Ortsname

1245 Szantou; 1327: Zanthou; 1360: Zantho: 1390: Zanthow; 1428: Zantho; 1526: Antaw; 1589: Anthau; 1626: Ottova aliter Antau; 1657: Onthowa; 1675: Otava; 1739: Anthau; 1801: Antau; 1889: Ottova; 1913: Selegszántó, 1924: Antau; der kroatische Ortsname ist Otava

Der deutsche Ortsname ist auf magyarisch Szántó = Ackerfeld zurückzuführen. Die Eindeutschung in das mittelhochdeutsche Zantou soll vor 1400 stattgefunden haben.

 

Urgeschichte

der Ort ist reich an archäologischen Funden. An der Stelle des heutigen Sportplatzes wurden mehrere Speicher- bzw. Abfallgruben gefunden. 1920 wurde von Franz Storno aus Ödenburg eine linearbandkeramische "Bombe" geborgen. 1924  - 1926 wurden mindestens 12 Gruben untersucht und zahlreiche Scherben mit Linearband- und Notenkopfkeramik geborgen, große Mengen an Tierknochen, Steinbeile, Klingen und Reibsteine. Die Funde stammen aus der linearbandkeramischen, der Lengyel- und der Badener Kultur. Beim Bau der Eisenbahn, im Bereich des Bahnhofes Wulkaprodersdorf, und der Stichbahn zur Hirmer Zuckerfabrik wurden angeblich zahlreiche spätrömische Ziegelplattengräber gefunden, ebenso 1895 in einer Sandgrube in Richtung Stöttera. 1975 tauchten in Form einiger Skelettfunde Hinweise auf ein Massengrab (Seuchengrab) des 17. Jahrhunderts auf.

2012 wurden Reihenhäuser errichtet und der Bauplatz in einer Notgrabung archäologisch untersucht. Die gefundenen Siedlungsspuren reichten von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter und belegen eindrucksvoll die Siedlungskontinuität in diesem durch die Natur besonders begünstigten Platz an der Wulka.

Besonders interessant ist ein hochmittelalterliches Grubenhaus mit einem aus Steinen gemauerten Ofen. Ein 15 m langer Graben aus der Römerzeit gehörte wahrscheinlich zu einem Grabgarten. Ein Hausbefund mit Feuerstelle und erkennbarem Eingang stammt aus der mittleren Jungsteinzeit. Aus dieser Zeit stammen auch mehrere rot bemalte Keramikfragmente. Bemerkenswert ist auch ein fast vollständig erhaltenes "litzenverziertes" Gefäß aus de mittleren Bronzezeit.

 

Mittelalter

1245 wurde Antau erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort befand sich damals im Besitz des Familienverbandes der Osl. Einer ihrer Zweige nannte sich "de Zanto". 1245 schenkte König Bela IV. dem Marcellus de Pogha und dem Sebrethus de Szamtou (Seifried von Antau) den Besitz Bujuslou (Deutschkreutz). Die genannten Adeligen war  im Kampf gegen die Deutschen (gegen Herzog Friedrich II. von Österreich) schwer geschädigt worden. 1321 wird Zamtho im Besitz eines Nikolaus, Sohn des Sedul, als Nachbarort von Stöttera erwähnt, 1327 sagen die Brüder Nykkolynus und   Benedictus, Söhne des Severedus (Sedul) als Zeugen in einem Prozess aus.

Im 14. Jahrhundert wurde der Ort auf mehrere Grundherrschaften aufgeteilt. Die Teilungen prägten die Ortsgeschichte bis ins 18. Jahrhundert. Um 1360 finden wir die Zemendorfer, ein Zweig der Osl, die sich Antauer nannten, als Grundherrn, daneben die Adeligen von Bükk. Sie besaßen den Ortsteil nördlich der Wulka. Sie verkauften ihren Besitz an Magister Thomas genannt Lombar, den Sohn des Nikolaus von Pathly  (von Pöttelsdorf). Dieser Teil des Ortes war damals öde. Dieser Teil von Antau wurde später Bikifeulde oder "Weiglsgut"  (Weixlgut) genannt. Die folgende Entwicklung war kompliziert.

