Wie der Ortsname zeigt ist das Dorf eine Neugründung, erst im 17. Jahrhundert entstanden. Der  Ortsname hat sich folgendermaßen entwickelt: 1644 Uyffalw oder Neodorff; 1652 St. Miklos; 1575 Sz. Miklos oder Lajta Uyfalu; 1680: St. Nicolay oder Neuderffl; 1735: Neudorf, St. Nicola; 1804 Neudorffl; 1834: Lajta Szent Miklos; 1913 Lajtaszentmiklós; 1924: Neudörfl.

Urgeschichte:

Auf dem Ortsgebiet von Neudörfl wurden Funde aus allen Epochen der Urgeschichte gemacht. 1951 wurden nördlich der Pöttschinger Straße Siedlungsreste der Jungsteinzeit gefunden, Beim Bau der Schnellstraße tauchten bronzezeitliche Funde auf. 1951 wurden in einem Weingarten beim Bahnhof Gegenstände aus der Hallstattzeit gefunden. Ein Schatzfund im Jahre 1914 aus keltischen Großsilbermünzen ist leider nicht erhalten. Von den 36 Münzen ist nur eine einzige in das burgenländische Landesmuseum gelangt.

Besonders zahlreich sind die Funde aus der Römerzeit. 1902 entdeckte ein Rittmeister aus Wr. Neustadt südöstlich von Neudörfl 10 Grabhügel. Das frührömische Grabhügelfeld (1. und 2. Jahrhundert n. Chr., Brandbestattungen) setzt sich jenseits der Grenze in Katzelsdorf fort. Neun Hügel wurden ausgegraben, die Funde in das Museum Wr. Neustadt gebracht, wo sie aber nur zum Teil erhalten blieben. Im Jahre 1847 wurde ein frührömischer Nischengrabstein gefunden, mit zwei Halbbüsten und einer Inschrift: "Cassus, Sklave des Musa, verstorben im Alter von 100 Jahren, und Strubilo, die Freigelassene des Scalleo, seine Frau, 80 Jahre alt, sind hier begraben" (Museum Wr. Neustadt). Daneben wurden 1923 ein weiterer, nur unvollständig erhaltener und 1952 ein weiterer Grabstein gefunden. Die Personennamen der Inschriften sind, wie auch die dargestellten Trachten, zum Teil keltisch (Cassus, Vindaina, Belatomarus, Verciovus), zum Teil germanisch (Strubilo, Skalleo), zum Teil auch romanisch. Auch im benachbarten Katzelsdorf wurden Funde germanischer Herkunft bekannt. Die Forschung geht davon aus, dass die Bewohner germanische Quaden waren, die im Jahre 50 n. Chr. unter ihrem König Vannius in Pannonien angesiedelt wurden. 1975 wurden in einer Schottergrube zahlreiche Sandsteinquader und Reliefblöcke gefunden, Bestandteile einer frührömischen Grabkapelle.

Mittelalter und Neugründung des Dorfes

Neudörfl entstand zwar erst im 17. Jahrhundert, auf seinem Gebiet gab es aber auch mittelalterliche Siedlungen, etwa "Wart" (Röjtökör). Dieses Dorf war anfangs wohl von petschenegischen Grenzwächtern bewohnt, so wie auch Pöttsching. Daraus entstand ein mittelalterliches Dorf mit 24 Bauernlehen, das im nördlichen Teil von Sauerbrunn zu suchen ist. Dieses Dorf wurde noch im Mittelalter aufgegeben und sein Gebiet kam zu Pöttsching. Die ausgedehnten Wiesen dienten als Weidegründe für die aus Ödenburg nach Wr. Neustadt getriebnen Ochsenherden.

Für die Stadt Wr. Neustadt, unter Kaiser Friedrich III. Residenzstadt mit etwa 8000 Einwohnern, waren diese Weidegründe von großer Bedeutung. Als sich in der frühen Neuzeit der Ochsenhandel nach Norden, in die Brucker Pforte, verlagerte, wurden die Wiesen zum Teil von Pöttschinger Bauern umgeackert und als Zinsgründe bewirtschaftet, zumTeil dienten sie weiterhin als Weiden für das Vieh der Wr. Neustädter und der benachbarten niederösterreichischen Herrschaften.

1644 beschwerte sich die Stadt Wr. Neustadt bei der niederösterreichischen Regierung und bei den Landständen über den Hofrichter des Grafen Nikolaus Esterházy, der an der Landstraße gegenüber Wr. Neustadt mit dem Bau eines Dorfes begann. Die Wiener Neustädter befürchteten, dass dort eine Festung errichtet und ihnen dadurch der Zugang nach Ungarn durch die Wr. Neustädter Pforte erschwert würde und die Mauteinnahmen verringert würden. Vor allem aber befürchtete man die Konkurrenz eines neuen Marktes an der ungarischen Seite der Leitha. Wr. Neustadt lebte ja im hohen Ausmaß vom Ungarnhandel. Die Stadt war das Einkaufszentrum für die Krämer Westungarns, die vor allem Textilien, Eisenwaren, Handwerksprodukte und Salz bezogen. Aus Ungarn kamen Wein , Vieh, Honig, Obst, Häute und Felle. Die Wr. Neustädter hatten viele Weingärten im angrenzenden Westungarn, in der Pöttschinger Wart gehörten ihnen um 1600 etwa drei Viertel der Weingärten. Im Zusammenhang mit den Enteignungen der "Ausländer" durch Nikolaus Esterházy befürchteten die Wr. Neustädter den Verlust ihrer sehr gewinnbringenden Weingärten. Durch die Anlage des neuen Dorfes gingen auch billige Weidegründe verloren. Da in Ungarn die "Taz", die österreichische Getränkesteuer, nicht eingehoben wurde, war der Wein in Neudörfl weit billiger und die Stadt befürchtete das "Auslaufen" der Bürger in die dortigen Wirtshäuser und damit Steuerverluste.

