Es wurde schon lange vermutet, dass es an der Bernsteinstraße zwischen Scarbantia (Ödenburg/Sopron) und Savaria (Steinamanger/Szombathely) ein größeres Reiterlager, das Lager der Ala Pannoniorum, gegeben hat. Dafür sprachen mehrere Grabsteine von Soldaten dieser Ala in unserem Raum. Im Frühjahr und Sommer wurde dieses Lager schließlich in Strebersdorf, Gemeinde Lutzmannsburg, gefunden, nachdem man schon im Jahr zuvor den dazugehörenden Vicus, also die  Zivilsiedlung, lokalisiert hatte. Die Untersuchungen erfolgten durch das Österreichische Archäologische Institut mit modernsten geophysikalischen Methoden. Die Forschungen erfolgten im Rahmen eines internationalen Bernsteinstraßenprojektes.

Das Lager von Strebersdorf, das ziemlich genau zwischen Scarbantia und Savaria lag, ist für das Burgenland von größter Bedeutung, da ja die beiden Römerstädte Scarbantia und Savaria außerhalb der Landesgrenze liegen. An archäologischen Großobjekten gab es bisher nur die Villa rustica von Parndorf. Mit Strebersdorf hat das Land nun erstmals eine größere "archäologische Landschaft".

Der 2007 entdeckte und teilweise ausgegrabene Vicus erstreckt sich auf eine Fläche von 7 ha und liegt westlich des Zusammenflusses von Stooberbach und Raidingbach, auf einem Höhenrücken,  teilweise auf dem Gemeindegebiet von Strebersdorf, teilweise auf dem Gebiet von Frankenau, also beiderseits des Stooberbaches, über den eine römische Brücke führte. Dass dieses Gebiet in der Römerzeit wichtig war zeigte schon die große Zahl an Klein- und Streufunden. So wurden in den beiden Gemeinden bisher über 2000 römische Münzen gefunden. Die geophysikalischen Untersuchungen (19 ha geomagnetisch, 1,5 ha Radarmessungen) deckten die Struktur der Siedlung - die bisher größte auf burgenländischem Gebiet) auf. Dazu kam 2008 eine Grabung im südlichen Teil der Siedlung. Der südlich des Lagers an der Bernsteinstraße gelegene Vicus war eine einem Straßendorf ähnliche Anlage von  400 m Länge. Entlang der Straße war das Siedlungsgebiet in Streifenparzellen von 6 bis 12 m Breite aufgeteilt. Am stärksten verbaut war der Bereich um die Brücke. Hier lagen auch die größten Häuser, bis zu 12 x 40 m. Die Häuser waren die damals in Pannonien üblichen Mittelkorridorhäuser, die Bauweise massiv mit Steinfundamenten und Ziegeldächern. Entlang der Straße waren Laubengänge den Häusern vorgebaut. An den Ortsenden schlossen einfachere Gebäude und die Grabstätten an.

 
Die geomagnetischen Untersuchungen haben östlich und südlich des Lagers mehrere Gruppen von Eisenschmelzöfen angezeigt. Dieser Befund wird auch durch zahlreiche Oberflächenfunde von Eisenschlacken bestätigt. Der Ausgrabungsleiter Groh interpretiert diesen Tatbestand dahingehend, dass es in der Umgebung des Lagers Eisengewinnung im großen Stil gab. Die La Téne- zeitliche Eisengewinnung wurde also unter römischer Herrschaft fortgesetzt und möglicherweise unter Kontrolle des Militärs und kaiserlicher Beamter, procuratores metalli, gestellt. Vom Strebersdorfer Lager aus konnte der gesamte Produktionsraum im mittleren Burgenland überwacht und kontrolliert werden.

Das Militärlager bzw. die drei Militärlager wurden genau dort errichtet, wo die Römerstraße in Richtung Süden, nach Savaria, abbiegt. Von diesem Höhenrücken aus hatte man eine weite Sicht sowohl nach Norden wie nach Süden. Das älteste hier errichtete Lager, das mit etwa 145 x 150 m auch das größte war, wurde vermutlich schon während der Eroberung Pannoniens errichtet. Es war von einem 2,8 m breiten Graben und vermutlich einem Wall umgeben und hatte vier Toranlagen, die durch je zwei 3 x 3 m große Holztürme gesichert waren. Durch einen Gefäßfung im Graben des Lagers konnte es in augusteische Zeit datiert werden, also in die Zeit der Eroberung. Damit wäre das Lager älter als das Legionslager von Carnuntum. Mit dieser Alterbestimmung scheint die Gleichsetzung des Lagers mit dem Standort der Ala Pannoniorum gesichert. Diese Reitertruppe wird auf zwei Grabsteinen aus der Zeit des Tiberius ( 14 bis 25/30 n. Chr.) erwähnt: Der eine Grabstein wurde in Prössing (Peresznye), nur wenige Kilometer vom Lager entfernt, gefunden und wird in Ödenburg (Lapidarium des archäologischen Museums) aufbewahrt. Er zeigt die Darstellung eines Reiters. Der zweite Grabstein stammt aus Újkér, 16 km östlich des Lagers. Die Ala Pannoniorum wurde später, 25/30 n. Chr. nach Arrabona (Raab/Györ) verlegt.

Das jüngere zweite Lager wurde in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts  etwas kleiner (105 x 150 m) unter teilweiser Verwendung des Grabens von Lager 1 errichtet.

Das dritte Lager. 75 x 90 m groß, wurde innerhalb des Lagers 2 errichtet, mit zwei Toren, mit Tortürmen aus Holz und vermutlich mit weiteren Türmen. Am 3. Lager kann man auch Spuren der Innenbebauung erkennen, die weitgehend dem Schema für derartige Anlagen entsprechen.


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