Im April 1663 ließ Sultan Mehmed IV. den Krieg gegen die "Ungläubigen" proklamieren. Unter dem neuen Großvesir Köprülü Fazil Achmed Pascha fielen etwa 100 000 Mann in Ungarn ein. Die überaus wichtige Festung Neuhäusl wurde von den Türken erobert. Der Zustand der Grenzbefestigungen war beklagenswert, die Festungen im Verfall, die deutschen Söldner schlecht bezahlt und bei den Ungarn verhasst. Der kaiserliche Feldherr Montecuccoli konnte kaum 12 000 Söldner aufbieten. Dazu kam die wenig verlässliche ungarische Insurrektion von 15 000 Mann unter Graf Nikolaus Zrinyi.

Kaiser Leopold gelang es, auf dem Reichstag in Regensburg Unterstützung durch das Reich zu erlangen. So nahmen 1664 am Feldzug neben den kaiserlichen Truppen auch Reichstruppen, ein Rheinbundkorps und sogar ein französisches Hilfskorps teil. Ein ungarisches Korps von 5000 Reitern unter Franz III. Nadasdy hatte die Aufgabe, Aufklärungsarbeit zu leisten. Im April 1664 begann Zrinyi mit der Belagerung von Kanizsa. Köprülü eroberte die Festung Neu - Zrin. Montecuccoli kam nicht zur Hilfe. Zrinyi gab ihm die Schuld am Fall der Festung. Am 31 Juli begann die Schlacht von St. Gotthard - Mogersdorf. Nachdem der Übergang über die Raab abgewiesen worden war zog sich Köprülü zurück. Montecuccoli verzichtete auf eine Verfolgung.

Der Friede von Eisenburg (Vasvár)

Nach dieser Niederlage nahm der Großversir Köprülü durch Stephan Reninger, den kaiserlichen Residenten bei der Hohen Pforte, mit Kaiser Leopold Friedensverhandlungen auf. Der Kaiser war dazu bereit, da er seine Kräfte gegen Frankreich konzentrieren wollte. Am 10. August 1554 wurde in Eisenburg ein geheimer Waffenstillstand auf 20 Jahre geschlossen, eine Woche später wurde der Friedensvertrag ratifiziert. Die Bestimmungen des Vertrages enthielten die beiderseitige Anerkennung Apaffis, des Fürsten von Siebenbürgen. Die ungarische Festung Szekelyhid sollte geschleift werden, Neu - Zrin nicht wieder aufgebaut werden. Neuhäusl, Neograd und Großwardein blieben in türkischer Hand. Abtrünnige beider Seiten durften keinen Schutz erhalten. Der Kaiser zahlte dem Sultan außerdem ein "Ehrengeschenk" von 200 000 Gulden.

Dieser Friedensschluss wurde in Ungarn und Siebenbürgen mit großer Unzufriedenheit und Empörung aufgenommen. Selbst im Heiligen Römischen Reich stieß er auf Unverständnis. Der ungarische Adel war ja schon lange mit der defensiven Kriegsführung unzufrieden. Schon 1659 hatte Franz III. Nadasdy gegenüber Georg II. Rákóczi heftige Kritik am Kaiser geübt. Weite Kreise des Adels waren der Ansicht, dass es besser wäre, mit der Hohen Pforte ein Abkommen zu schließen und Ungarn eine ähnliche Position wie dem Fürstentum Siebenbürgen zu verschaffen, also unter formaler Anerkennung der osmanischen Herrschaft dem Land die innere Selbständigkeit und die Macht des Adels zu sichern. Besonderen Ärger verursachte die Tatsache, dass der Friede von Eisenburg unter Missachtung des Rates der ungarischen Stände geschlossen worden war. Man unterstellte sogar, dass durch den Frieden gezielt der Einfluss der Stände zurückgedrängt werden sollte und befürchtete - nicht ohne Grund - eine massive Verstärkung der Habsburgerherrschaft.

