Urgeschichte

Die günstige Lage am südlichen Fuß des Leithagebirges hatte die kontinuierliche Besiedlung seit der Jungsteinzeit zur Folge. Aus der Jungsteinzeit sind vier Siedlungen durch Einzelfunde wie Steinbeile, Klingen und Reibeplatten zum Mahlen des Getreides belegt (Bielacker, Kogelacker, Satzweingärten, Sandgrube beim Hetscherlberg). In den Satzweingärten bestand auch eine kupferzeitliche Siedlung. 1933 wurde ein Gräberfeld der frühen Bronzezeit (Wieselburger Kultur) untersucht und dabei mehrere Hockergräber freigelegt. Unter den Grabbeigaben war ein besonders schöner Henkeltopf mit Trichterrand. Bemerkenswert waren auch die Funde von 1936 aus der Spätbronzezeit, der Urnenfelderkultur, an der Grenze zu Eisenstadt - eine Lanzenspitze, ein Griffangelmesser und ein besonders schönes halbmondförmiges Rasiermesser aus Bronze, das Kulturkontakte bis nach Etrurien nahe legt. Aus der Hallstattzeit wurden in der Nähe der Schule  schön verzierte Keramikgefäße gefunden.

In der Römerzeit gab es im Bereich St. Georgen drei große Gutshöfe - einer davon in St. Georgen, ein anderer auf den Gölbesäckern in Eisenstadt und ein dritter auf Osliper Hotter. Der St. Georgener Gutshof wurde ausgegraben. Er weist 10 Räume und ein großes Wirtschaftgebäude auf. Unter den Funden ist ein Rebmesser besonders bemerkenswert. Von einem dieser Gutshöfe dürfte der "Attila-Stein" stammen - ein Grabstein der Familie der Atilier. Seit mindestens 250 Jahren ist der beim Dorfbrunnen aufgestellt. An ihn knüpfen sich mehrere Sagen, die ihn mit dem Hunnen Attila in Verbindung brachten. Der Grabstein aus der Zeit um 200 n. Chr. ist etwa 3 m hoch und sehr aufwendig, stand also wohl auf dem Familiengrab einer sehr wohlhabenden Familie. Das Original befindet sich heute im Landesmuseum, in St. Georgen steht eine Kopie.

 

Mittelalter

Umd wohl das mittelalterliche deutsche Dorf St. Georgen. Die erste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahr 1300. Am 12. Mai beurkundete der Komtur der Johanniter in Ödenburg einen Teilungsvertrag zwischen Johannes und Ladislaus von St. Margarethen, Söhne des Nikolaus aus dem Geschlecht der Gutkeled. St. Margarethen, Oslip, Sankt Georgen und Mörbisch fielen an Ladislaus. In einer anderen Urkunde, ebenfalls aus 1300, wurde ebenfalls die Teilung bestätigt. Eisenstadt kam an Johannes.

Im ältesten Urbar der Herrschaft Eisenstadt, das um 1500 angelegt wurde, gab es in St. Georgen 4 ganze, 23 halbe, 10 Viertel- und 6 Achtellehen. 1 Viertellehen und 4 Achtellehen lagen öd. Daneben gab es 16 Hofstätten. Die ursprüngliche Zahl der Lehen kann mit etwa 20 angenommen werden. Die Hofstellen waren um einen Breitanger angeordnet, der auf drei Seiten verbaut war. Nach Süden zu war der Dorfanger offen. Der Dorfanger wurde schon während des Spätmittelalters verbaut. Hier entstanden die Hofstätten. Die Kirche wurde außerhalb des Dorfes auf einem Hügel gebaut. Der älteste urkundliche Beleg für die Pfarre stammt erst aus dem Jahre 1437. Die Benennung des Ortes nach dem Pfarrpatrozinium legt aber nahe, dass auch die Pfarre schon im Jahre 1300 bestand.

Wann St. Georgen in den Besitz der Gutkeled kam ist unbekannt. Das Geschlecht stammte aus Schwaben und ist unter König Peter (1038 - 1046) in Ungarn eingewandert. Sie kamen zu umfangreichen Besitzungen im Raume Eisenstadt. Unter König Bela IV. gehörten einige Familienmitglieder zum engeren Hofkreis und wurden mit Schenkungen in verschiedenen Teilen UNgarns belohnt. Stephan, Sohn des Dragun, bekleidete die Funktion des Hofrichters und später des Palatins, sein Bruder Nikolaus war Banus von Slawonien, sein Sohn Joachim war seit 1270 Banus von Kroatien und Slawonien. Unter Joachim begann der Niedergang der Familie. Mit Wissen der Königin entführte er den 10-jährigen Prinzen Ladislaus, ehe dieser seinem zukünftigen Schwiegervater, Karl von Anjou, vorgestellt werden konnte. Joachim verlor seine Ämter und die Gunst König Stephans V.

