Urgeschichte

Im Bereich der Lehmgrube der früheren Ziegelei (Ried Kogeläcker, Graschitzen) wurden 1967 mehrere jungsteinzeitliche Siedlungsplätze festgestellt. Von großer Bedeutung ist ein Münzschatzfund, der 1899 auf den Praupau - Äckern gemacht wurde. Der genaue Fundort ist nicht mehr eruierbar. Die 43 (oder mehr) boischen goldenen  Muschelstateren kamen zum kleinen Teil in das Budapester Nationalmuseum, zum größeren Teil in Privatbesitz.

Auf der Suche nach Überresten der Propstei Marz Rohrbach stieß A. Ohrenberger am "Klosterrückerl" in der Nähe der Eisenbahnlinie auf römisches Mauerwerk. 1963 bis 1969 wurde dort ein römischer Gutshof unter der Leitung von Gerhard Langmann ausgegraben. Er entstand schon in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts und bestand bis in das 4. Jahrhundert. Die villa rustica hatte eine beträchtliche Größe. Das Haupthaus  (27 x 30 m), mit einer Vorhalle hatte zwei Mittelhallen und mehrere Schlaf- und Wohnräume sowie einen Badetrakt aus vier Räumen, der wahrscheinlich im 2. Jahrhundert angebaut wurde. Die zahlreichen Funde, darunter auch Reste eines Ziegelmosaiks, wurden in das Landesmuseum gebracht.

Literatur: Mayer, Josef: Ausgewählte Kapitel zur Ortsgeschichte. Rohrbach 1975

Mittelalter:

Die Urkunde von 808, die Schenkung von "Wolfsbach" an das Kloster St. Emmeram in Regesburg durch die Geschwister Wirut, Gisalmar und Wentilmar, bezieht sich mit Sicherheit auch auf das Gebiet von Rohrbach. Die Wiesa(ch), die als Grenze erwähnt wird. ist der Wiesbach nördlich des "Wisaberges" (nicht Wiesenberg, wie in den meisten Landkarten). Dazu: Die Geschister von Mattersburg

1289 wird im Zuge der Füssinger Fehde die Burg von Rorpach von Herzog Albrecht von Österreich erobert und geplündert. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts war Rohrbach im Besitz des Perlup (Berthold) de Nadasd (von Rohrbach). 1298 verpfändete ihm sein Schwiegervater, Suur aus der Familie der Osl, Besitzungen in Marz um 100 Mark. Laut Landestopographie  (Band III, Rohrbach, S. 667) gelangte Rohrbach noch zu Perlups Lebzeiten in den Besitz der Osl, und zwar im Tauschweg. Perlup hätte dafür Walbersdorf erhalten. Dieser Ansicht widerspricht, dass Perlup von Rohrbach 1311/12 starb. Seine Witwe Margarethe, eine Tochter Surs, geriet in eine Notsituation und erbat von Graf Paul von Mattersdorf Geld, Nahrungsmittel und Kleidung und übergab ihn dafür 1312 die Verpfändungsurkunde über Marz und Großhöflein. Es scheint, als ob die Osl das Pfandgut nie auslösten, So blieb ein großer Teil von Marz im Besitz der Forchtensteiner.  Perlup von Walbersdorf wird erstmals 1327 urkundlich erwähnt. Dass es eine verwandtschaftliche Beziehung gab ist klar. Perlup von Walbersdorf könnte ein Bruder des Bartholomäus oder ein Sohn gewesen sein. Es könnte aber auch sein, dass die beiden identisch sind, also nur eine Person. Der Personenname war vermutlich Berthold, Bertl gesprochen. Die Urkundenschreiber machten daraus Perlup oder eben auch Bartolomäus. 1341 wird Elisabeth, eine Tochter des Bartholomäus von Walbersdorf, erwähnt. Ihre "Verwandten" sind Lorenz. der Sohn des Nicolaus von Walbersdorf.

Es ist nicht bekannt, wo die Burg des Perlup von Rohrbach lag. Am ehesten kommt wohl der Platz des späteren Meierhofes ("Fürstenstadel") in Betracht.

Mitte des 14. Jahrhunderts war Rohrbach im Besitz der Kanizsai. 1362 versprach König Ludwig von Ungarn  den Bischof Stefan Kanizsai von Agram für Pomgort (Baumgarten) und Nadasd (Rohrbach) zu entschädigen. Kanizsai hatte auf die beiden Orte zugunsten eines königlichen Höflings Henicon (Hinko) verzichtet. Die beiden Orte dürften zu einer Herrschaft gehört haben. Der Sitz wurde vermutlich nach Baumgarten verlegt, die Burg von Rohrbach verlor an Bedeutung. 1382 wollten Teumul von St. Georgen - Bösing und Johann de Spata die beiden Dörfer kaufen. Dagegen legte Nikolaus, der Sohn des Paul de Bazti, im Namen der Frau des Gregor von Kleinhöflein, Protest ein. 1412 übertrug König Sigismund Rohrbach an Ägidius, Johann und Barbara von Neuhasar. Von 1427 bis 1445 waren die Herrschaft Baumgarten und damit auch Rohrbach  Rohrbach im Besitz von Martin Weihtracher, anschließend von Ulrich von Grafeneck. Dieser schloss die Kleinherrschaft Rohrbach - Siegendorf - Baumgarten (das inzwischen den Paulinermönchen übergeben worden war) an die Herrschaft Landsee an.

Neuzeit

1506 erwarb Sigismund von Weisprich die Herrschaften Kobersdorf und Landsee. Johann von Weispriach verkaufte 1548 die Orte Siegendorf, Baumgarten und Rohrbach an Erasmus Teufel von Enzersdorf. Aber schon 1553 verkauften dessen Nachfolger die Herrschaft an Erzbischof  Nikolaus Oláh von Gran und dessen Neffen. Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Rohrbach mehrmals verpfändet. 1563 schenkte Erzbischof Oláh Rohrbach und Baumgarten seiner Schwester Helene zu lebenslangem Nutzgenuss. Als sie die beiden Orte 1575 verkaufen wollte protestierten die Nachkommen von Nikolaus Oláh - Csázsár. 1595 war Rohrbach im Besitz von Franz Dersffy von Szedarhely und seiner Tochter Ursula. Er verpfändete Rohrbach um 5400 Taler an Stefan Listy und kurz darauf an Magdalena Thurzó.