Im November 1664 wurden die höchsten Würdenträger Ungarns nach Wien berufen. Man erwartete die Zustimmung zum Friedensschluss und Geld für eine neu zu erbauende Festung Leopoldstadt (Lipotvár) an der Waag. Die Ungarn beriefen sich aber auf eine notwendige Zustimmung des Landtages, forderten den Abzug aller "deutschen" Truppen und die Rückführung der ungarischen Krone. Im Jänner 1665 protestierte Palatin Wesselenyi feierlich gegen den Friedensvertrag. In Wien nahmen die Ungarn erneut Kontakte zu Frankreich auf, Schon im Feber 1664, also noch vor der Schlacht von Mogersdorf, hatten die Brüder Zrinyi Geheimverhandlungen mit Frankreich, Polen und Venedig begonnen. In Wien wurden die Kontakte zum französischen Gesandten Grémonville hergestellt. Erzbischof Georg Lippay von Gran versprach, die ungarischen Magnaten für König Ludwig XIV. von Frankreich zu gewinnen.

Im November 1664 verunglückte Banus Nikolaus Zrinyi während einer Jagd tödlich. Damit ging die Führung der Unzufriedenen auf den Palatin Wesselenyi über, der schwach und wenig entschlossen war. Die treibende Kraft hinter ihm war seine zweite Frau Anna Maria Szechy, eine überaus ehrgeizige und selbstbewusste ungarische Patriotin. Die Franzosen waren vorsichtig, vor allem weil sie die Uneinigkeit unter den Magnaten erkannten. Einige unter ihnen, etwa die Esterházy, waren bedingungslos kaisertreu. Antihabsburgisch waren die Protestanten Oberungarns, der kalvinistische magyarische Kleinadel, ja sogar das deutsche evangelische Bürgertum der oberungarischen Städte, das ja von einer Stärkung der kaiserlichen Macht und der gegenreformatorischen Bestrebungen nichts Gutes zu erwarten hatte. Zu den unzufriedenen Magnaten zählten neben Weselenyi der Banus von Kroatien, Peter Zrinyi, dessen Schwager Franz Christoph Frangepan, sein Schwiegersohn Franz I. Rákóczi. Erzbischof Lippay und später dann auch Franz III. Nadasdy, der nach dem Tod Wesselenyis vergeblich auf die Ernennung zum Palatin hoffte. Der steirische Adelige Hans Erasmus Graf Tattenbach und der Landeshauptmann von Görz, Graf Karl Thun, schlossen sich an.

Die Verschwörung

Am 5. April 1666 unterschrieben Wesselenyi  und Zrinyi den "Bundesbrief", in dem sie sich gegenseitig bedingungslose Hilfe zusicherten. Sie beriefen sich auf das in der Goldenen Bulle verbriefte Widerstandsrecht. Peter Zsinyi riss die Führung an sich, genoss aber weit weniger Autorität und Ansehen im Ausland als sein verstorbener Bruder. Ludwig XIV. ließ erklären, dass er zu einem aktiven Eingreifen in Ungarn nicht bereit sei. 1666 arbeitete Wesselenyi Vorschläge für eine Unterwerfung unter osmanische Herrschaft aus. Durch die Vermittlung Apaffis wurde dieses Unterwerfungsangebot Köprülü zugestellt. Der Großvesir wies das Angebot zurück. Er war nicht bereit, den Frieden mit Wien zu gefährden.

 

