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Die Götter, die in Pannonien verehrt wurden, stammten aus Italien, Griechenland, aus dem Orient, aus dem romanisierten Westeuropa und schließlich aus den einheimischen Regionen. Die römischen Siedler verstanden es besonders geschickt, die einheimischen keltischen Gottheiten den eigenen anzupassen und ihnen lateinische Namen zu geben. Die keltische Urbevölkerung hing weiterhin ihren alten Göttern an, die nunmehr lateinische Namen trugen. Außerdem opferten sie als römische Reichsbürger den römischen Staatsgöttern und dem Kaiser.

Die Staatsreligion repräsentierte vor allem die kapitolinische Trias. Dieser gehörten Juppiter, Juno und Minerva an. In allen pannonischen Städten befand sich am Forum ein Heiligtum für sie. Zur Staatsreligion gehörte auch der Kaiserkult. Vorerst wurde der Kaiser erst nach seinem Tod verehrt, später auch zu seinen Lebzeiten. Alljährlich brachten die Menschen anlässlich des Kaiserfestes vor dem Abbild des Herrschers ein Opfer dar, womit sie bezeugten, dass sie treue Bürger des Reiches und des Kaisers waren. Ansonsten stand es den Menschen frei, welche Götter sie verehrten.

Den zahlreichen Gottheiten beziehungsweise ihren Abbildern begegnete man auf öffentlichen Plätzen, in Tempeln, in Hausheiligtümem, Hainen und Kapellen am Straßenrand. Durch Geschenke und Opfer versuchten die Menschen das Wohlwollen der Götter zu beeinflussen.

Nach der Auffassung der Römer waren alle Erscheinungen des Lebens durch verschiedene Gottheiten gelenkt und bestimmt. Für jeden menschlichen Bereich war eine Gottheit zuständig. So wandten sich die Soldaten an den Kriegsgott Mars, die Kaufleute an Merkur, den Gott des Handels und der Wege (er war gleichzeitig auch der Gott der Diebe!) und Handwerker und Gewerbetreibende an Minerva. Wer Liebessorgen hattq betete zu Venus, Schiffer und Uferbewohner großer Gewässer erflehten die Hilfe von Neptunus. Apollo war der Gott der Dichter und Sänger, dann auch der Rächer von Freveltaten, der Allwissende; der durch seine Orakelsprüche den Lauf des Schicksals in die richtigen Bahnen lenkte. Diana, seine Schwester, beschützte die Jäger, Wild, Wald und Feld. Dir Symbol war der Mond. Und so beschützte sie als Diana - Luna die Mädchen und Frauen und auch die werdenden Mütter. Als Diana - Hekate zog sie unter fürchterlichem Windgeheul und Hundegebell an der Spitze der Totengeister durch die dunklen Nächte. Zwei Götter wurden von allen Bevölkerungsschichten besonders verehrt. Der eine war Herkules, Sohn des Göttervaters und einer sterblichen Frau. Er war daher nur ein Heros. Siegreiche Kämpfe und heldenhaft überwundene Mühen gestatteten ihm aber, als Gott in den Olymp einzuziehen. Den Menschen war Herkules Vorbild für ihren täglichen Lebenskampf und Garantie dafür, dass Plagen und Leiden einmal belohnt werden. Der zweite Gott, den alle verehrten, war Bacchus: der Gott des Weines und dadurch auch der Spender von Glückseligkeit. Bacchus verbarg sich immer hinter einer Maske, er konnte jede Gestalt annehmen: Mann, Frau, Tier, Baum oder Pflanze. Durch die Zauberkraft des Weines war ihm diese Verwandlung möglich. Oft wird Bacchus als schöner Jüngling dargestellt, das Haar mit Weinreben und Efeu bekränzt und eine Weintraube oder einen Becher haltend. In seinem Gefolge ziehen die ausgelassen tanzenden und musizierenden Satyrn einher. Diese sind als Mischwesen von Pferd und Mensch durch Pferdeohren und Pferdeschweif gekennzeichnet. Ihre weiblichen Partner, die Mäaden oder Bacchantinnen, befinden sich ebenfalls in einem wilden Freudentaumel. Zu den altrömischen Glaubensvorstellungen gehört der Glaube an einen Genius. Jeder Mann besitzt so einen Genius, dem bei der Frau eine Juno entspricht. Es sind dies persönliche "Schutzengel", besondere Schutzgötter. Nicht nur der Einzelne, auch jede Menschengruppe, jeder Verein, jede Legion, jeder Ort, jede Stadt konnte als Schutzpatron einen Genius verehren. Der hilfreiche Genius erscheint an der Gestalt eines Jünglings mit einem Füllhorn im Arm. Das Füllhorn ist Symbol des Segen spendenden Reichtums.

In keiner Wohnung durfte das Heiligtum der Laren, der Hausgötter, fehlen. Die Statuen, meist mit Blumen geschmückt, waren in Wandnischen oder Schränken untergebracht Vor ihnen brannte eine Öllampe an jedem Tag. Die Laren waren ursprünglich Ahnengeister. Nach alten Glaubensvorstellungen hängt das Glück der Lebenden von dem Wohlwollen der verstorbenen Vorfahren ab. Daher muss man ihre Gräber pflegen und am häuslichen Herd Opfer darbringen, um sie gnädig zu stimmen. Jeder Tote besaß auch seine Totengeister, Dii Manes genannt. Sie galten als Rachedämonen und nahmen die Verfolgung eines Verbrechers auf. Dii Manes waren für den Toten und für alle, die ihn verehrten, Beschützer. Aus einer ähnlichen Vorstellungswelt kam die Rache- und Schicksalsgöttin Dea Nemesis. Sie wurde vor allem von den Gladiatoren in den Amphitheatern verehrt Neben den alten römischen Göttern kam dem Gott Silvanus, gleichsam als Landesgott in Pannonien, eine breite Verehrung zu, obwohl seine Verehrung nie zu den offiziellen römischen Kulten gehörte. Dieser Gott entspringt wahrscheinlich der einheimischen keltischen Götterwelt, den die Römer ihrem Silvanus gleichgesetzt harten.

