Zur Geschichte von Dorf und Herrschaft Nebersdorf

1156 übergab König Geza II. die Dörfer Lutzmannsburg – Lusman, Frankenau (Sarud) und Kroatrisch-Gerersdorf (Gerolt) den beiden deutschen Rittern Gottfried und Albrecht. In Lutzmannsburg gab es einen Kleinadeligen, Iwan von Lusman. Minihof-Nikitsch, Kleinwarasdorf, Purtzelsdorf – Zaka,Prösing, Strebersdorf, Mannersdorf und Unterloisdorf waren im Besitz von Kleinadeligen. Alle diese Orte wurden 1190 dem Zisterzienserstift Heiligenkreuz geschenkt. 1225 verlieh König Andreas II. der Abtei das Privilegium Magnum. In der Grenzbeschreibung werden die Nachbardörfer aufgezählt, darunter auch Nygvan (Nebersdorf). Besitzer waren vermutlich Kleinadelige, die sich zwischen er Klosterherrschaft und der Herrschaft der Frankenauer bzw. der großen Herrschaft der Athinai behauten konnten.


Herkunft der Siedler und Ortsname: Elemer Moor meint, der deutsche Ortsname Nebersdorf stamme aus dem Slawischen, Elmar Schwartz ihn von Ebersdorf ab. Moor zählt Mutschen zu den magyarischen Ortsnamen, ebenso Baran – Warasdorf, und damit zu den Grenzwächtersiedlungen. Nebersdorf könnte eine vormagyarisch- karolingerzeitliche Siedlung sein.

Besitzer von Nebrsdorf werden erstmals 1340 genannt. Vor dem Eisenburger Kapitel erscheinen Angehörige der Sippe Ghorou, um den Besiz von Ghorou und Nebersdorf zu teilen. Beide Teile umfassen je drei Sessionen. 1346 übertrug ein Demetrius Gyowro vor dem Raaber Domkapitel die Hälfte des Ortes an Mag. Stephan, Kastellan von Forchtenstein, und dem Johannes und Thomas, den Söhnen Conrads. Nach 12 Jahren hatte Demetrus ein Rückkaufsrecht. Stephan de Gyiro konnte sein Recht auf seinen Anteil an Nebersdorf erfolgreich behaupten. 1360 wurde ein Tausch vorgenommen. Johann, Sohn des Joann, und Nikolaus, Sohn des Kernen, unter anderem die Besitzungen Nygvan (Nebersdorf) und Loos, überließen Johann, Sohn des Jakob, und dessen Bruder Andreas die Besitzungen. Die Tochter es Demeter de Gyoro heiratete einen Peter, der sich nach dem Gute Ligvand „de Ligvand“, also von Neberdorf nannte. Die Erbgüter der adeligen Frauen wurden verwüstet. Dagegen schritt das Eisenburger Domkapitel ein. 1389 gab es noch immer Erbstreitigkeiten. König Sigismund beauftragte das Domkapitel, dafür zu sorgen, dass das Erbgut des Johann und Stephan Voytan de Nygvan , des Jakob, Sohn des Fintha, und des Michael und Peter, Söhne des Andreas de Nygvan, an Wenzel, Sohn des Stephan de Byk, Halbbruder Wenzels, ausgefolgt wurden. Weitere Erbstreitigkeiten folgten. 1397 wurde ein Teil der Herrschaft an Nikolaus Pechei de Zarka verkauft. In der Urkunde wird auch ein anderes Nigvan, auch Kysfalu genannt, erwähnt. Wo es lag ist nicht bekannt, wahrscheinlich ist es in der Nähe von Nebersdorf zu suchen, ebenso wie Balentfölde. Zarka – Purtzelsdorf, Minichhof, Rosgrunt und Spanfurt (Ambus) waren 1455 bereits abgekommene Orte.