1361 besetzten die Dienstleute des Nikolaus von Mattersdorf mit Gewalt  den Antauer Ortsteil des Johannes, früher Ban von Dalmatien und Kroatien. Johannes wurde auch Cuwz de Ludbregh genannt.  Der Richter und vier Bauern wurden unter die Herrschaft des Nikolaus gezwungen. Er versprach zwar, Genugtuung zu leisten, hielt sich aber nicht daran. Damit gab es bereits vier Grundherrn in Antau. Die Zemendorf - Antauer verkauften von ihren 15 Bauernhöfen zunächst die Hälfte an einen anderen Oslzweig, 1396 verkauften sie ihren Besitzanteil in Bikifeldeu sowie eine Mühle an der Wulka den Pöttelsdorfern, denen auch die andere Hälfte schon gehörte. 1401 verkauften die Zemendorf - Antauer auch die restlichen Besitzanteile mit dem Patronatsrecht über die Kirche.

Eine Vereinfachung der Besitzverhältnisse trat erst ein, als 1410 nach dem kinderlosen Aussterben der Pöttelsdorfer König Sigismund deren Besitzungen um 3302 Pfund reinen Goldes dem Erzbischof von Gran, Johannes, und dessen Bruder Stefan aus der Familie Kanizsai verkaufte. Antau und Bikifehlde gelangten damit wieder in den Besitz eines Zweiges der Osl. Sie schlossen Antau an ihre Herrschaft Eisenstadt an. Dieser Teil von Antau blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts bei der Herrschaft Eisenstadt, Daneben gab es nur noch den Anteil der Herrschaft Forchtenstein. Bei de Teile bildeten selbständige Gemeinden mit eigenen Richtern. Erst durch die esterházische Verwaltungsreform  1738 wurden die beiden Teile vereinigt und der gesamte Ort der Herrschaft Forchtenstein angeschlossen. Stefan Kanizsai schenkte um 1429 den Wiesenzins im Prädium Böckefölde ( Weigelsgut, ehemaliges Dorf Bikifölde) seinem Onkel, den Erzbischof Johannes, der ihn dem Eisenstädter Franziskanerkloster übertrug. Die Grundstücke wurden von den Antauer Bauern als Wiesen genutzt. Nach der Aufhebung des Eisenstädter Klosters pachtete der Eisenstädter Verwalter Michel Moser diese Besitzungen. Später fielen sie an die Ödenburger Franziskaner, die sie für jährlich 50 Gulden an die Herrschaft Eisenstadt verpachteten.

 

Neuzeit

Gegen Ende des Mittelalters fiel Antau teilweise öde, wobei die Abwanderung in Weinbaugemeinden eine wichtige Rolle spielte. Im Forchtensteiner Anteil waren um 1500 nur mehr drei ganze Lehen, ein halbes Lehen und eine Mühle bestiftet, 14 Lehen waren öde. Im Eisenstädter Anteil standen 1515 ein Hof aus zwei ganzen Sessionen, drei ganze Lehen und sieben halbe Lehen bestiftet, zwei ganze, ein halbes und zwei Hofstätten waren öde. Insgesamt standen also 12 1/2 bestifteten Lehen und zwei Mühlen  16 1/2  öde Lehen und zwei öde Hofstätten gegenüber. 1526/27 gab es 17 ganze und 17 halbe Lehen, 7 Hofstätten, 2 Mühlen und eine Fleischbank. Davon waren 4 ganze, 3 halbe Lehen und 4 Hofstätten öde.  Die Türkenzüge von 1529 und 1532 ließen das Dorf nahezu ganz veröden. Daraufhin wurden Kroaten angesiedelt, und zwar schon vor 1537. Im Eisenstädter Urbar von 1569 trug bereits die Hälfte der Einwohner kroatische Familiennamen, Bis 1589 überwogen schon die Kroaten mit 19 kroatischen gegen 14 deutschen Namen. Im Forchtensteiner Teil überwogen 1589 die Kroaten eindeutig: 39 kroatischen standen 22 deutschen Familiennamen gegenüber.

