jois plan

Jois - Baualterplan (Entwurf: Dr. Franz Hillinger; Grafik: M. Floiger)

 

Urgeschichte

Aus nahezu allen Epochen der Urgeschichte sind Funde auf dem Joiser Gemeindegebiet bekannt, darunter Steingeräte aus der mittleren und der ältesten Jungsteinzeit, die zu den ältesten auf burgenländischem Gebiet gehören. Dazu kommen viele Einzelfunde aus der Jungsteinzeit und der Kupferzeit, etwa ein schönes Flachbeil aus der späten Jungsteinzeit (Lengyelkultur). Aus der frühen Bronzezeit wurde von Alexander Seracsin in den Jahren 1930 und 1931 auf der Joiser Heide ein Hügelgrab geöffnet, das Mehrfachbestattungen enthielt. Er hielt das Grab für ein Fürstengrab und glaubte, dass eine ganze Familie geopfert und mit bestattet wurde. Wilfried Hicke hat aber gezeigt, dass es ein Familien- oder Sippengrab war und die Bestattungen in größeren Zeitabständen erfolgten. Die Funde sind der Leithaprodersdorfer Gruppe und auch schon der Wieselburger Kultur zuzuordnen, etwa ein Dolch mit Griffmanschetten. Aus der späten Bronzezeit (Urnenfelderkultur) wurde eine Brandbestattung in der Nähe des Ortes nachgewiesen. Aus der Hallstattzeit ist eine Siedlung in der Nähe des Ochsenbrunnens und ein Hügelgrab mit Brandbestattung nachgewiesen, in der Nähe wurde auch ein Körpergrab aus der jüngeren Eisenzeit ( La Tène - Zeit ) gefunden. Aus einem halltstattzeitlichen Grabhügel stammen  eine schöne Fußschale, eine Kegelhalsurne, eine Henkelschüssel und viele weitere Gegenstände wie etwa Messer, Lanze, Kettenschmuck, Schleifsteine ... Römische Gutshöfe lagen am Leithagebirgsrand, beim Ochsenbrunnen, und östlich des heutigen Ortes. Einige spätrömische Gräber sind diesen Gutshöfen zuzuordnen. Besonders stattlich war die Villa rustica beim Ort, nahe der Bahnlinie. Sie hatte ein schlossartiges Herrenhaus und einige Nebengebäude. Dort wurde auch eine Bronzestatuette der Göttin Minerva gefunden, ebenso ein Grabstein mit dem Relief einer Frau in einheimischer Tracht (Pelzhut), und ein Teil einer Aedicula, einer Grabkapelle. Ein überlebensgroßer  steinerner Porträtkopf könnte Kaiser Diocletian darstellen. Aus der Völkerwanderungszeit stammt das Skelett einer Germanin, die einige schwere Verletzungen offenbar noch einige Zeit überlebte (("hinkende Germanin von Jois", im Dorfmuseum).

Der Ortsname und die erste urkundliche Erwähnung

In der ersten urkundlichen Erwähnung 1209 bzw. 1214 wird der Ort Nulos genannt. Später wurde daraus Newlas und Nyulas.  Ab dem 15. Jahrhundert wird neben Nyulas auch Geuss, Geus, Gews, Goiß, Geoiß, Geöss usw. verwendet, 1429 Jews, 1451 Juws, 1673 Jousz. Die heutige Form Jois wurde erst nach der Angliederung an Österreich festgelegt.

Die Herkunft und Bedeutung des ungarischen Namens sind unbekannt. Die Ortsnamensforscher ziehen zwei Möglichkeiten in Betracht: Von Nyul = Hase oder Nyilas, was Bogenschütze bedeutet. Diese zweite Version ist die wahrscheinlichere. Es scheint also dass auch in Jois Petschenegen als Grenzwächter angesiedelt wurden.

Die urkundliche Erwähnung im Jahre 1209, einer Urkunde König Andreas II., ist nicht ganz sicher, da sie unvollständig erhalten ist. Die Urkunde aus 1214 bezieht sich aber zweifelsfrei auch auf Jois (villa Nulos). Osanna, die Frau Bothos III., kaufte von den Wieselburger Jobagionen (Burgmannen) Besitzungen - von den Söhnen des Isov, Peter, Joseph und Bece vierzehn Kurien "vulgo lechnu", also Lehen, für 40 Mark und von den Söhnen des Saul, Stephan und Ustuch bzw. von Sumurca, dem Sohn des Wasard, zwölf Lehen um 35 Mark.

Mittelalter - Herrschaftsgeschichte

Jois hatte schon im Mittelalter ein Marktrecht. In den Urkunden und Urbaren des 15. und 16. Jahrhunderts wird es zusammen mit Neusiedl und Rust immer als Markt bezeichnet.

1233 starb Botho IV. als letzter männliche Angehörige der Hauptlinie der Altenburger. Das Erbe traten Stephan II. und seine Söhne Maurus III. und Konrad I. an. Um 1249 vereinigte Konrad I. den gesamten Besitz der Hauptlinie. Er errichtete die Burg Ungarisch Altenburg und erhielt den Brückenzoll an der Leitha. Er schloss sich Premysl Ottokar gegen König Béla IV. an. Der Reichstag klagte ihn wegen Landesverrates an und er verlor alle seine Würden und Besitzungen, erhielt diese jedoch - wahrscheinlich 1263 - im Streit zwischen Bela IV. und dessen Sohn Stefan V. wieder zurück. 1324 gelangte die Herrschaft in königlichen Besitz. Ulrich von Wolfart war zunächst Kasellan und vorübergehend auch Pfandbesitzer. 1414 erhielten die Wolfurt unter König Sigismund die Herrschaft erneut in Pfand. Die Witwe Pauls von Wolfurt vermählte sich mit Graf Georg II. von St. Georgen und Bösing. Die St. Georgen - Bösinger traten das Erbe der Wolfurt an. Franz von St. Georgen - Bösing verpfändete 1509 den Ort Jois an den Pressburger und den Ödenburger Obergespan. 1516 starben die St. Georgen - Bösinger aus, die Herrschaft fiel an die ungarische Krone zurück.

In der Zeit um 1250 dürfte die erste Kirche entstanden sein. Sie stand dort, wo auch die heutige Pfarrkirche steht.  Bei Renovierungsarbeiten 1969/70 stieß man in einer Tiefe von etwa 1,5 m auf Reste eines Gewölbes bzw. auf vermutlich Fragmente einer romanischen Wehrkirche. In die Friedhofsmauer eingemauert fand man vier Steine, zwei davon gekrümmt. Die Bearbeitung dieser Steine weist ebenfalls auf das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts hin. Der Bauherr könnte Konrad I. von Altenburg gewesen sein. Die ersten schriftlichen Nachrichten über die alte Kirche, die vielleicht etwas aufwändiger war als die üblichen romanischen Dorfkirchen, stammen erst aus dem 17. Jahrhundert. 1659 war die gesamte Kirche gewölbt, das Dach war mit Ziegeln gedeckt. Der Turm war aus Stein. Die Sakristei wurde sicher erst später angebaut. Aus dem Jahre 1719 ist ein Siegel erhalten, das eine Kirche zeigt, mit gotischen Baumerkmalen. Es ist daher anzunehmen, dass die romanische Kirche später umgebaut wurde, das Langhaus dabei eingewölbt wurde. Interessant ist der im Visitationsbericht erwähnte "Heiligen- Drei - König Altar", eventuell zwischen 1360 und 1389 errichtet. Der "Joiser Ritter", eine 42,5 cm große Tonfigur aus dieser Zeit, könnte ein Teil dieses Altars gewesen sein. Mit Sicherheit war Jois schon im Mittelalter eine Pfarre. Namen der Pfarrer sind nicht bekannt. Vor 1450 soll sich Veit Huendler, der Bruder der Helene Kottanerin, um die Pfarre Jois beworben haben, hat sie aber vermutlich nicht erhalten. Er war Karmeliterprovinzial und wurde 1448 Weihbischof (Hillinger, Jois, S.71). Nach 1510 war Caspar Stainitzer Pfarrer in Jois. Er war auch Rentmeister der Herrschaft Ungarisch Altenburg. Sein Haus und sein ganzes Vermögen vermachte er der "Heiligen Drei Könige" Stiftung. Ein Benefiziat Johannes ist namentlich bekannt. Er starb 1538 und hatte keinen Nachfolger, denn die Weingärten der Stiftung wurden danach von der Herrschaft bearbeitet. 1550 schenkte Kaiser Ferdinand das Benefizium und einen zweiten, öden Freihof, der ebenfalls einem Geistlichen namens Sigismund Pfandl gehört hatte, dem Kaiserlichen Rat Georg Krabath von Sparendorf. Dagegen protestierten die Verwandten des Pfandl, aber auch der Hauptmann von Ungarisch Altenburg, der für den Herrschaftswein nunmehr keine Presse und keinen Keller zur Verfügung hatte. Als sich herausstellte, dass es sich um eine Stiftung handelte, wurde Krabath schließlich zum Verzicht genötigt. Im Grundbuch von 1555 werden drei Benefizhäuser erwähnt. Sie wurden im Zeitalter der Reformation profaniert und später nicht wieder reaktiviert.