Dersffy sympathisierte mit den Aufständischen Bocskais, was für Rohrbach schwerwiegende Folgen hatte. Die Rebellen hatten im Rohrbacher Meierhof einen Stützpunkt und wurden auf Anordnung Desffys versorgt. Sie zündeten Marz an und töteten zwei Personen. Den Wr. Neustädtern raubten die "rebellischen Hungern und anderes böses Gsindl" das Vieh. Wr. Neustädter Reiter und Schützen setzten ihnen nach und griffen gemeinsam mit den Marzer Bauern Rohrbach an. Einige Rohrbacher, die sich wehrten, wurden niedergeschossen, das Dorf angezündet. Den Meierhof einzunehmen gelang allerdings nicht. Die Stadt Wiener Neustadt wurde vom Hofkriegsrat wegen des unbedachten Ausfalls gerügt. Im Oktober 1605 wurden die Dörfer der Herrschaft Forchtenstein und auch Rohrbach geplündert und gebrandschatzt.

1612 heiratete Nikolaus Esterházy Ursula Dersffy und kam damit in den Besitz von Rohrbach. 1618 verpfändeten sie Rohrbach mit dem Edelhof und der Meierei, aber ohne die Pulverstampf, an Sandrinus Bakach, Hauptmann von Kesthely und seine Frau, an Simon Eördögh, Hauptmann von Pölöske und an Johann Darabos und dessen Frau um 15 400 ungarische Gulden. Das Pfand erwarb Nikolaus Sárkány von Akosháza und wurde 1639 von Nikolaus Esterházy rückgelöst. Seither blieb der Ort im Besitz der Esterhazy, wurde  1722 der Herrschaft Eisenstadt und 1738 der Herrschaft Forchtenstein angeschlossen.

1599 gab es 78 bewohnte Häuser, 1600 60 bewohnte Häuser, 16 waren öde. 1601 waren als Folge der Pest nur mehr 40 Häuser bewohnt. 1640 wurde ein Urbar erstellt. Im Dorf lebten 95 Familien. 12 Bauern hatten eine halbe Ansässigkeit, die übrigen Viertel- oder Achtellehen. 1675 war der Besitz schon weiter aufgesplittert. 1677 gab es 11 Halblehen, 42 Viertel- und 4 Achtellehen sowie 30 ganze und 11 halbe Hofstätten. Meierhof, Gemeindehaus und Pulverstampf werden erwähnt. An den Grundherrn mussten 126 Gulden gezahlt und 158 Hennen, 101 Kapaune, 584 Eier, 1 Kalb, 70 Pfund Wolle, 2 Pfund Pulver und 31 Pinten Wein abgeliefert werden. 1720 gab es 55 Bauern und 15 Häuslerm

Aus den Antworten auf die "Neun Punkte" in Vorbereitung des Maria Theresianischen Urbars gaben die Rohrbacher an, dass sie keinen Kontrakt mit der Herrschaft hätten, 113 Gulden pro Jahr zahlten. Die Robot wurde auf einen Tag pro Woche und ganzer Ansässigkeit festgesetzt. In Zeiten großen Arbeitsanfalls (Heumachen, Schnitt, Lese ...) konnten Hand- und Zugrobot verdoppelt werden, doch musste diese vermehrte Robot später ausgeglichen werden. Behauste Inwohner hatten 18 Tage Handrobot, unbehauste 12 Tage Handrobot zu leisten. An Stelle des Neuntels sollten 4 Gulden pro ganzer Ansässigkeit bezahlt werden. Die Urbarialtabelle von 1767 weist 44 Höfler,  93 Söllner mit Haus (Inquilini) und 39 Söllner ohne Haus (Subinquilini) aus. Anders als in den Nachbargemeinden wurde die Maria-Theresianische Urbarialreform von 1767 begrüßt und die nunmehr reduzierte Robot als große Erleichterung empfunden.

Bevölkerungsentwicklung, Kroatenansiedlung

Die Ansiedlung von Kroaten wurden vermutlich von den Weispriach eingeleitet. In der Urbarialkonskription von 1554 scheinen breits kroatische Namen neben den deutschen auf.  1627 überwogen noch die Kroaten. Von den 44 Sessionalisten trugen nur 8 deutsche Familiennamen, von den 32 Hofstättlern 14.  1674 predigte Pfarrer Milajkovicz nur jeden dritten Sonntag deutsch. Zu dieser Zeit war offenbar die deutsche Zuwanderung bereits im Gang. 1663 wird die Bevölkerung als kroatisch-deutsch bezeichnet ("Incolae loci sunt omnes catholici, partim Croatae, partim Germani ..." Buzás II,S 264). Rohrbach ist allerdings von deutschen Orten umgeben und auch die Zuwanderer kamen aus diesen Orten. So konnte sich die kroatische Sprache auf Dauer nicht behaupten. Vor allem nach der Rekatholisierung von Marz und den übrigen Dörfern der Esterházyherrschaft fiel eine früher wichtige Barriere zu den meist evangelischen Deutschen weg. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verschwand die kroatische SpracheUm 1750 sprachen nur mehr die alten Leute kroatisch, die Jungen verstanden damals nur mehr Deutsch.Magyaren gab es in Rohrbach kaum. Mit dem Einsetzen der Magyarisierungspolitik bekam Rohrbach Ungarn als Pfarrer zugeteilt 1892 gaben nur 12 Personen Ungarisch als Muttersprache an. Nach dem Anschluss an Östereich sprachen nur mehr die Pfarrer, die Notare (Benkö) und einige Lehrer sowie die Verwalter des Meierhofes und Angestellte des Ziegelofens ungarisch. Vom 19. Jahrhundert bis  zu ihrer Deportation 1939 gab es einige Romafamilien, die auf dem Kogelberg in Erdhöhlen lebten und später auf dem Krautacker - Spitz Hütten bauten. In der Zwischenkriegszeit wurden sie in den Bachgraben umgesiedelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam ein Rom zurück, wanderte aber bald nach Wien ab. Das von der Gemeinde gebaute Haus wurde abgerissen.