1589 bestanden im ganzen Dorf 3 Eineinhalb - Lehen (darunter der Pfarrhof), 17 ganze und 33 halbe Lehen, 1 Viertellehen, 5 Hofstätten 3 Mühlen, ein Gemeindehaus und 1 Fleischbank.  Die Bauern hatten relativ großen Grundbesitz und galten als wohlhabend, hatten aber keinen Wald und kein eigenes Weingebirge. Weingärten wurden für den Eigenbedarf in den benachbarten Weinbauorten erworben. Die Robotleistungen umfassten die Bearbeitung der Hoffelder, die aber zum Teil an die Bauern verpachtet waren. Da den Antauern große Pachtweiden zur Verfügung standen hatten sie einen beachtlichen Viehbestand, darunter auch viele Schafe.

Die beiden Antauer Ortsteile kamen mit den Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt an die Habsburger bzw. an die von ihnen eingesetzten Pfandherrn (Grafen von Hardegg, Jakob von der Dürr, Hans von Weispriach, in Eisenstadt von Fürst und ebenfalls Weispriach). Nach der Auslöse der Verpfändung 1572 wurden die beiden Herrschaften von der kaiserlichen Kammer verwaltet und Burghauptmänner und Rentmeister eingesetzt. Die Kammerherrschaft bis 1622 war trotz der schweren Schäden im Bocskai- und Bethlenaufstand eine Blütezeit. Die Einwohnerzahl wuchs stark. 1622 wurde dann das kaiserliche Versprechen gebrochen und die beiden Herrschaften wurden wieder verpfändet, und zwar an den Grafen Nikolaus Esterházy. 1626 ging Forchtenstein, 1648 auch Eisenstadt in das Eigentum der Esterházy über, die aber ihrerseits nun, um die hohen Schulden zu tilgen, Teile ihrer neuen Herrschaften an ungarische Adelige verpfändeten. Schon 1634 wurde neben vielen anderen Besitzungen auch eine Mühle in Antau verpfändet. Der Pfandherr war Georg Hosszútóti. Durch Erbschaft ging dieser Pfandbesitz an Judith Rumi über, 1657 wurde er von Paul Esterhazy ausgelöst und dem Paulinerorden verpfändet. Auch die zur Herrschaft Eisenstadt gehörende Furtmühle wurde 1655 verpfändet, und zwar an Gregor Nagy de Vásárhely. Sie blieb bis 1691 verpfändet.

1651 verpfändete Ladislaus Esterházy den gesamten Eisenstädter Anteil an Antau an die Familie eines Landseer Herrschaftsbeamten, 1657 ging dieses Pfand an Judith Rumi, Witwe Daniel Esterházys, und ihre Familie. 1673 verkauften Johann Esterházy und seine Frau Magdalena Ocskay die Hälfte des Eisenstädter Anteils an Georg Széchenyi, den Erzbischof von Kolocsa. 1679 gab dieser den Besitz an das Jesuitenkollegium von Raab weiter. Die andere Hälfte befand sich in den Händen von Ladislaus Szegedi. Die weitere Entwicklung war durch komplizierte Geldgeschäfte geprägt. Paul Esterházy benötigte dringend Geld und verpfändete den Eisenstädter Anteil an Gregor Pavesich, Oberbuchhalter der Ungarischen Kammer in Preßburg, obwohl ihm dieser Anteil nicht gehörte. Er versprach, diesen einzulösen und gab Pavesich Das Dorf Stöttera als Sicherstellung. Pavesich löste zunächst den Anteil Szegedis ein, mit Hilfe eines Kredits, den er vom Wr. Neustädter Bischof Kollonitsch bekam. Nach dem Tod von Pavesich wollte Paul Esterhazy das Pfand einlösen und zahlte Kollonitsch, inzwischen Bischof von Raab, aus, gab die Hälfte des Eisenstädter Anteils aber als Pfand an Ladislaus Korlatovich und seine Frau Ursula, geborene Pavesich. Über eine Tochter des Korlatovich gelangte dieser Teil dann an deren Gemahl, den Esterhazy - Beamten Stephan Josef Rhorer. Mit Zustimmung der Esterhazy löste Rhorer auch die andere Hälfte des Eisenstädter Anteils von den Raaber Jesuiten ein. Rhorer geriet mit den Untertanen in Antau und Baumgarten in Konflikt. Er beschuldigte sie des Ungehorsams und der Frechheit. Schließlich löste Fürst Paul Anton Esterhazy 1738 den gesamten Eisenstädter Anteil von Rohrer ein. Er schloss nun auch diesen Teil Antaus der Herrschaft Forchtenstein an. Esterhazy erhöhte die Abgaben und drohte, die Felder und Wiesen für seine Meierei einzuziehen. Schließlich verpachtete er diese an die Antauer Bauern.