Mit der Angliederung der Wüstung Hanftal wurde das Gemeindegebiet erheblich vergrößert. Es ist weder bekannt, wo genau Hanftal lag und wann es unterging. Ebenso wenig weiß man, wer früher der Grundherr war.

Frühe Neuzeit

Wahrscheinlich im Jahre 1524 übergab König Ludwig II. von Ungarn seiner Gemahlin Maria von Habsburg, Schwester Kaiser Karls V. und Ferdinands, die Herrschaft Ungarisch Altenburg. Nach Ludwigs Tod in Mohacs bekam Maria Ungarisch Altenburg als Witwensitz. 1529 musste sie fliehen, Amadé Várkonyi übergab die Stadt kampflos den Türken. 1531 wurden Stadt und Herrschaft wieder Maria übertragen. Sie bezog aus der Herrschaft jährlich 5000 bis 6000 Gulden, hatte aber für die Befestigung von Ungarisch Altenburg aufzukommen. 1531 übernahm Maria die Statthalterei in den Niederlanden. Die Herrschaft wurde während ihres Aufenthaltes in Brüssel von den Hauptleuten Jakob von Stamp und Ulrich von Eyzing verwaltet. In den Abrechnungen wird das "Neapolitanische Gestüt beim halben Thurm" erwähnt. 1547 übernahm Hauptmann Zacharias Wochnitzki die Herrschaft. Er blieb auch im Amt nachdem Maria ihre Herrschaften Bruck und Ungarisch Altenburg im Jahre 1548 an ihren Bruder Ferdinand abtrat. Ferdinand unterstellte die Herrschaft der Niederösterreichischen Kammer. Der ungarische Adel protestierte vergebens. Erasmus Braun war von 1574 bis 1583 Hauptmann von Ungarisch Altenburg.

Das erste Urbar war schon unter Pfarrer und Rentmeister Caspar Steinitzer 1525 angelegt worden,  unter Jakob von Stamp folgte 1546 ein genaues Urbar.  Nach diesem Urbar von 1546 gab es in Jois 31 Viertellehen, 15 Zweiviertel, ein Vierviertellehen und sieben ganze Lehen. 8 Viertellehen und 5 ganze Lehen lagen öd. Dazu kamen noch ein Frühmesserhaus, drei Hofstätten, die zur Pfarre gehörten, und drei Edelhöfe. Die Abgaben waren ähnlich wie in der ganzen Gegend üblich: Auf ein Viertellehenshaus entfielen 8 Wiener Pfennige zu St. Georgentag, 8 zu St. Michaelstag und 24 zu St. Gilgentag. Dazu kam das Quatembergeld, das Wachgeld für den Tabor in Neusiedl und die Seemaut für die Fischerei. Die Namen der Bauern sind ausschließlich deutsch. Ein weiteres Urbar, ebenfalls mit den Namen der Bauern, ist aus dem Jahre 1555 bekannt. In ihm werden fünf Holden genannt, die zur Herrschaft Eisenstadt gehörten.

Pfarrer Dr. Hillinger hat in seiner Ortsmonogarphie von Jois die vier vorhandenen Urbare aus dem 16. Jahrhundert verglichen. Er hat eine Zunahme der Lehensnehmer von 58 auf 85 festgestellt. 1566 lagen viele Weingärten öde. Die Familiennamen wechseln in kürzester Zeit stark, es muss eine starke Fluktuation gegeben haben.

Weinbau

Prickler nimmt an, dass es in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts in Jois eine Rebfläche von 170 ha gab. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden jährlich an die 300 Eimer Wein an Neunt, Zehent und Bergrecht an die Herrschaft abgeliefert. In dieser Zeit waren etwa 250  ha Weingärten. Zum Lehen gehörten Hausweingärten. Die weit größeren Überlandweingärten konnten frei verkauft werden. Vor allem Brucker Bürger erwarben in Jois Weingärten. Sie konnten ihren Eigenbauwein zollfrei nach Österreich ausführen. Außerdem mussten sie nicht den Neunt bezahlen, sondern nur das viel niedrigere Bergrecht.  1566 waren die Hälfte aller Weingärten im Besitz von Auswärtigen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gaben die Brucker ihre Weingärten auf. Auch die Herrschaft betrieb  eigenen Weinbau. Der Joiser Wein, hauptsächlich Weißwein, hatte einen hervorragenden Ruf. Dazu scheint vor allem Graf von Mora beigetragen zu haben, ein Exulant aus Venetien, der einen Edelhof in Jois erwarb und seine Weingärten sorgfältig pflegte. Er führte neue Sorten und Methoden in der Kellerwirtschaft ein. Er konnte seine "welischen"Weine zu sehr hohen Preisen verkaufen. Die Joiser Bauern verkauften den Großteil ihres Weines an Brucker Bürger, die ihn "schwarz", also als Eigenwein deklariert und ohne Zoll über die Grenze brachten. Ihre Abnehmer waren Weinhändler aus Oberösterreich, Salzburg und Bayern, zum kleineren Teil aus Böhmen und Schlesien.

Reformation und Rekatholisierung

Erasmus Braun war begeisterter Anhänger Luthers. Er begünstigte die Einsetzung von Priestern und Prädikanten, die zur lutherischen Lehre neigten. Auch nach dem Einsetzen der katholischen Gegenmaßnahmen duldete und unterstützte er diese weiterhin. In Jois war Jakob Walker seit 1578, vielleicht schon seit 1574, evangelischer Pfarrer. Er kam aus Tübingen in Württemberg. Der Richter und die Bürger unterstützen ihn tatkräftig. Schulmeister war Amrosius Furtenbach. 1579 kam es in Jois zu einem heftigen Konflikt. Zwei katholische Priester, Lukas Modronowitsch aus Winden und der Pfarrer von Sankt Margarethen am Moos, gerieten mit dem Joiser Richter Gregor Geyer in Streit. Der Richter beschimpfte die Geistlichen und forderte die Joiser auf, die "papistischen schelm und dieb zue todt" zu schlagen. Diese gingen "mit starhen wehren auch prigeln" auf die Pfarrer los, der Richter versuchte sogar, auf die beiden mit einem Gewehr zu schießen.

Schon 1579 griff der Klosterrat erstmals in Jois ein, 1582 musste Jakob Walker aus dem Ort weichen. Die Bevölkerung widersetzte sich jedoch "aus fürgesetzten truz und muetwill" und gewährte Walker Unterschlupf. Richter, Ratsbürger und wohl auch noch der Großteil der Bevölkerung waren evangelisch. Der Richter Michael Heinrich und die Ratsbürger Gregor Gayer und Jakob Hödl wurden vom Klosterrat vernommen und bekannten sich offen zur Augsburger Confession. Dem katholischen Pfarrer beschimpften sie und verweigerten ihm die Abgaben. 1583 klagte der katholische Pfarrer Reiter, dass "die ganz gemain gern und williglich seine catholische lehr und gotesdiensts undtergeben und denselben mit aller reverenz besuchen wolen", die drei genannten "rebellen und radlführer" sie aber davon abhielten. So wie in anderen Gemeinden scheint auch in Jois der Versuch, die Menschen für die katholische Kirche zurück zu gewinnen, in der Unterschicht angesetzt zu haben. Man versuchte, soziale Spannungen auszunützen und so einen Keil zwischen die sozialen Gruppen zu treiben. Hillinger ist der Meinung, dass der Widerstand gegen die Rekatholisierung in Jois aber geringer war als in benachbarten Gemeinden. 1591 wurde ein evangelischer Schulmeister abgesetzt, 1614 hieß es aber von Jois, dass die "maisten säckhtisch sein". Hillinger glaubt, dass um 1614 die meisten Joiser schon katholisch waren, da die Gemeinde um einen eigenen katholischen Seelsorger bat. 1659 waren jedenfalls alle Einwohner wieder katholisch - mit einer einzigen Ausnahme. Unterstützt wurde die Rekatholisierung auch von der Herrschaft. Erasmus Braun wurde vom Katholiken Hans Breiner abgelöst, dann folgte Octavio Cauriani.

