Bis heute ist heftig umstritten, wie dicht nun die Besiedlung des Ostlandes durch Franken und Bayern war. Auch wenn die Erschließung nicht allzu intensiv war kann man aus dem Quellen deutlich erkennen, dass das Interesse der bairischen Herrn, der geistlichen Fürsten und auch der Klöster am Ostland um die Mitte des 9. Jahrhunderts deutlich zunahm. Immer mehr Schenkungen werden nunmehr vergeben. Es entsteht eine Grafschaft mit dem Grafschaftssitz in Savaria - Steinamanger. Und es werden in den beiden folgenden Jahrzehnten mehr als fünfundzwanzig Kirchen gegründet. Das Dilemma der Historiker ist es seit langem, viele dieser Kirchengründungen nicht mehr lokalisieren zu können, obwohl hunderte Versuche gemacht wurden. Sie alle sind wenig überzeugend. Weder die Namen noch die Überreste scheinen die magyarische Landnahme überdauert zu haben. Nicht lokalisierbar sind die Kirchen des Sandrat, des Ermbrecht, des Otachar oder des Paltmund. Man vermutet, dass diese Personen Presbyter waren, und zwar zumeist bayerisch-fränkischer Herkunft. Sie könnten im Dienst der Fürsten von Moosburg gestanden haben. Wenig erstaunlich ist, dass auch in den alten Römerstädten Fünfkirchen und Pettau Kirchen geweiht wurden. In diesen Städten hatten wohl auch während der gesamten Awarenzeit christliche Bevölkerungsgruppen überlebt.
Ein interessantes Kapitel ist die mögliche Mission bei den Awaren schon vor der Eroberung des Awarenreiches. Die Beziehungen zum benachbarten Bayern waren ja nicht immer kriegerischer Natur. Es gab mannigfaltige Kontakte, sogar Angehörige des bairischen Herzogshauses hielten sich im Awarenland auf. Rittsteuer etwa schreibt: "Für diese Zeit (ca. 740) setzte die Tradition von Marz ... die Anwesenheit des Hl. Willibald in der Gegend von Marz - Loipersbach (Martinskirche!) an, sowie die Gründung einer kleinen Gottesdienststätte oder Taufkirche, die dann später zu Ehren des Gründers, eben des Hl. Willibald, geweiht wurde". (Kirche im Grenzraum S.47). Nach der kanonischen Visitation des Jahres 1641 in der Pfarre Marz soll sich der Hl. Willibald in der Gegend von Marz aufgehalten und mit eigenen Mitteln die Kirche gegründet haben. Eine Missionsreise in dieses Gebiet ist freilich nicht bezeugt. Willibald wurde 741 erster Bischof von Eichstätt und dieses Bistum hatte tatsächlich weit zurückreichende Beziehungen zur Gegend Mattersburg - Marz - Stöttera. Eine frühe Awarenmission ist durchaus denkbar.
Schon während des Feldzuges, den König Pippin von Italien 796 gegen die Awaren führte, fand im Heerlager an der Donau eine Bischofssynode unter dem Vorsitz des Patriarchen Paulinus von Aquleia statt. Das Awarenreich wurde dabei in Missionsgebiete aufgeteilt. Salzburg bekam Unterpannonien, das Gebiet zwischen Raab, Donau und Drau mit dem Zentrum um den Plattensee, Passau Oberpannonien und das Gebiet südlich der Drau das Patriarchat Aquleia.