Kein Wunder also, dass die Wiener Neustädter gegen das neue Dorf Sturm liefen. Auch der Wr. Neustädter Bischof, damals Grundherr einiger niederösterreichischer Grenzdörfer, beschwerte sich bei den Landständen, allerdings vergeblich. Ladislaus Esterházy setzte den Ausbau des Dorfes fort. Die Beschwerden wurden heftiger, als Esterházy begann, direkt an der Leitha ein großes Gebäude - Mühle, Brauhaus, Wirtshaus - zu errichten und offenbar die Absicht hatte, dieses Gebäude zu einem Kastell auszubauen. Die Regierung entsandte den Ingenieur Pironi zum Lokalaugenschein, der empfahl, die Größe des Dorfes bei 30 Häusern zu begrenzen, das obere Stockwerk des Gebäudes abzureißen und die Befestigungsanlagen zu beseitigen. 1652 wurde Neudörfl - wie Wr, Neustadt befürchtet hatte -  zum Markt erhoben. Noch einmal fasste die Stadt alle ihre Bedenken in einem Bericht 1654 zusammen, wobei vor allem darauf hingewiesen wurde, dass das befestigte Grenzwirtshaus als Stützpunkt für angreifende Türken und "rebellische Ungarn" dienen konnte. Der Kaiser, zugleich ja König von Ungarn, behielt sich alle Entscheidungen vor, traf aber keinerlei Maßnahmen. Neudörfl konnte so bedeutend wachsen, Märkte wurden abgehalten, eine Salzkammer eingerichtet und die Wirtshäuser im Dorf ausgebaut. Unter Paul Esterházy kam es zu einem Vergleich mit der Stadt. Er verzichtete auf das Marktrecht für Neudörfl.

Das Dorf schloss mit dem Grundherrn einen Kontrakt, wobei die Kontraktsumme mit 100 Gulden extrem niedrig festgelegt wurde, um das neue Dorf zu fördern. 1675 wurde ein neuer Kontrakt abgeschlossen, die Abgaben wurden auf insgesamt 342 1/2 Gulden erhöht. Zusätzlich mussten Getreide- und Weinzehent gezahlt werden und Naturalabgaben geleistet werden. Auch die Menge an Bannwein, die das Dorf abnehmen musste, war mit 12 Forchtenseiner Eimer (1044 Liter) beträchtlich. Im Dorfwirtshaus musste über ein halbes Jahr Bannwein ausgeschenkt werden.  Im Herrschaftswirtshaus an der Leithamühle wurde ganzjährig Herrschaftswein ausgeschenkt. Im Jahre 1718 waren dies 238 Eimer (20 706 Liter)  Wein. Das war eine der höchsten Einnahmequellen der Herrschaft. Die Herrschaft bewirtschaftete in Neudörfl 27 Joch Acker und 50 Tagwerk Wiesen. Die Bearbeitung erfolgte durch Robot. Da die Sessionalisten die Zugrobot leisteten beanspruchten sie allein die Gemeindeweide. Das führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Söllnern, die vereinzelt ebenfalls Zugvieh hielten. 1726 musste ein Urbarialvertrag abgeschlossen werden. Die Söllner erhielten das Weiderecht, mussten aber einen Teil der Zugroboten, etwa Kirchen- und Pfarrhoffuhren, übernehmen. Der hohe Bestand an Zugtieren weist darauf hin, dass viele Neudörfler einen Nebenverdienst als Fuhrwerker hatten. In Neudörfl gab es keine Weingärten, die Ortsbewohner hatten aber Weingärten in Pöttsching. In jüngerer Zeit war der Bestand an Obstbäumen beachtlich, im Jahre 1938 etwa über 15 000 Bäume, davon ein Drittel Zwetschken-, 1500 Marillen- und 1740 Pfirsichbäume. Das Obst konnte auf dem Wr. Neustädter Markt gut verkauft werden.

Das Dorf entwickelte sich rasch zu einer bedeutenden Siedlung. 1669 wurde eine Pfarrkirche gebaut. 1675 gab es neben 30 Bauernhäusern 81 Söllnerhäuser, Mühle, Schmiede, Schule, Pfarrhof und zwei Halterhäuschen, insgesamt schon 117 Häuser. Die Einwohner hatten durchwegs deutsche Familiennamen. Sie zeigen, dass die meisten Bewohner aus den benachbarten Dörfern, vor allem aus Pöttsching, kamen. Der größere Teil aber kam aus den angrenzenden niederösterreichischen Dörfern. 1714 erhielt der Mattersburger Jude Simon Lazarus vom Grundherrn die Erlaubnis, ein Brauhaus zu errichten und zu betreiben. Gegen eine Pacht von 150 Gulden jährlich braute Lazarus neun Jahre lang in Neudörfl.