Antau hatte durch die Türken und Tataren 1683 schwer zu leiden, ebenso unter den Kuruzzen Franz II. Rakocsis. 1744 kaufte die Grafschaft Forchtenstein das Gemeindewirtshaus. 1754 verkaufte Etserhazy die zur Eisenstädter Portion gehörende große Mühle mit vier Gängen an den Müller Mathias Feldkirchner. 1799 verpflichtete sich die Gemeinde zur Erbaung einer neuen Schule. Die Gemeinde wurde immer wieder von Feuer und Überschwemmungen betroffen, etwa 1813 ein fünftägiges Hochwasser und 1841 ein Großfeuer. 1840 erlaubte die Herrschaft den Bau von sieben Curialsöllnerhäusern. 1855 wurde der Kontrakt gegen Geld abgelöst. Die Herrschaft verzichtete auf Hauszins und 36 Tage Handrobot. In den Kämpfen von 1848/49 musste Antau an beide Seiten Lebensmittel abliefern und Fuhrwerks- und Vospanndienste leisten. 1849 trat erneut die Cholera auf und forderte 44 Menschenleben. 1850 wurde ein Dragonerregiment im Ort stationiert und eine Reitschule errichtet. Noch 18´54 waren Soldaten einquartiert. 1856/57 wurde die Katastralvermessung durchgeführt und das Grundbuch angelegt. Zum 1855 geschaffenen Notariatsbezirk Abtau gehörten die Gemeinden Hirm, Kleinfrauenhaid, Stöttera, Zemendorf und Wulkaprodersdorf. Ignaz Harbich wurde Notär. 1850 bestanden in Antau 127 Häuser mit 199 Wohnparteien. Die Einwohnerschaft setzte sich aus 528 Kroaten, 363 Deutsche, 1 Ungarn  - alle Katholiken - und 6 Juden zusammen. 1852 wurde der Bezirksbehörde berichtet, dass Antauer Jugendliche in die Fabriken nach Österreich arbeiten gehen. 1851 gab es 7 Gewerbwtreibende, 1853 bereits 21, die für die Handelskammer wahlberechtigt waren. Es gab zwei - einen jüdischen und einen christlichen - Gemischtwarenhändler. 1854 zerstörte ein Großbrand 32 Häuser und 16 Scheunen.

 

Die Grundablöse brachte 91 Bauernhöfe und 37 Kleinhäusler das volle Grundeigentum. 1857 und 1864 wurden in Verträgen mit der früheren Grundherrschaft die Rodungsgründe, die in Antau aber nur ein geringes Ausmaß hatten, abgelöst, ebenso die Remanentialgründe. Die Hutweide wurde zwischen Dorf und Grundherrn aufgeteilt. An die Herrschaft fielen große Flächen an Ackerland  (441 Joch ) 190 Joch Weiden  und Wiesen. Dieser Besitz wurde kommassiert und verpachtet. Pächter war der im Hirmer Meierhof residierende Esterhazy-Beamte Karl Leidenfrost. 1879 wurde die Bahnlinie Ödenburg - Ebenfurt h eröffnet. Der Bahnhof liegt nahe bei Wulkaprodersdorf, aber noch auf Antauer Gebiet.

