langobarden in pnnonien

Das Langobardenreich in Pannonie

 

" Die langobardischen Männer waren . . . durchwegs auffallend groß (nach den im Grab vorgenommenen Messungen belief sich ihre durchschnittliche Größe auf 180 cm), von gut proportionierter, kräftiger Statur, mit langen Ober-und Unterschenkeln. Auch ihre Frauen waren - die freien oder unfreien kleinen Frauen provinzieller Herkunft nicht miteingerechnet - hochgewachsen und erreichten eine Durchschnittsgröße von 170 cm, waren aber eher derb und plump von Statur...

Es waren keine Heroen,sondern gewöhnliche Sterbliche, von deren unterschiedlichen Krankheiten und Gebrechen ihre Knochen noch nach anderthalb Jahrtausenden zeugen. Unter den Langobarden gab es zahlreiche Rheumatiker, rachitische Kinder, Erwachsene mit Knochenmarkentzündung, mit verheilten Wirbelsäulenbrüchen und schlecht zusammengewachsenen, erschreckend verzerrten Gliedmaßen. Auch ließ sich in manchen Fällen an den Gebissen - weit seltener als heute - Karies beobachten . . .

Ihr in der Mitte gescheiteltes Haar kämmten die Langobarden über beide Gesichtshälften bis zur Mundhöhe, rings um den Nacken waren die Haare geschnitten oder ausrasiert. Sie trugen meist leinerne, weite Gewänder, in die, wie es auch bei den zeitgenössischen Angelsachsen üblich war, farbige Streifen eingewebt waren. Ihre vorn bis zur großen Zehe offenen Sandalen schnürten und knüpften sie mit Lederriemen fest...

 Die oben beschriebene Haartracht wird vollkommen durch die Langobardenköpfe bestätigt, die man auf italienischen Goldblattkreuzen, Fibeln und Münzen aus jener Zeit findet und die uns auch darüber Aufschluß geben,daß die Langobarden anfangs längere, später kürzere, gekürzte Spitzbärte, mithin in der Tat 'lange Bärte' trugen.

Andere italienische Darstellungen zeigen Langobarden zu Pferde in eng an die Unterschenkel geschmiegten Reithosen, über denen die Männer bis zur Oberschenkelmitte reichende kurze - im Winter offenbar auch längere, die Knie bedeckende - Mäntel trugen. Die wenigen uns erhaltenen Frauendarstellungen lassen lange, fast bis an die Fußknöchel reichende Röcke erkennen.

Aus den sorgfältig registrierten und dokumentierten, mit Zentimetergenauigkeit vermessenen Funden mehrerer hundert Gräber läßt sich heute die Tracht der pannonischen Langobarden authentisch rekonstruieren. Bei den Unfreien fanden sich nur eiserne Gürtel- oder Hosenschnallen, bei den Halbfreien überdies auch in der Hüftgegend getragene Messer. Die Gürtel der freien Langobarden endeten in einer eisernen oder bronzenen Schnalle und waren in seltenen Fällen mit silbernen oder eisernen Beschlägen verziert... Von diesen unterschieden sich die Gürtel der Adeligen durch silberne Schnallen und silbertauschierte oder vergoldete Beschläge. Vom Gürtel hing für gewöhnlich hinten links ein etwa 14-16 cm breiter und 10 cm hoher Beutel aus Leinwand oder Leder, dessen Ränder zuweilen mit bronzenen Nägeln ausgeschlagen und die mit kleinen Bronze- oder Knochenschnallen zu schließen waren. In diesen Beuteln fanden sich fast immer die gleichen Gebrauchsgegenstände: eiserne oder bronzene Haarpinzetten, Feuerstahl nebst zwei bis sechs Flintsteinen, ein bis vier eiserne Messer, ein Wetzstein,ein eiserner Pfriem mit Holzgriff und in seltene ren Fällen auch eine eiserne Schere . . .