Die Esterházy hatten ständig Bedarf an Bargeld und nahmen so auf ihr Dorf Neudörfl immer wieder Hypotheken auf oder verpfändeten das Dorf. 1666 etwa nahm Paul Esterházy von einem Wr. Neustädter Bürger Geld auf. 1678 schuldete Esterházy dem Wiener Kaufmann Cattani viel Geld für Schmuckgegenstände und setzte die Leithamühle und das Wirtshaus als Pfand ein. 1719 half der in Katzelsdorf sitzende Graf Franz Dominik Jörger mit 70 000 Gulden aus und bekam dafür die Dörfer Pöttsching und Neudörfl mit der Leithamühle verpfändet. Damit begann die Loslösung dieser Dörfer aus dem Verband der Herrschaft Forchtenstein. Daraus entwickelte sich später die Herrschaft Pöttsching, zu der in der Mitte des 18. Jahrhunderts auch Zillingtal geschlagen wurde. Erst 1735 wurde das Pfandgut wieder eingelöst. Das Geld für die Rücklöse gab Gräfin Eleonore Batthyány - Strattmann. Um die Abköse der von den Jörgern getätigten hohen Investitionen gab es Streit.

1755 gab es in Neudörfl 102 Viertelbauern und Söllner und 22 Söllner ohne Haus (Inwohner). Die Entwicklung des Dorfes stagnierte also. 1666 lagen 14 Viertelhöfe öde. Zur Stagnation trugen die Verwüstungen durch Türken und Kuruzzen und Brände bei. 1678 brannten 22 Häuser ab. Seuchen und Viehseuchen trafen das Dorf. 1739 wurde Neudörfl Kontumazort für alle aus Ungarn kommenden Reisenden. Bis 1767 hatte sich die Bevölkerungszahl wieder erholt. 31 Bauern- und 80 Söllnerhäuser wurden gezählt. Dazu kam mit 51 Familien eine sehr hohe Zahl von Inwohnern ohne eigenes Haus. Der Boden wurde knapp und so erhob Neudörfl Anspruch auf den Grund des alten Dorfes Wart von den Pöttschingern, die verhältnismäßig große Bauernhäuser hatten. Vor allem fehlte des den Neudörflern an Wald. 1775 übergab daher den Neudörlern den in Pöttsching gelegenen Schellingwald. Damit konnte zumindest ein Teil des Brennholzbedarfes gedeckt werden. Die Söllner aber hatten für ihre bescheidene Holzzuteilung zusätzlich Robot zu leisten. Trotz der prekären wirtschaftlichen Situation wuchs die Einwohnerzahl und Neudörfl gehörte 1787 mit 971 Einwohnern, 200 Familien in 141 Häusern, zu den größten Gemeinden der Herrschaft. Die vielen Söllner und Inwohner fanden wahrscheinlich schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts vermehrt Arbeitsplätze in der Industrie Wr. Neustadts. Die Landwirtschaft im Dorf reichte nicht zur Ernährung der Bevölkerung. Dazu kamen immer wieder Überschwemmungen und die schweren Hagelunwetter der Jahre 1806 und 1810. Gegen die Überschwemmungen versuchte man sich schon im 17. Jahrhundert durch den Bau von Ufersicherungen und Dämmen zu schützen, freilich bei starken Unwettern mit wenig Erfolg. Die schwerste Überschwemmung im Jahre 1813 zerstörte 126 Häuser vollständig. Die Ernte wurde vernichtet, die Brücke fortgerissen, die Felder mit Geröll übersät. Der Schaden wurde auf enorme 80 000 Gulden geschätzt. Nur in Lutzmannsburg waren die Schäden höher. 1814 gab es erneut eine ähnlich katastrophale Überschwemmung. 1821 und 1822 wiederholten sich die Überschwemmungen. 1828 lebten in 168 Häusern 1244 Menschen. 103 Häuser waren Söllnerhäuser. Die Zahl der unbehausten Söllner war auf 32 zurückgegangen, da inzwischen viele "Curialhäuser" von der Herrschaft genehmigt wurden.

Schon im 18. Jahrhundert bestand ein Zollamt. Der "Dreißiger" von Wr. Neustadt verlegte seinen Standort an die Leithabrücke. Aber erst 1815 wurde ein Dreißigstamtsgebäude errichtet, auf einem Grundstück, das Esterhazy gegenüber der Leithamühle gegen Pacht zur Verfügung stellte. Es ist bis heute erhalten. Dahinter lagen das Esterhazysche Eisendepot und das Haus des Krügelmachers. Der Anschluss an den Wr. Neustädter Kanal, der zum Teil vom Neudörfler Mühlbach gespeist wurde, zog sich lange hin. Seine Bedeutung wurde aber bald durch den Bau der Eisenbahn Wr. Neustadt - Ödenburg hinfällig.

1804 wurde Neudörfl wieder zum Markt erhoben. Vier Jahrmärkte und am jeweiligen Tag zuvor Viehmärkte wurden abgehalten. Die Märkte erlangten aber keine wirtschaftliche Bedeutung und kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder ab. 1973 wurde dann das Recht zur Führung des Titels "Marktgemeinde" verliehen. Gewerbliche Betriebe gab es nur wenige. Am wichtigsten war das Krüglerhaus, das noch im 17. Jahrhundert in einer früheren Pulverstampf untergebracht war. Es wurden Majolikawaren in habanischer Tradition hergestellt. Viele Handwerker arbeiteten nur im Winter. Erst mit dem Bahnanschluss entwickelten sich auch Gewerbe und Handel kräftiger.