1885 wurde ein Krankenunterstützungs- und  Leichenbestattungsverein gegründet, 1890 der Freiwillige Feuerwehrsverein, 1904 der Weinproduzentenverein und die Konsumgenossenschaft. Immer wieder brachen Schadfeuer aus, besonders folgenschwer im Jahre 1904, als 15 Häuser und Scheunen abbrannten, und 1907. 1895 verursachte ein Hochwasser schwere Schäden an den Mühlen. Im 1. Weltkrieg hatte Antau 36 Gefallene zu beklagen.

 

Anschluss an Österreich und Zwischenkriegszeit

Die Bevölkerung war überwiegend für den Anschluss an Österreich. Im November 1918 wurde ein Deutscher Volksrat gegründet. Ende März 1919 bis 1. August trat an die Stelle der Gemeinderepräsentanz ein Arbeiter- und Bauernrat, 1922 wurde eine Gemeindeverwaltungskommission unter dem Vorsitz von Johann Kleindl eingesetzt. Das Gemeindeleben war in den 1920er Jahren stark durch den Pfarrer Matthäus Karall geprägt. Glockenkauf und Kirchenrestaurierung wurden auch mit Hilfe von großen Spenden durch die Brüder Karl und Franz Babonich  durchgeführt. Diese waren vor dem Weltkrieg in die USA ausgewandert und dort zu großem Reichtum gelangt, angeblich nach der Entdeckung einer Ölquelle.

In der ersten Gemeinderatswahl 1923 bekamen die Christlichsoziale Partei 276 Stimmen und 6 Mandate, die Sozialdemokraten  254 Stimmen und ebenfalls 6 Mandate. Bürgermeister wurde Karl Hergovich (Christlichsoziale), Vizebürgermeister Franz Malovitsch (Sozialdemokraten). Als Lehrer wirkte von 1923 bis 1938 Albert Tauber, daneben Elisabeth Karall aus Großwarasdorf, eine Schwester des späteren Landeshauptmannes Lorenz Karall. Für die wirtschaftliche Entwicklung war die Milchgenossenschaft besonders wichtig. 1925 gründete Pfarrer Karall eine Raiffeisengenossenschaft.

Die Gemeinderatswahl von 1927 brachte den Sozialdemokraten die Mehrheit. Mit 277 Stimmen erhielten sie 7 Mandate, die Christlichsozialen mit 251 Stimmen 6 Mandate. 1928 wurde wegen der hohen Schuldenlast auf Antrag der Christlichsozialen der Gemeinderat aufgelöst. Die Bezirkshauptmannschaft setzte einen Ortsausschuss ein. Die neuerliche Gemeinderatswahl brachte wieder eine chtistlichsoziale Mehrheit mit 7 Mandaten. Dabei blieb es auch in der Wahl von 1931. Bürgermeister wurde Josef Rosenitsch, Vizebürgermeister Michael Grafl. Der katholische Burschenverein und Mädchenbund erhielten 1932 ein Vereinsheim. 1933 wurde das Kriegerdenkmal eingeweiht. Nach dem Verbot der Sozialdemokratie 1934 blieb Rosenitsch im Amt, Vizebürgermeister wurde Florian Wohlmuth. Große Wallfahrten, etwa 1935 zur Dollfuß - Gedenkfeier in Mariazell, wurden immer wieder von den Brüdern Borenich finanziert. 1936 wurden von der Vaterländischen Front Johann Krizsanitsch zum Bürgermeister und Franz Endl zum Vizebürgermeister nominiert. Das größte Problem war die Hohe Arbeitslosigkeit. Nur während der Zuckerkampagne in Hirm standen für einige Wochen zusätzliche Arbeitsplätze zur Verfügung. Die Brüder Borenich halfen notleidenden Familien mit Brotspenden.