In den Kämpfen zwischen Kaiser Friedrich II. Mathias Corvius standen die Besitzer von Nebersdorf so wie Klostermarienberg auf der Seite Friedrichs. 1456 übertrug daher der Konvent von Csorna im Auftrag des Richters der königlichen Kurie die Hälfte des Besitzes von Lygwan – Nebersdorf und Kissyra – Tenning an den Parteigänger des Königs Mathias, an Benedikt, Sohn des Ladislaus de Nyck. Für weitere Dienste, die Benedikt von Nicky und Ladislaus dem König leisteten, schenkte ihnen dieser 1464 Baran (Großwarasdorf), das damals im Besitz von Friedrich III. war. 1465 bestätigte König Matthias dem Benedikt von Niczk erneut die umfangreichen Schenkungen. Die Niczk hatten bis 1944 die Besitzung in Nebersdorf. Sie stammten vom bayrischen Ritter Wenzellin von Wasserburg ab, der mit der bayrischen Prinzessin Gisela als Gemahlin Stefans des Heiligen 996 nach Ungarn gekommen war. Sein Sohn Radowan war 1057 Palatin. Seine Nachkommen nannten sich nach dem Besitz Jaak im Komitat Eisenburg Herren von Jaak. Diese wurden von König Andreas II., den sie auf den Kreuzzug begleitet hatten, mit weiteren Besitzungen belohnt. 1272 standen sie auf Seiten Rudolfs von Habsburg gegen Premysl Ottokar. 1290 kämpfte Rejnold von Jaak auf Seiten der Güssinger gegen Albrecht von Österreich. Zu ihren Erbgütern gehörte Niczk und Rechnitz, das sie aber mit den Güssingern eintauschten. Sie nannten sich Nicczky de Niczk. Ihre erster Besitz im Komitat Ödenburg war 1267 Laztay (Loisdorf). Bald erwarben sie weitere Besitzungen. Matthias Corvinus verlieh ihnen die Blutgerichtsbarkeit. Ein Problem entstand wegen Großwarasdorf, das nach der Ansicht Friedrichs III. der Herrschaft Güns unterstand. Benedikt von Niczk musste gegen „Eindringlinge“ in den Besitzungen Großwarasdorf, Nebersdorf und anderen vor dem Convent von Csorna erheben. Zwei Jahre später wurde das Komitat beim König vorstellig, weil der Kapitän der Burg Güns Großwarasdorf besetzt und Nebersdorf verwüstet hatte. Der Streit zog sich über längere Zeit hin. Benedikt Niczky scheint sich dann aber mit Friedrich III. ausgesöhnt zu haben, denn dieser ordnete die Rückgabe der besetzten Güter an. Die erlittenen Schäden mussten ersetzt werden. Später trat Benedikt wieder auf die Seite des Matthias, seine Güter wurden erneut besetzt. Um 1478 kam es zu einem Streit mit Nikolaus Pezei de Zarka um Nebersdorf, mit einer Familie die mit Nizcki verschwägert war. Die Petzei konnten schließlich doch einen Hälfte- Anteil an Nebersdorf erlangen, den Benedikt Niczky aber um eine Geldsumme ablöste.

Im Gefolge der Pest und der Besitzkämpfe ging die Zahl der Ansässigkeiten stark zurück, manche Orte waren fast menschenleer. Nebersdorf, Großwarasdorf, Mutschen und Langental waren davon besonders betroffen. Dadurch wurde eine Neuaufsiedlung erforderlich. Es war aber keineswegs leicht, neue deutsche Siedler zu bekommen. Klostermarienberg versuchte etwa vergeblich, die Wüstung Spanfurt neu zu besiedeln. Nur Blumau, Lindgraben und Tschurndorf waren deutsche Neusiedlungen. Schließlich wurden auch die Orte der Niczkyherrschaft und damit auch Nebersdorf mit Kroaten besiedelt. Während aber die meisten Orte nur kroatische Mehrheitsgemeinden waren war Nebersdorf anscheinend rein kroatisch. Großwarasdorf ging den Niczky aus unbekannten Gründen wieder verloren.

 


In Nebesdorf gab es neben den Niczky auch noch andere Besitzer, die um ihren Anteil heftig stritten. Georg Seged wurde 1590 eingesetzt und besaßen ihren Anteil bis 1640, danach ging dieser an die Kaldi de Fölsö Kald. Dieser Anteil bestand aus einer Adelskurie mit 12 vollen Sessionen – 48 Viertelsessionen- und 8 Söllnersessionen. Der Niczky – Besitz umfasste in diesem Jahr in Nebersdorf 49 Viertel- und eine ganze Session. Auch in der Familie Niczky kam es zu Teilungen und Erbstreitigkeiten, etwa mit den Familien Mettyei und Mesterhazy. 1621 wurde erneut geteilt. 1650 verkauften Balthasar, Caspar und Johann Nitczky vier Sessionen an Anna Kisfaludy, Witwe von Franz Käldy. Die Kurie der Kisfaludi – Käldy ging allmählich in den Besitz des 1656 von Nadasdy in Lockenhaus gestifteten Augustiner Konvents über. Der Konvent kaufte alle Teile der Kleinherrschaft auf. Die Bauern von Nebersdorf hatten Probleme mit dem Konvent von Lockenhaus. 1729 forderte Prior Patrizius Scharinger forderte sie auf, die befohlenen Fuhren zu leisten. Die Nebersdorfer protestierten dagegen und der Schulmeister von Großwarasdorf bezeugte die Unrechtmäßigkeit der Forderung naxh Robotleistungen. 1735 vermachten Catharina und Julia von Kaldy ihren Anteil der Kurie dem Convent. Georg Niczky, der Anteile anderer Familienmitglieder aufkaufte, machte ein Wiederkaufsrecht der Kaldy – Kurie geltend, musste aber die Investitionen des Konvents um viel Geld ablösen. Auch der Zugriff auf ein Waldstück auf Nebersdorfer Hotter durch den Konvent konnte abgewehrt werden. Georgs Sohn Christoph Nizcky griff nach Oberpullendorf aus und kaufte mehrere Kleinadelssessionen. Nach der Konskription von 1752 umfasste der Nizcky – Besitz in Nebersdorf 44 Höfler – davon sieben mit deutschem Namen – und 4 Söllner sowie 11 Inwohner (davon 5 deutschnamig) und drei Gemeindediener.