Herrschaftsgeschichte - Verpfändungen

1621 verpfändete Kaiser Ferdinand II. die Herrschaft Ungarisch Altenburg um 302 000 Gulden an Karl von Harrach, der zwei Jahre zuvor bereits zum Hauptmann der Herrschaft ernannt worden war. 1627 wurde die Verpfändung erneuert, die Pfandsumme auf über 462 000 rheinische Gulden erhöht. Die Harrach waren Katholiken und unterstützten die Rekatholisierung, etwa durch die Gründung des Kapuzinerklosters in Bruck a. d. Leitha. Karls Sohn Leonhard Karl verlangte etwa von den Neusiedlern, das Auslaufen nach Gols zu unterlassen.

Ein schwerer Schlag für Jois war die Plünderung durch die Soldaten Nikolaus Esterhazys im Jahre 1631. 14 Reiter des Palatins  verlangten Einlass in Jois. Dies wurde ihnen mit Verweis auf die Privilegien des Marktes verwehrt. Etwas später kamen 400 Husaren, die die Mauern bestiegen und auf die Menschen schossen. Sie schlugen und traktierten die Einwohner. Der Richter war nicht zuhause. Der Marktschreiber, der die Privilegien vorwies, wurde gefangen dem Palatin vorgeführt und sollte geköpft werden. Der Richter bürgte jedoch für ihn mit seinem Hab und Gut und seinem Leben. Daraufhin wurde er freigelassen. Die Husaren plünderten den Ort, auch den kaiserlichen Keller. Frauen wurden vergewaltigt, ein Joiser erschossen, nahezu alle Einwohner verprügelt. Die Gemeindelade wurde aufgebrochen  und 1000 Gulden aus der Waisenkasse gestohlen. Die Joiser verlangten eine Wiedergutmachung des Schadens. Es ist nicht bekannt, ob Graf Harrach damit Erfolg hatte. 1632 verursachte bei einer Rekrutenwerbung ein Soldat ein Fuer. 50 Häuser brannten ab. Der Ort wurde für zwei Jahre von den Abgaben befreit.

1635 beabsichtigte Ferdinand, die Herrschaft Ungarisch Altenburg wieder einzulösen, was dem Grafen Harrach gelegen kam, denn die Einnahmen aus der Herrschaft deckten nicht mehr die Unkosten. Die häufigen Durchzüge der Palatinhusaren und Kroaten belasteten die Herrschaft. Mit der Rücklösung unterstand die Herrschaft wieder der Hofkammer. Administrator wurde der Kaiserliche Rat Johann Jakob Stella. 1643/44 ersuchten die Märkte Neusiedl und Jois um die Befreiung von der Neunt-Abgabe und machten ihre große Belastung durch Einquartierungen und Rekrutierungen geltend. Als Gegenleistung wollten sie ihre Orte mit Mauern, Toren und Gräben befestigen. Stella erstellte ein Gutachten über eine Umwandlung der Neunt-Abgabe in das Bergrecht. Er errechnete Mindereinnahmen von 400 Eimer Wein. Diese sollten aber durch die Neuauspflanzung von 24 Viertel Weingärten, die öde lagen, hereingebracht werden. Die Befestigung hätte den Joisern 5000 Gulden gekostet. Dazu kam es aber nicht, denn beide Märkte wurden erneut verpfändet.

1644 verpfändete Ferdinand III. die Märkte Jois und Neusiedl  an Graf Caspar Lippay von Zombor und seine Gemahlin Rosina geborene Joo, dazu noch 1651 noch drei Edelhöfe in Neusiedl und in Jois die Besitzungen von Jakob Dobner , Maximilian Scherhakel und Stefan Adenffy. Nach dem Tod Caspar Lippays im Jahre 1655 fiel Neusiedl an seine beiden Söhne, Jois an die Witwe Rosina. Diese verheiratete sich wieder mit dem Grafen Franz Ernst von Paar. Jois war in dieser Zeit ziemlich verarmt. In einer Aufstellung aus dem Jahre 1672 heißt es, dass von den 75 Häusern 27 desolat waren, 27 in einem mittelmäßigen und nur 21 Häuser in einem gepflegten Zustand waren. Der spätere Pfandinhaber, Bischof Georg Szechenyi, war der Meinung, die Grafen Paar hätten den Ort ruiniert - die Weingärten aeien desolat, die Äcker blieben ungepflegt, wären teilweise an Auswärtige verkauft, die Häuser wären leer, die Bewohner geflohen und diejenigen, die zurückgekehrt wären, lebten in Armut. Die Erben der Rosina, ihre Söhne Johann und Georg Lippay, hätten den Markt Jois ausgenutzt. 1659 und 1663 fanden bischöfliche Visitationen statt. Die Pfarrer Coloman Sifferlinger, Christoph Partich und Alkexander Schopper waren Augustiner - Eremiten, vermutlich von Franz Ernst von Paar in den Ort gebracht. Sifferlinger begann 1659 mit der Anlage von Matrikenbüchern.

1672 forderte die Ungarische Hofkammer die Brüder Lippay auf, Jois gegen die Pfandsumme von 25 000 Gulden herauszugeben. Graf Esterházy und Bischof Szechenyi hatten Interesse am Markt. Der Bischof machte das Rennen, da er zusätzlich 5000 Gulden zu geben bereit war. Das Geld sollte für die Besatzungen von Preßburg und Komorn und den Bau der Festung Leopoldstadt verwendet werden. Die Lippay prozessierten noch lange mit dem Bischof, vor allem wegen der Kurien in Neusiedl. Der Bischof versuchte, die Zustände in Jois zu bessern, war aber nicht lange im Besitz des Marktes. 1686 wurde Ofen von den Türken zurückerobert. Georg Szechenyi, inzwischen Erzbischof, errichtete mehrere Stiftungen - für das Jesuitenkolleg in Ofen den Markt Neusiedl, für das  Konvikt der Jesuiten den Markt Jois. Aufnahme sollten die Söhne verarmter Kleinadelsfamilien finden, die zum Katholizismus konvertierten. 1695, nach Szechenyis Tod, übernahmen die Jesuiten auch die Verwaltung. Mit dem Markt Jois schlossen sie einen Vertrag. Die Gemeinde verpflichtete sich, die Herrschaftsweingärten in Robot zu bearbeiten. Sie musste die Abgaben an Getreide und Wein nach Ungarisch Altenburg, Preßburg oder Wien bringen. Für 300 Gulden im Jahr verzichteten die Jesuiten aber auf einige Leistungen und Abgaben. Die Jesuiten setzten Administratoren für Neusiedl und Jois ein.

Die Kuruzzenzüge von 1704 bis 1708 hatten auch in Jois Zerstörung und auch Menschenverluste zur Folge. Zwischen Jois und Neusiedl wurde ein Schutzgraben ausgehoben, die Joiser Privilegienurkunden verbrannten bei der Erstürmung des Neusiedler Tabors durch die Kuruzzen. Vermutlich haben sich die Kuruzzen in der den Jesuiten gehörenden Besitzung besonders ausgetobt.

