Kroatisch Minihof, kroat. Mjenovo, ungar. Malomháza) ist ein kroatisches Dorf im Osten des mittleren Burgenlandes. Der Ort ist seit 1971 ein Ortsteil der Gemeinde Nikitsch.

Urgeschichte

So wie das gesamte Gebiet im Ostteil des mittleren Burgenlandes war auch das Ortsgebiet schon in der Jungsteinzeit besiedelt. Vor allem auf den beiden Fluren Amselfeld und  Kleine Rodungen wurden Tonscherben und Steingeräte der Bandkeramischen Kultur gefunden. Aus der Bronzezeit stammt eine Pfeilspitze, aus der Eisenzeit Schlackenreste.

Aus der Römerzeit wurde in den 1930er Jahren in der Flur Draga ein Gutshof ausgegraben. Münzfunde stammen hauptsächlich aus der Zeit um 300 n. Chr. Besonders interessant ist ein versilberter Adler aus Bronze.

 

Mittelalter

Minihof, Karl und die (heute in Ungarn gelegenen Orte) Prössing (Peresznye), Siegersdorf (Horvátzsidány) und Bleigraben (Olmód) auf die Herrschaften Deutschkreutz (Kroatisch Minihof und Kleinwarasdorf) und Lockenhaus (alle übrigen Orte) aufgeteilt. Den Ort Klostermarienberg schenkte Paul Esterházy 1679 dem Zisterzienserstift Lilienfeld.

 

1835 wurde in den Esterhazyherrschaften im Bereich des mittleren Burgenlandes eine große Gebietsreform durchgeführt. Die Herrschaft Deutschkreutz wurde erheblich vergrößert. Sie bestand nunmehr aus der Schafferei Deutschkreutz mit den Orten Deutshkreutz, Girm, Kleinwarasdorf, Kroatisch Minihof und Kroatisch Gerisdorf. und aus der Schafferei Samersdorf mit den Orten Neckenmarkt, Horitschon, Unterpetersdorf, Haschendorf und Raiding. Bis 1848 gab es dann keine Gebietsveränderungen.

 

18. und 19. Jahrhundert

Zwischen 1710 und 1767 verpfänden die Esterházys Minihof an die Meskós, die Grundherren von Nikitsch. So mussten die Minihofer während dieses Zeitraumes auch gegenüber den Meskós ihre Robotleistungen erbringen. Im Jahr 1731 errichten die Bewohner von Minihof auf eigene Kosten eine Kirche.  Sie befand  sich, umgeben von einem Friedhof, an der Stelle der heutigen Kirche. Aus diesem Anlass entstand auch der noch heute bestehende Kirchenplatz, da die Meskós anordneten, die dort befindliche Häuserzeile aus Brandschutzgründen aufzulassen.

Im Jahr 1767 werden die neue Kirche, das Gemeindewirtshaus, die Schule und das Armenhaus erstmals urkundlich erwähnt. Da es in Minihof keine Mühle gab, nutze man die Mühlen von Lutzmannsburg, um das Getreide zu mahlen. Das Jahr 1848 brachte die Grundentlastung. 1850 ist in den Urkunden erstmals von einer jüdischen Familie in Minihof die Rede, und zwar von der Familie Tauber, die über Generationen hindurch  eine Gemischtwarenhandlung betrieben hat.

1858 wurde der Ort von einem Großbrand heimgesucht. Bei der Sprachenzählung von 1880 gaben 998 der insgesamt 1070 Einwohner Kroatisch als ihre Muttersprache an. Bei der Zählung von 1910 gaben 1019 der 1051 Bewohner Kroatisch als Muttersprache an; 17 gaben Ungarisch an und 15 Deutsch.

 

20. Jahrhundert

Ab 1902 begannen viele Minihofer, aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage der nach Übersee – USA, Kanada und Australien – auszuwandern. Einer der Zielpunkte  war die Industriestadt South Bend.  Da dort die Verdienstmöglichkeiten weit besser waren, konnten die Minihofer in Amerika  als Wohltäter in der alten Heimat auftreten. So konnten mithilfe der Spenden aus Übersee  Kirchenrenovierungen und  Neuanschaffungen, etwa einer Orgel und einer Kommunionbank, errichtet werden. Einige Familien kehrten  später wieder nach Minihof zurück und benannten ihre Gasse nach der Stadt in Amerika: „Sotbend“.

Neben der Auswanderung wurde das Pendlerwesen eine weitere Möglichkeit, der Armut zu entkommen. Die Arbeitsmigration nach Wien  setzten in Kroatisch Minihof bereits um 1900 ein. Während die jungen Frauen als Dienstmädchen arbeiteten, verdingten sich die jungen Männer als Bauarbeiter, gewerbliche Hilfskräfte und Industriearbeiter. Mit der Zeit qualifizierten sich die Minihofer in Wien immer mehr und begannen als Facharbeiter, selbstständige Gewerbetreibende sowie in Gastronomie, Verkauf und Handwerk zu arbeiten.

Im 1. Weltkrieg hatte der Ort 16 Gefallene zu beklagen.

Am 27. Mai 1905 wurde der Einschlag eines Meteoriten beobachtet. Ein Stück dieses Meteoriten befindet sich im Naturhistorischen Museum Wien.

