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Der Ortsname Ruodolvesdorf ist vom deutschen Personennamen Rudolf abzuleiten. 1391 scheint Rudersdorf unter der magyarischen Bezeichnung „Radofalva“ in der von König Sigismund für Ladislaus von Sáró ausgestellten Urkunde auf.

Weitere Erwähnungen des Ortes:

  • 1427 Radolfalwa
  • 1451, 1538, 1570. 2576 und 1588 Radafalwa
  • Ruderstorff 1638.

Schon 1336 war in Rudersdorf ein Dreißigstamt, eine Grenzzollstätte. Zu Rudersdorf gehörten neun Filialdreißigstämter. Nach dem Urbar von 1576 gab es in Ort zwei Dreißigerhäuser, die der Grunbdherr bauen ließ. Zu dieser Zeit hatten die Batthyany offenbar den Dreißigst gepachtet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Dreißigstamt aufgelassen.

Ein großes Problem waren im Laufe der Geschichte die immer wieder auftretenden schweren Überschwemmungen durch Lahnbach und Lafnitz. Erst in den 1960er Jahren wurden die Flussläufe begradigt. Besonders die Lahn wurde im Ortsbereich radikal begradigt. Sie dient als Entlastungsgerinne bei Hovhwasser. Die Lafnitz wurde nur unterhalb der Fritzmühle reguliert. Oberhalb der Mühle blieben die Mäanderbis Deutsch Kaltenbrunn erhalten.

Hauptort

Rudersdorf im Mittelalter

Im Stiftsbrief der Güssinger Benediktinerabtei von 1157 werden die Bewohner des Lafnitztales "Theotonici", also als Deutsche, bezeichnet. Eine Urkunde Andreas III. aus dem Jahre 1291 nennt das Grenzgebiet zur Steiermark "terra Hospitum", Gebiet der (deutschen) Gäste. Rudersdorf gehörte im Mittelalter zum Komitat Deutsch Kaltenbrunn, dann zu Burg und Herrschaft Güssing. Als Standort eines Dreißigstamtes hatte der Ort auch wirtschaftliche Bedeutung. Von 1270 bis 1327 waren die Güssinger die Grundherrn. Als sich Iwan II. gegen Karl Robert von Anjou auflehnte wurde er vom königlichen Feldherrn Alexander Köcsky 1319 bei Zalafö und 1327 bei Güns besiegt und musste die meisten Burgen, darunter auch Güssing, übergeben. Bis 1391 unterstand die Herrschaft und damit auch Rudersdorf der ungarischen Krone.

Im Jahr 1391 übergab König Sigismund (1387-1437) seinem Feldherrn Ladislaus von Sáró für besondere Verdienste die Burg Güssing samt Herrschaft. Zu dieser Herrschaft gehörten außer dem Markt Güssing noch 26 Dörfer, darunter auch Rudersdorf. Ladislaus von Sáró fiel 1396 in der Schlacht von Nikopolis gegen die Türken. Peter von Sáró nannte sich Cheh de Léva war Oberstallmeister Sigismunds, kämpfte gegen Hussiten und Türken und war Mitwojwode von Siebenbürgen. Sein Sohn Ladislaus Cheh de Léva stand auf der Seite des Gubernators Johann Hunyadi in den Grenzkämpfen gegen Friedrich III. Er erhielt die Zolleinnahmen von Rudersdorf und anderen Mautstellen und hatte das Recht, Münzen zu schlagen. 1455 unternahmen Andreas Baumkircher und Berthold von Ellersbach gegen ihn einen Feldzug. Sie eroberten Güssing und nahmen Peter und seinen Sohn Johann gefangen. Die hohen Lösegelder zwangen sie, weite Teile ihres Besitzes zu verpfänden, unter anderem an Nikolaus Ujlaky.

1459 unterstand Güssing dem ungarischen Magnaten Nikolaus Ujlaky und später seinem Sohn Lorenz. Nikolaus Ujlaki war 1459 zusammen mit anderen hohen Adeligen auf Burg Güssing an der Wahl Kaiser Friedrichs III. zum Gegenkönig beteiligt. Dann schloss sich Nikolaus Ujlaky aber Mathias Corvinus an. Lorenz Ujlaky stand im Gegensatz zu Ladislaus II., der den Krieg gegen ihn eröffnete. Lorenz zug sich nach Güssing zurück, musste sich aber schließlich unterwerfen und eine hohe Summe Kriegsentschädigung zahlen. Im Unterwerfungsvertrag musste er den Rückfall seiner Güter an die Krone nach seinem Tod zugestehen. Er starb 1524.

Frühe Neuzeit - unter der Herrschaft der Batthyány

Als Lorenz Ujlaky im Jahre 1524 starb, übertrug König Ludwig II. die an die Krone zurückgefallenen Güter von Güssing Franz Batthyány zund dessen Neffen Christoph Batthyány. Von König Ferdinand bekam er auch die Herrschaften Schlaining und Rechnitz. Damit begann die lange Herrschaft unter dem Geschlecht der Batthyány. Franz Batthyany huldigte 1532 den Türken, konnte damit aber nicht die Verwüstung zahlreicher Dörfer verhindern. 1538 wurden in den Steuerverzeichnissen 8 Porten und 10 Pauperes erfasst. 1549 waren es 12 Porten, 8 Söllner der Richter, zwei Briefträger, drei neue Häuser und eine Mühle. 1555 wird erwähnt, dass in den Jahren zuvor spanische Soldaten das Dorf zur Gänze niederbrannten. Franz folgte Christoph und 1556 Balthasar Batthyány (1543 - 1590). Aus seiner Zeit stammt das älteste Urbar (1576) mit einer Liste der Hofinhaber und einem Abgabenverzeichnis. Es gab ganze und halbe sowie einige Viertelsessionen. Die Familiennamen sind durchwegs deutsch. Eine ganze Session umfasste 16 Joch Acker und Wiesen für 6 Fuhren Heu. Die Mühle hatte drei Gänge und einen vierten Gang als Stampfe. Im Dorf gab es zwei Dreißiger - Häuser.

