Die angesiedelten Kroaten brachten ihre Priester mit.  "Die Priester waren und blieben jene Intelligenzschicht, die von Anfang an in den vordersten Linien stand und das einzigartige Kultur- und Geistesleben der Kroaten entscheidend beeinflusst und mitgestaltet hat". Die Wanderung war "mit dem Verlust der eingefahrenen kirchlichen Bräuche verbunden. Es dauerte immerhin fast hundert Jahre, bis die Kroaten ein fester Teil der ungarischen und niederösterreichischen Kirchenorganisation wurden." (Nikolaus Bencsics in Geositz, die burgenländischen Kroaten. S.53)

1568 erschien eine kroatische Priesterdelegation in Eisenstadt und ersuchte, man möge es ihnen gestatten, die Hl. Messe in der alten Weise feiern zu dürfen. Vielleicht war damit die altkirchenslawische Liturgiesprache gemeint. Darauf deutet auch das "Meßbuch von Klingenbach" aus dem Jahre 1564 hin. Weißpriach hatte ihnen als Grundherr die alte Form der Messe verboten. Fraglich ist, ob die Kroaten ihre Priester tatsächlich frei wählen durften, wie gelegentlich behauptet wird.

Der Protestantismus fand bei den Kroaten wenig Anklang, im Gegensatz zu den Deutschen der Region. Dies, obwohl die evangelischen Grundherrn einige Anstrengungen unternahmen, um auch die Kroaten für den neuen Glauben zu gewinnen. In der Herrschaft Landsee - Lackenbach wandte der Herrschaftsinhaber Dersffy sogar körperlichen Zwang an. Hand von Weißpriach lud den ehemals glagolitischen, später lutherischen Pfarrer Stephan Consul nach Eisenstadt ein. Consul stammte aus Istrien und war in der vom steirischen Landeshauptmann Hans Ungnad von Sonneck eingerichteten Uracher Druckerei tätig. In Urach erschienen 32 Druckwerke in glagolithischer, kyrillischer und lateinischer Schrift für die südslawischen Völker. 1568 ging Consul nach Westungarn und brachte eine 1568 in Regensburg gedruckte Postille für die Kroaten Westungarns und Niederösterreichs mit. Gaspar Dragonus, Pfarrer in Ödenburg, war für die Kroaten in Klingenbach und Kohlnhof zuständig. Von Großer Bedeutung ist Gregor Pythiraeus - Mekinich, evangelischer Pfarrer in Steinberg und später in Deutschkreutz. 1609 und 1611 gab er in Deutschkreutz zwei Graduale heraus, die ältesten geistlichen Liederbücher der burgenländischen Kroaten. Neben den genannten gab es noch eine ganze Reihe weiterer kroatischer Pfarrer und Superintendenten , etwa Michael Zvonarisch und Stephan Klaszekovics.

