purbach1

Ausschnitt aus der Schweickhardtschen Perspektivkarte von 1838

Die Ortsanlage ist regelmäßig, mit ursprünglich zwei Häuserzeilen und  einen großen Anger dazwischen (320 X 90 m), der später verbaut wurde. Im Norden entstanden schon früh fünf Hofstätten, die hauptsächlich von Handwerkern bewohnt wurden. Die Befestigung wurde erst 1630 bis 1634 errichtet. Die Gassen entlang der Mauern wurden später mit Scheunen bebaut. Im 18. Jahrhundert wurden mehrere Kleinhäuslersiedlungen, zuerst innerhalb der Mauern bei den Stadttoren, dann auch außerhalb der Mauern errichtet. Auf der "Perspektivkarte" ist nördlich des Ortes der Friedhof mit der Annenkapelle und dem Armenspitel zu erkenne, ebenso die Mühle "Am Spitz". In den 1870er Jahren wurde die Kellergasse mit insgesamt 80 Kellern angelegt, die als geschlossenes Ensemble bis heute erhalten ist.

 

 

Urgeschichte und Römerzeit

Der älteste Fund aus Purbach ist eine "Bombe", ein rundes Gefäß aus der ältesten Jungsteinzeit. Einige weitere Funde wie ein Steinbeil und ein "Schuhleistenkeil", eine keilförmige Steinaxt, stammen ebenfalls aus der Jungsteinzeit wie ein sehr schönes Gefäß der Linearbandkeramik. Aus einer kupferzeitlichen Siedlungsgrube stammt ein Hakenspiralohrring, der älteste Kupferfund in ganz Ostösterreich. Besonders schön sind die Gefäße aus den Gräbern der Bronzezeit, aus der Wieselburger Kultur. In der Urnenfelderzeit, der späten Bronzezeit, wurde die erste Befestigung auf dem Purbacher Burgstall angelegt. Später, in der Hallstattzeit, wurde diese weiter ausgebaut. Der Burgstall war eine Art Stammeszentrum und wohl Sitz eines Häuptlings, der ein weites Gebiet beherrschte. Die Textilherstellung dürfte eine große Rolle gespielt haben, denn auf dem Burgstall wurden zahlreiche Spinnwirtel und Webgewichte gefunden. Am Fuße des Burgstalles, bei Restaurant "Zum Spitz", wurde die zum Burgberg gehörende Talsiedlung lokalisiert.

Eine römische villa rustica lag in der Ried Steinhöfe. Sie wurde teilweise ausgegraben. Das Wohngebäude war mit einem kombinierten Fußboden- und Wandheizsystem ausgestattet, die Fenster waren bereits verglast. Innerhalb der viereckigen, ummauerten Anlage befanden sich die entsprechenden Wirtschaftsgebäude. An der Durchzugsstraße, der "Bernsteinstraße", liegen weitere römerzeitliche Fundstellen. Zwischen Purbach und Donnerskirchen befand sich wahrscheinlich eine "mansio",  vergleichbar mit einer Autobahnraststätte. Bei früheren Grabungen, noch in ungarischer Zeit, wurden zahlreiche römische Grabsteine gefunden sowie drei Altäre.  Zwei davon wurden 1949/50 beim Rigolen in der Ried Untere Breitenmoos Richtung Breitenbrunn gefunden.

Aus der Völkerwanderungszeit ist nur ein Paar awarischer Steigbügel bekannt.

Literatur:

Herdits, Hannes, Egermann Johann, Es begann vor 8000 Jahren. Von den ersten "Purbachern" bis zum Ende der Römerherrschaft. In: Prbach am Neusiedler See. Prbach 2007

Ohrenberger, Alois J, Der Burgstall in Purbach. Burgenländische Heimatblätter, 24. Jg. 1962

Saria, Balduin, Der Ausbau des Purbacher Burgstalles und seine wirtschaftliche Bedeutung. Burgenländische Heimatblätter, 25. Jg. 1963

Thomas Edit, Römische Villen in Pannonien. Beiträge zur pannonischen Siedlungsgeschichte. Budapest 1964

Mittelalter

Der Ortsname ist vom Burgbach, der durch den Ort fließt, abzuleiten.

Purbach wurde, wie die meisten Orte rund um den Neusiedler See, wahrscheinlich schon im 12. Jahrhundert von deutschen Kolonisten gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde König Stephans V. vom 10. Dezember 1270. In ihr verlieh der König dem Banus Ponith aus dem Geschlecht Miscolc, dem Gespan von Zala, den Ort Purbach. Erste bekannte Grundherrn war aber das deutsche Adelsgeschlecht der Buzád - Haholt. Im Kampf Stephans gegen seinen Vater Bela IV. hatten sich diese auf die Seite Belas gestellt. Stephan brandmarkte Nikolaus, den Sohn von Arnold aus dem Geschlecht Buzád - Haholt, weil dieser nicht zur Krönung erschienen war und damit die Huldigung verweigerte. Man lastete ihm außerdem an, dass er den Deutschen, also den Österreichern, die Burg Peleske ausgeliefert hätte. Ponith hingegen stand auf der Seite Stefans und wurde dafür belohnt. Den Buzád - Haholt wurde das castrum Purbach , das Dorf Kuesd (Kövesd) und ein Teil von Nykch (Nikitsch) entzogen.

Um die Ereignisse im Kampf zwischen Vater und Sohn, Ungarn und den "Deutschen" um 1270 zu verstehen, muss man etwas ausholen. 1241 fielen die Mongolen, die zuvor die südrussische und ukrainische Steppe erobert hatten, in Ungarn ein. Sie besiegten die Ungarn bei Mohi vernichtend. König Béla IV. wandte sich an seinen Nachbarn, den Babenberger Herzog Friedrich II. den Streitbaren von Österreich, um Hilfe und versprach ihm dafür die westungarischen Komitate. Diese Hilfe fiel nur sehr bescheiden aus, die Mongolen konnten bis nach Westungarn und bis vor Wr. Neustadt vorstoßen. Die Verwüstungen waren enorm, ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung fiel ihnen zum Opfer. Nur wenige der größeren und befestigten Siedlungen konnten ihnen standhalten. Auch Purbach wurde damals wahrscheinlich niedergebrannt. König Bela IV. floh bis an die dalmatinische Küste. Dann aber zogen sich die Mongolen völlig überraschend zurück. Batu Khan, ihr Anführer, erfuhr vom Tod des Großkahns Ögedei und eilte nach Osten, um dessen Nachfolge im Kernland des mongolischen Großreiches anzutreten.

König Béla IV. verlangte nun die von den Österreichern inzwischen besetzten westungarischen Gebiete zurück. Friedrich der Streitbare verweigerte dies und so kam es zum Krieg. Am 15. Juni 1246 trafen die beiden Heere an der Leitha aufeinander. Die Österreicher siegten zwar, Herzog Friedrich aber fiel in der Schlacht. Mit ihm starben die Babenberger aus. Die Babenberger Länder wurden aufgeteilt. Österreich fiel an Przemysl Ottokar II. von Böhmen, die Steiermark an Ungarn. Wenige Jahre danach rebellierte aber der steirische Adel, von Ottokar unterstützt. 1260  wurden die Ungarn bei Kroissenbrunn besiegt und verloren alle österreichischen Gebiete. Eine Folge dieser Niederlage, aber auch mehrerer innenpolitischer Fehler führten zum Aufstand gegen Bela IV. in Ungarn. Sein Sohn Stefan V., Herzog von Siebenbürgen, stellte sich an die Spitze des unzufriedenen Adels. Béla IV. musste sich nach Westungarn zurückziehen und konnte sich dort nur mit österreichischer Hilfe behaupten. 1266 wurde ein Waffenstillstand beschlossen. Als aber Béla IV 1270 starb nahm Stefan V. Rache an den Anhängern seines Vaters, darunter auch die Buzárd - Haholt. Deren Güter wurden unter Stefans Anhänger aufgeteilt. So kam Purbach an das ostungarische Geschlecht der Miscolc. Die verfolgten Anhänger Belas VI. flohen zu Ottokar von Böhmen, den sie überreden konnten, in Ungarn einzufallen. Das tat er dann im März 1271 mit einem großen Heer. Er stieß in Richtung Ungarisch Altenburg und Raab vor, eine Heeresabteilung wandte sich nach Süden, in Richtung Ödenburg. Ihr stellte sich die Burg Purbach entgegen, die von einem gewissen Sidou, Sohn des Grafen Sydou von Miley verteidigt wurde. Die Kämpfe um die Burg waren anscheinend sehr heftig. Auf Seiten der Angreifer fielen der Bruder des Otto von Haslau, "Zierde der Ritterschaft und Anführer des Heeres" und 50 Ritter. Auch unter den Verteidigern gab es Tote und Verwundete, Sydou wurde schwer verwundet. Die Burg konnte nicht erobert werden und blieb im Besitz der Ungarn.

