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Urgeschichte/Römerzeit

Urgeschichte und Römerzeit

Das Ortsgebiet von Nickelsdorf ist reich an archäologischen Funden, besonders aus der Römerzeit. Aus der Bronzezeit, der Wieselburger Kultur, stammen Funde an der Kreuzung der B10 mit der Eisenbahn bei Gattendorf, aus der mittleren Bronzezeit ein Grabfund östlich von Zurndorf - ein Skelett mit einem Vollgriffschwert. 1984 wurde nördlich von Nickelsdorf  eine Siedlungsstelle gefunden, im Bereich des Alten Dorfes (Bruckmühl) auf einer niedrigen Erhebung in der Leithaniederung. Diese Siedlungsstelle und ein zuvor gefundenes  Grab sind der Urnenfelderkultur der ausgehenden Bronzezeit  bzw. dem frühesten Hallstatthorizont zuzuordnen. In einer Notgrabung konnten ein Griffzungenschwert, ein Griffplattenmesser und eine Drahtbügelfibel geborgen werden

Aus der Römerzeit sind mehrere Funde bekannt. Schon 1887 wurden an der Grenze zu Zurndorf zwei Gräber und ein Kindersarkophag gefunden, In einem der Gräber fanden sich eine goldene Halskette und anderer Schmuck. 1897  tauchte ebenfals in der Ried Grundäcker ein weiterer römischer Sarkophag auf, in der Nähe außerdem ein Frauengrab  und ein 6 Meter großes Steinfundament. 1988 stieß man beim Ackern in der Ried Schlagbühel auf ein spätrömisches Steinplattengrab mit den Skeletten eines Mannes und einer Frau  mit Schmuck, Speisen, Geschirr und einem Glasfläschchen mit aromatischen Öl. Dieses Grab gehörte zu einem Gräberfeld in der Nähe eines römischen Gutshofes (villa rustica). In der Umgebung wurden auch schon früher viele Oberflächen - Einzelfunde wie Münzen, Fibeln, eine Gemme usw. gemacht. Eine weitere römerzeitliche Siedlung, wahrscheinlich ein einfacher Gutshof, lag im Bereich der Hofäcker. In der Nähe wurden Münzen, Schmuck, Bronzefibeln und anderes gefunden. Im Bereich des Kleylehofes lag ein weiterer Gutshof. Auch noch in jüngster Zeit wurden dort  viele römische Nünzen gefunden. Stücke einer Grabstelle aus Leithakalk, 1963 bei Feldarbeiten gefunden, deuten auf eine keltische Ansiedlung neben den römischen Gutshöfen hin. Die Grabstelle wurde in der Spätantike zerstört, die Steine für ein Steinkistengrab verwendet.   Bei der Anlage des Steinkistengrabes wurde eine hoch interessante Stele verwendet.  Sie war in 8 Stücke zerbrochen, konnte aber zussamgesetzt werden. Das Relief zeigt die Darstellung einer einheimischen Bäuerin in traditioneller Kleidung und Haartracht und reichem Schmuck, Die fragmentarische Inschrift belegt, dass es sich um eine Angehörige der romanisierten Oberschicht handelte. In jüngerer Zeit, 1972, wurde in der Umgebung von Nickelsdorf die Statuette einer Fortuna gefunden.  Alle diese Funde deuten auf eine dichte Besiedlung durch einheimische, romansierte Kelten und durch hier ansässig gewordene Römer im Umfeld der großen römischen Grenzlager hin.

Mittelalter

Mittelalter

Aus der Völkerwanderunhszeit gibt es auf Nickelsdorfer Hotter bisher keine Funde. Eine langobardische Siedlung lag in der Nähe, in Bezenye - Pallerdorf, einem abgekommenen Ort. Der Friedhof dieser germanischen Gruppe wurde erforscht. Die Anwesenheit von Awaren bezeugen mehrere Gräber im Ortsgebiet. 1954 wurden beim Aushub eines Kellers zwei awarische Skelettgräber entdeckt, weitere Gräber folgten in der Weinberggasse. Sie stammen aus dem 9. Jahrhundert,  der spätawarischen Zeit. Im Machtbereich der Awaren siedelten slawische Bauern. Slawische Ortsnamen finden sich in Zurndorf  (vom Personennamen Zaran)  und in Nickelsdorf  in einer Siedlung namens Turdemech  (Turdemicz, Thurdamesz, Tordamez), die noch im Jahre 1359 erwähnt wird.   Andere Funde aus der Zeit der ersten bayrischen  Kolonisation fehlen. Die "Landnahme" durch die Magyaren wird wohl einschneidend für die Bevölkerung gewesen sein, ohne dass es zu einer Ansiedlung kam. Im Bereich der Brucker Pforte wurden Petschenegen (Bissener) als Grenzwächter angesetzt. Einige Ortsnamen erinnern daran, etwa Pallersdorf (Bizonya)  bei Ragendorf. Grenzwächter gab es bei Kittsee, Gattendorf, Mönchhof und Winden.  In Nickelsdorf könnte die Ried Pötschring auf die Petschenegen zurückzuführen sein. 1074 wurde ein Aufstand der Petschenegen niedergeschlagen. Sie verloren ihre Funktion als Grenzwächter. Die Aufgabe der Grenzverteidigung wurde von den "Burgen" übrnommen.  Die Petschenegenorte  kamen  an die königliche Grenzburg Wieselburg bzw. wurde den Zisterziensern übertragen (Mönchof, Winden, Königshof).

Seit dem 12. Jahrhundert kamen dann deutsche Siedler aus der benachbarten  Grenzmark des Hl. Römischen Reiches, gerufen von den ungarischen Königen und von Adelsgeschlechter, die ebenfalls aus dem Westen stammten. Nickelsdorf wurde als Schmalangerdorf angelegt, mit dem historischen Zentrum im Bereich der mittleren Hauptstraße. An einer erhöhten Stelle außerhalb des Ortes entstand die erste Pfarrkirche. Der alte Ortskern war mit Zaun und Graben umgeben.  Die Erweiterung erfolgte nach Westen und Osten im  17. Jahrhundert. Hinter den  20 bis 30 m breiten Hofstellen lagen die Hausgärten, die später, nach dem 2. Weltkrieg, in Bauparzellen umgewandelt wurden.

Zu den Einwanderern aus dem Westen gehörten die Grafen Poth, die schon im 11. Jahrhundert nach Ungarn kamen. Die Brüder Aribo und Botho waren am Aufstand Konrads von Bayern beteiligt und mussten das Land verlassen. Botho bekam erste Besitzungen im Komitat Preßburg. Durch königliche Schenkungen erhielten die Grafen Poth Besitzungen im Komitat Wieselburg. Am Ende des 11. Jahrhunderts besaßen sie Leiden, Sasony, Kroatisch Jahrndorf, Ragendorf. Botho III. erhielt 1208 das Dorf Hof, wahrscheinlich Mannersdorf,  später die beiden Kimling und andere Orte. Weitere königliche Schenkungen waren Podersdorf, Besitzungen in Neusiedl und Pfingstagsmarkt mit dem dortigen Straßenzoll. Durch Kauf erwarben sie Besitzungen in Jois. Unter dem Grafen Konrad I. wurde die Burg in Ungarisch Altenburg als Zentrum der Herrschaft errichtet. Wegen seiner Parteinahme für Przemysl Ottokar II. verlor Konrad seinen Besitz und seine Ämter, erhielt aber 1266 einen Teil zurück. Unter Konrads Nachfolgern verloren die Poth ihre Position. Als Burgkastellan folgte Ulrich Wolfurt, ein Ritter, der aus Vorarlberg stammte. Er war Obergespan der drei Komitate Eisenburg, Ödenburg und Wieselburg. Die Wolfurt bekamen Burg und Maut in Kittsee und als Pfand auch die Herrschaft Ungarisch Altenburg. Judith, die Witwe Paul Wolfurts, heiratete Georg II. von St. Georgen - Bösing. Nach Judiths Tod gab es langwierige Erbstreitigkeiten. Die St. Georgen - Bösinger mussten Erbansprüche in Geld ablösen. Dafür mussten sie unter anderem auch Nickelsdorf verpfänden. 1516 starrb die ältere Linie der St. Georgen - Bösinger aus und König Ludwig II. zog ihre Besitzungen ein. Er schenkte sie seiner Gattin Maria von Habsburg, der Schwester Ferdinands I. Seither befand sich die Herrschaft Ungarisch Altenburg im Besitz der Habsburger, war aber zeitweise verpfändet. Das wüstgefallene Potzendorf wurde als Schafweide genutzt und war an Nickelsdorf und Straßsommerein verpachtet,

Die ersten Angaben über die Häuserzahlen finden sich in der Dica-Konskription von 1532: Es gab 6 "Fumi" (Rauchfänge) bzw. Porten, wobei pro Porte etwa 2 bis 4 Hausstellen zu rechnen sind.  6 Höfe waren Pauperes, also steuerbefreite "Arme" , 9 Hofstellen waren "deserta et anbuste", also verwüstet und verbrannt. Das waren wohl die Auswirkungen der Türkenzüge 1529 und 1532. Der Ort dürfte sich aber bald erholt haben, denn 1538 gab es nur mehr 2 "Arme" und 2 verödete Hofstellen, aber bereits 3 Libertini (Freie, von den Abgaben befreit).