1717 wollte Karl VI. die beiden Märkte Jois und Neusiedl einlösen lassen. Neuer Pfandherr wurde die Ministerial Banco Deputation. Diese schickte eine Kommission unter Gregor Guilielmi Kirchner in die beiden Märkte, um die Verpflichtungen der Gemeinden und der Untertanen zu erheben. Der Bericht zeigt, dass die Joiser nach dem Kontrakt mit den Jesuiten jährlich 301 Gulden zahlten, dazu 67 1/2 Gulden für die Ablöse von 30 Fuhren. 30 Fohren hatten sie "in natura" zu machen. Sie mussten 117 Pfund Herrschaftsweingärten bearbeiten, von 273 Pfund Hausweingärten und 1 097 Pfund Überlandweingärten waren der Neunt und der Zehent abzuliefern. Von 294 Pfund bekam die Herrschaft den Neunt, die Pfarre den Zehent. Von den Hausäckern bekam der Pfarrer ebenfalls den größeren Teil des Zehents. Ein beträchtlicher Teil der Weingärten befand sich im Besitz von Brucker Bürgern. Kirchner schätzte die Einnahmen aus Jois auf jährlich mindestens 2000 Gulden. Im Bericht werden vier Edelhöfe angeführt, davon zwei im Besitz von Bruck, einer gehörte Graf Mora und einer Georg Martin Nunkovits. Wegen der Armut der Bevölkerung wurde auf eine Erhöhung des Kontraktgeldes verzichtet. Der Administrator von Ungarisch Altenburg, Johann Adolf von Engelsheimb, und der Gegenschreiber Eberhard Hönig von Plumenau wurden jedoch strikt angewiesen, keine Ausnahmen mehr zu machen und den Neunt und Zehent auch von den Weingärten der Edelleute, der Jesuiten und den Paulinern einzuheben. Der Banco war also auf die Steigerung der Einnahmen aus und gab auch strikte Anweisungen, etwa beim Verkauf von Wein und Getreide. Unmut erweckte in Jois die Tatsache, dass nunmehr auch auf Rotwein, der bisher befreit war, Neunt und Zehent eingehoben wurde. Etwa ein Drittel der Ernte der Herrschaft und wohl auch der Bauern bestand aus Rotwein. Streitigkeiten gab es mit den Grafen Harrach, der das Jagdrecht in den Wäldern des Leithagebirges  beanspruchte und sich dabei auf eine Urkunde Maximilians II. berief. Der Banco kündigte dieses Recht auf, mit der Begründung, dass die Herrschaft ja nunmehr wieder zu Ungarn gehöre.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es in Jois eine Bierbrauerei. Zur Zeit der Jesuiten als Grundherrn kam der Braumeister Josef Lehmann nach Jois und kaufte ein Halblehenshaus. An die Gemeinde hatte er 10 Gulden zu entrichten. Die Brauerei wurde vorübergehend eingestellt und später von Andreas Seefried erworben. Seine Witwe heiratete hintereinander drei Bierbrauer und führte vorübergehend für zwei Jahre auch selbst die Brauerei. Als die Herrschaft die Abgaben erhöhen wollte weigerte sich der Brauer und es musste vom Herrschaftsverwalter ein Kompromiss ausgehandelt werden, die Gemeinde selbst übernahm das Brauwerk, machte aber Verluste, sodass der Banco die Abgaben für jeden Brau herabsetzen musste.

Der Banco war auch Patronatsherr der Pfarre. 1730 setzte man auf Wunsch der Gemeinde Paul Pruner, der zuvor schon Vikar war, als Pfarrer ein.

Seit 1737 war Karl Josef Hug von Hugenstein Administrator der Herrschaft Ungarisch Altenburg. Unter ihm fand ein Tauschgeschäft statt. Die Ministerial Banco-Deputation bekam von der Hofkammer verschiedene Mauteinnahmen und übergab dieser die Herrschaft Ungarisch Altenburg, die sie an die Ungarische Hofkammer weitergab. Hugenstein blieb Verwalter, später wurde er vom Sekretär der Hofkammer, Johann Josef von Koller, abgelöst. Hug erstellte eine Beschreibung der Herrschaft mit ihren Einnahmen und Ausgaben, darunter auch eine kurze Beschreibung der Dörfer. In Jois gab es damals drei Edelhöfe: einer gehörte der Herrschaft, einer der Stadt Bruck und der dritte dem Grafen Mercy de Argenteau. 1746 wurde die Herrschaft übergeben. Graf Esterházy wurde von der Hofkammer als Kommissar bestellt. Er übergab sie an die ungarische Hofkammer, die die Herrschaft 12 Jahre lang direkt verwaltete. In dieser Zeit wurde auch die neue Kirche gebaut.

Die Entwicklung der Pfarre

Im Gefolge der Bocskai-Wirren herrschte wieder ein Pfarrermangel. Neusiedl und Jois wurden 15 Jahre lang gemeinsam betreut. Pfarrer waren Andreas Puchberger (1591 - 1605), für kurze Zeit Jokob Kestner und dann Georg Rohrmayer sowie Martin Ringer. Die Weingärten der Pfarre wurden in diesen Jahren stark vernachlässigt. Dr. Paul Grill, Doktor der Medizin, leitete 1610 bis 1614 noch beide Pfarren. Erst 1616 bekam Jois mit Heinrich Spetter wieder einen eigenen Pfarrer. Mit ihm war die Gemeinde zufrieden. Unter den Harrach, die gut katholisch waren, verschwanden offenbar auch in Jois die letzten Protestanten. Die gut ausgebildeten Augustiner - Eremiten haben dann die Seelsorge ausgebaut, ebenso die Pfarrer unter der Grundherrschaft des Bischofs Szechenyi, Georg Gragl, Johann Prugg und Franz Anton Talaniz. Aich die Jesuiten legten Wert auf gute Pfarrer: Johann Tepser, Christian Pinter,  Paul Danckl und Gregor Ignaz Wagner, der auch Vizearchidiakon von Wieselburg war. Paul Pruner (1739 - 1761) betrieb schließlich den Bau der neuen Pfarrkirche. Die alte Kirche dürfte baufällig gewesen sein. 1751 stürzte sie teilweise ein. Die Planung der neuen barocken Kirche wurde vom Brucker Baumeister Johann Georg Wimpassinger vorgenommen. 1752 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Die erwarteten Geldmittel von Seiten Maria Theresias blieben jedoch aus, sodass der Bau für einige Jahre eingestellt werden musste. Erst nach einer Intervention des Raaber Bischofs wurde eine Finanzierungszusage 1756 über nahezu 5000 Gulden gegeben. 1757 war die Kirche fertig gestellt. Die Innenausstattung der Kirche erfolgte unter Pfarrer Andreas Kiss (1761- 1780). Unter Pfarrer Mathias Pinter (1863 - 1876) wurde ein neuer Hochaltar aufgestellt. Er wurde aus der Ödenburger St. Michaelskirche gekauft, das neue Altarbild wurde von Franz Storno angefertigt.

Pfarrer waren im ausgehenden 18. und im 19. Jahrhundert Franz Karl Bárány, Anton Mussits, der der erste Dechant des neuen Dekanats Neusiedl war, Joseph Lerner, Josef Mnich , Ignaz Dworzák und Mathias Pinter. Wallfahrten und Prozessionen prägten auch in Jois das kirchliche Leben. Es gab zahlreiche Stiftungen. 1870 betrug das Stiftungskapital über 5000 Gulden.

Im Privatbesitz der Habsburger (1764 - 1848)

1758 entschloss sich Maria Theresia zur Verpfändung der Herrschaft Ungarisch Altenburg.  Die Wiener Stadtbank erlegte für die Herrschaft 2 200 000 Gulden Pfandsumme. 1764 kaufte dann Franz Stefan von Lothringen, der geschäftstüchtige Gemahl Maria Theresias, die Herrschaft um 2 300 000 Gulden. 1765 starb er und Maria Theresia und ihr Sohn Josef II. gründeten den habsburgischen Familienfonds, der der Versorgung von Mitgliedern der Herrscherfamilie dienen sollte. Die Herrschaft Ungarisch Altenburg kam an diesen Fonds, allerdings nur für kurze Zeit, denn 1766 schenkte Maria Theresia ihrer Tochter Erzherzogin Marie Christine anlässlich ihrer Hochzeit mit Herzog Albert Kasimir von Sachsen - Teschen die Herrschaft. 1798 starb Marie Christine und ihr Gemahl wurde Alleinbesitzer. Nach seinem Tod 1822 erbte Erzherzog Karl, der dritte Sohn des Kaisers Leopold II. die Herrschaft. Er war bis zu seinem Tod 1847 Besitzer von Ungarisch Altenburg und damit auch von Jois. Es folgte ihm sein Sohn Erzherzog Albrecht.