Am 2. Juli 1271 wurde in Preßburg Friede geschlossen. König Stefan V. starb kurz darauf und sein Sohn Ladislaus IV. bemühte sich um eine Aussöhnung der Parteien. Dabei wurde unter anderen auch Purbach an den früheren Besitzer, Nikolaus von  Buzárd - Haholt, zurückgegeben, die Miskolc wurden anderwärtig entschädigt. Sie erhielten auch 10 Fass "heurigen Weines" (100 Eimer, etwa 9000 Liter) mit den entsprechenden Wägen und 40 Ochsen.

Die Streitigkeiten um Westungarn lebten wieder auf, als der ungarische König erneut versuchte, die Steiermark zu gewinnen. Ottokar von Böhmen marschierte daraufhin im April 1273  mit böhmisch-mährischen und österreichischen Truppen in Westungarn ein. Die Befestigungen von Leithaprodersdorf und St. Margarethen wurden eingenommen und die Burg von Purbach zerstört und später nicht wieder aufgebaut. Ottokars Heer drang bis zum Bakonywald vor und behielt die wichtigsten westungarischen Grenzfestungen besetzt. Erst nach Ottokars Tod in der Schlacht im Marchfeld 1278 im Kampf gegen Rudolf von Habsburg konnte König Ladislaus, der auf Seiten Rudolfs kämpfte, diese Gebiete wieder in Besitz nehmen.

Purbach blieb während dieser Zeit im Besitz von Nikolaus bzw. dessen Sohn Arnold von Buzád - Hahold. Der Abstieg dieser Familie hatte aber schon begonnen. Arnold musste vor 1290 Purbach um 63 Mark Silber an den österreichischen Adeligen Albert Stuchs von Trautmannsdorf verpfänden. Dagegen protestierten Ivanka und Ladislaus von Gatal, die mit Arnold verwandt waren. Sie brachten die Pfandsumme auf und kauften zwei Jahre später Purbach um 400 Mark Silber. Die Gatal waren eine Familie, die damals weite Besitzungen In West- und Oberungarn hatten, unter anderem auch Donnerskirchen und die Burg Rovo (Roy). Nach dieser Burg wird schon lange. bisher erfolglos, gesucht. Wahrscheinlich lag sie im Bereich von Stotzing.

Purbach hatte zwar keine Burg mehr, der Ort war aber mit Sicherheit befestigt, wahrscheinlich mit Graben und Wall, wobei der Wall mit einem Palisadenzaun verstärkt war. An den Ortseingängen waren einfache Toranlagen, die in der Nacht verschlossen wurden. Natürlich boten diese "Befestigungen" keinen Schutz gegen größere Heerhaufen. Kleinere Banden von Räubern oder von plündernden Söldnern konnten dadurch immer wieder abgeschreckt werden. Derartige Bedrohungen gab es damals und in den Grenzwirren des 15. Jahrhunderts immer wieder. 1390 etwa wurden Ödenburger Kaufleute, die vom Jahrmarkt in Petronell zurückkehrten, zwischen Schützen und Purbach von einer Bande von 40 Mann, die aus Österreich kamen, überfallen und ausgeraubt.

Nach der ursprünglichen Anlage war Purbach ein Breitangerdorf. Der Anger zwischen Hauptstraße und Kirchengasse war zumindest teilweise nicht verbaut und wurde vom Bach durchflossen. Am Anger entstand die Kirche, die dem Hl. NIkolaus, dem Schutzpatron der Fischer, geweiht war. Die Pfarrkirche wird erst 1418 erstmals urkundlich erwähnt, war aber mit Sicherheit weit älter. Purbach war vielleicht schon im 12. Jahrhundert, bestimmt aber im 13. Jahrhundert eine Pfarre.

In den Wirren nach dem Aussterben der Arpaden (1301) standen die Gatal so wie die meisten Adelsfamilien in Westungarn auf der Seite der Güssinger, die ein hohes Maß an Selbständigkeit behaupteten und sowohl den Herrschern Ungarns wie Österreichs trotzten. Der neue König von Ungarn, Karl Robert von Anjou, der die Güssinger schließlich in die Schranken weisen konnte, ging auch entschieden gegen deren Parteigänger vor. 1317 waren die Gatal erstmals davon betroffen. Güter des "ungetreuen Grafen Stephan", Sohn des Jeclein von Purbach, verlor seine Besitzungen in Ödenburg und in Wolfs. Sie wurden Rudolf von Pottendorf, einem Gefolgsmann des Anjou, übergeben. 1327, nach der endgültigen Niederlage der Güssinger bei Güns, verloren die Gatal wahrscheinlich auch Purbach. Wer der neue Besitzer des Dorfes war, ist nicht bekannt. Aus dem Jahre 1318 gibt es eine Urkunde, die den Verkauf eines großen Weingartens, "der da leit ze Puerbach an dem perig" durch Friedrich von Wallsee und seine Frau Adelheid an die Brüder Rudolf und Hartneid von Stadeck um 250 Pfund Wiener Pfennig bezeugt. Wie nicht anders zu erwarten hatten niederösterreichische Adelige also auch in Purbach so wie in vielen Gemeinden Westungarns Weingartenbesitz. Der Weinbau hatte schon im 14. Jahrhundert einen unglaublichen Aufschwung erlebt, gefördert vermutlich besonders durch die Zisterziensermönche. Die Anlage der Purbacher Kellergasse geht vermutlich auf die auswärtigen Weingartenbesitzer zurück.

1366 erwarben die Kanizsai den Ort Purbach. Seit 1364 waren sie im Besitz der Herrschaft Hornstein, der sie nun auch die Hälfte des Ortes Purbach anschlossen. 1392 wurde die Herrschaft geteilt, der östliche Teil mit Purbach wurde zur Herrschaft Eisenstadt. Die Kanizsai waren vor allem im Gefolge ihrer hohen kirchlichen Ämter sehr einflussreich. Erzbischof Stephan verschaffte 1372 der Herrschaft Hornstein von König Ludwig I. das "große Weinhandelsprivileg", das auch für Purbach äußerst wichtig wurde. Der Wein aus der Herrschaft konnte nahezu maut- und zollfrei über Preßburg nach Oberungarn, Schlesien und Polen transportiert werden. König Sigismund, der auf dem ungarischen Thron folgte, bestätigte und erweiterte dieses Privileg 1395 und 1396. Damit wurde auch der Weinexport in Sigismunds Erbländer Böhmen und Mähren möglich. Mit den Erträgen aus dem Weinverkauf konnten die Purbacher einigen Wohlstand anhäufen. Der Beweis dafür ist der Purbacher Münzschatzfund, der 1940 beim Umbau eines Hauses gemacht wurde. Er besteht aus 18 113 Silbermünzen mit einem Gewicht von 11 kg und wird heute im Landesmuseum in Eisenstadt aufbewahrt. Die meisten Münzen sind Wiener Pfennige, darunter aber auch Prägungen aus Oberungarn  Böhmen und Polen. Der Schatz wurde vor 1445, vermutlich wegen der damaligen Grenzkriege, vergraben. Wahrscheinlich hatte Purbach schon im 14. Jahrhundert eine riesige Weingartenfläche, die später kaum mehr übertroffen wurde.

Neben dem Weinbau spielte der Fischfang in Purbach schon im Mittelalter eine wichtige Rolle. Die Fischereirechte waren königlich, wurden aber an die Grundherrschaften übertragen und von diesen verpachtet. Fischwässer waren begehrt und oft auch umstritten. 1366 etwa beklagte sich die Stadt Ödenburg vor der Komitatsversammlung in Tschapring (Csepreg), dass Bischof Stephan Kanizsai und sein Bruder Magister Johann Kanizai Fischrechte in Purbach und in einigen Dörfern am Südufer des Sees in Anspruch nahmen, die seit alters her auf Grund einer königlichen Schenkung der Städt zustehen würden. Palatin Nikolaus Konth ließ die Dokumente prüfen und beließ die Fischereisrechte bei den Kanizsai. In Purbach entstand ein zunftähnlicher Zusammenschluss aller Fischer der Kanizsai-Herrschaft.

