr mit dem Gesellschaftswagen fahren. Fahrpreis 1 fl. C. M. Außerdem fuhren vom "goldenen Bären" auch auf der Wieden, täglich um 10 Uhr morgens Zeiselwagen nach  Neustadt. Fahrpreis 10 kr. Das war eine mehr staubige Fahrerei. Von Wr. Neustadt ging es dann über Katzelsdorf nach Aichbüchel und Froschdorf, von wo man noch gegen zwei Stunden nach Forchtenstein hatte."

in: Volk und Heimat,1949, Heft 8

 

Wichtige Straßen

Die Ungarische Straße (auch Fleischhauerstraße genannt) oder Raaber Straße führte von Wien über Bruck an der Leitha - Parndorf -Ungarisch Altenburg - Wieselburg (Moson) nach Raab (Györ). Eine Abzweigung führte von Parndorf über Neusiedl am See Weiden - Gols - Halbturn - über Szólnok nach Ungarisch Altenburg. Eine Hauptachse verlief von Ungarisch Altenburg nach Preßburg. Von Gols verlief eine Landstraße nach St. Andrä nach Wallern, eine andere von Ungarisch Altenburg über Wüstsommerein nach Andau, Tadten und Wallern nach Pamhagen und über Esterháza nach Ödenburg.

Die Ungarisch - Kroatische Straße führte von Wien über Wampersdorf - Wimpassing - Hornstein - Großhöflein Klingenbach nach Ödenburg. Von dort führte sie über Harkau - Neckenmarkt - Mannersdorf - Güns - Steinamanger - nach Körmend und Varasdin.

Die Günserstraße verlief von Güns über das Günsbach - und das Zöbernbachtal in das Pittenbachtal (Aspang) und von dort nach Wr. Neustadt.

 

{/AC}

 

pfeil top
footer-epochen das 19 jahrhundert
footer-epochen
pfeil top