Industriegründungen

Mit dem Bau der Bahnlinie in den Jahren 1845 bis 1848 wurden die Voraussetzungen für die Gründung von Industriebetrieben geschaffen. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Zündhölzchenfabrik Edler und Wolf gegründet. Um die Jahrhundertmitte beschäftigte sie bereits 30 bis 40 Arbeitskräfte. Eine weit größere Zahl von Menschen fand in den Wr. Neustädter Betrieben Arbeit. Neudörfl wurde zu einer Fabriksarbeitersiedlung.

Im Revolutionsjahr 1848 besetzten ungarische Nationalgarde und Honved den Markt. Die Leithabrücke wurde abgerissen, Schanzen gebaut und Straßensperren errichtet. Sie konnten allerdings den Einmarsch der kaiserlichen Truppen am 15. Dezember 1848 nicht verhindern. In Neudörfl wurde kaiserliche Gendarmerie stationiert. Eine Folge der Kriegshandlungen war der Ausbruch einer Choleraepidemie, der im Sommer 1849 viele Menschen zum Opfer fielen.

1856 wurde die Katastralvermessung und Grundbuchanlegung abgeschlossen. Die Katastralmappe zeigt 158 Wohnhäuser, das Esterházysche Gasthaus mit Mühle, Meierhof, Jägerhaus, k.k. Dreißigstgebäude, Jägerhaus, Fleischbank , Gemeindehaus, Kirche und Pfarrhof, den Bahnhof und die Zündwarenfabrik. Zum 1855 geschaffenen Bezirksnotariat Pöttsching gehörten auch Neudörfl, Krensdorf und Sigleß (1860 wieder aufgelöst).  Die Volkszählung von 1850 wies 168 Häuser mit 369 Wohnparteien aus. 1371 Personen waren Deutsche, 6 Magyaren, 4 Kroaten und 39 Juden. 1379 Einwohner waren Katholiken. Der Sanitätsbericht 1852 erwähnt den Wund-, Geburts- und Augenarzt Simon Mittelmann und eine Hebamme. 1853 wurde das große Dreißigstamtsgebäude an den Arzt Mittelmann verpachtet und zum Verkauf ausgeschrieben. Es fand sich aber kein Käufer. Größere Brände gab es 1854, 1857 und 1859, als 26 Häuser, darunter der Pfarrhof, abbrannten. 1853 wurde die Grundentlastung durchgeführt, 1863 wurden per Vertrag mit der Herrschaft auch die übrigen Gründe (Rodungsgründe, Remanentialgründe, Zinsgründe) und auch das Bergrecht und der Weinzehent abgelöst. Vor allem die Weingärten auf Pöttschinger Hotter machten erhebliche Zahlungen erforderlich. Esterhazy behielt 80 Joch an Rodungsgründen und 58 Joch Weiden. Diese Gründe wurden entlang der Leitha kommassiert. 1879 wurde die Urbarialgemeinde - eine Bauern und eine Söllnerurabrialgemeinde -  zur gemeinsamen Nutzung von Wald und Weide gegründet. 1899 wurde die römisch - katholische Volksschule in eine Gemeindeschule umgewandelt, 1908 wurde die sechsklassige Schule verstaatlicht.

Von gesamtösterreichischer Bedeutung war der 5. April 1874. An diesem Tag fand in Neudörfl der Gründungsparteitag der österreichischen Sozialdemokratie statt - nachdem eine entsprechende Versammlung in Baden verboten worden war. 1890 entstand auch in Neudörfl eine lose Vereinigung der Arbeiterschaft, aus der nach 1900 eine Parteiorganisation entstand. 1911 und 1912 wurden in Neudörfl große Kundgebungen für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes abgehalten. Nicht nur für die Sozialdemokraten, auch für die österreichischen Freimaurer war Neudörfl ein Zufluchtsort. 1871/72 entstanden drei Logen, die Concordia, Eintracht und Humanitas. Unter den Einheimischen gab es freilich keine Mitglieder. 1889 übersiedelten die Logen nach Preßburg. 1885 wurde eine Gendarmeriestation errichtet. 1886 entstand die Druckerei Ignaz Fleischmann, später im Eigentum von Gustav Prager und Philipp Stiborszky. 1887 wurde eine neue Leithabrücke eingeweiht, ab 1888 der Autobusverkehr zum Hauptplatz Wr. Neustadt eingerichtet. Die Weinhandelsfirma Viktor Wolf und Co. baute eine Weinkellerei für 1000 hl. 100 Arbeiter fanden bei Wolf Beschäftigung.

1876 war für Neudörfl ein Katastrophenjahr. In Wr. Neustadt wurde die Siegl'sche Fabrik eingestellt, 500 Personen aus Neudörfl wurden arbeitslos. Ab dem Jahre 1886 fand die Gründung einer Reihe von Fabriken statt, 1885 übernahm der Wr. Neustädter Max Pock die Zündwarenfabrik, 1896 wurde die Zünderfabrik Herzfelder und Fröhlich gegründet, die täglich 50 000 Schachteln Zünder erzeugte. 1904 wurde die Fabrik von der Textilfirma Elsinger übernommen. Sie erzeugte Segeltücher und erweiterte bald um eine Weberei, Spinnerei und Färberei. Die Arbeiter wurden zum Teil aus dem Riedengebirge geholt. Die große Fabrik war über nahezu 100 Jahre der der wichtigste Arbeitgeber in Neudörfl. 1966 wurde sie stillgelegt.  1902 entstand eine Möbelfabrik. Sie wurde 1905 von Sigmund Lendvay in eine Borstenfabrik umgewandelt. Weitere Fabriksgründungen waren 1904 ein Zweigwerk der Zündschnurfabrik Bickford u. Co. und 1909 die     Erste Ungarische mechanische Baumwollreinigungsfabrik der Brüder Preiß, 1913 die Fabrik für optische Instrumente Barr und Stroud. 1911 erfolgte der Neubau der Volksschule und des ebenfalls staatlichen Kindergartens. Die Straße nach Sauerbrunn wurde 1914 ausgebaut.