Die Fischereirechte waren nicht der einzige Streitpunkt zwischen den Kanizsais und der königlichen Freistadt Ödenburg. Die Stadt erschwerte den Weintransport in die südlichen Besitzungen der Kanizsai und pochte dabei auf ihr Niederlagsrecht. Das heißt, die transportierte Ware hätte in Ödenburg für einige Zeit angeboten werden müssen.  Die Kanizsai revanchierten sich, indem sie in Purbach, das ja an der wichtigen Handelsstraße, die nach Preßburg und von dort weiter in die "Oberländer" führte, die Kaufleute, die nach Ödenburg fuhren oder von dort kamen, schikanierten. Die Ödenburger pochten auf ihre Mautfreiheit im ganzen Königreich, die Mautner in Purbach wollten diese oft nicht anerkennen und beschlagnahmten, wenn nicht bezahlt wurde, die Waren. Die Ödenburger wandten sich an den königlichen Hof und die Kamizsai wurden ermahnt, diese Praktiken, die aus der Sicht der Stadt Straßenraub war, abzustellen.

Die Kanizsai gerieten zunehmend in die Mühlen der Grenzkämpfe um den ungarischen Thron und verloren durch mehrmaligen Frontwechsel schließlich ihren Einfluss. 1437 starb Kaiser Sigismund, sein Schwiegersohn Albrecht II. von Habsburg, folgte nach, starb aber schon zwei Jahre später als in seinem Heer, das er gegen die Türken sammelte, eine Seuche ausbrach. Seine Witwe Elisabeth war hoch schwanger. Die Mehrheit des ungarischen Adels wählte 1440 Wladislaw III. von Polen zum König. Dieser war erst 15 Jahre alt, von Polen erhoffte man sich aber Rückhalt gegen die Türken. Die weit ältere Königinwitwe Elisabeth sollte ihn nach dem Willen des Adels heiraten. Elisabeth weigerte sich und nahm den Kampf für ihren bald darauf geborenen Sohn Ladislaus Postumus auf. Mit Hilfe ihrer Hofadame Helene Kottanerin brachte sie die Krone an sich und warb Truppen an. Das Geld, das sie dafür benötigte, beschaffte sie sich, indem sie die Stadt Ödenburg und mehrere westungarische Herrschaften an ihre Schwager Albrecht VI. und Friedrich V., den späteren Kaiser Friedrich III., verpfändete. Die  Kontrolle über das Gebiet suchte man durch Söldnerführer zu behalten, etwa Nikolaus de Zeech, Berthold von Ellerbach und die Grafen von St. Georgen - Bösing. Letztere schlossen Purbach sogar ihrer Herrschaft Ungarisch Altenburg an, allerdings ohne Rechtsgrundlage. Sie mussten den Ort 1451 wieder zurückgeben. Die Kanizsai standen zunächst auf der Seite Elisabeths, wechselten dann aber 1442 zu Wladislaw. Sie setzten dabei auf das falsche Pferd, denn Wladislaw fiel schon 1444 in der Schlacht bei Warna gegen die Türken. Nun anerkannten auch die Kanizsai die Thronfolge des Ladislaus Postumus. Dieser stand noch unter der Vormundschaft seines Oheims Friedrich III. Nach seiner Volljährigkeit starb er 1457 in Prag. Möglicherweise wurde er vergiftet. Damit begannen die Thronwirren erneut. So wie die meisten westungarischen Adeligen wählten auch die Kanizsai 1459 Kaiser Friedrich III. zum König von Ungarn. Die Mehrheit des Adels entschied sich jedoch für Matthias Hunyadi, genannt Corvinus,  den Sohn des Türkenkämpfers Johann Hunyadi. Wieder waren es Söldnertruppen unter Ulrich von Grafenegg, die die westungarischen Herrschaften besetzten. Der Konflikt wurde durch Papst Pius II. beigelegt, der 1463 den Friedensvertrag von Ödenburg vermittelte. Die westungarischen Herrschaften, darunter auch Eisenstadt, blieben im Besitz von Friedrich III. Die Kanizsai hatten inzwischen erneut die Seiten gewechselt. Sie gingen zu Matthias Corvinus über. Der Kaiser entzog ihnen daraufhin die Herrschaft Eisenstadt und gab sie an Johann Siebenhirter. Dieser konnte sie zunächst auch behaupten, als Corvinus das Gebiet wieder eroberte und auch weite Teile Niederösterreichs besetzte. Später belehnte Corvinus seinen außerehelichen Sohn Johann mit den Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt und dann den ungarischen Stadtkommandanten von Wien, Stephan Zápolya. Corvinus starb 1490. Damit war die Thronfolge in Ungarn wieder offen. Friedrich III, bewarb sich für seinen Sohn Maximilian um die ungarische Krone. Der Großteil des Adels wählte aber Wladislaw, den Sohn des Königs von Polen. Maximilian vertrieb die ungarischen Besatzungen in Niederösterreich und Westungarn. Auf dem Weg zur Krönung kam es bis Stuhlweißenburg, dann meuterten aber seine Söldner, da er wieder einmal kein Geld hatte, um sie zu bezahlen. Die polnisch - ungarischen Truppen drangen vor und verwüsteten und plünderten im Sommer 1491 unter anderem auch Purbach. Im Preßburger Frieden vom November 1491 söhnten sich Habsburger und Jagiellonen aus, eine Doppelhochzeit wurde vereinbart. 1515 fand diese Hochzeit in Wien statt, König Ludwig II. von Ungarn wurde mit der Habsburgerin Maria verehelicht. Mit dem Tod Ludwigs II. in der Schlacht von Mohacs fiel die Krone Ungarns an die Habsburger. Die westungarischen Herrschaften kamen unter österreichische Verwaltung und blieben es bis ins 17. Jahrhundert.

Im Jahre 1500 wurde für die Herrschaft Eisenstadt ein neues Urbar angelegt, ein Besitzverzeichnis, das die Namen und Abgaben aller Bauern und Söllner enthält, nicht aber die Edelhöfe, von denen es auch in Purbach einige gab. Ein beträchtlicher Teil der Höfe, insgesamt 19, lag damals öde. Die Höfe, die bewirtschaftet wurden, waren - verglichen mit denen der Nachbardörfer, relativ groß, es gab viele Halblehenshöfe. Einige von diesen bewirtschafteten auch die Felder der öden Höfe. Es gab auffallend viele Hofstätten, die aber zum Teil ebenfalls öde Lehen bewirtschafteten. Offenbar hatten die Hoftstättler kein Interesse daran, die freien Lehenshäuser zu übernehmen. Die Namen der Bauern im Urbar sind durchwegs deutsch. Unter den 45 Lehensfamilien scheint auch ein Kroate mit Namen Walich (Balitsch)auf.


Frühe Neuzeit

Während des Türkenzuges gegen Wien im Jahre 1529 wurde auch Purbach erneut geplündert und verwüstet. In den folgenden Jahrzehnten bestimmte auch in Purbach die Türkennot das Leben. Die Dörfer waren ja ziemlich hilflos den Angriffen ausgeliefert. Die Kirche war das einzige Gebäude, das einigen Schutz bot. In Purbach kamen die Schanzen im Leithagebirge, der Burgstall oder die Grünwaldschanze, für einen Rückzug in Frage.  Die Bauern waren zwar bewaffnet, in den Verlassenschaftsverzeichnissen werden oft Säbel, Hellebarden und auch Gewehre genannt. Einem Angriff eines größeren Heeresverbandes konnte man aber keinesfalls standhalten, dazu waren die Bauern im Waffengebrauch viel zu wenig geübt. Zuflucht boten auch die Erdgänge.

Zu einer furchtbaren Katastrophe für den Markt wurde der Überfall der Kuruzzen in der Bocskairebellion 1605. Zahlreiche Männer wurden getötet, die Frauen und Kinder verschleppt. Nur wenige kehrten aus der Gefangenschaft zurück und auch noch Jahrzehnte später werden immer wieder Menschen erwähnt, die damals verschleppt wurden. Der Purbacher Marktrichter Peter Paar  kam  ums Leben, als er sich in einen solchen "Erdstall" versteckte, seine Frau wurde getötet. Der Marktrichter Ruepp Gagerer wurde niedergehauen, seine Frau verschleppt. Die drei Töchter des Georg Prunner, 16, 15 und 5 Jahre alt, wurden ebenfalls verschleppt, der Zimmermann Christoph Winter verlor seine Frau und seine vier Kinder. Der Halblehensbäuerin Agnes Schmidt wurden wurden drei ihrer vier Kinder geraubt, Andre Zinkhel verlor seine vier Kinder...