Die Zahl der Lehensbauern betrug 1576 33, 1634 41, 1648 46 und 1691schon 60. Die Zahl der Söllner stieg von 6 1549 auf 15 im Jahre 1691. Im Jahre 1648 wurden bereits 7 Söllnerhäuser in den "Bergen" gezählt. Die Einwohnerzahl war zur Zeit der Türken- und Kuruzzenkriege gering. 1643 waren es 326, 1666 314 und 1691 225. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden bereits mehrere Handwerker verzewichnet: Zimmerleute, Binder und Schmiede.

Unter Christoph Batthyany, seiner Gemahlin Elisabeth Svetkovics und unter Balthasar Batthyany fasste der Protestantismus Fuß. In den Dörfern wurden evangelische Geistliche eingesetzt. Franz II. Batthyany (1590 - 1625) stellte sich in den Bocskay-Wirren gegen die Ungarn.1605 wurden nahezu alle seiner Dörfer zerstört. 1608 ist in Rudersdorf nur ein Hof verzeichnet, alle anderen sind als niedergebrannt verzeichnet. Im Bethlen-Aufstand schloss er sich den Ungarn an. Den einfallenden Österreichern fiel auch Rudersdorf zum Opfer. 8 Häuser waren abgebrannt. Die Batthyany bekannten sich zum Kalvinismus, den sie auf ihren Gütern förderten. Aus der Steiermark wurden vertriebene Evangelische aufgenommen, in den zerstörten Dörfern wurden Kroaten angesiedelt. Adam Batthyany (1609 - 1659) trat 1630 zum Katholizismus über und ließ die evangelischen Geistlichen vertreiben.

Neben den Sessionsbauern gab es in Rudersdorf auch immer wieder "Liberi" also von den Abgaben und Robot befreite. 1576 wird Frau  Peter Kohorn mit eineinhalb Ansässigkeiten als liber erwähnt. 1588 hatten Christoph Tompa und 1599 auch der Adelige Janos Nepy eine halbe freie Session, Bybolt Czirphus eine ganze Session. Der Adelige Franchich, Verwalter der Batthyany, sogar zwei freie Sessionen. Die Familie Unger stieg im Dienste der Herrschaft auf , kaufte sich frei und wurde in den Adel erhoben.1648 war Michael Unger mit eineinhalb Sessionen Verwalter. 1658 wurden Adam, Johann und Andreas Unger als Adelige erfasst. Einen ähnlöichen Aufastieg erlebten die Familien Monsain und 1658 Christoph Naringer. 1691 hatte Gottfried Klain eine freie Session und war Pfandinhaber von 10 Viertelsessionen.

Der Bauigel-Streit

Im Jahre 1641 begann zwischen ihm und der Stadt Fürstenfeld der "Bauigl-Streit". Die sehr ertragreichen "Bauigl"-Gründe lagen am rechten Ufer der Lafnitz auf steirischer Seite und gehörten teilweise dem Malteser-Ritterorden und der Stadt Fürstenfeld. Die Bauigel-Gründe waren sehr ertragreich. Angeblich gaben sie 1000 Fuder heu und Grummet. 1640 beanspruchte Adam Batthyany das Gebiet und ließ durch seine Husaren die Fürstenfelder vertreiben. Die Stadt Fürstenfeld schickte den Ratsherrn Georg Woyda zum Kaiser nach Regensburg und beschwerte sich. Oberhofmeister Trautmannsdorf versprach, die Stadt zu unterstützen. Einen kaiserlichen Befehl befolgte Batthyany aber nicht. Infolge eines gewaltigen Hochwassers im Jahre 1641 veränderte die Lafnitz ihr Flussbett derart, dass ein beträchtlicher Teil der "Bauigl"-Gründe durch Abrisse zugunsten Ungarns "verlorenging". Batthyany verleibte nun das Gebiet der Herrschaft Güssing ein und berief sich dabei darauf, dass die Lafnitz die Grenze bildete. Nun begann ein Rechtsstreit um die "Bauigl"-Gründe, der 78 Jahre andauern sollte. Nach verschiedenen Gewalttätigkeiten von beiden Seiten kam es 1672 zu einem Vergleich. Die Fürstenfelder konnten die Bauigelgründe pachten. 1701 versuchte eine landesfürstliche Kommission den Dtreit zu beenden., 1718 war eine Grenzregulierungskommission tätig. Um diesen Querelen endlich ein Ende zu setzen, 1719 der "Bauigel-Kontrakt" geschlossen. Es wurden an der steirischen Grenze Grenz- Meilensteine aufgestellt, Fischereirechte und die Pflichten zur Regulierung der Lafnitz wurden vertraglich geregelt.

