Juden im Burgenland (1934)

Judengemeinden im Burgenland und Anzahl der Bewohner israelitischer Religioinszugehörigkeit 1934

Juden im Mittelalter

Vermutlich gab es schon in der Römerzeit Juden in Pannonien. Eine Weiheinschrift in Steinamanger spricht für das Bestehen einer Judengemeinde, ebenso das in jüngster Zeit gefundene jüdische Amulett aus Halbturn aus dem 3. Jahrhundert.

Die ersten schriftlichen Nachrichten  stammen aus den Gesetzen der ungarischen Könige Ladislaus I. und Koloman vom ausgehenden 11. Jahrhundert, die Regelung von Käufen und Verkäufen betreffenden. Die Juden scheinen im Finanzwesen des Königreiches schon eine wichtige Rolle gespielt zu haben. 1225 forderte Papst Honorius III. König Andreas  auf, Juden und Sarazenen von öffentlichen Ämtern auszuschließen, da diese unter besseren Bedingungen als die Christen lebten. Sie würden Mischehen eingehen und den christlichen Partner dann zum Abfall zwingen, ebenso die christlichen Sklaven in ihrem Besitz. Der König musste sich zu einem Abkommen verpflichten, nachdem die Juden weder die königlichen Eigengüter verwalten durften noch das Münzmonopol , das Salzmonopol  noch die Steuern pachten durften. Außerdem sollten alle Juden ein bestimmtes Kennzeichen tragen. Dies wurde zwar mehrmals angeordnet, aber anscheinend nicht durchgeführt. Dieses Abkommen wurde schon wenige Jahre später unwirksam. Im Friedensschluss von 1225 zwischen König Andreas  und Herzog Leopold VI. von Österreich  verpflichtete sich der Herzog, 1000 Mark zu zahlen. Dafür bürgte der Jude Tekanus, der Kammergraf war.  Dieser muss sehr reich gewesen sein. 1228 wurde ein Prozess um Grundbesitz bei Mattersburg zu seinen Gunsten entschieden und 1232 war er im Besitz von Pöttsching. Papst Gregor IX. erteilte König Bela IV. die Erlaubnis, Juden und Mohammedaner in des gesamten Finanzverwaltung einzusetzen, ihnen die Einnahmen zu verpfänden.  Es mussten ihnen aber Christen zur Kontrolle beigegeben werden. Den Prälaten wurde 1279 ausdrücklich verboten, Juden in ihre Dienste zu nehmen.

König Bela IV. erließ 1251 eine Judenordnung, die vielleicht dazu beitragen sollte, die Abwanderung nach Österreich zu verhindern.  1250 gab es einen Kammergrafen namens Henel oder Henuk, 1280 war ein Fredman Kammergraf des Königs Ladislaus IV. Dieser gab dem König ein beträchtliches Darlehen und erhielt dafür Grundbesitz. Papst Urban IV. beschwerte sich darüber. 1257 erscheinen die Söhne des Henel, Lublin, Nekel und Olthmanus als Kammergrafen König Ottokars II. von Böhmen. Sie hatten den Dreißigsten, den ungarischen Ausfuhrzoll, gepachtet, müssen also über ein beträchtliches Vermögen verfügt haben. Sie erhielten die Festung und den Besitz Komom, blieben aber den Pachtzins schuldig und verloren diese wieder. Lublin war an der Abwicklung verschiedener Geschäfte beteiligt und war Kreditgeber. Er wird auch Welven, Wolflin genannt, in einer Urkunde von 1259, in der er dem Abt von St. Peter in Freising einen Kredit gewährte. Er könnte identisch sein mit dem 1263 genannten Juden Farcasius de Castro Ferreo, Geschäftspartner eines Vid (Veit) aus der Sippe der Gutkeled, von dem er eine überaus kostbare Bibelhandschrift gegen ein Darlehen von 70 Mark Silber als PFand übernahm. Es handelt sich dabei um die Admonter Riesenbibel, die im Besitz des früheren Benediktinerklosters Csatar im Komitat Eisenburg war. Diese auch als Gutkeled - Bibel bekannte Handschrift. Frau Kötner - Benigni meint, dass Stephan Gutkeled Statthalter des Königs von Ungarn in der Steiermark war und dort in den Besitz der BIbel kam. Er schenkte sie dem von ihm gegründeten Hauskloster Csatar. Er verpfändete sie, konnte sie aber nicht auslösen. Vielleicht wurde sie von Farcasius oder seinen Nachkommen an Abt Engelbert von Admont verkauft. Im 15. Jh. war die Bibel jedenfalls wieder im Admonter Besitz. Farcasius und seine Familie lebten also in  Eisenburg, wo es offenbar eine finanzkräftige Judengemeinde gab. 1276 schenkte König Ladislaus IV. dem Palatin Nikolaus von Güns/Güssing ein festes Haus in Eisenburg, das der Jude Scehtinus erbaut hatte. Juden konnten also Grundherrschaften und Burgen besitzen. Das Gut trug den Namen Sydofelde, also Judendorf. Palatin Nikolaus überließ diesen Besitz später dem Kapitel von Eisenburg.

Judengemeinden gab es in Stuhlweißenburg, in Preßburg, wo sich Past Benedikt XII. darüber beschwerte, dass sie sogar eine neue Synagoge erbauen wollten, in Wiener Neustadt und auch in Ödenburg. Die Ödenburger Judengemeinde bestand schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts, wird aber in der Stadtrechtsverleihung von 1277 nicht erwähnt. Auch in Güns bestand vermutlich eine jüdische Siedlung. Die Juden von Körmend sind auch urkundlich belegt. 1324 erteilte der König den Juden die Erlaubnis zur Niederlassung in der Stadt Ödenburg, zu gleichen Bedingungen wie die Christen.

Etwas unsicher ist die erste Erwähnung in Eisenstadt. 1296 erteilte Ladislaus Gutkeled den Söhnen eines Ebro, genannt Mendel, Wolfger, Nikolaus, Ebro, Michael und Andreas zum Dank für erwiesene Dienste vier halbe und eine Viertelansässigkeit in St.Margarethen. und eine halbe Ansässigkeit und einen Waldanteil in Eisenstadt. Um die Namen gibt es interessante Spekulationen. Neben Mendel kann auch der Name Ebro jüdisch sein. Der Name des Kammergrafen Teka ist auch in der Form Teha oder Teja überliefert. Nach einer Hypothese Fritz Zimmermanns weisen die Namen auf die spanischen Flüsse Ebro und Tejo hin. Davon wurde abgeleitet, dass die beiden Juden zusammen mit Symon von Aragon, dem Ahnherrn der Mattersdorfer Grafen, nach Ungarn gekommen wären.

Im 14. Jahrhundert sind zunehmend mehr Juden bezeugt. Die Grafen von Mattersdorf-Forchtenstein unterhielten Geschäftsbeziehungen zu Juden in Ödenburg, Preßburg und Wr. Neustadt. Nikolaus der Deutsche war gezwungen,  beim Juden Isserl von Wr. Neustadt Darlehen in der Höhe von 700 Pfund aufzunehmen, die er nicht zurückzahlen konnte. Die Kanizsai sprangen ein und bekamen dafür mehrere Dörfer verpfändet. Isserl (Israel) ist auch in Preßburg nachgewiesen, in Ödenburg besaß er mehrere Häuser. Später nahm Nikolaus auch Darlehen bei den Juden Smerlein und Efferl (Ephraim), Söhne eines angesehenen Juden Isak, auf und verpfändete ihnen dafür Grundbesitz. Auch Jüdinnen traten als Geldverleiherinnen auf. Alle diese jüdischen Familien standen miteinander in Beziehung. Sie lebten ausschließlich in den großen Städten. Ihre Rechtslage war günstig. Sie genossen den Schutz des Königs und unterstanden dessen Gerichtsbarkeit oder der des camerarius. Der König setzte jeweils einen Judenrichter ein, der kein Jude war und Streitigkeiten auch mit Christen behandelte. 1374 wird ein Judenrichter für das gesamte Königreich genannt. Über die Abgaben, die die Juden im Mittelalter zu entrichten hatten, ist nichts bekannt. Ob sie auch Handel betrieben oder Handwerke ausübten kann aus den Quellen nicht geschlossen werden. Ihre Hauptbeschäftigung waren die Darlehensgeschäfte. Usura, Wucher, war den Juden ausdrücklich gestattet. Die Zinsen, die verlangt wurden, waren oft sehr hoch und mit ein Grund für die wiederholten Judenverfolgungen und Vertreibungen. Juden bekleideten auch hohe Ämter. Ob der Ende des 13. Jahrhunderts genannte Palatin und Gespan von Eisenburg Moyses und sein gleichnamiger Sohn Juden waren ist allerdings fraglich. Einiges spricht aber dafür. Feindlicher als die weltliche Obrigkeit war den Juden gegenüber die Kirche.