1307 ordneten die Gutkeled ihre Besitzungen neu. Es kam zu einer Besitzarrondierung zwischen Cosmas dem Kleinen und seinem Sohn Ivanka einerseits und andererseits  Ivanka, Sohn des Odun und dessen Söhnen. Wulkaprodersdorf kam an Cosmas, St. Georgen an Ivanka. Im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts kam der Ort in den Besitz der Kanizsay, die sich dem neuen König Karl Robert gegen die aufständischen Güssinger angeschlossen hatten. Den Kanizsay gelang 1364  mit dem Kauf der Hornsteiner Burg durch Stephan, Bischof von Agram und Generalvikar von Slawonien und seinem Bruder Johannes von Eglolf von Wolfurt der Aufbau einer größeren Herrschaft. Dazu kam Von Nikolaus von Pöttelsdorf erwarben sie Besitzenteile in Pöttelsdorf, Steinbrunn und Wulkaprodersdorf, von anderen Angehörigen der Gutkeled kauften sie weitere Besitzungen in der Umgebung von Eisenstadt. Spätestens 1371 gelangte auch Eisenstadt in ihren Besitz. Im Jahre 1420 schenkten Stephan Kanizsay, Gespan des Ödenburger Komizazes, und sein Sohn Ladislaus  dem um 1386 gegründeten Franziskanerkloster in Eisenstadt neben anderen Besitzungen auch einen Hof in St. Georgen. Diese Stiftung wurde 1426 bestätigt und beträchtlich erweitert, unter anderem um einen Hof in St. Georgen. Als 1432 ein Familienzweig der Kanizsay seinen Anteil an St. Georgen, bestehend aus mehreren Höfen, an Gaspar Mythendorfer aus St. Georgen - wahrscheinlich einen Kleinadeligen, der im Dienste der Kanizsay stand - verkaufen wollte, erhoben die anderen Familienangehörigen dagegen Einspruch. Die große Herrschaft wuchs durch die Eroberung der Burg Rov (wahrscheinlich im Bereich des heutigen Stotzing) 1390 und den Kauf der Burgherrschaft Oslip weiter an und wurde schließlich um 1400 in die beiden Herrschaften Hornstein und Eisenstadt geteilt.

Ab 1445 setzte sich Friedrich III. in den Besitz der meisten westungarischen Herrschaften. Wahrscheinlich eroberte sein Bruder Albrecht  Hornstein und Eisenstadt. Er übertrug Hornstein - Eisenstadt pfandweise an den österreichischen Adeligen Ulrich von Eitzing, "oberster Hauptmann von Österreich" und bald darauf dessen Bruder Konrad. Albrecht von Habsburg musste seine Herrschaften an seinen Bruder Friedrich III. verkaufen, Eitzing musste weichen.  Die westungarischen Herrschaften wurden an loyale österreichische Adelige verpfändet. 1464 befand sich die Herrschaft Eisenstadt im Pfandbesitz des Johann Siebenhirter, Küchenmeister Friedrichs III. und später Großmeister des St. Georgs - Ritterordens. Vorübergehend gelangte die Herrschaft Eisenstadt in die Verfügungsgewalt des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Im Preßburger Frieden von 1491 kam die Herrschaft an Maximilian I., der sie pfandweise an die Gebrüder Heinrich und Sigmund Prüschenk übertrug. Diese führten "moderne" Verwaltungsmethoden ein und ließen 1500 ein Urbar ihrer Herrschaften anlegen.

1500 wurden in St. Georgen 4 ganze Lehen, 23 halbe und 10 Viertellehen (eines unbewohnt) und 6 Achtellehen (4 davon unbewohnt) sowie 16 Hofstätten gezählt. 1527 hatte sich die Zahl der Höfe verringert: 1 ganzes Lehen, 22 halbe, 7 Viertel- und 2 Achtellehen und 5 Hofstätten. Die verminderte Höfezahl ist darauf zurückzuführen, dass 1527 die Edelhöfe und die ihnen untertanen Ansässigkeiten nicht mitgezählt wurden.

Heinrich Prüschenk besaß das Pfand über die Herrschaft Eisenstadt bis 1509, dann übertrug er es an seinen Schwiegersohn Veit von Fürst. Es folgte dessen Bruder Ernst und dessen Sohn Moritz. Die Fürst besaßen Eisenstadt bis 1553. Dann kam die Pfandherrschaft in den Besitz von Johann von Weispriach. Gegen ihn gab es zahlreiche Klagen, vor allem wegen der erhöhten Robotverpflichtungen, in Eisenstadt auch wegen der Ansiedlung der Juden. Maximilian II. entschloss sich 1571, die Herrschaft - ebenso wie die Herrschaft Forchtenstein - einzulösen und in die sirekte landesfürstliche Verwaltung zu übernehmen. Die Dörfer mussten hohe Geldbeträge beisteuern, St. Georgen etwa 2200 Gulden. Die Herrschaften wurden der niederösterreichischen Kammer unterstellt und von "Beamten" verwaltet, ein großer Vorteil gegenüber anderen Herrschaften. An der Spitze der Verwaltung stand ein Hauptmann, der von einem Rentmeister, einem Schaffer und einen Gegenschreiber unterstützt wurde. Hauptleute waren die österreichischen Adeligen Hannibal von Zinzendorf, Georg Seifried von Kollonitsch, Bernhard Löbl von Greinburg und Leonhard Helfries von Meggau. St. Georgen konnte sich in dieser Zeit - wie alle anderen Weinbaugemeinden der Herrschaft - hervorragend entwickeln, die "Waisenbücher" weisen beträchtliche Vermögen aus. Der hochwertige Wein konnte in die "Oberländer" Böhmen, Mähren und Schlesien  teuer verkauft werden. Die Händler aus diesen Regionen holten ihn ab. Der Wohlstand äußerste sich etwa auch im Bau erster Steinhäuser, aber auch in kommunalen Bauten wie etwa den Turm von Breitenbrunn oder die "Stadtmauern" von Purbach, Donnerskirchen, Rust und Oggau.