Die Verwaltung unter den neuen Besitzern war äußerst straff und auf Gewinn ausgerichtet, die Abgaben der Bauern wurden immer wieder mit Nachdruck eingefordert. Die Ernten an Getreide und Wein wurden streng kontrolliert und hohe Strafen für Verstöße angedroht. Auch die Robot wurde vom Herrschaftsheiducken Ganster konsequent eingefordert. Die Untertanen hatten unter der Habsburgerherrschaft nichts zu lachen. Auch in der Eigenwirtschaft arbeitete man auf höhere Gewinne. Weideland wurde umgeackert, vermehrt Mais und Kartoffeln produziert, neue Obstsorten, u.a. auch Maulbeerbäume angepflanzt, die Pferdezucht besonders gefördert. Die Herrschaft legte eine Baumschule an. Um die Auswirkungen von Bränden zu mildern erließ die Herrschaft strikte Vorschriften, etwa die Anpflanzung hoher Obstbäume gegen den Funkenflug, Anstellung von Wächtern und das Bereithalten gefüllter Wasserbehälter. Herumziehendes "Gesündel" sollte man nicht dulden, sondern vom Dorf wegschicken oder verhaften.

Mit dem Nachbarort Winden, der der Herrschaft Heiligenkreuz unterstand, gab es seit 1493 immer wieder Grenzstreitigkeiten. 1565 legte eine Kommission die Hottergrenze fest, aber schon 1568 beschwerte sich der Heiligenkreuzer Abt erneut. Die Auseinandersetzungen mündeten zeitweise in Gewalttätigkeiten. Es könnte sein, dass diese auch einen konfessionellen Hintergrund hatten. Die Joiser waren evangelisch. 1675 ließ der Joiser Richter in Begleitung von Bewaffneten neue "Hotter aufwerfen", also vermutlich Grenzwälle oder Hügel. 1675 kam erneut eine Kommission. Man warf sich gegenseitig vor, alte Hottersteine zerschlagen und neue gesetzt zu haben. Besonders umstritten waren einige Waldflächen und der Hackelsberg. Der Streit wurde schließlich mit einem Kompromiss beigelegt.

Edelhöfe

Es gab in Jois einige Edelhöfe oder Freihöfe. Sie unterstanden nicht der Herrschaft, waren von einigen Abgaben befreit und konnten frei vererbt oder verkauft werden. Im Urbar von 1525 wurden schon vier Edelhöfe vermerkt.

Der Latteshof, auch Enzersdorfer Hof, Stamper - Hof oder Hackl - Hof genannt, wurde später als Brucker Hof bezeichnet. Der Ritter Wilhalm Enzersdorffer hat den Hof zur Zeit der St. Georgen - Bösinger im 15. Jahrhundert bekommen. 1510 schenkte Graf Peter von St. Georgen - Bösing dem Wolfgang Mitterndorfer den "Lattes - Hof" mit einem ganzen Lehen, dem Bergrecht von einigen Weingärten und einem Fischwasser. Weingärten und ein Wald gehörten zum Hof. Da der Lattes - Hof schon baufällig war erhielt Mitterndorfer ein Haus am Hauptplatz, wo der Edelhof entstand. Aus dem alten Lattes - Hof wurde der Kleine Bruckerhof in der Unteren Hauptstraße. 1532 kaufte Jakob von Stamp den alten Latteshof und wahrscheinlich einen zweiten Freihof. Nach seinem Tod verkaufte seine Frau 1555 den Lattes - Hof , ein weiteres Haus sowie das öde Dorf Neudorf an die Stadt Bruck. Die Stadt und viele ihrer Bürger besaßen in Jois Weingärten. Der Hof blieb über 350 Jahre im Besitz der Stadt und wurde daher "Bruckerhof" genannt. Beide Höfe waren meist an Ratsherrn in Form von Leibgedinge oder Bestandsbriefen vergeben. Ende des 17. Jahrhunderts war der Hof baufällig. Der Große wie der Kleine Bruckerhof waren weniger Wirtschaftshöfe als Wohnhäuser für die Arbeiter und Angestellten  1913 lebten im Gro0en Bruckerhof 12 Parteien. Im Großen Bruckerhof gab es einen Stall und eine Leutgebstube mit Keller. Mit dem Rückgang des Brucker Weingartenbesitzes in Jois wurden die Brucker Höfe eine Belastung. 1914 ergab sich eine günstige Gelegenheit, sie los zu werden. Das Militär wollte den Truppenübungsplatz Bruckneudorf vergrößern  und den Stampferwald, der der Stadt gehörte. erwerben. Die Stadt Bruck verkaufte nur unter der Bedingung, dass das Militär auch die übrigen Besitzungen in Jois übernahm. Der Große Bruckerhof wurde 1930 an die Familie Hackl verkauft, die Wohngebäude des Kleinen Bruckerhofes erwarben die dort lebenden Familien.

Der Fronauer Hof oder Hof des Sigmund Pfandl war 1525 im Besitz des Priesters Pfandl. Zum Hof, der öde lag, gehörten drei Lehen. Pfandl stand im Dienst der Königin Maria und ihres Bruders Ferdinand und erhielt den Hof als Belohnung. 1531 war er Pfarrer in Güns, 1532 Priester und Kantor in der Kapelle Ferdinands. Pfandl hielt sich wohl kaum in Jois auf. Er starb 1546/50. Der kaiserliche Rat Georg Krabath von Sparendorf ließ sich 1550 von Kaiser Ferdinand I. mit zwei Kurien in Jois beschenken. Gegen diese Schenkung legten Zacharias Wochnitzky und der Neusiedler Adelige Benedikt Czallenpaumb, der Schwager Pfandls, Protest ein. Wochnitzky konnte nachweisen, dass der Hof von Caspar Stainitzer eine geistliche Stiftung war. Krabath musste auf die Schenkung verzichten. Vermutlich erbten Pfandls Verwandte den Edelhof. 1565 ist er im Besitz von Hans Freudenreich. Die weiteren Besitzer sind unbekannt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts werden Edelhöfe von Stefan Adenfi, Jakob Dobner und Maximilian Scherhakl genannt. Wahrscheinlich war auch der kaiserliche Präfekt Johann Fromwald, der Erbauer der Kapelle im Friedhof, Besitzer eines Edelhofes. In der Folge sind auch der Reichshofrat Jodoci und die Grafen Harrach Besitzer von Edelhöfen. Als 1718 Jois an die Ministerial - Banco Deputation übergeben wurde scheinen neben den zwei Brucker Höfen ein Freihof des Petrus Nunkowitsch und einer des Grafen Johann Baptist Mora auf.

Mora kam vor 1698 als "Exulant" aus Venetien nach Jois. Er war für die Entwicklung des Joiser Weinbaues äußerst wichtig. Er produzierte wahrscheinlich sortenreine Spätlesen, für die er hohe Preise erzielte. Der Hof Moras stand dort, wo sich heute deie Herz-Jesu-Kirche befindet. Der Keller des Edelhofes blieb erhalten. Der Pfarrhofstadel war wahrscheinlich das Wohngebäude des Grafen Mora. Mora lebte ständig in Jois, er war verheiratet mit Maximiliana, geborene Wertnberg. 1727/28 starb Mora, ohne direkte Erben zu hinterlassen. Das Ehepaar Mora errichtete eine Messestiftung. Den Edelhof kaufte der Landmarschall Graf von Harrach um 12 000 Gulden, weit unter dem tatsächlichen Wert. Die Herrschaft Ungarisch Altenburg war alarmiert, meldete ihr Vorkaufsrecht an und kaufte schließlich den Hof. Der bisherige Haushofmeister Pallazini wurde mit der Weiterführung der Weinwirtschaft betraut. Der Hof diente als Sammelstelle, Keller und Schüttkasten. 1889 überließ der damalige Besitzer und Patronatsherr von Jois, Erzherzog Albrecht, die Parzelle des Mora- Hofes der Pfarre Jois.