An der Religionsausübung dürften die Juden kaum gehindert worden sein. Synagogen gab es in Preßburg und Ödenburg. Die Ödenburger Synagoge ist erhalten geblieben. Eine Verfolgung und Vertreibung von Preßburger Juden gab es unter König Ludwig. Die Juden gingen nach Hainburg, wo es bald zu Spannungen kam. Johann Kanizsai erhielt die Erlaubnis, auch fremde Juden in Eisenstadt aufzunehmen. Als 1496 die Juden aus Niederösterreich ausgewiesen wurden fanden viele in Eisenstadt einen neuen Wohnsitz. 1529 konnte sie in Eisenstadt bleiben, als man die Juden aus Ungarn auswies. Eisenstadt unterstand der niederösterreichischen Kammer.

Literatur:

  • Irmtraut Lindeck-Pozza:Juden zwischen Ungarn und Österreich im Mittelalter. In:  Juden im Grenzraum. Geschichte, Kultur und Lebenswelt. Schlaininger Gespräche 1990. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland 92. 1993
  • http://www.zobodat.at/pdf/Wiss-Arbeiten-Burgenland_092_0013-0022.pdf

 

Die Entstehung der Judengemeinden in der frühen Neuzeit und ihre Entwicklung

 

Überblick

In der Literatur werden die burgenländischen Judengemeinden oft als "Siebengemeinden" bezeichnet. Dieser Begriff sollte aber nur auf die im ehemaligen fürstlich esterházyschen Herrschaftsbereich  bestehenden Judengemeinden in den Komitaten Ödenburg und Wieselburg angewandt werden. und auch da nur für die Zeit von 1740 bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Eine Kommission, die Maximilian II. wegen der vielen Beschwerden gegen den Pfandinhaber Hans von Weispriach  einsetzte, musste in Eisenstadt heftige Beschwerden der Bürger gegen die Juden entgegen nehmen. Die von Weispriach angesiedelten Juden hätten die "burgerliche Handtierung und handwerk" zum Schaden der Bürgerschaft betrieben. Bei Streitigkeiten zwischen Christen und Juden entschied der Judenrichter oder die Herrschaft. Auch fremde Juden betrieben "haufenweis burgerliche handtierung". Die Juden trieben ihr Vieh auf die städtische Weide, ohne "mitleiden" mit der Stadt zu tragen (also ohne an den Lasten der Stadt beteiligt zu sein).  Auch in Mattersdorf gab es Beschwerden gegen die Juden. Dort hatte die Judenansiedlung schon 1526 begonnen. In diesem Jahr verweigerte die Stadt Ödenburg den Juden, die wegen der vordringenden Türken geflohen waren, die Rückkehr in die Stadt. Hans Weispriach hatte in Mattersdorf ohne Wissen des Kaisers Juden angesiedelt. Die Herrschaft überließ ihnen den Grund , der zum Meierhof gehörte - wo früher vermutlich die Burg stand. Sie errichteten eine Synagoge  und Tunk (Bad) sowie einen Friedhof. 1569 gab es 11 Judenhäuser mit 67 Einwohnern. Diese hatten jährlich 24 Taler und zu Weihnachten Gewürze um 8 Gulden zu dienen. Wegen der heftigen Beschwerden gegen die Juden erteilte die Kommission den Befehl, die Juden innerhalb von 6 Wochen auszusiedeln. Weispriach versuchte nun, entgegen  dem Generale Maximilians II., die Juden ohne Ablöse zu vertreiben. Aber schon im folgenden Jahr erlaubte Erzherzog Karl den vor 1568 ansässigen Juden den Verbleib. 1671 wurden die Juden auch aus Mattersdorf vertrieben, konnten aber nach 19 Jahren zurückkehren. 1739 wurde die Judengemeinde in Neufeld aufgehoben, die meisten Juden übersiedelten nach Mattersdorf.

Die großen Judengemeinden Westungarns sind erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden. Die Ödenburger Juden wurden schon Anfang des 16. Jahrhunderts aus der Stadt vertrieben worden, 1670 begannen die großen Judenausweisungen aus Wien, Nieder- und Oberösterreich und aus der Steiermark. Die westungarischen Grundherren nahmen viele der Juden in ihren Herrschaften auf. Das Judenrecht lag ursprünglich beim König, ging jedoch im 17. Jahrhundert auf die Grundherrn über. In den Esterhazyherrschaften entstanden die "Siebengemeinden", die sich zu einem Verband zusammen schlossen. Auch die Batthyány siedelten Juden an, auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes in Rechnitz, Schlaining und Güssing. Die größte Gemeinde war Rechnitz, 1676 bereits mit 42 Familien. 1728 wurde Güssing als Tochtergemeinde von Rechnitz gegründet, 1750 bereits mit 16 Familien.

Den größten Zuwachs an jüdischen Siedlungen gab es 17. Jahrhundert. Einige davon sind später wieder verschwunden. 1640 werden in Nikitsch zwei Juden erwähnt. Einem von ihnen, Daniel Salome, verweigerte die Stadt Ödenburg den Zutritt zum Markt, auch mit der Begründung, dass er in Ungarn nicht zugelassen sei. Prickler vermutet, dass er ein ausländischer Jude, ein portugiesischer Maronit war, der über die Niederlande nach Ungarn gekommen war. Nach 1655 haben die Nikitscher Juden den Ort verlassen. Wahrscheinlich übersiedelten sie nach Deutschkreutz oder Neufeld.

Kleinere Judengemeinden gab es um die Mitte des 17. Jahrhunderts auch in Kittsee und Rechnitz. Besonders interessant ist die Entstehung der Judensiedlung in Neufeld 1653.

1671 wurden die Juden aus Österreich und Ungarn vertrieben. Als sie nach wenigen Jahren wieder zugelassen wurden kam es zur Wiedererrichtung einiger Gemeinden, aber auch zur Entstehung einiger neuer Gemeinden und zur Niederlassung von Juden an Orten, wo es sie bisher nicht gegeben hatte. Im Komitat Wieselburg entstanden die Gemeinden Kittsee, Karlburg (Rusovce), Ragendorf und Frauenkirchen.

Paul Esterházy erließ in den 90er Jahren des 17. Jahrhunderts zahlreiche Gemeindeorsnungen oder "Privilegien" für die Judengemeinden seiner Herrschaft. Sie bildeten die Grundlage des Fortsbestehens der Judengemeinden. Ein Judenfreund war er allerdings nicht. 1671 war er vehement für die Austreibung der Juden wie auch der Lutheraner und Calvinisten eingetreten. In einem Brief an den Kaiser bezeichnete er sie als "Größten Feinde unseres Herrn Christus". Sein Umdenken hatte wirtschaftliche Gründe. Der Wiener Hofjude Simson Wertheimer  und andere Juden gewährten den Esterhazy wiederholt hohe Kredite. In religiöser Hinsicht gab es wenig "Toleranz". Es gab immer wieder Versuche, Juden zu "bekehren" - mit nur geringen Erfolgen, die aber groß gefeiert wurden. Im Jahre 1772 wehrten sich die Juden von Lackenbach gegen die "Bekehrung" des Mädchens Malchel. Der getaufte Jude Leopold Josef Böhm erhob Anklage vor dem Herrenstuhl, weil er in Mattersburg  im Haus eines Juden geschlagen, gefesselt und in einem Wagen durch mehrere Komitate geführt worden war.

Dass Esterhazy die Gründung einer neuen Judengemeinde in Eisenstadt erlaubte wird manchmal damit begründet, dass seine Judenfeindschaft nicht sein persönlicher Standpunkt sondern der seiner geistlichen Berater war. Ein "vicarius" wies 1659 darauf hin, dass es für die Bekehrung der Evangelischen vorteilhaft wäre, die Juden auszuweisen, da sich die Protestanten auf die Duldung ihnen gegenüber beriefen. Paul Esterházy und seine Frau Eva Tököly verpfändeten ihr Silber für 50 000 Gulden an den Juden Schlesinger. Das Komitat Ödenburg stand bei Wertheimer mit 100 000 Gulden in der Kreide für die zu erwartenden Steuereinnahmen. "Judenfreundlicher" waren Franz Nadasdy und die Grafen Christoph und Paul Batthyany.

Die Gemeinde Mattersdorf wurde erst nach 1675 wieder errichtet. Kurze Zeit nach 1671 sind auch die Judengemeinden Lackenbach und Kobersdorf wieder entstanden. Judengemeinden gab es auch in Donnerskirchen und Rust. Der Edelhof (Leisserhof) in Donnerskirchen wurde zeitweise von bis zu 12 jüdischen Familien bewohnt. Sie benutzten einen Raum auch als Synagoge. Sie pachteten die Mauten von Purbach und Schützen a. G. Sie führten für ihren Schutzherrn Paul Esterhazy  auch Handelsgeschäfte durch. Noch 1709 werden die Donnerskirchener Juden erwähnt. In Rust ist erstmals 1673 ein Jude nachweisbar. Zeitweise lebten dort fünf bis sechs Familien. 1725 wurde der letzte Jude aus Rust ausgewiesen.