 
Silvanus war der Gott der einfachen Leute, vor allem der Bauern und Jäger. Dargestellt wird er oft mit Föhrenzweig und Winzermesser sowie mit einem Früchtekorb. Fast immer begleitet ihn ein Hund. Er trägt vielerlei Beinamen: als Silvanus Domesticus behütet er Grundstück, Haus, Familie und spendet Fruchtbarkeit. Als Silvanus Herbarius hebt er die Fruchtbarkeit von Garten und Weinberg. Als Silvanus Silvester schützt er den Jäger, den Wald und das Wild. Einheimische und römische Göttervorstellungen verschmelzen auch in der Gestalt des Danuvius Neptunus. Er ist der Wassergott der Donau. Eine einheimische Göttin ist auch Epona, die keltische Göttin der Fruchtbarkeit, der Pferde, der Reiter und der Ställe. Auf Darstellungen wird sie mit Sonne, Mond und heiligen Schlangen umgeben. Diese kennzeichnen Epona auch als Göttin der Toten und des Himmels, als Totenbegleiterin und Erlösergottheit.

Im 2. Jahrhundert verbreiteten sich rasch orientalische Götter und Mysterienreligionen in Pannonien. Zu den bekanntesten Mysteriengottheiten zählen Isis, Osiris und Serapis, die aus Ägypten kommen sowie das syrische Götterpaar Jupiter Dolichenus und Juno Regina. Die größte Anhängerschaft hatte aber zweifellos der stiertötende persische Lichtgott Mithras gefunden. Als Lichtgott war er Sieger über das Dunkel des Bösen; er versprach seinen Anhängern Auferstehung und ewige Seligkeit. Als der Unbesiegbare war er besonders bei den Soldaten beliebt. Der Mithraskult hatte militärischen Charakter, da er das irdische Dasein bloß als einen Kriegszug für den Gott des Guten auffasste.

Um 100 n. Chr. kam der Mithraskult nach Pannonien, und zur Zeit Kaiser Mark Aurels (161-180 n. Chr.) wurde der Mithraskult zur meistverbreiteten Religion. Carnuntum entwickelte sich zu einem Zentrum der Mithrasverehrung. Mithrasheiligtümer wurden in Illmitz, in Schwadorf und in Stixneusiedl gefunden. Besonders interessant ist die Mithrasgrotte bei Kroisbach (Fertörakos). Sie liegt unmittelbar neben dem Fahrradweg an jener Stelle, wo er die österreichisch-ungarische Grenze bei Mörbisch überquert.

In Savaria, das neben Gorsium ein offizielles Kultzentrum Pannoniens war, baute man im Süden der Stadt einen Tempelbezirk für die Göttin Isis. Sie genoss hier besondere Verehrung. Ursprünglich war Isis die Schutzgöttin des Seehandels. Von Aquileia aus verbreitete sich der Isiskult durch italienische Kaufleute bis Emona an der Save und Poetovio an der Drau, wo sie nur mehr als Schutzgöttin des Handels verehrt wurde. Ihr Kult in Savaria und in anderen Städten Pannoniens sollte die Getreideversorgung sichern. Das Isisfest fiel zeitlich mit den Kaiserfesten zusammen und war vielleicht deshalb so populär. Anlässlich des Festes wurde die Isisstatue in einer Prozession durch die Stadt getragen. Ein römischer Schriftsteller berichtet darüber:

„Alle Straßen sind mit Menschenmengen gefüllt, die sich zum religiösen Aufzug versammeln. Vor der großen Prozession schreiten - eine gewisse Entfernung haltend - die Teilnehmer der Vorspiele; sie haben sich alle nach Herzenslust geschmückt. Der eine stellt einen Soldaten dar, er hat einen mächtigen Schwertriemen umgebunden, der andere ist als Jäger verkleidet, hat einen Umhang um und eine Lanze in der Hand. Einer hat sich als Frau maskiert, trägt goldene Schuhe, ein Seidenkleid, teuren Schmuck und eine Perücke. Dort stolziert einer mit Beinpanzer und Helm, mit Schild und Schwert, man könnte meinen, er sei soeben aus der Gladiatorenkaserne gekommen. Auch die Liktoren fehlen nicht, die zum Geleit einer Person im Purpurmantel gehören, die einen Staatsbeamten hohen Ranges darstellt. Die Figur des Wanderpilosophen ist ebenfalls vorzufinden, er ist an seinem zerlumpten Mantel, seinen zerrissenen Sandalen, seinem Knotenstock und am ungeschorenen Bart zu erkennen. Auch jene fehlen nicht, die ein langstieliges Netz oder eine Angelrute schleppen und sich für einen Vogler oder Fischer ausgeben."

Den orientalischen Göttern wandte man sich besonders in den Krisenzeiten des 3. Jahrhunderts zu, als das Römerreich politisch, wirtschaftlich und militärisch am Abgrund stand. Die Leute verloren den Glauben an die alten Götter. Von den orientalischen Gottheiten erhofften sie sich mehr Schutz und Trost im Diesseits und ewige Freuden im Jenseits. Aber auch Magie und Aberglaube faszinierte die verunsicherten Menschen. Scharlatane und Gaukler machten ein großes Geschäft.


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