Das älteste schriftliche Dokument der burgenländischen Kroaten sind glagolitische Notizen eines Pfarrers namens Gregorius Voccovicz, die dieser in das lateinische Missale von Klingenbach hineingeschrieben hat, Die glagolitisch schreibenden Pfarrer wurden aber bald von den "Lateinern" verdrängt. Die katholische Frömmigkeit der Kroaten wurde in der Gegenreformation der Barockzeit entscheidend gestärkt. Einige der Raaber Bischöfe waren kroatischer Abstammung: Paul Gregorianec (1554 - 1565), Georg I. Draskovich (1578 - 1587) und Georg II. Draskovich (1636 - 1650). Der ältere Draskovich war am Konzil von Trient beteiligt und bemühte sich, dessen Beschlüsse umzusetzen, etwa 1579 in der Diözesansynode von Steinamanger. Er berief den Jesuitenorden nach Ungarn. Die Jesuiten waren maßgebend an der Entstehung der Barockliteratur der burgenländischen Kroaten beteiligt. Sie hielten Volksmissionen ab und verteilten religöse Schriften in kroatischer Sprache. Bedeutend war der aus der Nähe von Zagreb stammende Jesuit Georg Mulik, der angeblich sehr erfolgreich wirkte. An den Sühneprozessionen am Ende der "Volksmissionen" nahmen tausende Gläubige teil. Mulik verfasste mehr als 20 Bücher., etwa 1748 in Eisenstadt eine "Vorbereitung zur Beichte" und 1750 in Raab "Geistliche Lieder". Die Franziskaner in den Klöstern von Preßburg, Frauenkirchen, Eisenstadt, Ödenburg, Steinamanger und Güssing setzten die Arbeit der Jesuiten fort. In ihnen gab es zaghlreiche kroatische Patres. Vor allem das Eisenstädter Kloster mit der Bergkirche wurden zu einem Mittelpunkt kroatischer Volksfrömmigkeit, der Marienverehrung und Ziel vieler Wallfahrten. Auch der "Dritte Orden" in Eisenstadt, eine Laienbruderschaft, war für die Entfaltung der kroatischen Frömmigkeit wichtig. 1754 gehörten ihm über 4000 Personen, meist Männer, an. Von großer Bedeutung waren die großen Wallfahrten , vor allem zu den Marienheiligtümern, besonders in Eisenstadt und Frauenkirchen. In der Eisenstädter Bergkirche gab es schon im 18. Jahrhundert kroatische Prediger und Beichtväter. Im 18. Jahrundert waren von 31 Guardianen 16 Kroaten. Nach der Errichtung der Lorettokapelle wurde auch sie zu einem wichtigen Wallfahrtsort. Mariazell war natürlich ebenfalls ein wichtiges Ziel der burgenländischen Kroaten. Die gemeinsamen Wallfahrten aus verschiedenen kroatischen Dörfern stärkten die Gemeinschaft und auch das Volksbewusstsein.

Die Barockzeit war durch eine rege literarische Tätigkeit der Geistlichkeit in kroatischer Sprache gekennzeichnet. 1732 erschien in Raab ein kroatisches Evangelienbuch, 1741 in Wien das erste Lektionar, vom Franziskaner Ladislav Valentich herausgegeben. Auch der erste kroatische Katechismus stammt von einem Franziskaner und war dem Pfarrer von Parndorf, Blasius Leskovics, gewidmet. 1761 erschien in Ödenburg das Büchlein "Heiliger Kreuzweg" . Besonders wichtig für die kroatische religiöse Erbauungsliteratur war der gebürtige Großwarasdorfer Laurentius Bogovics, der in Eisenstadt und Güssing wirkte. Zusammen mit Godefries Palkovics gab er 1753 das erste kroatische Gebetsbuch in Ödenburg heraus, 1754 dann "Hisa Zlata" (Goldenes Haus), das zum wichtigsten Gebetbuch der burgenländischen Kroaten wurde und bis Ende des 19. Jahrhunderts etwa 20 Auflagen erlebte. Weitere Gebetbücher verfassten neben Palkovics Jeremias Sosterich. Besonders wichtig war der Servite Eberhard Maria Kragel, der als hervorragender Kenner der Sprache des Volkes galt. Josef Ficko, Pfarrer in Prösing, verfasste in drei Teilen Erklärungen zur Bibel und eine kurze Kirchengeschichte. Sein wichtigstes Werk erschien 1836 in Ödenburg, "Die Auslegung des großen Katechismus". Sein Werk hatte für die Erhaltung der kroatischen Sprache und des kroatischen Volkstums besonders große Bedeutung. Ein weiterer Autor war der Franziskaner Simeon Kniefasz.

 

Man hat in Bezug auf die barocke Frömmigkeitsliteratur von einer "Devotio pannonica Croatorum" gesprochen. "Diese spezifische Eigenart der Frömmigkeit bestand darin, dass sie auf die Selbstverwirklichung und Selbstbestätigung ihres Volkstums unter dem Mehrheitsvolk zielte. ... Ihre Frömmigkeit war nicht beschaulich, sondern aktiv, indem sie sich auch in der Kultur- und Lebensgemeinschaft der Volksgruppe verwirklichte." (Geosits, S.69).