1756 gab es 49 Lehensbesitzer, 88 Söllner mit Haus und 37 Söllner ohne Haus. Die hohen Bevölkerungsverluste durch die Türken 1683 wurden durch Zuwanderer aus Württemberg ausgeglichen. 1802 hatte das Dorf 960 Einwohner, 1818 978, 1823/24 wurden 1003 Einwohner gezählt. 1838/39 kündigte sich mit 1126 die beginnende Bevölkerungsexplosion an. 1870  hatte das Dorf 1451 Einwohner, 1900 schon 1767, 1910  2099. Nach den hohen Verlusten im Ersten Weltkrieg wurden 1923 2088 Menschen, 1934 2247 Personen gezählt, und dies trotz der hohen Auswanderung. 1951 hatte Rohrbach 2218 Einwohner, 1961 2300 und 1971 2551. Bis 1991 stieg die Einwohnerzahl erneut an, auf 2669. Seither stagniert sie. 2014 betrug die Einwohnerzahl 2692 Personen. Die Volkszählung 1850 ergab 282 Wohnparteien und 172 Häuser. 1206 Bewohner waren Deutsche, 2 Ungarn, 1 Kroate und 4 Juden. 1209 Personen waren Katholiken. Die in der Landwirtschaft Beschäftigten (95 Häuser, 103 Wohnparteien) besaßen 71 Pferde, 97 Ochsen, 75 Kühe und 414 Schafe.

Um die Jahrhundertwende begann die Auswanderung nach Amerika. Diese lebte 1923 wieder auf und erreichte innerhalb weniger Wochen sehr hohe Zahlen. Am 13. März 1923 etwa verließ eine Gruppe von 30 Burschen und einigen Mädchen den Ort in Richtung Argentinien. Die Auswanderer hatten oft ein schweres Leben in ihrer neuen Heimat. Die meisten von ihnen waren Hilfsarbeiter. Einige kehrten nach Rohrbach zurück.

Um 1750 wurden "10 kleine Holden Häusl" am Ende des Dorfes an einer "bergigen Gstöttn" erbaut, 1782 bis 1785 "zehn Klein Häußl auf dem Anger ober des Dorfs". 1853 wurden mit den Zinshäusern 25 neue Hausplätze geschaffen.

Wirtschaft

Der Ackerbau war in Rohrbach immer durch die kleinen Besitzungen und die relativ unfruchtbaren Böden geprägt. 1951 waren aber immer noch 341 Personen in der Landwirtschaft beschäftigt, 1971 nur mehr 54. 1951 gab es 176 Betriebe mit einer Nutzfläche unter 2 Ha, 81 Betriebe hatten 2 - 5 ha und nur 64 Betriebe hatten 5 bis 20 ha. 1960 gab es noch 64 Vollerwerbsbetriebe und 258 Nebenerwerbsbetriebe. Bis 1970 sank die Zahl der Vollerwerbsbetriebe auf 27, 7 waren Zu- und 254 Nebenerwerbsbetriebe.

Der Weinbau hatte früher auch in Rohrbach große Bedeutung, In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stand der Ort mit seiner Weinbaufläche an dritter Stelle in der Herrschaft Landsee-Lackenbach, nach Neckenmarkt und Siegendorf. Im Meierhof lagerten im Jahre 1642  275 1/4 Rohrbacher Eimer Wein, im nächsten Jahr 234 Eimer. 1722 vernichtete ein sehr starker Hagel die Weinkulturen nahezu zur Gänze. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ging der Weinbau stark zurück, wie man am Absinken des Weinzehents und der Bergrechtsabgabe ersehen kann. Nach wie vor gab es aber zwei große Hofweingärten. und auch die Wr. Neustädter Pauliner besaßen einen großen Weingarten.  Der Bannwein, den die Gemeinde von der Herrschaft zwangsweise kaufen musste, wurde nicht getrunken. Er wurde um 60 Gulden abgelöst.1857 kauften die Rohrbacher von der Herrschaft um 1600 Gulden das Schankrecht. Das Gemeindewirtshaus bestand bis 1923 und wurde dann verkauft.

Der Obstbau war in Rohrbach schon immer sehr wichtig. Auch die Grundherrschaft besaß zwei Obstgärten. Zu den bevorzugten Obstsorten gehörten die "Mäschanzker Äpfel, Pärgamotti Birn, Spänische Weinlinger, Pogatsch Apfel, Ränet Apfel". Edelkastanien waren schon im 17. Jahrhundert sehr wichtig. So wurden etwa die unrentabel gewordenen Weingärten im Kalkgrund mit Kastanien ausgesetzt. Im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden sehr viele Kirschbäume gesetzt. In der Nachkriegszeit spielte der Obstbau noch eine wichtige Rolle und war eine bedeutende Einkommensquelle. Im Jahre 1938 wurden in Rohrbach 19 235 Obstbäume gezählt, darunter 9 207 Kirschbäume.  In der Zeit der Wirtschaftsblüte wurden die Obstbäume zwar vernachlässigt, galten aber immer noch als "stille Reserve", etwa bei Arbeitslosigkeit. In jüngster Zeit findet der Obstbau wieder Aufmerksamkeit. Der sehr aktive Obstbauverein hat auf dem Gelände des früheren Ziegelofens einen riesigen Obstgarten mit vielen verschiedenen Sorten angelegt.

Die Wälder bei Rohrbach waren immer von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Das Holz wurde in waldarme gebiete, bis in den Seewinkel, verkauft. Im Waldgebiet gab es immer wieder auch Hotterstreitigkeiten, etwa mit der Stadt Ödenburg. Der mustergültig bewirtschaftete Urbarialwald umfasste 600 Joch, die Urbarialgemeinde hat 150 Mitglieder.