1938 stimmten alle Ortsbewohner für den Anschluss an Deutschland. Landeshauptmann Portschy ernannte Karl Hergowitsch zum Gemeindeverwalter. Oberlehrer Tauber, Bezirksleiter der Ostmärkischen Sturmscharen, wurde aus dem Schuldienst entlassen. Im Zweiten Weltkrieg hatte Antau 34 Gefallene und 17 Vermisste zu beklagen, Die Besetzung des Ortes durch die Sowjettruppen erfolgte kampflos. Soldaten der Besatzungstruppen wurden bis Juli 1947 in den Mühlen und im Haus der Katholischen Aktion einquartiert. Der Ort hatte unter Requirierungen zu leiden. Die arbeitsfähigen Männer mussten Zwangsarbeit leisten.

 

Bevölkerungsentwicklung und sozialökonomische Sruktur

Bis 1675 war ein starker Anstieg der Bevölkerung  in 93 Häusern zu verzeichnen. Es waren überwiegend Halb- und Viertellehner, aber auch schon 18 Kleinhäusler und Hofstättler. Bis 1767 verkleinerte sich die ökonomische Basis durch Besitzzersplitterung. Die Zahl der Söllner stieg auf 24 mit und 17 ohne Haus.

Die Bevölkerungsentwicklung zeigt bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen leichten Anstieg: 1785: 718 Einwohner, 1828: 803; 1843: 878; 1863: 934; 1880: 912; 1890: 903; 1900: 927. Im 20. Jahrhundert stagnierte die Einwohnerzahl: 1910: 908; 1920: 948; 1923: 879; 1934: 900; 1946: 730; 1961: 709; 1971: 685; 1981: 683; 1991: 700;  2001: 753; 2011: 746;  Die Auswanderung nach Amerika war eher gering und führte hauptsächlich nach Argentinien. Verantwortlich für die Stagnation ist eine negative Wanderungsbilanz.

Während Antau im 19. Jahrhundert noch eine gemischtsprachige Gemeinde war ist der kroatische Bevölkerungsanteil  trotz aller Bemühungen, das kroatische Erbe zu pflegen, inzwischen stark geschrumpft. 1880 kamen auf 346 Deutsche noch 534 Kroaten, 1923, beim Anschluss an Österreich, war das Verhältnis 417 zu 453, 1971 502 zu 55, wobei noch eine größere Zahl von Gemischtsprachigen erhoben wurde.

So wie in allen anderen Gemeinden des Nordburgenlandes hat sich die sozialökonomische Struktur stark verändert. Aus einer Bauerngemeinde wurde eine Arbeitergemeinde mit einem hohen Anteil an Auspendlern. 1951 wurden noch 373 Einwohner der Landwirtschaft zugezählt, 1971 nur mehr 63. Um 1921 gingen bereits 50 bis 60 Ortsbewohner als Maurer, Zimmerer, Bauhilfsarbeiter und Fabriksarbeiter nach Wien und Niederösterreich. Noch in der Nachkriegszeit war die Zahl der Beschäftigten im Bauwesen noch hoch (1951: 60;  1961: 83, 1971: 76).