Die Mission Salzburgs
Salzburg hatte schon lange Erfahrung in der Slawenmission in Karantanien. Bischof Arn, kurz darauf Erzbischof, sah wenig Chancen für eine erfolgreiche Awarenmission, so lange das Awarenreich bestand. Daran änderte auch der Übertritt eines awarischen Teilfürsten, des Tudun, zum Christentum im Jahre 796 in Aachen nichts. Auf der Rückreise aus Rom 798 erhielt Arn von Karl d. Gr. den Befehl, sich in das Missionsgebiet zu begeben. Allzu große Erfolge dürfte er aber bei einem kurzen Aufenthalt "im Gebiete der Slawen" nicht gehabt haben. Arn berief sich auf seine große Belastung im Dienst des Königs und schlug die Einsetzung eines Bischofs für die Slawenmission in Pannonien vor. 799 wurde Theoderich, wahrscheinlich in Treismauer, von Arn und dem Präfekten Gerold, der bald darauf im Awarenkampf fiel, als Bischof eingesetzt - für Karantanien und die "angrenzenden Gebiete". Auf eine Bestätigung für das Missionsgebiet Pannonien durch den Papst verzichtete man. Theoderich war Chorbischof oder Sendbischof ohne festen Sitz. Er kam wahrscheinlich aus dem Passauer Klerus. Möglicherweise war er es, der den Kapkhan der Awaren auf den Namen Theodor taufte. Ebenso dürfte er 805 die Taufe des awarischen Khagans in der Fischa vorgenommen haben. Seine Nachfolger waren die karantanischen Chorbischöfe Otto und Osbald. In Pannonien setzten die Erzbischöfe von Salzburg Priester oder Erzpriester als ihre Stellvertreter ein.
Die Mission in Pannonien kam nach der Auflösung des awarischen Restfürstentums um 828 und der Einsetzung des Slawenfürsten Priwina, der 830 aus Neutra (Nitra) vertrieben worden war und am Plattensee ein Tributärfürstentum bekam, in Schwung. Priwina hatte schon vor seiner Verteibung Kontakte zu Salzburg. Um 8827/28 weihte Erzbischof Adalram in Nitra eine Kirche. 833 wurde er in Traismauer getauft. Um 640 erhielt Priwina von Ludwig dem Deutschen das Gebiet an der Zala zu Lehen, mit dem Herrschaftssitz Mosapurch (Zalavar). Dort sammelte er eine Gefolgschaft verschiedenster Herkunft. Die Fürsten von Moosburg am Plattensee hatten die Aufgabe, das Grenzland gegen die gefährlichen Nachbarn, das Großmährische Reich im Norden und das Bulgarenreich im Osten, zu schützen. Diese Aufgabe erfüllten sie hervorragend. Die Fürsten waren, als sie aus Neutra (Nitra) vertrieben wurden, also bereits Christen. Ihr Sitz Moosburg (Mosapurc, das heutige Zalavar) wurde zu einem großen kirchlichen Zentrum ausgebaut. Auf Ersuchen des Fürsten sandte ihm Erzbischof Liupram von Salzburg Maurer, Zimmerleute und Schmiede. Sie erbauten eine Steinkirche, obwohl es in Moosburg damals bereits mindestens zwei Kirchen gab. Insgesamt wurden unter Priwina und seinem Sohn Chozil etwa 30 Kirchen geweiht.
Die Geistlichkeit an Priwinas Hof war überwiegend bayerisch-fränkischer Herkunft. Für die burgenländische Geschichte besonders interessant ist ein Presbyter Dominicus, ein Baier, der möglicherweise Notar in der Kanzlei Ludwigs des Deutschen gewesen war. Ihm verlieh 844/45 der König zu Brunnaron (vielleicht Pilgersdorf) am Zöbernbach, dort, wo die Grafschaften Radpots und Rihharis zusammenstießen, aber außerhalb von Priwinas Herrschaftsbereich, Besitzungen. Etwas später beschenkte Ludwig der Deutsche seine Anhänger im Ostland, auch im Bereich des heutigen Burgenlandes, reich: so etwa erhielt der Chorbischof Alberich eine reiche Ausstattung im Raume Ödenburg, das Reichskloster Mattsee zwanzig Hufen am Ostabfall der Buckligen Welt und das Erzbistum Salzburg Steinamanger und Postrum (Szentpéterfa).
