So wie auch in allen anderen Teilen der Monarchie war die Kriegsbegeisterung groß. Man war der Meinung, dass mit den serbischen "Umtrieben aufgeräumt werden müsse". Dass daraus ein Weltkrieg werden würde, der vier Jahre dauern und gewaltige Opfer fordern sollte, konnte sich kaum jemand vorstellen. Auch die westungarischen Zeitungen schrieben Artikel voller Patriotismus.

"Die Bevölkerung der österreichisch - ungarischen Monarchie fühlt in all seinen Gliedern die tiefe und unverdiente Beleidigung, die ihm durch das undankbare Serbien zuteil geworden ...Als daher unser friedliebender König sich gezwungen sah, die Ehre seiner Monarchie mit Waffen zu verteidigen und seine Völker hiezu in einem tiefernsten und überzeugenden Manifest aufforderte, da erklärte sich Jung und Alt, mit noch nie gesehener einstimmiger Begeisterung und ohne Zaudern dazu bereit. "  (Oberwarter Sonntags - Zeitung vom 9. August 1914)

"Samstag abends fand ein großer Umzug in Pikafö/Pinkafeld statt, an welchem sich außer den Militärpflichtigen, auch die freiwillige Feuerwehr mit Lampions vollzählig beteiligte, An der Spitze marschierte die Musikkapelle der Feuerwehr, welche feurige Weisen spielte. Ganz Pinkafö war auf den Beinen und begeisterte Zurufe erschütterten, von tausend Lippenertönend, die Luft. Man brachte stürmische Eljenrufe auf den König, auf das Vaterland, auf das Heer und auf unsere Verbündeten aus." (Oberwarter Sonntags - Zeitung 9. August 1914)

Schon 1912 beschloss das ungarische Parlament Sondergesetze, für den Fall von Krisensituationen. Dazu gehörten die Aufhebung eines Teils der Grund- und Freiheitsrechte, die Einschränkung der Selbstverwaltung, die Einführung von Standgerichten, die Zensur ... Mit Kriegsbeginn traten diese Gesetze dann in Kraft.

Etwa die Hälfte der männlichen Bevölkerung wurde im Verlauf des Krieges eingezogen. Im Komitat Eisenburg etwa mussten 110 000 Männer in den Krieg ziehen. Ihre  Arbeitskraft fehlte, die Frauen mussten einspringen und oft eine kaum erträgliche Arbeitsleistung erbringen. Die zugewiesenen Kriegsgefangenen konnten die fehlende Arbeitskraft nicht ersetzen. In der Erntezeit wurden zwar Soldaten eingesetzt und auch Frontsoldaten konnten Ernteurlaub beantragen. Im Komitat Eisenburg etwa wurden 4 678 Kriegsgefangene, 1918 sogar etwa 8000,  und 1000 Soldaten eingesetzt.

Garnisonen, Regimenter und militärische Einrichtungen

Das Gebiet des heutigen Burgenlandes gehörte zum Korpsbereich 5 - Preßburg. Pressburg, Komorn, Ödenburg und Steinamanger  sowie das "Brucker Lager" waren  die wichtigsten Garnisonsorte. Auch einige andere militärische Einrichtungen gab es in Westungarn, so etwa in Hornstein und in Jois. Die wichtigsten militärischen Einheiten in Westungarn waren die Infanterieregimenter 76 (Ödenburger Hausregiment), das Infanterieregiment 83 (Steinamangerer Hausregiment), das aus Bataillonen dieser beiden Regimenter 1918 gebildete Infanterieregiment 106, das Feldjägerbataillon 11, die Husarenregimenter 5, 9 und 11. Daneben gab es die Honved - Infanterieregimenter 13 (im Bereich des heutigen Nordburgenland), und 18 (Mittel- und Südburgenland). Von der Kavallerie waren waren das Husarenregiment 3 in Ödenburg und Neusiedl, das Husarenregiment 5 in Komorn und Raab stationiert. Preßburg war Garnisonsort für einige Artillerieregimenter. Die 83er waren an der Ostfraont (Lublin, Iwangorod, Gorlice, Przemysl) und 1917/18 an der italienischen Front eingesetzt.