Vorübergehend lebten Juden auch in einem Edelhof in St. Margarethen und in Draßburg.

1671 entstand die Judengemeinde Deutschkreutz. 1672 hielten sich dort 28 Juden mit Frauen und Kindern auf, vielleicht auch durch Zuzug von Familien aus Neufeld.

Die größten Judengemeinden im Süden des Landes, Rechnitz und Schlaining,  verdankten ihre Gründung den Batthyany. Rechnitzer Juden, die zum Teil italienischer Abstammung waren, betrieben weit gespannte Handelsgeschäfte.

Der Großteil der Juden im westungarischen Raum lebte aber in sehr bescheidenen Verhältnissen.
 

Die Judengemeine von Stadtschlaining dürfte zur gleichen Zeit wie die Rechnitzer oder nur sehr kurze Zeit danach gegründet worden sein. 1675 wird erstmals der Judenrichter Joli genannt, dem der Bemsteiner Verwalter Somalovits auf Befehl Christoph Batthyánys für verkauftes Tuch 11 Gulden bezahlen musste. Aus späterer Zeit entsteht der Eindruck, dass die Schlaininger Judengemeinde in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Rechnitzer Gemeinde blieb

Rechnitz, Stadtschlaining, Güssing, Körmend und Nagykanizsa bildeten im 18. Jahrhundert den Verband der fünf Batthyänyschen Schutzjudengemeinden, ähnlich dem der Esterhäzyschen Siebengemeinden.

Im 18. Jahrhundert lebten viele Rechnitzer und auch Schlaininger  Juden außerhalb ihrer Gemeinden.

Im 18. Jahrhundert entstanden nur mehr Güssing und Gattendorf als neue Judengemeinden. In Güssing hatten sich bald nach Gründung der Rechnitzer Gemeinde von den dortigen Juden einige als Pächter herrschaftlicher Einrichtungen niedergelassen. Um 1750 lebten dort schon 18 Familien im herrschaftlichen Stadtmeierhof, wo auch eine Synagoge eingerichtet wurde. Die Gemeinde machte sich schließlich selbständig. 1749 brannte der "Judenhof" vollständig ab.

Gattendorf lag an einer bedeutenden Straßenkreuzung. Erste Hinweise auf Juden gab es schon 1720, 1726 sind Gattendorfer Juden auf der Leipziger Messe anzutreffen. 1764 wohnten im ehemaligen Meierhof 18 jüdische Familien.  1833 bestand eine Synagoge. Unter den 19 Juden im Jahre 1772 befanden sich Tischler, Schnapsbrenner, Schlosser, Schuster und der Schächter.
Der  Branntweinbrenner Samuel Pollak sticht durch größeren Reichtum hervor. Die runde Synagoge stand im Hof und war aus massiven Materialen errichtet. Frei gewordene Meierhöfe wie  die Sennyey'sche Kurie und der Schlossbergische Meierhof  wurden den Juden, die zum Großteil aus Preßburg kamen,  als Wohnungen eingeräumt.
 

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts, nach Auflassung der Gemeinde Neufeld, bestanden  auf dem Territorium des heutigen Burgenlandes folgende Judengemeinden:

 

Die Fürstlich Esterhäzyschen Gemeinden Kittsee, Frauenkirchen, Eisenstadt, Mattersburg, Deutschkreutz, Lackenbach und Kobersdorf (Siebengemeinden),
 

 

Die Gräflich Esterhäzysche Gemeinde Gattendorf

 

Die Fürstlich beziehungsweise Gräflich Batthyänyschen Gemeinden Rechnitz, Stadtschlaining und Güssing

somit  elf Gemeinden.  Um 1700 waren  es, mit Hinzurechnung von Donnerskirchen und Neufeld, jedoch ohne Güssing,  sogar zwölf Gemeinden; hievon ist eine, nämlich Eisenstadt, bis ins Mittelalter zu­rückzuführen, im 16. Jahrhundert entstanden drei Gemeinden (Mattersburg, Kobersdorf, Lackenbach als Nachfolgegemeinde von Neckenmarkt), im 17. Jahrhundert sieben Gemeinden (Kittsee, Frauenkirchen in Nachfolge von Mönchhof, Donnerskirchen, Neufeld, Deutschkreutz, Rechnitz und Stadtschlaining), im 18. Jahrhundert zwei (Gattendorf, Güssing). Mit Ausnahme von Donnerskirchen und Neufeld bestanden diese  bis ins 20. Jahrhundert, erst in österreichischer Zeit kam es durch Verlegung des Gemeindesitzes von Stadtschlaining nach Oberwart  zu
einer Änderung, Gattendorf wurde der Gemeinde Kittsee angeschlossen. In einigen
anderen Orten (zum Beispiel Großpetersdorf, Bad Tatzmannsdorf) waren schon im 19. Jahrhundert Filialgemeinden entstanden, zum Teil mit eigenem Friedhof.

 

Lebensweise und Wirtschaft

Bis in das 19. Jahrhundert waren die Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten der Juden durch landesherrliche, vor allem aber grundherrschaftliche Vorschriften strikt reglementiert. Verdienstmöglichkeiten ergaben sich in den Nischen der feudalen Gesellschaft, vor allem aber im Handel und Geldverleih. Der Handel reichte vom Juwelen- und Edelmetallhandel über den Textil- und Lederhandel  zum Handel mit Häuten und Fellen  und zum Trödelhandel, der als Hausierhandel betrieben wurde.

Für die Erlaubnis zum Handel musste der Grundherrschaft oder der Stadtobrigkeit Abgaben bezahlt werden. Die Juden von von Lackenbach, Mattersburg und Kobersdorf zahlten im 17. Jahrhundert den Batthyänys für die Handelserlaubnis auf ihren Gütern jährlich 40 Gulden. Als dann  in Rechnitz eine eigene Judengemeinde entstand, musste diese der Herrschaft 10 Gulden für das alleinige Handelsmonopol auf den Batthyány - Gütern  bezahlen. Den Esterhäzyschen und anderen auswärtigen Juden wurde  die  Handelserlaubnis entzogen. Auch die Freistadt Ödenburg, die ihre eigenen Juden 1526 vertrieben hatte, kassierte später von den Esterhäzyschen und anderen Schutzjudengemeinden  jährliche Taxen für die Erlaubnis zum Besuche der  städtischen Märkte.

Der größte Teil der Juden gehörte zur Gruppe der armen, kleinen
Handwerker. Nur bestimmte Handwerke waren zugelassen, etwa  Schneider, Schuster, Kürschner, Goldschmiede ... Sie wurden von den christlichen Handwerkern   als "Fretter" oder "Störer" bekämpft, weil sie  sich nicht immer an die  limitierten Preise und Löhne hielten und  ihre Verkaufsgebiete unerlaubt ausdehnten. Der Erwerb von Immobilien war den Juden in der Neuzeit meist untersagt.IM Mittelalter kam gelegentlich der Pfandbesitz von Weingärten und Grundstücken vor.  So konzentrierten sie sich auf den Geldverleih. Dies war leichter, da den Christen der Geldverleih gegen Zinsen ja prinzipiell untersagt war bzw. nur sehr niedrige Zinsen verlangt werden durften. Die Juden verliehen zu sehr hohen Zinsen Kredite, meist auf kurze Zeiträume. Üblich waren im 17. Jahrhundert 26 % pro Woche. Alle diese Kreditgeschäfte waren aber mit einem hohen Risiko verbunden - wenn der Kreditnehmer zahlungsunfähig war oder die Obrigkeit die Schulden einfach für verfallen erklärte. Kredite wurden aber je nach Risiko und Vermögen des Kreditnehmers auch zu günstigeren Bedingungen gewährt.