Die Mission dürfte bald großen Erfolg gehabt haben. 850 weihte Erzbischof Liupram von Salzburg in Mospurc die Marienkirche. Er übertrug die Leitung der Mission dem Priester Dominicus, der schon längere Zeit am Hofe Priwinas tätig war.Dominikus hatte bereits 844 von König Ludwig einen Besitz in Brunnaron am Zöbernbach erhalten, den sich der Kleriker Radpero widerrechtlich angeeignet hatte. Priwina war mit dem bayerischen Adel verbunden, seine Gattin stammte wahrscheinlich aus der mächtigen Sippe der Wilhelminer. Ihr Sohn Chozil trug einen fränkisch - bayerischen Namen - Chadalhoch bzw. Cadolah. Chozil war eine Kurzform. Priwina stand auch mit anderen Bistümern und Klöstern in Verbindung. Die Abtei Niederaltaich erhielt reiche Besitztümer in seinem Herrschaftsbereich. An seinem Hof wirkte der Priester Dominicus, der aus der Diözese Regensburg kam, wahrscheinlich Notar Ludwigs des Deutschen war und von diesem einen Besitz am Zöbernbach, in Lebenbrunn, erhalten hatte. Im Gefolge Priwinas befanden sich auch zahlreiche andere bayerische Geistliche und Adelige. Im Jahre 850 wurde zwischen Salzburg und Priwina ein feierlicher Vertrag geschlossen. Dabei waren auch die Söhne Priwinas und Angehörige des bayerischen und slawischen Adels anwesend. Auf dem Rückweg weihte Liupram zwei weitere Kirchen, wahrscheinlich bei Mosapurc. Sie wurden von den Priestern Sandrat und Ermperth errichtet. Weitere Missionare waren der Swarnagel, die Erzpriester Altfried und Rihpald, beide aus dem Konvent von St.Peter in Salzburg. Erzbischof Adalwin soll dann anlässlich der Kirchenweihen von 864 für jede neue Kirche einen eigenen Priester eingesetzt haben. Demnach wären 31 Priester im Fürstentum Priwinas tätig gewesen.
Der berühmte Kundpaldkelch, in Ödenburg aufbewahrt, wird in Zusammenhang mit der Awarenmission gebracht. Er wurde 1879, beim Bau der Zuckerfabrik in Petöháza bei Odenburg, gefunden. Die Spekulationen gehen dahin, dass er dem "Awarenbischof" Theoderich mit ins Grab gegeben wurde. Theoderich soll in Petöháza gestorben und dort innerhalb einer Holzkirche begraben worden sein. Nach Istvan Bona lag der Ort etwa in der Mitte des von den Franken eingerichteten "Awarenreservates" und war vielleicht der Sitz des christlichen Awarenkagans Abraham. Eine andere Vermutung knüpft an die beiden Missionare Kuniwald und Gislarisch an, die von Bischof Rupert zu den Awaren gesandt worden waren. Aber das sind alles nur Spekulationen.
Zur Lage der in der "Conversio" genannten Missionskirchen und zu den Orten, die von Ludwig d. Deutschen 860 Salzburg geschenkt wurden, wurde viel geforscht und auch viel spekuliert. Der heutige Wissensstand ist in Kürze folgender: Eindeutig ist "ad Bettobiam" (Pettau, heute Ptuj in Slowenien), "Ussitin" (Wisitindorf an der Lafnitz, Steiermark), "ad Kensi" (Balatonkenese am Plattensee), "ad Ablanza" (Abláncz an der Rabnitz, Westungarn), Quinque Basilicas (Fünfkirchen, Pécs). Die Kirche in Dudleipin (slawische Volksgruppe der Dudleben) wird im Bereich von Mureck vermutet, Salapuigin weist auf die Salabeuge (heute Zalabér) hin, Weride (Werth, Wörth ...) auf eine Insel oder Halbinsellage, Spizzun auf eine Landspitze im Plattensee (Landzunge von Tihany?), Quartinaha (aha - Ache, Gewässer) auf einen Fluss, der in den Plattensee mündet. Quartinaha wurde so wie auch die Kirche "ad Keisi" (Kensi) und die Kirche ad Termperch schon 860 von Ludwig d. Deutschen Salzburg geschenkt. 