1765/66 führte die Gemeinde einen Urbarialprozess gegen die Grundherrschaft wegen der Robotleistungen. 1767 wurden die Abgabenleistungen festgelegt. Mit Erlaubnis des Bischofs von Raab stiftete Christoph Niczky für Nebersdorf zwei Eremitenmesseleser. Dies richtete sich gegen das Kloster, das sich die Pfarrechte über Nebersdorf angeeignet hatte. Die Augustiner nahmen das Präsentationsrecht in Anspruch und schickten einen Pater als Pfarradministrator und einen Laienbruder nach Nebersdorf. Später wurde Nebersdorf eine Filiale der Pfarre Kroatisch Geresdorf. Erst 1816 übernahmen die Niczky mit der Neueinrichtung der Pfarre das Patronat.

Zeit Christophs von Niczk gehörten zur Herrschaft Nebersdorf auch Groß- und Kleinmutschen. Um 1631 saß in Großmutschen eine Adelsfamilie, die sich nach dem Ort Udvardy nannte, um 1650 eine Familie Sennyey. Aus dieser Zeit stammt das alte Kastell in Kleinmutschen. Wann die beiden Mutschen in den Besitz der Niczky kamen ist nicht bekannt.

Die Herren von Niczk bekleideten hohe Staatsämter und waren tüchtige Militärs. Zur Zeit Maria Theresias standen nicht weniger als acht Familienangehörige unter Waffen, in Husarenregimentern oder als Offiziere der Adelsinsurrektion. Joseph Niczki zeichnete sich im Siebenjährigen Krieg aus. Überaus bedeutend war Christoph von Niczk. Er wurde 1765 in den erblichen Grafenstand erhoben. 1768 schrieb er auf königlichen Befehl das ungarische Gewohnheitsrecht nieder und förderte Kunst und Wissenschaft. Er war Hofkammerpräsident, Rweichsschatzmeister und Oberster Landesrichter. Er ersetzte das alte Kastell durch ein prächtiges neues Schloss und ließ einen Park nach englischer Manier anlegen. 1788 starb Christoph. Die Herrschaft wurde geteilt. Da die Schuldenlast sehr hoch war dachte man daran, die Herrschaft zu verkaufen. Im Hinblick darauf wurde eine Liste der Einkünfte erstellt. Fürst Esterházy zeigte allerdings kein Interesse an einem Kauf. Da ein Großteil des Gutes an einem Pächter, Matthias Knud, vergeben wurde, waren auch andere Kaufinteressenten schwer zu finden. So übernahmen schließlich 1805 die beiden Söhne Georg Niczkys, Ludwig und Georg, das Gut. Die finanziellen Probleme blieben aber bestehen. Graf Emmerich Festetics, Graf Ludwig Szechenyi, Graf Illehazy zeigten nun Interesse. Ein Verkauf unterblieb aber. Auf dem Gebiet der Herrschaft entsatand nun ein neues Dorf, Langental, dort, wo 1229 Draguta später Karako genannt wurden.

Im Revolutionsjahr 1848/49 bzw. im Zuge der Grundablöse erhielten die Nicky entsprechende Grundentschädigung zugesprochen. Sie behielten ihr Hofland und natürlich auch ihr Schloss.

1944 wurde das Schloss beschlagnahmt und an die Industriellenfamilie Heller verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Schloss immer mehr. Es wurde von der Gemeinde gekauft, der Schlosspark wurde aufparzelliert und verkauft. Schließlich erwarb der Gastwirt Rudolf Golubits das Schloss, renovierte es und machte ein Hotel daraus.