Große Einnahmen hatten Juden aus der Pacht herrschaftlicher Regalrechte, vor allem von Mauten. Im 17. und 18. Jahrhundert waren die Mauten ausschließlich im Pachtbesitz von Juden. Sie mussten dafür hohe Pachtgebühren bezahlen und versuchten dementsprechend rigoros, die Mauten einzutreiben. Das trug zur Unbeliebtheit der Juden bei. Gepachtet wurden oft auch die herrschaftlichen Fleischbänke. Auch der Kauf und Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte und der entsprechenden Naturalabgaben an die Herrschaft war oft in den Händen der Juden. Die Batthyany verboten zeitweise den Untertanen den Handel mit ihren eigenen Erzeugnissen. Die Herrschaftsverwaltungen übertrugen den Juden per Kontrakt die Vermarktung bestimmter Produkte wie etwa Schafwolle, Honig, Häute usw. Paul Esterhazy etwa verpachtete um 1660 den gesamten Häutehandel einem Juden. Ihm mussten alle Häute verkauft werden. In einigen Handwerken, wie etwa in der Glaserei, wurden nach der Vertreibung der Wiedertäufer ebenfalls Juden aktiv, in Ödenburg, aber auch bei den Schlossbauten der Esterhazy, Der Mattersburger Glaser Gerstl oder die Lackenbacher Juden Lewei Salomon, Samuel Hirsch und Samuel Marx waren als Glaser tätig. Auch in der Branntweinbrennerei waren nahezu ausschließlich Juden tätig. Neben Trebernschnaps stellten sie auch Kräuterliköre und Rosolio her.Jüdische Schnapsbrenner gab es in Kobersdorf, Neufeld, Kittsee, Gattendorf, Eisenstadt, Güssing, Draßburg, Weinberg, Lutzmannsburg, Strebersdorf und an vielen anderen Orten.  Ebenso in jüdischer Hand waren die Bierbrauereien und Bierschankhäuser der Herrschaften, etwa in Kittsee, Rechnitz, Hannersdorf, Frauenkirchen. Die bedeutendste Brauerei stand in Mattersburg. Sie wurde von Moses Latarus und Salamon Benedikt um 600 Gulden gekauft. Außerdem hatten sie ein jäjrliches Schutzgeld zu zahlen  Der christlichen Gemeinde zahlten sie jährlich 20 Gulden, hatten dafür aber das alleinige Recht, Bier auszuschenken. Das Brauhaus beim herrschaftlichen Meierhof blieb bis 1808 in jüdischem Besitz und kam dann wieder in Esterhazy - Besitz. Von Mattersburg aus wurden auch andere Dörfer und Bierwirtshäuser beliefert. etwa Wulkaprodersdorf. Sie pachteten den herrschaftlichen Bierschank in Eisenstadt- Schlossgrund und beim Kalvarienberg und sogar in der Freistadt Eisenstadt. 1715 errichtete Lazarus bei der Neudörfler Leithamühle eine Brauerei. 1695 befand sich sogar das Brauhaus der Freistadt Ödenburg im Pachtbesitz des Brauers Moyses Lazarus. Seine Familie gehörte zu den reichsten der Mattersburger Judenstadt. Freilich gab es immer wieder auch Konflikte, da der Bierausschank in Konkurrenz mit den herrschaftslichen Wirtshäusern stand.

Neben anderen "Unternehmern" verschiedenster Herkunft waren es immer wieder auch Juden, die der Herrschaft die Errichtung von Gewerbebetrieben vorschlugen. So richtete etwa Graf Winsischgrätz 1728 auf seinem Edelhof in Strebersdorf auf Vorschlag des Juden Gerson Susman, der in Mattersburg und Wien ansässig war, eine Lederfabrik ein. Diese hatte eine beträchtliche Größe. Die Esterhazysche Leinenfabrik in Neufeld befand sich zeitweilig im Pachtbesitz des Eisenstädter Juden Marx Schlesinger. In Eisenstadt betrieb im frühen 19. Jahrhundert der Jude Marcus Engländer eine Lederfabrik. Die Esterhazysche Papiermühle in Hammer bei Lockenhaus und der Verschleiß der  Glashütte der Batthyany in Glahütten bei Schlaining befanden sich ebenfalls in jüdischen Händen.


F. Hodik hat in  Mattersburg für das Jahr 1744 folgende Daten ermittelt: 45 % der Gemeindemitglieder waren im Handel tätig - Pferde, Felle Bänder, Mehl, Kleinvieh und Tuchhändler und Hausierhandel mit verschiedenen Waren. 23 % waren Handwerker - Schneider, Fleischhauer, Buchbinder, Schnürmacher, Schuster, Schächter, Branntweinbrenner und Bierbrauer. 21 % waren in Dienstleistungsberufen tätig - Dienstboten, Briefboten, Bierschenker, Spielmänner. 13 % waren in Bildungsberufen: Schulmeister, Schreiber. Diese Zahlen kann man wohl auch auf andere Judengemeinden in dieser Zeit übertragen. Intzeressant ist der hohe Anteil an Musikern. Man vermutet, dass diese  "Klesmer", jüdische Musikergruppen, auch an den Adelshöfen und bei christlichen Veranstaltungen gespielt haben.


Die Eisenstädter Judengemeinde

Die einzige mittelalterliche Judengemeinde auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes entstand in Eisenstadt. Noch im 13. Jahrhundert ließen sich unter den Gutkeled Juden in Eisenstadt nieder. 1296 übertrug Ladislaus, Sohn des Nikolaus Gutkeled, den Söhnen des Ebro genannt Mendel aus St. Margarethen viereinhalb Lehen in St. Margarethen auch ein Lehen mit Wald in Eisenstadt nach "österreichischem Recht". Mendels Söhne bekamen volles Nutzungsrecht. Sie sind wahrscheinlich schon früher aus Österreich oder der Steiermark zugewandert. In Ödenburg und in Wiener Neustadt lebten schon viel früher Juden. Die Gutkeled hatten Kontakte zu jüdischen Händlern und Geldgebern. Das bezeugt etwa auch die Geschichte der "Admonter Riesenbibel" (Gutkeled - Bibel).

1388 bekam Johannes Kanizsai, Erzbischof von Gran, das Recht, ausländische  Juden in Eisenstadt anzusiedeln. Die Abgaben der Juden, die prinzipiell dem König zustanden, durften von der Grundherrschaft eingehoben werden.  Aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gibt es in den Pre0burger Grundbüchern viele Namen von Eisenstädter Juden. Manche übersiedelten offenbar von Preßburg nach Eisenstadt. 1416 etwa lieh Waruch, der Jude von Eisneinstat, samt seiner Frau Rachel der Stadt Preßburg hundert Pfund Wiener Pfennige. Ebenfalls 1416 verkauften die in Eisenstadt wohnhaften Juden Symacha und seine Frau Dyna ihr Preßburger Haus "neben der Judenschul". Genannt werden auch die Eisenstädter Juden Jerl, Abraham, Gädl, Aschel, Simon und Schalmon, um 1480/1500 der Eisenstädter Rabbiner David.

1496  erhielt die Judengemeinde Zuzug aus Wr. Neustadt - nach der Judenvertreibung aus der Steiermark, Kärnten, Neunkirchen und Wr. Neustadt.  Nur wenige blieben in Eisenstadt. Im Urbar von 1515 werden nur sechs Judennamen angeführt: nebeneinander wohnten Warach, Elias, Hirschl und Gutskind, unter den Bürgerhäusern Yserl und Gerstl. 1526, während der Türkenkriegsgefahr, übersiedelten die Ödenburger Juden Vischl, Köppl und Gerstl nach Eisenstadt. Die STadt Ödenburg sah dies als Bruch der Solidaritätspflicht an und forderte sie - unter Androhung der Beschlagnahme ihres Besitzes - zur Rückkehr auf. Die Juden wandten sich an Königinwitwe Maria nach Mohacs um Hilfe.

1526 wurden die Ödenburger Juden vertrieben, da sie nach der Niederlage von Mohacs geflohen waren und sich damit der Verteidigungsaufgabe entzogen hatten. Als weiterer Grund für die Vertreibung wurde angeführt, dass die Juden in der Stadt früher nur vier Häuser innegehabt hatten, nunmehr bereits 16 Häuser besaßen, aber nicht mehr Steuern bezahlen wollten. Durch ihre Preise würden sie den christlichen Handwerkern schaden, sie würden "Fürkauf", also Zwischenhandel mit Lebensmitteln betreiben und auch während der christlichen Feiertage ihre Geschäfte betreiben. Trotz des Eingreifens der Königin zugunsten der Juden blieb die Stadt hart, zahlte aber das Judenvermögen in der Stadt aus.