865 weihte Erzbischof Adalwin in Quartinaha eine Johanniskirche. Diese kam durch den Diakon Gundbato an Regensburg (876/80, die Kirche lag "iwcta Bilisasseo" - nahe am Plattensee). Die Kirche "ad Ortahu" wird heute mit Veszprém identifiziert. Auch die Lage der Kirche des slawischen Adeligen Wittimar/Witemir scheint einigermaßen gesichert zu sein. Früher hat man sie in der Basilika von Fenékpusta gesucht. Die dortigen archäologischen Forschungen haben gezeigt, dass diese Basilika wesentlich älter war, aus dem 4. oder 5. Jahrhundert stammte und nicht mehr in Verwendung stand. Robert Müller hat die Kirche glaubwürdig mit der in Borjúállás aufgedeckten Kirche in Verbindung gebracht. Gleich daneben lag ein Herrenhaus, die ganze Siedlung war durch Palisaden geschützt. In Mosapurc befanden sich drei Kirchen, eine Marien-, eine Johanneskirche eine Hadrianskirche, wobei letztere eine große dreischiffige Basilika war. Handwerksmeister aus Salzburg, Maurer und Maler, Schmiede und Zimmerleute wurden aus Salzburg nach Mosapurc entsandt. 860 bekam die Salzburger Kirche auf Bitten Erzbischof Adalwins von König Ludwig dem Deutschen Savaria, Peinihaa (Szentpeterfa, Postrum) und zahlreiche andere Güter. Die Kirche des Ellod wurde in Edlitz, Eltendorf oder Sankt Martin a.d.Raab gesucht, die Kirche des Priesters MInigo (Kurzform von Dominikus) in Lebenbrunn. In der Schenkung an Salzburg werden auch Kundpoldesdorf (Kobersdorf, Hannersdorf, Rumpersdorf ?), Peinicahu (Pinkafeld) und ad Rapam (Unterrabnitz ?) erwähnt. Die Stefanskirche von Ztradach wurde von Erzbischof Adalwin 866 geweiht (um 1010 Stederach genannt) stand in Stöttera (Rittsteuer, BH 19949, S.60 f.)


 
Passau
Für das Gebiet nördlich von Spratzbach - Rabnitz - Raab war das Bistum Passau zuständig. Auch Passau setzte Chorbischöfe ein, eventuell mit Sitz in Lorch oder später in Wien. Urkundlich genannt wurden Erchanfried und Othar, Anno und Madalwin. Im Jahre 833, zur Zeit Annos, gab Ludwig der Deutshe der Passauer Kirche einen Besitz im Awarenland, den früher Theoderich innegehabt hatte, im Ort Litaha an der Quelle Schönabrunn. Litaha wurde mit Deutsch Haslau oder Potzneusiedl gleichgesetzt. Noch 1252 gehörte Deutsch Haslau der Bischofskirche in Passau. Potzneusiedl wurde noch im 17. Jahrhundert "Layta" genannt. Die uralte Kirche von Königsbrunn auf dem Hotter von Bruckneudorf könnte mit diesem Passauer Besitz in Verbindung stehen. Der Ort wurde 1074 urkundlich erwähnt. Dem archäologischen Befund nach könnte die Kirchenruine in das 9. Jahrhundert zurück gehen. Auch bezüglich des Königshofes bei Kaisersteinbruch wurde über eine karolingerzeitliche Gründung spekuliert. Dem Chorbischof Alberich wurde im Jahre 859 von Ludwig dem Deutschen 10 Mansen am Nussbach, zwischen den Gütern des Amalger und des Waltilo bei Odinburch geschenkt. Rittsteuer machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass später, nachweislich seit dem 13. Jahrhundert, Kroisbach im Eigentum des Raaber Bischofs war. Er vermutete, dass Odinburch zumindest zeitweise auch Sitz des Chorbischofs war. Letzter bekannter Passauer Chorbischof war Madalwin, der 903 den Passauer Vögten Ratolf und Alperich 9 Hufen in "Lilienbrunn" übergab und dafür Besitzungen in Ober- und Niederösterreich erhielt. Ebenfalls als Tauschobjekt dienten insgesamt 56 Bücher, für die damalige Zeit eine riesige Bibliothek und ein unermesslicher Schatz. Die Lage des Ortes ist unbekannt.