Trotz dieser Katastrophe dürfte es wirtschaftlich bald aufwärts gegangen sein. Der Ort blühte auf. Anteil daran hatte anscheinend der langjährige Marktrichter Martin Khern, der schon vor 1605 Marktrichter war, die Katastrophe überlebte und von 1607 bis 1631 immer wieder zum Richter gewählt wurde. Ab 1631 war er Gegendrichter der Herrschaft Eisenstadt. Er war anscheinend nicht nur angesehen,. sondern  auch sehr reich. Als er 1638 starb hinterließ er ein Vermögen von nahezu 20 000 Gulden. Zu seinen Schuldnern gehörten auch einige Gemeinden. Im Bethlenaufstand dürfte Purbach nur materielle Schäden, aber keine Menschenverluste erlitten haben. Für den steigenden Wohlstand der Purbacher spricht auch, dass sie ihren Markt 1630 bis 1634 mit einer Mauer umgaben. Die Befestigung war durch vier Sternbasteien an den Ecken und mit neun Rondellen verstärkt. Zwei Toranlagen wurden errichtet: das Haupttor (Türkentor) und das Tor zum See hin (Ruster Tor). Das Haupttor war durch ein Vorwerk verstärkt. Das dritte Tor (Brucker Tor) wurde wahrscheinlich erst später eingebaut. Der Grundherr Nikolaus Esterházy förderte den Bau der Befestigung. Die Bürgerschaft des Marktes wurde in "Rotten" eingeteilt, mit einem Rottmeister an der Spitze. Jede Rotte hatte einen Teil der Mauer zu verteidigen. Den Oberbefehl hatte ein Hauptmann, der vom Banntaiding bestellt wurde.

Unter kleineren Einfällen hatte auch Purbach immer wieder zu leiden. Während eines Türkeneinfalls 1647 wurde der Purbacher Andreas Grein verschleppt. Er konnte jedoch fliehen. Aus Dank für seine Rettung ließ er ein Votivbild malen (in der Nikolauszeche).

Während der zweiten Türkenbelagerung Wiens von 1683 hatte Purbach so wie die übrigen Orte der Region schwer zu leiden, zunächst unter den äußerst brutalen Überfällen durch die Tataren, die im Gefolge der Türken und Thökölys jeden Widerstand zu brechen hatten, dann unter den Plünderungen und Requirierungen von Lebensmittel und Futter für das riesige türkische Belagerungsheer. Es nützte nichts, dass Eisenstadt so wie alle anderen Städte den Türken gehuldigt hatten. In Donnerskirchen befand sich ein Lager der Tataren. Die neu erbaute Kirche wurde zerstört.

Die Herrschaft Eisenstadt, die um 1500 ihre größte Ausdehnung erreicht hatte,  wurde von den Besitzern, den Habsburgern, verpfändet. Die ersten Pfandherrn waren Heinrich und Sigmund Prüschenk bis 1508, dann folgte die aus Schwaben stammende Familie von Fürst. Veit von Fürst erwarb die Herrschaft um 13 000 Gulden. 7000 Gulden hatte er Kaiser Maximilian für dessen Zug gegen Venedig vorgestreckt. Die Fürst blieben bis 1553 Pfandherrn, nur 1517 bis 1527 war Christoph von Zinzendorf Pfandinhaber. 1553 folgte Hans von Weispriach. Allerdings gab es im Ort auch immer wieder Edelhöfe, die nicht der Herrschaft unterstanden, etwa ein ganzes Lehen der Herrschaft Scharffenegg, und Höfe der Herrschaft Pottendorf. 1626 war Christoph Teuffl Edelhofbesitzer. 1675 unterstanden 4 ganze und ein halbes Lehen der kaiserlichen Herrschaft Pottendorf und ein ganzes Lehen dem Grafen Harrach. Als die Esterhazy dann die Herrschaft Eisenstadt übernahmen wurden die "ausländischen", also österreichischen Besitzer enteignet.

Vor allem Hans von Weispriach baute seine Eigenwirtschaft - wie damals auch in anderen Herrschaften üblich - stark aus und bedrückte seine Untertanen. Nach zahlreichen Klagen der Bauern ordnete Kaiser Maximilian II. eine Untersuchung durch eine kaiserliche Kommission an. Sie stellte fest, dass kein Grundbuch vorhanden war und das Bergbuch unauffindbar war, Weingärten waren teilweise verödet und die Wälder in einem desolaten Zustand. Die Kommission ordnete die Erstellung eines neuen Urbars an, in dem die Pflichten der Untertanen geregelt wurden. Im Grundbuch sollten alle Käufe und Verkäufe vermerkt werden. Die Robot wurde mit 12 Tagen Zugdienst oder 24 Tagen Handdienst festgesetzt. Die Herrschaftsweingärten mussten im Zuge der Robotverpflichtung bearbeitet werden. Es war aber auch möglich, die Robot durch einen Geldbetrag (zwei Gulden für ein halbes Lehen) abzulösen. 1579 wird ein Eberhard Nürnberger als Besitzer von zwei Mühlen im Wert von 120 Gulden  genannt. Nürnberger stammte wahrscheinlich aus Ofen. In Purbach gab es eine Straßen- und eine Seemaut. Die Straßenmaut an der wichtigen Nord-Süd-Verbindung war sehr ertragreich. Ab 1678 war die Maut verpachtet. Ab 1690  hatte David Pollak, "Jud in Eisenstadt" die Mauten von Schützen und Purbach in Pacht und zahlte dafür jährlich 200 bis 400 Gulden.
1571 starb Hans von Weispriach. Kaiser Maximilian II. löste die Herrschaften Eisenstadt und Forchtenstein aus. Diese sollten nicht mehr verpfändet werden sondern von kaiserlichen Beamten verwaltet werden. Die drei Töchter Weispriachs erhielten einen Betrag von  77461 Gulden, wovon etwa die Hälfte die Untertanen der Herrschaft selbst aufzubringen hatten. Purbach musste 2500 Gulden beisteuern, nach Eisenstadt mit 4000 Gulden den höchsten Betrag.

Die beiden Herrschaften wurden in der Folgezeit von kaiserlichen Hauptleuten, Burggrafen und Rentmeistern verwaltet. Es waren dies Hannibal von Zinzendorf, Seyfried von Kollonitsch (1572 bis 1599), Johann Bernhard LÖbl von Greinburg (1599 bis 1609) und schließlich Leonhard Helfried von Meggau (1609 bis 1622) bis zum Übergang der Herrschaften an Nikolaus Esterházy.

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte der Purbacher Weinbau eine Blütezeit und trug zum Reichtum der bäuerlichen Oberschicht maßgebend bei. Mit 500 bis 600 Joch hatte Purbach die größte Weingsrtenfläche in der Herrschaft Eisenstadt. Mehr als die Hälfte davon war allerdings im Besitz Auswärtiger, vor allem der Stadt, der Bürger und der Klöster von Bruck an der Leitha.Die Brucker verkauften ihren "ungarischen" Wein nach Bayern, Oberösterreich, Salzburg, die Wr. Neustädter auch nach Böhmen, Mährenund Schlesien.  1570 hatten die Brucker 161 Viertelweingärten (ein Viertel = etwa 0,43 ha), 196 Viertel gehörten den Einheimischen. Bis 1589 stieg der Besitz der Brucker weiter anauf 47,4 ha. 1727 war der Brucker Besitz auf 4,5 ha geschrumpft. Die Auswärtigen bekamen mit dem Erwerb der Herrschaft durch die Esterhazy und der "Rückgliederung" an Ungarn immer mehr Probleme mit der Ausfuhr ihres Weines. Die Brucker und die Wr. Neustädter konnten ihre Weingärten natürlich nicht selbst bewirtschaften, Sie vergaben die Weingärten "in Bestand" an einen Hauer, der nach der Fläche entlohnt wurde oder an einen Weingartenknecht gegen einen jährlichen Lohn. Die Gründe für den Rückgang des auswärtigen Besitzes sind zu suchen in den Schikanen des Grundherrn, Konflikten um die Abgabenprivilegien und auch in der Weigerung der einheimischen Weinzierl, diese Weingärten zu bearbeiten - wohl auch unter dem Druck der Grundherrn.