Schon im 15. oder in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde das Ortsgebiet von St. Georgen durch das östlich des Dorfes gelegene Pirichendorf erweitert. 1415 wurde dieses wüst gefallene Dorf ein letztes Mal erwähnt. Vor allem das St. Georgener Weinbaugebiet wurde dort ausgeweitet.

Der Weinbau spielte auch in St. Georgen eine überragende Rolle. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts gibt es für den Weinbau urkundliche Belege. 1348 ist der Verkauf eines Weingartens an den Adeligen Hans von Puchheim belegt. Mehrere Wr. Neustädter Adels- und Bürgerfamilien besaßen Weingärten in St. Georgen.  Auch Adelige aus der Umgebung hatten Weingartenbesitz im Dorf. 1570 umfasste das St. Georgener Weinbaugebiet die Größe von 423 Viertelweingärten. Davon waren 22,63 % im Besitz von Niederösterreichern und 24,37 % im Besitz von Orten aus der Region und nur 37.99 % im Besitz der Einheimischen. Die Weingartenfläche blieb - mit kleinen Abweichungen - bis ins 19. Jahrhundert konstant. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fand eine starke Ausweitung nach Süden statt.

Nach dem Urbar von 1589 gehörten zu einem halben Lehen 16 Joch Ackerland und ein Tagwerk Wiesen, zu einigen Ansässigkeiten gehörten auch Hausweingärten.

 

Die Edelhöfe

1432 wurde unter den Kanizsay ein erster Edelhof an Kaspar Mitterndorfer errichtet. 1457 erwarb Perchtold Kling einen Besitzkomplex, der aus einem Hof in St. Georgen, mehreren Höfen in Donnerskirchen sowie vier Weingärten umfasste. 1460 verkaufte seine Tochter Elisabeth von Rosenau diese Besitzungen an Leonhard Lasperger. Beide Familien sind in Wiener Neustadt und Umgebung nachweisbar, als Ritterfamilien. Eine Elisabeth Kling etwa verkaufte 1455 ein Haus in Wr. Neustadt an den Bischof von Gurk. 1441 ist ein Burggraf von Lichtenwörth namens Georg Lasperger bezeugt. Der "Klingenhof" in St. Georgen blieb im Besitz der Lasperger. 1503 erwarb ihn Hans Geumann von Gallsbach. Im Urbar von 1500 ist ein Edelhof von "Lasperger und Peleterin" genannt. Hans Geumann, seit 1518 Hochmeister des St. Georgs - Ritterordens, schloss den Hof in St. Georgen verwaltungsmäßig an seine Herrschaft Trautmannsdorf an. Im Urbar der Herrschaft Trautmannsdorf von 1541 werden mehrere Untertanen in St. Georgen, Donnerskirchen und Trausdorf genannt. 1578 beschwerten sich 6 Untertanen der Herrschaft Trautmannsdorf in St. Georgen, 5 in Donnerskirchen und und 4 in Trausdorf darüber, dass sie der Herrschaft Eisenstadt Forst- und Weidegeld zahlen mussten. 1576 wurde die Herrschaft Trautmannsdorf an Pankraz von Windischgraetz verkauft. 1618 verkaufte Friedrich von Windischgraetz seine Untertanen in St. Georgen und Trausdorf an Hans Christoph Teuffl von Krottendorf. Die Untertanen in Trausdorf wurden von Nikolaus Esterházy enteignet, Die Besitzungen in St. Georgen vom Wiener Handelsmann Andre Dürnberger im Jahre 1650 gekauft. Sie gingen schließlich an seinen Schwiegersohn Leopold Natl aus einer Ödenburger bzw. Ruster Bürgerfamilie über. Dieser "Nadlische Freihof" kam kurzfristig in den Besitz von Franz Nadasdy und  wurde 1661 von Paul Esterházy gekauft und  das Gebäude des Freihofes sofort an die Gemeinde St. Georgen weiterverkauft. Es entstand ein gemeindeeigner Kellereibetrieb und ein Gemeindewirtshaus. Dieses bestand bis in die 1960er Jahre und musste schließlich dem Neubau des "Gasthauses zum Attilabrunnen" weichen.  Die Weingärten wurden nun als Gemeindeweingärten bewirtschaftet. Die 5 Untertanen und eine Mühle wurden der Herrschaft Eisenstadt angegliedert.