Von 1590-1625 war der Freiherr Franz II. Batthyány Besitzer von Güssing.  Er besaß zwanzig Häuser in Rudersdorf. Seit 1634 gab es in Rudersdorf eine Meierhof mit einem Getreidespeicher und einer Scheune. 1648 scheinen im Abgabenverzeichnis auch Gestütsstallungen auf. Nach dem Tod von Adam I. Graf Batthyány teilten im Jahre 1662 seine beiden Söhne Christoph und Paul den Besitz auf, wobei Paul sich das Gut behielt. 1683 huldigte Christoph Batthyány Tököly und den Türken. Die Batthyanyschen "Rebellen" wurden von den Steirern verfolgt, Rudersdorf und Deutsch Kaltenbrunn wurden von ihnen niedergebrannt. Nach dem Scheitern der Belagerung von Wien wurde Batthyany wieder in Gnaden aufgenommen und nahm an der Verfolgung der Türken teil. Auf Christoph Batthyány folgten Franz und Sigismund. Im Rakoczy - Aufstand kam es erneut zu schweren Verwüstungen. Rudersdorfer und Dobersdorfer raubten auf steirischem Boden, die Steirer nahmen Rache, plünderten das Dorf aus und brannten es nieder. Aber auch die Kuruzzen überfielen die Dörfer und trieben Pferde und Rinder weg. Nur die Rinder konnten für ein Lösegeld zurückbekommen werden. Vor Weihnachten 1705 tauchten erneut Kuruzzen auf. Ein Angriff auf Fürstenfeld unterblieb zwar, die Dörfer hatten aber erneut schwer zu leiden.

Nach dem Urbar von 1750 umfasste die Herrschaft Güssing 55 Orte. In Rudersdorf gab es 76 Untertanen mit einer halben Ansässigkeit. Sie Hatten 19 einhalb Tage Zugrobot oder 59 Tage Handrobot zu leisten. 22 Söllner hatten ein Haus, 9 Söllner waren ohne Haus. Sie mussten einen halben Klafter Brennholz liefern und 2 Gulden 12 einhalb Kreuzer an Hausgeld zahlen.Sie besaßen je 8 einhalb Joch Acker und 4 Tagwerk Wiesen. So wie in anderen Dörfern der Herrschaft gab es auch in Rudersdorf in der zweiten älfte Hälfte des 18. Jahrhunderts

Hälfte des 18. Jahrhunderts Widerstand gegen die Grundherrschaft, vor allem gegen die erhöhten Robotleistungen, den Ausbau der Meierhofwirtschaft und die Einschränkung der Weide- und Waldrechte. Die Urbarialreform des Jahres 1766 brachte einige Erleichterungen.

Die Zersplitterung des Batthyánischen Besitzes wurde durch Aufteilung eingeleitet. Das Rudersdorfer Gut wurde 1774 Emmerich Batthyàny vererbt. Der letzte Besitzer war Graf Stephan Batthyány.

Das "Schloss" von Rudersdorf

Das "Schloss" in Rudersdorf entstand aus einem herrschaftlichen Gutshof. 1750 ließ Graf Emmerich Batthyany ein Herrenhaus mit einem Meierhof errichten. Es hatte auch eine Privatkapelle. Stephan Batthyany verkaufte Äcker an Rudolf Fink, der das "Fink-Haus" im Jugendstil erbauen ließ, und das "Schloss" an den Notar Dr.Florian Fischer aus Wien, dieser verkaufte dann an die Grafen Kornisch, die um 1890 an den beiden Enden des Gebäudes Türme anfügen ließen. Danach kam das Gebäude in den Besitz des Generals Smrecsanyi, dann an einen Leutnant Breiner. Von ihm übernahm es der Offizier Hans Mansfeld,der darin eine Anstalt für minderbegabte Kinder errichtete. Das Gebäude kam in den Besitz der St.Gottharder Sparkasse und stand längere Zeit leer. Nach dem Ersten Weltkrieg kauften Schloss und Gut die Firma August Sattlers Söhne, die das Gebäude erweiterten und 1920 eine mechanische Leinenweberei einrichteten.

Rudersdorf im 19. Jahrhundert

Neben der Landwirtschaft gewannen zunehmend andere Erwerbszweige an Bedeutung, 1869 wurden 291 "Knechte", 81 Taglöhner, aber schon 326 Arbeiter in der Industrie erfasst.Nur 5 Bewohner waren in Handel und Transport beschäftigt. Im Zuge der Grundablöse wurden die herrschaftlichen Äcker kommassiert. 1863 wurde die Grundablöse mit der Grundzuweisung abgeschlossen.

Die Verarmung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drängte viele Rudersdorfer zur Auswanderung. Andere nahmen Arbeit in den Industriebetrieben an. In den Tabakfabriken von St. Gotthrad und besonders von Fürstenfeld arbeiteten viele Mädchen aus Rudersdorf. In der Fürstenfelder Fabrik waren bis zu 2000 Personen beschäftigt.

Die Magyarisierungsbestrebungen hatten angesichts der engen Verbindungen zur Steiermark nur mäßigen Erfolg. 1881 erhielt Rudersdorf ein Postamt, 1901 einen Gendarmerieposten. Neben der Feuerwehr entstanden einige Vereine, etwa ein Gesangsverein und ein "Römisch katholischer sozialer Damenverein". 1914 wurde eine elektrische Straßenbeleuchtung eingefürt. Den Strom lieferte Johann Fritz (Fritzmühle).

Im Ersten Weltktirg dienten die meisten Rudersdorfer im Infanterieregiment 83 in Steinamanger und im Honved-Regiment Nr.18 in Ödenburg. Die Menschenverluste im Krieg waren hoch: 43 Gefallene, 40 Vermisste und 120 Verwundete.

So wie in vielen Dörfern des späteren Südburgenlandes war auch in Rudersdorf die Bereitschaft für einen Anschluss an die Steiermark groß und wurde durch die Tätigkeit deutschnationaler Kreise, etwa um Karl Wollinger in Heiligenkreuz, gefördert. Im Dezember 1918 forderte die Gemeinderepräsentanz den Notar Salamon Gyula auf, alle Gemeindeangelegenheiten - schriftlich und mündlich - in deutscher Sprache durchzuführen. Am 28. August - nach dem Ende der Rätezeit - protestierte die Gemeinderepräsentanz gegen die Bildung einer sozialistischen Regierung und erklärte, dass sie nur eine auf christlich-demokratischer Basis stehende Regierung anerkennen würde. Am 2. November 1919 wurde die deutsche Protokollsürache eingeführt und die Verhandlungen des Gemeindeausschusses ausschließlich in deutscher Sprache geführt.