So wie in allen Siedlungen der deutschen Kolonisation wurde die "moderne" Dreifelderwirtschaft auf drei Gewannen betrieben, mit strikt geregeltem, jährlich wechselnden Anbau.  Dies belegt das Urbar der Herrschaft von Ungarisch-Altenburg aus dem Jahre 1546. Die Viehweide wurde genossenschaftlich genutzt.  Am westlichen Ortsrand, im Bereich des "Haidls", wurden die Schweine geweidet.  Große Sommerweideflächen lagen im  Mittelalter und in der Frühen Neuzeit im Bereich der späteren Kukuruzäcker, Neubruchäcker, Neurisse, Saidaäcker und im Breich des Paula-, Schmid- und Kleylehofes. Diese Weidegebiete wurden im 19. Jahrhundert umgebrochen. Das Winterheu gewann man in  den Feuchtwiesen an der Leitha. In den Rieden Hoflus, Leithalus, Sandweglus, Söllnerlus wurden jährlich die Wiesen "ausgelost" (daher Lus). Auch die Flurnamen Fünf-, Sechs-, Acht-, Zehn- und Zwanzigmahd weisen auf Wiesennutzung hin.  Für einen mittelalterlichen Weinbau gibt es keine Belege, doch ist anzunehmen, dass zumindest für den Eigenbedarf auch Weingärten bestanden (Ruhlandt und Kraineräcker)  Im Mittelalter gab es auf der Parndorfer Platte noch Wälder (Flurnamen Große Waldäcker und Rustenäcker). Die Waldbestände in der Leithaau gibt es hingegen noch heute.

Die Siedlungsstruktur sah im Hochmittelalter völlig anders aus als heute. Es gab viel mehr kleine Dörfer, die dann im Zuge der spätmittelalterlichen Agrarkrise, die in der Mitte des 14. Jahrhunderts begann, aufgegeben wurden. Als Ursache der Wüstungsphase wurde früher hauptsächlich die Zerstörungen durch die Türken angenommen. Dies ist weitgehend widerlegt.  Dr.Tobler hat anhand der Dicakonskription des Jahres 1532 gezeigt, dass diese Verödung viel früher erfolgte und hauptsächlich wirtschaftliche Ursachen hatte. Im Bereich der Herrschaft Ungarisch-Altenburg auf burgenländischem Gebiet waren nur Pfingstagsmarkt und Halbturn ein Opfer der Türkenzüge. Im Spätmittelalter ging die Bevölkerung stark zurück, nicht zuletzt infolge der schweren Pestwelle Mitte des 14. Jahrhunderts und dann erneut 1409 und 1410. Mit ein Grund für die Wüstungswelle war der starke Verfall der Getreidepreise. Es waren daher die Orte, die stark auf den Getreideanbau angewiesen waren, stark betroffen, während sich die großen Weinbaugemeinden etwa am Südrand der Parndorfer Platte besser behaupten konnten. Vor allem die für den Getreideanbau weniger geeigneten Gebiete waren betroffen und wurden aufgegeben.  Auf dem heutigen Ortsgebiet von Nickelsdorf waren es vier Siedlungen, die aufgegeben wurden. Da war zunächst das Fischerdörfel, das in der Flur "alte Dörfer" zwischen Leitha und Ostbahn lag, auf einer "Insel" . einer leichten Erhebung, lag. Es war von einem Leithaarm umgeben, der wahrscheinlich erst im 19. Jahrhundert mit der Aushebung des Neuen Kanals und dem Eisenbahnbau trockenfiel. Die Überreste der kleinen Siedlung mit 30 bis 40 Häusern verschwanden mit der Leitharegulierung. In den Leithaauen bestand noch eine zweite Siedlung, Schoßenkirchen. Das kleine Angerdorf bestand ebenfalls nur aus 20 bis 30 Hofstellen. Tonscherben aus dem 13. bis 15. Jahrhundert belegen den Standort. Auf einer kleinen Erhebung bestand eine Kirche bzw. Kapelle. Beiden Dörfern könnten auch Überschwemmungen ein Ende bereitet haben. Die anderen Wüstungen am Rande von Nickelsdorf hingegen könnten unter Trockenheit gelitten haben. Mühldorf wurde erstmals im Zusammenhang mit "Turdemech"  in der Urkunde von 1278 erwähnt. Das Dorf gehörte zum Besitz der Zisterzienser in Mönchhof.  Das Dorf dürfte allmählich verödet sein.  Später wurde das Ortsgebiet der Herrschaft Ungarisch-Altenburg angeschlossen und diente als Ochsenweide. Im 19. Jahrhundert wurde dort der Friedrichshof errichtet.  Der Ort Zatschen wurde 1318 erstmals urkundlich erwähnt und war ebenfalls Zistertienser-Besitz. Auch dort waren die Felder zu trocken. Ein weiterer Ort, der wüst fiel, war Potzendorf. Durch den Fund von Hottersteinen konnte ein Teil seiner Begrenzung ermittel werden.


Frühe Neuzeit

Frühe Neuzeit

Gegen Ende des Mittelalters dürfte sich die Bevölkerung einigermaßen erholt haben. Der Türkenzug von 1529 brachte dann erneut einen schweren Rückschlag. . 1532 waren im Komitat Wieselburg etwa die Hälfte der Häuser zerstört oder verlassen, die Bevölkerung erheblich reduziert.  Auch in Nickelsdorf  muss man wie das Urbar von 1532 zeigt, von schweren Schäden ausgehen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts setzte jedich ein beachtlicher Aufschwung ein. Die Preise für Getreide und andere landwirtschaftlicher Produkte stiegen an, sie waren in den städtischen Zentren gut absetzbar.  Davon profitierte auch der Adel, der seine Eigenwirtschaften ausbaute und auch die Robotleistungen der Bauern erhöhte.  In Nickelsdorf war die Situation insofern günstiger, Als sich Lehensbauern von den Robotleistungen freikaufen konnten und auf dem Gebiet der aufgelassenen Dörfer genug Grund zur Verfügung stand. Auch die Größe einer halben Ansässigkeit stieg von 12 Joch im Jahre 1546 auf 16 Joch bis 1566 an.

Auch das Handwerk erlebte im 16. Jahrhundert einen beachtlichen Aufschwung. In der Dicaliste 1541 bis 1545 wurde ein Hüterhaus der Schäfer erwähnt, 1549 wurde ein Schäfer genannt. 1572 gab es einen Schäfer, einen Zimmermann und ein Wirtshaus, 1618 kam ein Lehrer hinzu. 1647 waren  6 Steuerzahler in 5 Berufen tätig. 1713 wurde der Schafmeister Martin Olbrecht (später Albrecht), der Schuster Pail Kraksner, der Fleischer Johan Czechmeister und einige weitere Hanwerker genannt. Es gab einen Gemeindeschäfer, einen Stiefelmacher und einen Sattler, mehrere Schneider, einen Stiefelmacher und mehrere Schuster, einen Maurer und einen Schmied, der die Gemeindeschmiede gepachtet hatte.

Nach dem Urbar des Jahres 1546 waren die Bewohner ausschließlich Deutsche. Es gab 23 halbe Ansässigkeiten. Zwei waren noch immer öd, drei waren von der Steuer befreit. Diese hatten ein ganzes Lehenshaus und hatten sich offenbar freigekauft.1548 galten drei Lehen als Pauperes, drei waren neu erbaut. 1554 wurden erstmals 7  Inquilini, also Söllner, gezählt, bis 1559 dtieg ihre Zahl auf 9. In einem Urbar von 1566 werden 28 Inhaber von halben Lehen und eine Hofstaätte aufgezählt und die Abgaben definiert. An drei Terminen mussten je 25 Denare Hausgeld bezahlt werden. Dazu kam das Neuntel auf alle Früchte, Naturalien zu Weihnachten und zu Ostern, eine Fuhre Holz und das "Wachtgeld".  An Robot musste jeder Hof zwei Tage Heu machen und einführen und zusätzlich eine Fuhre Heu abliefern. Von den Fischgründen, die die Bauern an der Leitha hatten, mussten sie Fische abliefern. Sie mussten 60 urn Bannwein von der Herrschaft abnehmen, Dazu hatten sie in dieser Zeit auch schon eigene Weingärten im Dorf. Auch in den Weinbau treibenden Nachbargemeinden, etwa in Weiden, hatten die Nickelsdorfer Weingärten. Ein Teil der Bauern hatte zusätzlich zu ihrer Ansässigkeit Zinsgründe von der Herrschaft gepachtet, einige sogar über 6 Joch Acker (etwa Thoman Huetfließ) und sogar bis zu 130 Mahd Wiesen (Peter Stramer). Das viele Heu war für den Verkauf bestimmt, an die Ochsenhändler, das Militär. Die Pachtgebühren für das Ackerland waren niedrig, die für die Wiesen hingegen hoch. Insgesamt zahlte das Dorf 74 Gulden, 4 Schilling und 22 Pfennig. Die Gründe von Puotzendorf wurden bis zur Einrichtung einer herrschaftlichen Schäferei benützt. In den 1580er Jahren versuchte die niederösterreichische Hofkammer als Verwalterin der Herrschaft die Abgaben zu erhöhen. Nach einer Untersuchung wurden Machenschaften des Rentmeisters aufgedeckt. Auch die Richter verloren einen Teil ihrer Privilegien.

