Als man 1927 eine der damals üblichen Feldbahnen für die Anlieferung der Zuckerrüben nach Hirm erbaute wurde am Schimmelberg, einem Hügel im Nordwesten von Zillingtal, ein großes awarisches Gräberfeld angeschnitten. In einer Notgrabung wurden 81 Gräber aufgedeckt. 1930 wurden planmäßige Grabungen durchgeführt und weitere130 Gräber freigelegt. Die Grabungen mussten jedoch bald aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Der damalige Grabungsleiter, Julius Caspart, ließ jedoch noch Sondagen anlegen, die klar zeigten, dass der Friedhof noch eine weit größere Ausdehnung hatte. Dieser Friedhof wurde schließlich 1985 bis 1995 in einem großen Forschungsprojekt der Universität Wien unter der Leitung des "Awaren-Spezialisten" Falco Daim vollständig ausgegraben. Weitere 586 Gräber wurden freigelegt.

Die besondere Bedeutung des Zilingtaler Gräberfeldes liegt darin, daß es über einen sehr langen Zeitraum "belegt" wurde. Vereinzelt stammen Gräber aus "frühawarischer" Zeit, die meisten der nunmehr aufgedeckten Gräber aus der "mnittelawarischen Epoche" und manche auch noch aus der Spätzeit im 8.Jahrhundert.

Besonders spektakulär war ein reich ausgestattetes Kriegergrab, das vermutlich schon in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts angelegt wurde. Beim Schädel des Awaren wurden Zopfspangen aus Bronzeblech und zwei kleine, teilweise aus Gold bestehende Bommelohrringe gefunden. Dem Toten wurde ein reich verzierter Gürtel, ein einschneidiges Schwert und sein Bogen - von dem die Versteifungen aus Knochen erhalten blieben - mit ins Grab gegeben. Auch einige Frauengräber aus der Frühawarenzeit wurden freigelegt. Eines davon enthielt Überreste eines Diadems aus Bronzeblechteilen und ein Gehänge aus Bronzegliedern, an dem ein Sieblöffel und vermutlich weitere, daneben gefundene Gegenstände wie ein weiterer Löffel, eine Pinzette, eine Spatel und eine Nadelbüchse befestigt waren.

In der Mittelawarenzeit, in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts, wurde das Gräberfeld dichter belegt. Die meisten in Zillingtal geöffneten Gräber entstammen diesem Abschnitt. Typisch sind in vielen Männergräbern reich verzierte Gürtelgarnituren aus Bronzeblech. In den Fraauengräbern fand man Ohrgehänge, Perlenketten und Geräte. Das Grab einer jungen Frau brachte besonders schöne Funde: ein sehr schön verzierter Bronzeblechstreifen, der vermutlich ursprünglich auf einer Haube aufgenäht war, zwei silberne Ohrringe, die mit blauen Glasaugen verziert sind, eine lange Perlenkette, einen Ring mit silberner Fassung und blauem Stein und mehrere Anhänger aus Bronzeblechen, die vermutlich ursprünglich anderen Zwecken dienten (Gürtelbeschläge?). Schon in der Mittelawarenzeit dürften intensive Kontakte mit dem Westen, mit dem Karolingerreich, bestanden haben. In den Gräbern sprechen eiserne, tauschierte Beschläge und Saxe dafür.

 
Die Siedlung von Zillingtal

Die Spätawarenzeit hebt sich im Fundgut deutlich ab: die Gürtelbeschläge sind nun nicht mehr aus getriebenem Bronzeblech, sondern im Bronzeguß hergestellt. Aus der Zahl der Gräber wird auf einen Rückgang der Bevölkerung in der Spätawarenzeit geschlossen.

In der Nähe des Gräberfeldes wurde - an einem kleinen Bach - die dazugehörende Siedlung gefunden. Zwischen Siedlung und Gräberfeld bestand eine direkte Sichtverbindung. Im Bereich der awarenzeitlichen Siedlung wurde auch ein römisches Gebäude entdeckt, das man 1995 teilweise ausgrub.

Die Ausgrabungen in der Siedlung begannen 1993 mit Testgrabungen, ab 1994 folgten systematische Grabungen. Sie sind noch lange nicht abgeschlossen. Im Zusammenhang mit der Landesausstellung 1996 in Halbturn (Hunnen und Awaren) wurden aber schon erste Befunde vorgelegt. Auch in der Siedlung können offenbar mehrere Phasen in der Entwicklung identifiziert werden. Eine größere Zahl von Grubenhäusern und Ständerbauten wurde bereits identifiziert. In einer Reihe von Grubenhäusern wurden zahlreiche Überreste einer Eisenverhüttung und der Eisenverarbeitung gefunden (Tondüsen, Eisenschlacken). Auch ein Ofen wurde freigelegt sowie Hinweise auf drei weitere Öfen entdeckt. Der größere Ofen könnte ein Schmiedeofen, die kleineren Verhüttungsöfen gewesen sein. Das römische Gebäude wurde in der Awarenzeit mit den charakteristischen Ständerbauten überbaut, ohne Rücksicht auf die vorhandene Substanz. Es war also vermutlich schon verfallen.

 Endgültige Ergebnisse werden erst nach Abschluss der Grabungen vorliegen.

Literatur:

Ausstellungskatalog Hunnen + Awaren. Eisenstadt 1996, dort auch erster Bericht über die großen Grabungen in Leiden (Lébény) nahe der österr.-ungar. Grenze und über andere awarenzeitliche Gräberfelder, etwa über das Khagan-Grab von Kunbábony. Der Katalog bietet auch eine Beschreibung wichtiger und für die Awarenzeit charakteristischer Funde!


 

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