person

Kasimir Batthyány

 

* 1907
† 1854 in Paris

 

Obergespan des Komitates Baranya, Außenminister
  


Kasimir Batthyány war Obergespan des Komitates Baranya, im Revolutionsjahr 1848 Regierungskommissar und im Kabinett Szemere Außenminister. Er wurde nach der Niederschlagung der Revolution in Abwesenheit zum Tode verurteilt und starb in der Emigration in Paris.

Kasimirs Vater war Anton Josef Batthyany aus der fürstlichen Linie der Familie. Er wurde von Hauslehrern in Latein und Deutsch unterrichtet. Ungarisch lernte er erst mit 30 Jahren. Auf seinen Auslandsreisen lernte er auch Englisch und Französisch. Nach dem Tod des Vaters verwalteten er und sein älterer Bruder Gustav die geerbten Güter gemeinsam (Bernstein, Rechnitz, Körmend und die Besitzungen in der Baranya). 1837 wurden die Güter geteilt. Kasimirs Domänen wurden von Bicske aus verwaltet. In den 1830er Jahren schaltete sich Kasimir immer mehr in das politische Leben des Landes ein. Er lebte meist in Pressburg und in Pest. Unter der Anleitung seines Sekretärs und Ungarischlehrers Károly Nagy, eines vielseitigen Gelehrten, beschäftigte er sich mit ungarischer Literatur. Er war mit Mihály Vörösmarty befreundet, den er auch finanziell unterstützte. Auch mit Ludwig Kossuth stand er in Verbindung. 1843 forderte er auf dem Landtag Redefreiheit und eine Einschränkung der Vorrechte der katholischen Kirche, etwa in der Frage der Mischehen. 1843/44 stand der Schutz ungarischer Produkte im Vordergrund. Schon 1844 war der "Schutzverein" (Landesverein) entstanden. Kasimir wurde dessen erster Präsident. Die Mitglieder verpflichteten sich, sechs Jahre lang hindurch nur ungarische Waren zu kaufen. Die Kampagne hatte allerdings nur mäßigen Erfolg. Daneben wurde ein Verein zur Gründung ungarischer Fabriken ins Leben gerufen. Über den ungarischen Schutzverein und zu dessen Rechtfertigung  erschien in Leipzig ein anonymes Buch, das im Umfeld von Natthyány, vielleicht sogar von ihm selbst verfasst wurde. Die Treue zun ungarischen König wurde aber noch betont. Ein besonderes Anliegen Kasimirs war die Entwicklung und Modernisierung der ungarischen Landwirtschaft. 1839 wurde in Rechnitz ein Institut zur Ausbildung von Bauern geschaffen. Kasimir veranstaltete einen Autorenwettbewerb zur Frage von Zehent und Robot. Drei preisgekrönte Schriften dazu wurden veröffentlicht. Er selbst vertrat die Ansicht, dass "Frondienst und Zehent nur die Faulheit und Unmoral der Bauern vermehren". Auf einigen Besitzungen Gustav Batthyanys fanden Grundentlasrungen per Kontrakt statt.

Im Revolutionsjahr 1848 war Kasimir Batthyány transdanaubischer Kommissar der ungarischen Regierung. Er legte eine Schutzlinie gegen die revoltierenden Kroaten an und warb zahlreiche Rekruten für die Honved - Armee an. Er nahm an mehreren Kämpfen gegen die Kroaten teil. Kossuth ernannte ihn zum Landeskommissar. Nach der Unabhängigkeitserklärung nahm er das Amt des Außenministers an. Im Mai 1849 protestierte er scharf gegen die russische Intervention und bat die englische Regierung un Unterstützung, hielt aber auch weiterhin an der Idee einer Parlamentarischen Monarchie unter dem Haus Habsburg fest. 1851 wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt, seine Güter wurden konfisziert. Er  floh er über die Türkei nach Frankreich. Dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen und widmete sich der Abfassung seiner Memoiren, die aber nur in Bruchstücken erhalten sind. Im Exil kam es zu Zwistigkeiten mit Kossuth. Batthyány starb im Pariser Exil. 1987 wurden seine sterblichen Überreste exhumiert und in Güssing beigesetzt.

Literatur:

  • Kovács, László Jószef: Kasimir Batthyány (1807 - 1854). Ein ungarischer Magnat pädiert für die Abschaffung von Robot und Zehent. IN: Die familie Batthyány, Band 1. Eisenstadt 2014. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Band 139