Etwas besser sind wir über die zeitgenössiche Frauenkleidung unterrichtet. Unter den erhaltenen Textilresten finden sich außer den zu jener Zeit üblichen gebleichten Leinen auch byzantinische Leinen- und selbst Baumwollkleider. Halsketten aus farbigen Glasperlen trug fast jedes weibliche Wesen,einschließlich der Kleinkinder und Sklavinnen. Unterschiede gab es je nach Zugehörigkeit zu bestimmten Gesellschaftsklassen nur in der Güte, Schönheit und Zahl der Perlen. Die halbfreien Frauen trugen Gürtel mit eiserner oder bronzener Schnalle und in einem kleinen, vom Gürtel herabhängenden Lederfutteral ein kleines Messer, im Beutel Spinnwirtel; zur Verzierung des Oberkleides trugen sie Fibeln... Zwischen freien und Edelfrauen gab es dem Wesen nach keine Unterschiede, es sei denn in der Größe und Güte ihres Schmuckes. Mit den bronzenen Haarnadeln steckten sie ihr Haar an - stets auf der rechten Seite des Kopfes - oder befestigten die Kopftücher... Für die Edelfrauen waren einige wenige Bergkristall-, Bernstein- oder Goldperlen bezeichnend. Das Oberkleid wurde hoch am Hals, gleich unter dem Kinn sowie in der Brustmitte durch S-förmige-, Vogel- oder Scheibenfibeln zusammengehalten, um die Taille trugen sie Gürtel ... an denen häufig mit bunten Perlen, seltener mit Geweihscheiben verzierte kleine Beutel hingen, die ihnen meist leer ins Grab beigelegt wurden. In solchen verwahrten sie für gewöhnlich Nähnadeln, einen oder mehrere Spinnwirtel, zuweilen auch kleine Scheren in Lederfutteralen. Die Bügelfibeln trugen die Frauen des 6.Jahrhunderts auf seltsame Art. Sie befestigten unter dem Hals und auf der Brust einfache, billige an den von der Mitte des Gürtels bis zum Rocksaum ...herabhängenden breiten Leinenbändern oder Lederstreifen in Unterleibshöhe untereinander zwei große Zierfibeln, aber auch Messer hingen an diesen Bändern oder Streifen. Unten endeten sie in Anhängern je nach Rang und Wohlhabenheit der Besitzerin aus Kalkstein, Glas, Chalzedon oder Bergkristall . . . Die Tracht der Germanen von Hegykö weicht von jener der Langobarden ab. Daß man in den dortigen Gräbern der Unfreien auf keinerlei Beigaben stieß, läßt auf deren armselige Kleidung schließen. Hingegen trugen die Mädchen und Frauen häufig bronzene und eiserne Armreifen, Bronzefingerringe, ferner . . . Orgehänge mit eingelegten Ziersteinen. Diese Schmuckstücke fehlen bei den langobardischen Frauen vollkommen. Hingegen stimmen Bronzenadeln, Halsketten, Kleinfibeln; Schnallen und Beutel im großen und ganzen mit jenen der Langobardinnen überein ... In den beiden reichsten Frauengräbern der Hegykö - Gruppe gesellen sich zu den Anhängern silberne Zierschlüssel."

István Bona, Anbruch des Mittelalters,S.40 ff.

Wirtschaft und Nahrung

 Die wenigen Funde, die Aufschluß über das Wirtschaftsleben geben, werden sehr unterschiedlich interpretiert. István Bóna, der beste Kenner des völkerwanderungszeitlichen Ungarn, ist der Meinung, dass die Gepiden ein sesshaftes, Landwirtschaft treibendes Volk waren. Bei den Langobarden ist der Flachsanbau nachgewiesen, Paulus Diaconus erwähnt auch die Flachsfelder der Heruler; später, in Italien, bauten die Langobarden Gemüse, Zwiebeln, Obst an.