1883 wurden der Gesangverein "Liederkranz" und der Freiwillige Feuerwehrsverein gegründet, 1903 ein Veteranenverein und ein Weinproduzentenverein. 1900 waren von der Bevölkerung nur mehr 19,8 % der Landwirtschaft zuzuzählen, 52,3 % hingegen Industrie und Gewerbe. Bis 1910 stieg dieser Anteil weiter auf 57,5 %.

Anschluss an Österreich und Zwischenkriegszeit

Nach dem Zerfall der Monarchie war in Neudörfl die Bereitschaft für den Anschluss an Österreich besonders groß, was angesichts der wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Wr. Neustädter Raum nicht verwunderlich war. Ein deutscher Volksrat wurde gegründet, die Nationalgarde wurde, da sie für Österreich agitierte, von der Gendarmerie aufgelöst. Es fanden mehrere Kundgebungen für Österreich statt. Während der Räterepublik wurde ein Arbeiter- und Bauernrat unter Ernst Andersch eingesetzt. Ende Oktober 1919 wurde in Neudörfl ein ungarischer Panzerzug stationiert, der eine Straßensperre gegen Österreich errichtete. Im Dezember 1920 wurden während einer großen Verhaftungsaktion 46 Neudörfler festgenommen und nach Ödenburg ins Gefängnis gebracht. Erst nach dem Anschluss an Österreich verbesserte sich die Situation Neudörfls. Verwaltungskommissär wurde Josef Götz, bis zur ersten Gemeinderatswahl am 25. März 1923. Die Sozialdemokraten erhielten 632 Stimmen und 8 Mandate, die Christlichsozialen 543 Stimmen und 6 Mandate. Bürgermeister wurde der Sozialdemokrat Johann Reiter. Die Jahrmärkte wurden wieder veranstaltet. Es wurden erste Schritte zur Errichtung eines Bezirksaltenheimes unternommen. Die alte Schule wurde adaptiert, eine Volksbücherei eingerichtet. In der Gemeinderatswahl 1927 konnten die Sozialdemokraten ihren Vorsprung ausbauen, Reiter blieb Bürgermeister. Die 1920er Jahre waren geprägte durch den Ausbau der Straßen und durch die weitere Elektrifizierung.1930 wurde das Gebäude des aufgelassenen Kindergartens als Zentralamtsgebäude für Gemeindeamt und Matrikelamt umgewidmet und das Burgenländische Landes - Alters und Siechenheim in Anwesenheit des Bundespräsidenten Miklas eröffnet. Die Gemeinderatswahl von 1931 brachte den Sozialdemokraten 9, den Christlichsozialen 6 Mandate. Reiter blieb Bürgermeister. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage konnten die vielen Unterstützungsanträge von Arbeitslosen nicht befürwortet werden. Nach dem Februaraufstand 1934 wurden die sozialdemokratischen Gemeindefunktionäre entlassen. Johann Pehm von den Christlichsozialen wurde als Gemeindeverwaltungskommissär eingesetzt und bald darauf zum Bürgermeister gewählt. Der Sportplatz des ehemaligen Arbeitersportklubs wurde zum Gemeindesportplatz. Gegenüber der Staatsvolksschule wurde eine Parkanlage angelegt, mit einem Gedenkstein für Dollfuß (Dollfußpark). Dollfuß und Otto Habsburg wurden Ehrenbürger. Die Staatsvolksschule wurde in eine katholische Schule umgewandelt. Die Gemeinderatswahl von 1936 fand nicht statt, auf Vorschlag der Vaterländischen Front wurden die Mitglieder des Gemeindevorstandes eingesetzt. Dieser wählte wieder Pehm zum Bürgermeister. Mit Hilfe eines Darlehens der Landeshypothekenbank wurden Leithamühle und Gasthaus mit den dazugehörenden Wirtschaftsgebäuden angekauft. Die finanzielle Situation der Bevölkerung war äußerst prekär.

Am 12. März 1938 wurde die Gemeindekanzlei an die Nationalsozialisten übergeben, am 16. März wurde Matthias Buchinger als neuer Bürgermeister eingesetzt, Vizebürgermeister wurden Matthias Strobl und Rudolf Scheibenreif. Der Dollfußplatz wurde auf Kirchenplatz umbenannt. Die Volksabstimmung am 10. April erbrachte 1500 Ja und 2 Neinstimmen für den Anschluss an das Großdeutsche Reich. Leopold Tschirk wurde zum Gemeindeverwalter bestellt. Der Kindergarten wurde angekauft  und ein großer Turnsaal gebaut. Die Gasthauskonzession ging an Franz Nußbaumer, die Mühle an die Landwirtschaftliche Genossenschaft Wr, Neustadt verpachtet und dann an Baumeister Matthias Buchinger verkauft. Die Zigeunerhäuser wurden verkauft. 1943 wurde die Hauptschule Wr. Neustadt wegen der häufigen Luftangriffe auf die Stadt nach Neudörfl ausgelagert. Beim schweren Luftangriff auf die Stadt am 13. August 1943 wurden auch viele Neudörfler getötet. In Neudörfl wurde eine Flakabteilung mit drei Batterien errichtet. Am 1. Oktober 1943 wurden 17 amerikanische Maschinen abgeschossen. In die Textilfabrik wurden Rüstungsbetriebe verlegt und drei große Luftschutzbunker angelegt. Am 30. Mai 1944 wurden  in Neudörfl 108 Bombeneinschläge gezählt, 14 Häuser wurden schwer beschädigt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden 70 Zigeuner und 21 Juden aus Neudörfl deportiert.