Grundablöse

Die Grundentlastung der nichturbarialen Gründe (Rottgründe, Überlandgründe, Weingärten ...) erfolgte 1870 und belastete den Ort schwer. Gleichzeitig wurde eine Kommassierung durchgeführt, vor allem um die Herrschaftsbreiten abzugrenzen. Rottgründe von 257 Joch  wurden so abgelöst, dass ein Drittel der früheren Herrschaft zufiel. Von weiteren 467 Joch waren 144 Joch mit Obstbäumen bepflanzt, der Rest unproduktiv. Die Obstgärten mussten in Geld abgelöst werden, das Joch mit 70 Gulden, insgesamt 10 073 Gulden. Für 395 Joch Remanentialgründe mussten etwa 1000 Gulden bezahlt werden. Auch die Holznutzung musste in Geld abgelöst werden (1288 Gulden). Von der Hutweide wurden insgesamt 11 Joch an Baumschule, Reitschule, Friedhof, Pfarre, Schullehrer und Notar abgetreten. Von Weide und Waldweide in der Größe von 895 Joch   entfielen 335 Joch an die Herrschaft, die sie aber um 20 Gulden pro Joch der Gemeinde überließ. Zu den Zahlungen kamen noch die von 1848 bis 1870 berechneten Zinsen in der Höhe von 11 323 Gulden. Die Ablösegelder mussten in 12 gleichen Jahresraten an die frühere Herrschaft bezahlt werden. Der Herrschaft verblieben 57 Joch Acker, 80 1/2 Joch Wiesen, 85 Joch Rottgrundanteil, insgesamt 225 1/2 Joch, die auf drei hroße Flächen kommassiert wurden.

Der Meierhof

Unter den Esterházy wurde der Edelhof zum Gutsbetrieb ausgebaut. Die Rohrbacher mussten alle Hofäcker, -wiesen und -weingärten bearbeiten. 1640 umfasste das Herrenland 100 Joch Acker und 49 Tagwerk Wiesen. Der Meierhof bestand aus Stadl, Keller und Presshaus mit zwei Pressen. Beim Stadt gab es eine Eisgrube. 1641 waren drei Personen ständig beschäftigt: neben Meier und Meierin ein Kuhhirte. 1675 umfasste der Herrschaftsgrund 73 1/2 Joch Acker, 46 1/2 Tagwerk Wiesen. Ein Teil des Ackerlnades wurde anscheinend in Wiesen und Weingärten umgewandelt.

Im 18. Jahrhundert wurde der Meierhof großzügig um- und ausgebaut. Im Keller wurden auch die Weine aus anderen Orten gelagert. Es war ein Hofbinder angestellt, der Bindholz aus der Herrschaft Kapuvár bezog. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde vor allem Jungvieh gehalten.

In einem "Beschwerdebrief" an den Grundherrn  von 1766 führten die Rohrbacher an, dass sie den Meierhof allein hatten bauen müssen und auch für dessen Erhaltung zuständig waren. Sie mussten auch in anderen Ortschaften Robot leisten und den Wein und das Getreide aus dem Rohrbacher Meierhof weiter transportieren. Brenn- und Bauholz mussten sie auch in entfernte Orte liefern.  Im Ort mussten sie 220 Pfund Weingärten, 120 Tagwerk Wiesen und 70 Joch Acker bearbeiten. Die Rohrbacher beschwerten sich auch über hohe Gebühren bei Grundstückskäufen.

1870 wurden die Meierhofbreiten kommassiert und der Betrieb modernisiert. Dampfpflüge und eine Dreschmaschine wurden eingesetzt.

In der Rätezeit wurde Esterhazy enteignet, danach wurde der Meierhof an Hartig und Rothermann, also an die Hirmer Zuckerfabrik, verpachtet. Damals waren 10 Knechte und zwei Taglöhner und 60 - 80 Saisonarbeiter beschäftigt.

1929 stellten die Esterhazy den grundherrschaftlichen Betrieb ein. Die Äcker wurden verpachtet, wobei die Pacht relativ hoch war. Gegen Ende des 2. Weltkrieges waren im Meierhof volksdeutsche Flüchtlinge untergebracht.  Mit der Beschlagnahme der Esterhazygüter durch die sowjetische Besatzungsmacht wurden neue Pachtverträge aufgesetzt. Für einige Bauern wurde die Weiterpachtung eine "Gewissensfrage", sie verzichteten auf die Fortsetzung ihrer Pachtungen. Im Meirhofgebäude waren die Milchsammelstelle und einige Gewerbebetriebe.

1956 wurde der gesamte Esterhazybesitz in Rohrbach zum Verkauf angeboten. Es wurde eine Grunderwerbsgenossenschaft gebildet, die "Anteile" nach dem Los vergab, wobei ganze Anteile nur von den Bauern, halbe auch von Nebenerwerbsbauern erworben werden konnten. Der Kauf von einem ganzen Anteil (30 000 Schilling) wurde in 6 Jahresraten bezahlt. Dies bedeutete eine hohe Belastung für die Bauern. Später allerdings, als manche Grundstücke zu Bauland wurden, sollte sich der Zukauf lohnen. Die Gemeinde kaufte 1958 2,8 ha Grund für einen Sportplatz und Bauplätze. Das Gelände des Meierhofes wurde 1972 um 700 000 Schilling von der Gemeinde gekauft. 1975 wurden Räume im "Fürstenstadel" für die Weinkost adaptiert. Heute befindet sich am ehemaligen Meierhofgelände  das Gemeindezentrum mit Gemeindeamt, Post, Geschäften usw.

Kirche und Pfarre

In der Literatur wird manchmal gehauptet, dass Rohrbach schon 1253 eine Pfarrgemeinde war und eine Kirche bestand. Dafür gibt es allerdings keinerlei Beweise. Mit dem Bau der "alten" Pfarrkirche wurde erst 1659 begonnen. In der Reformationszeit gehörte Rohrbach als Filiale zu Marz. Sowohl die Weispriach wie auch Helene Oláh, die Schwester des Erzbischofs, begünstigten den Protestantismus. In Marz wirkte ein evangelischer Pfarrer. Die Rohrbacher kroaten weigerten sich aber, den Gottesdienst zu besuchen und Abgaben zu leisten. 1565 beschwerte sich der Pfarrer beim Grundherrn. Nach der Vertreibung des evangelischen Pfarrers besuchten die Kroaten den Gottesdienst in Marz, die evangelischen Deutschen Rohrbachs gingen nach Walbersdorf in die Kirche. Die Pfarre Marz - Rohrbach hatte zwei Weingärten zu bearbeiten, jedes Haus hatte ein Fuder Holz zu liefern, die Rohrbacher mussten 20 Metzen Getreide geben, die Marzer 18 Joch Pfarrgrund bearbeiten.