Vor 1729 kaufte der kaiserliche Feldmarschall Graf Claudius Florimund Mercy de Argenteau von Nunkowitsch dessen Edelhof. Marcy hatte große Ausbaupläne und wollte sechs angrenzende Bauernhäuser und einen Gemeindebrunnen aufkaufen. Die Gemeinde und auch der Herrschaftsadministrator wandten sich dagegen. Mercy baute daraufhin sein Haus in Bruck aus. 1734 fiel der General bei Parma, sein Adoptivsohn Graf Antonius Ignatius Carolus Augustinus Mercy erbte den Hof. Er war ebenfalls Feldzeugmeister und Generalgouverneur von Slawonien. So wie sein Adoptivvater, der als Gouverneur von Temesvar und Kolonisator des Banates sowie als General ständig unterwegs war, hielt sich auch Anton Mercy kaum in Bruck und Jois auf. Er wollte den ziemlich verfallenen Edelhof schließlich verkaufen. Käufer war die Administration von Ungarisch Altenburg. Nach Hillinger befand sich der Edelhof auf dem Gelände, auf dem jetzt die Schule und der Kindergarten stehen. 1856 war die Gemeinde bereits Eigentümerin des Gebäudes. Bis 1963 war dort das Gemeindewirtshaus untergebracht.

Im Haus in der Bahngasse, heute Heurigenrestaurant "Saliterhof", diente der Erzeugung von Saliter (Salpeter) . Wegen des großen Gestanks vefabdeb sich die Saliterhöfe ja meist am Ortsrand. Um 1620 betrieb Peter Rupf das Joiser Saliterwerk. Philipp Ignatz Mayrhofer kaufte das Haus und forderte Abgabenfreiheit. 1764 war Carl Indest Inhaber der Salitersiederei. Obwohl ihm die Esterhazy einen Teil seines Einzugsgebietes streitig machten blieb das Joiser Saliterwerk eines der größten der Umgebung. Der Salitermeister Johann Georg Tiewald konnte noch im ausgehenden 18. Jahrhundert drei Saliterknechte beschäftigen. Um 1800 wurde die Saliterei eingestellt, der Hof ging in den Besitz der Herrschaft über. Heute ist er im Besitz der Familie Waldbott - Bassenheim.

Verwaltung nach 1848 und Grundentlastung

Ab 1852 wurde das Gemeindeoberhaupt als Ortsvorsteher bezeichnet, inoffiziell aber weiterhin Richter genannt. Richterliche Aufgaben hatte er freilich nicht mehr. 1857 scheint der Oberlehrer Georg Polreiss als Notär auf. Unter seinem Nachfolger Adolf Kuzmits kam es zu Problemen, da dieser Gemeindegelder veruntreute. Er wurde verurteilt und abgesetzt. Der Gemeindevorstand, der "Richter" Mathias Ehardt, sein Stellvertreter, der Kassier und die Geschworenen, denen man mangelhafte Kontrolle vorwarf, kamen mit einer Rüge davon. Weitere Notäre waren Alexander Varga, Janos Hancs und Alfred Labos, der auch noch in österreichischer Zeit wirkte.

So wie in allen anderen Gemeinden Ungarns gingen die Urbarialgründe in den Besitz der Bauern über. Die Entschädigung der Herrschaftsinhaber erfolgte durch den Staat. Die nichturbarialen Leigenschaften, etwa die Rottgründe, mussten hingegen von den Bauern abgelöst werden. Die Verhandlungen darüber zogen sich noch Jahre hin. Erzherzog Albrecht behielt den Salitterhof, der ehemalige Mora -Hof, Herrschaftskeller und Herrschaftshaus. Auch die Herrschaftsweingärten ("kaiserliche Weingärten") blieben im Besitz der früheren Herrschaftsinhaber. Die Wälder wurden aufgeteilt. Differenzen gab es um die Aufteilung der Hutweide und des Seeanteils. Erzherzog Albrecht überließ schließlich einen Teil des Schilfgürtels der Gemeinde. Die Ablösezahlungen hatten auch in Jois die Verschuldung einiger Familien zur Folge. Der Grundbesitz wurde nunmehr unter den Erben immer wieder geteilt. Die Häuser wurden weniger oft geteilt, dafür aber dehnte sich das verbaute Gebiet stark aus, in der Oberen Hauptstraße und in der Josef Haydngasse. Einige Familien konnten durch Zukauf und Heirat ihre Wirtschaft konsolidieren und neue Keller bauen, im Haus und in der Kellergasse. Einen schweren Rückschlag brachte der Großbrand im August 1861. Zwei Drittel des Ortes brannten ab, 16 Personen kamen ums Leben. Auch die Reblauskrise gegen Ende des Jahrhunderts machte den Joisern zu schaffen. Der Markt war so arm, dass er dem Lehrer Stefan Jeszenkovits nicht bezahlen konnte.

1897 wurde die Ödenburg - Eisenstadt - Pressburger Bahn fertig und Jois damit an das Bahnnetz angeschlossen, hatte zunächst aber noch keine Haltestelle. 1911 wurde ein Warteraum errichtet. 1880 wurde ein Postamt bzw. eine Postablagestelle eröffnet.

Um 1880 lebten einige jüdische Familien im Ort. 1882 kam es zum "Joiser Judenkrawall", dessen Ursachen nicht ganz geklärt sind. Hillinger vermutet, dass infolge einer schlechten Ernte sich viele Bauern von den Juden Geld ausleihen mussten und dass vielleicht infolge der Notlage die Zinsen überhöht wurden. Es kam nach der Weinlese zu Versammlungen vor den jüdischen Geschäften. Am 31. Oktober stürmte eine Gruppe von Joisern den Laden von Maritz Steiner und warf Waren auf die Straße. Der Gemeindevorstand Haslinger konnte die Leute zunächst beruhigen. Bald flammte der Aufruhr wieder auf. Die Frau des Moritz Steiner versuchte mit Hilfe eines ungarischen Knechtes zu fliehen. Da krachte ein Schuss und Frau Steiner stürzte tot zu Boden. Noch am gleichen Tag leitete der Stuhlrichter eine Untersuchung ein. Er veranlasste die ersten Verhaftungen. Am nächsten Tag wurde eine Abteilung Dragoner in den Ort verlegt und blieb dort 18 Tage. Viele Joiser wurden einvernommen, Verdächtige verhaftet und in das Landesgericht nach Raab gebracht. Der Mörder wurde zu sechs Jahre, der Eigentümer der Waffe, der schon vorbestraft war, zu 10 Jahre Kerker verurteilt, zwei Männer, die man als Rädelsführer des Tumults ausfindig gemacht hatte, erhielten vier Jahre Gefängnis.

Bevölkerungsentwicklung

1565  gab es in Jois 86 Lehensbauern und 5 Hofstätten. 1713 betrug die Einwohnerzahl 848 Personen und stagnierte dann bis 1855 um etwa 700 bis 800 Einwohner. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl auf etwa 1000 bis 1200. 1918 betrug sie 1285, 1934 1313, 2005 1335 Personen. Die Zahl der Häuser stieg von 190 im Jahre 1923 auf 450 im Jahre 2001 an.

Die Pestjahre 1644/45 1712/13 werden auch in Jois ihre Opfer gefordert haben. 1745, 1747, 1757 und 1836  gab es große Brände. 1836 waren auch der große Brucker Edelhof und das Schulgebäude betroffen. 1838 brannten wieder 16 Bauernhäuser ab. Besonders schlimm war der Brand von 1861. Innerhalb einer Stunde wurde die Hälfte des Ortes erfasst - 63 Bauernhäuser, die Schule, das Gemeindehaus, die Wirtschaftsgebäude des Pfarrhofes. 20 Personen kamen ums Leben. Erst 1906 wurde auch in Jois ein Feuerwehrverein gegründet. An der Stelle der Fleischbank entstand ein Gerätehaus. 1964 wurde ein neues Feuerwehrhaus errichtet.

Wirtschaftliche Entwicklung

Handwerk und Gewerbe spielten in Jois immer nur eine bescheidene Rolle. Am wichtigsten war und blieb der Weinbau, ergänzt durch die Landwirtschaft für die Eigenversorgung. Im Getreideanbau wurden in der Zwischenkriegszeit zwei Druschgemeinschaften mit einer Dampfmaschine bzw. einem Benzinmotor gegründet. Die Milchwirtschaft erlebte erst nach der Einrichtung der Milchgenossenschaft 1926 eine wichtigere Rolle. Die Milch wurde an die MIAG nach Wien geliefert, zunächst mit der Bahn, später von einem LKW abgeholt. 1948 wurde ein eigenes Gebäude als Milchsammelstelle errichtet. 1965 wurde die Milchegnossenschaft aufgelassen, da die Milchkuhhaltung stark zurückging. 1973 wurde das Gebäude abgerissen und an seiner Stelle die neue Aufbahrungshalle gebaut.