In der Volksliteratur der burgenländischen Kroaten kommen Volkslieder vor, die von Mädchenraub, von der Belagerung Wiens 1683, von Buda und Belgrad, von der Magnatenverschwörung und ähnlichen Ereignissen handeln. Viele Lieder besingen die bäuerliche Lebensform, sind Hochzeitslieder oder Soldatenlieder, Weinlieder und Spottlieder. Besonders eindrucksvoll sind die Kinderlieder und die Totenlieder.

In lateinischer Sprache schrieben Franz Kunich, 1696 in Spitzzicken geboren, ein Jesuit, der in Klausenburg, Tyrnau, Kaschau, Buda und Erlau wirkte, Lehrer an der Jesuitenuniversität Graz und Mitglied der Generalkongregation in Rom war. Sein Leben beschloss er 1763 als Bibliothekar des Ödenburger Jesuitengymnasiums. Er verfasste historische und theologische Abhandlungen und lateinische Gedichte und Schuldramen. Michael Milkovits und Michael Lipsich stammten beide aus Hornstein. Milkovits wirkte als Professor in Tyrnau  und als Rektor in Güns, Lipsich lehrte Sprachen, Mathematik, Philosophie und Kirchenrecht in Klausenburg, Kaschau, Erlau, Tyrnau, Buda Zagreb und schließlich in Ödenburg. Er war Naturwissenschaftler und Dichter. Johann Horvath (1732 - 1799) stammte aus Güns, schrieb bedeutende naturwissenschaftliche Werke ("Institutiones logicae", "Physica generalis") und auch Gedichte. Der Jesuit Michael Horvath (1728 - 1810) stammte aus Siegersdorf, verfasste bedeutende Werke zur Geschichte Ungarns, darunter eine Geschichte der Türkenkriege. Aus Zillingtal stammte der Jesuit Philipp Kausic (1618 - 1673), der als Begründer der Alma Mater Croatica in Agram (Zagreb) gilt. Er betrieb die Erhebung der dortigen Jesuitenakademie zu einer Universität im Jahre 1669). Neben diesen Gelehrten aus den Reihen der kroatischen Jesuiten waren auch die Angehörigen anderer Orden von Bedeutung. Der Franziskaner Modest Dominkovich aus Oberpullendorf, der Pauliner Andreas Kolenich usw. Sie alle trugen dazu bei, dass Latein von einer Kirchensprache auch zu einer Gelehrtensprache wurde und bis 1839/40 Amtssprache und in den höheren Schulen auch Unterrichtssprache war. Aus Oslip stammte der Oberarzt des Preßburger Komitats Josef Skollanich, Autor medizinischer Werke in lateinischer und deutscher Sprache. Die beiden Siegendorfer Michael Soretich (1741 - 1786), Professor an der Jesuitenuniversität Tyrnau und später Rektor der Budapester Universität, und Andreas Palkovich (1752 - 1819) waren beide Ärzte, ebenso Ladislaus Blaskovich, ein Pionier der Augenheilkunde. Georg Sigismund Lakits (1739 - 1814) stammte aus Podler war Professor für Staats- und Kirchenrecht in Tyrnau und erster Rektor der Universität Pest. Zwei seiner Arbeiten, eine über das Kiechenrecht, die andere über das Naturrecht, waren besonders wichtig. Martin Georg Kovachich (1744 - 1821) war Bibliothekar an der Budapester Universität und Herausgeber von Geschichtsquellen. Philipp Vezdin, 1748 in Hof geboren, war Wegbereiter der modernen Indologie und Sanskritforschung.