Neben diesem Freihof gab es noch einige andere Freihöfe bzw. Höfe auswärtiger Besitzer. 1495 waren ein Hof in St. Georgen, ein Haus in Eisenstadt sowie Weingärten in Rust und Deutschkreutz und mehrere Untertanen in Mattersburg im Besitz des Wiener Neustädter Bürgers Wildpolt Wildhofer. Diese Familie bekam 1445 vom österreichischen Herzog Albrecht VI. in Marz 12 Bauernhäuser, die der Herzog den Osl von Csorna gewaltsam abgenommen hatte, zunächst zur Nutzung, ab 1451 zum freien Eigentum. 1506 verlaufte Hans Wildhofer diese Besitzungen dem Wiener Neustädter Neukloster. Im Urbar von 1500 wird ein Viertellehen in St. Georgen als im Besitz der Wildhofer angeführt. Ebenfalls 1500 wird in St. Georgen ein Hof der Egherin erwähnt - wahrscheinlich ebenfalls Wr. Neustädter Bürger Ecker, dazu die Edelhöfe von Georg Schönnrunnter und Sigmund Seyberleich, jeweils mit drei dazugehörenden Hofstätten. 1549 verkaufte der kaiserliche Diener und Hatschier (Leibgardist) Christoph Schöngrundner seinen Hof an Moritz von Fürst. 1569 wurden als Edelhofbesitzer Erasmus von Scherffenberg, Michael Moser und Merth Waiz genannt. Alle drei hatten großen Weingartenbesitz. 1675 wird der Hof eines Herrn Präczigan genannt. Dieser Hof wurde später ebenfalls von der Gemeinde erworben.

 

Unter den Esterházy

1622 wurden die Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt unter Bruch des den  Untertanen gegebenen Versprechens an Nikolaus Esterházy verpfändet, 1649 die Herrschaft Eisenstadt in dessen Eigentum übertragen, ohne die Stadt Eisenstadt, die zur königlichen Freistadt erhoben wurde. Mit den Türkenkrieg von 1683, dem Rakocsi - Aufstand und der Pestwelle von 1713 brach der Weinhandel zusammen. Die Zeit des großen Wohlstandes war vorbei. St. Georgen blieb aber ein bedeutender Ort mit differenzierter Sozialstruktur. Im Dorf lebten zahlreiche Handwerker, aber auch fürstlich - esterházysches Dienstpersonal.

1676 bewilligte der Fürst die Errichtung von 13 "kleinen Heußln" ohne Grund auf Bauplätzen in der Größe von etwa 13 X 6,5 Metern. Die Bewohner dieser Neuhäusel waren zwei Jahre lang abgabenfrei, danach schloss der Fürst mit ihnen 1678 einen Kontrakt. Sie unterstanden einem eigenen "Kleinrichter". Da sie nicht zur eigentlichen Bauerngemeinde gehörten waren sie von manchen Abgaben befreit, mussten aber einen eigenen Wachdienst einrichten. Sie durften eine Kuh und zwei Schweine halten und bekamen einen Klafter Holz aus dem Gemeindewald. 1733 traf den Ort ein verheerendes Großfeuer, 85 Häuser brannten ab.

 

Grundentlastung, Reblauskrise

Die Arbeiten am Kataster wurden 1857 abgeschlossen. Im Zuge der Grundentlastung mussten Remanentialgründe, Rodungsgründe und das Bergrecht abgelöst werden. Die Zahlungen belasteten die Bevölkerung schwer, zumal dazu die schwere Krise des Weinbaues durch das Auftreten der Reblaus kam und die bäuerlichen Wirtschaften durch Aufteilung bei stark wachsender Bevölkerung immer kleiner wurden.

Seit den 1880er Jahren breitete sich auch in St. Georgen die Reblaus aus und vernichtete einen Großteil der Weinkulturen. Der Höhepunkt dieser Entwicklung wurde 1888 erreicht. Die Auspflanzung veredelter Weinreben auf reblausresistenten Unterlagen verursachte hohe Kosten. Um 1893 war die Umstellung abgeschlossen, der Weinbau erholte sich langsam wieder. Der Absatz blieb aber schwach, die Weinhändler bestimmten die Preise. Bis etwa 1900 wurde von den Familien Lichtscheidl und Maier eine kleine Ziegelei betrieben, 1904 wurde die Straße über das Leithagebirge gebaut. 1906 bekam der Ort ein Postamt.

1864 brannten 47 Häuser ab, 1872 brach erneut ein Großfeuer aus, dem 71 Gebäude zum Opfer fielen. 1895 wurde das letzte Strohdach abgerissen. Die Bevölkerung verarmte, einige Höfe mussten verkauft werden. Vereinzelt wanderten St. Georgener aus. Viele junge Mädchen gingen nach Wien.