Reformation und Gegenreformation

Bis 1550 wirkte Petrus Schopf als erster namentlich bekannter Pfarrer. Er hatte sich zuvor um die Pfarre Fischamend beworben, war aber von Kardinal Khlesl abgelehnt worden, da er mehr lutherisch als katholisch  war. 1550 bis 1558 waren Jakob Zeysl und danach für 10 Jahre Stefan Flachner Pfarrer. Flachner war mit Sicherheit Protestant. Er hinterließ zwei minderjährige Kinder und eine Witwe, die den Bartholomä Hendelius, Pfarrer von Breitenbrunn, heiratete.  Schon unter der Herrschaft der Fürst wurde der Ort evangelisch. Die religiösen Stiftungen wie die Purbacher Nikolauszeche wurden von der Gemeinde eingezogen. Unter Weispriach war dann nahezu die gesamte Herrschaft evangelisch. Die lutherischen Pfarrer wurden mit Unterstützung der Pfandherrn von den Gemeinden eingesetzt. Unter Hauptmann Kollonitsch fassten die auch in Purbach - wie in vielen anderen Gemeinden - die wortgewaltigen und gebildeten Flacianer Fuß. Sie konnten die evangelische Lehre in der Bevölkerung fest verankern. 1581 war der Flacianer Andreas Zschinkel Pfarrer in Purbach, nach Dr. Würffl, katholischer Vizearchidiakon, ein Mann mit großem Namen und Ansehen. 1582 setzte eine Klosterratskommission Zschinkel ab. Er blieb aber in Purbach, die Bevölkerung stand voll auf seiner Seite. Ein katholischer Pfarrer konnte sich gegen die feindselige Bevölkerung nicht durchsetzen. Es bewarben sich immer wieder katholische Priester um Purbach wie 1582 Michael Grimb und noch im gleichen Jahr Michael Wilholz. Letzterer stammte aus Rothenburg ob der Tauber und wurde vom Klosterrat empfohlen. Er wurde vom Raaber Bischof aber abgelehnt, da ihm "der wein vil zu laid thue". Er sei zwar ein guter Pfarrer, aber für eine Weinbaugemeinde nicht geeignet. 1583 suchte der Eisenstäter Priester Hans Hanemann um Purbach an, wollte aber auch die Pfarre Breitenbrunn dazu haben, wegen deren Erträge und auch, weil sonst die Purbacher nach Breitenbrunn auslaufen würden.  1584 bewarb sich Joachim Wöhrmann, Pfarrer in Penzing, um Purbach. Er dürfte die Pfarre tatsächlich bekommen haben und bis 1588 in Purbach ausgeharrt haben. Sein Nachfolger trat dann aus "kleinmuttigkeit und forcht" die Pfarrstelle nicht an.  Erst 1589 bis 1593  konnte sich Pfarrer Grundtner im Ort behaupten, ohne allerdings die Purbacher zum Katholizismus zurückzuführen. Die Rückgabe der Sebastianzeche konnte er aber erzwingen, obwohl die Purbacher die Existenz einer Frühmessstiftung zunächst schlichtweg abstritten. Eine Kommission wurde eingesetzt, die deren frühere Besitzungen feststellte und die Herausgabe an den Pfarrer erzwang. Die Kommission stellte allerdings auch fest, dass der Pfarrer ein "Konkubinarier" war und durch einen ordentlichen Priester ersetzt werden sollte. 1597 fand eine Visitation statt, die feststellte, dass der Altar durch die Flacianer entweiht worden war und man das Altarbild mit "weißen kalch" übermalt hatte.  1602 bis 1606 war ein Georg Balticus katholischer Pfarrer, der auch Breitenbrunn betreute. Dann war der Ort wieder ohne Pfarrer.  Erst 1610 wurde Paul Mayenbrunn eingesetzt, der auch für Breitenbrunn und Donnerskirchen zuständig war. Erst nach der Übernahme der Herrschaft durch die Esterhazy bekam der Katholizismus entsprechenden Rückhalt. Es sollte aber noch Jahrzehnte dauern bis die Bevölkerung wieder katholisch war.1621 bis  1638 war ein Allasich Pfarrer, dann Johann Prey und Johann Strebele sowie Georg Wilbers.Unter diesen gebildeten und tüchtigen Pfarrern konnte der Katholizismus wieder Fuß fassen. Unter Wilbers wurde die Kirche renoviert. In den Visitationsberichten wurden die drei Altäre als besonders schön gerühmt.  1637 wurde vom Grundherrn, vom Raaber Bischof Georg Draskovich und den Jesuiten versucht, die immer noch zahlreichen Protestanten in Purbach, aber auch in Oggau, Breitenbrunn, Donnerskirchen und in den beiden Höflein zu bekehren. Anlässlich einer Visitation 1651 wurden bereits alle Bewohner mit einer Ausnahme als Katholiken bezeichnet, 1659 waren die Bewohner mit Ausnahme eines Bauern und zweier Söllner katholisch. 1674 hieß es, "die Einwohnerschaft ist deutsch und gut katholisch". Von 1666 bis 1676 war Johann Markowitsch, ein Kroate aus Schützen, Pfarrer. Die Kirche brannte ab, wurde 1677 neu gebaut und 1680 geweiht. 1683 wurde die Kirche geplündert und in Brand gesteckt. Pfarrer waren in dieser Zeit Andreas Koch, Franz Peichtmann und bis 1703 Georg Schendl. 1742 ließ Christoph Braunstein, ein aus Purbach gebürtiger Pfarrer, den Pfarrhof neu errichten, ebenso die Annenkapelle im Friedhof.

1631/32 kam es in Prbach zu Hexenprozessen. Drei Frauen wurden wegen Zauberei hingerichtet.

Unter den Esterhazy

1622 bekam Nikolaus Esterhazy für 400 000 Gulden die Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt verschrieben, entgegen den Versprechungen, die man den Untertanen gemacht hatte. 1675 ordnete Paul Esterhazy die Einrichtung eines neuen Urbars an. In Purbach wurden 6 ganze Lehen gezählt. Davon waren drei kaiserliche Lehen, eines gehörte dem Grafen Harrach und eines zum Pfarrhof. Es gab ein Dreiviertel - Lehen, 44 halbe und 10 Viertellehen. Ein halbes Lehen gehörte zum kaiserlichen Schloss Pottendorf. Es wurde 1678 um 700 Gulden von der Purbacher Gemeinde gekauft. Zu den Viertellehen zählte der Gemeindekeller, der Kirchenkeller, der Leutgebkeller, ein Schulhaus, eine Schmiede, ein Badhaus, ein Halterhaus und das Spital. Dazu kamen 11 Achtellehen und 26 Hofstätten. An Kontraktgeld mussten laut Urbar 1800 Gulden bezahlt werden. Die Purbacher mussten 60 Eimer Bauwein trinken und 30 Eimer von ihrem Wein abliefern. An Bergrecht wurden 213 Eimer gefordert und 34 Gulden Schreibgeld. Die Fleischbank hatte 4 Centen 12 Pfund Inslett abzuliefern, die Maut brachte 150 Gulden. Herrschaftsgtründe waren ein Weingarten zu 36 Pfund und 19 Joch Wiesen, die von den Purbachern bewirtschaftet werden mussten. Zu einem ganzen Lehen gehörten in Purbach 16 Joch Acker und fünf Tagwerk Wiesen sowie 3 Joch Weingarten. Die Söllner hatten meist Überlandweingärten und übten daneben ein Handwerk aus. Die Zahl der Inwohner, meist Weingartenarbeiter, Taglöhner, Handwerksgesellen muss - wie in allen Weinbaugemeinden am See - hoch gewesen sein. Die Wohnungsnot war entsprechend groß. Ende des 17. Jahrhunderst wurde der Bau von 32 Kleinhäusern, vor allem beim Ruster Tor, genehmigt. 1702 wurden weitere 32 Kleinhäuser, diesmal außerhalb der Mauer, gebaut.

Der Besitzanteil der Auswärtigen betrug in Purbach mehr als 50 %. Viele Riednamen gehen auf die damaligen Besitzer zurück. Größere Besitzblöcke befanden sich in den Händen von Stadtpatriziern, Ministerialen und Kleinadeligen aus Österreich. Ab etwa 1570 wurden viele dieser Besitzungen an Einheimische verkauft. Einige Purbacher konnten damit einen beträchtlichen Weingartenbesitz anhäufen. Eine kleine Gruppe von Purbacher Bauern hatte, wie die Waisenbücher zeigen, Vermögen von über 5000 Gulden, in einzelnen Fällen sogar bis zu 20 000 Gulden, wie etwa der 1638 verstorbene Martin Kern. Er hatte 9000 Gulden verliehen, unter anderem an Personen aus Ungarisch Altenburg, Wien, Schwechat, Bruck und Eisenstadt, Auch einige Gemeinden in der Umgebung zählten zu seinen Schuldnern. Gertrud Liechtenheimer, die ebenfalls 1638 starb, hinterließ ein Vermögen von 5700 Gulden, darunter 30 vergoldete Silberbecher, -kannen und -schalen,55 Silberlöffel, vergoldete Frauengürtel usw. Neben diesen herausragenden, besonders reichen Familien gab es viele Bauern und Handwerker, die immerhin noch über Vermögen von 1000 bis 2000 Gulden verfügten. Selbst unter den Inwohnern, die zumeist Handwerker waren und daneben Überlandweingärten hatten, gab es Familien mit Barvermögen.