Ein Problem war die große Zahl an Söldnern in den Grenzfestungen, die versorgt werden mussten. Nach der Eroberung von Raab durch die Türken plünderten diese Söldner die Dörfer aus. Nickelsdorf war davon besonders betroffen. Die Bevölkerung wurde vom kaiserlichen Kriegsvolk besonders in den Jahren 1594 und 1595 drangsaliert, einige Orte wurden ganz oder teilweise abgebrannt.  Auch Nickelsdorf war "bis in grundt durch Feuer hingegangen". Die Dörfer konnten ihre Abgaben nicht mehr bezahlen, die Bevölkerung schrumpfte. Erst 1598, nach der Rückeroberung von Raab, beruhigte sich die Situation etwas. Aber bald darauf brach der Bocskay - Aufstand aus. Vom Zentrum der Aufständischen auf der Schüttinsel wurden wieder viele Dörfer von den Heiducken, Türken und Tataren überfallen. Noch 1609, also Jahre später, waren von 14 Pforten nur mehr 10 besetzt. Mindestens 8 Häuser waren noch immer nicht aufgebaut. Es dauerte noch lange, bis die Schäden wieder behoben waren. 1618 wurden in der Dica-Konskription ein herrschaftliches Wirtshaus und auch schon ein Schulhaus erwähnt. Auch der Bethlenaufstand brachte 1620 erneut Plünderungen. Nickelsdorf wurde wieder niedergebrannt, ein Teil der Bevölkerung verschwand.In der Konskription von 1622 waren 40 % der Pforten öde, nur mehr 6 konnten zur Besteuerung herangezogen werden. Es gab 4 Söllner.

Die Grundherrn weiteten ihre Eigenwirtschaften aus. Sie erhöhten die Robotleistungen und errichteten Gutshöfe, Schafflerhöfe, Getreidemühlen, Schmieden und herrschaftliche Wirtshäuser. Die Robotleistung stieg von 12 Tagen im Jahr auf 1 - 2 Tage in der Woche. In der Konskription von 1572 ist in Nickelsdorf erstmals ein "domus Taberna", also ein herrschaftliches Wirtshaus, erwähnt. 1636 gab es neben dem Richter 6 bestiftete Pforten, also 12 Lehensbauern, 5 Pauperes und 4 verlassene Häuser, ein Schulhaus und einen herrschaftlichen Weinausschank. 1647 mussten neben den Bauern auch ein Fleischer, 1 Schäfer, je ein Schuster und Schneider und zwei Zimmerer Steuern zahlen.

1608 bis 1668 war Nickelsdorf zusammen mit anderen Orten verpfändet. 1608 überließ Erzherzog Mattthias dem späteren Palatin Stefan Illeshazy und seiner Frau Katharina Pallfy die Orte Zurndorf, Ragendorf und Pallersdorf für 20 000 Gulden, einige Monate später auch Kaltenstein, Straßsommerein und Nickelsdorf, ebenfalls für 20 000 Gulden. Nach dem Tod Katharinas fiel das Pfandgut an ihren Bruder Nikolaus Pallfy. Dieser übergab die Dörfer mit Zustimmung des Königs an seine Tochter Katharina anlässlich ihrer Hochzeit mit Sigismund Forgach. Der Rest der Herrschaft wurde 1621 an Karl von Harrach verpfändet, der zuvor schon Burghauptmann von Altenburg geworden war. 1636 löste der König die Pfandschaft aus, nicht jedoch die "Pallfyschen Flecken". 1644 wurde der Rest der Herrschaft erneut verpfändet, an den Palatin Johann Draskovich. Auf ihn folgte seine Witwe, dann der Sohn Nikolaus Draskovich; Er gab die Herrschaft zurück an die Hofkammer, nachdem er nach der Hinrichtung Franz Nadasdys die drei Nadasdy-Herrschaften Lockenhaus, Deutschkreutz und Marienberg bekommen hatte. Adam Forgach verpfändete 5 der 6 Orte weiter, Nickelsdorf und Straßsommerein ebenfalls an Draskovich. Er behielt nur Ragendorf. Forgach wurde aufgefordert, auch Nickelsdorf zurück zu geben. Gegen Geldzahlungen stellte er Straßsommerein zurück, behielt jedoch Nickelsdorf. Die Rückgabe der Dörfer wurde, da Draskovich die Abgaben stark erhöht hatte, von der Bevölkerung begrüßt.  Die wirtschaftliche Erholung kam nur langsam in Schwung und wurde durch den neuerlichen Türkenkrieg unterbrochen. 1683 wurde das Gebiet ja zum Aufmarschzentrum des großen Türkenheeres und der mit den Türken verbündeten Kuruzzen Tökölys. Am 11. Juli 1683 erschienen Türken in Nickelsdorf. Die Bevölkerung suchte in der Pfarrkirche Zuflucht. Nach Bezahlung eines Lösegeldes bzw. Schutzgeldes  von mehreren tausend Gulden erhielt man freien Abzug. Die Matriken beweisen aber, dass bis zur endgültigen Niederlage der Türken vor Wien auch in Nickeldorf eine Reihe von Personen ums Leben kam oder verschleppt wurde. Der "Kuruzzen-Rummel" (Rakocsi - Aufstand) brachte 1703 und 1705  und dann wieder 1706 und 1708 erneut Unsicherheit und Plünderungen. Auch Nickeldorf war nach mündlicher Überlieferung wieder betroffen. Noch 1709 und 1710 war mit kleinen Kuruzzen-Banden zu rechnen.


18./19. Jhd.

18. und 19. Jahrhundert

Bis 1758 war der ungarische König Inhaber der Herrschaft. Dann wurde sie wieder verpfändet, und zwar für 2.200.000 Gulden an die Wiener Banco. 1764 löste Franz Stefan von Lothringen, der Gemahl Maria Theresias, die Herrschaft wieder aus. Nach seinem Tod behielt Maria Theresia die Herrschaften Ungarisch Altenburg, Mannersdorf und andere und legte sie zusammen mit einem hohen Geldbetrag in einen Fonds "zur besseren Versorgung und standesgemäßen Unterhalt unserer Kinder und Abstammung" an. 1766 erhielten Marie Christine, die Tochter Maria Theresias, und ihr Gemahl Albert von Sachsen-Teschen sie Herrschaften Ungarisch Altenburg und Scharfenegg ( Mannersdorf). 1791 setzte das kinderlose Ehepaar Erzherzog Karl als Erben ein.

Im Jahr 1700 war Laurenz Habermair Richter. Insgesamt gab es 56 Bauern  und 30 Söllner. 12 Bauern hatten eine ganze, 32 eine halbe Session. Die Ansässigkeiten waren noch relativ groß. Erst im 18. Jahrhundert wurde mit wachsender Bevölkerung geteilt. Eine ganze Session hatte 1700 noch beachtliche 54 Joch Ackerland und 24 Tagwerk Wiesen, ohne Remanental- und Rottgründe. Dazu kamen die Weingärten. Überaus groß war der Bestand an Zugvieh. Jeder ganze Hof hatte 8 - 10 Ochsen, dazu 2 - 4 Pferde und 8 - 16 Schafe, Selbst ein Teil der Söllner verfügte über ein Ochsengespann und zwei Pferde. 1713 zeigte sich, dass vor allem die Zahl der Milchkühe angestiegen war. Auch die Zahl der Schafe stieg beträchtlich von 340 auf 1123 Tiere. Das war auf die Initiative des herrschaftlichen Schafmeisters Martin Olbricht zurückzuführen, der zeitweise auch Richter war. Die Ausweitung der Schafhaltung hatte eine Verkleinerung des Ackerlandes und der Wiesen der Bauern zur Folge. 1715 gab es 49 Bauern und 30 Söllner.

1735 gehörten 17 Handwerker aus NIckelsdorf den Zünften in Ungarisch Altenburg an, 11 Handwerker gehörten keiner Zunft an. Eine eigene Zunft hatten die Schafmeister. Zunfthandwerker waren 2 Schneider, 4 Schuster, 3 Stiefelmacher, je ein Weber, Schmied und Wagner, Riemer, Sattler. Es gab drei Musikanten und fünf Hirten. Ein Zummermann gehörte zur Neusiedler Zunft.  Die wirtschaftliche Situation war gegen Ende des 17. Jahrhunderts schlecht - eine Folge der Türken- und Kuruzzenkriege, der Pest im Jahre 1713 und einer Heuschreckenplage 1718. Hohe Steuern und Abgaben, Vorspanndienste  und Einquartierungen trugen ebenfalls dazu bei. 1720 lag die Steuerleistung bei 3611 Gulden, eine beachtliche Summe für die 50 Bauern und 13 Söllner. Bis 1768 stieg die Steuerlast auf über 6042 Gulden an.