Das gespannte Verhältnis zu Marz wegen der Vorfälle von 1605 ließ die Rohrbacher Kroaten auf die Errichtung einer selbständigen Pfarre drängen. 1659 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen, die Fertigstellung zog sich aber noch lange hin. In der Visitation von 1651 wurden die deutschen Rohrbacher noch immer als Evangelische bezeichnet. 1663 wurde die Kirche fertig gestellt, 1664 eine eigene Pfarre eingerichtet. Als Pfarrhaus wurde ein ganzes Söllnerhaus angekauft.  Da die Kirche außerhalb des Ortes auf einem Hügel lag durfte die Messe an Wochentagen im Pfarrhof gelesen werden. 1683 wurde die Kirche von den Türken geplündert. 1685 war der Innenraum noch vollständig vernichtet. 1696 wurde der Zustand der Kirche als gut bezeichnet. In der josephinischen Landesaufnahme wird von "Ringmauern" um die Kirche berichtet. Schon 1813 schlug der Pfarrer vor, eine neue Kirche zu bauen, da die alte zu klein war. Das Kirchenschiff wurde verlängert und ein Turm gebaut.

Erst 1953 wurde wieder ernsthaft über einen Kirchenneubau diskutiert.1959 wurde mit dem Bau der neuen Kirche begonnen. 1972 kaufte die Gemeinde die alte Kirche, um auf dem Gelände eine Leichenhalle zu errichten. Der Abriss der alten Kirche konnte nicht verhindert werden.

Die Rohrbacher Pfarre war aber noch lange Zeit eine der ärmsten der Region. Die Pfarre besaß zwei Weingärten, 36 Pfund groß. Auch der Pfarrer hatte einen Weingarten mit 15 Pfund und 7 Joch Ackerland. Die Gemeinde weigerte sich, diese zu ackern. Jedes Haus gab ein Klafter Holz (zusammen 55 Klafter) und ein Huhn. Die Bevölkerung musste 66 Kübel Getreide geben, jeder Häusler 5 Groschen und ein Huhn. Der Pfarrer hatte zu Ostern 9 Tage das Weinschankrecht. Insgesamt waren die Einkünfte zu gering, um das Auskommen des Pfarrers zu ermöglichen. So erhielt der Pfarrer vom Bischof zusätzlich 58 Gulden jährlich. Das Pfarreinkommen betrug 1778 290 Gulden und 55 Kreuzer. 1873 galt Rohrbach noch immer als "arme" Pfarre. 1930 wurde die Ablöse der Naturalleistungen an den Pfarrer beschlossen.

Erste nachweisbare Pfarrer der neu errichteten katholischen Pfarre waren Lucas Krushitz, Johannes Milaikovicz und Georg Rosenich, also durchwegs Kroaten. Rosenich hatte Probleme mit dem Grundherrn, da dieser von den Weingärten der Kirche Zehent und Bergrecht verlangte. Es folgten Petrus Sankovicz, Georgius Kollachicz, Simon Fatul, Adam Lechner und Matthias Domsics, Johannes Unger, Michael Kugler und Mathias Michl. Im 19. Jahrhundert waren Paulus Perkovats, Andreas Szimeth, Georg Schwartz und Stephan Mersits Pfarrer. Mersits wurde wegen Betrügereien und Testamentfälschung aus der katholischen Kirche ausgeschlossen und wurde formell evangelisch, besuchte in seiner Heimatgemeinde Frankenau aber auch weiterhin jeden SDonntag die katholische Messe.  Es folgten August Stockinger, Ferdinand Adler (später Dechant und Propst in Eisenstadt - Oberberg), Josef Kloiber, Johann Szabo, Josef Hidegh und Petrus Peck. In der Zeit um den Anschlusskampf an Österreich war Josef Lukács Pfarrer (1916 - 1930), dann Josef Nagy (1930 - 1941) und schließlich Franz Stocker und Adalbert Hackl. Lukács gründete sofort nach dem Anschluss an Österreich einen Katholischen Mädchenverein, den ersten im Burgenland.

Mit der Pfarre wurde auch eine Schule errichtet und in einem Achtelhaus untergebracht. Als Lehrer wirkte 1674 der Kroate Andreas Pakicz aus Rohrbach. 1685 und noch 1713 wird Franz Herovicz als Schulmeister genannt. 1800 unterrichtete Anton Fürsatz 95 Schüler. 1803/4 besuchten im Winter 115 Kinder, im Sommer hingegen nur 20 den Unterricht. Gegen den Lehrer erhob der Pfarrer immer wieder Klagen. Auch der nächste Lehrer, Michael Bauer, vertrug sich nicht mit Pfarrer Schwarz. 1851 waren 246 Schüler schulpflichtigen 224 besuchten die Schule. Das Schulgebäude war in einem schlechten Zustand und Stuhlrichter Kleinrath ordnete eine Renovierung oder einen Neubau an. 1856 wurde ein neues Schulgebäude errichtet. Alle 177 Schüler wurden von einem Lehrer in zwei Klassen unterrichtet. Um die Jahrhundertwende wurde ein Neubau notwendig. 1917 wurde die Schule verstaatlicht und die Gemeinde verpflichtet, eine Volksschule mit vier Klassen zu errichten. 1924 wurde der Plan eines Neubaues wieder aufgenommen und ein Bauplatz gesucht. Die Gemeinde lehnte jedoch die hohen Kosten, die mit einem Neubau verbunden waren, ab. Für den Neubau musste ein hoher Kredit aufgenommen werden und dafür die Bundessteuerertragsanteile verpfändet werden. 1931 wurde die neue Schule eröffnet, mit nunmehr 6 Klassenzimmern und je eine Wohnung für den Schulleiter und den Schuldiener.   1935 wurde die Schule wieder in eine konfessionelle Schule umgewandelt und 1938 endgültig verstaatlicht.  1963 wurde der Bau eines Gemeindekindergartens begonnen und 1966 eröffnet. Zuvor war ein Projekt des Pfarrers im Hof der alten Schule gescheitert.

