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Dr. Christoph Lackner

 

* 21.11.1571 in Ödenburg
† 1631

 

Ödenburger Stadtrichter, Politiker, Gründer des "Studentenbundes"
  


Sein Vater Adam Lackner, ein Goldschmied, erhielt 1568 das Bürgerrecht in Ödenburg. Dessen Vater Sebastian, geboren in Tittmaning, legte seine Meisterprüfung als Goldschmid in Braunau am Inn beim Goldschmiedemeister Wolfgang Ehrlinger ab. Sebastian Lackner kam nach Ödenburg und wurde schon 1583 zum Stadtfendrich bestellt. 1586 war er bereits Mitglied des Inneren Rates. Christoph Lackners Mutter Barbara war eine geborene Schiffer, Witwe des verstorbenen Bürgers Johann Kolb. In zweiter Ehe heiratete Adam Lackner mit Anna, Tochter des evangelischen Pfarrers Stephan Consul.

 

Christoph besuchte die Schule in Ödenburg und anschließend das Gymnasium in Tschapring (Csepreg). Kurze Zeit arbeitete er in der Werkstatt seines Vaters als Goldschmied. 1592 besuchte er die Universität in Wittenberg. 1571 ging er nach Graz, wo er die berühmte Hochschule der evangelischen Stände besuchte. Er wurde Erzieher im Hause des Hauptmarschalls Wolfgang Saurau, mit dessen Sohn er 1595 an die Universität von Padua wechselte.1593 studierte er in Padua, 1595 schloss er dort das Studium mit dem Erwerb des Doktorgrades ab. Anschließend studierte er noch in Bologna und Siena. 1597 kehrte er nach Ödenburg zurück. Nach seiner Rückkehr aus Italien heiratete er Ursula, die Witwe des früheren Bürgermeisters Johann Töltl, eine geborene Gurthner. Lackner begann, im Arkadenhof des Lackner-Hauses auf dem Hauptplatz (das heutige Generalshaus) Predigten zu halten. 1600  wurde er von König Rudolf geadelt. 1603 war er Richter. Ein steiler Aufstieg also, und dies trotz des schweren Konflikts mit dem Raaber Bischof, der natürlich von den Predigten Lackners erfahren hatte. Bischof Pethe verhöhnte Lackner als den „schönen Doktor“ und zitierte ihn zwei Mal in seinen Sommersitz nach Kroisbach, wegen seiner Predigten und auch weil er den Deutschkreutzer evangelischen Pfarrer nach Ödenburg eingeladen hatte. 1602 wurde Lackner zusammen mit dem Bürgermeister Johann Pucher und dem Stadtschreiber Dobner vor Erzherzog Matthias nach Wien vorgeladen. Sie traten die Reise mit einem kleinen Geschenk, einem Fass „Ödenburger“ mit 16 Eimern Wein Inhalt, an. Es wird seine Wirkung nicht verfehlt haben.

Im Alter von 28 Jahren wurde er in den Inneren Rat gewählt. In der Zeit nach dem Wiener Frieden und in den Wirren des Bethlen – Aufstandes spielte er eine besonders wichtige und dominierende Rolle.  Grete Maar würdigt ihn treffend und keineswegs übertrieben mit folgenden Worten: „Dr. Christoph Lackner ist der große Sohn unserer Stadt in dieser harten Zeit, ein tapferer Soldat, Diplomat mit Weitblick und Gespür für die Notwendigkeit des Augenblicks, Dichter und Jurist, begeisterter Bekenner seines evangelischen Glaubens und trotzdem großmütig gegenüber Katholiken. Obwohl er die schweren Jahre der Verfolgung unter den Erzherzögen Ernst und Matthias in seiner Jugend miterlebt hatte, war er stets auf Habsburgs Seite, weil er als Realpolitiker die Befreiung von den Türken nur von dort erhoffte.“

 
1604 gründete Lackner den Foedus Studiosorum, die erste literarisch-gelehrte Gesellschaft Ungarns, eine Art Literatenzunft, der Adelige aus der Stadt, viele Geistliche, Angehörige des Stadtrates aber auch der Wiener Hofgesellschaft angehörten. In den Statuten hatte man sich die Abhaltung literarischer Geselligkeit und den Aufbau einer Bibliothek zum Ziel gesetzt. Jedes neue Mitglied musste mindestens einen Golddukaten und ein wertvolles Buch in die Gesellschaft einbringen. Jedes Jahr gab es – nach dem Vorbild der deutschen Dichterbünde – eine Dichterkrönung mit einem „Bundeskränzlein“.
 

Nach dem Wiener Frieden konnte auch das evangelische Schulwesen wieder aufgebaut werden. Auch dabei war Lackner besonders aktiv beteiligt.  Christoph Lackner griff auf Wunsch der Lehrer persönlich zur Feder und verfasste drei Schuldramen in lateinischer Sprache, darunter „Curia Regia seu Consultatio Paterna“ (Die Fürsorge des Königs oder Die väterliche Beratung). Das Drama wurde 1616 in Kaschau herausgegeben. Das Stück wurde im Rathaussaal vor großem Publikum von den Schülern des Gymnasiums aufgeführt.
 

Christoph Lackner bekleidete immer wieder die höchsten Ämter der Stadt. 1603 war er Stadtrichter, 1605 führte er als Kapitän das städtische Aufgebot gegen die Kuruzzen. Nach 1613 war er vier Mal , insgesamt 14 Jahre lang, Bürgermeister. Er vertrat die königliche Freistadt auch auf den Landtagen. Das Kuruzzenjahr 1605 hatte die Schutzlosigkeit der Vorstädte gezeigt, die von den Angreifern niedergebrannt wurden. Lackner ließ nicht nur die schwer beschädigten Mauern um die Innenstadt erneuern, er ließ auch eine Steinmauer mit Bastionen und Graben um die Vorstädte errichten. Der künstlerisch begabte Lackner unternahm auch viel für die Verschönerung der Stadt. Auf dem Stadtturm (Feuerturm) ließ er das Stadtwappen anbringen und den Spruch "Turris et fortitudo mea Deus" (Gott ist mein Turm und meine Festung). Die Räume des Rathauses wurden in venezianischer Manier ausgemalt.