Im Zuge der "neun Fragen" zur Vorbereitung des Maria Thersianischen Urbars wurden von der Kommission 173 Gulden 30 Kreutzer als Abgaben an die Herrschaft erhoben. Dazu kamen eine Fülle weiterer Zahlungen, etwa Kaufs- und Verkaufsgebühren,  Erbschaftsabgaben und eine Bannweinabgabe. Ein Problem war das Fehlen einer Mühle in Nickelsdorf. Man musste nach Marienau bei Straßsommerein oder nach Deutsch Jahrendorf fahren. Ein ganzes Lehen umfasste 57 Joch Acker und 28 Tagwerk Wiesen sowie 6 Joch Wald. Ein ganzer Söllner hatte 14 1/2 Joch Acker und 7 Tagwerk Wiesen und etwa 1 1/2 Hoch Wald.  Ein "Briefhäusler" hatte nur 3 1/4 Joch Acker. Ein ganzes Lehen hatte bis zu zwei Tage Zugrobot pro Woche, ein Söllner bis zu zwei Wochentage Handrobot zu leisten.  Das Neuntel lösten die Nickelsdorfer um 1000 bis 1400 Gulden ab. Der Schafmeister der Herrschaft bekam pro ganzem Haus eine Fuhre Heu. An Naturalabgaben mussten Geflügel-, Schaf- und Bienenzehent gezahlt werden. Beklagt wurde vor allem die Belastung durch Einquartierungen. Nach dem Übergang der Herrschaft an Marie Christina mussten Nickelsdorfer Bauern auf ihre Hauswaldungen verzichten und bekamen dafür Wald im ehemaligen Edelhof der Familie Nunkovich aus Zurndorf. Die Herrschaft errichtete ein Jagdhaus am Fasangarten. Der Tausch erfolgte nicht ganz freiwillig und wurde später angefochten, da die neuen Waldungen zu weit entfernt waren.

1767 ordnete Maria Theresia das Urbarialpatent für Ungarn an. Das Urbar für Nickelsdorf wurde 1772 aufgenommen. Nach der Urbarialtabelle gab es einen Bauern mit 5 3/8 Ansässigkeiten. Er war der Richter. Es gab 50  2 6/8 -Bauern, 12 1 3/8 Bauern, 9 12/8 Söllner, 12 5/8 Söllner, 7 2/8  Briefhäusler und 15 Briefhäusler und 40 unbehauste Inwohner. An Robot hatte z.B. eine 2 6/8 Wirtschaft 69 Zugroboten oder 136 Handroboten zu leisten. Eine ganze Session musste einen Tag pro Woche mit Wagen, Pflug und Egge Robot leisten. Bei "weiten Fuhren" wurden mehrere Tage angerechnet. Nach einer Übereinkunft mit der Herrschaft von 1772 hatte der Ort den freien Weinausschank, den Bier- und Branntweinausschank, musste dafür aber die Patronatsleistungen der Herrschaft übernehmen. Eine Reihe von kleineren Abgaben wurde abgeschafft. Laut Urbarialtabelle hatten die Nickelsdorfer 119 7/8 Ansässigkeiten mit 4132 1/2 Joch Acker und 945 Tagwerk Wiesen. Insgesamt leisteten sie dafür über 4003 Tagwerk Zugrobot und 10 950 Tage Handrobot, zahlten 132 Gulden 32 Kreuzer Zins und lieferten über 174 Kapaunen und 174 Hühner.  Mit den neuen Besitzern Hg. Albert von Sachsen-Teschen und Marie Christina änderte sich insofern einiges, als sie oft in der Herrschaft anwesend waren und auf die Erfüllung der Abgaben und Robotpflichten achteten. Mit den neuen Vorschriften des Maria - Theresianischen Urbars waren die Nickelsdorfer nicht zufrieden. Sie wandten sich zweimal an Kaiser Josef II. und klagten über die hohen Wildschäden und die Ausweitung der herrschaftlichen Schafweide. Ob sie Erfolg hatten ist leider nicht bekannt.

Franzosenzeit und Revolution von 1848

Nach der Niederlage gegen Napoleon bei Raab begab sich der Franzosenkaiser im September 1809 über Kittsee und Nickelsdorf nach Raab. Angeblich hat er im evangelischen Pfarrhof in Nickelsdorf übernachtet. Dort gab es ein "Napoleonzimmer". Der Pfarrhof wurde 1977 abgerissen. Von Mai bis November lagen französische Truppen in Nickeldorf. Sie erpressten eine Kriegskontribution in der Höhe von 110 720 Gulden, dazu kamen Bons, die nie eingelöst wurden und hohe Forderungen der Mannschaften. Als einige herumstreifende Angehörige des ungarischen Landesaufgebotes, die äußerst disziplinlos waren, einige französische Soldaten gefangen nahmen wurden die Richter von Kaltenstein, Straßsommerein und Nickelsdorf von den Franzosen verhaftet und nach Bruck verschleppt. Auch nach der Niederlage Napoleons mussten hohe Zahlungen geleistet werden, 1816 etwa 4 537 Gulden Kriegssteuer und 17 085 Gulden Komitatsabgaben.

Während des Revolutionskrieges von 1848 marschierte Jelacsics mit seinen Kroaten durch Nickelsdorf. Am Tag darauf schlugen 20 000 Ungarn auf dem Haidl ihr Lager auf, Nationalgarde und Landsturm. Hauptquartier war der katholische Pfarrhof, wo am 23. und 24. Oktober 1848 eine Versammlung unter Kossuth tagte. Es wurde der Marsch nach Wien zur Unterstützung der dortigen Aufständischen braten. Der Vormarsch endete in der Niederlage der Ungarn bei Schwechat. Im Nickelsdorfer Armenspital wurde ein Lazarett eingerichtet, das bis 5. Dezember die verwundeten Ungarn versorgte. Mitte Dezember wurden dann Parndorf und Neudorf von den Kaiserlichen erobert. Im Gefolge der weiteren Kämpfe wurden weitere Einquartierungen zu einer schweren Last.

Die Grundentlastung ("Bauernbefreiung") brachte den Bauern das volle Eigentum über Grund und Boden. Die früheren Grundherrn wurden großzügig entschädigt. Die Hutweide war schon 1844 abgelöst worden und zwischen Herrschaft und Bauern aufgeteilt worden. Die Herrschaft behielt den Teil um den späteren Kleylehof. Die bäuerliche Hutweide wurde nicht aufgeteilt, sie blieb im Besitz der "Urabrialgemeinde" und wurde später umgeackert. Eine Konskription im Jahre 1850 ergab in Nickelsdorf 67 Bauern, 16 Söllner, 83 Inwohner, 97 Gesellen und Knechte und 48 Mägde. Probleme gab es bei der Ablöse der Remanentialgründe. Der Streit endete mit einem Vergleich. Ab 1856 wurden die Grundstücke neu vermessen und eine Kommassierung durchgeführt. Diese war wegen des Eisenbahnbaues notwendig geworden.

Probleme gab es 1859, als ein Orkan wütete und viele Häuser abdeckte. Ebenfalls 1859 trat eine Invasion von Wanderheuschrecken auf. Die Auswirkungen der Grundentlastung waren nicht nur positiv. Einige Bauern mussten für die Ablöse Kredite aufnehmen und manchmal Haus und Grundverkaufen. Billiges Getreide aus Amerika kam auf den Markt, die einbrechenden Getreidepreise betrafen Nickelsdorf besonders stark. Die Rettung waren Milchlieferungen über die Bahn nach Wien. Eine Auswanderungswelle in den Jahren 1882 bis 1890 blieb dem Ort freilich nicht erspart. Vor allem Söllner gingen nach Amerika. Die Gemeindeverwaltung änderte sich insofern, als nunmehr die vielfältigen Aufgaben vom katholischen Lehrer kaum mehr bewältigt werden konnten. 1859 kündigte der Lehrer Georg Wurm seinen Lehrerposten und war nur mehr als Gemeindenotär tätig. Ihm folgte Stephan Ivicsics bis 1899 und dann bis 1918 Ludwig Fazekas.

1852 wurde die Gemeinde von der Preßburger Statthalterei aufgefordert, Grund für den Bau einer Obstbauschule zur Verfügung zu stellen. Aber erst 1902 wurde am westlichen Ortsende eine Bauernschule errichtet. Dort fanden im Winter Fortbildungskurse statt. Auch Lehrer aus der berühmten Hochschule von Ungarisch Altenburg unterrichteten an dieser Schule. 1927 wurde die Schule wieder eröffnet. Auswärtige Schüler wurden bei Nickelsdorfer Familien untergebracht. 35 Joch, von der Urbarialgemeinde gepachtet, wurden als Musterwirtschaft betrieben. Lehrer waren Dir. Ing. Kromer und Ing. Csecselits. Es gelang nicht, den Grund zu kaufen. So wurde die Schule 1932 geschlossen und als Weinbaufachschule nach Rust verlegt.