Von der Nachkriegszeit zur Gegenwart

Am 1. April rückten die Russen nach schweren Kämpfen bei Mattersburg  nahezu kampflos in Neudörfl ein. Drei Zivilpersonen wurden erschossen. In der Folgezeit brach das Fleckfieber aus, 62 Menschen starben daran. Die Russen setzten Leopold Patzelt zum provisorischen Bürgermeister ein. Einem provisorischen Gemeindeausschuss gehörten je zwei Vertreter der SPÖ und der ÖVP und ein Kommunist an. Ein Wachdienst wurde eingerichtet, da Diebstähle stark zunahmen. Hauptproblem war die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Es wurden 40 kleine Grundstücke zur Eigenversorgung vergeben, Grundstücke wurden aufgekauft und daraus Bauplätze gemacht - zur Milderung der großen Wohnungsnot. 1947 wurde der Männergesangsverein wieder gegründet, ebenso eine Gruppe der "Naturfreunde". Auch die seit 1926 bestehende Raiffeisenkasse wurde wieder eingerichtet, ein Weinbauverein gegründet. Zum Bürgermeister wurde Johann Reiter gewählt. Vor dem Gemeindeamt kam es zu Hungerdemonstrationen. 1949 wurde das 1945 abgetragene Feuerwehrgerätehaus wieder aufgebaut. Die Ortsbeleuchtung musste neu geschaffen werden.

Die Gemeinderatswahl von 1950 brachte der SPÖ eine beachtliche Mehrheit von 11 Mandaten, die ÖVP erhielt 6 Mandate, die KPÖ wählten nur 82 Neudörfler. Sie erhielt kein Mandat. Bürgermeister wurde Johann Eitzenberger von der SPÖ, Vizebürgermeister Johann Pehm (ÖVP) und Karl Bernecker (SPÖ). 1951 wurde der Bau eines Turnsaales an der Volksschule beschlossen und mit der Regulierung des Ortsbaches begonnen. Am Bahnhof wurde eine Gedenktafel für Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, der einen Teil seiner Jugend in Neudörfl erbracht hatte, angebracht. Im Sommer 1951 wurde ein überaus wichtiger Beschluss gefasst: Die Projektierung einer zentralen Wasserversorgung. Im September 1953 wurde der erste Teil der Wasserversorgungsanlage eröffnet. Ein großes Grundstück wurde für die Errichtung neuer Häuser angekauft. Die Gemeinderatswahl 1954 zeigte ein unverändertes Bild. Eitzenberger blieb Bürgermeister. Vizebürgermeister wurde Ing. Kollwentz von der ÖVP. Die Firma Markon (Neudörfler Möbel) ließ sich im Ort nieder, die Firma Pfister (Wiegetechnik) gründete eine Niederlassung. Die Gemeinderatswahl von 1958 brachte der ÖVP den Verlust eines Mandats, das an die FPÖ ging. Das Gelände der aufgelassenen Textilindustrie AG wurde zur Betriebsansiedlung genützt. Unter anderen ließ sich die Firma Hofstätter aus Wr. Neustadt nieder, ebenso die Firma Hedorfer u. Co. 1959 wurde der Beschluss, eine Hauptschule zu bauen, gefasst. Straßen und Gassen wurden ausgebaut, mit der Ortskanalisation begonnen. 1962 gewann die SPÖ ein zwölftes Mandat hinzu. Bürgermeister wurde Josef Posch, der auf lange Zeit die weitere Entwicklung des Ortes prägen sollte. Neue Häuser und Wohnungen wurden gebaut, ein Teilregulierungs- und Verbauungsplan erarbeitet, die Ortsstraßendurchfahrt neu gestaltet und die Errichtung eines neuen Amtshauses auf dem Kirchenplatz beschlossen. Die Kabelfabrik Feller siedelte sich an. Für sozial Schwache wurden 32 Gemeindewohnungen errichtet, Sportplätze und Grünanlagen ausgebaut. 1967 wurde die Firma Elsinger stillgelegt. Das Fabriksgelände wurde zu Bauplätzen bzw. der Firma Röhrig u.Co. aus Wien verkauft.  1967 wurde eine neue Bestattungshalle  errichtet. Die Bemeinderatswahl erbrachte der SPÖ erneut einen Zuwachs von einem Mandat. Die ÖVP hatte nur mehr vier Mandate. Josef Posch blieb Bürgermeister. Die Esterhazysche Güterverwaltung baute einen Badesee, die Gemeinde pachtete Parzellen, um eine öffentliche Badeanlage zu errichten. 1968 beschloss die Gemeinde, im Anschluss an das Rathaus einen Festsaal mit Restaurant und Fremdenzimmern zu errichten (Martinihof). Auf dem alten Sportplatz wurden Wohnhausanlagen errichtet. Der Österreichischen Homogenholzgesellschaft m.b.H. wurde ein großes Grundstück überlassen und erschlossen  und von der Gemeinde ein Bahnanschluss hergestellt. Für Firmenangehörige wurden 38 Wohnungen zur Verfügung gestellt. 1970 wurde der Ausbau des Erdgasnetzes beschlossen. Die Gemeinde unterstützte auch Flächenankäufe durch die Neudörfler Büromöbelfabrik. In der Homogen - Fabrik wurden für den Lärmschutz und die Staubabsaugung hohe Investitionen  erforderlich. Der Betrieb wurde erweitert und mit der Firma Tschirk OHG und der Firma Tiess   neue Betriebe gegründet.  Die Gemeinderatswahl von 1972 brachte der SPÖ 15, der ÖVP 5 Mandate. Josef Posch blieb Bürgermeister. 1973 wurden die Markterhebung und die Wappenverleihung von 1970  gefeiert, eine Festschrift herausgegeben. Neue Wohnhausanlagen wurden gebaut, darunter eine Pensionistenwohnanlage in der Anton Proksch - Siedlung und Wohnhausanlagen für Jungvermählte. Wichtigste Bauvorhaben waren der Neubau der Volksschule mit einer Mehrzweckhalle und die Erweiterung des Kindergartens. Eine besonders wichtige Betriebsansiedlung aus jüngerer Zeit entstand mit der Firma Leykam Let's Print, die führend im Rollenoffsetdruck in Österreich, Tschechien sowie Slowenien  ist und  in Europa zu den Top 3 in diesem Markt zählt.  Die Lexkam  Let’s Print Gruppe erwirtschaftet mit 721 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 225.5 Mio. Euro.  In der Konzernzentrale in Neudörfl  sind mehr mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. 1916 wurde Let's Print an die britische Walstead Group verkauft.