In Hornstein befand sich ein Versuchs- und Ausbildungslager für Minenwerferabteilungen. Ein großes Barackenlager und sogar eine Feldbahn wurden gebaut. Im Sommer 1917 wurde das Lager fertig gestellt.  In Hornstein wurden auch Bulgaren und Türken ausgebildet.1916 starben drei türkische Soldeten durch einen Unfall ("Freundbeschuss"), im Juli 1917 kamen drei weitere Soldaten durch eine Explosion ums Leben.  Im Juni 1917 hatte das Lager einen Gesamtstand von 2140 Mann mit fünf Minenwerferbatterien. Anfang 1918 wurde ein Sappeur - Lehrbataillon geschaffen.  Zu einer Meuterei kam es im August 1918, als ein groß angelegter Schmuggel mit Militärlastwagen aufflog. Die beteiligten tschechischen Offiziere wurden angezeigt. Als die Beteiligten an die Front verlegt werden sollten wehrten sich diese. Die Meuterei wurde von Kadetten der Ödenburger Oberrealschule niedergekämpft, die Rädelsführer wurden standrechtlich erschossen. Im Oktober 1918 wurde das bereits verlassene Lager von Kriegsheimkehrern geplündert, ebenso die Wohnung des geflüchteten Notärs Georg Eördögh und zwei Geschäfte, Das Gemeindeamt wurde verwüstet, der fürstliche Meierhof, damals von der Familie Parzenhofer gepachtet, wurde ebenfalls ausgeraubt. 26 Gendarmen konnten gegen die Plünderer, die sie mit Gewehrfeuer empfingen, nichts ausrichten. Die etwa 80 "grünen Kader", wie man die Banden der desertierten oder entlassenen Soldaten nannte, konnten erst nach Eintreffen eines Sonderzuges mit 70 Mann Gendarmerie und 23 Mann Nationalgarde unter Führung des Gendarmeriehauptmannes Adam Herold , des Staatsanwaltes Deszkáay und des Eisenstädter Stuhlrichters Kovacs überwältigt werden. Alle Waffen im Dorf mussten abgeliefert werden, Bei Hausdurchsuchungen wurden 60 Mannlicher - Gewehre und 40 Handgranaten sicher gestellt. Fünf Personen wurden verhaftet.

Im April 1913 begann man auf der Parndorfer Hutweide mit der Errichtung eines Flugfeldes zur Ausbildung von Piloten. Fünf Flugmaschinen, 6 Offiziere und 20 Mann. Im Sommer 1915 wurde die Fliegerersatzkompanie 8 zur Ausbildung der bereits fortgeschrittenen Flugschüler eingerichtet. 1915 wurden drei eiserne Doppelhangars und Zelte aufgestellt und Mannschaftsbaracken mit Nebengebäuden  sowie Depots für 250 bis 300 Personen errichtet. Nach dem Krieg wurde das Flugfeld als Notlandeplatz verwendet. Nach dem Anschluss an das Dritte Reich wurde das Parndorfer Flugfeld großzügig von der Wehrmacht ausgebaut.

In Jois, im Anschluss an den großen Truppenübungsplatz von Bruckneudorf. wurde eine Weitschießanlage eingerichtet. 1857 wurde bereits das riesige Areal des Truppenübungsplatzes für das Brucker Lager erworben und später ausgeweitet. 1909 wurde ein Vertrag mit der Gemeinde Jois geschlossen. Die Joiser Anlage befand sich an den Hängen des Jungenberges mit einem Steinbau als Telefonunterstand, geschossen wurde in Richtung See. Vor dem Bahnhof wurde eine hohe Steinmauer als Schutz errichtet.

Die katastrophalen Bedingungen in den Rüstungsbetrieben führten schon Anfang 1917 zu Streiks. Der Jännerstreik von 1918 erfasste weite Teile der Monarchie. Vor allem der Streik in Ternitz und Wr. Neustadt betraf auch viele Arbeitskräfte aus Westungarn. Die Arbeiter in den Wr. Neustädter Daimler - Werken, die Motoren für Flugzeuge und Armeefahrzeuge herstellten, unterlagen Sondergesetzen, sie standen unter militärischem Kommando. Durch Verhandlungen mit der sozialdemokratischen Parteiführung konnte der Streik schließlich beendet werden. Den Streikenden wurden Verbesserungen zugesichert. Am 19. Jänner beschloss der Wiener Arbeiterrat den Abbruch des Streiks.

