postrouten

Postrouten und Poststationen im königlichen Ungarn im 16. und 17. Jhd.

Im römisch-deutschen Reich bestand im ausgehenden Mittelalter bereits ein ausgedehntes und gut organisiertes Postwesen. In Ungarn gab es nichts Vergleichbares. Hier wurden je nach Bedarf Boten eingesetzt. "Private" Post wurde durch Kaufleute oder andere Gruppen von "Reisenden", etwa Viehhändler und Fleischhacker oder auch durch Geistliche besorgt. So wie der Handelsverkehr war auch der Nachrichtenverkehr immer wieder Unsicherheiten ausgesetzt, besonders durch Fehden und in Kriegszeiten. Überfälle auf Kaufleute und Postboten waren nicht selten.

Noch die Jagiellonenkönige Ungarns bedienten sich je nach Bedarf einzelner Boten. Nach der Schlacht bei Mohacs 1526 und dem Übergang der ungarischen Krone auf die Habsburger wurde bereits 1527 ein Versuch unternommen, eine Poststrecke von Wien nach Ofen einzurichten. Damit wurde 1526 der in Wien als Hofpostmeister anwesende Anton von Taxis betraut, der seinen Verwandten Matthias von Taxis zum Ofener Postmeister ernannte. Für den Unterhalt der Poststrecke wäre der ungarische Staatsschatz zuständig gewesen. Dieser zahlte aber nicht, so dass die Wiener Hofpostmeisterstelle die Kosten übernehmen musste. Ab 1529 wurde dieser erste Postkurs, der das Nordburgenland querte, wegen der Kriegsereignisse wieder aufgelassen.

Erst 1540 wurde erneut eine Poststrecke angelegt. Da Ofen-Pest und der größte Teil des Landes von den Osmanen besetzt waren, war schon in Raab (Györ) Endstation. Raab war auch die Kontaktstelle zum osmanischen Ungarn. Die Poststation von Raab war so bedeutend, dass die Taxis die Postmeisterstelle in der Hand ihrer Familie behielten. Anton von Taxis wurde 1548 Hofpostmeister in Wien, Christoph von Taxis übernahm die ungarische Post mit Sitz in Pressburg als Oberpostamt. 1559 wurde Christoph Hofpostmeister, die ungarische Post übernahm Peter von Paar, zuvor schon Postmeister in Pressburg,  und damit jene Familie, die im ungarischen Postwesen lange Zeit die  führende Rolle spielen sollte. Die ungarische Post war nicht als "Lehen" vergeben, sondern die Angestellten waren gewissermaßen kaiserliche bzw. königliche Bedienstete und wurden auch von der Hofkammer bezahlt.

Zur Zeit des Christoph von Taxis und Peter von Paar bestanden folgende Postlinien: Ausgangspunkt der ungarischen Post war Fischamend. Bis dorthin war die niederösterreichische Post zuständig. Von Fischamend aus verlief eine Postrote nach Raab und Komorn, in Petronell zweigte die Route nach Kaschau ab. Dort war die Anschlussstelle für eine Strecke nach Siebenbürgen. Der Kaschauer Kurs wurde wahrscheinlich in den späten 1540er Jahren eingerichtet.

Der Raaber Kurs führte über Deutsch Jahrndorf, Wieselburg, Hochstrass nach Raab, wo auf die große Schüttinsel übergesetzt wurde, dann nördlich der Donau über Németi bis Komorn bzw - wenn es die Kriegslage erlaubte- bis Bátorkeszi. Der oberungarische Kurs verlief über Lanschütz (Cseklész), Wartberg (Szempcz) Neustättl (oder Farkashida), Freistädtl (Galgócz), Nagyrippény, Nagytapolcsán (Groß Tapoltsan) Vesternitz (FelsöVesztényi) Privitz Privigye) Rudnó, Zsámborkréth, Nolcsó, Rosenberg, St.Nicla  (Sz. Miklós)Geyb (oder Hibbe), Lucsivna, Kissóc (oder Landsperg) Leutschau, Siroka, Berthot, Eperies, Somos, Kaschau. Der siebenbürgische Postkurs führte von Kaschau weiter nach Hermannstadt bzw. Dewa. Er wurde von Fürstentum Siebenbürgen finanziert. Die Kaschauer Poststation war wichtig, aber immer gefährdet. 1569 setzte der Wiener Hofpostmeister Paul Wolzogen dort seinen Neffen Andreas von Wolzogen als Postmeister ein. Dieser ließ allerdings aus Sicherheitsgründen seine Familie nach Wien bringen.