 

Einige der aus Ödenburg vertriebenen Juden ließen sich in Eisenstadt, andere in Mattersburg und Kobersdorf nieder. 1500 gab es 6 Judenhausbesitzer. Die Häuser lagen zwischen den Christenhäusern. Mit der christlichen Bevölkerung kam es immer wieder zu Konflikten, etwa weil sich jüdische Kaufleute nicht an das Verbot hielten, "offene Gewölbe" zu betreiben, oder wegen zu hoher Zinsen und nicht zurückbezahlter Kredite. Zwar wurden die Juden nicht wie in den Großstädten vertrieben, die landesfürstliche Politik verlangte jedoch, dass sich die Zahl der Juden nicht in Relation zu den Christen vermehren dürfe. 1573 verfügte Kaiser Maximilian II., dass alle Eisenstädter Juden in einem einzigen Gebäude untergebracht werden sollten. Als an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert wohlhabende Krakauer und Prager Hofjuden unter dem Schutz des Landesherrn nach Wien zogen baten einige den Burghauptmann von Eisenstadt, Seyfried von Kolonitsch um die Erlaubnis, sich zumindest zeitweise in Eisenstadt niederlassen zu dürfen (1592 Abraham Jud von Krakau und sein Schwager Marcus Jud, 1597 Veit, der "fürnembste Jud im Land" - wahrscheinlich der berühmte, aus Prag stammende Wiener Hofjude Veit Munck der Ältere). Die Eisenstädter Stadtväter lehnten ab und verweigerten 1612 dem zum Rabbiner gewählten Veit Munck den Jüngeren eine Unterkunft in einem Christenhaus. Der kaiserliche Rentmeister der Herrschaft stellte sich aber auf die Seite des Juden. Die Stadt musste schließlich nachgeben.  Ein Problem war auch die Rechtsprechung in Streitigkeiten zwischen Christen und Juden, etwa 1615, als ein Eisenstädter Goldschmied, bei dem der Jude Salomon Scheuch sehr hohe Schulden hatte und nicht bezahlen wollte, dessen Gewölbe von der Stadtobrigkeit sperren ließ. Scheuch beschwerte sich bei der Regierung gegen den Stadtrichter, der seiner Meinung nach nicht zuständig war. Erst 1618 entschied die Regierung, dass die Entscheidung dem Landesfürsten und damit der Herrschaft zustünde. Der Siedlungsblock der Juden wurde als "Schlossgrund" aus der Rechtsprechung der Stadt herausgenommen, die dort lebenden Juden sahen sich als herrschaftliche "Schutzjuden", zahlten aber weiterhin das Wachgeld und leisteten auch einen Beitrag zur Erhaltung der Mauern. Bis zu ihrer 1671 erfolgten kurzfristigen Vertreibung leisteten sie auch - wenn auch widerwillig und nach Drohungen - einen Beitrag zum Georgi- und Michaelidienst. Nach 1618 erhielten sie im Bereich des alten Burgmeierhofes neue Wohnstätten und fühlten sich der Stadt nicht mehr verpflichtet. Dort, am Schlossgrund, entwickelte sich eine jüdische Gemeinde. 1671 wird das Haus des Rabbiners genannt, es gab eine Synagoge mit  rituellem  Bad und einen Friedhof in einem Garten der Burg. jüdische Begräbnisse wurden gelegentlich durch Steinwürfe gestört, wie Paul Esterházy in einer Beschwerde an die Stadt behauptete. Die Judengemeinde betrieb eine eigene Fleischbank.  Die Juden lebten vom Handel (mit Häuten, Fellen, Tuchen usw.), übten einige Handwerke aus (stets angefeindet von den christlichen zünftischen Handwerkern), vor allem aber vom Geldverleih gegen Zinsen. Die Beträge waren eher gering, die Zinsen schwankten je nach Risiko. Bedeutende Persönlichkeiten waren Salomon Scheuch, der 1599 erwähnte Zacharias, gegen dessen öffentliches Gewölbe die Bürger protestierten, weil er ihnen dadurch "das Brot vor dem Mund abschneidet und entzeucht", der Weinhändler Samuel Ascher . Die Handelscompagnie des Wiener Juden Herz Kama mit Hierschl Außeritsch und Aron Goldtschmidt wurde durch den Grundherrn Ladislaus Esterházy mit einem Kredit unterstützt. Die Eisenstädter Juden standen in geschäftlichem Kontakt mit ihren Glaubensgenossen in weiten Teilen Europas.

Nach der Erlaubnis zur Rückkehr der ungarischen Juden wurde die Gemeinde Eisenstadt wieder errichtet, aber noch nicht - wie manchmal behauptet, am späteren Unterberg beim Meierhof, sondern am Schlossgrund, im Bereich des alten Meierhofes, der innerhalb der Stadtmauern lag. 1690 ließen sich Zuzügler aus NIkolsburg mit fürstlicher Erlaubnis im Bereich des neuen Meierhofes nieder. 1694 entstand dort eine neue Synagoge. Dort entstand das neue Zentrum der Judengemeinde, obwohl noch im 18. Jahrhundert auch innerhalb der Stadtmauern am Schlossgrund Juden lebten. Die neue Siedlung  war um 1732 voll ausgebildet, mit mehr als 30 Wohnhäusern, dem Tempel, einem Armenhaus, Friedhof usw.

 

Die Judengemeinde von Mattersburg

1438 wird der in Mattersburg wohnhafte Jude Kysaan mit seiner Frau Mendel urkundlich erwähnt. Sie waren Gläubiger der Grafen von Forchtenstein und ihres Burghauptmannes Linzer. Eine Judengemeinde gab es damals aber noch nicht.  Ein Teil der 1526 aus Ödenburg vertriebenen Juden ließ sich in Mattersdorf nieder. Seit 1527 sind sie immer wieder nachweisbar. Das Urbar von 1526 wies in der Stelle, wo später die Juden siedelten, viele öde Hofstätten, Söllnerhäuser,  auf. Die Judensiedlung entstand auf dem zum herrschaftlichen Meierhof gehörenden herrschaftlichen Besitz im Anschluss an den Markt.

 

Die Judengemeinde von Schlaining

Die Behauptung, dass schon im 16. Jahrhundert eine Judengemeinde mit einer Synagoge in Schlaining bestand, ist nicht zu belegen. Die Schlaininger Judengemeinde wurde 1680 erstmals urkundlich erwähnt.  Die Schlaininger Judengemeinde vom Bemsteiner herrschaftlichen Meierhof mit Geflügel, Enten, Gänsen, Kapaunen, Truthühnern versorgt und war  Abnehmer der Lammfelle aus den herrschaftlichen Schäflerhöfen.  Nach der kanonischen Visitation von 1697 umfasste die Stadtschlaininger Judengemeinde nur 55 Menschen,  1735 waren es 45 Personen.

In den Kuruzzenkriegen kam es zu Übergriffen beider Seiten auf die Juden. Die steirischen Truppen des Generals Rindsmaul plünderten die Judenhäuser. 1715 bekamen die Schlaininger Juden von Sigmund Batthyány einen Raum für eine Synagoge  zur Verfügung gestellt, gegen einen Zins von 15 Gulden. Im Urbar der Herrschaft Schlaining aus dem Jahre 1719 wurde die Judengemeinde erwähnt, die Judengemeinde zahlte 76 Gulden Judenhauszins, 15 Gulden für den Tempel und 40 Gulden Schutzgeld an die Herrschaft.

Die Ansiedlung von Juden war nur mit Zustimmung der Herrschaft möglich. Zwischen dem Grundherrn und der Judengemeinden wurden Schutzverträge geschlossen. Die Juden mussten eine Schutzgebühr bezahlen. Die Schutzjuden betrieben mit den Überschüssen der herrschaftlichen Eigenbetriebe Handel. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die wichtigsten Handelsgüter Getreide, Wolle, Felle und Häute sowie Schafe.

Nach dem Urbar von 1750 musste die Schlaininger Judengemeinde folgende Zahlungen leisten: 100 Gulden ordentliches Schutzgeld für 39 Familien  - für jede Familie die die Zahl 39 überstieg, mussten vier weitere Gulden gezahlt werden - 34 Gulden für den Weinschank - 18 Gulden für den Tabak-, Seifen- und Kerzenhandel - 25 Gulden Neujahrsgabe. Im Jahre 1765 mussten 98 Gulden für die Synagoge bezahlt werden, dazu kamen zwei Gänse zu Martini und eine Gans und 12 Dukaten zu Neujahr.

Im Gefolge eines Judengesetzes im Jahre 1840 musste der Schutzvertrag geändert werden. Die Schlaininger Juden hatten nunmehr 300 Gulden Schutzgebühr, einschließlich der Erlaubnis, Wein und Schnaps ausschenken zu dürfen. Nach der Höhe des bezahlten Schutzgeldes kann man die Zahl der Juden berechnen: 1831 wurde für 48 und 1834/35 für 49 Familien bezahlt.

Die Verträge mit dem Grundherrn ermöglichten es den Juden, ihre Angelegenheiten weitgehend selbst zu regeln. Es wurden ein eigener Gemeindevorsteher ("Judenrichter") und fünf Geschworene gewählt. Sie überwachten die Befolgung der religiösen Vorschriften, bestraften Übeltäter und behandelten auch Klagen von Christen gegen Juden. Der Richter musste wöchentlich eine Sitzung abhalten. Die Gemeindefinanzen wurden von zwei Kassieren und zwei Revidenten verwaltet. Die Rechnungsbücher mussten jährlich der Herrschaft vorgelegt werden.