Kriegsgefangene

Von den etwa 50 großen Kriegsgefangenen- und Internierungslagern der Monarchie befanden sich drei auf heute burgenländischem Gebiet: in Neusiedl, Frauenkirchen und Neckenmarkt. Ein weiteres großes Lager befand sich in der Nähe von Güns. Die Errichtung der Lager erfolgte in großer Eile. Die hygienischen Vorkehrungen waren zunächst mangelhaft, Im Winter 1914/15 breitete sich eine Flecktyphusepidemie rasch aus. Etwa 40 % der Inhaftierten starben. Nach der Haager Landkriegsordnung mussten die Gefangenen so wie die eigenen Truppen versorgt werden. Diese Vorgaben wurden zumeist auch erfüllt. Angesichts des großen Arbeitskräftemangels wurden die Kriegsgefangenen bald zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Verglichen mit dem Schicksal der Kriegsgefangenen im 2. Weltkrieg ging es den Gefangenen relativ gut. Sie mussten von den "Arbeitgebern", denen sie zugeteilt waren, ordentlich versorgt werden. Dies geschah auch, soweit es die prekären Verhältnisse erlaubten. Zum Teil arbeiteten sie in Rüstungsbetrieben, zum Teil in der Landwirtschaft. Ihre Arbeitszeit war auf 10 Stunden pro Tag begrenzt, sie durften nicht geschlagen werden und mussten mit Respekt behandelt werden. Nicht jeder Soldat an der Front konnte durch einen Kriegsgefangenen als Arbeitskraft ersetzt werden. Ihre Zahl war pro Dorf begrenzt, ebenso auf den Großgrundbesitzungen. Von der Gemeinde wurden sie einzelnen Familien zugeteilt. Untergebracht waren sie meist gemeinsam in Wirtshäusern oder anderen geeigneten Gebäuden. Eine Fraternisierung der einheimischen Bevölkerung mit den Gefangenen versuchte man, so weit es ging, zu verhindern. Zu enge Kontakte waren nicht erwünscht. Frauen, die sich auf ein Verhältnis mit einem Gefangenen einließen, wurden öffentlich geächtet.

Die Anfänge des Frauenkirchener Lagers fallen in den September 1914, Zunächst waren Russen dort untergebracht, danach fast nur Serben. Zu Beginn gab es auch Zivilinternierte aus Serbien und Montenegro. Im Jänner 1915 waren in Frauenkirchen 12 905 Gefangene, darunter 11 722 Serben. Sie waren in 29 gemauerten Baracken untergebracht. Das Lager musste immer wieder erweitert werden und hatte ab 1916 einen Lagerstand von etwa 30 000 Gefangenen. Zwei Drittel befanden sich allerdings außerhalb des Lagers auf Arbeitseinsatz. Diese wurden auch finanziell entschädigt. Im Lager befanden sich die Offiziere, die vom Arbeitsdienst befreit waren, Kranke und die Instandhaltungsmannschaft. Es gab eine Großküche, eine Bäckerei, eine Wäscherei, eine Krankenbaracke und eine kleine Land- und Viehwirtschaft. Ferner gab es Werkstätten für Tischler, Schneider, Schuster und Schlosser.

In Kaisersteinbruch befanden sich ab 1914  5000 russische Gefangene. Unter anderem erbauten sie die Straße von Kaisersteinbruch nach Winden. 1914 waren damit 15 500 Kriegsgefangene beschäftigt.

1915 wurde das Lager Neckenmarkt errichtet, für ca. 35 000 Gefangene, davon waren 8000 dauernd im Lager interniert. Meist waren es Russen, später auch Italiener und Rumänen. Auch einige hundert Zivilisten waren in Neckenmarkt interniert. Die Offiziere waren in eigenen Stationen untergebracht und hatten eine weit bessere Versorgung. Auf Burg Schlaining waren 1915 35 russische Offiziere mit 30 Dienern interniert. 1918 gab es dort 179 Gefangene. Auch in anderen Burgen und Schlössern, in Lockenhaus, Rudersdorf, Jormannsdorf und vorübergehend auch in Bernstein und KObersdorf waren Offiziere untergebracht.

In Neusiedl am See befand sich seit Kriegsbeginn ein Internierungslager. In 120 Baracken, darunter 38 Wohnbaracken waren 11800 Personen untergebracht. Unter den Internierten, meist aus Serbien, z.T. auch aus Montenegro und Albanien, befanden sich auch Frauen und Kinder. Die Männer wurden ab 1915 zwangsweise in der Landwirtschaft und im Straßenbau eingesetzt. Das Brucker Lager wurde während des Krieges stark ausgebaut. 1915 befanden sich in einem eigenen Komplex 5000 Kriegsgefangene, in der Kaserne 18 000 bis 25 000 Soldaten.