In der Freischärlerzeit war eine Truppe im katholischen Pfarrhof stationiert. Es kam zu mehreren Übergriffen, etwa auf eine Hochzeitsgesellschaft in Dobersdorf und auf eine Ballveranstaltung im Gasthaus Schabhüttl in Rudersdorf. Es gelang den Freischärlern aber nicht, die Kontakte zur Steiermark zu unterbinden. Proösterreichisch Gesinnte konnten in Fürstenfeld Zuflucht finden. Während des Einmarsches der österreichischen Gendarmerie am 28. und 29 August 1921 erreichte die Kolonne 10 Rudersdorf, wo sie sich teilte. Eine Gruppe rückte in Richtung Heiligenkreuz vor, eine zweite in Richtung Güssing. Sie erreichte Kukmirn und übernachtete in Gerersdorf. Nach einem Überfall der Freischärler auf die Gruppe Heiligekreuz musste sich auch hier die Gendarmerie über die Grenze zurückziehen.

Interessant ist, dass die Gemeinderepräsentanz den Anschluss an Österreich durch eine "Volksabstimmung" aller Gemeindebürger entscheiden lassen wollte. Diese wurde auf 5. Oktober 1921 festgesetzt, fand dann aber anscheinend nicht statt. Im Mai 1926 wurde gegen den Protest der Gemeinde der Verwaltungssekretär Julis Salamon nach Eisenstadt versetzt. Angeblich hatte er auf einer Bürgermeisterversammlung sich in einer Weise geäußert, die ihm als Beleidigung der Landesregierung ausgelegt wurde.

Zwischenkriegszeit

Die wirtschaftliche Situation war nicht ganz so dramatisch wie in vielen anderen Dörfern, da viele Rudersdorfer Arbeit in der Textilfabrik Sattler und in der Tabakfabrik Fürstenfeld hatten. Vor allem in der jüngeren Generation war aber die Unzufriedenheit groß und die nationalsozialistische Propaganda fand schon früh Widerhall. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten trat im Feber 1939 Bürgermeister Karner zurück. Nachfolger wurde Johann Winter. Ortsgruppenleiter war Karl Springer. Der Kirchenplatz wurde in Adolf Hitler-Platz umbenannt.

Während des Krieges waren zwangsverpflichtete Frauen aus Belgien in der Weberei Sattler tätig, französische Kriegsgefangene waren in den Überresten der Zigeunersiedlung untergebracht. Fürstenfeld war vom Bombenkrieg betroffen, vereinzelt fielen Bomben auch auf das Gebiet von Rudersdorf. Im Winter 1944/45 wurden Panzergräben und Panzersperren am südlichen Ortseingang errichtet. Die Russen umgingen diese und drangen über die Berghäuser in den Ort ein. Während der Kampfhandlungen gingen einige Häuser in Flammen auf. Die Bevölkerung wurde nach Poppendorf und Heiligenkreuz evakuiert. Ihre Häuser wurden ausgeraubt. Es kam auch in Rudersorf zu zahlreichen Übergriffen gegen die Bevölkerung, besonders die Frauen hatten zu leiden. Im Ort wurde eine russische Kommandantur errichtet. Die Russen setzten Romuald Schabhüttl als Bürgermeister ein. Dieser musste jedoch bald auf Anordnung der Bezirkshauptmannschaft, vermutlich auf Druck der Besatzungsmacht, zurücktreten.

Die Auswanderung hatte schon vor dem Krieg begonnen. 1901 bis 1912 wanderten 16 Männer in die USA aus, 1927 gingen drei Familien nach Argentinien. Nach Kanada wanderten 12 Personen aus. In den 1920er Jahren nahm die Auswanderung zu, insgesamt 46 Personen sind als Auswanderer bekannt.

Die Rudersdorfer Zigeunersiedlung befand sich dort, wo heute der Sportplatz ist. Die Siedlung bestand aus 15 Häusern und hatte etwa 80 Bewohner. Die Errichtung weiterer Zigeunerhäuser wurde von der Gemeinde untersagt. Die Frauen arbeiteten zeitweise als Taglöhnerinnen, die Männer als Musiker. Die Roma wurden deportiert, kein einziger kehrte zurück.1942 wurde die Siedlung von der Gemeinde übernommen und als Quartier für französische Kriegsgefangene benützt. Nach dem Krieg wurde sie mit Hilfe der Russen eingeebnet.

Rudersdorf nach 1945

Bereits gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bekam Rudersdorf einen der zahlreichen Luftangriffe der alliierten Mächte zu spüren. Beim Rückflug vom Bombardement in Wiener Neustadt rissen blindlings abgeworfene Bomben riesige Krater entlang der Gartenäcker. Gott sei Dank kam dabei niemand zu Schaden. Die Volksschule steht heute dort, wo sich einer der großen Bombentrichter befand. Im Herbst 1944 wurde an der burgenländischen Ostgrenze mit dem Bau des Südostwalles zum Schutz gegen die herannahenden Russen begonnen. Im Winter desselben Jahres wurde im südlichen Ortsende von Rudersdorf ein Panzergraben mit Panzersperren errichtet. Doch die Front der Roten Armee kam immer näher und erreichte Ende März 1945 Heiligenkreuz. Im April 1945 stand Rudersdorf bereits mitten im Kampfgebiet zwischen der russischen Armee und dem deutschen Heer. Die deutschen Truppen zogen sich nach Fürstenfeld zurück, die Russen umgingen den Panzergraben und kamen über die Rudersdorfer Berge ins Dorf. Während der Kampfhandlungen gingen einige Häuser in Flammen auf. Die Bevölkerung wurde nach Poppendorf und Heiligenkreuz evakuiert und konnte erst am 4. Mai 1945 zurückkehren. Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 errichteten die Russen in Rudersdorf eine Kommandantur, die als Schaltstelle für die Grenzkontrolle diente. Erst nach Abschluss des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 zogen die letzten Besatzungssoldaten ab. 