In Niederungarn wurde auf Drängen des Kriegsrates in Wien von Paul Wolzogen 1558 folgender Kurs eingerichtet: Von Wien über Waldtersdorff nach Oedenburg, Tschapringg, Hienung (bei Steinamanger), Khermennt (Körmend) , Lyba (Zala Lövö), Lymbach (Unter Limbach, Also Lendva), Worasin (Warasdin) , zu Oporas zwischen Muer und Trau (Prelag,Perlak), Tschorga (Csurgo), Wäbotscha (Babocsa), Szygeth (Szigetvár). Um 1610 war der Kurs wegen des türkischen Vormarsches schon stark verkürzt, Tschorga konnte nicht mehr erreicht werden. Die Kösten für diesen Kurs trug bis Körmend Niederösterreich, von dort weg die Steiermark. Dieser Kurs wurde bis zum Ende der Türkenkriege (mit Unterbrechungen, wenn kein Bedarf bestand) betrieben. Ab 1690 wurden neue Postwege, einerseits nach Kroatien, andererseits über Slawonien bis Belgrad eingerichtet.

Der Bethlen-Aufstand hatte zur Unterbrechung der ungarischen Postlinien geführt. Erst der Wiener Friede von 1624 ermöglichte die Neueinrichtung, wieder unter der Familie Paar, dem steirischen Zweig mit Hans Christoph, der 1622 die Stelle des obersten Hofpostmeister übernommen hatte. 1624 erhielten die Paar das erbländische Postwesen als Lehen zugesprochen. Einem kaiserlichen Patent aus dem Jahre 1526 für das Königreich Ungarn ist zu entnehmen, dass es gelegentlich Probleme gab. Postämter und deren Bedienstete wurden überfallen, Postpferde ohne Bezahlung weggenommen und, ebenso wie die Kutschen, auch für andere Strecken benutzt.

Die Bezahlung der Boten erfolgte nach zurückgelegter Wegstrecke. Ein berittener Bote erhielt "für tag und Nacht postieren"  über 7 Meilen einen Gulden 30 Kreuzer, im Winter um 15 Kreuzer mehr. Bei nur "den Tag postieren" wurden für 7 Meilen (6 Meilen im Winter) 30 Kreuzer bezahlt. Ein Fußbote erhielt pro Meile 8 Kreuzer  (für tag und nacht postieren), 4 Kreuzer wenn er nur am Tag unterwegs war.

 
Auch im türkisch besetzten Teil Ungarns gab es ein Postwesen bzw. einen Botendienst, jedoch keine festen Kurse. Es wurde nur nach Bedarf gearbeitet. Die offiziell besoldeten Boten im Auftrag des Budapester Beijlerbejs (Paschas) wurden Tschausen genannt. Diese waren in der Bevölkerung nicht selten gehasst, ja als "Räuber" verschrieen, da sie jederzeit von jedermann Pferde requirieren durften. Noch schlimmer war die "Tatarenpost". Es waren Privatpersonen, die Pferde bereit zu halten hatten und die über eine "Fermina" verfügten, die ihnen erlaubte, nach Bedarf Briefe, Frachten und Reisende zu befördern. Sie konnten auch für private Zwecke gegen Entlohnung eingesetzt werden. Für private Zwecke weit wichtiger waren aber die Metzgerposten, Viehhändler, die ihre Herden ja weit nach Westen, in das römisch-deutsche Reich trieben. Auch staatliche Stellen bedienten sich dieses Postweges, vor allem dann, wenn der Adressat im christlichen Ungarn lag. Anknüpfungspunkt an die christlich-ungarische Post war meistens Raab. Der osmanische Staat entlohnte die Viehhändler, indem er ihnen Steuerfreiheit und Freiheit von Zwangsarbeit gewährte.