Eichstätt und Regensburg
Regensburg und Eichstätt waren mit Sicherheit ebenfalls missionierend im Ostland tätig. Besonders interessant ist dabei die Regensburger Traditionsnotiz zum Jahre 808, sozusagen die älteste das Burgenland betreffende Urkunde mit konkreten Ortsangaben. Wirut, Gisiselmar und Wentilmar schenkten dem Kloster St. Emmeram in Regensburg das Gebiet von Wolfsbach, heute nahezu ohne Widerspruch mit Mattersburg und dem Gebiet an der Wulka identifiziert. Die "Geschwister von Mattersburg", die keine awarischen oder slawischen Namen tragen, müssen also schon kurz nach der Eroberung des Awarenreiches Christen gewesen sein. Etwa 200 Jahre später, nach der magyarischen "Landnahme" und der Christianisierung der Ungarn, wird ein Regensburger Besitz im Ort "Stederach vocata, prope Ungariam sita" (Stederach genannt, nahe bei Ungarn gelegen). Der damalige Regensburger Bischof Gebhard tauschte ein in Stederach gelegenes Jagdgebiet gegen einen Königshof im Nördlinger Ries. Der Tauschpartner war Bischof Megingaud von Eichstätt, ein passionierter Jäger. Er war außerdem mit Kaiser Heinrich II. verwandt - und dessen Schwester Gisela, Gemahlin König Stephans I. von Ungarn. Gisela brachte auch zahlreiche Gefolgsleute nach Ungarn mit und setzte sie in den Gütern an der Westgrenze ein. Interessant ist, dass sich dann die Schenkung von 1202 räumlich weitgehend mit dem Gebiet von 808 deckt. 1202 übergab König Emmerich dem Woiwoden Benedikt das Dorf Mattersburg, das sein Vater Bela III. von der Kirche von Buda gekauft hatte. Es könnte sein, der Besitz Regensburgs/Eichstätts an das von König Stephan gegründete Kapitel von Buda gekommen ist. Es wäre durchaus möglich, dass nach der Christianisierung Ungarns die bayerischen Bistümer und Klöster ihre früheren Besitzungen in Ungarn wieder in Anspruch nahmen. Eichstätt hatte vielleicht auch schon andere Besitzungen im Raume Mattersburg. Rittsteuer vermutet, dass die Schenkung im Jahre 874 am Flusse Valpo, 100 Mansen, die von Priwina oder Kozel an Eichstätt unter Bischof Othar erfolgte, ebenfalls an der Wulka zu suchen ist. Eine Regensburger Urkunde aus dem Jahre 846 bezeugt die Schenkung von 100 Mansen durch Ludwig dem Deutschen an Priwina, "iuxta fluvium Volchau". Mit Volchau bzw. Valpo könnte die Wulka gemeint sein. Rittsteuer vermutet, dass auch Stradach - Stöttera ein Eigenbesitz Kozels war. Rittsteuer knüpft weitgehende Spekulationen über eine Mission an einen größeren Eichstätter Besitz im Wulkatal, wobei die Willibaldkirche in Marz Anlass gibt. Diese wird zwar erst sehr spät, im Jahre 1456, erwähnt, 1641 wurde aber anlässlich einer kanonischen Visitation von einer herrlichen Kirche berichtet, die vor 900 Jahren vom Bischof Willibald von Eichstätt errichtet und später ihm zu Ehren geweiht worden sein soll. Natürlich ist es problematisch, ohne die geringsten schriftlichen Zeugnisse eine mündliche Überlieferung über 900 Jahre anzunehmen. Rittsteuer bringt folgende Überlegungen ins Spiel: Der Pfarrer zur Zeit der Visitation war ein Sebastian Abelshauser, ein Bayer, der vielleicht über die uralte Willibaldtradition aus Regensburg Nachricht hatte. Eine Missionsreise Willibalds ins Ostland ist freilich nicht belegt. Eine Beziehung zu Niederaltaich wäre ebenfalls möglich. Dort wurde der Heilige Mauritius verehrt. Der Ortsname Marz ist aber mit Sicherheit von Mauritius abzuleiten ( 1202 Mouhruc, 1225 Maurich, usw.) Rittsteuer spinnt den Faden der Vermutungen weiter. 753 hat der bayerische Herzog Tassilo dem Kloster Niederaltaich ein "predium in Puttynga" geschenkt. Es könnte sich dabei um Putyim oder Punghina (abgekommener Ort bei Sigleß) gehandelt haben. Die Schenkung und die Errichtung einer Missionsstation in dieser frühen Zeit, als das Awarenreich noch mächtig war, könnte natürlich nur mit Zustimmung der Awaren erfolgt sein ...