Neben dem Weinbau war der Markt auch ein Zentrum des Handwerks. Die Fassbinder waren besonders stark vertreten, Die Schneider errichteten als erste eine Handwerkszeche, 1601 wurde ihre Zunftordnung von der Herrschaft genehmigt. Es gab eine Zunft der Maurer, Steinmetze und Zimmermeister, ab 1615 eine Binderzunft. Sie galt als die reichste Zeche des Marktes. Es folgten Zünfte der Hufschmiede und Wagner, der Schumacher und der Fleischhauer. Den Purbacher Zünften gehörten auch Meister aus den Orten der Umgebung an.

1633 brach in Purbach die Pest aus, begünstigt durch die starke Überbelegung vieler Häuser und durch oftmalige Einquartierung von Soldaten. 1644 kam es erneut zu einen Pestausbruch, ganze Familien wurden ausgerottet. Die Purbacher gelobten damals eine jährliche Wallfahrt am 8. September nach Loretto und errichteten auf dem Weg das "Purbacher Kreuz". 1713 war wieder ein Pestjahr. 1673 äscherte ein Brand in kürzester Zeit den ganzen Ort ein, sechs Personen kamen dabei ums Leben. Weitere Großbrände gab es 1678 und 1767, als 141 Häuser, der Pfarrhof, das Schul- und das Quartierhaus abbrannten. Nur 16 Häuser blieben verschont. Auch im 19. Jahrhundert gab es noch einige schwere Brände: 1834, 1547, 1891 und 1898.

Der Türkenzug von 1683, die Überfälle der Tataren und der Haiducken Thökölys brachten für Purbach wieder schwere Zerstörungen. Offenbar wurden viele Häuser niedergebrannt. Im Rakoczy-Aufstand hingegen bot die neue Befestigungsanlage schon entsprechenden Schutz. Die 1702 mit Erlaubnis der Grundherrschaft erbauten 32 Kleinhäusel außerhalb der Mauer und das Armenhaus wurden aber geplündert und niedergebrannt. Der Bau von Schloss Esterhaza unter Fürst Nikolaus I. brachte für die Purbacher wie auch für die anderen Dörfer der Herrschaft eine erhebliche Mehrbelastung. 1765 etwa mussten 102 Zugdienste geleistet werden, um 31 mehr als im Kontrakt vorgesehen.

1802 wurde der Markt genau beschrieben. Ein ganzes Lehenshaus gehörte dem Grafen Harrach, drei ganze Lehen gehörten zur kaiserlichen Herrschaft Scharfeneck. Es gab 50 Bauernhäuser, 106 Söllner und 117 Holden sowie 16 Witwen. An Urbarialabgaben samt Robot hatte der Markt 986 Gulden zu entrichten. Die Zugroboten betrugen insgesamt 1800 Tage, davon waren 800 in Natura zu entrichten, der Rest wurde in Geld zu je 40 Denare abgelöst. Söllner und Holden hatten 3 312 Tage Handrobot zu leisten. Auf die 106 Söllner entfielen je 16 Tage. Sie konnten für 12 Kreuzer pro Tag abgelöst werden.  Von den  Söllnern mit und ohne Haus wurde als Neuntel 4 Kreuzer pro Lamm, 3 Kreuzer pro Kitz und 6 Kreuzer von den Bienen eingehoben. An Bergrecht wurden jährlich 214 Gulden bezahlt, für den Körner- und Weinzehent mussten laut Kontrakt jährlich 230 Gulden bezahlt werden. Die Äcker der Herrschaft und deren Weingärten mussten in Robot bearbeitet werden. Das Gemeindewirtshaus war von der Herrschaft an den Markt verpachtet. Für den halbjährigen Ausschank mussten pro Jahr 400 Gulden bezahlt werden. Außerhalb des Ortes war eine Mühle. Sie war im Eigentum des Rochus Unger und hatte an die Herrschaft Wasserzins zu zahlen. Zu Purbach gehörten mit 2316 Joch auch ausgedehnte Wälder.Zum Pfarrhof gehörten 16 Joch Acker, zahlreiche Wiesen und vier Weingärten. Das Schulhaus war in einem sehr schlechten Zustand. Die Gemeinde besaß vier Häuser, die von Zinsparteien, von Viehhirten und dem Nachtwächter bewohnt wurden. In der Mitte des Ortes lag ein Gemeindekeller mit einem Presshaus. Die darüberliegende Wohnung diente dem Bader. Das Spital außerhalb des Ortes wurde von den Dorfarmen bewohnt. Die Gemeinde hatte von der Herrschaft drei "Gewölbe", also Geschäfte, Greislereien gepachtet. In einem davon war der Wein-, Bier- und Branntweinausschank für 350 Gulden jährlich erlaubt.

In dem Kontrakt mit der Herrschaft wurden nicht alle Roboten abgelöst. Die Purbacher mussten die Wiesen des Donnerskirchner Meierhofes, einige Wiesen in Purbach und die Herrschaftsweingärten bearbeiten. Sie mussten das Korn von Donnerskirchen nach Eisenstadt bringen, 30 Klafter Holz machen und ebenfalls nach Eisenstadt liefern sowie Rohr schneiden. An "langen Fuhren" nach Wien, Preßburg und Esterhaza  hatten sie 12 mit Veirspanner und 12 mit Zweispänner zu leisten, im gleichen Ausmaß auch Fuhren nach Wr. Neustadt und Ödenburg, die aber von der Robotleistung abgezogen wurden. Zur Bewirtschaftung der Herrschaftsgründe fielen 1790 Zug- und 9594 Handroboten an. Per Kontrakt wurden 1040 Zug- und 2894 Handroboten um 995 Gulden abgelöst. Für Hauszins und Viktualien kamen 226 Gulden dazu. Die Gesamtsumme musste je zur Hälfte zu Georgi und Michaeli geleistet werden. Der Wein- und Kornzehent wurde ebenfalls in Geld abgelöst (1802 - 1804 je 130 Gulden). An weiteren Abgaben kamen dazu: Gewähr- Tax, Sterbegeld, Heiratkontrakte, Geld für die Einhebung des Kornzehents, Urteilsvollstreckungskosten, Sichelgeld (für die Beschäftigung fremder Arbeiter), Rauchfangkehrergeld, Monturgeld für die fürstliche Garde. Und selbstverständlich auch die staatlichen Steuern. In der Summe war die Belastung sehr groß, der Markt verarmte immer mehr.

Die Franzosenkriege brachten erneut schwere Belastungen. Der Ort hatte für die Versorgung der Truppen hohe Darlehen aufzunehmen.

Im 18. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung des Marktes rasch an, die Zahl der Söllner und besitzlosen Inwohner stieg besonders rasch an. Die Herrschaft erhob immer höhere Abgaben und in der Mitte des 18. Jahrhunderts, als auch die Absatzkrise im Weinbau wegen der Abtretung Schlesiens begann, war die Gemeinde Purbach stark verschuldet. Die Verwalter wurden schließlich sogar angewiesen, bei den Schuldnern Wein zu beschlagnahmen.

  1. 19. Jahrhundert

1809 verursachte die Besetzung des Ortes durch eine französische Militäreinheit  schwere Schäden und hohe Schulden. Die Franzosen blieben sechs Monate lang in Purbach. 1831, 1832 und 1846 brach die Cholera aus.1831 starben 74 Menschen, 1832 30 1836 13, Im September 1849 waren 95 Tote zu beklagen, 1873 erneut 20. Während der ersten Cholerawelle leistete der "Chyrurg" Bernhard Meditsch Hilfe und behandelte alle Kranken, auch wenn sie nicht zahlen konnten. Immer wieder gab es auch schwere Brände. so 1834, 1847, 1878, 1888. 1898 brannten 113 Objekte ab.

Die Grundentlastung war auch in Purbach mit einer Kommassierung verbunden. Die Grundherrschaft bekam die Felder rund um den Gutshof, der nahe der Hottergrenze zu Donnerskirchen lag. Er wurde erst nach dem 2. Weltkrieg abgerissen.