 

Nachkriegszeit

Die Sowjets ernannten Johann Krizsanitsch zum Bürgermeister. Die ersten Aufbauarbeiten nach dem Krieg waren die Kirchenrestaurierung und ab 1950 der Straßenbau. Die Gemeinderatswahlen 1950 brachten der ÖVP 231 Stimmen und 6 Mandate, der SPÖ 220 Stimmen und 5 Mandate. Bürgermeister wurde Johann Welkovits von der ÖVP, Vizebürgermeister Stefan Mangold von der SPÖ. 1954 erhielt die SPÖ 253 Stimmen und 7 Mandate, die ÖVP 229 Stimmen und 6 Mandate. Bürgermeister blieb Stefan Mangold, Vizebürgermeister wurde Ludwig Babonich. Wichtigste Vorhaben waren der Ausbau der Stra0en und Gehwege, der Ankauf einer Wohnung für den Kreisarzt, die Errichtung eines zweiten Klassenzimmers in der Volksschule. Die Gemeinderatswahl von 1958 brachte wenig Veränderungen, Vizebürgermeister wurde Franz Dihanich, der 1060 von Rudolf Pieringer abgelöst wurde. Der Ausbau der Ringwasserleitung begann und mit der Firma Hybrida Austria ließ sich ein Betrieb in Antau nieder. 1961 wurde ein neues Haus für den Kreisarzt gebaut.  Die Gemeinderatswahl von 1962 änderte nicht am Mandatsverhältnis. Bürgermeister wurde Viktor Pohl von der SPÖ, Vizebürgermeister Rudolf Malovits. 1964 begann der Ausbau der Kanalisation, die Gemeinde trat dem Abwasserverband Wulkatal bei. Am Gemeindehaus wurden ZU- und Umbauten vorgenommen. 1966 erlangte die SPÖ 8, die ÖVP 5 Mandate. Viktor Pohl legte 1970 sein Amt zurück, Franz Unger wurde Bürgermeister. Das Gemeindestrukturverbesserungsgesetz verfügte 1971 die Zusammenlegung von Antau mit Hirm. Dagegen gab es in Antau heftigen Widerstand, 97 % der Antauer waren gegen den Zusammenschluss. Sie veranstalteten lautstarke Proteste vor dem Landhaus. Dem Bürgermeister Karl Mangold aus Hirm wurde der Zugang zum Antauer Gemeindeamt verwehrt. Im Gefolge der Übergriffe kam es zu Prozessen, die mit empfindlichen Strafen für einige Antauer endeten. Die Gemeinderatswahl von 1971 wurde von der Antauer Bevölkerung boykottiert. Alle 19 Gemeinderäte stellte die SPÖ Hirm. Der Widerstand hielt noch lange an und wich nur langsam der Bereitschaft zur Mitarbeit. Schließlich wurden die beiden Gemeinden 1991 wieder getrennt.

In politischer Hinsicht erlangte die ÖVP 2002 eine starke Mehrheit und konnte diese bis 2012 behaupten. 2012 erlangten die Freiheitlichen aber 70 Stimmen und ein Mandat. Bürgermeister waren Georg Puhm  und Alfred Schreiner  bis 1991 von der SPÖ  (Hirm - Antau), 1991 bis 2007 Stefan Jagschich und ab 2007 Adalbert Endl von der ÖVP.

 