Von 1750 bis 1765 stieg die Zahl der Juden in Schlaining stark an, von 49 auf ca. 68 Familien. Ein darauf folgender leichter Rückgang wird auf die schlechte wirtschaftliche Situation der Herrschaft, auf die Unruhe in der Bauernschaft, das gespannte Verhältnis zur Grundherrschaft und damit auch zur Judengemeinde zurückgeführt. 1787 lebten bereits wieder 214 Juden, das waren 21,2 % der Bevölkerung Schlainings, in der Stadt. Bis 1844 stieg ihre Zahl auf 634, das waren 40,5 % der Bevölkerung. Ihr Bevölkerungsanteil hat sich also in einem halben Jahrhundert infolge der hohen Geburtenzahl und der Zuwanderung verdoppelt.Die Zahl der jüdischen Familien wuchs zwischen 1790 und 1835 von 55 auf 144.  Über die Herkunft der vielen Zuwanderer kann man keine Angaben machen, da es dazu keine Quellen gibt. Es wird vermutet, dass die meisten wie auch im übrigen Ungarn aus Galizien kamen.

Mit dem Patent Kaiser Josefs II. von 1783 begann die Judenemanzipation. Die Juden sollten alle Berufe ausüben dürfen. Als Meister konnten sie aber in den Zünften nach wie vor nicht aufgenommen werden. Auch die Pachtung von landwirtschaftlichen Grundstücken wurde nunmehr erlaubt. Diese Neuerungen wurden von vielen Juden als Bedrohung für die Geschlossenheit ihrer Gemeinschaften angesehen und es kam zur Spaltung in ein Reformjudentum und in die orthodoxe Richtung. Die Orthodoxen dominierten in den westungarischen Gemeinden noch lange Zeit.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Schlaininger Judengemeinde zu stagnieren und schließlich stark zu schrumpfen. Der Hauptgrund war, dass einfach nicht genügend Verdienstmöglichkeiten vorhanden waren. Im Jahre 1848 waren 43 % der Juden Lumpensammler und 27 % Hausierer, 10 % Kleinhändler und nur 6 % Handwerker. 7 % waren in Kultus und Unterricht beschäftigt. Etwa 80 % der Juden lebten also in einer äußerst prekären wirtschaftlichen Situation. Vereinzelt hatten die Batthyány auch bisher schon die Ansiedlung von Juden in anderen Orten, etwa als Schnaps- und Branntweinbrenner erlaubt. 1780 etwa wird in Altschlaining ein Branntweinhaus erwähnt, dass an Juden verpachtet war. 1779 ließ die Herrschaft in Wolfau eine "Judenwohnung sambt Qualb und Branntweinhaus" errichten, das an Schlaininger Juden vermietet wurde.1804 setzte Maximilian Batthyány den Juden David Eisenstädter als Leiter der Schlaininger Glashütte ein. Im Gewerbe waren die Juden besonders als Kürschner, Schneider und Glaser tätig.

1840 wurde per Gesetz den Juden das Wohnrecht und die Ausübung von Handel und Gewerbe an jedem beliebigen Ort freigegeben. Damit begann die Abwanderung in die wirtschaftlich prosperierenden Orte der Umgebung, nach Oberwart, Pinkafeld und Großpetersdorf, vor allem aber in die größeren Städte, etwa nach Ödenburg und schließlich nach Wien.

Das starke Ansteigen der jüdischen Bevölkerung hatte entsprechende Konflikte mit der christlichen Einwohnerschaft zur Folge, die zunächst eher geringfügig waren, da die Juden als Hausierer und Lumpensammler keine Konkurrenz darstellten und die Hausbesitzer durch Vermietung von Räumen und Gewölben auch profitierten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts aber häuften sich die Konflikte, etwa um das Weiderecht der Juden für ihre Ziegen, das ihnen von der Herrschaft eingeräumt wurde. Ein Streitpunkt war auch der Betrag der Juden zur Gemeindeverwaltung. Bis 1827 mussten die Juden ein Drittel der Brunnen- und Teichreparaturen bezahlen und zur Besoldung des Nachtwächters beitragen. Sie mussten schließlich einen eigenen Nachtwächter anstellen. Sie weigerten sich aber, einen Beitrag zur Erhaltung der öffentlichen Wege zu leisten. Die Grundherrschaft entschied schließlich, dass nur die Juden, die ein eigenes Haus besaßen, diesen Beitrag leisten mussten. Die Juden wandten sich immer wieder an die Grundherrschaft, etwa 1827, mit der Forderung nach Abgabengleichheit mit den Christen oder um koscheren Weinausschank mit Befreiung von den Zahlungen. Sechs Schlaininger Handelsjuden schlossen einen Vetrag mit der Herrschaft über den Tabak.- und Salzhandel.

Die große jüdische Bevölkerung erzwang auch die Errichtung entsprechender Einrichtungen. 1789 kaufte die Gemeinde von Graf Philipp Batthyány einen Garten in der Basteigasse zur Errichtung eines weiteren jüdischen Friedhofes. 1791 kaufte die Judengemeinde von der Herrschaft einen Platz für eine Synagoge. Nicht geklärt ist, ab es sich dabei um die alte, seit 1715 bestehende Synagoge handelte oder ob ein Neubau beabsichtigt war. Die Synagoge musste im Hinterhof eines Bürgerhauses, ohne direkten Zugang von der Straße, errichtet werden. Ab 1842 wird ein jüdisches Bad erwähnt. Zuvor gab es ein rituelles Bad in deinem Nebenraum der Synagoge.  Ein großes Problem war die Versorgung der Armen. Über ein Viertel der männlichen Gemeindemitglieder verfügte über kein Einkommen und waren auf die Unterstützung durch die Gemeinde angewiesen. 1814 wurde ein jüdischer Bestattungsverein gegründet.

Schulwesen: 1852 richtete die jüdische Gemeinde zusätzlich zur evangelischen und zur katholischen Volksschule eine eigene Volksschule mit drei Klassen ein. Leiter der Schule war Hermann Pollak, Lehrer Ignaz Roth und Isaak Löwensohn. Die Schule wurde durch eine Schulgeldabgabe finanziert. Diese Schule bestand bis 1877.

Auch die Wohnungsverhältnisse der Juden waren nicht die besten. Es gab keine Judengasse und kein Ghetto. Die Juden lebten zumeist in den Häusern der Herrschaft. 1750 besaß die Herrschaft zwei Häuser, das Feyerabend- und das Kelz-Haus, in denen jüdische Familien lebten. 1782 wurden drei herrschaftliche Judenhäuser mit 22 Wohnungen erwähnt, 1806 befanden sich im Szarka'schen Haus sieben Wohnungen, drei davon hatten eine eigene Küche, vier je eine halbe Küche. Jede Wohnung bestand aus einem Zimmer und einer Kammer, eine hatte auch einen Stall. In den sieben Wohnungen lebten acht Familien. Ähnlich waren die Verhältnisse im Stöttner'schen und im Geiger'schen Haus mit neun und sechs Wohnungen. Die Herrschaft vermietete auch die Schaffer- und die Kastnerwohnung an Juden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mieteten sich immer mehr Juden in Schlaininger Bürgerhäusern ein oder kauften Bürgerhäuser. 1790 wird die Jüdin Schmeylla Fischer als Besitzerin eines halben Hauses genannt, 1812 kaufte die Judengemeinde von der Herrschaft ein Grundstück zur Errichtung eines "Spitals oder dergleichen Gebäu zum Nutzen der Gemeinde", 1812 verkaufte Batthyány ein Haus mit neun Zimmern, Kammern, ein Kaufmannsgewölb mit Keller an seine Schutzjuden Mendl Wolf und Herschl Amschl.

Anders als die Rechnitzer Juden, die dem Reformjudentum folgten, schlossen sich die Schlaininger Juden der orthodoxen Richtung an. Ab 1860 war es den Juden erlaubt, Grundstücke zu erwerben. Die Abwanderung der Schlaininger Juden begann schon im 19. Jahrhundert, viele gaben ihren Hausierhandel auf und wurden in den Dörfern als Greißler seßhaft.Im Jahre 1858 wohnten bereits 60 Familien, die zur Schlaininger Judengemeinde gehörten, außerhalb von Schlaining. 1848 gab es noch 650, 1910 nur mehr 74 und 1923  60  Juden. Ihr Bevölkerungsanteil fiel von 41,3 % auf 7,1 %. Vor allem die Auflösung der grundherrschaftlichen Zentren, für die viele Juden gearbeitet hatten - sie versorgten die Herrschaft mit Konsumgütern, vermarkteten die Überschüsse, gaben Kredite, waren aber auch als Pächter herrschaftlicher Unternehmungen tätig (etwa Glashütte), entzog ihnen die Existenzgrundlage. In Oberwart und Großpetersdorf entstanden zunächst Tochtergemeinden der Schlaininger Kultusgemeinde. Das Zentrum des Gemeindelebens, die Schlaininger Synagoge, die um 1800 errichtet worden war, 1846 umgebaut und renoviert wurde, verlor an Bedeutung. 1842 wurde erstmals ein Badehaus erwähnt. 1852-77 bestand auch eine eigene Schule der Juden, die dreiklassig geführt wurde. Später besuchten die Kinder der Juden die evangelische oder die staatliche Schule. An die Synagoge angeschlossen war das Rabbinerhaus und die Wohnung des Schächters.