Cyrill und Method
Aber nicht nur Salzburg war an Pannonien interessiert. Als im Oktober 848 in Regensburg König Ludwig der Deutsche an Priwina die bisherigen Lehensgebiete als Eigen übertrug, wurden ausdrücklich die Schenkungen an Salzburg ausgenommen. Anwesend waren auch die Bischöfe Erchanbert von Freising, Erchanfrid von Regensburg und Hartwig von Passau. Alle diese Bistümer und die Klöster aus ihrer Diözese waren an der Ostmission ebenfalls beteiligt, etwa Kloster Niederaltaich in Mospurc. Die Weihe von Stefanskirchen, etwa in Stöttera, deutet auf Einflüsse Passaus hin.
Unter Priwinas Sohn und Nachfolger Chozil wurde die Mission intensiv fortgesetzt. Er unterstützte die Kirche durch Landsschenkungen und Betrieb selbst den Bau von Gotteshäusern. Erzbischof Adalwin von Salzburg hielt sich im Winter 864/65 und dann wieder im Sommer 1865 in Mospurc auf und weihte dabei 11 Kirchen. Allerdings standen diese Aufenthalte schon im Zusammenhang mit der ernsten Bedrohung, die für das Salzburger Missionswerk von den Missionaren aus dem byzantinischen Bereich ausging. Seit 863 wirkten Konstantin und Method in Mähren und hatten dort große Erfolge. In der "Conversio", dem Erfolgsbericht Salzburgs zur karantanischen und pannonischen Mission heißt es: Der Erzpriester Rihpald hätte in Pannonien durchaus erfolgreich gewirkt, "bis irgendein Grieche namens Methodius mit neu erfundenen slawischen Buchstaben die lateinische Sprache, die römische Lehre und die authentischen lateinischen Buchstaben nach Philosophenart verdrängte und so erreichte, dass vom ganzen Volk zum Teil die Messen und die Verkündigung der Evangelien, vor allem aber der kirchliche Dienst jener, die ihn auf Lateinisch durchgeführt hatten, gering geschätzt wurden. Das konnte jener (Rihpald) nicht ertragen und kehrte an den Salzburger Sitz zurück." 870 Warum wandte sich Kozil von Salzburg ab und erlaubte den beiden "Slawenlehrern" auf ihrem Weg nach Venedig den Aufenthalt in Mosapurc? Er hatte vom Erfolg der Brüder in Mähren gehört und war wohl auch von deren Bildung beeindruckt. Vielleicht war er auch enttäuscht über die Übertragung großer Besitzungen aus dem Eigengut Priwinas an die Salzburger Kirche (300 Hufen in Zalabér).Entscheidend war aber wohl die Aussicht der Loslösung aus der fränkischen Kirchenorganisation. Der "Glagolica", der neu erfundenen Schrift, wird große Bedeutung zugemessen, da sie die Abkehr von der westlichen Kultur demonstrierte. Die gesamte Messe wurde ebenfalls in der slawischen Sprache gehalten, was natürlich den Zugang der Bevölkerung zum Christentum erleichterte. Auch Teile der Bibel wurden ins Slawische übersetzt. Slawische Geistliche wurden ausgebildet. Papst Nikolaus I. trug keine Bedenken, das Wirken der beiden Missionare zugunsten des päpstlichen Primatsanspruches einzusetzen, auch gegen den fränkischen Klerus und die Salzburger Kirche. Sein Ziel war offenbar die direkte Unterstellung Pannoniens unter Rom. Dieses Ziel verfolgte auch sein Nachfolger Hadrian II. Nach dem Tod Konstantins/ Kyrills in Rom übernahm offenbar Kozil die Initiative und erbat vom Papst die Entsendung Methods zur Fortsetzung der Mission. Hadrian II. ernannte Method zum Erzbischof Pannoniens. Sitz war Sirmium, das allerdings im Machtbereich der Bulgaren lag und daher für Method nicht erreichbar blieb. Zur neuen Kirchenprovinz gehörte auch das Fürstentum Mähren. Die Päpste und die slawischen Fürsten wandten sich also gemeinsam gegen die fränkische Reichskirche und negierten die großen Erfolge, die vor allem Salzburg bereits erzielt hatte. Bald sollte sich aber zeigen, dass sowohl Method wie auch Kozil lediglich Spielbälle der pästlichen Interessen waren.