Josef Posch blieb bis 1985 Bürgermeister von Neudörfl. Ihm folgte Ernst Götz und schließlich bis heute Dieter Posch. In der Gemeinderatswahl 1997 erhielt die SPÖ 52,28 % der Stimmen und 12 Mandate, die ÖVP 7, die FPÖ 4 Mandate. Dieter Posch wurde mit 50,49 % gewählt. In der Bürgermeisterwahl 2002 erhielt er 70,29 % der Stimmen. In der Gemeinderatswahl verlor die FPÖ 2, die ÖVP 1 Mandat. Die SPÖ konnte ihre absolute Mehrheit stark ausbauen. 2007 musste die SPÖ mit knapp unter 50 % einen Rückschlag hinnehmen (13 Mandate). Die Liste Pro Neudörfl erhielt 7 Mandate. Dieter Posch blieb aber mit über 58 % der Stimmen unangefochten Bürgermeister. 2012 konnte die SPÖ wieder nahezu 4 % der Stimmen hinzugewinnen (52, 25 %, 13 Mandate). Die Liste Pro Neudörfl bekam 7 Mandate. In der Bürgermeisterdirektwahl bekam Dieter Posch wieder nahezu 59 % der Stimmen.

Die Bevölkerungsentwicklung ist durch einen steten Anstieg  seit den 1070er Jahren gekennzeichnet. 1971 hatte der Markt  2 724 Einwohner, 2015 4 381 Einwohner. Neudörfl ist damit eine der größten Gemeinden des Burgenlandes. Vor allem die starke Zuwanderung ist dafür maßgebend. Nach der sozialökonomischen Struktur ist der Anteil der Beschäftigten in Industrie und Gewerbe mit 17 % und im Bauwesen  mit 7,6 % noch immer relativ hoch, nimmt jedoch zugunsten von Handel (15,8 %) und Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen (11,5 %) ab. Der Markt bietet viele Arbeitsplätze für die eigene Bevölkerung und für die des ganzen Bezirkes. Viele Neudörfler arbeiten aber auch in Wr. Neustadt und im südlichen Wr. Becken. Der Charakter einer nahezu reinen Industriearbeitergemeinde ist Neudörfl jedenfalls verloren gegangen. Die Landwirtschaft spielt nur mehr eine marginale Rolle. Waren 1952 noch 233 Personen in der Landwirtschaft tätig, so war deren Zahl schon 1971 auf 33 abgesunken. Von wirtschaftlicher Bedeutung für den Ort sind die vielen Buschenschänken ("Grinzing" von Wr. Neustadt).