Kirche

1381 wurde erstmals eine Kirche, dem Hl. Andreas geweiht, erwähnt. Wahrscheinlich war sie schon Pfarrkirche, da 1401 ausdrücklich von einer Pfarrkirche berichtet wird. 1402 ist von einem Capellan die Rede. Die neu angesiedelten Kroaten waren katholisch und setzten nur kroatische katholische Pfarrer ein. 1592 geriet ein Pfarrer Lukas mit seiner Gemeinde in Streit. Der Ödenburger Erzpriester Glöckel konnte nicht zu Gunsten des Pfarrers eingreifen, da der Pfarrer keine Präsentation durch den Kaiser und keine Installation durch den Bischof vorweisen konnte. Pfarrer Lukas, mit Familiennamen wahrscheinlich Kirkovic, ging nach Baumgarten. Sein Nachfolger in Antau hieß Paul Dalpa. Die Pfarrpfründe war 1597 mit 36 Joch Grund Acker und zwei Wiesen reich ausgestattet, die Abgaben an Naturalien waren beachtlich. Die Pfarrzeche besaß einen Weingarten in Marz , 12 Joch Acker und ein Haus. 1618 wurde Georg Buranits, Pfarrer von Zagersdorf, auch mit Antau betraut. Mit Zagersdorf kam er allerdings, da er dort Schulden hatte, in Konflikt. Ab 1631 leitete Philipp Jadranich die Pfarren Antau, Zagersdorf und Baumgarten mit der Filiale Draßburg. 1641 besaß die Kirche einen beträchtlichen Weingartenbesitz in Zagersdorf und Marz. Die Gemeinde weigerte sich aber hartnäckig, den Pfründenbesitz des Pfarrers in der Größe von 36 Joch zu bearbeiten. Die Visitation von 1651 zeigte, dass der Pfarrer die Pfründe auf eigene Kosten bearbeiten lassen musste. Interessant ist, dass die kroatische Stolagebühr nur halb so hoch war wie die deutsche. 1659 verlangten die Zagersdorfer, von Antau getrennt und an Klingenbach angeschlossen zu werden. 1674 wurde Zagersdorf dann wieder zur selbständigen Pfarre erhoben. 1685 fanden die Visitatoren Kirche Pfarrhof und Schule in einem desolaten Zustand. 1684 wurde Georg Herovicz Pfarrer. 1696 waren Pfarrhof und Schule noch immer Ruinen. 1694 wurde der Osliper Johann Gabriel Thubar Pfarrer. Er war ein Trinker und starb in noch jungen Jahren. Die große Visitation von 1713 unter Pfarrer Peter Jankovics vermerkte eine schöne Kirche mit drei Altären und einem Holzturm. "Alle Antauer sind katholisch, weil sie Kroaten sind. Sie dulden auch keinen anderen Glauben als den römisch - katholischen".  1735 übernahm Johann Gludovacz  bis 1751 die Pfarre. Noch länger blieb Anton Paur, bis 1780, Pfarrer in Antau. Er war wahrscheinlich ebenfalls Kroate. Unter Pfarrer Georg Bernedics wurde 1783 der Pfarrhof renoviert, 1793 dann ein neuer Pfarrhof gebaut. Anton Riegler war der erste deutsche Pfarrer. 1808 wurde die Kirche vergrößert. 1831 starben 50 Personen an der Cholera, vermutlich auch der damalige Pfarrer Friedrich Lang. Unter Pfarrer Gervautz kam es in den 1830er Jahren zu harten Auseinandersetzungen um die Gottesdienstsprache, ja sogar zu Tätlichkeiten in der Kirche selbst. Der Pfarrer, der offenbar Partei für die Kroaten ergriff, musste die Pfarre verlassen. Eine neue Gottesdienstordnung legte die völlige Gleichberechtigung der beiden Sprachen, Kroatisch und Deutsch, fest, Pfarrer Schuganich konnte so die Gemüter wieder beruhigen. Nach dem Großfeuer von 1853 musste auch die Kirche  erneuert werden. Unter Pfarrer Domnanovich ließ der Patronatsherr 1870 das Pfarrhaus neu erbauen. Simon Szábár wirkte nahezu 40 Jahre lang bis 1919 in Antau. 1886 wurde die Schule neu gebaut, 1898 der Kirchturm. 1920 übernahm Matthäus Karall die Pfarre. Mit Hilfe der Spenden der Brüder Babonich konnten Glocken gekauft, die Inneneinrichtung erneuert und große Wallfahrten durchgeführt werden. Pfarrer Karall war auch politisch sehr engagiert und wurde von einem Teil der Bevölkerung heftig abgelehnt. Unter Pfarrer Theodor Mikula wurde für die katholischen Vereine 1933 ein eigenes Vereinshaus errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Osztovich und Ernst Mikacs Pfarrer, dann Jakob Pinterich und Josef Kroyer, Pfarrer von Kleinfrauenhaid. 1977 wurde Stipe Mlikotic Pfarrprovikar.


Literatur:

  • Artikel Antau in der Landestopographie, Band 3 Bezirk Mattersburg, 2. Teilband.