Die chemische Knochenanalyse gibt Auskunft über die Zusammensetzung der Nahrung. Die unter langobardischer Herrschaft lebende, ortsansässige Bevölkerung ernährte sich hauptsächlich von Brotgetreide. Weniger die Langobarden, die auch später noch, in Italien, wenig Neigung zum Ackerbau zeigten, ja in ihm eine den freien Menschen entwürdigende Knechtsarbeit sahen. Wilfried Menghin ist der Ansicht,daß die Langobarden überhaupt auf Kosten anderer, also der von ihnen unterworfenen Bevölkerung, lebten. Die Siedlungen in Pannonien verweisen nach Bóna auf ein Vieh- und Weidewirtschaft treibendes Volk. Noch das Gesetzbuch des Rothari in Italien regelte in zahlreichen Artikeln die Vieh- und Weidewirtschaft. Vermutlich hatten die Langobarden eine hochentwickelte Pferdezucht; in den Gräbern fanden sich als Wegzehrung Ziegen- und Schafsfleisch, in mehreren Gräbern außerdem Scheren für die Schafschur. Die Knochenanalyse zeigt, dass die Langobarden hauptsächlich von tierischen Produkten wie Milch, Butter, Fleisch und Fett lebten. Bóna folgert: "Was den Ackerbau anbelangt, scheinen sich die Langobarden weitgehend auf die Arbeit und Erzeugnisse der unterworfenen Provinzbevölkerung und der ortsansässigen Germanen gestützt zu haben."

Die Wirtschaft beruhte wahrscheinlich auf dem Naturalienhandel; Münzen byzantinischer Prägung waren zwar im Umlauf, es zählte aber der reine Edelmetallwert. So wurde etwa im "Händlergrab" von Hegykö auch eine Feinwaage mit Münzgewichten gefunden.

Eine wichtige Rolle spielten die Schmiede, wie aus mehreren Gräbern hervorgeht. Den Schmieden wurde neben ihrem kompletten Werkzeug auch ihre Bewaffnung mitgegeben, sie waren freie Krieger, ja vielleicht sogar zum Teil adelig.

". . . Die gesellschaftliche Stellung des Schmieds macht besonders das gepidische Grab 10 in Mezöbánd deutlich, das neben dem einschlägigen Werkzeug einen Spangenhelm enthielt, wie er sonst nur in den reichsten Adelsgräbern zu finden ist. Man darf annehmen, dass die Schmiede ... von Hof zu Hof zogen und dort auf Bestellung den Schmuck und wahrscheinlich auch qualitätvolle Waffen herstellten. Muster für den Hauptschmuck der Frauen, die Bügel-und S- Fibeln, hatten sie in Form von Bleimodellen vorrätig. Entweder fertigten die Schmiede von diesen Abgüsse, die nach Überarbeitung vergoldet und nielliert, d.h. mit Schwefelsilber eingelegt wurden, oder sie schnitten neue Formen, wie die Vielzahl der verschiedenen Fibeltypen zeigt... Der Schmied hatte die nötigen Werkzeuge bei sich. Das Rohmaterial, Gold, Silber und Bronze in den verschiedensten Legierungen, erhielt der Schmid wohl von seinen Auftraggebern. Altschmuck, aber auch römische Goldmünzen und Silbergerät, auf verschiedensten Wegen in den Besitz der vornehmen Langobarden gelangt, wurden eingeschmolzen und zu Zierat verarbeitet. Ob Waschgold oder Silbererze von den Germanen gewonnen wurden, ist nicht bekannt. Für den Goldschmuck dürften jedenfalls byzantinische und ravennatische Prägungen die Materialbasis gebildet haben, die in großer Menge als Tribut- und Soldzahlungen ins Barbarikum gelangten."

Wilfred Menghin, Die Langobarden. Archäologie und Geschichte. Stuttgart 1985,S.69 f.


 

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