Kirchengeschichte

Die Seelsorge in der neu gegründeten Gemeinde erfolgte zunächst von Pöttsching aus. 1659 gab es noch immer keine Kirche. Einige Jahre später wurde zumindest ein Schulmeister erwähnt. Die Neudörfler Kirche, eine Marienkirche, wurde 1669 erbaut. Bald nach 1670 wurde Neudörfl eine selbständige Pfarre. Erster Pfarrer war der aus Parndorf stammende Kroate Georg Gojakovicz. Er lebte wie ein Inwohner in einem fremden Haus. Im Türkenjahr 1683 wurde auch die Neudörfler Kirche zerstört. Ein Marienbild blieb angeblich unversehrt und wurde später von Mariazell - Wallfahrern oft aufgesucht. Unter Pfarrer Bubnicz wurde die Kirche wieder aufgebaut und vergrößert, mit drei Altären, aber noch ohne Turm. Geweiht wurde die Kirche vom Titularbischof von Knin, Nikolaus Esterházy, Sohn von Paul Esterhazy. Die folgenden Pfarrer Gregor Mraz, Paul Leberl, Gregor Widmer blieben nur wenige Jahre. Ein Grund dafür war wohl auch die sehr bescheidene Ausstattung der Pfarre, die zum Überleben kaum ausreichte. Unter Pfarrer Nikolaus Till (1696 - 1704) wurde das erste noch erhaltene Matrikelbuch angelegt. Unter Petrus Szankovicz, der aus Rohrbach kam, war die Versorgung schon etwas besser: 15 Joch Acker, die von der Gemeinde bearbeitet werden mussten, ein Weingarten und ein Krautgarten standen zur Verfügung, dazu kamen 10 Klafter Holz. 1713 hatte die Kirche einen Holzturm. Der Pfarrhof  mit einem großen Obstgarten lag mitten im Ort. Pfarrer Andreas Streng wirkte von 1720 bis 1745 in Neudörfl. Ebenfalls über lange Zeit, 1750 bis 1771, war Stephan Ignaz Pecher Pfarrer. 1753 ließ der Gastwirt Georg Grill an der Leutha die Johanneskapelle erbauen, Pecher wurde später Probst von Kleinhöflein  und am Oberberg in Eisenstadt. Eine interessante Persönlichkeit war Nikolaus Golász. In Stegersbach und dann in Rechnitz kam er mit der Grundherrnfamilie Batthyány in Konflikt. Über Wiesen kam er nach Neudörfl, wo er über 37 Jahre wirkte. Ganz im Sinne des Josefinismus trat er als Staatsbeamter auf und pflegte einen aufwändigen Lebensstil mit livrierten Dienern, einer teuren Equipage und Festmähler. Er verbrauchte einen Teil des Kirchenvermögens. Pfarr- und Kirchenweingarten verkaufte er. Er vergrößerte den Pfarrhof, ließ die Kirche renovieren und einen mächtigen, 33 m hohen Turm bauen. Er war mit Bischof Fengler von Raab, zuvor Religionslehrer in der Wr. Neustädter Burg, gut befreundet. Dieser machte ihn zum Dechanten und später sogar zum Ehrendomherrn von Raab. Unter Pfarrer Josef Dochnál (1811 - 1832) war die Situation der Gemeinde äußerst trist. Das Feuer von 1830 machte auch den Pfarhof unbewohnbar. Unter Pfarrer Polgár (1833 - 1851) musste der Pfarrhof nach einer schweren Überschwemmung erneut restauriert werden. 1841 wurde die Kirche restauriert. Während der Revolution von 1848/49 kam es zu Konflikten mit Teilen der Ortsbevölkerung. Pfarrer Franz Straß (1851- 1860) starb im Alter von 45 Jahren und hinterließ der Kirche ein beträchtliches Vermögen. 1862 wurde damit der Hochaltar restauriert. Franz Maráz galt als tüchtiger Priester. 1869 wurde er Dechant und 1873 Domherr in Ödenburg  und Pfarrer an der Georgskirche. Pfarrer Johann Widder ließ die Kirche generalrenovieren. Er starb ebenfalls in jungen Jahren. Josef Böcskey wirkte 35 Jahre lang in Neudörfl. Er ließ die neue Schule und den Kindergarten bauen und 1911 den neuen Friedhof anlegen. 1920 kam mit Michael Gangl die wohl wichtigste Persönlichkeit unter den Pfarrern nach Neudörfl. Er war Nationalratsabgeordneter und in der Chrsitlichsozialen Partei überaus einflussreich. Er war Freund des Bundeskanzlers Seipel und Förderer des Mattersburger Politikers Michael Koch. Unter den sozialdemokratisch gesinnten Neudörflern fand er freilich wenig Anklang. 1929 wechselte er an die Stadtpfarre Eisenstadt. 1930 wurde das Altenheim in Neudörfl geweiht. Die Betreuung übernahmen die Schwestern vom göttlichen Erlöser. In der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges waren Paul Petschowitsch und Stefan Widder (1940 - 1949) Pfarrer. Seit 1938 gab es zahlreiche Kirchenaustritte. Der Pfarrhof wurde durch eine Bombe zerstört. Nach dem Krieg entstand ein Pfarrheim. Unter Pfarrer Franz Weninger (1949 - 1967) wurde das Innere der Kirche völlig neu gestaltet und "modernisiert". Der Neubau des Pfarrhofes wurde durch Grundstücksverkäufe finanziert. Weninger war Jugend- und Arbeiterseelsorger, geriet aber in Konflikt mit der Kirchenleitung und wechselte in die Erzdiözese Wien. Sein Nachfolger war Franz Hillinger (1967 - 1981).

1674 wurden erstmals ein Schulmeister und eine Schule erwähnt. Lange Zeit stand aber kein geeignetes Schulgebäude zur Verfügung. Der Schulbesuch war eher gering. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts klagte der Pfarrer, dass viele Kinder im Alter von 10 oder 11 Jahren nicht mehr in die Schule sondern zur Arbeit nach Wr. Neustadt geschickt wurden. Erst 1872 wurde die Schule zweiklassig. Die Zahl der Schulkinder wuchs rasch, 1908 waren schon 6 Klassen erforderlich. 1911 wurde eine neue Schule gebaut. 1944 wurde auch die Schule durch eine Bombe beschädigt. 1978 wurde ein modernes Schulgebäude errichtet. Das alte Schulgebäude wurde saniert und der Hauptschule überlassen, die 1959/60 eingerichtet wurde.

Literatur:

Landestopographie. Band III. Bezirk Mattersburg. 2. Teilband. S. 485 - 532