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Dr. Imre Gyenge

 

* 28.12.1925 in Raab
† 1996 in Oberwart

 

Pfarrer der reformierten Gemeinde Oberwart und Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich
  

Gyenges Vater war Lehrer an der reformierten Schule in Raab. Er besuchte das dortige Benediktinergymnasium und studierte anschließend  bis 1949 Theologie am Reformierten Kollegium in Pápa. Dann war er Vikar in Szentgál und Veszprem. 1952 wurde er als Pfarrer der Reformierten Kirche in Oberwart berufen, wo er 39 Jahre lang wirkte. Seine Berufung wurde zum "Staatsinteresse" erklärt und so seine Ausreise aus Ungarn ermöglicht.

Die Amtszeit Gyenges war gekennzeichnet durch einen tiefgreifenden Strukturwandel seiner Gemeinde von einer mehr oder weniger noch bäuerlich geprägten, stark von den Ungarn dominierten Gemeinde zu einem rasch wachsenden und zunehmend industrialisierten Bezirksvorort, in dem die Magyaren zur Minderheit wurden. Gyenge übernahm einen beträchtlichen Teil der kulturellen Volkstumsarbeit, belebte das Laientheater erneut, gründete eine Volkstanzgruppe, ließ den Gemeindesaal bauen und ein Lebensmittel-Kaufhaus einrichten, das die finanziellen Hilfsmittel für die Gemeindearbeit liefern sollte. Er war bemüht, die Traditionen zu pflegen und diese mit neuen Inhalten zu füllen. Vor allem das Laienspiel mit Stücken, die er zum Teil selbst schrieb, und der altehrwürdige Leseverein waren ihm ein Anliegen. So versuchte er, die Verkündigung mit der Erhaltung des Volkstums behutsam zu verbinden.  Gyenge war ein hervorragender Prediger, viele seiner Gottesdienste wurden vom ORF und vom Freien Radio München übertragen.  Daneben war er auch wissenschaftlich tätig, schrieb eine Dissertation über den Kalvinismus im Burgenland an der Universität Debreczenund war Vorstandsmitglied des Institutes für protestantische Kirchengeschichte.  

Seine Wirksamkeit ging weit über das Burgenland hinaus. Ab 1968 war er für drei Funktionsperioden Landessuperintendent der Evangelischen Kirche in ganz Österreich, stellvertretender Vorsitzender des Oberkirchenrates A.B und H.B., und in der Ökumene engagiert, etwa als Mitglied der "Gemischten Kommission" für den innerchristlichen Dialog. Die "Oberwartkonferenz" führte ab 1961 regelmäßig Theologen aus West und Ost zusammen. Der magyarischen Volksgruppe in Österreich diente er auch als Mitglied des Volksgruppenbeirates im Bundeskanzleramt.