Die Entstehung der Gutshöfe

Schon im 17. Jahrhundert begann die Herrschaft Ungarisch Altenburg so wie viele andere die Eigenwirtschaft auszubauen. In einigen Orten mit großen Besitzungen der Herrschaft wurden Schafmeister angestellt und die Schafhaltung ausgeweitet. Der Schafmeister Martin Olbrecht betreute 1713 in Nickelsdorf 122 Wollschafe und 51 Zuchtschafe. Der Schafflerhof wurde ausgebaut. Auch in der Nachbargemeinde Zurndorf gab es zwei Schafmeister. Die Schafe verbrachten den Sommer auf den Weiden, den Winter in Schafställen. Die bäuerliche Bevölkerung litt unter zu großen herrschaftlichen Schafbeständen und nicht eingehaltenen Weiderechten. 1820 hielt die Herrschaft Ungarisch Altenburg bereits 30 000 Schafe. Schon 1802 entstand eine herrschaftseigene Impfanstalt. Ab 1830 ging die Schafhaltung dann zurück, Weiden wurden umgeackert und mit Getreide und Kartoffeln bebaut. Dafür wurde die Robotleistungen der Bauern in Anspruch genommen. Als diese wegen der Intensivierung nicht mehr ausreichten wurden Arbeiterkolonien errichtet. 1846 wurde der Saidahof errichtet. Er wurde nach Saida (Sidon) im heutigen Libanon benannt, wo Erzherzog Friedrich einen Seesieg gegen syrische Seeräuber errang. 1856 wohnten bereits 360 Personen am Gutshof. Am Hof befand sich eine Schule mit Lehrerwohnung. In einem großen Gebäude konnten Saisonarbeiter untergebracht werden. Der Saida - Hof wurde bis 1947/48 bewohnt, die letzten Familien zogen auf den Kleylehof. Der Bereich des Kleylehofes wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts Neu- oder Nonnbrunn genannt. Benannt wurde der Hof nach Fritz von Kleyle, dem Güterdirektor der Herrschaft. Am Kleylehof wurde  intensive Rinderzucht betrieben, nach der Eröffnung der Ostbahn 1855 vor allem Milchwirtschaft. Die Milch wurde in eigens entwickelten Kühlapparaten nach Wien gebracht. Das Personal waren Deputatisten, die einen Großteil ihres Lohnes in Naturalien erhielten.

Der Kleylehof wurde nach der Grundentlastung errichtet. Um die Jahrhundertwende kauften reiche Bürger aus Ungarisch Altenburg, etwan der Amtstierarzt und Bienenzüchter Gal und der Kaufmann Puchtinger Grund und Boden in Nickelsdorf. Sie setzten 1913/14 eine Kommassierung durch. So entstanden der Schmidthof und der Paulahof.  1929 verkauften die Gal den Hof an die aus dem Banat stammende Familie Schmidt. Der Puchtingerhof wurde ebenfalls verkauft, 1929 an einen Herrn Brandlhofer aus Prellebkirchen. Nach seiner Gattin Paula wurde der Hof benannt. Die Gebrüder Ratzenböck übernahmen diesen Hof.

Nach 1918

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

Auch in Nickelsdorf wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert ein starker Magyarisierungsdruck ausgeübt. Träger der magyarischen Gesinnung waren die Pfarrer Czimmermann und Halmosy (Hahn) und der Notar Fazekas. Erst nach Kriegsende wurde Deutsch wieder Amts- und Unterrichtssprache. Im Jänner 1919 waren auch die Vertreter Nickelsdorfs an der großen Versammlung in Straßsommerein beteiligt, die den Anschluss an Österreich forderte. Nach dem Scheitern des ersten Landnahmeversuchs durch die Gendarmerie wurden die Freischärler aktiv. Sie fanden auf den Gutshöfen, deren Bevölkerung mehrheitlich Ungarn waren, Unterschlupf.  Der evangelische Lehrer Christoph Türk, der für Österreich eintrat, wurde im Oktober 1921 von ungarischen Offizieren verhaftet und verhört. Nach dem Einmarsch des Bundesheeres am 11. November wurden 160 Soldaten in Nickelsdorf stationiert, an der Grenze zu Straßsommerein, das ja bei Ungarn blieb. Dort kam es immer wieder zu Grenzzwischenfällen. Nach der endgültigen Grenzziehung erhielten Nickelsdorfer Bauern, die in Straßsommerein Äcker hatten, Passierscheine. Der Saidahof wurde Österreich zugeschlagen und dem Nickelsdorfer Hotter einverleibt.  Große Probleme bereitete die 1913/14 durchgeführte sehr fehlerhafte Kommassierung. Erst nach 1930 konnten die größten Ungerechtigkeiten ausgeglichen werden. Die Motorisierung der Landwirtschaft setzte vereinzelt schon in der Zwischenkriegszeit ein. In den 1920er Jahren gab es 7 Dreschgemeinschaften. Auch 32 Kleinhausbesitzer bildeten eine eigene Dreschgemeinschaft.

Probleme gab es mit der Eisenbahn. 1925 konnte eine Schließung der Bahnstation zwar verhindert werden. Die Milchlieferungen nach Wien aber waren schwierig. Eine Gründung einer Milchgenossenschaft durch Sozialdemokraten für den "Konsum" scheiterte. 1927 wurde schließlich eine bäuerliche Milchgenossenschaft gegründet. Sie bestand bis in die 1960er Jahre. Die Weltwirtschaftskrise machte auch den Nickelsdorfer Bauern schwer zu schaffen. Ende 1931 standen etwa 5 verschuldete Höfe vor der Exekution. 1928 wurde ein Vorschusskassenverein gegründet. Obmann war der evangelische Pfarrer Gustav Dörnhöfer. Die Kasse entwickelte sich in den 1930er Jahren gut und nahm sich auch um den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte an. Ein neues Kassenkokal der Raiffeisenkasse entstand erst 1964. 1923/24 wurde ein E-Werk  eröffnet und mit einem Dieselgenerator betrieben. Der Tischlermeister Lebmann erbaute einen Kinosaal. 1925 wurde der erste Stummfilm gezeigt. Später wurde die Stromversorgung von der Eisenstädter Elektrizitäts-AG  und dann von den Gauwerken Niederdonau übernommen.

Im Jahre 1922 organisierten sich die politischen Parteien, die Sozialdemokraten, die Großdeutschen und die Christlichsozialen. In den ersten Wahlen 1923 erhielten die Sozialdemokraten 302, die Großdeutschen 220 und die Christlichsozialen 221 Stimmen. Die Wahlen zum Gemeinderat brachten 514 Stimmen für den Landbund, 361 für die Sozialdemokraten. Bürgermeister wurde Johann Liedl vom Landbund, Vizebürgermeister Paul Heintzel von den Sozialdemokraten. Es gab heftige Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirchengemeinde wegen der Holzlieferungen für die katholische Schule und wegen der Reparaturen am Pfarrhof. Die Sozialdemokraten forderten die Aufschließung neuer Bauparzellen. Schließlich wurden 52 Parzellen Baugrund in der Neubaugasse zur Verfügung gestellt. Das Gesundheitswesen konnte durch die Anstellung eines Gemeindearztes, Dr. Alkmund Großmann aus Baden verbessert werden. 1923 besuchte Landeshauptmann Dr. Alfred Walheim den Ort. Er wurde feierlich empfangen. Der evangelische Pfarrer setzte sich dabei für eine bessere ZUgsverbidung ein, der Landbund für eine Überprüfung der Kommassierung. 1924 musste wegen der Gebietsveränderungen - Saidahof und Kleylehof kamen zu Nickelsdorf -. neu gewählt werden.  Die politischen Gewichte verschoben sich erheblich. Die Sozialdemokraten erhielten 379 Stimmen, die Christlichsozialen, die hauptsächlich von den katholischen Bauern gewählt wurden, 257 und der Landbund, die Partei der evangelischen Bauern 160. Ins Gewicht fielen nunmehr die Stimmen der Gutsarbeiter, aber auch ein Teil der Großdeutschen wählte nunmehr Sozialdemokratisch.  Bis 1927 arbeiteten Sozialdemokraten und Landbund immer wieder gegen die Christlichsozialen zusammen. Paul Heintzel wurde Bürgermeister. Der Amtmann, der den Christlichsozialen nahestand, musste wegen der Fälschung von Wahlakten zurücktreten. Christoph Heim wurde neuer Amtmann.

1926 wurde der Gemeinderat neu gewählt. Die Sozialdemokraten bekamen 8, die Christlichsozialen 5 und der Lanbund 3 Mandate. 1927 schlossen sich Christlichsoziale und Landbund zur "Einheitsliste und Wirtschaftspartei " zusammen und gewannen die Wahl mit 603 Stimmen gegen 567 Sozialdemokraten. Neuer Bürgermeister wurde Scherkaufer Franz. Der Zusammenschluss wurde vor allem vom damaligen Kammeramtsdirektor der Landwirtschaftskammer, Ing. Hans Sylvester, einem gebürtigen Nickelsdorfer, betrieben. Es entstanden auch Vorfeldorganisationen der Parteien, eine Frauen und Jugendorganisation der Sozialdemokraten, die Christlichsozialen stützten sich auf den "Reichsbund katholischer Männer" und ab 1927 auf den Heimatschutzverein, später Heimwehr und Ostmärkische Sturmscharen.  Auch in Nickelsdorf wurden die Konflikte zunehmend härter ausgetragen. Die Sozialdemokraten störten etwa eine christlichsoziale Wahlversammlung, der Bürgermeister entzog dem roten Vize die Schlüssel zur Gemeindekasse. Sylvester wurde aus dem evangelischen Konventswirtshaus unsanft hinausgeworfen ...Zu den Maifeiern 1930 brachten die Sozialdemokraten 400 Personen auf die Straße, dazu 80 Schutzbundmänner. 1932 hatten die Christlichsozialen ihren großen Auftritt. Das Kriegerdenkmal wurde eingeweiht, Justizminister Dr. Schuschnigg, Sylvester und Erzherzog Friedrich waren anwesend. Erstmals trat die Nickelsdorfer Heimwehr auf. 1931 waren Gemeinderatswahlen. Die Sozialdemokraten erhielten 398 Stimmen, die Christlichsozialen 364,  die Einheitsliste 182 und ein Kleinbauernverband 121. 1934 kam es in Nickelsdorf zu keinen Kämpfen. Die Sozialdemokraten wurden durch die Ostmärkischen Sturmscharen "überwacht". Im Ständestaat wurde Matthias Lang zum Bürgermeister ernannt, Ortsmilizführer war der Schuldirektor Nyeki. 1934 fand eine große "vaterländische" Kundgebung statt. Dollfuß und Landeshauptmann Sylvester wurden zu Ehrenbürgern ernannt. In dieser Zeit neigte aber bereits ein großer Teil der Bevölkerung dem Nationalsozialismus zu. vor allem in der evangelischen Bevölkerung - angesichts der Diskriminierung der Protestanten im Ständestaat. Bei den Nationalratswahlen 1930 erhielten die Nationalsozialisten schon 12 Stimmen, 1931 traten einige Nickelsdorfer der NSDAP bei, 1931 wurde eine SA - Abteilung gegründet. Nach dem Verbot der Partei wurden scharfe Maßnahmen gegen die Nationalsozialisten ergriffen. Sechs Nickelsdorfer flohen nach Deutschland und traten der Österreichischen Legion bei. Einige Nationalsozialisten wurden verhaftet. Flugblattaktionen und spektakuläre Demonstrationen der Nationalsozialisten häften sich, besonders 1938. Für den starken Zulauf zur NSDAP war auch die schwere Wirtschaftskrise verantwortlich. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch in Nickelsdorf groß gefeiert, die Abstimmung erbrachte 100 % für den Anschluss an Deutschland.