Wirtschaftliche Zugehörigkeit der Bevölkerung

In der Volkszählung von 1900 wurde die wirtschaftliche Zugehörigkeit der Bevölkerung erhoben. Von den 1767 Einwohnern lebten 1025 (58 %) von der Landwirtschaft, 258 (14 %) von Gewerbe und Industrie, 118 (6,7 %) vom Handel, 14 vom Verkehr, 19 Öffentlicher Dienst und Freie Berufe, 24 Hausgesinde. 274 Personen (15,5 %) waren Taglöhner.

1910 war der Anteil der in Gewerbe und Industrie Beschäftigten bereits auf 23,4 % angestiegen, vom Handel lebten nunmehr 9,9 %. Die Zahl der Taglöhner hingegen betrug nur mehr 142 (6,7 %). Der sozialökonomische Strukturwandel setzte also schon massiv vor dem 1. Weltkrieg ein. Immer mehr Erwerbstätige fanden in der Bauwirtschaft, vor allem als Pendler nach Wien und Niederösterreich, Arbeit.

Handel

Rohrbach  war früher als Dorf der Händler, der Geflügel- und Obsthändler, aber auch der Schmuggler bekannt. Gehandelt wurden Landesprodukte, aus eigener Erzeugung, aber auch zugekaufte Waren. Das Aktionsgebiet der Rohrbacher Händler erstreckte sich im Osten bis Kapuvár, im Norden über Wr. Neustadt, Baden bis Wien. In Ungarn wurden Geflügel, Eier und Milchprodukte gekauft. Es gab im Ort zahlreiche Marktfahrer, von denen vor allem die Geflügelhändler (Hühner, Gänse...) einen beachtlichen Wohlstand erreichten. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war der Schmuggel eine Haupteinnahmequelle. Wein, Fleisch und Eier wurden aus dem Ödenburger Raum vor allem nach Wr. Neustadt gebracht. Ab 1923 wurde der Schmuggel eingeschränkt und dadurch eine Auswanderungswelle ausgelöst. 1932 bis 1938 lebte der Schmuggel wieder auf, trotz des großen Risikos. Drei Rohrbacher wurden als Schmuggler erschossen, einige angeschossen. Die "Partieführer" der Schmuggler waren ebenfalls bewaffnet. Schließlich wurde der ganze Ort von einem Großaufgebot der Gendarmerie umstellt, Hausdurchsuchungen und Verhaftungen vorgenommen. Noch 1960 gab es in Rohrbach 23 Marktfahrer, 1977 nur mehr 6.

Gewerbe und Industrie

Die Salittererzeugung und die Pulverstampf wurde schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts erwähnt. Sie gehörte der Herrschaft, war aber an Private verpachtet.1528 wurde die Pulverstampf von Hans Georg und Apollonia Zackel aus Wr. Neustadt um 30 Gulden an Christoff und Veronika Schneider verkauft. Auf Verlangen musste dem Grundherrn Schießpulver geliefert werden. 1665 kam es zu einer Explosion, die auch ein Menschenleben forderte. Eine frühere Hofmühle verödete schon im 17. Jahrhundert. In späterer Zeit wurde das Getreide in den Wulkamühlen gemahlen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man in Rohrbach, Ziegel zu schlagen. Das Vorkommen an Tegel in der Nähe des Bahnhofes war bestens geeignet, der Tegel musste allerdings mit Sand vom Kogelberg gemagert werden. Die Ziegel wurden im Holzfeuer gebrannt. Der Ziegelofen der Familie Holzinger entstand beim Bahnhof bzw. dem heutigen Badeteich. 1904 wurde ein Ringofen gebaut. Der Ziegelofen wechselte mehrmals den Besitzer. Er erzeugte im Jahr etwa 2 Millionen Mauerziegel. Im Ziegelofen waren meist 20 bis 30 Arbeiter beschäftigt.Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ziegelofen noch einige Jahre von der Familie Ehrenreich weitergeführt und dann auf 10 Jahre verpachtet. Dann wurde der Betrieb eingestellt, die Gebäude abgerissen. Das Gelände wurde von der Gemeinde gekauft, die Lehmgrube dienste der Schuttablagerung.

1958 wurde ein Kunststoffverarbeitungsbetrieb gegründet, der aber schon bald Konkurs anmelden musste. Hingegen entwickelte sich die  Firma Polleres Plastic Kunststoffverarbeitung zu einem modernen und bedeutenden Unternehmen. Als Arbeitgeber ist auch der Malereibetrieb der Firma Polleres besonders wichtig. Die Betriebe wird nach dem Tod von Johann Polleres 2012 von seiner Tochter Mag. Judith Polleres - Vogler geleitet.

Infrastruktur und politische Entwicklung

1855 wurde die Trennung von Gemeindenotariat und Schuldienst verfügt und Bezirksnotariate geschaffen. Rohrbach gehörte zusammen mit Marz und Pöttelsdorf zum Bezirksnotariat Walbersdorf. Bezirksnotar war ab April 1856 Josef Mayerhofer, zuvor Beamter im Steueramt Wr. Neustadt. 1860 wurden die Bezirksnotariate wieder aufgelöst und die Notarsgeschäfte wieder den Dorfschullehrern übertragen. Nach dem Gemeindegesetz von 1871 war Rohrbach eine Kleingemeinde. Die Gemeinderepräsentanz bestand aus Richter, Vizerichter, Geschworene und dem Kreisnotär. Das neue Kreisnotariat umfasste Marz, Rohrbach und Sieggraben, Der Notariatskreis war zugleich Matrikelbezirk. Ab 1886 kamen zur Repräsentanz der Waisenvater und der Kreisarzt hinzu. Erster Kreisarzt war Dr. Pestl, der in Mattersburg wohnte. Ab 1913 war F. Fertsak Notär. 1914 wurde ein neues Gemeindehaus mit einer Notärswohnung gebaut.