 

 

Anschluss an Österreich, Zwischenkriegszeit

Am 17.12. 1918 wurde auch in St. Georgen in einer großen Gemeindeversammlung ein Deutscher Volksrat gebildet und folgender Beschluss gefasst: "Auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes werden wir uns denjenigen anschließen, an deren Seite das Heil unseres Volkes und unserer deutschen Sprache am besten gesichert erscheint. Zur Wahrung unserer Interessen bilden wir einen Volksrat ..." (St. Georgen, Ortschronik, S.95) Vor allem der Lehrer Felix Höfer trat vehement für den Anschluss an Österreich ein und kam dadurch in eine schwierige Situation, zumal Pfarrer Sieber gegen den Anschluss war und die Bevölkerung gegen Höfer aufwiegelte. In der Volksschule musste bis Ende 1920 Ungarisch gelernt werden.

Aus der Rätezeit sind keine Nachrichten überliefert. Ein einziger Bauer soll mit den Kommunisten sympathisiert haben. Der spätere Volksschuldirektor Fersli war in St. Margarethen Mitglied des Arbeiter- und Bauernrates. In den ersten Nachkriegsjahren gab es eine starke und gut organisierte Schmuggeltätigkeit über das Leithagebirge. Vor allem Eier, Schmalz und Schlachtvieh wurden  nach Österreich gebracht.

Während der Herrschaft der Freischärler flüchteten viele St. Georgener nach Österreich. Die "Banditen" begannen, die Bevölkerung zu tyrannisieren. Vor allem hatten sie es auf Felix Höfer abgesehen, dem es aber immer wieder gelang, über die Grenze zu fliehen. da er von einem Eisenstädter Polizisten gewarnt wurde. Am Wahlkampf um Ödenburg nahm Höfer als Vertreter der Großdeutschen Volkspartei teil, verfasste für die Ödenburger Zeitung Artikel und hielt auch Wahlreden.

Im März 1922 fand die Gründungsversammlung einer Ortsgruppe der Großdeutschen Volkspartei statt. In den Wahlen von 1922 erhielten die Großdeutschen 340, die Sozialdemokraten 47, die Christlichsozialen 198 Stimmen. 1923 wurde der Christlichsoziale Josef Reil zum ersten Bürgermeister gewählt. In der Gemeinderatswahl erhielten die Großdeutschen 271, die Christlichsozialen 380 Stimmen. 1923 wurde der Weinbauverein gegründet, der mit 250 Mitgliedern einer der größten im Land war.

1924 wurde Jusef Reil an Stelle des verstorbenen Landtagsabgeordneten Dr. Ratz als christlichsozialer Abgeordneter in den Landtag gewählt. 1924 wurden der Katholische Burschenverein und eine Musikgruppe gegründet. Ebenfalls 1924 gründete der Schuldirektor Leopold Fersli den Gesangverein "Immergrün" und einen Kirchenchor. In der Bauernkammerwahl von 1927 erhielt der Christlich Burgenländische Bauernbund 150, der Landbund 102 und die Kleinbauernvereinigung 15 Stimmen. Die Gemeinderatswahl von 1927 brachte der Christlichsozialen Partei 332, den Sozialdemokraten 250 und der Einheitsliste Wirtschaftspartei 90 Stimmen. Josef Reil wurde wieder Bürgermeister. 1930 bis 1933 war er dritter Präsident des Landtages. In der Nationalrats- und Landtagswahl erhielten die Einheitsliste 339, die Sozialdemokraten 126 und der Landbund 192 Stimmen. 1927 wurde ein Vorschusskassenverein gegründet. Auch ein Katholischer Mädchenbund entstand 1927. 1929 wurde die elektrische Beleuchtung im Dorf eingeführt. Der Strom wurde vom Eisenstädter Elektrizitätswerk geliefert.   In der Gemeinderatswahl von 1931 erhielten die Christlichsozialen 325, der Landbund 209 und die Sozialdemokraten 49 Stimmen.

Am 6. Dezember 1931 hielten die Nationalsozialisten in St. Georgen eine gut besuchte Versammlung ab. Redner waren der Bundesbahnbeamte Brauner und der Beamte Bretschneider. Die Versammlung wurde von den Christlichsozialen gesprengt. 1932 wurde Johann Tinhof Bürgermeister. 1932 wurden aus Mitgliedern des "Reichsbundes der Katholischen Jugend Österreichs" die "ostmärkischen Sturmscharen" aufgestellt. Sie rekrutiuerten sich ab 1932 aus Mitgliedern des Katholischen Burschenvereins und hielten Exerzier- und Schießübungen ab und führten Streifengänge und Wachdienste durch. 1934 wurden die "Landesschützen" aufgestellt. Es kam mehrmals zu Auseinandersetzungen zwischen "Sturmscharen" und illegalen Nationalsozialisten, allerdings ohne Waffengebrauch. Die "Illegalen" nahmen an Demonstrationen in Eisenstadt teil. 1927 brachten sie ein großes Hakenkreuz an einem Baum an.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten führte die SA Hausdurchsuchungen bei Funktionären der Vaterländischen Front durch. Direktor Felix Höfer wurde erster Ortsgruppenleiter der NSDAP. Auf Drängen Höfers und Prof. Paul Rauchbauers kam es aber zu keinen Gewalttaten gegen die politischen Gegner. Die Abstimmung über den Anschluss an Deutschland erbrachte nur ja - Stimmen, lediglich ein St. Georgener weigerte sich, zur Abstimmung zu gehen. Nach dem Anschluss stiegen die Weinpreise stark an. Zwischen Höfer und dem Kreisleiter kam es zu Spannungen. Höfer weigerte sich,das Kreuz in den Schulklassen abnehmen zu lassen und vertrat die Meinung, man müsste die Menschen überzeugen und nicht unter Druck setzen. Höfer zog sich bald enttäuscht von allen politischen Funktionen zurück. Rudolf Zechmeister wurde sein Nachfolger, Franz Reka war NS - Vertrauensmann.