Die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts immer mehr. Die Bauernwirtschaften wurden unter den Nachkommen geteilt und so immer kleiner. Die Bevölkerung wuchs vor allem in der zweiten Jahrhunderthälfte stark an, die Wohnungsnot war groß. In den 1880er Jahren trat dann die Reblaus auf und vernichtete einen Großteil der Weingärten. Als letzter Ausweg blieb die Auswanderung, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzte. Sie ging zunächst in die USA, dann aber vor allem nach Argentinien. Die meisten Auswanderer waren Taglöhner, die keine Arbeit mehr fanden. Nicht allen Auswanderern gelang es, in der neuen Heimat Fuß zu fassen. Einige kehrten wieder zurück.

Am 1. Mai 1893 wurde in Ödenburg die Errichtung der Bahnlinie Ödenburg - Preßburg bekannt gegeben. Die 78,9 km kosteten 3 Millionen Gulden. Man hoffte auf baldige Gewinne, denn im Einzugsbereich der Bahn lebten 103 000 Menschen. Eine andere Interessentengruppe wollte die Route von Ödenburg nach Kroisbach - Rust - Donnerskirchen - Parndorf. Diese billigere Variante scheiterte am Einspruch Esterhazys, der unbedingt Eisenstadt einbinden wollte. Im Jahre 1897 konnte die Strecke eröffnet werden. 1930 bestanden in Purbach Lagerplätze der Esterhazy-Forstverwaltung und des Schilfrohrbetriebes Knoll. 1965 siedelte sich das Schaumstoffwerk Novotny, später Austrotherm, an- 1987 sollte die Strecke Wulkaprodersdorf - Parndorf geschlossen werden. Dagegen gab es heftige Proteste. 2007 wurde die Strecke elektrifiziert.

Die Pfarre wurde 1745 bis 1763 von Georg Reuter betreut. Unter ihm wurde der Pfarrstadel errichtet. 1763 bis 1790 war Franz Festl Pfarrer. Die Kirche wurde renoviert, Stefan Dorfmeister malte ein neues Altarbild. Nach Festl leitete Michael Peyer, ein gebürtiger Donnerskirchener, 41 Jahre lang die Pfarre. Stephan Dorffner war von 1831 bis 1851 Pfarrer. Er starb in geistiger Umnachtung. Unter Johann Koller wurde 1860 die "Frauensäule" im Dorf errichtet. Die folgenden Pfarrer waren Karl Varits und Stefan Lentsch, ein gebürtiger Oggauer, ab 1900 Emmerich Ernst, der zuvor Erzieher der FürstenEsterhazy war. 1916 folgte Peter Peck bis 1928. Es wurden neue Glocken angeschafft. Unter Andreas Goger wurde 1930 eine Generalrenovierung der Kirche durchgeführt. 1942 bis 1981 war Johann Kugler Pfarrer. 1948 wurde die Kirche erneut renoviert, 1971 das Kirchendach erneuert und 1973 die Renovierungsarbeiten abgeschlossen. Der Nachfolger des langjährigen Pfarrers Kugler wurde Dr. Franz Hillinger. 1982 wurde eine umfassende Kirchenrenovierung mit Zubau nach langer Diskussion beschlossen, 1983 mit den Arbeiten begonnen und 1984 der Bau geweiht. 1983 wurde Dr. Hillinger Dechant des Dekanates Rust, ab 1985 betreute er auch die Pfarre Breitenbrunn. 1992 wurde der Kindergarten von der politischen Gemeinde übernommen und mit einem Zubau versehen. Im jahre 2000 wurde die Pfarrkirche erneut gründlich renoviert, 2001 auch der Pfarrhof. 2002 ging Dr. Hillinger in Pension. Nachfolger wurde Dr. Okeke aus Nigeria.

Anschluss an Österreich und Zwischenkriegszeit

Während des Ersten Weltkrieges bestand in Purbach ein Spital, das nach einem Gemeinderatsbeschluss vom September 1914 in zwei Klassen der Volksschule eingerichtet wurde. Es standen 30 Betten zur Verfügung. Im Weltkrieg hatte Purbach 81 Gefallene und Vermisste zu beklagen.

Schon während des Krieges, vor allem aber in den Jahren danach spielte der Schmuggel über das Leithagebirge eine wichtige Rolle. Die wirtschaftliche Situation vor allem der Hulden war katastrophal. Es gab keine Arbeit. Frauen und Mädchen konnten in den Forsten der Esterhazys kleine Beträge verdienen, indem sie Eichelstupfen und Bäumchensetzen gingen. Nur im Frühjahr, in der Kirschenzeit, gab es Bareinnahmen. Die Auswanderung nahm in den Jahren nach dem Krieg wieder stark zu. 1923 sollen 20 Familien nach Argentinien ausgewandert sein.

1919 kam es zu einem Zusammenstoß mit ungarischen Soldaten. Während eines Heimkehrerballs im Gasthaus Lippl entstand eine Schlägerei. Die Ungarn bewaffneten sich am Bahnhof, wo ein Panzerzug stand. Sie schossen in das Lokal. Dabei entstand erheblicher Sachschaden, aber es wurde niemand getötet.

Vom 30 März 1922, also bald nach dem Anschluss an Österreich, ist ein Protokoll der Gemeindeverwaltungskommission erhalten. An ihrer Spitze stand Josef Steindl. 1925 wurde ein neuer Gemeinderat gewählt. Im Gemeinderat waren Christlichsoziale, Kleinbauernpartei und Sozialdemokraten vertreten. Bürgermeister wurde Michael Pressl. Richard Piaty war Gemeindeverwaltungssekretär, 1927 wurde er als Amtmann in den Gemeindedienst übernommen. 1927 wurde der Bau einer neuen Volksschule beschlossen. Die Pläne wurden aus Kostengründen mehrmals abgeändert, sodass die Schule erst 1930 fertig gestellt werden konnte. Nach der Wahl von 1927 waren nur mehr Christlichsoziale und Sozialdemokraten im Gemeinderat vertreten. Pressl blieb Bürgermeister. Die Ortsstraße war derartig desolat, dass die Bezirkshauptmannschaft die Instandsetzung anordnen musste. In der Gemeinderatswahl von 1931 erhielt die Wirtschaftspartei 4, die Liste Johann Schüller 4, die Christlichsozialen 3 und die Sozialdemokraten 3 Mandate. 1934 mussten die Sozialdemokraten zurücktreten. Johann Schüller wurde Bürgermeister. 1936 wurden zwei Gemeindepolizisten angestellt, ewin Gendarmerieposten und ein Gemeindearrest errichtet. 1937 wurde mit der Straßeninstandsetzung begonnen. Die wirtschaftliche Situation wurde immer schlimmer, da man keinen Wein verkaufen konnte.

Ab 1937 verstärkten die illegalen Nationalsozialisten ihre Tätigkeit. Es gab mehrere Hakenkreuzstreuaktionen. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Es gab in Purbach eine illegale Hitlerjugend. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der NS- Ortsgruppenleiter Johann Hölzl auch Bürgermeister. In seinem Gasthaus "Am Spitz" trafen sich die Nationalsozialisten. Hölzl wurde später Kreisleiter. Wirtschaftlich erholte sich der Ort, da nun der Wein zu einem guten Preis verkauft werden konnte. Bauernhöfe konnten an den "Entschuldungsaktionen" teilnehmen. Arbeit gab es bei der Asphaltierung der Hauptstraße und bei Drainagearbeiten zwischen Breitenbrunn und Purbach. Von 1941 bis 1945 waren Panzersoldaten in der Schule von Purbach einquartiert, der Unterricht wurde in das Gasthaus Brunecker verlegt. Während des Krieges waren etwa 200 Kriegsgefangene, darunter 40 Franzosen, eingesetzt.

Beim Bau der Reichsschutzstellung (Südostwall) waren in Purbach neben den Einheimischen Ostarbeiter und ungarische Juden eingesetzt. Ende 1944 wurden zwischen 700 und 900 ungarische Juden aus Budapest  nach Zurndorf und Donnerskirchen gebracht. Sie waren im Leisserhof in Donnerskirchen untergebracht, als "Lazarett" diente die "Puszta", ein desolater Hof der Esterhazy. Emil Deutsch, ein jüdischer Kaufmann in Purbach, musste mit seiner Frau nach Amerika auswandern, Irene Deutsch wurde ins Konzentrationslager gebracht, Peter Braunstein wurde deportiert. Im Lager  brach der Flecktyphus aus, der unter den miserablen hygienischen Bedingungen und der sehr mangelhaften Ernährung zahlreiche Opfer forderte. Erst Anfang Feber 1945 besserte sich die Situation unter einer neuen Lagerleitung geringfügig. Nach dem Krieg, 1949, wurden 300 Leichen von Opfern exhumiert und nach Ungarn überführt.