Die Brandgefahr war groß und es gab auch in Rohrbach verheerende Großbrände. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die geflochtenen und mit Lehm verschmierten Rauchfänge verboten. Auch die Herrschaft drängte schon frühzeitig auf gemauerte Rauchfänge. 1891 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1900 entstand ein Spar- und Hilfsverein, erster Präses war der Gastwirt August Landl. Damit konnte die oft drückende Abhängigkeit von Geldverleihern und deren hohen Zinsen gemildert werden.

1926 wurde die Elektrifizierung beschlossen und 1929 begonnen, 1927 wurde das Gemeindeamt an das Telefonnetz angeschlossen. Die Gemeinde schloss dem Wasserleitungsverband  und dem Abwasserverband Wulkatal an. 1976 war der Ausbau der Kanalisation abgeschlossen.

Im November 1918 kam es in Rohrbach zu Unruhen, der Notär musste aus dem Dorf flüchten. Ein Deutscher Volksrat wurde gegründet und eine Nationalgarde aufgestellt.

Zur Zeit der Räteherrschaft 1919 bildeten in Rohrbach radikale Sozialdemokraten, die mit den Kommunisten sympathisierten, am 27. März einen "Arbeiter- und Bauernrat". Präes war Franz Herowits. Ein "Direktorium" wurde gewählt und ein "Schulrat" eingesetzt. Im Gemeinderatsprotokoll heißt es: "Der Rat übernimmt die bisherigen Agenden der Gemeinderepräsentanz und behält sich in jeder die Gemeindeinteressen berührenden Angelegenheit das strengste Kontrollrecht vor. Dann nun in die Sitzung gerufenen Gemeinderichter Johann Pinezich wurde der Beschluss zur Kenntnis gebracht und durch selben zur Kenntnis genommen" (nach Mayer, Diss. Rohrbach, S.244). Pfarrer Josef Lukács protestierte gegen die beabsichtigte Enteignung des Pfarrgartens. Am 13. Juni 1919 wurde eine "Liquidierungskommission" geschaffen, die das Vermögen der Kirche in Staatseigentum überführen sollte. Eine "Fruchtüberwachungskommission" wurde eingesetzt, die Schlachttiere mussten abgeliefrt werden. Am 7. August fand die letzte Sitzung des "Rates" statt, am 14. August trat die neue Gemeindevertretung zusammen, Johann Pinezich war wieder Richter.

Im Herbst 1919 wurde eine "Christliche Gesellschaftsrunde" gegründet. Anfang 1921 wurde der Vizenotar Andreas Benkö zum Notar gewählt.

Die Einstellung zum Anschluss an Österreich war wie in den meisten Gemeinden um Ödenburg komplex. Die Mehrheit der Bevölkerung, nach Schätzungen zwei Drittel, war proösterreichisch. Das galt sowohl für die Sozialdemokraten, für die Pendler, die in Österreich arbeiteten, wie auch für die kleine Gruppe der kirchenferneren Bauern, die deutschbewusst waren. Die noch immer in den Dorfrepräsentanzen maßgebenden, weil ja nach dem Zensuswahlrecht gewählten Ortsvertreter, christlich - sozial, stark von der Rätezeit traumatisiert und von den überwiegend "ungarisch - patriotisch" geprägten Pfarrern geprägt, war für den Verbleib bei Ungarn. Die Resolution, die vom Gemeinderat am 22. Jänner 1920 verfasst wurde, zeigt eindrucksvoll die Argumente der Anschlussgegner:

"Protest. Mit schweren Herzen nehmen wir die uns so demütigende Nachricht von den Friedensbedingungen zur Kenntnis. Wir, die als echte Deutsche, gute ungarische Patrioten waren und bleiben, weisen jeden ungerechten und willkürlichen Eingriff in unsere Rechte ab, und lassen uns nie von dem Herzen unseres lieben Vaterlandes, Ungarn nie trennen. Deutsche waren wir und Deutsche wollen wir bleiben in Ungarn, in unserem Geburtslande, wo wir in guten und in schlechten Zeiten als ehrliche, sich gutvertragende Waffenbrüder Hand in Hand mit den anderen Nationen Ungarns Gut und Blut für das Vaterland opferten. In diesem Lande wollen wir weiter leben und sterben, wo unsere Väter, Großväter, Mütter und Großmütter, Ahnen, Vorahnen und Kinder die ewige Ruhe fanden; - für dieses Land wollen wir mit unseren Kindern weiterarbeiten, damit wir uns auch als brave und folgsame Kinder dem vielfachen Dank würdig zeugen können. Wir wollen nicht an Deutschösterreich angegliedert werden, wir weisen alle diesbezüglichen Strebungen auf das energischste zurück, denn wir sind dessen sicher, dass Deutschösterreich für uns nicht sorgen kann und wir den sicheren Hungertod entgegengehen werden. - Wir weisen jeden Eingriff in unsere gerechte Sache auch deshalb zurück, da wir nicht geneigt sind, solch einem Staate Untertan zu sein, der uns in den Stunden der kommunistischen Gefahr keine Hilfe hatten leisten wollen, sondern im Gegenteile wo unsere Henker und Verderber, Diebe und Räuber, Mörder und Einbrecher liebevolle Gastfreundschaft genießen, und im Falle einer Angliederung die kommunistischen Gefühle wieder über uns geltend machen wollen. Wir als christliche Untertanen unseres schönen Vaterlandes wollen nicht Bürger eines solchen Landes werden, deren Führer die christlichen Ideen so verschmähen, und anderen Klassen den Vorzug geben. Wir wollen nicht Knechte der verschiedenen Räte von Deutschösterreich werden.