Am 30. September 1938 wurde St. Georgen der Stadt Eisenstadt eingemeindet. Josef Hahnenkamp übernahm als arischer Leiter die Rebschule der Juden Igo und Samuel Spitzer. Während der Bombenangriffe auf Wr. Neustadt wurden auch auf Eisenstadt und St. Georgen Bomben abgeworfen, die einige Todesopfer zur Folge hatten. Schon 1944 wurden Bunker angelegt, etwa ein Gemeindebunker im Angergraben. Beim Herannahen der Russen wurden Panzersperren gebaut und Laufgräben angelegt. Franz Roka, ein fanatischer Nationalsozialist, wollte das Dorf verteidigen, konnte aber von Felix Höfer und einigen Frauen zur Aufgabe dieses Vorhabens überredet werden. Am 1. April besetzten die Russen ohne Kampfhandlungen das Dorf. Gekämpft wurde an der Straße über das Leithagebirge, wo der Volkssturm einen Panzer abschoss. Im Ort kam es zu zahlreichen Übergriffen der Besatzungssoldaten, Frauen und Mädchen mussten sich versteckt halten.  Im Pfarrhof richteten die Russen ein Gefangenenlager ein. Der Pfarrer hielt sich bis September versteckt. Wägen, Ochsen und Pferde wurden requiriert, Frauen und Mädchen zu Hilfsdiensten in der Kaserne gezwungen. Bis Frühjahr 1946 waren zahlreiche Russen im Dorf einquartiert. Im Wirtshaus Erdt wurde ein Pferdespital eingerichtet. Die Russen setzten im April 1945 Michael Artner wegen seiner Russischkenntnisse als Bürgermeister ein, ab November 1945 folgte Matthias Hahnenkamp. Mit den russischen Besatzungssoldaten kam es immer wieder zu Konflikten. Am 1. Jänner 1947 etwa erschlugen drei russische Soldaten Johann Bauer in seinem Haus. Einer der Mörder wurde von einem russischen Offizier erschossen. 1952 wurde Josef Stiglitz durch russische Soldaten schwer verletzt, seine Frau erstochen. Auf Weisung der Besatzungsmacht durfte nur von Männern "in russischer Uniform" gesprochen werden. Angeblich wurde einer der Täter süäter in der Kaserne erschossen.  Erst am 27. November 1949 kehrten die letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion zurück.

 

Nachkriegszeit

Nach 1945 wurde der "Jugendbund" organisiert, aus dem später die ÖVP-Jugend und die katholische Jugend hervorgingen. Auch die SPÖ baute eine Ortsgruppe auf. Die Kommunisten hingegen konnten keinen St. Georgener gewinnen. Anfang 1946 wurde ein provisorischer Gemeindeausschuss gebildet, mit Michael Leberl an der Spitze. Der Zusammenschluss mit Eisenstadt wurde aufgekündigt. Am 14. Jänner 1948 beschloss der Landtag, den Gemeinden Kleinhöflein und St. Georgen ihre Selbständigkeit zurückzugeben. Ab 1. Jänner 1950 war St. Georgen wieder eine selbständige Gemeinde. Der bisherige Stadtrat von Eisenstadt, Valentin Schnedl, wurde Bürgermeister.

In den ersten Nachkriegsjahren wurden die dringendsten Arbeiten an der Infrastruktur bewältigt. Der Bau einer Wasserleitung nach Eisenstadt wurde in Angriff genommen, das überschüssige Wasser des Attilabrunnens sollte nach Eisenstadt geleitet werden. Ein Hochbehälter wurde gebaut und erste Hausanschlüsse vorgenommen. Am 29. Juli richtete ein Unwetter schwere Schäden an. 1950 wurde ein neues Pfarrheim gebaut und mit dem Bau des Gemeindehauses begonnen. Auch die Regulierung des Ortsbaches wurde 1950 begonnen. Die Feuerwehr erhielt 1951 ein neues Gerätehaus. Ab 1954 erschien für kurze Zeit das St. Georgs - Blatt der Katholischen Aktion. 1954 fand die erste "Georgi - Woche" mit Weinkost statt. 1954 wurde die alte Volksschule für den Kindergarten adaptiert, 1944 die Hauptstraße asphaltiert und neue Sportanlagen eröffnet. In der Gemeinderatswahl von 1954 erhielt die ÖVP 603 und 11 Mandate, die SPÖ 142 Stimmen und 2 Mandate.

