sanktgotthard

Stiftsherrschaft St. Gotthard

 

Große Teile des heutigen Jennersdorfer Bezirkes gehörten im Mittelalter zur Stiftsherrschaft St. Gotthard. Das Kloster wurde im Jahre 1183 von König Bela III. gestiftet und mit Mönchen aus dem französischen Zisterzienserkloster Troisfontaine (Dreibrunnen) besetzt.
Auch diesem Kloster schenkten Könige und Adelige ausgedehnte Ländereien. Aber auch hier gab es Schwierigkeiten mit den Patronatsherren (Schutzherren), die die mit dem Patronat verbundenen Verpflichtungen mißachteten. So wurde nach einem langwierigen Streit das Stift Rein in der Steiermark im Jahre 1448 beauftragt, die überkommenen Rechte zu wahren. Die Äbte von Rein versuchten das Kloster zu beleben und zwar durch die Förderung ungarisch sprechender Mönche. Auch König Mathias I. Corvinus bemühte sich, das Stiftgut zu retten. Aber die aufkommende Türkengefahr, die Auflage hoher Kriegskosten und die Ausbreitung der Reformation bedeuteten für das Kloster einen empfindlichen Rückschlag.
St. Gotthard an der Raab
Das Kloster wurde von Bela III. im Jahre 1183 gegründet. Dieser ungarische König war der bedeutendste Förderer der Zisterzienser im Königreich. er stiftete auch noch einige andere Zisterzienserabteien. Im Falle von St. Gotthard sollte eine offenbar noch wenig erschlossene Grenzregion intensiv kolonisiert werden. Die Mönche kamen aus Frankreich, aus Troisfontaine. An dem Platz, an dem sie ihr Kloster errichteten, bestand allerdings schon die Siedlung St.Gotthard, vermutlich ein Dorf deutscher Kolonisten.
Die ursprünglichen Grenzen der riesigen königlichen Schenkung reichten von der Herrschaft Güssing im Norden bis zur Herrschaft Limbach ( ung.Lendva, heute in Slowenien, Grad - Dolnij Lendava), also von der Raab im Norden bis zur heutigen slowenischen Grenze im Süden, von der steirischen grenze im Westen bis Rabagyarmat im Osten. Die größe der Herrschaft betrug schließlich etwa 200 qkm, nit 27 Siedlungen. Diese waren im Westen deutsch, in der Mitte slowenisch, im Osten magyarisch.
 
Zeitweise erstreckte sich das Herrschaftsgebiet durch zahlreiche Schenkungen weit darüber hinaus. Das Waldgebiet an der steirischen Grenze tauschten die Zisterzienser allerdings gegen Györvar bei Eisenburg/Vasvar ein. In diesem Waldgebiet entstand dann mit Neuhaus eine neue Herrschaft.
Die Zisterzienser bauten eine riesige Klosteranlage; die Kirche war dreischiffig, 44 m lang und 22 m breit, ganz nach dem Vorbild französischer Anlagen. Das Patronat über das Kloster hatte seit dem 14.Jh. die Familie Széchy, die auch ihre Familienangehörigen dort bestatten ließ. In der Reformationszeit hörte auch in St.Gotthard das Klosterleben auf, lediglich alte Pfarrer aus der Umgebung wohnten noch im Gebäude. Die Stiftsherrschaft ging immer mehr in die Hände der Familie Széchy über. Als Grundherren folgten die Grafen Salm, die Poppel von Lobkowitz, die Batthyany und die Csáky, die protestanisch waren und daher kein Interesse an einer Wiedererrichtung des Klosters hatten. Das Klostergebäude wurde zu einer Festung gegen die Türken. 1605 ließ der steirische Oberst Teufenpach auf dem Rückzug das Gebäude völlig unnötigerweise sprengen, um den Bocskay - Truppen keine feste Position zu überlassen. Im 17. Jahrhundert wurde auf den Klosterruinen eine Kirche, die "Kastenkirche", gebaut. Erst zur Zeit der gegenreformation erwachte wieder Bemühungen, das ehemalige Kloster zu erneuern. Erzbischof Georg Szécheny erwarb die Herrschaft und übertrug sie dem Jesuitenorden. 1734 wurde St.Gotthard mit Heiligenkreuz vereinigt und kam so wieder in den Besitz der Zisterzienser. Das neue, barocke Zisterzienserkloster entstand 1748 bis 1764 nach den Plänen des Baumeisters Pilgram etwas abseits der alten Anlage. Erst 1878 wurde St.Gotthard wieder eine eigenständige ungarische Zisterze und blieb es bis zur Machtübernahme durch die Kommunisten.


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