Die Unterwerfung des Awarenkhagans unter die Frankenherrschaft bedeutete noch nicht das Ende jeglichen Widerstandes. 799 fielen zwei fränkische Große, Gerold I., ein Schwager Karls d.Gr., und Graf Erich von Friaul; drei Jahre später, 802, fanden erneut zwei fränkische Grafen mit vielen anderen im Kampf gegen die Awaren den Tod. Diese Auseinandersetzung ist besonders interessant, denn sie fand "ad castellum Guntionis" , also bei der Burg des Guntio, statt. Zwar wird die früher übliche Gleichsetzung dieses Kastells mit Güns heute - vor allem aus sprachwissenschaftlichen Gründen - überwiegend abgelehnt. Aber es besteht kein Zweifel, daß der Sitz dieses germanischen Guntio im westungarisch-burgenländischen Raum und damit innerhalb der Grenzen des früheren Awarenreiches lag. Wolfram vermutet den Sitz des Guntio eher im Nord- als im Südburgenland.

"Wichtig aber ... scheint mir die Tatsache zu sein, dass mitten im Awarenreich bereits 802 eine Burg existierte, die nach ihrem germanischen Besitzer benannt wurde. Diese Namensgebung, die bis jetzt viel zu wenig beachtet wurde, besitzt interessante Gegenstücke, die beweisen, dass im Awarenreich germanische Traditionen fortlebten. Oder mit anderen Worten, es gab auch germanische Awaren."

 
Herwig Wolfram, Der Raum der Güssinger Herrschaft in der Karolingerzeit. In: Die Güssinger. Wissenschaftl. Arbeiten aus dem Burgenland 79, S.6

Wolfram hält es also nicht für unmöglich, daß es sich bei Guntio um einen jener Adeligen germanischer Herkunft handelt, die unter awarischer Herrschaft ihre Position behauptet hatten. Die Quellen berichten auch von einem "Awaren" mit gepidischem oder suebischen Namen, der zu den Franken überging. Ebenfalls bei Wolfram findet sich die Andeutung, dass auch jene drei "Mattersburger" Geschwister Wirut, Gisilmar und Wentilmar, die 808 ihren Besitz vom Ort Wolfsbach bis zur Wiesach, von da bis zum Winterbach...an das Kloster St. Emmeran in Regensburg übergaben, dieser Gruppe angehörten. Wirut ist nicht germanisch, wohl aber die Namen der beiden anderen, ihres Vaters und auch ihres Dieners, den sie ebenfalls Regensburg schenkten. Es könnte sich durchaus um alteingesessene Personen, die die Awarenherrschaft überdauerten, gehandelt haben.


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