1957 begann Sepp Höld die damals größte und modernste Weinkellerei des Burgenlandes aufzubauen. Der Betrieb wurde rasch ausgeweitet, eine moderne Traubenübernahme und große Weintanks eingerichtet. Das Weingut beschäftigte 25 Arbeiter und Angestellte. Der "Rote" und der "Weiße Husar" wurde eine der bekanntesten Weinmarken Österreichs und lieferte auch viel ins Ausland. Die Firma wurde in eine Ges. m. b. H. umgewandelt. Ing. Hlobil, zuvor schon stiller Teilhaber und Geschäftsführer, übernahm 25 % der Firma. Sepp Höld starb 1970 mit 47 Jahren. Seine Anteile gingen auf Alfred Höld und Eva Höld über, Alfred, Hölds Adoptivsohn, wurde Geschäftsführer. Der Weinskandal machte der Firma schwer zu schaffen, vor allem die Exporte brachen ein. 1995 wurde der Betrieb schließlich an Baron Schmalvogl verkauft, die Weingärten wurden von Bauern aus St. Georgen erworben.

1958 wurde die Winzergenossenschaft gegründet. Ebenfalls 1958 entstand die Tiefkühlgemeinschaft, die "Eisgrube" wurde 1959 zugeschüttet.  Mitte der 1980er Jahre wurden die Tiefkühlanlagen immer weniger genützt und der Verein 1985 aufgelöst, die Gebäude verkauft. In der Gemeinderatswahl von 1958 erhielt die ÖVP 615 Stimmen und 11 Mandate, die SPÖ 120 Stimmen und 2 Mandate, Neuer Bürgermeister wurde Georg Hanenkamp. Er war maßgebend auch an den Protesten der Weinbauern der Region beteiligt, die auf die prekäre Situation dieses Wirtschaftszweiges aufmerksam machen sollten. Am 21. März 1959 fuhren über 400 Traktoren auf. Einige Tage später gab es ein Gespräch mit Landeshauptmann Wagner und am 21. April wurde eine Delegation im Parlament vom Bundeskanzler empfangen, Eine Folge dieser Aktionen war die Gründung des "Bundesverbandes der Weinbautreibenden Österreichs". 1959 wurde der St. Georgener Kindergarten geistlichen Schwestern zur Betreuung übergeben. 1963 wurde der Musikverein "Bauernkapelle St. Georgen" gegründet. Die Blasmusikkapelle feierte in der folgenden Zeit bis heute große Erfolge im In- und im Ausland. Inituator war Anton Leeb, Obmann Josef Gossy  und dessen Stellvertreter Dr. Hans Hahnenkamp, Kapellmeister Hans Kummer.

Im Weinbau wurden Ende der 1960er Jahre die letzten Stockkulturen durch Drahtkulturen ersetzt. Dadurch wurde die Bewirtschaftung mit dem Traktor möglich. Der Pferdebestand ging stark zurück. 1966 gab es erneut Proteste der Weinbauern.

1965/66 wurde das neue Gemeindehaus gebaut und 1968 geweiht. Im neuen Gemeindehaus gab es eine Wohnung für den Amtmann, einen Sitzungs- und Versammlungsrau. Im Erdgeschoss wurde der Kindergarten untergebracht. 1968 trat St. Georgen das Gelände am Hotterweg, wo das neue BEWAG-Verwaltungsgebäude entstand, an Eisenstadt ab. 1969 wurde die Xaverius - Kapelle zur Aufbahrungshalle umgebaut.

Am 1.1. 1971 wurde St. Georgen wieder mit Eisenstadt zusammengeschlossen. Die Gemeinderatswahl von 1971 brachte im Wahlsprengel St. Georgen leichte Verluste für die ÖVP und Zugewinne für die SPÖ. 1974 wurde die Volksschule aufgelassen, die Kinder mussten mit Bussen nach Eisenstadt gebracht werden. Das Gebäude der Volkschule wurde vom Polytechnischen Lehrgang genützt.  Trotz der vielen Wasserbaumaßnahmen kam es am 12. Juli 1973 erneut zu schweren Überschwemmungen

1975 wurde die in St. Georgen wohnhafte Landtagsabgeordnete der ÖVP, Ottilie Rochus, Abgeordnete zum Nationalrat. Dr. Hans Tschank wurde 1976 Präsident des Burgenländischen Fußballverbandes. 1982 wurde die neue Leichenhalle eingeweiht. Stadträte aus St. Georgen waren Viktor Kain, ab 1987 Hermann Höld. 1990 wurde nach einer Änderung des Statutes der Freistadt Eisebstadt St. Georgen ein Stadtbezirk. Ein Ausschuss von 13 Personen ist seither für dessen Angelegenheiten zuständig. 1991 kamen Dr. Martin Nährer und Dkfm. Helga Braunrath in den burgenländischen Landtag. Seit dem Schuljahr 1995/96 hat St. Geirgen wieder eine eigene Volksschule. Im Jahre 2000 wurde der St. Georgener Dr. Werner Krischka Stadtparteiobmann der SPÖ Eisenstadt und Vizebürgermeister. Im September 2000 feierte St. Georgen sein 700 - Jahr - Jubiläum. Eine Ortschronik wurde aus diesem Anlass herausgegeben.