Nach dem Krieg wurden bedeutende Aufbauleistungen in unserer Gemeinde vollbracht: In den Jahren 1953/54 wurde die Volksschule erbaut. 1954 kam es zur Eröffnung der Hauptschule. Gleichzeitig wurde das zweistöckige Amtsgebäude im Ortskern errichtet. Zwischen 1963 und 1967 wurde aus Gründen des Hochwasserschutzes der durch den Ort fließende Lahnbach nach den damaligen wasserrechtlichen Gesichtspunkten reguliert.

Romulad Schabhüttl war zunächst Bürgermeister. Als Schulleiter wurde Stefan Dujmovits vorgeschlagen, obwohl er NSDAP - Mitglied gewesen war. Im Gemeinderat hatte die ÖVP 7, die Sozialdemokratische Partei 6 Mitglieder. Im April 1946 musste Schabhüttl zurücktreten. Neuer Bürgermeister wurde Adolf Brunner., der mit einer kurzen Unterbrechungbis 1963 Bürgermeister blieb. 1963 wurde Johann Braun neuer Bürgermeister. 1977 trat er zurück. Zum neuen Bürgermeister wurde Eduard Fröhlich gewählt. 1978 wurde die Verwaltungsgemeinschaft mit der Gemeinde Deutsch Kaltenbrunn aufgelöst. 1989 legte Fröhlich sein Mandat zurück. Neuer Bürgermeister wurde Hans Peter Katzbeck.

1948 wurden die Berghäuser elektrifiziert, 1950 wurde der Neubau der Volksschule beschlossen., 1952 der Bau eines Gemeinde- und Feuerwehrrüsthauses. 1953 wurde eine Siedlungsgemeinschaft gegründet. Die Gemeinde kaufte Bauplätze. Die neue Hauptschule wurde 1954 beschlossen und 1957 eingeweiht. Der Güterweg Ruderssdorf - Rudersdorf/bergen wurde gebaut. Auch im Marktort wurden in den 1960er Jahren Straßen und Wegenetz ausgebaut. Die Kanalisation wurde schon früh in Angriff genommen. 1969 begann man in Dobersdorf mit der Anlage einer Abwasserbeseitigungsanlage, 1973 folgte die Kanalisation in Rudersdorf. Zuletzt wurden auch die Häuser im Streusiedlungsbereich in Rudersdorf - Berg angeschlossen. Mit der Regulierung der Lahn wurde begonnen. 1967 errichtete die Eisenstädter Siedlungsgenossenschaft ein Wohnhaus. 1978 wurde der erste Teil der Ortskanalisation fertiggestellt und eine Kläranlage gebaut.

Rudersdorf bildete mit den Gemeinden Dobersdorf, Deutsch Kaltenbrunn und Rohrbrunn ein Kreissekretariat. In österreichischer Zeit wurde daraus eine Verwaltungsgemeinschaft und in weiterer Folge ein Gemeindeverband, der aber aufgelöst wurde. Mit 1. Jänner 1971 wurden Rudersdorf und Dobersdorf zusammengelegt. 1971 wurde der Abwasserverband unteres Lafnitztal gegründet, 1977 eine Aufbahrungshalle errichtet. 1983 wurde ein hochwassersicherer Holzsteg über die Lahn gebaut.

Die Hauptschule Rudersdorf erhielt 1970 und 1976 Zubauten. Zum Schulsprengel der Hauptschule gehören Heiligenkreuz, Eltendorf, Königsdorf, Deutsch Kaltenbrunn und die Ortsteile Limbach und Neusiedl bei Güssing. 1970 wurde das Volksschulgebäude in Dobersdorf durch einen Neubau ersetzt. Großen Wert legt man auf schöne Sportstätten, in Rudersdorf erweitert und in Dobersdorf neu gebaut, beide Ortsteile bekamen Tennisplätze. 1981 wurden die Tennisanlage in Rudersdorf und eine Wintersportbahn eröffnet, Kindergarten und Kinderspielplätze wurden errichtet. 1984 wurde die Lehrerwohnung in der Hauptschule für die Musikschule adaptiert, 1986 kaufte die Gemeinde das Fink-Haus. Im Jahre 2000 wurde der Kultursaal mit 360 Sitzplätzen und mit Gastraum eröffnet.

