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Mittelalterliche Pfarren und Klöster im Burgenland

 

Neben den weltlichen Grundherren hatten vor allem die Zisterzienser als geistliche Grundherren riesige Herrschaftskomplexe im burgenländisch - westungarischem Raum. Besonders unter König Emmerich I. und König Andreas II. erfuhren sie eine besondere Förderung. Neben den Königen waren es Magnaten und andere Adelige, die die Zisterzienserherrschaften mit Privilegien und Grundschenkung ausstatteten. So entstanden die Musterherrschaften, auch Grangien, der Zisterzienser.

Durch ihre rege Siedlungs- und Rodungstätigkeit, durch die Einführung neuer Agrartechniken und neuer Methoden in der Weinkultur gestalteten sie unsere Kulturlandschaft nachhaltig um.

Ausstrahlungspunkt der Zisterziensertätigkeit um den Neusiedler See war Königshof. Diesen Ort an der Leitha, westlich von Bruck/ Leitha gelegen, schenkte König Emmerich im Jahre1203 den schwarzweißen Mönchen, die aus dem Mutterkloster Heiligenkreuz im Wiener Wald kamen.

Zwischen 1208 und 1217 erwarb die Heiligenkreuzer Abtei Mönchhof, Winden und Podersdorf. Dazu kamen noch Ländereien im Seewinkel. Ihren Besitz teilten die Heiligenkreuzer verwaltungstechnisch in zwei Herrschaften, nämlich Königshof und Mönchhof. Alle Abgaben und Leistungen der bäuerlichen Untertanen mussten nach Königshof, dem Hauptsitz der ungarischen Güterverwaltung, entrichtet werden.

Im mittleren Burgenland wurde das um 1200 gegründete Kloster Marienberg im Rabnitztal Mittelpunkt einer Grundherrschaft der Zisterzienser aus Heiligenkreuz. Ihre Besitzungen erstreckten sich über mehrere Komitate. Zunächst nahmen Papst Innozenz III. und König Andreas II. die Abtei in ihren Schutz. Spätere Schutzherren (Vögte) missbrauchten ihre Beschützerrolle und schädigten die Abtei.

So vertrieben die Kaniszany die Mönche, denen sie Zusammenarbeit mit den Rebellen gegen den König vorwarfen. Sie eigneten sich auch Teiledes Klosterbesitzes an. Am Ende des 14. Jahrhunderts machten unerklärliche Heilungen die Klosterkirche zu einem bekannten Gnadenort. Lange Zeit war das Marienbild Zielpunkt von Massenwallfahrten. Während der Türkeninvasion und der Belagerung von Güns (1532) flohen die Mönche, und das Kloster und die Kirche wurden zerstört. Der Wiederaufbau zog sich dann jahrzehntelang dahin. 1567 wurde die Abtei säkularisiert und ging ein Jahr darauf auf Franz Nadasdy über. Damit sank Klostermarienberg zu einer einfachen Pfarre herab.

 

Sonderthema: Die Zisterzienser im westungarisch - burgenländischen Raum

Kein anderer kirchlicher Orden hat im westungarisch-burgenländischen Raum so tiefe Spuren seines Wirkens hinterlassen wie die Zisterzienser. So wie in vielen anderen Gebieten Europas haben sie entscheidend zur Landeserschließung beigetragen - in einer Region, die noch dünn besiedelt war, also ideale Voraussetzungen für jenen Orden bot, der frei von weltlicher und kirchlicher Gewalt, fernab der geschäftigen Welt, durch Gebet und Arbeit wirken wollte. Das war ja das Einzigartige am neuen Orden des Robert von Molesme und des Bernhard von Clervaux, daß die Zisterzienser den Prunk und die Pracht des benediktinischen Mönchtums ablehnten, daß sie nicht auf Pfründe angewiesen sein wollten. Sie zogen, zumindest in ihren Anfängen, ihren Lebensunterhalt aus eigenen Wirtschaftshöfen, Grangien, die von Ordensangehörigen, Laienbrüdern oder Conversen, bewirtschaftet wurden.

Seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert entstanden auch in Ungarn Zisterzienserklöster, gestiftet von den Königen oder von privaten Grundherren. Die Zisterzienser trugen sehr viel zur landwirtschaftlichen und gewerblichen Entfaltung Ungarns bei. Ihre landwirtschaftlichen Güter waren Vorbilder sowohl für die Eigenwirtschaften der Grundherren wie auch für die Bauern, anscheinend besonders im Wein- und Obstbau.

Im westungarisch burgenländischen Raum wirkten folgende Zisterzienserklöster: das Kloster St.Gotthard, dem weite Teile des südlichsten Burgenlandes, also des heutigen Jennersdorfer Bezirkes, gehörten. St.Gotthard wurde schon 1183 gegründet. 1195 entstand Klostermarienberg. Das niederösterreichische Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald wirkte bis weit in das nördliche Burgenland hinein, wo es zahlreiche Schenkungen bekam. Dann gab es noch die 1219 gegründete Benediktinerabtei Pernau, das ebenfalls in eine Zisterze umgewandelt wurde, das steirische Zisterzienserkloster Neuberg an der Mürz und das Wiener Neustädter Neukloster. Sie alle liegen zwar nicht auf heute burgenländischem Gebiet, waren allerdings für dessen historisches Werden von entscheidender Bedeutung. Mit dem 1955 entstandenen Marienkron in Mönchhof haben die Zisterzienser heute auch eine zeitgemäße Einrichtung im Burgenland.


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