person

Franz Nádasdy III.

 

* 1622
† 1671 (hingerichtet)

 

u.a. Kunstmäzen
  

Nur wenige Personen der ungarischen Geschichte sind so umstritten wie Franz III. Er wird oft als wenig sympathische, überaus ehrgeizige Persönlichkeit geschildert. Zu seiner negativen Beurteilung ("Ungarisches Chamäleon") trugen vor allem seine Konversion zum Katholizismus und seine Beteiligung am "Magnatenaufstand", die mit seiner Verurteilung und Hinrichtung endete, bei. Zu einer mehr positiven Beurteilung trugen Forschungen aus jüngster Zeit bei, die ihn als Kunstmäzen zeigen.

Franz III. trat in sehr jungen Jahren das Erbe seines Vaters Paul an. Mit elf Jahren war er bereits Obergespan von Eisenburg, 1644 wurde er Königlicher Rat, zwei Jahre später königlicher Oberhofmeister und 1664 Landrichter des Königreiches Ungarn. 1667 wurde er zum königlichen Statthalter ernannt. 1670 wurde er Obergespan der Komitate Zala und Somogy. 1651 kaufte er die Herrschaft Seibersdorf, 1665 die Herrschaft Pottendorf. Damit wurde er auch Mitglied der niederösterreichischen Stände. Pottendorf wurde seine Hauptresidenz.

Pauls Witwe Judit Revay stammte aus einer betont evangelischen Familie, geriet aber immer stärker unter den Einfluss von Nikolaus Esterházy. Sie trat 1638 zum katholischen Glauben über und heiratete den katholischen Grafen Adam Forgách. Ihre Konversion löste in Deutschkreutz und Sárvár heftige Reaktionen aus. Es kam zu Brandstiftungen. Franz III. Nadasdy blieb zunächst noch evangelisch. Vor der Trauung mit Esterházys Tochter Anna Julia trat er jedoch 1643 in Tschapring zum katholischen Glauben über. Die sofortige Entlassung aller evangelischen Pfarrer und Lehrer war die Folge. Es wurden nun katholische Pfarrer eingestellt. Die Bewohner seiner Herrschaften mussten katholisch werden oder die Herrschaft verlassen.  1655 stiftete Nadasdy in Lockenhaus die prächtige Kirche und das Augustinerkloster. Die Kirche und das Kloster in Loretto wurden mit reichen Stiftungen ausgestattet. Bis gegen 1660/65 gab es also noch einigen Widerstand gegen die Katholisierung, der aber immer schwächer wurde. In den Nadasdy - Herrschaften konnten sich schließlich nur eine Gruppe Evangelischer in Oberloisdorf bis in die Gegenwart halten.

Seine Konversion brachte Franz III.  neue Ämter ein. 1655 wurde er Landesrichter. In seiner Druckerei erschienen nur mehr katholische Schriften. Von seinen Kindern traten Nikolaus und Ladislaus in den Paulinerorden ein und wurden später Bischöfe, die Tüchter Julianna und Marianna wurden Ursulinerinnen. 1665 reiste Franz III. nach Rom und bekam bei Papst Alexander VII. eine Audienz.

Wie vor allem neuere Forschungen ergaben war Franz III. Nadasdy ein bedeutender Kunstmäzen. Er hatte eine große Sammlung von Porträts, nicht nur von Familienangehörigen, sondern auch von ungarischen Würdenträgern. Diese Porträtsammlung gelangte später in den Besitz der Esterházy. Franz III. beschäftigte Hofmaler, etwa Benjamin Block. Auch bedeutende Wiener Maler arbeiteten für ihn, etwa der Flame Jan Thomas, ein Rubens - Schüler. Als Hofgoldschmied beschäftigte er den Augsburger Philipp Jakob Drentwett.

Franz III. schloss sich der Magnatenverschwörung an und hatte zeitweise die führende Rolle inne. In Wien waren die Umtriebe längst bekannt. Nadasdy erhielt vom Kaiser auch Pardon, trat aber erneut in Verbindung zu den oberungarischen Verschwörern.  Er wurde verhaftet und des Landesverrates für schuldig gesprochen.  1671 wurde er  in Wien enthauptet. Seine Güter wurden konfisziert und einige Jahre später den Esterhazy übertragen. Die Herrschaften Deutschkreutz, Lockenhaus und Klostermarienberg gelangten in den Besitz des Grafen Nikolaus Draskovich. Damit löste die Hofkammer die an Draskovich verpfändete Herrschaft Ungarisch Altenburg aus. Schließlich wurden die drei Herrschaften um 205 000 Gulden an Paul Esterházy verkauft. Die Herrschaft Sárvár erwarb 1677 Graf Nikolaus Draskovich um 326 520 Gulden, Kapuvar ging 1689 um 155.000 Gulden an Paul Esterházy. Hornstein wurde zunächst verpfändet und 1702 um 265 000 Gulden ebenfalls von Esterházy gekauft. Pottendorf ging an die Grafen Starhemberg. Die Kinder Nadasdys wurden mit Geld abgefunden.

Mit der Hinrichtung Franz III. verlor die Familie Nadasdy vorübergehend an Bedeutung. Aber schon im 18. Jahrhundert erfolgte ein neuerlicher steiler Aufstieg in die Reihe der reichsten und einflussreichsten Magnatengeschlechter.