Bürgermeister Lang  und einige der Funktionäre der Vaterländischen Front wurden verhaftet, Schulleiter Ludwig Nyeki entlassen, ebenso der Amtmann Josef Wedra. Die konfessionellen Schulen wurden geschlossen. Das einzige jüdische Geschäft im Dorf wurde arisiert, der Inhaber und seine Familie konnten fliehen. Von 1938 bis 1942 war Johann Weidinger Bürgermeister, Andreas Hutfleß wurde Ortsbauernführer, später Kreisbauernführer. Ortsparteiobmann war seit 1943 Julius Schmaldienst, der neue Volksschuldirektor.  Die NS- Organisationen hatten in Nickelsdorf zahlreiche Mitglieder. Die einrückenden Arbeitskräfte wurden durch den Reichsarbeitsdienst ersetzt, für den ein Barackenlager gebaut wurde. Später kamen Kriegsgefangene ins Dorf, die nach dem Einmarsch der Russen zum Teil Vergeltung übten. Im Sommer 1943 kam es zu einem Notabwurf von Bomben durch ein amerikanisches Flugzeug. Mit Beginn des Krieges übernahm die HIGA (Hilfsgrenzschutz) die Grenzüberwachung. Seit dem Herbst 1944 wurden ungarische Juden durch den Ort getrieben. Im März 1945 wurde die Bevölkerung zur Flucht aufgefordert. Etwa die Hälfte der Bevölkerung folgte diesem Aufruf. Am 2. April 1945, am Ostersonntag, marschierten die Sowjets in den Ort ein. Es folgten die damals üblichen Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung. 10 Nickelsdorfer wurden dabei getötet.

Gegen den Nationalsozialismus hatte sich im Raume Nickelsdorf - Zurndorf eine Widerstandsgruppe aus Sozialisten und Kommunisten gebildet. Der frühere Bürgermeister Johann Dürr war der Kopf der Gruppe. Sie wurden 1942 verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 1 - 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Hutfleß Paul wurde 1938 verhaftet und bis 1942 nach Dachau gebracht. Landarbeiter wurden nach dem Heimtückegesetz verurteilt.

Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart

Die Russen setzten Rudolf Juno als Bürgermeister ein, dann wurde Matthias Lang provisorischer Bürgermeister, ab 1947 Andreas Roth. Bei den ersten Gemeinderatswahlen erreichte die ÖVP eine knappe Mehrheit und stellte mit Franz Scherhaufer den Bürgermeister.  Im Herbst 1954 erlangte die SPÖ bei Landtags- und Gemeinderatswahlen die Mehrheit. Die KPÖ erhielt fast 10 % der Stimmen. Bürgermeister wurde Andreas Roth, ab 1966 Johann Weiss. 1949 konnte die SPÖ eine relative Mehrheit erlangen. Danach stieg der Stimmenanteil der Sozialisten ständig und erreichte 1979 mit 59,4 % der Stimmen die höchste Zustimmung. Aus dem freiheitlichen Lager bekam 1949 der WdU (Wahlverband der Unabhängigen)  15,4 %. Nach 1972 bekam die FPÖ vermehrt Zuspruch. Zusammen mit einer Namensliste erhielt sie 20 % der Stimmen. Die ÖVP stellte mit Ing. Alfred Nachtnebel wieder den Bürgermeister. Das Bündnis erzielte 1977 noch einmel eine knappe Mehrheit, 1982 musste es eine deutliche Niederlage hinnehmen. Neuer Bürgermeister wurde Gerhard  Jocham. Seit 1996 ist Ing. Gerhard Zapfl von der SPÖ Bürgermeister. Auch die Grünen fassten in Nickelsdorf Fuß. 2017 erlangte die SPÖ 11, die ÖVP 8 und die FPÖ 2 Mandate. Die Grünen blieben ohne Mandat.

Auch Nickelsdorf erlebte einen tiefgreifenden sozialökonomischen Strukturwandel. 1951 waren noch 70,1 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig und 76 Personen im verarbeitenden Gewerbe, 70 Personen im Bauwesen und 63 im Dienstleistunngsbereich. Im Jahrzehnt von 1961 bis 1971 verringerte sich die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen auf die Hälfte. Nicht nur Bauern, auch landwirtschaftliche Arbeiter nahmen Tätigkeiten außerhalb der Landwirtschaft und vielfach auch außerhalb des Dorfes als Pendler auf. 1971 bis 1981 ging dann auch die Zahl der Bauarbeiter schon stark zurück, zugunsten des Dienstleistungsbereiches. Viele kleine Landwirtschaften wurden verpachtet oder nur mehr im Nebenerwerb betrieben. Auch in der Lanswirtschaft änderte sich die Arbeitswelt, durch die Mechanisierung, durch Traktoren und andere Maschinen. Vom arbeitsintensiven Mischbetrieb ging man zum reinen Ackerbaubetrieb über.

Schon in den 1960er Jahren stellte die Gemeinde Flächen für Fabriksgründungen zur Verfügung. Einige Betriebsgründungen scheiterten jedoch bald.

Die Familienstruktur änderte sich. Der Drei-Genmerationenhaushalt verschwand immer mehr- Im Gefolge der Abwanderung wurden Häuser verkauft oder zu Wochenendwohnsitzen umgestaltet. Die Öffnung der Grenze zum Osten 1986 brachte vorübergehend große Veränderungen. Eine Reihe von Geschäften wurde im Zuge des Konsumbooms der Ungarn eröffnet. Die Belebung des Ortkernes war jedoch nur vorübergehend und mit einigen Verkehrsproblemen verbunden, Es entstanden nur wenige zusätzliche Dauerarbeitsplätze.

Die Bevölkerungsentwicklung Nickelsdorfs war jahrhundertelang eher bescheiden. Ein Tiefstand wurde 1606 nach dem Bocskayaufstand mit 173 Einwohnern und 1622 mit 132 Einwohnern  erreicht. 1647 waren es 150 Einwohner. Nach dem zweiten Türkenzug stieg die Bevölkerung in den 1690er Jahren an. 1694 war mit 325 Einwohnern eine Verdoppelung erreicht. In der kanonischen Visitation 1697 wird die Einwohnerzahl mit 400 angegeben, nach der Steuerliste 1700 mit 500 Personen und 1713 schon mit 630 Personen. Neben der hohen Geburtenrate vermutet Mag. Peter Limbeck, der Autor der Ortschronik, auch Zuwanderung von Protestanten aus den Alpenländern Tirol und Salzburg.  1713 bis 1715 gab es eine Pestepidemie, die Einwohnerzahl sank auf 610 Personen. Auch eine Abwanderung nach Innerungarn fand statt. Nach 1720 wuchs die Bevölkerung ständig, trotz einiger Katastrophenjahre wie 1758 und 1764, als in drei Monaten 34 Erwachsene an einer Seuche starben, oder 1771 mit mit 80 Toten, darunter viele Kinder.  1778 hatte Nickelsdorf 788 Einwohner, 1836 schon 1484. Opfer forderte die Cholera  1831 und dann 1849.  Vor allem die Zeit von 1868 bis 1880 wuchs die Bevölkerung stark. 1880 hatte der Ort 1807 Einwohner. Es folgte ein Rückgang durch die beginnende Arbeitswanderung und durch die Amerikawanderung. 1910 waren es 1830 , 1923 nach dem Anschluss des Saida und Kleylehofes sogar 2129 Einwohner. 1934 hatte das Dorf 2278 Einwohner, auch wegen der Rückkehrer im Zuge der Weltwirtschaftskrise. Die höchste Einwohnerzahl wurde am Ende des 2. Weltkrieges erreicht. Von den viele volksdeutschen Flüchtlingen ließen sich einige in Nickelsdorf nieder, dazu kamen die vertriebenen Deutschen vom Heideboden. Nach 1951 nahm die Bevölkerung von Volkszählung zu Volkszählung jeweils um 10 % ab. Viele Pendler übersiedelten  in die Stadt. Die Geburtenzahlen gingen zurück, die Bevölkerung war überaltert. Der Tiefpunkt war 2006 mit 1520 Einwohner erreicht. Seither stieg die Einwohnerzahl wieder leicht an, auf 1754 im Jahre 2016. Wie auch in den Nachbargemeinden siedelten sich Slowaken an.