1934 gab es in Schlaining nur mehr 19 Juden. Es gab einige Pläne zur Rettung der Judengemeinden, Mit Unterstützung amerikanischer Juden sollte eine höhere jüdische Schule errichtet werden. Dieser Plan scheiterte jedoch, die Gemeinde verarmte zunehmend, die Erhaltung der Synagoge und des Rabbinerhauses wurde immer schwieriger. Das Zentrum jüdischen Lebens verlagerten sich nach Oberwart. Ab 1923 wurde kein Rabbiner mehr angestellt.1922 übersiedelte der Rabbiner Dr. Felix Blau nach Oberwart. 1930 wurde die Kultusgemeinde Oberwart gegründet, Schlaining wurde Tochtergemeinde.

Nach dem Anschluss an Deutschland mussten alle Juden listenmäßig erfasst und ihr Vermögen deklariert werden. Die jüdischen Geschäfte, etwa das Geschäft des Kaufmannes Mayer, wurden arisiert. Die Juden hatten innerhalb einer kurzen Frist das Burgenland zu verlassen. Viele zogen nach Wien, wanderten von dort nach Amerika aus. Die Zahl der in ein Konzentrationslager deportierten Schlaininger Juden ist nicht bekannt. Nach dem Krieg kehrte keine jüdische Familie nach Schlaining zurück.

Literatur:

  • Stadtgemeinde Stadtschlaining: Kropf, Rudolf: Schlaining vom Ende der Türkenzeit bis zur Revolution von 1848. Die Schlaininger Judengemeinde. S. 105 - 111
  • Baumgartner Gerhard: Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Schlaining. Hrsg.: Österreichisches Institut für Friedensforschung und Friedenserziehung. Stadtschlaining 1988
  • Kropf, Rudolf (Hrsg.) Juden im Grenzraum. Geschichte, Kultur und Lebenswelt der Juden im burgenländisch - westungarischen Raum und in den angrenzenden Regionen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Heft 92. Eisenstadt 1993

 

Die Judengemeinde von Kobersdorf

1526 wurden die Ödenburger Juden vertrieben. Ferdinand I. trug 1527 Hans von Weispriach und Matthäus Teuffl auf, die Ödenburger Juden, die sich in ihren Herrschaften niedergelassen hatten, "vor unrechten gewalt zu schützen und schirmen, inen auch in aller anddern zimlichen und geburtlichen handling und sachen, unnd sonnderlich mit einnembung von schulden hilflich, furdersam unnd beystendig zu sein ... (zitiert nach W. Feymann, Die Herrschaft Kobersdorf).  1529 bestätigte der Kobersdorfer Jude Gerstl der Stadt Ödenburg, dass er für sein Haus in der Neugasse den Schätzpreis von 80 Pfund Denaren erhalten und keine weiteren Forderungen mehr habe. In den Jahren nach 1526 tauchen Kobersdorfer Juden in den Geschäftsbüchern der Wr. Neustädter Großhamdelsfirma Alexius Funk auf.  Die Judenhäuser wurden zwischen Schloss und Stooberbach angelegt.Die Juden lebten also in einem geschlossenen Siedlungsbereich. Insgesamt wohnten 18 Judenfamilien in sieben Häusern, manche als Inwohner. In Kobersdorf bestand schon im 16. Jahrhundert eine voll ausgebildete jüdische Gemeinde mit Synagoge, Friedhof, Rabbiner, Schächter, Schulsinger und Gericht.

Für das Aufenthaltsrecht mussten die Juden Schutzgeld zahlen, pro Haus jährlich 12 Gulden, bekamen dafür aber auch ihr Brennholz . Obligat waren Geschenke an den Grundherrn zu Weihnachten, Martini und Ostern: Orangen, Zitronen, Zucker, Kaffee, Gänse ...Seit Maria Theresia wurde die "Toleranztaxe" zu einer ständigen staatlichen Steuer.

Die Kobersdorfer Juden lebten vom Wanderhandel und vom Hausieren. Später kamen Schankgewerbe, Fleischerei und auch handwerkliche Berufe hinzu, wobei sie die christlichen Handwerker nicht behindern durften. Die Kobersdorfer Schneider führten immer wieder Klage gegen die jüdische Konkurrenz. Die Familiennamen der Juden entsprechen oft ihrem Beruf: Im Urbar von 1702 gibt es etwa einen Bernharth Schniermacher, Iszrael Küerschner, Level Schneidter, Bernharth Glaszer, Level Fleischhacker.

Ende des 16. Jahrhunderts war die Kobersdorfer Judengemeinde wahrscheinlich bereits voll ausgebildet, mit einer Synagoge, Friedhof, Schächter und Schulsinger.

1585 wurden such die Judenhäuser aufgeteilt. 16 Juden wurden namentlich genannt. Judenrichter waren Haczl iunior, Marcus iunior, Jakob Gerstl und der Sohn des Abraham. 1828 waren 746 Juden in Kobersdorf ansässig, bis 1934 sank ihre Zahl durch Abwanderung auf 172. Erst im 19. Jahrhundert fassten Juden vereinzelt auch in den anderen Ortschaften der Herrschaft Fuß, konnten sich meist aber nicht lange halten. In einer Weppersdorfer Chronik heißt es: "Die ersten Juden sind nach Weppersdorf kommen im Jahre 1845 ein Zünd. Im Jahre 1850 sind sie sitzhaft geworten auf zwei Häuser, was den Christen zur Last wird werden." (zitiert nach W. Faymann, Herrschaft Kobersdorf, S. 218.)

Entwicklung der jüdischen Bevölkerung von Kobersdorf: 1569 18 Familien in 7 Häusern: 1735: 184;  1836: 716; 1869:  310; 1900: 327; 1910: 256; 1934: 172.

1860 erbaute die jüdische Gemeinde in Kobersdorf eine neue Synagoge im Stil des Historismus. 1938 wurde diese Synagoge verwüstet, aber nicht zerstört. Sie ist bis heute erhalten, ebenso wie der in der Nähe gelegene jüdische Friedhof.

 

Lackenbach

Die Judengemeinde von Lackenbach wurde nach Prickler nicht von 1526 aus Ödenburg vertriebenen  Juden gegründet. Lackenbach war ein unbedeutendes Dorf, der Hauptort der Herrschaft war Neckenmarkt.  1546 wird die Hätschl - Jüdin in Neckenmarkt erwähnt.  Lackenbacher Juden werden erst 1552 erwähnt. Erst 1548 bis 1552 machte Erasmus Teuffl Lackenbach zu einem zweiten Herrschaftsmittelpunkt mit einem Kastell, einem Meierhof und einer Bierbrauerei. In der Steuerkonskription von 1570 wurden in Lackenbach eine Judenporte und vier öde Judenhäuser aufgezählt. Die Judensiedlung in Neckenmarkt war damals noch immer größer. Zwischen 1575 und 1588 übersiedelten die Neckenmarkter Juden nach Lackenbach. 1652 schloss Adam Batthyany mit drei Lackenbacher Judenglasern einen Vertrag ab über Glaserarbeiten auf seinen Gütern.

 

Die Judengemeinde von Deutschkreutz

1658 wird ein Jude als Pächter der herrschaftlichen Fleischbank erwähnt. 1672 wird berichtet, dass schon seit längerer Zeit vier Juden ansässig waren, die die Fleischbank und die Mauten von Deutschkreutz, von Großzinkendorf, Sárvár und Ikervár im Nadasdyschen Herrschaftsbereich gepachtet hatten.

 

Kittsee

Im Jahre 1647 protestierte die Ledererzunft von Preßburg gegen drei im Lisztyschen Edelhof in Kittsee sitzende jüdische Lederer, die den städtischen Lederern Konkurrenz machten. 1649 wurde diesen Juden vom Komitat eine Steuertaxe von 10 Gulden auferlegt. Sie verließen daraufhin Kittsee, ohne die Steuern bezahlt zu haben und zogen nach Mähren.

 

Rechnitz

Die Annahme, dass es schon 1649 einen "Tempel mit einer Bundeslade" gegeben hätte, ist nicht berechtigt.Im Jahr 1650 erwähnt Adam Batthyäny in einem Schreiben "meine hier befindlichen Rechnitzer Juden" - wahrscheinlich einzelne jüdische Händler und Handwerker, die sich vorübergehend beim Schloss aufhielten. Bekannt ist auch, dass schon im 16. Jahrhundert "türkische" Wanderjuden in Rechnitz Station machten und nach Lackenbach weiter zogen. Zur Gründung einer Judengemeinde kam es erst erheblich später.