1870 wurde Ratiszlav von Mähren von seinem Neffen Zwentibold gestürzt und an die Franken ausgeliefert. Dabei geriet auch Method in fränkische Gefangenschaft. Im Rahmen einer Bischofssynode in Regensburg wurde Method zu Klosterhaft in Schwaben verurteilt. Papst Hadrian war nicht bereit´, das gute Einvernehmen mit Ludwig dem Deutschen aufs Spiel zusetzen. Method war inzwischen unbequem geworden. Der nächste Papst Johannes VIII. sorgte dann für die Freilassung Methods. Dieser kehrte zwar nach Pannonien zurück, hatte aber gegenüber den bayerischen Missionaren, die ihre Arbeit wieder aufgeno´mmen hatten, keinen Einfluss mehr. Auch Kozil war nun gegenüber den Mährerfürsten auf die fränkische Unterstützung angewiesen. Kozil starb bald darauf (oder fiel gegen die Mährer). Das Fürstentum hörte auf zu bestehen, das Fürstentum wurde dem bayerishen Ostland eingegliedert und Grenzgrafen unterstellt. In den Kriegen mit den Mährern wurde das Ostland jedoch in den Jahren 883/84 von mährischen Truppen total verwüstet. Arnulf von Kärnten übertrug den Schutz des Landes 896 Fürst Brazlavo von Sisek, fiel jedoch einige Jahre später gegen die Magyaren. Diese hatten im Bündnis mit Arnulf in Oberitalien gegen König Berengar gekämpft. Nach dem Tod des Kaisers fühlten sie sich nicht mehr an das Bündnis gebunden und verwüsteten auf der Rückkehr aus Italien das Gebiet um den Plattensee. Die Missionsarbeit brach zusammen, wie Erzbischof Theotmar an Papst Johannes IX. berichtete. Method hatte in Mähren Zuflucht gefunden und verlor am Fürstenhof gegenüber Bischof Wiching von Neutra, der die westliche Richtung vertrat, an Einfluss. 885 starb Method und Wiching setzte die Vertreibung seiner Schüler durch. Mit der Niederlage gegen die Ugarn bei Pressburg 907 endete der direkte Einfluss der fränkisch-bayerischen Kirche.

Die Bezeichnung „GroBmâhren" bzw. „GroBmâhrisches Reich" ist problematisch. Sie geht auf den byzantinischen Kaiser und Historiographen Konstantin Porphyrogenetos zurück, der in seinem Werk „De administrando imperii" von einer „megále Moravia" spricht. Konstantin meinte damit freilich nicht das „groBe" sondern das „alte", zu seiner Zeit nicht mehr bestehende Mahren. Es galt lange als sicher, dass der Kern des Mahrischen Reiches im heutigen Mahren und der Slowakei lag, wo im Gebiet der March/Morava groBe befestigte Siedlungen wie Mikulëice oder Staré Mesto und zahlreicher Ringwallanlagen auf Machtzentren des Frühmittelalters hinweisen. Der Historiker Imre Boba trat hingegen für eine Lokalisierung Mâhrens bzw. Moraviens im heutigen Serbien aus, wo der hl. Methodius als Erzbischof seinen Sitz in Sirmium, dem heutigen Sremska Mitrovica (westlich von Belgrad/Beograd) hatte. Auch dort gibt es einen Fluss Morava und den Namen Moravien. Bobas Thesen wurdebn von Charles Bowlus weiter ausgebaut. Martin Eggers hingegen lokalisierte das Mährerreich östlich der Theiß. Die überwiegende Mehrheit der Historiker und hält aber an der Lokalisierung im Raum Mâhren-Slowakei fest.


Literatur:

  • Dopsch, Heinz: Zwischen Salzburg, Byzanz und Rom. Zur Missionierung Pannoniens im 9. Jahrhundert. 2002
  • von Bogay, Thomas: Die Salzburger Mission in Pannonién aus der Sicht der Archâologie und Namenkunde. In: Salzburg und die Slawenmission, 273-290.
  • Sós, Ágnes Cs.: Die slawische Bevölkerung Westungarns im 9. Jahrhundert (Münchner Beitráge zur Vor- und Frühgeschichte 22) München 1973
  • Wolfram, Herwig: Salzburg, Bayern, Österreich. Die Conversio Bagoariorum et Carantanorum und die Quellén ihrer Zeit (MIÖG Erganzungsband 31) Wien 1995.
  • Rittsteuer, Josef: Kirche im Grenzraum
pfeil top

pfeil top