Im Obstbau spielten die Kirschen schon im 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Joiser Kirschen waren fest, konnten gut transportiert werden und waren geschmackvoll. Sie waren eine wichtige Einnahmequelle. Großhändler aus Wien kauften die Kirschen.1856 war ein Drittel der Gesamtackerfläche mit Obstbäumen bestanden. 1938 wurden nahezu 16 000 Kirschbäume gezählt. Von der einstigen großen Bedeutung zeugt die Kirsche im Ortswappen. Heute sind die Kirschenkulturen unwichtig.

Im Leithagebirge gab es auch auf Joiser Gebiet zahlreiche Steinbrüche, zum Teil im Besitz der Herrschaft, zum Teil auf Gemeindegrund. Im Ort waren immer wieder auch Steinmetzmeister ansässig. Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten die Steinbrüche Hochkonjunktur. Die Steine wurden zum Bahnhof Wilfleinsdorf transportiert und in Wien für die Ringstraßenbauten, etwa die Oper oder die beiden Museen, verwendet. 1865 bis 1901 lebten im Durchschnitt 40 Personen in den Steinbrüchen. Viele Steinbrecher stammten aus Oberungarn.

Das Schilf des Neusiedler Sees wurde in früherer Zeit zum Decken der Dächer verwendet. Das junge Schilf wurde auch an die Tiere verfüttert. Mit der Verarbeitung zu Stuckaturrohr begann 1927 der Purbacher Martin Knoll. Auch Erzherzog Friedrich wollte diesen natürlichen Reichtum nutzen. 1929 wurde der Schilfgürtel neu vermessen. Schon 1920 hatte die Herrschaft Halbturn den Schilfgürtel auf  zwanzigeinhalb Jahre an "Trust Forcier" verpachtet. Einige Joiser konnten mit dem Rohrschneiden viel Geld verdienen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach Stuckaturrohr besonders groß. 1957 wollte die Firma Zezula eine Fabrik errichten. Verwirklicht wurde dieser Plan dann von der Firma Josef Mager. 1960 wurde mit dem Bau der Fabrikshalle und des Verwaltungsgebäudes begonnen. Es wurden enorme Mengen an Schilf benötigt, die bei der Rohrernte eingesetzten Joiser verdienten gut. Schließlich wurden auch Traktoren für die winterliche Ernte eingesetzt. Trotzdem ging die Fabrik in Konkurs, da dem Betrieb zu viel Kapital entnommen wurde. 1981 kam es zur Versteigerung. Es fand sich aber kein Interessent. 1983 wurde ein Teil des Geländes zu einer Freizeitpension mit einer Surf- und Segelschule umgebaut.

Neben kleinen Sparvereinen, die in den Wirtshäusern ihren Sitz hatten, wurde 1929 eine Geschäftsstelle der Landeshypothekenanstalt eröffnet und 1928 der "Spar- und Darlehensverein für Jois" gegründet, der sich dem Verband der ländlichen Genossenschaften anschloss. 1941 wurde daraus die Raiffeisenkasse Jois, 2001 die Raiffeisenbank Jois. 1972 wurde im Gemeindeamtshaus ein neues Geschäftslokal bezogen.

Die Entwicklung der Pfarre

1876  bis 1899 war Ludwig Házay Pfarrer. Er betrieb den Bau einer Herz - Jesu - Kirche. 1899 wurde der Bau genehmigt.  Kurz nach Baubeginn starb er jedoch. Unter Pfarrer Josef Maar (1900 - 1925) fehlte das Geld für den Weiterbau, der Rohbau verfiel mehr und mehr.  Unter Johann Gruber (1926 - 1934) verfiel die Kirche mehr und mehr.1927 wurde ein katholischer Burschenverein, 1928 ein katholischer Mädchenbund gegründet. Im Ort gab es wegen der Schule heftige Streitigkeiten. Seit 1910 bestand eine einklassige Staatsvolksschule neben der römisch-katholischen Volksschule. 1929 entschied der Verwaltungsgerichtshof zugunsten der Pfarre. Im Ständestaat wurde dann die Staatsvolksschule von der katholischen Schule vereinnahmt. Die politischen Auseinandersetzungen wirkten sich auch auf die Pfarre aus, zumal Pfarrer Gruber kein Freund der Sozialdemokraten war. 1934 ging Gruber nach Rust. Auf Gruber folgte Andreas Strobl als Pfarrer (1935 - 1946). Strobl hatte die Idee, den Rohbau der Herz-Jesu - Kirche als Dollfuß - Gedächtniskirche fertig zustellen. Diese Idee wurde von Provikar Dr. Josef Köller, Landeshauptmann Sylvester und vom Apostolischen Administrator unterstützt.  1935 rief anlässlich einer Mariazeller Wallfahrt der Burgenländer Kardinal Innitzer die Teilnehmer auf, die Fertigstellung der Herz-Jesu-Kirche in Jois als Dollfuß - Gedächtniskirche zu unterstützen. Der Plan für den Umbau stammte vom Wiener Architekten Holey. 1936 begannen die Umbauarbeiten,  1937 wurde diese Kirche dann von Innitzer geweiht. Der Umbau kostete weit mehr als vorgesehen, es blieben hohe Schulden. Bis heute stellen die zwei Kirchen in Jois eine hohe Belastung für die Pfarre dar.  Unter Paul Kedl (1946 - 1964) wurde die Pfarrkirche renoviert und das Pfarrheim gebaut, unter Josef Schermann (1965 - 1970) wurde ein neuer Pfarrhof gebaut und es fand eine gründliche Innen- und Außenrenovierung der Kirche statt. Martin Sack (1970 - 1975) ging anschlie0end als Stadtpfarrer nach Pinkafeld, war Regens des burgenländischen Priesterseminars, Pfarrer in Wiesen und dann in Eisenstadt - Oberberg. Weitere Pfarrer waren Josef Nebel (1975 - 1983), Alexander Nagy (1983 - 1987), Stefan Schüler (1987 - 1990), Dr. Peter Onyi Obeke (1992 - 2002), ein Nigerianer, Gregor Ziarnovski (2002 - 2007), ein Pole. 1987 wurde der Pfarrverband Jois - Winden Kaisersteinbruch errichtet, 2007 die Pfarren Neusiedl, Weiden, Jois und Winden zu einem Seelsorgeraum zusammengeschlossen.

Der Truppenübungsplatz

Das "Brucker Lager" in Bruckneudorf erstreckte sich auch auf ein kleines Gebiet in Jois. Es war ein Truppenübungslager mit Schießschule. In Jois wurde zwischen Jungenberg und dem See eine Weitschießanlage errichtet. 1909 wurde der Vertrag zwischen Jois und der K.u. K. Heeresverwaltung abgeschlossen. Das Militär pachtete nahezu 400 Joch. Das Militär war an einer Erweiterung des Truppenübungsplatzes interessiert und wollte den Stampferwald, der Im Besitz der Stadt Bruck war, kaufen. Die Stadt war aber zum Verkauf nur dann bereit, wenn auch die der Stadt gehörenden Gebäude in Jois gekauft würden. 1914  erwarb das Kriegsministerium den Wald und die beiden Edelhöfe in Jois, die dann an Private weiterverkauft wurden. Der Truppenübungsplatz wurde dann vom Österreichischen Bundesheer übernommen. Für die zeitweise gesperrten Sicherheitszonen erhielten die Grundbesitzer Entschädigungen. Das Deutsche Reich kaufte dann nach dem Anschluss weitere Gründe zur Erweiterung des Truppenübungsplatzes hinzu. Etwa 60 % des Joiser Hotters wurden angekauft. Als Ersatz wurden die Adelshofgründe angeboten. Das Gelände zwischen der Eisenbahn und dem See wurde als Schießplatz ausgebaut. Im April 1945 besetzte die Rote Armee den Truppenübungsplatz. Die Grundstücke konnten von den früheren Besitzern bewirtschaftet werden. Sie gehörten jedoch als "Deutsches Eigentum" der Sowjetunion und die Bauern mussten an die USIA Pacht zahlen. Erst nach Abschluss des Staatsvertrages kam es zur Rückstellung  bzw. zum 1960 abgeschlossenen Rückkauf. 1956 zog wieder das Bundesheer ein. Auch das 1958 errichtete Bunkersystem erstreckte sich auf Joiser Gemeindegebiet. Zwei Drittel des Seeanteiles, 579 ha, konnten von einer neu gegründeten Agrargemeinschaft gekauft werden. Das dritte Drittel kaufte die Herrschaft Halbturn zurück. 332 ha des Joiser Hotters gehören nach wie vor zum Truppenübungsplatz.