Franz III. Nadasdy war zunächst in die Aktivitäten der Verschwörer nicht einbezogen. Er war mit dem Palatin Wesselenyi heftig zerstritten. Im Juli 1666 schloss er sich aber der Gruppe an. Im Dezember 1666 waren sie alle bei der Hochzeit des Kaisers in Wien. Dabei schlossen Wesselenyi, Zrinyi und Nádasdy ein "Bündnis als höchste Säulen Ungarns, um durch vereinte Krafft dem Lande zu nuzen". In einer Versammlung im Frühjahr 1667 in Neusohl hetzte Zrinyi die Abgeordneten der 13 oberungarischen Komitate auf, keinem Vergleich zuzustimmen und Forderungen in politischen und religiösen Angelegenheiten an Wien zu stellen. 1666 starb Erzbischof Lippay, sein Nachfolger Georg Szelepcsenyi war kaisertreu. Im März 1667 wurde erneut ein Bundesbrief ausgefertigt, die Aufstellung eines Heeres geplant und beschlossen, nochmals die Hohe Pforte um Unterstützung zu ersuchen. Ende März 1667 starb auch der Palatin. Peter Zrinyi und Franz Nadasdy waren nun die führenden Persönlichkeiten, untereinander aber zerstritten. Nadasdy hatte noch immer das Wohlwollen des Wiener Hofes. Er strebte die Palatinswürde an und war anscheinend bereit, dafür die Verschwörung zu verraten. Als Palatin wollte er Ungarn befrieden. Zrinyi hingegen setzte auf einen Aufstand. Er wollte mit Hilfe der Osmanen Fürst Kroatiens werden. Nadasdy und Zrinyi traten erneut in Verbindung zu Grémonville. Zrinyi forderte Geld und Unterstützung. Der Wiener Hof war über die Verhandlungen in Istanbul über seine Agenten unterrichtet.

Um die Jahreswende 1667/68 verfasste Nadasdy den "Aufruf an die vier Stände von Ungarn", mit schweren Anklagen gegen den Kaiser. In einer weiteren Schrift rief er zum Aufstand auf. Die bewaffnete Erhebung sollte vorbereitet werden. Zrinyi versprach 40 000 Mann. Der Erzbischof sollte beseitigt werden, eine größere Geldsendung der Bergstädte nach Wien sollte abgefangen werden. Beide Pläne scheiterten. Dem Hof gegenüber gab sich Nadasdy weiterhin loyal. 1668 wurden die Kaiserinwitwe Eleonore und schließlich auch der Kaiser selbst in Nadasdys Schloss in Pottendorf empfangen. Dass Nadasdy dabei einen Anschlag plante ist eine Legende. Der Bund zwischen Nadasdy und Zrinyi wurde am 1. September 1668 trotz erheblicher Spannungen erneuert. Die Wiener Regierung hatte inzwischen längst Kenntnis von der Verschwörung, über Istanbul informiert, aber auch von der Gräfin Széchy, der Witwe Wesselenyis. Es wurden Spitzel in die Gruppe der Verschwörer eingeschleust. Der Wiener Hof wollte zunächst Gewalt vermeiden  und die Anführer der Verschwörer gewinnen. Im Dezember 1668 machte man Nadasdy den Vorschlag, den Landtag einzuberufen, was dieser jedoch ablehnte. Auch Zrinyi versuchte man zu gewinnen. Dieser bezichtigte Nadasdy als Urheber der Verschwörung. Nadasdy war über die Vorgänge in Wien, über das Misstrauen ihm gegenüber, gut informiert. Er wurde mehrmals vor der Gefahr, die ihm drohte, gewarnt. 1669 kam er persönlich nach Wien und berichtete dem Kaiser in einer Audienz über die Vorgänge in Ungarn. In einer Denkschrift stellte er Zrinyi als Urheber der Machenschaften dar.