Die wirtschaftliche Entwicklung von Rudersdorf war und ist sehr stark von einigen Großbetrieben geprägt. Sowohl für die Firma Sattler wie auch für die Firma Katzbeck, die beide stark expandierten, übernahm die Gemeinde Ausfallhaftungen. Noch 1955 war der Ort von der Landwirtschaft geprägt. Von den 61 Häusern des Dorfkernes waren 71 % landwirtschaftliche Betriebe, davon 42 Vollerwerbsbetriebe, 8 Zu- und 9 Nebenerwerbsbetriebe. Bis 1990 fand ein starker Entagrarisierungsprozess statt. Die Zahl der Voll- und Zuerwerbsbetriebe halbierte sich. Die Zahl der Rinderhalter ging stark zurück. Die Menschen wanderten in Industrie und Gewerbe und schon bald vermehrt in Dienstleistungsberufe ab. Dazu trugen die Rudersorfer Betriebe erheblich bei. Die Firma Katzbeck entstand 1950 als kleiner Tischlereibetrieb, wurde aber kontinuierlich erweitert. 1970 übernahm Hans Peter Katzbeck den Betrieb mit acht Mitarbeitern. 1977/78 wurde auf dem Gelände des früheren Sägewerkes Marth eine neue moderne Betriebsstätte errichtet. 1984/85 wurde der Betrieb stark ausgebaut und hatte 104 Mitarbeiter. Auch die Bau- und MaschinenschlossereiWinkler, aus einer kleinen Schmiede entstanden, wurde zu einem beachtlichen Betrieb, der zunächst Herde, später Alufenster, Türen und Geschäftsportale mit 10 bis 12 Mitarbeitern erzeugte.

Bei weitem am wichtigsten aber waren die Textilwerke Sattler. 1917 kauften die Kaufleute Karl und Hermann Sattler aus Graz das Schloss von der St. Gottharder Sparkasse als Zweigbetrieb für die ungarische Reichshälfte. Sie überdachten den Innenhof und machten daraus einen Websaal . 1920 wurden die ersten 28 schweren Webstühle aufgestellt. Weitere Webstühle wurden von Thondorf nach Rudersdorf verlegt, 1924 der Südtrakt des Schlosses aufgestockt. Die Zahl der Webstühle stieg von etwa 30 im Jahre 1920 auf 147 im Jahre 1931. In den 1930er Jahren verlangsamte sich das Wachstum. Hergestellt wurden Schlauchgewebe, Leinendrillich, Markisen und Liegestuhlstoffe. Nach Kriegsende stand das Werk für einige Zeit still. 1947 konnte das Werk aber wieder den Betrieb aufbehmen und erlebte einen neuerlichen Aufschwung mit Planen und Markisenstoffen, nunmehr aus synthetischen Fasern. Dazu kamen viele innovative Produkte mit hohem Exportanteil.

Ortsbild und Kultur

Besonders bemerkenswert sind die schön verzierten gründerzeitlichen Fassaden vieler Häuser, überwiegend aus der Zeit um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen einige Rudersdorfer zu Wohlstand. Es gab Arbeitsmöglichkeiten in den Fabriken in Fürstenfeld und St. Gotthard, einige Bauernfamilien konnten nach der Grundentlastung über Kapital verfügen und auch von Amerika-Rückwanderern kam Geld. Maßgebende Vorbilder waren die Häuser der damals wohlhabenden Familien Fink und Schabhüttel (Baumeister). Viele der Fassaden wurden vom Maurermeister Josef Braun aus Rudersdorf gestaltet (1870 - 1932). Braun erlernte das Handwerk im gründerzeitlichen Wien. Die meisten dieser Hausfassaden konnten erhalten bleiben und wurden liebevoll restauriert. Das Vorbild hat auch in einigen anderen Dörfern Nachahmung gefunden (Dobersdorf, Deutsch Kaltenbrunn).

Rudersdorf hat ein äußerst reges Vereinsleben. Es gibt drei Feuerwehren (Rudersorf - 1893 gegründet, Rudersdorf-Berg und eine Betriebsfeuerwehr Sattler), einen Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein, Bienenzüchter-, Eisschützen- und Sportfischervereine, einen Obstbauverein, eine Ski-Club, einen Tennisclub und natürlich einen erfolgreichen Fußballverein. Der Musikverein gründete 1981 eine Jugendblasmusikkapelle. Der Männergesangsverein wurde schon 1874 gegründet und zählt zu den ältesten Vereinen des Burgenlandes.

Bevölkerungsentwicklung und jüngere politische Entwicklung

Bevölkerungsentwicklung

 

Bürgermeister

Manuel Weber (ÖVP)

Gemeinderat
(Wahljahr: 2017)
(23 Mitglieder)

ÖVP: 13

SPÖ: 9

FPÖ: 1

Gemeinderat 2007

 

ÖVP: 13

SPÖ: 7

FPÖ: ./.

Grüne: 1

Gemeinderat 2002

 

ÖVP: 12

SPÖ: 8

FPÖ: 1

Gemeinderat 1997

 

ÖVP: 11

SPÖ: 7

FPÖ: 3

 

Bürgermeister

  • 1990–1997 Hans Peter Katzbeck (ÖVP)
  • 1997–2017 Franz Eduard Tauss (ÖVP)
  • seit 2017 Manuel Weber (ÖVP)

Kirchen und Schulen

Aus den Kanonischen Visitationen kann die Konfessionszugehörigkeit der Rudersdorfer erschlossen werden. Der Anteil der Evangelischen ging im Zuge der Gegenreformation stark zurück. Im Jahre 1802 waren 618 Einwohner römisch katholisch, 230 evangelisch. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Katholiken stark an, die der Evangelischen stagnierte. 1856 gab es 930 Katholiken und 230 Evangelische, 1930 1234 Katholiken und 323 Evangelische.

Rudersdorf gehörte als Filiale zur Pfarre Deutsch Kaltenbrunn, wo die Nikolauspfarre schon 1531 bestand.Im 16. Jahrhundert bis zum Glaubenswechsel Adam Batthyanys 1630 war der Ort evangelisch. Noch 1698 waren von den 727 Deelen in der Pfarre nur 242 Katholiken. Die Verstorbenen wurden bei der Kirche von Deutsch Kaltenbrunn begraben. Erst im 18. Jahrhundert erhielt Rudersdorf einen eigenen Friedhof. 1858 wurde erstmals der Bau einer eigenen Kirche an der Stelle eines Glockenstuhls und einer kleinen Kapelle besprochen. 1862 wurde die kleine Kirche fertiggestellt und dem Hl. Florian geweiht.Die Kirche erhielt 1907 eine Orgel und 1913 neue Glocken, die von Bischof Metardus Kohl, einem gebürtigen Rudersdorfer, geweiht wurden. 1924 wurde ein Sakristeizubau errichtet. Der Plan, aus Rudersdorf eine eigene Pfarre zu machen, konnte lange Zeit nicht verwirklicht werden, obwohl dieser von Weihbischof Dr. Kohl unterstützt wurde.