Schon unter Adam Batthyany bekamen Juden aus Lackenbach, Kobersdorf und Mattersburg gegen ein Pfandgeld die Erlaubnis, auf seinen Gütern Handel zu treiben.  1673 traf Christoph Batthyany mit den Rechnitzer Juden eine Vereinbarung Kurz davor dürfte also die jüdische Gemeinde entstanden sein. 1687 stellte Adam Batthyany den 36 in Rechnitz ansässigen Judenfamilien einen Schutzbrief aus. Interessant ist, dass in einem Verzeichnis der Judennamen auch die "Brauchbarkeit" für die Herrschaft bewertet wurde. Unter den Juden finden sich ein Richter, Schächter und ein Schulmeister. Ein Rabbiner war wohl ebenfalls vorhanden. Also war die Gemeinde bereits voll ausgebildet. Die Rechnitzer Judengemeinde wuchs bis 1676 auf 42 Familien, 1687 waren es 36 Familien. Im 18. Jh. wuchs dann ihre Zahl stark an. 1712 wurden 92 Paare gezählt, 1727 bereits 160 Familien. Einzelne Gemeindeangehörige waren in anderen Gemeinden als Mautner, Fleischbankpächter, Schnapsbrenner usw. tätig.

Harald Prickler bringt ein hoch interessantes Beispiel eines sehr reichen Rechnitzer Juden:

"Die Rechnitzer Juden waren zum Teil "welscher" Herkunft, stammten also aus Italien.  1677 sagte der kaiserlich-königliche Hauptmann Ferdinand Olischer von Ehrenfeld vor dem Preßburger Gubemium aus, dass sich bei  Graf Batthyäny in der Herrschaft Rechnitz viele welsche Juden aufhielten; er gäbe
ihnen 'Unterschlupf unter dem Anschein, als ob sie Christen wären', weil sie sich  wie Christen kleideten; sie reisten jährlich mehrmals in Compagnien bis zu zehn,  zwölf und mehr Händlern nach Venedig, von wo sie Werte von vielen tausend Reichstalem, Juwelen und Kleinodien durch die Innerösterreichischen Länder ohne  Bezahlung von Maut und Dreißigstzoll heraufführten; für die ihnen vom Grafen  Batthyäny ausgestellten öffentlichen Pässe müssten sie diesem pro Kopf und Reise sechs Reichstaler bezahlen; dies habe ihm, Olischer, der in Rechnitz wohnende alte Jude Gedeon selbst gesagt, dessen Sohn sich wiederholt in Graz aufhalte, sich  überall als Christ ausgebe und auf diese Art mit allerlei Kleinodien Handel betreibe.Der genannte Gedeon scheint mit seinem vollen Namen Gedeon de Calomon, Jud von Rechnitz, als Kläger gegen einen Preßburger Bürger in den Preßburger Stadtgerichtsakten auf; auch dieser Name deutet auf die "welsche" Herkunft der Rechnitzer Juden, deren Verbindungen zur Appeninischen Halbinsel noch in der  zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts greifbar sind: 1760 machte der aus Rom stammende wohlhabende Jude Benjamin Corcos in Ödenburg sein Testament, wobei er seinen Zeugen Petrus Zanelly, Ignaz Pöck und Peter Höfer, Bürger und Materialisten der Stadt, goldene Ringe, die mit neun Diamanten eingefasst beziehungsweise mit  den gemalten Bildern des Kaisers Franz I. und Maria Theresias versehen waren. Als Begräbnisstätte bestimmte er den Friedhof von Deutschkreutz, zu seinen Universalerben setzte er seine Schwester Olympia und seine Neffen Tranquillus Corcos und Tranquillus Raphael Ascarelly ein. Zu dem Vermögen gehörten auch die Einnahmen aus der von der Herrschaft Rechnitz vertraglich gepachteten Tabakmaut. Sein Haus in Rechnitz sollte verkauft werden, der Erlös über den Triestiner Kaufmann Marco Levi seinen Universalerben nach Rom geschickt werden. Der Erlös seiner in Rom befindlichen und zu verkaufenden Mobilien sollte als frommes Legat der römischen Castellianischen Schule verschafft werden. Dem Inspektor der Esterhäzyschen Güter in Eisenstadt vermachte er das für verkauftes Silber eingenommene Geld, zum Testamentvollstrecker bestimmte er den Trebitscher Rabbiner Joseph Abbeneim."

 

Neufeld

1648 wurde die Herrschaft Hornstein von Franz Nadasdy erworben. 1651 begann man, an der Straße von Ödenburg nach Wien gegenüber der niederösterreichischen Grenzstadt Ebenfurth, in der eine große Judengemeinde lebte, mit der Erbauung eines kleinen Dorfes. Es hat ursprünglich die Absicht bestanden, die Siedlung "mehr mit Juden als Christen" zu bevölkern. Nach dem Hornsteiner Grundbuch von 1656 wurden von der Herrschaft erbauten Häusern wurden jeweils zwei  Judenparteien  um 130 Gulden verkauft. Bis zur Abstattung der Kaufsumme mussten sie jährlich 10 Gulden "Hausgeld" und jährlich 10 Gulden "Schutzgeld" erlegen. 1665 waren 5, ein weiteres 1667 völlig ausbezahlt. In den folgenden Jahren kam noch ein weiteres, von zwei Parteien bewohntes Haus hinzu, außerdem 4 Häuser außerhalb des "Judenstadtls". Auch im Kastell Nadasdys lebten portugiesische Juden, Maroniten, die über Holland hierher gekommen waren. David Marcady war offenbar ein besonders wohlhabender Jude und der wichtigste Finanzier, Hofjude Nadasdys. Er hatte Geschäftsbeziehungen  nach Leipzig, Prag und Amsterdam. Es könnte sein, dass die Entstehung Neufelds als Handelsniederlassung unter seinem Einflluss entstanden war. Im Judenstadtl wurde eine Synagoge eingerichtet. 1671 wurden auf kaiserlichen Befehl alle österreichischen und ungarischen Juden des Landes verwiesen. Angeblich gab es daraufhin in Neufeld keinen Juden mehr, die Synagoge wurde in eine christliche Kapelle umgewandelt, in die Judenhäuser zogen Christen ein. 1671 wurde die Rückkehr erlaubt. Aber erst 1686 wurden wieder drei Judenhäuser erwähnt, 1691 gab es schon wieder 11 Judenhäuser. 1700 lebten allein im Kastell 20 Judenfamilien. Eine neue Synagoge wurde gebaut. Die neuen Judenhäuser waren nicht mit denen im früheren Judenstädtl identisch. 1739 wurde die jüdische Gemeinde Neufeld erneut aufgelöst, diesmal durch Fürst Paul Anton Esterházy. Die Synagoge wurde zu einer christlichen Filialkirche. Die Mehrzahl der Neufelder Juden kam in Matterdorf unter. Die Neufelder Gemeinde wurde nicht wieder errichtet.

 

Frauenkirchen

In Frauenkirchen hatte Graf Paul Esterházy die alte mittelalterliche Marienkirche wieder aufgebaut  und den Ort zum Wallfahrtsort gemacht. Es entstand eine Marktsiedlung, in die die Juden von Mönchhof übersiedelt wurden. Nach Mönchhof kamen die Juden wahrscheinlich 1652, nachdem das dortige Gestüt verlegt worden war und Wohnraum frei wurde. 1678 wurden die dortigen wenigen Juden, die aber einen Rabbiner hatten, wurden von Husaren überfallen und völlig ausgeraubt. Der Rabbiner, zwei Schnapsbrenner und einige Männer wurden schwer geschlagen. Um solche Probleme zu vermeisen wurden die Juden ausgewiesen und fanden in Frauenkirchen Zuflucht.


Quellen

  • Irmtraut Lindeck-Pozza; Juden zwischen Ungarn und Österreich im Mittelalter. In: Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland Heft 92 1993
  • http://www.zobodat.at/pdf/Wiss-Arbeiten-Burgenland_092_0013-0022.pdf
  • Prickler, Harald: Beiträge zur Geschichte der Burgenländischen Judensiedlungen. - Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland  92: 1993 65-106.
  • http://www.zobodat.at/pdf/Wiss-Arbeiten-Burgenland_092_0065-0106.pdf
  • Hodik, Fritz P.   "Beiträge zur Geschichte der Mattersdorfer Judengemeinde im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts".
  • Burgenländischen Forschungen band 65, 1975
  • Vielmetti Nikolaus, Das Schicksal der jüdischen Gemeinden des Burgenlandes. - Burgenländische Forschungen III: Festgabe "50 Jahre Burgenland" (Eisenstadt 1971), Seite 197

 

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