Alle diese schweren Gründe geben uns das Recht mit dem größten Nachdruck zu verlangen, damit man uns über unseren Willen erfrage, aber schon jetzt rufen wir hinaus in die weite Welt: Wir Deutschen in Ungarn - bleiben bei Ungarn. Und wenn unser Todesurteil trotzdem gefällt werde, treten wir mit demütigem Haupte vor den Altar unseres gerechten Richters und beten einstimmig: 'Allmächtiger Gott und Richter aller Völker, gibt uns unser Vaterland zurück, helfe uns wieder nach Hause und Ungarn, vielgeliebtes Vaterland auf baldiges Wiedersehen."

zitiert nach Mayer Josef, Dissertation, S. 315 f.

Zwischenkriegszeit

Die Zwischenkriegszeit war auch in Rohrbach durch wirtschaftliche Not und politische Konflikte geprägt. Die Verhältnisse waren durch die Dominanz der Christlichsozialen geprägt, die in den auch politisch aktiven Pfarrern Unterstützung fanden.

In der Gemeinderatswahl von 1923 erhielt die Christlichsoziale Partei 516 Stimmen und 8 Mandate, die Sozialdemokraten 384 Stimmen und 6 Mandate.Bürgermeister wurde Stefan Wittmann, Vizebürgermeister Franz Herowitsch, beide von den Christlichsozialen. 1927 erhielten die Christlichsozialen 658 Stimmen, die Sozialdemokraten 368 Stimmen. Bürgermeister war Stefan Rauhofer. 1931 kanditierte ein "Unpolitischer Wirtschaftsblock  und erhielt 157 Stimmen und zwei Mandate.Die Cristlichsozialen blieben stärkste Partei. Bürgermeister wurde Stefan Sauer, Vizebürgermeister Paul Herowitsch von den Sozialdemokraten. 1938 wurde Lorenz Michalitsch vom Gauleiter zum Gemeindevertreter bestellt.

1939 wurde die Straße nach Loipersbach gebaut.

Die Besetzung durch die Rote Armee war nur von kleinen Kampfhandlungen begleitet. Zwei Zivilisten wurden erschossen, Frauen wurden vergewaltigt. Viele  der Häuser wurden geplündert, zum Teil von Banden, an denen auch Einheimische beteiligt waren.

Nachkriegszeit

Im Provisorischen Gemeindeausschuss von 1945 war Karl Trimmel Bürgermeister. In der Gemeinderatswahl von 1950 erhielt die SPÖ 647 Stimmen und 8 Mandate, die ÖVP 697 Stimmen und 8 Mandate, Bürgermeister Stefan Rauhofer wurde sein Mandat aberkannt. 1951 wurde Anton Sinowatz von der SPÖ neuer Bürgermeister. Vizebürgermeister war Sigmund Leitgeb von der ÖVP. 1953 erhielt die SPÖ 774 Stimmen und 9 Mandate, die ÖVP 545 Stimmen und 6 Mandate. Anton Sinowatz blieb Bürgermeister. Die Wahl von 1958 brachte nur wenig Veränderungen. Die SPÖ erhielt 793 Stimmen und 9 Mandate, die ÖVP 563 Stimen und 6 Mandate.  Bürgermeister wurde Julius Gerdenitsch, Bruno Karner und Anton Sinowatz waren Vizebürgermeister. In den 1950er Jahren wurde das Stromnetz ausgebaut und ein neues Feuerwehrhaus errichtet. Von Esterházy wurde Grund für die Anlage eines Sportplatzes und für Siedlungshäuser gekauft. Der Ort wurde an die Ringwasserleitung angeschlossen, 1961 trat Gerdenitsch als Bürgermeister zurück, Nachfolger wurde Anton Sonowatz. Die Gemeinderatswahl von 1962 brachte der SPÖ 724 Stimmen und 8 Mandate, der ÖVP 585 Stimmen und 7 Mandate. Bürgermeister wurde Florian Kietaibl, Vizebürgermeister Sigmund Leitgeb von der ÖVP und Lorenz Pusitz von der SPÖ. 1963 wurde mit der Kanalisierung begonnen, Turnsaal und Kindergarten beschlossen. 1964 wurde Franz Pintsuk von der ÖVP erster Vizebürgermeister, 1967 begann die Bachregulierung. 1967 erhielt die SPÖ mit 792 Stimmen 9 Mandate, die ÖVP mit 655 Stimmen 8 Mandate. Bürgermeister blieb Kietaibl, Vizebürgermeister wurden Johann Horning (ÖVP) und Matthias Wildsperger (SPÖ). 1968 trat Rohrbach dem Abwasserverband Wulkatal bei. 1969 kaufte die Gemeinde den Meierhof, 1970 das Gelände des Ziegelofens. In der Gemeinderatswahl von 1972 errang die ÖVP mit 834 Stimmen und 12 Mandaten einen Erdrutschsieg. Die SPÖ erhielt 667 Stimmen und 9 Mandate. Bürgermeister wurde Lorenz Landl, Vizebürgermeister Stefan Michalitsch von der SPÖ und Johann Horning von der ÖVP. Weitere hohe Inbestitonen flossen in die Bachregulierung und Kanalisation sowie in die Bestattungshalle. 1982 wurde Franz Guttmann von der SPÖ Bürgermeister. In der Gemeinderatswahl von 1997 erhielt die SPÖ 58,9 % der Stimmen und konnte diesen Anteil  2002 auf  53,5 % noch steigern. Die Freiheitlichen erhielten 1998 überraschend  8 %, 2002 aber nur mehr 7,3 % der Stimmen. Bürgermeister wurde Alfred Reismüller. Der ÖVP - Kandidat Johann Weiss musste 2002 weitere Verluste hinnehmen. 2007 konnten SPÖ und ÖVP ihre Stimmenanteile halten, die Freiheitlichen verloren die Hälfte ihrer Wähler an eine Bürgerliste. Reismülller blieb Bürgermeister. 2012 verloren SPÖ und ÖVP leicht an Stimmen, die FPÖ konnte wieder 8,8 % der Stimmen unter Dipl. Ing. Dr. Herbert Schütz erreichen. Reismüller wurde erneut zum Bürgermeister gewählt.

Mayer, Josef, Studien zur Ortsgeschichte von Rohrbach. Phil. Diss. Wien 1976