 

 

Zwischenkriegszeit

Die Arbeit als Wochenpendler in Wien war nach wie vor die wichtigste Erwerbsmöglichkeit. Viele Familien fassten in der Stadt Fuß und bauten sich eine neue Existenz auf. In Wien konnten auch landwirtschaftliche Überschüsse verkauft werden. Der Anschluss an Österreich wurde keineswegs von allen Ortsbewohnern begrüßt. So wie in den meisten Gemeinden waren der Pfarrer, Lehrer, die Bauern eher proungarisch, die nach Wien orientierten Pendler für Österreich.  Der Anschluss an Österreich wirkte sich natürlich gravierend aus, da die neue Staatsgrenze in unmittelbarer Nähe verlief. So wie in vielen Grenzgemeinden entstand ein reger Schmuggel, vor allem mit Weizen, Tabak, aber auch Lebendvieh. Der Schmuggel war nicht ungefährlich, es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Zollbeamten..

Im 2. Weltkrieg Hatte Minihof  35 Tote und  30 Vermisste zu beklagen.

 

Nachkriegszeit und Gegenwart

Die 1950er und 1960er Jahre waren durch Modernisierungen im privaten wie im infrastrukturellen Bereich geprägt. Viele Häuser wurden umgebaut oder neu gebaut, 1954 wurde auch ein neues Gemeindehaus errichtet. Vor  allem die Straßen und Wege mussten erneuert werden  und mit der Errichtung des Wasserleitungs- und Kanalnetzes wurde begonnen. In der Landwirtschaft setzte die Motorisierung voll ein und viele Wirtschaftsgebäude wurden den neuen Erfordernissen angepasst.

Nach dem Gemeindestruktur - Verbesserungsgesetz wurde Minihof ebenso wie Kroatisch Geresdorf  mit 1. Jänner 1971 als Ortsteile zu Nikitsch geschlagen. Um der starken Abwanderung zu begegnen wurden in den 1990er Jahren neue Hausplätze aufgeschlossen.  Ein Bio Fernheizwerk wurde 1997 eröffnet.

In der Landwirtschaft dominiert der Getreideanbau auf fruchtbaren Schwarzerdeböden. Es gibt noch acht Vollerwerbs- und 10 Nebenerwerbsbetriebe. Das Holz der Urbarialgemeinschaften wird an das Fernheizwerk geliefert. Es gibt noch einen Nahversorger und wenige Gewerbebetriebe.

2011 hatte der Ort 368 Einwohner. So wie die Gesamtgemeinde Nikitsch, deren Bevölkerungszahl seit 1951 sich halbierte, nahm auch die Bevölkerung von Kroatisch Minihof stark ab. Die Geburten- wie die Wanderungsbilanz sind stark negativ. Nahezu 37 % der Bevölkerung sind Pensionisten. Die Bevölkerung ist also stark überaltert.

In der Gemeinderatswahl 2012 erhielt die SPÖ  49, 44 % der Stimmen und verlor die absolute Mehrheit, die ÖVP erhielt 43,33 %, eine Namensliste nahezu 7 %.  Ortsvorsteher ist Peter Buzanich von der SPÖ.

Im Kulturleben von Kroatisch Minihof  spielt die "Junge Initiative", 1985 gegründet, eine wichtige Rolle. Sie organisiert Laientheater, den "Tag der Jugend", Konzerte, Lesungen, Vorträge usw. und betreibt die zweisprachige Bibliothek. Der Verein organisierte die Renovierung des alten Pfarrhofes und begründete ein Open- Air-Theater im Garten des Pfarrhofes für Musical- und Opernaufführungen. Auch der Kroatische Kulturverein, Zweigstelle Kroatisch Minihof, ist kulturell aktiv. Es gibt eine Tamburizza - Gruppe und die Tamburizza - Rock - Popband "Lole"

An bedeutenden Persönlichkeiten stammen aus Kroatisch Minihof Norbert Darabos, 2007 bis 2013 Verteidigungsminister, dann Landesrat, und einige bekannte Mediziner, etwa  Dr. Herbert Czitober, Dr. Rudolf Kuzmits. Andreas Kutmich war Mitbegründer der burgenland-kroatischen Zeitung "Nase Novine" und des Kroatischen Kulturvereines 1921. Johann Dobrovich stammte aus Wulkaprodersdorf und war Volksschuldirektor in Kroatisch Minihof. Er verfasste eine Geschichte der Burgenlandkroaten.

 

Kirche und Schule

Kroatisch Minihof gehörte zur Pfarre Nikitsch. Die erste Kirche, der Hl. Dreifaltigkeit geweiht, wurde 1731 erbaut und 1856 renoviert. 1810 wurde ein Gebäude errichtet, das zunächst als Gemeinde- und Armenhaus diente  und 1870 zum Pfarrhof wurde.1870 wurde der Ort zu einer selbständigen Pfarre und von Nikitsch getrennt. 1872 wurde der Pfarrhof renoviert.  1874 wurde eine neue Kirche gebaut. Der Turm der alten Kirche wurde übernommen und erhöht. 1996 bis 1998 wurde die Kirche renoviert. Der Pfarrhof wurde 1908 erneut renoviert und ein großer Garten angelegt. Im ausgehenden 20. Jahrhundert verwahrloste das leer stehende Gebäude immer mehr. Bis 2015 wurde es in mehreren Etappen renoviert und zu einem Veranstaltungszentrum für Gemeinde und Pfarre ausgebaut.

Die Schule wurde 1767 erstmals erwähnt. Sie war in einem Bauernhaus untergebracht. Sie wurde 1857 baulich erweitert, war aber für die große Schülerzahl noch immer zu klein. 1894 wurde ein zweigeschossiger Neubau errichtet. In den 1990er Jahren wurde die Schule renoviert und umgebaut, die ehemaligen Lehrerwohnungen wurden zu einem Turnsaal. auch der Kindergarten wurden in dem Gebäude untergebracht.

Literatur:

  • Mjenovo, Kroatisch Minihof. Nikitsch 2013.