 

Kirchengeschichte

1300 war St. Geogen eine eigene Pfarre mit eigener Kirche. Sonst hätte der Ort wohl kaum den Namen seines Kirchenpatrons erhalten. Wann die Georgskirche errichtet wurde ist nicht bekannt. Vor der heutigen spätgotischen Kirche mit Netzrippengewölbe bestand vermutlich eine Holzkirche. An katholischen Pfarrern wird im Jahre 1500 ein Lorenz Grashamp und später ein Peter Buchsbaum erwähnt. Im Geschäftsbuch der Firma Funck in Wr. Neustadt ist 1530 ein Herr Lamprecht als Pfarrer von St. Georgen erwähnt.  In den Visitationsberichten des 17. Jahrhunderts wird die Kirche als sehr schön beschrieben. 1623 wurden zwei Wandgemälde geschaffen, Die "Krönung Mariens" zeigt, dass zu dieser Zeit die Rekatholisierung des Dorfes weitgehend abgeschlossen war. Auf evangelische Prediger gibt es nur wenige Hinweise. Erwähnt wird ein Johannes aus Schlesien und 1582 Georg Leittner als evangelische Pfarrer. Unter Johannes weigerte sich die Gemeinde, den Ertrag eines Weingartens dem Benefiziaten Matthias Schön zu überlassen. Georg Leittner war bis 1682 evangelischer Pfarrer. 1590 berichtete Pfarrer Ambrosius Feigl (1582 - 1600), dass alle Pfarrkinder ihre Pflichten sehr genau erfüllen. Feigl war früher Kaplan in Ödenburg und bekam auch die Pfarre Eisenstadt übertragen und betreute zusätzlich Schützen am Gebirge.  1569 unterstanden der Pfarre 7 Kirchenholden und 5 Pfarrholden. Pfarrer Grundtner (1601 - 1605) musste mit der Gemeinde um ein St. Sebastiani - Benefizium streiten. Pfarrer Martin Reinpott betreute auch Schützen/geb. Nach dem Visitationsbericht von 1651 waren alle Einwohner katholisch, mit Ausnahme einer einzigen Frau, die Nach der Geburt ihres Kindes nicht bereit war, das Sakrament der Buße zu empfangen. 1651 wurde ein neuer Pfarrhof erwähnt. Pfarrer war damals David von Hirschenthal, Nikolaus Heß, ein Zisterzienser, begann 1658 mit den Matrikenaufzeichnungen. Die Pfarre St. Georgen war sehr reich, sie besaß 1674 12 Weingärten mit zusammen 196 Pfund. Die folgenden Pfarrer hießen Thomas UNgerhofer, ein Kleinhöfleiner, und Josef Claus aus Schützen/Geb. Philipp Gizer stammte aus Preßburg, Michael Tränker (1729 - 1759) stammte aus Schattendorf. Der Jesuit Ignatius Parhammer errichtete 1752 eine Christenlehrbruderschaft.  1783, unter Pfarrer Petrus Dobitsch,  wurde die Kirche neu gestaltet. Der Hochaltar stammte vom aufgelassenen Franziskanerkloster in Eisenstadt - Oberberg. 1783 wurde der Turm errichtet. Pfarrer Theobald Josef Collin (11803 - 1826) aus dem Elsass, Schlosskaplan in Eiosenstadt und dann Pfarrer in St. Georgen, schrieb 1802 ein Buch über die Pflanzung von Obstbäumen. Sehr lange, von 1872 bis 1906, wirkte Michael Payersteiner in St. Georgen, Sein Nachfolger Ernst Sieber stammte aus Müllendorf, ab 1934 war er Dechant von Eisenstadt. Wie viele Pfarrer damals trat Sieber vehement für den Verbeib Deutschwestungarns bei Ungarn ein und intrigierte gegen den deutschbewussten Lehrer Felix Höfer. 1911 malte der Ödenburger Maler Franz Storno jun. die drei Deckengemälde, die aber 1958 übertüncht wurden. Siebers Nachfolger war bis 1986 Franz Ruszwurm. Er war 45 Jahre lang Pfarrer in St. Georgen. Er war der letzte Pfarrer, der noch auf Vorschlag des Patronatsherrn, des Fürsten Esterházy, ernannt wurde.  1977/78 fand eine große Kirchenrenovierung statt. Die letzte große Kirchenrenovierung  fand 1987 statt. 1988 wurde der Dompfarrer Alfred Zistler mit der Mitversehung der Pfarre betraut, 1889 übernahm Franz Goldenits die Pfarre. Bedeutende Theologen und Priester, die aus St. Georgen stammten, waren Georg Hanenkamp, ab 1893 Rektor des Priesterseminars in Raab und 1897 Domherr, sowie Univ.Prof. Dr. Polycarp Radó, Sohn des Ödenburger Lehrers Christian Rauchbauer, der seinen Namen auf Radó magyarisierte. Radó war nach dem Zweiten Weltkrieg Dekan der Theologischen Akademie in Budapest.


Literatur:

  • St. Georgen - Geschichte und Geschichten. St. Georgen 2000. Hg. unter der Leitung von Mag. Erich Kummer vom Verein Dorfblick St. Georgen.