Eine Sonderform der Nachrichtenübermittlung aus dem Osmanischen Reich war die "Gefangenenpost". Es ging dabei um Aushandeln von Lösegeldern von gefangenen oder verschleppten Personen. Hatten die Gefangenen zumindest einen Teil des Lösegeldes aufgebracht, wurden sie auf Zeit freigelassen und durften, ausgestattet mit einem Bettelbrief, der zugleich ein Schutzbrief war, in ihre Heimat, um die nötige Summe für sich und auch für andere bei Verwandten, Städten, Kirchen oder Klöstern aufzubringen.

Literatur:
Rüdiger Wurth, Das Königreich Ungarn im 16. und 17. Jahrhundert. Postgeschichtliche Aspekte unter habsburgischer und osmanischer Herrschaft. Bgld. Heimatblätter 2007, Heft 1, S.6 - 22

Verkehr und Handel
Westungarn, besonders die Gebiete des nördlichen Burgenlandes, die Grafschaften Forchtenstein, Eisenstadt, die Herrschaft Ungarisch Altenburg ... wurden von überregional bedeutenden Verkehrswegen durchzogen, darunter die Ödenburger Straße, die auch als "Fleischhauerstraße bezeichnet wurde. Auf ihr gelangte Vieh aus Südwestungarn nach Wien. Von größter Bedeutung waren die Ochsentriebrouten aus Innerungarn nach Westen. Entlang der mehrere 100 m breiten Wege wurden Mastzonen eingerichtet, besonders im Bereich der Herrschaft Ungarisch Altenburg. Die Weiden des verödeten Frauenkirchen etwa wurden um 100 Gulden an Jakob Khreuß aus Apetlon verpachtet.
Die Durchzugsstraßen des Fernhandels waren im landesfürstlichen, in Ungarn im königlichen Besitz. Es herrschte Straßenzwang, verbunden mit Grenzzöllen und Mauten. Die wichtigste Abgabe war der Dreißigst (ursprünglich 1/30 des Warenwertes). Im Spätmittelalter wurde daraus ein Grenzzoll. Auch die Mauten waren ursprünglich ein königliches Regal. Im Bereich der Herrschaft Mattersdorf - Forchtenstein gingen sie jedoch schon um 1300 in den Besitz der Herrschaft über. Die Erträge der Maut behielt der Richter von Mattersdorf, der dafür die Straßen, Stege und Brücken zu unterhalten hatte. Die Müllendorfer Maut gehörte zur Hälfte der Grafschaft Forchtenstein, die andere Hälfte befand sich im 16. Jahrhundert in den Händen österreichischer Adeliger. Ausgenommen vom Dreißigst waren die österreichischen Weingartenbesitzer in Ungarn. Dreißigstämter gab es Mattersburg, in Müllendorf und in der Wart. Letzteres wurde später an das Ungartor in Wr. Neustadt verlegt. Natürlich gab es immer wieder Versuche, die Mautstellen zu umgehen. So gab es 1439 Beschwerden gegen die Ödenburger, die eine "ungewandleiche strazz pawen uber Send Marein" (über Zemendorf, Kleinfrauenhaid, Krensdorf). Für Fuhren in Richtung Wien wurden etwa unerlaubte Wege über das Leithagebirge benutzt. Ausgeführt wurden Wein, Vieh, Korn, Honig, Holzkohle ..., eingeführt Stoffe, Tuche, Krämerwaren, Gewürze ...
Die kleinräumigen Handelsbeziehungen, die Einzugsbereiche der Städte, reichten auch über die Landesgrenzen. Das zeigt eindringlich das Gewölberegister der Firma Funck in Wiener Neustadt, deren Kunden zu einem Drittel aus dem angrenzenden Westungarn kamen. Die Bauern der Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt wickelten direkt Geschäfte mit dem Handelshaus ab. Der Großteil des Handelsvolumens entfiel aber auf westungarische Krämer, etwa aus Ödenburg oder Güns.
Nach Österreich exportiert wurden auch Holzkohle und Baumaterialien, etwa aus der Kürschnergrube im Leithagebirge, aus den Steinbrüchen von Groß- und Kleinhöflein, später auch aus Breitenbrunn, Eisenstadt, Loretto, Stotzing, St. Margarethen und Oslip.


pfeil top
footer-epochen fruehe neuzeit 2
footer-epochen
pfeil top