Während des 2. Weltkrieges fielen 119 Purbacher, 29 wurden vermisst.

Nachkriegszeit

Während der letzten Kriegstage kam es bei Purbach zu einem Gefecht. Am Ostersonntag und Ostermontag  1945 zogen sich die in Donnerskirchen stationierten Panzergrenadiere nach Purbach zurück. Am 3. April beschoss die sowjetische Artillerie einen Teil von Purbach. Die weit unterlegenen Deutschen zogen sich schließlich über das Leithagebirge zurück. Einige Häuser waren komplett, andere teilweise zerstört.

Der Ort wurde von entlassenen Ostarbeitern und Sowjetsoldaten ausgeplündert. Es kam zu zahlreichen Vergewaltigungen. Neun Personen kamen während der Besetzung und in der ersten Besatzungszeit ums Leben, darunter drei Frauen.  Im Pfarrhof wurde eine russische Kommandantur eingerichtet. Die Russen blieben bis 1955 im Ort. Sie waren im Deutsch - Haus untergebracht.

Erster Bürgermeister nach dem Krieg war Florian Gstettner, dem bald Johann Karner (SPÖ)  folgte. 1946 mussten mehrere Gemeindeangestellte und Angestellte der Raiffeisenkasse entlassen werden. Ein Jahr später wurde die Entlassung der Gemeindeangestellten aufgehoben. Im Juni 1946 musste wegen der vielen Diebstähle eine "Ortsverteidigung" eingerichtet werden.  Nach dem Krieg herrschte Nahrungsmangel, vor allem im Winter 1946/47. Viele Männer waren noch in Gefangenschaft, es fehlte an Zugtieren und Saatgut. Weite Anbauflächen waren durch den Südostwallbau und durch die Kriegshandlungen vernichtet, Getreidefelder wurden von den Pferden der Besatzungsmacht abgeweidet. Flurdiebstähle waren an der Tagesordnung. Vor allem während der Kirschenzeit fielen ganze Horden von Fremden über den Ort her. Der Schwarzmarkt blühte, vor allem für Wein wurde viel bezahlt. Der Zugsverkehr konnte erst im Mai 1947 endgültig wieder aufgenommen werden. 1947 wurde der beschädigte Kirchturm renoviert, 1948 das Gemeindegasthaus versteigert und der Bau eines Feuerwehrhauses begonnen. 1949 begann die Gemeinde mit der Straßensanierung und der Kanalisation, 1950 mit der Erneuerung der Straßenbeleuchtung. Die Restaurierung des Türkentores wurde beschlossen. 1951 wurde das "Spital" abgebrochen, eine Wohnung für den Totengräber, eine Leichenkammer mit Sezierraum errichtet. 1954 wurde der Stierstall und eine Wohnung für den Stierhalter errichtet. 1955 wurde die Ortsbachregulierung beschlossen, die "Puszta" von Esterhazy gekauft und der Beitritt zum Wasserleitungsverband beschlossen.

Die Siedlungsentwicklung war zunächst durch die Anlage von Kleinhäusel  und durch die Errichtung der Kellergasse in den 1870er Jahren gekennzeichnet, In den 1920er Jahren, als die Wohnungsnot besonders drückend war, wurden kleine Bauplätze an Inwohner vergeben. Nach dem 2. Weltkrieg wurden bis 1947 etwa 50 Häuser gebaut, bis 1956 entstanden 140 neue Häuser. Die Ausdehnung erfolgte nach Norden (Florianisiedlung) und in Richtung See (Untere Bahngasse, Gartengasse ...). Zu den zahlreichen neuen Einfamilienhäusern kamen auch neue Wohnhausanlgen. Von 1979 bis 1993 gab es 326 Baubewilligungen. Die Zahl der Häuser stieg von 451 im Jahre 1951 auf 1350 im Jahre 2007. Die Zahl der Einwohner schwankte bis in die 1860er Jahre  zwischen 1300 und 1500, betrug 1869 1734 um dann wieder zu stagnieren. 1920 lebten 1935 Menschen in Purbach. Dabei blieb es bis in die 1980er Jahre, . 1991 hatte der Ort schon 2348, 2001 2750 und 2005 2619 Einwohner, Tendenz stark steigend.

1950 gewann die ÖVP die Wahlen. Bürgermeister wurde Michael Sandhofer und blieb es bis 1962. Er hatte die Bürgerschule in Kapuvar besucht und war in der katholischen Jugendbewegung verankert. Er wurde Mitglied der Vaterländischen Front und 1945 der ÖVP. Er in die Landwirtschaftskammer gewählt und schließlich auch in den Landtag, wo er Agrarsprecher der ÖVP war. Sehr lange, 1967 bis 1977, war Rudolf Lang, ein Gendarmeriebeamter, Bürgermeister. Es folgte bis 1992 Josef Wein von der SPÖ, Hauptschuldirektor in Purbach. Unter Franz Steindl von der ÖVP (1992 bis 2000) wurde Purbach zur Stadt erhoben. Im Jahre 2000 wurde Steindl Landeshauptmann - Stellvertreter.Ing. Richard Hermann wurde Bürgermeister.

1951 wurde die Volksschule mit einer Zentralheizung ausgestattet und 1963 der Bau einer Hauptschule beschlossen. 1969 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Pflege des Ortsbildes wurde mit dem Einsetzen des Fremdenverkehrs beachtet. 1964 wurde ein Bauverbot in der Kellergasse erlassen und der Bau der Dammstraße zum See beschlossen. Es setzten erste Planungen für das "Seeprojekt" ein. 1970 wurde Purbach zur Fremdenverkehrsgemeinde erklärt. Die folgenden Jahre waren durch Ausbau der Infrastruktur gekennzeichnet: Leichenhalle, Kanalisation und Kläranlage, Bau des Bootshafens, Renovierung der Volksschule. 1975 suchte Purbach um die Verleihung des Marktrechtes an. Ab 1977 wurde die Gasversorgung ausgebaut, 1981 ein erstes Wohnungsprojekt in der Fischergasse verwirklicht. 1985 wurden auch die Scheunenreihe und die Ortsbefestigung unter Schutz gestellt, zwei Jahre später eine Fassadenaktion durchgeführt. Der Campingplatz wurde an private Betreiber verkauft. 1990 wurde eine Fremdenverkehrs - Informationsstelle eingerichtet und ein Dorferneuerungsausschuss gebildet. 1991 /92 wurde der Kindergarten übernommen und saniert, das neue Gemeindezentrum erweitert. 1993 erfolgte die Sanierung der beiden Schulen und der Hafenanlage. 1995 begann man mit der Errichtung eines Vereins- und Kulturhauses, 1966 wurde ein Alten- und Pflegeheim errichtet. 1997 suchte Purbach um die Stadterhebung an. Am 22. Juni 1997 war es dann soweit. Purbach wurde zur Stadt erhoben.  Der ständig steigende Durchzugsverkehr löste Diskussionen um eine Umfahrungsstraße aus. 2001 wurde der Regionalverband "Kirschblütenregion" gegründet, 2003 der Naturpark Neusiedlersee geschaffen, 2006 ein neues Feuerwehrhaus errichtet, 2006 das Rustertor saniert.

Der Weinbau spielt heute noch immer oder wieder nach einigen Krisen eine wichtige Rolle. Etwa 20 Betriebe bewirtschaften derzeit eine Fläche von etwa 400 ha. Während der Reblauskrise um 1900 erwies sich die Mischkultur von Weinstöcken und Kirschbäumen als Vorteil. Vor allem in der Zwischenkriegszeit waren die Kirschen eine wichtige, oft die einzige Einnahmequelle. Bei der Obstbaumzählung von 1938 wurden in Purbach 9924 Kirschbäume gezählt. Zwetschken und Marillen waren daneben von einiger Bedeutung. Mit der Umstellung des Weinbaues auf Drahtkultur und der maschinellen Bearbeitung wurden auch Viele Kirschbäume gerodet. Heute nimmt man einen Bestand von etwa 1500 Bäumen an.

An größeren Betrieben bestehen in Purbach die Firmen Austrotherm, Sodfried und Neumayer sowie die Spenglerei Ohr, der Holzbau Gmeiner und die Tischlerei Hermann.

 

Literatur:

Die Stadt Purbach verfügt über eine hervorragende und gur lesbare Ortsgeschichte, die überwiegend von Prof. Mag. Johann Egermann verfasst wurde.  Der obige Text stützt sich weitestgehend auf diese Arbeit.

Verein zur Erforschung der Purbacher Geschichte (Hg.), Purbach am Neusiedler See. Purbach 2007. 396 Seiten