Dr. Metardus (Josef) Kohl war das vierte Kind einer Rudersdorfer Kleinbauernfamilie. Er besuchte das Gymnasium in Steinamanger, trat als Novize in die Benediktinerabtei Martinsberg (Pannonhalma) ein. 1879 schloss er das Obergymnasium in Raab mit der Matura ab. Er studierte Theologie in Innsbruck und erhielt 1885 die Priesterweihe. Er war Religionslehrer und Sekretär des Erzabtes Claudius Vazary. Als dieser 1891 Füßrstprimas wurde ging Kohl mit ihm nach Gran. Er rettete den Erzbischof vor einem Attentäter und wurde dafür zum Ritter des Eisernen Kronenordens ernannt. 1900 wurde Kohl Domherr in Gran und Titularbischof von Samosata. In Rudersdorf kaufte Kohl ein großes Haus und mehrere Grundstücke. 1927 spendete er einen großen Geldbetrag. Damit konnte die selbständige Pfarre am 2.November 1928 errichtet werden.1928 starb Dr. Kohl in Gran.

Im März 1929 kam Gregor Schie, ein geborener Czernowitzer, der nach dem Ersten Weltkrieg nach Österreich geflüchtet war, als erster Pfarrer nach Rudersdorf. 1938 folgte Josef Bartal bis 1955, dann Franz Braun. 1950 wurde die Kirche renociert, 1959 das alte katholische Volksschulgebäude verkauft . Mit dem Eröos wurde der Pfarrhof renoviert und dort auch der Gemeindekindergarten provisorisch untergebracht.1969 fand erneut eine Außenrenovierung statt, 1973 wurde die Innenausstattung erneuert. 1979 bis 1988 war Johann Hochwarter Pfarrer. Er gründete 1980 eine Gruppe der Legio Mariae. 1986 übersiedelte der Kindergarten in das Hauptschulgebäude, die freigewordenen Räume wurden als Pfarrheim verwendet. Ab 1988 war Manfred Grandits neuer Pfarrer. 1989 wurde eine katholische Jungschar gegründet.

1783 erteilte die Komitatsbehörde die Erlaubnis, eine evangelische Kirchengemeinde zu gründen. Ihr gehörten die Evangelischen von Eltendorf, Königsdorf, Rudersdorf, Poppendorf, Heiligenkreuz, Güssing, Neuhaus, Minihof, Mühlgraben, Krottendorf u.a. an. Rudersdorf war also zunächst eine Tochtergemeinde von Eltendorf. 1886 beschloss die Rudersdorfer evangelische Gemeinde, eine eigene Schule zu errichten. 1895/96 wurde das Gebäude mit Glockenturm gebaut, 1997 eingeweiht. Erster Lehrer war Johann Ernst aus Kukmirn, dann folgte Johann Karner, ein gbürtiger Jormannsdorfer, der bis 1933 den Schuldienst versah. Der letzte Lehrer vor der Verstaatlichung 1938 war Alfred Bauer, ein Lehrersohn aus Allhau. Karner setzte sich besonders für das friedliche Zusammenleben der Konfessionen ein. Ab 1938, nach der Abschaffung der konfessionellen Schulen, waren die Oberstufenschüler in der ehemaligen evangelischen Schule untergebracht. Die Turmschule von Rudersdorf ist erhalten geblieben. Seit 1955 wurde sie nur mehr für Gottesdienste und Kinderstunde verwendet. Sie wurde 1958 in ein Bethaus umgestaltet, 1959 eingeweiht. 1962 erfolgte eine Fassadenerneuerung und eine Turmreparatur, 1972 weitere Renovierungsarbeiten. Die Erhaltung der Schule blieb eine ständige Sorge der kleinen evangelischen Tochtergemeinde. 1988/89 konnte eine sehr teure Generalsanierung erfolgen.

Schon im April 1923 ersuchte eine große Mehrheit der Evangelischen um einen Anschluss an die Pfarrgemeinde Fürstenfeld, wo sie schon seit langer Zeit die Gottesdienste besuchten. Seit 1949 ist die evangelische Gemeinde eine Tochtergemeinde von Fürstenfeld. Die Evangelischen gehören also heute zur Pfarre Fürstenfeld.

Die katholische Volksschule von Rudersdorf entstand erst Anfang des 19. Jahrhunderts. 1814 wird erstmals ein Ludimagister erwähnt. Angfangs, bis zur Gründung einer eigenen Volksschule 1886, besuchten auch evangelische Kinder die Schule, soweit sie nicht nach Deutsch Kaltenbrunn gingen. 1938 wurde auch die katholische Volksschule säkularisiert. In den ersten Nachkriegsjahren wurde sie dreiklassig, ab 1948/49 vierklassig geführt. Schulleiter waren Otto Roth und Josef Tausz, ab 1974 Willibald Kroboth. 1952 wurde der Bau einer neuen Schule beschlossen, 1953 realisiert und 1954 fertiggestellt. 1975/76 wurde eine Sonderschulklasse eingerichtet, 1980/81 wurden drei Sonderschulklassen geführt. 1982/83 wurde dieser Zweig zu einer selbständigen Allgemeinen Sonderschule erklärt.