Die baulich-räumliche Entwicklung des Dorfes war natürlich auch von der Bevölkerungsentwicklung abhängig. 1819 hatte das Dorf 143 Häuser. Die Bauernhäuser bildeten die Hauptstraße. die Söllnerhäuser schlossen sich am östlichen Ortsende an und bildeten die Windgasse. Seit dem 18. Jahrhundert entstanden die Briefhäusler in der Berggasse, Bergzeile und Akaziengasse. Im 19. Jahrhundert entstanden für den starken Bevölkerungszuwachs die Lindengasse, die Roter-Hahn - Gasse und schließlich um die Jahrhundertwende die Neubaugasse. Im Zuge der Kommassierung gelangte die Gemeinde in den Besitz der Grundstücke in der Neubaugasse. die ab 1924 für Inwohner und Kleinhäusler zur Verfügung gestellt wurden. Die untere Hauptstraße wurde in Richtung Staatsgrenze verlängert. In den 1950er Jahren setzte dann der große Bauboom ein. Die Bahnstraße und vor allem die Gartensiedlung wurden bebaut, neue Straßen wurden angelegt. 1951 gab es 454 Häuser. Ihre Zahl stieg auf 620. Auch eine neue Siedlung mit einem zentralen Platz entstand.

Kirche und Schule

Kirche und Schule

Die erste urkundliche Erwähnung der Nickelsdorfer Kirche erfolgte 1572. In den Klosterratsakten wird 1606 die Kirche als "originenantiqua" erwähnt. Nickelsdorf war also eine vorreformatorische Pfarre. Die Ausbreitung der lutherischen Lehre ging schon früh von Preßburg aus. Königin Maria, die Witwe Ludwigs II., hatte Sympathien für Luthers Lehre, die sich ungehindert in ihrem Herrschaftsbereich von Ungarisch Altenburg verbreiten lonnte. Die Herrschaft wurde bis 1582 von meist lutherisch gesinnten Burghauptleuten verwaltet, etwa von Jakob von Stamp, Ekias Ratwitz und besonders von Erasmus von Braun. Sie sorgten für die Einsetzung evangelischer Prediger in Dt. Jahrndorf, Jois, Zurndorf und Nickelsdorf. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren schon drei Viertel der Pfarrerstellen von Protestanten besetzt. Nickelsdorf hatte gemeinsam mit Straßsommerein einen Pfarrer. Die Kirche und der Pfarrhof gingen in evangelische Hände über. Um 1582 bewarb sich der katholische Pfarrer Johann Wicelius um die Pfarre Zurndorf. Es ist ungewiss. ob er sie bekommen hat. Ein katholischer Pfarrer konnte sich in Zurndorf nicht halten, da ihm Richter und Bevölkerung jede Unterstützung verweigerten und sogar tätliche Übergriffe erfolgten. Ein "sectischer Prädikant" wurde 1592 vom Hauptmann Breiner abgesetzt. Offenbar waren die Bauern alle evangelisch, nur eine kleine Zahl von Söllnern und Kleinhäuslern blieb katholisch. 1606 ersuchte der katholische Pfarrer von Weiden Jakob Krepsmeyer den Erzherzog Matthias um Verleihung der beiden Pfarren Zurndorf und Nickelsdorf, da er anders als Pfarrer nicht leben könne. Die beiden Pfarren wurden zusammengelegt und blieben es bis 1739.

1582 wurde Erasmus Braun als Hauptmann abgesetzt und durch den katholischen Hans Preiner ersetzt. Der Klosterrat verdrängte die evangelischen Pfarrer. Die Bevölkerung vieler Dörfer blieb aber evangelisch. Erst mit der Konversion der meisten Magnatenfamilien, vor allem der Esterhazys zum Katholizismus und der Einsetzung der Jesuiten in Ungarisch Altenburg wurde die Gegenreformation wirksamer. In den Dörfern der Herrschaft Ungarisch Altenburg aber, die verpfändet waren blieben mit Ausnahme des kroatischen Pallersdorf die Einwohner evangelisch. trotz der Maßnahmen der späteren katholischen Grundherrn. Im Frieden von Linz 1645 wurden den Protestanten einige Kirchen zurückgegeben, darunter auch die Kirche von Nickelsdorf. Zuvor hatte 1643 Katharina von Pallfy die Abhaltung von evangelischen Gottesdiensten in der Kirche verboten. In der kanonischen Visitation heißt es: "Die dem Hl.Nikolaus geweihte Kirche haben die Protestanten in ihrer Hand. Sie hat einen steinernen Turm, drei Glocken und ist innen und außen schön erneuert ...Die Protestanten bilden im Ort die große Mehrheit. Katholisch sind nur sechs Söllnerhäuser, Knechte und Mägde, insgesamt 40 Seelen ..." Die Gemeinde zahlte sowohl an den Prediger in Zurndorf wie auch an den katholischen Pfarrer in Straßsommerein. Die Nickelsdorfer hatten ein evangelisches Schulhaus errichtet. Der Visitator hatte den Eindruck, dass gleich den Zurndorfern nur zum Schein bekehrt haben und insgeheim zu den evangelischen Gottesdiensten nach Ödenburg auslaufen. 1681 erhielten die Evengelischen am Ödenburger Landtag einige Zugeständnisse, die Artikularkirchen und die Kirche in Preßburg, die auch von den Nickelsdorfern besucht wurde. Später wurden diese "Freiheiten" wieder eingeengt. Im Gedenkbuch der evangelischen Kirchengemeinde wird berichtet, dass die Evangelischen ihre Andacht zu Hause verrichteten. Im Jahr fuhren sie zwei oder dreimal nach Preßburg. Der Richter und zwei der drei Geschworenen mussten Katholiken sein. In der Visitation von 1696 wurde festgestellt, "dass die Leute weiterhin hartköpfige Lutheraner sind ..." Von den 522 Einwohnern waren 496 "Akatholiken" und nur 26 Katholiken. 1778 war die nunmehr wieder katholische Kirche in einem sehr schlechten Zustand. Von der Bevölkerung waren nunmehr 551 evangelisch, 453 katholisch. "Beide Konfessionen leben im Frieden miteinander". Die Lasten für den katholischen Pfarrer und den Lehrer mussten auch von den Evangelischen mitgetragen werden. Die Evangelischen aber waren dazu nicht bereit. Die katholischen Pfarrer Anton Muschitz und Michael Lentsch erhielten 1791 bis 1802 keine Gebühren. Nach einem Prozess mussten diese aber in der Höhe von 1317 Gulden nachgezahlt werden.

Die Wende brachte das Toleranzpatent Josefs II. 1781. Die Nickelsdorfer bildeten zusammen mit den Zurndorfern eine evangelische Kirchengemeinde, waren aber vom Anfang an darauf gerichtet eine eigene Pfarre zu erhalten. Zurndorf wurde zunächst Muttergemeinde mit einem Bethaus und mit dem Sitz des Pfarrers. In einem Vertrag mit Zurndorf wurde festgelegt, dass auch in Nickelsdorf ein Bethaus errichtet werden sollte und der Pfarrer dort jeden zweiten Sonntag predigen sollte. Die Nickelsdorfer mussten die Hälfte des Unterhalts für den Pfarrer zahlen. 1782 baten die Nickelsdorfer das Komitat um einen evangelischen Lehrer. Erst 1784 wurde die Erlaubnis erteilt. Der katholische Ortspfarrer Johannes Friedrichkeit machte Schwierigkeiten. Die katholischen Pfarrer von Zurndorf und Ragendorf erlaubten nicht, dass die evangelischen Pfarrer in Nickelsdorf und Deutsch Jahrndorf Amtshandlungen verrichteten, mit der Begründung, dass ihnen dies in den Filialen nicht erlaubt sei.

Einen ersten Pfarrer fanden die evangelischen Nickeldorfer und Zurndorfer im Konrektor der Schule von Modern Michael Kübler, der am 8. Juni 1783 in Zurndorf eingeführt wurde. Das Bethaus war schon 1782/83 erbaut worden. Die Nickelsdorfer halfen breitwillig. Ihr Ziel blieb jedoch ein eigenes Bethaus. 1785 wählten die evangelischen Nickelsdorfer den Zurndorfer Kantor Daniel von Toperczer als ihren Lehrer. 1796 bauten sie eine eigene Schule. 1786 wurde ein evangelischer Richter, Georg Zimmermann, gewählt. Als Kaiser Josef II. auf einer Rückreise aus Budapest  1786 in Nickeldorf Station machte baten ihn die Nickelsdorfer, vertreten durch Johann Stelzer und Georg Pingetzer (Pingitzer) um die Erlaubnis, ein Bethaus errichten zu dürfen. Das Gesuch wurde bewilligt und am 14. Dezember 1786 fand der erste Gottesdienst im Hause des Martin Meixner statt. Am 11. Oktober 1797 wurde das Bethaus eingeweiht. 1792 wurde ein Lehrerhaus gebaut- ie 1797 gekaufte Glocke wurde auf einem Glockenstuhl aufgehängt und blieb dort bis zum Turmbau 1823. Zwischen dem katholischen Pfarrer Johann thyrner und dem evangelischen Pfarrer Johann Tomka (1843 - 1864) kam es immer wieder zu Konflikten. Gestritten wurde um das Holzdeputat des katholischen Pfarrers, der mit Hilfe des Stuhlrichters eine größere Lieferung erzwingen wollte.

