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person

Franz Böhm

 

* 02.09.1912 in Bergwerk bei Schlaining
† 2005 in Oberwart

 

Pfarrer und Senior  in Oberwart
  

Franz Böhm entstammte einer sehr kinderreichen evangelischen Kleinbauernfamilie. Trotzdem konnte er das evangelische Gymnasium in Oberschützen besuchen. Nach der Matura 1930 studierte er Theologie in Wien und Leipzig. 1935 wurde er Vikar beim damaligen Superintendenten Theophil Beyer in Oberschützen. Da er den Superintendenten oft vertrat wurde er in der ganzen Region bekannt.  1938 wurde er Pfarrer in Oberwart.

Böhm gehörte zu  der evangelischen Führungsschicht, die - getrieben von der wirtschaftlichen Not der südburgenländischen Dörfer und der erheblichen Diskriminierung der Evangelischen im "Ständestaat" -  ihre ganze Hoffnung auf  den Anschluss an das evangelische Deutschland setzten. Sowohl der Superintendent wie auch der Großteil der evangelischen Pfarrer waren ja für den Anschluss an Deutschland und nicht wenige überzeugte Nationalsozialisten.  Böhm  wurde illegaler Nationalsozialist und bekleidete schon bald führende Positionen in der Partei und in der SA. Er wurde Standartenführer und Gauredner. Bald folgte jedoch die Enttäuschung aus den Realitäten des neuen Regimes. Der Speilraum der evangelischen Kirche wurde ja durch die Enteignung der Schulen und Schulgebäude wesentlich eingeengt, kirchliche Organisationen aufgelöst und der Religionsunterricht in den Schulen abgeschafft.

Böhm wurde vor die Wahl gestellt, seine kirchliche Tätigkeit aufzugeben und dafür Karriere in Partei und Staat zu machen. Er entschied sich für die Kirche und legte alle seine politischen Funktionen zurück. Bald darauf wurde er einberufen und kämpfte als Offizier an verschiedenen Fronten. Er wurde vierzehnmal verwundet, galt als außerordentlich tapfer und erhielt hohe Auszeichnungen. In der Endphase des Krieges kam er als Lehrer an die Offiziersschule in Glasenbach.

Nach dem Ende des Krieges  und seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft war eine Rückkehr in die sowjetische Besatzungszone nicht ratsam. Er blieb in der benachbarten Steiermark und erwarb sich große Verdienste um den Aufbau einer Predigtstation und im Jahre 1948 der selbständigen evangelischen Pfarre in Hartberg. Erst im September 1949 konnte Böhm in seine Pfarre Oberwart zurückkehren.

Das Wirken Böhms in Oberwart war durch rastlose Tätigkeit geprägt. Es gelang die Errichtung eines großen Altenheimes und in der Bildungsarbeit die Einrichtung der "Evangelischen  Wochen". Böhm wurde Senior und Stellvertreter des Superintendenten. 1985 wurde er in den Ruhestand versetzt, war aber auch weiterhin als Krankenhausseelsorger tätig.

2005 wurde der 92-jährige Pfarrer Böhm auf dem Weg zur Kirche von einem Auto erfasst und dabei so schwer verletzt, dass er daran starb.