Die einzige Hauptschule im Lafnitztal befand sich in Fürstenfeld. Sie wurde auch von den Kindern aus den burgenländischen Dörfern besucht. Nach dem 2. Weltkrieg lag sie allerdings hinter der Demarkationslinie der Besatzungszone. Der Besuch war mit Schwierigkeiten verbunden. Si beschloss der Gemeinderat von Rudersdorf schon 1949 den Bau einer eigenen Hauptschule. 1953 und 1954 wurde der Beschluss erneut gefasst und schließlich ein Grundstück angekauft. Die Gemeinde übernahm die Häülfte der Baukosten. 1954/55 wurde eine erswte Hauptschulklasse unterrichtet, zunächst im Gebäude der ehemaligen evangelischen Volksschule. 1957 wurde das Hauptschulgebäude fertiggestellt, mit Unterstützung der Landesregierung. Erster Direktor war Eugen Halvax. 1957 /58 konnten bereits alle vier Klassen unterrichtet werden. Der Zustrom an Schülern war groß, das Gebäude 1962/63 bereits zu klein, besonders nachdem 1968 zwei Polytechnische Klassen eingerichtet wurden, Der Zubau 1969 von vier Klassenzimmern reichte nicht aus, sodaß schon 1973 mit einem weiteren Zubau von 11 Klassenräumen begonnen wurde. 1974/75 hatte die Hauptschule 13 Klassen mit 368 Schülern, 1975/76 16 Klassebn mit 486 Schülern und 1976/77 17 Klassen mit 524 Schülern. 1973/74 unterrichteteb 17 Lehrer. 1975 wurde Josef Strobl mit der Leitung betraut. 1984/85 unterrichteten 43 Lehrer, 1977/78 wurden 568 Schüler in 18 Klassen unterrichtet. 1986 wurde Werner Schaberl Direktor. Bis 1989/90 fiel dann die Schülerzahl auf 296 in 13 Klassen. Die Eröffnung der höheren Schulen in der Region machte sich bemerkbar. Heute ist die Hauptschule eine Neue Mittelschule. Teile des Altbaues werden für den Kindergarten verwendet.

 

 

Dobersdorf

Dobersdorf

Der heutige Ortsteil Dobersdorf wird schon 1157 im Stiftsbrief Wolfers von Güssing erwähnt. Der Ortsname ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs. Dobrovnuk bedeutet Walddorf. 1428 wird der Ort unter den Dörfern der Herrschaft Güssing aufgezählt. 1599 besaß Franz Batthyany in Dobersdorf 20 Höfe. Bei der Güterteilung 1662 fiel Christoph Batthyany das Dorf, seinem Bruder Paul die Mühle zu. 1704 wurde der Ort von den Steirern in Brand gesteckt. 1698 gehörte Dobersdorf zur Pfarre Königsdorf - Zahling. 1779 wurde eine Kapelle erbaut, 1830 die heutige Kirche. 1871 wurde eine Schule errichtet. Ein großes Problem waren die Überschwemmungen durch die Lafnitz. 1926 wurde das halbe Dorf mit dem Schulgebäude überflutet. 1927 wurde ein Damm errichtet. Mit 1. Jänner 1971 wurde Dobersdorf mit Rudersdorf zusammengelegt.

Dobersdorf nach 1945

Wichtigstes Vorhaben nach dem Krieg war der Ausbau der Dorfstraßen. Grünflächen wurden angelegt. 1970 begann man mit dem Umbau der Schule und dem Neubau eines Lehrerwohnhauses. 1975 wurde der Dorfplatz neu gestaltet und das Kriegerdenkmal versetzt. 1082 wurde die Leichenhalle fertig. Ein KInderspielplatz wurde angelegt. In den 1990er Jahren begann man mit der Gesamtrenovierung der katholischen Kirche. Sie wurde 2008 mit der Neugestaltung des Altarraumes abgeschlossen. Im ehemalige Lehrerwohnhaus wurde durch einen Zubau am Feuerwehrhaus eine Ordination für den Gemeindearzt in geschaffen. Im ehemaligen röm.kath. Pfarrhof wurde von der Marktgemeinde Rudersdorf der damalige Kindergarten Dobersdorf installiert.  Im Zentrum des Ortes erfolgte die Errichtung eines Mehrzweckgebäudes mit 5 Wohnungen, einem Nahversorgungsgeschäft und einer Gemeindekanzlei mit Besprechungsraum. Zukunftsweisend war die im Jahre 2008 begonnene Errichtung von „Energie – Wohnanlagen“. 1991 wurde eine neue Tennisanlage der Bestimmung übergeben. Ein neuer, ca. 70 Meter langer Steg über die Lafnitz gelangte zur Ausführung. Die neue Ortsdurchfahrt im Bereich der B 65 wurde gebaut.

Im Jahre 1979 folgte, bedingt durch die zunehmende Hochwassergefahr, eine erneute Regulierung des Lahnbachbereiches. Die ursprünglich kanalartig ausgebaute Lahn wurde renaturalisiert, durch tümpelartigen Verbreiterungen ein naturnaher Lebensraum geschaffen.

 

source: wikipedia
thumb grundkarte nord loipersbach

 

Quellen

  • Sattler Peter: Ortsbild Rudersdorf. Geographisches Jahrbuch 1982, Bd.6
  • Prickler Harald: Das Rudersdorfer Dreißigstregister 1528-1555. Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs Bd. 28. 1978
  • Posch, Fritz: Flammende Grenze. Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchivs Bd.5. 1968
  • Festschrift 600 Jahre Rudersdorf - Markterhebung und Wappenverleihung. Rudersdorf 1991.