1858 konnte ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung eingeweiht werden. Kurz zuvor wurde auch eine neue katholische Schule gebaut. Der Sohn des evangelischen Lehrers Michael Gratz wurde als Hilfslehrer angestellt 1861 wurde eine neue Orgel gekauft. 1864 bildeten die Nickelsdorfer eine eigene Kirchengemeinde. Zum ersten Pfarrer wurde Andreas Ulicsny gewählt. Ein neues Pfarrhaus, eine Schule und ein Lehrerhaus wurden gebaut und 1865 eingeweiht. Pfarrer und Lehrer waren zerstritten, Emil Gratz, dem man seinen Lebenswandel vorwarf, musste abtreten. Es folgte Michael Göhring. Auch zwischen Pfarrer und Presbyterium kam es zu Unstimmigkeiten. Die finanzielle Lage von Kirchengemeinde und Schule war bedenklich. Noch dazu  ging die Zahl der Evangelischen zurück, die Katholiken erreichten mit 611 gegen 604 Einwohner die Mehrheit. Der Konvent kaufte Höfe und Grundstücke auf um deren Übergang an Katholiken zu verhindern.1914 starb Ulicsny. Nachfolger wurde der gebürtige Karlburger Martin Gindl (bis 1919). 1920 wurde Gustav Dörnhöfer evangelischer Pfarrer. Große Unruhe brachte ein Konflikt zwischen den beiden Lehrern Christoph Türk und und Ludwig Wetsik ins Dorf, der über viele Jahre andauerte. Schließlich wurden beide aufgefordert, das Dorf zu verlassen. Puhr und Valerie Kremer wurden angestellt. 1926 wurde die Stelle des Kantorlehrers mit Julius Schmaldienst besetzt. 1921 wurde ein Kirchenchor, später ein Männergesangsverein gegründet, 1926 eine Zweigstelle des Gustav-Adolf-Vereins. Ab 1931 bestand der Jünglingsbund unter Schmaldienst. Die Zielsetzung war deutschnational. Die Lehrerscheune wurde zum Jugendheim. 1935 wurde ein evangelischer Jungmännerverein gegründet und eine Volkstanzgruppe entstand. 1940 trat der Superintendent Theophil Bayer zurück. Der Nickelsdorfer Pfarrer Gustav Adolf Dörnhöfer wurde sein Nachfolger. Im Gegensatz zu vielen anderen evangelischen Gemeinden kam es in Nickelsdorf in der NS-Zeit zu keiner Kirchenaustrittswelle. Ostern 1945, vor Einmarsch der Russen, verließen etwa 75 % der Evangelischen mit ihrem Pfarrer den Ort. Im Sommer kehrten sie allmählich aus Oberösterreich zurück. Eine neue Gemeindevertretung konnte erst im Herbst 1945 gewählt werden, da einige Kandidaten wegen ihrer NS-Zugehörigkeit von der Bezirkshauptmannschaft ausgeschlossen wurden. Die Kirche wurde renoviert, neue Glocken angeschafft. Dörnhöfer übersiedelte in die neue Superintendentur nach Eisenstadt. Nachfolger als Pfarrer von Nickelsdorf wurde ab 1954 Gottfried Schottner. Der evangelische Kindergarten wurde gegen Grundbesitz mit der politischen Gemeinde getauscht. Mit den Einnahmen wurden das neue Pfarrhaus und das Gemeindezentrum finanziert.

Die katholische Kirchengemeinde führte seit 1680 die Matrikel der Gesamtgemeinde. Damals war Nikolaus Trippacher Pfarrer, Josef Jauer Lehrer. 1739 wurde die katholische Pfarre wieder selbständig. Erster Pfarrer war Matthias Kern, der im überwiegend evangelischen Dorf einen schweren Stand hatte. Er verließ schon nach drei Jahren das Dorf. Eine neue Kirche wurde gebaut. Die alte Kirche war in einem schlechten Zustand, der Pfarrhof hingegen war großzügig und in besserem Zustand. Der katholische Lehrer war auch Ortsnotär. Im 18. Jahrhundert, vor allem 1720 - 1780, wuchs die Zahl der Katholiken. In der Volksschule wirkten Georg Wurm und Michael Schlager als Gehilfe. 1844 brannte die Schule ab. Erst 1856 wurde ein neues katholisches Schulhaus gebaut. Wurm legte seine Lehreerstelle zurück und war nur mehr Notar. Die politische Gemeinde wurde gezwungen, mit der Notärskanzlei aus dem Schulhaus auszuziehen. Die Kanzlei wurde in das Gemeindegasthaus verlegt. Daraufhin verweigerte die politische Gemeinde die Renovierung des katholischen Pfarrhofes. Es kam zu mehreren Prozessen. 1886 musste die alte Kirche wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Der Pfarrer richtete einen Kirchenbaufonds ein. Der Patronatsherr spendete 40 000 Gulden. 1904/5 wurde die neue katholische Pfarrkirche gebaut, die alte Kirche wurde abgebrochen. Pfarrer Czinngraber war ein ungarischer Nationalist und bemühte sich sehr um die Magyarisierung der Bevölkerung bereits im Kindergarten. Ein glühender Magyarone war auch sein Nachfolger Stefan Halmosy (Hahn), dem man sogar eine Kooperation mit den Freischärlern nachsagte. Der heftige Konflikt zwischen der politischen Gemeinde und der katholischen Kirchengemeinde konnte erst mit der Einsetzung eines Verwalters durch das Land beruhigt werden. Dem Lehrer Franz Harcy aus Wuders (Budaörs) wurde der Privatunterricht der deutschen Sprache verboten. Ab 1911 wurde Ludwig Nyeki Kantorlehrer, ein Anhänger der Vaterländischen Front. Er wurde 1938 zwangspensioniert. Der katholische Pfarrer Weber kam einen Tag nach Einmarsch der Russen unter ungeklärten Umständen ums Leben. Erst nach dem Krieg kam das katholische Leben wieder in Gang.

Pfarrer Czinngraber errichtete eine Filiale des Ordens der Schwestern des Göttlichen Erlösers im Ort. Die Schwestern richteten eine Mädchenschulklasse  und einen Kindergarten ein. Die katholische Gemeinde kaufte dafür ein Bauernhaus, das man umbaute und 1895 einweihte. In dieses neue Klostergebäude zogen die drei Schwestern ein, finanziert wurde dies durch eine Stiftung des verstorbenen Pfarrers Szücs. Die im Ort beliebten Schwestern kamen aber in Konflikt mit dem Pfarrer Halmosy und verließen für zwei Jahre den Ort, 1922 kehrten sie zurück. Sie bekamen vom Pfarrer das Armenspital zugewiesen. Daraus wurde aber nichts und so verließen sie 1924 endgültig den Ort. Das "Kloster" wurde bis 1964 als Schule und Kindergarten verwendet, 1977 aber verkauft und abgerissen.

Das Armenspital wurde vom Nickelsdorfer Stefan Herzog gegründet. Er stammte aus einer Nickelsdorfer Bauernfamilie und war vermutlich Konvertit. Herzog war Hofagent bei der königlichen ungarischen Hofkanzlei. 1771 gründete er die Versorgungsanstalt und eine Stiftung von 30 000 Gulden. Von den Zinserträgen sollten 12 verarmte Menschen katholischer Religion aufgenommen werden. Der Stifter ließ auch eine Kapelle errichten. Das Armenhaus war ein schöner, solider Bau beim katholischen Pfarrhof und war sogar schon mit Ziegeln gedeckt. 1788 wurde auf Anordnung von Erzherzogin Marie Christine ein Zubau von 6 Zimmern für 4 Fallsüchtige (Epileptiker) und deren Wärter errichtet. Die Gemeinde wehrte sich gegen den Zubau, da ohne ihre Zustimmung die Gemeindeschmiede abgerissen wurde. Die Erzherzogin richtete ebenfalls eine Stiftung aus den Erträgen der Herrschaft ein. Im 19. Jahrhundert geriet die Herzog-Stiftung in Geldschwierigkeiten. 1871 wurde dem Pfarrer die die Betreuung der beiden Stiftungen übertragen. Die Grundherrschaft musste das jährliche Defizit ausgleichen, das Kostgeld musste immer wieder erhöht werden. Der Pfarrer wurde von der Güterdirektion kontrolliert. 1806 bis 1904 fand eine Innen- und Außenrenovierung statt. Die Geldprobleme führten zu einer Verringerung der Zahl der Pfründner. Ende der 1920er Jahre wurde das Spital geschlossen. Das Gebäude diente als Schulraum und Mesnerwohnung. Während des 2. Weltkrieges wurden dort Kriegsgefangene untergebracht, später diente es vertriebenen Volksdeutschen als Wohnung. Die Gemeinde kaufte schließlich das Gebäude und ließ es 1978/79 abreißen.

wappen nickelsdorf
thumb grundkarte nord loipersbach

 

Quellen

  • Peter Limbeck, Geschichte der Gemeinde Nickelsdorf. 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Nickelsdorf. 275 Seiten