In einer geheimen Konferenz, einer "Kommission für die ungarische Magnatenverschwörung", erklärten die Geheimen Räte Nadasdy des Hochverrates schuldig, empfahlen aber dem Kaiser, Nadasdy zu pardonieren, wenn er in Zukunft bessere Beweise seiner Treue vorbringe. Die Verschwörer setzten aber trotzdem ihre Aktivitäten fort. Zrinyi warb weiterhin im Ausland um Unterstützung, zunächst vergeblich in Polen und Frankreich, dann wieder beim Sultan. Er erhielt eine ausweichende Antwort, die er allerdings als Unterstützungszusage interpretierte. Im März 1670 hielt er den Zeitpunkt für einen bewaffneten Aufstand für gekommen. Zrinyi und Frangepan bereiteten den Aufstand in Kroatien vor, Franz Rákóczi sollte Oberungarn mobilisieren, Tattenbach in der südlichen Steiermark losschlagen. Der Wiener Hof war durch seine Spitzel über diese Vorgänge informiert. In der Kommission wurden nun energische Maßnahmen beschlossen, Tattenbach wurde verhaftet, auf Zrinyi und Frangepan ein Kopfgeld ausgesetzt, ihre Güter enteignet. Beide reisten nach Wien, um sich dem Kaiser zu unterwerfen. Dort wurden sie verhaftet und nach Wr. Neustadt überstellt. In Oberungarn war inzwischen der Aufstand ausgebrochen, die Anführer entschlossen sich aber, die Waffen niederzulegen und sich der Gnade des Kaisers zu unterwerfen. Nadasdy schien zunächst unbehelligt zu bleiben. Im Prozess sagte aber Zichyi gegen ihn aus. Der Schreiber Wesselenys, Franz Nagy, der sich freiwillig gestellt hatte, belastete Nadasdy ebenfalls und Maria Szechy übergab alle belastenden Papiere. Briefe bewiesen, dass Nadasdy, auch nachdem er Pardon erhalten hatte, weiterhin mit den Verschwörern in Oberungarn in Kontakt stand.

Der Prozess und die Hinrichtungen

Am 25, August 1670 wurde Nadasdy mitgeteilt, dass ein Prozess unabwendbar sei. Am 1. September fand eine Besprechung der höchsten Würdenträger statt, in der die Gefangennahme des Magnaten empfohlen wurde. Am 3. September wurde er in Pottendorf verhaftet und in das Landhaus nach Wien gebracht, wo er bis zum 27. April 1671 interniert wurde. Mit der Vernehmung wurde der Hofkanzler Hocher beauftragt. In vier Verhören wurde er genauestens befragt. Es wurde ein außerordentlicher Gerichtshof eingesetzt. In ihm waren weder Kroaten noch Ungarn vertreten. Hofkanzler Palffy bestritt deshalb seine Zuständigkeit. Der Protest der Ungarn wurde zurückgewiesen. Der Prozess dauerte vom 30. Dezember 1670 bis 20. April 1671. Am 18. April wurden Zrinyi und Frangepan zum Tode verurteilt, am 20. April erging das einstimmige Urteil gegen Nadasdy. Wegen Majestätsverbrechen, Hochverrat und Rebellion wurde er zum Tode verurteilt. Das Abschlagen der rechten Hand wurde ihm erlassen. Franz III. Nadasdy wurde  am 20. April im Wiener Rathaus hingerichtet. Sein Leichnam wurde im Hof des Rathauses öffentlich zur Schau gestellt. Zrinyi und Frangepan wurden am selben Tag im Wiener Neustädter Zeughaus hingerichtet.

Die Folgen

Die Folgen der Magnatenverschwörung waren gravierend. Ungarn, so wurde erklärt, hätte alle seine Freiheiten "verwirkt", die Verfassung wurde suspendiert, eine blutige Vergeltung und brutale Rekatholisierung eingeleitet. Außerordentliche Gerichte und Kommissionen in Preßburg und Leutschau erhielten die Weisung, streng gegen das Land vorzugehen. Todesurteile und Güterkonfiskationen waren an der Tagesordnung. Die Güter Franz III. Nadasdy erwarb größtenteils Paul Esterhazy, der 1681 für seine Königstreue mit der Würde des Palatins belohnt wurde. Die entlassenen ungarischen Söldner der Grenzfestungen, protestantische Kleinadelige, Bürger der Städte schlossen sich später dem Aufstand Emmerich Thökölys an. 1687 musste der ungarische Landtag die Erblichkeit der ungarischen Krone anerkennen. Das Widerstandsrecht (ius resistendi) wurde endgültig für unwirksam erklärt.


Literatur:

  • Reichl-Ham, Claudia: Held oder Rebell? Franz III. Graf Nádasdy und seine Beteiligung an der Magnatenverschwörung. In: Die Familie Nádasdy. Schlaininger Gespräche 2009/2010. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Bd. 154.
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