Die Auswirkungen des Krieges

Zunächst war die Versorgung mit Lebensmittel in den Dörfern Westungarns, wo ja viele Kleinbauern Selbstversorger waren, nicht so schlecht. Die Preise auf den Märkten stiegen . Davon profitierte man für kurze Zeit. Die Versorgungslage der Bevölkerung wurde aber, je länger der Krieg dauerte, auch in den agrarischen Gebieten  immer schlechter. Schon 1915 rief etwa der Vizegespan von Eisenburg, Geza Herbst, zum sparsamen Umgang mit dem Getreide auf. Ab Dezember 1914 wurden die Getreide- und Mehlpreise reguliert. Anfang 1916 ging man dazu über, Bezugskarten für Brot und Mehl einzuführen.  Die Zwangsablieferungen wirkten sich katastrophal aus. 1916 konnte im Komitat Eisenburg von den vorgesehenen 8000 t Getreide nur die Hälfte aufgebracht werden. Es wurden Requirierungen durchgeführt, die weitere 3000 t einbrachten. 1917 wurden im Komitat sogar völlig unrealistische 30 000 t Getreide vorgeschrieben. Zur Requirierung musste die Gendarmerie eingesetzt werden, ohne allzu großen Erfolg. Erst im Frühjahr 1918 wurden die Vorschreibungen gesenkt, zugleich aber die Bauernhöfe immer strenger kontrolliert. Ab 1917 gab es Proteste gegen die Rationierungen und die Teuerung. In Steinamanger etwa protestierten am 25. August 1917 etwa 5000 Menschen. Die Komitatsleitung machte Versprechungen. Ein Büro für Volkskriegsfürsorge wurde errichtet und Unterstützungskommitees versuchten, den besonders schwer Getroffenen zu helfen, den Kriegswaisen, den Kriegerwitwen und den Invaliden.

Es gab einen florierenden Schwarzmarkt und der Schmuggel blühte, zumal Ungarn gegen Österreich rigorose Grenzsperren errichtete. Vieh und Obst wurden über die Grenze nach Österreich geschmuggelt, obwohl die Strafen rigoros waren.

Die Bewirtschaftung erfasste nicht nur die Lebensmittel. Auch Rohstoffe waren knapp. Im April 1915 wurde eine erste Buntmetallsammlung durchgeführt. Gegenstände aus Kupfer, Messing, Zinn und Bronze mussten abgeliefert werden, 1916 wurden die meisten Kirchenglocken abgenommen, ja sogar Kupferdächer abmontiert.  Konsumgüter wurden immer knapper.

Der Gesundheitszustand verschlechterte sich. Dies war eine Folge der Unterernährung, des Ärztemangels und der Krankheiten, die von den Soldaten und Kriegsgefangenen eingeschleppt wurden. Im Oktober 1918 brach die Spanische Grippe aus. Sie forderte auch in Wesungarn Todesopfer. Weltweit starben daran mehr Menschen als an den Kriegsereignissen.

Die Verwaltung funktionierte immer schlechter, da auch Beamte und Notäre eingezogen wurden. Während des Zusammenbruches 1918 wurden Beamte, die sich unbeliebt gemacht hatten, vertrieben.

Auch das Schulwesen war von Problemen betroffen. Einige konfessionelle Schulen mussten überhaupt wegen der Einberufung der Lehrer geschlossen werden. Zum Teil setzte man Vertretungslehrer ein. Die Lehrer wurden verpflichtet, bei den Requirierungen mitzuwirken, sie mussten Sammlungen organisieren usw. Der Unterricht litt unter der Abwesenheit vieler Schüler, die als Ersatz für ihre eingerückten Väter in der Landwirtschaft mithelfen mussten.

Gegen Kriegsende taten sich Vagabunden und desertierte Soldaten zu Banden zusammen und brachen in Bauernhäuser ein, erpressten Geld und einige dieser "Kommunisten" setzten sogar Bürgermeister ab.

Literatur: Land im Krieg. Ausstellungskatalog des Burgenländischen Landesmuseums. 2014

Mihalkovits Ernst, Das Kriegsgefangenen-und Internierungslager des 1. Weltkrieges in Neckenmarkt 1915 - 1919. Diss. Wien 2003

Mannsberger, Eva Maria und Schafer, Karl, Das Neusiedler Internierungslager 1914 - 1918. In: Neusiedler Jahrbuch Band 11, Neusiedl 2008/9