Im 19. Jahrhundert wurde dann im Gefolge der Aufklärung und im Vorfeld der Romantik das lateinische Sprachkorsett gesprengt und es entstanden "Nationalliteraturen". Mit unterstützung des aus Parndorf stammenden Bischofs von Neutra, Franz Xaver Fuchs, entstand aus dem Dialekt der Umgebung von Tyrnau die slowakische Schriftsprache. Im südslawischen Bereich schufen die kroatischen Illyristen um Ljudevit Gaj eine einheitliche serbokroatische Volkssprache. Ein Teil der Intellektuellen der kroatischen Volksgruppe stellte sich vor allem nach 1848 in den Dienst der national - magyarischen Bewegung. Der andere Teil hielt am kroatischen Volkstum fest.

Der Siegendorfer Pfarrer Anton Herits ( 1825 - 1905) veröffentlichte seine Predigten und Parlamentsreden in ungarischer Sprache, Ignaz Kovács, Pfarrer in Parndorf, verfasste kirchenhistorische Arbeiten ebenfalls in ungarischer Sprache. Ungarisch schrieben auch der Zillingtaler Chrysostomos Kruez, Erzabt von Pannonhalma, Georg Kustrich, Peter Jandrisevics (1879 - 1938) und Paul Levay, ein bedeutender Journalist. An erster Stelle unter den Ungarisch schreibenden Kroaten steht freilich der aus Güttenbach stammende Josef Radakovits, der sich Vas Gereben nannte und einer der größten Romanschriftsteller Ungarns war.

Allerdings erlebte auch die kroatische Literatur im Gefolge der Sprachreform Ljudevit Gajs einen neuen Aufbruch. Zunächst gab es freilich kaum Kontakte zu Kroatien. 1846 und 1848 besuchte der Volksliedersammler Fran Kurelac die westungarisch-kroatischen Dörfer, um dort Volkslieder zu sammeln und er machte dabei mit der Sprachreform bekannt. Kurelac veröffentlichte seine Sammlung unter dem Titel "Lieder oder Volksdichtung des einfachen und gebildeten kroatischen Volkes in den Komitaten Ödenburg, Wieselburg und Eisenburg in Ungarn" 1871 in Zagreb. In der Bachära wurden den westungarischen Kroaten die einheitlichen Schulbücher Kroatiens verordnet. Fabian Hauszer, Pfarrer in Karlburg, schrieb ein kroatisch - deutsches Wörterbuch für Lehrer, ohne die Dialektwörter. Dagegen gab es heftige Proteste ("Das ist nicht unsere Sprache ..."). Nach einem Kompromiss wurde gesucht, vor allem vom Lehrer Georg Horvath  und dem Hornsteiner Pfarrer Kaspar Glavanich (1833- 1872). 1864 brachten sie den "Christlich - katholischen Kalender" heraus. Die verfeinerte Sprache wurde im Bildungswesen angenommen, nicht aber in der Kirche. Glavanich starb in jungen Jahren. Sein Werk wurde von Michael Nakovich, Lehrer in Kohlnhof, fortgesetzt. Dieser verfasste Schulbücher, eine Grammatik, eine Volksliedersammlung und ein kirchliches Liederbuch. Der gesistige Vollender dieser Epoche war Matthäus Mersich, der sich Miloradic nannte (1850 - 1928). Er war ein gebürtiger Frankenauer. Als Redakteur des "Kalenders der Heiligen Familie" entfaltete er ein reiches dichterisches Schaffen.  Man bezeichnete ihn als "Erwecker aus langem, schwerem Schlaf", der die "alte Sprache vergoldet und ihr neuen Glanz verliehen" hat und das "sterbende kroatische Bewusstsein in letzter Stunde geweckt und ihm neues Leben gegeben hat" (nach Nikolaus Bencsics, in Geosits, Die Burgenländischen Kroaten, S. 94).


Literatur:

  • Martin Mersich, Zwei neu entdeckte kroatische Gesangbücher aus der Reformationszeit. In: Bgld. Heimatblätter 1972/1, S. 24 - 32
  • Franz Probst, Mate Miloradics und die Literatur der burgenländischen Kroaten. Eisenstadt 1978

 

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