Schulwesen

1555 wird erstmals eine Schule erwähnt. Es gab auc schon ein Schulgebäude. 1579 kam es im Schulhaus zu einer Schlägerei zwischen dem Richter Gregor Geyer und dem katholischen Pfarrer von Winden. Schulmeister war Andreas Furtenbach, der vielleicht mit dem evangelischen Pfarrer Walker aus Deutschland gekommen war. 1583 ist der katholische Schulmeister Matthäus Redelin bezeugt. Im Visitationsbericht von 1659 war Laurentius Pertelhoffer Schulmeister. 1735 wurde der Schulmeister auch als "Notarius" der Gemeinde entlohnt. Die Joiser Schule war natürlich eine Konfessionsschule, der Pfarrer war "Direktor"1868 wurde auch in Jois ein Schulstuhl errichtet. 1800 bis 1833 war der aus Kaltenstein stammende Mathias Jäger Schulmeister. Die Schule war zweiklassig. Die Schülerzahl lag meist zwischen 90 und 120.1879  wurde in allen Volksschulen die ungarische Sprache verbindlich. In den kirchlichen Schulen hielt man sich kaum daran, der Druck auf die Lehrer wurde aber immer stärker. Diejenigen, die den Kindern Ungarisch beibrachten, erhielten Prämien. Mit dem Apponyischen Schulgesetz von 1907 wurde dekretiert, dass die Schüler schon nach der vierten Schulstufe Ungarisch in Wort und Schrift zu beherrschen hatten. Nur mehr die ungarischen Schulbücher durften verwendet werden. Das Ergebnis war wie in den meisten deutschen Dörfern dürftig. 1861 bis 1872 war Mathias Marschal Lehrer und Notär. Er wurde aus unbekannten Gründen von seiner Lehrstelle suspendiert. Sein Nachfolger war ab 1873 Stefan Jeszenkovits, gefolgt von Johann Pfneißl aus Oberrabnitz ud schließlich Josef Lichtscheidel. 1924 bis 1929 wurde die Schule als Gemeindeschule geführt, danach war sie wieder Pfarrschule. Gegen die Gemeindeschule wandte sich der Pfarrer Maar. Der Umwandlungsbeschluss wurde vom Unterrichtsministerium als ungesetzlich aufgehoben. 1908 entschloss sich der Gemeinderat, eine Staatsschule  und ein neues Schulhaus zu errichten. Das Gebäude wurde 1910 fertig gestellt. In ihm war auch ein Kindergarten untergebracht.  Es gab zwei Volksschulen und entsprechende Spannungen. Im Ständestaat wurde die Joiser Staatsschule aufgelassen. 1938 endete schließlich das konfessionelle Schulwesen. 1949 wurden Renovierung und Umbau des Schulgebäudes beschlossen. 1973/74 fand eine Außenrenovierung  und 1975  bis 1977 eine gründliche Innenrenovierung statt, 1997 zog der Kindergarten aus. Die Volksschule hatte damit vier Klassenzimmer.

Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit

Jois hatte im Ersten Weltkrieg 35 Gefallenen und 13 Vermisste zu beklagen. Nach dem Anschluss an Österreich entschied sich die Gemeinde für den offiziellen deutschen Ortsnamen Jois. Bei den ersten Gemeinderatswahlen vom März 1923 wurde die Sozialdemokratische Partei mit 303 Stimmen stärkste Gruppierung, gefolgt von den Christlichsozialen mit 266 Stimmen und den Großdeutschen mit 67 Stimmen. Bürgermeister wurde Johann Mospointner, 1927 erhielten die Sozialdemokraten 374, die Christlichsozialen 326 Stimmen. Die Großdeutschen kandidierten nicht. Mospointner blieb Bürgermeister. Es gab heftige innere Auseinandersetzungen, etwa 1929 in der Frage der Gemeindeschule. Die Christlichsozialen zogen aus dem Gemeinderat aus. Ab 1925 begannen die Frontkämpfer, sich zu organisieren. 1930 entstanden Heimwehr- und Schutzbundorganisationen. Immer häufiger kam es zu Zusammenstößen, Kirschbäume der Gegner wurden umgeschnitten, junge Weingärten zerstört. Bei Raufereien gab es immer wieder auch Verletzte. In einer Rauferei mit politischem Hintergrund im Kaffeehaus wurde 1931 Rudolf Kiss durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt. Der Gemeinderat Josef Tötschinger wurde verurteilt, zwei weitere Personen erhielten Gefängnisstrafen. Bei der Gemeinderatswahl von 1931 erhielten die Sozialdemokraten 351 Stimmen, die Christlichsozialen 337 Stimmen. Im Gemeinderat stand es 7 : 6. Neuer Bürgermeister wurde Karl Steidl, der 1946 bis 1949 im Bundesrat war und 1949  bis 1964 Abgeordneter im Burgenländischen Landtag war. 1934 wurde der Vizebürgermeister Georg Karner zum Verwaltungskommissär ernannt. Er war im Ständestaat Bürgermeister, dankte jedoch 1937 ab. Sein Nachfolger wurde Ludwig Steurer. 1934 wurden Sylvester, Dollfuß und Pfarrer Gruber Ehrenbürger.

In der Zwischenkriegszeit war die wirtschaftliche Situation der Gemeinde sehr schlecht. Die Arbeitslosigkeit war hoch.  Die Straßen waren in einem katastrophalen Zustand. Ein 1924 errichteter Telefonanschluss im Gemeindeamt musste wieder abgebaut werden, da er zu teuer war. Erst 1927 konnte im Gemeindeamt wieder eine öffentliche Sprechstelle eingerichtet werden. 1927 wurde ein Liefervertrag mit der Burgenländischen Elektrizitäts-Versorgungs - Gesellschaft geschlossen werden, 1929 war die Elektrifizierung abgeschlossen.

Das erste Gemeindeamt dürfte nach 1871 entstanden sein. Der damalige Notär Georg Polreis verkaufte anscheinend sein Haus an die Gemeinde. Im Haus war eine Wohnung für den Notär, später Amtmann, und für einen Lehrer untergebracht. 1929 wurde das Haus umgebaut.

Anlässlich der Weihe der Herz-Jesu-Kirche kam es zu einem Zwischenfall: Kurz bevor die Feier begann rollte an der Kirche eine Hakenkreuzfahne herunter, die rasch entfernt wurde. Nach dem Anschluss an Deutschland wurde wieder Johann Mospointner Bürgermeister. Ludwig Hoffmann war Ortsgruppenleiter der NSDAP,  Heinrich Wetschka SA- Ortsführer und Emmerich Hackl Bauernführer. In der Volksabstimmung zum Anschluss gab es eine "Nein"- Stimme.

1933 lebten in Jois 120 Roma, in einer Siedlung auf der Spiegelhöhe zwischen Jois und Neusiedl. 19 unter ihnen waren sesshaft. 1936 wurden 109 Roma registriert. 1936 bemühte sich die Gemeinde, das Zigeunerlager auf eine dafür angekaufte Wiese zu verlegen. Es entstanden 8 - 10 Hütten aus Stein und Holz. Im Frühjahr 1940 wurden die Joiser Roma abtransportiert. Nur wenige kehrten nach dem Krieg zurück.

Während des Zweiten Weltkrieges waren auch in Jois Kriegsgefangene eingesetzt, Franzosen, später Russen und Ukrainer. Ende 1944 wurde mit dem Ausbau des Südostwalles begonnen. Die Zwangsarbeiter waren im Gemeindegasthaus untergebracht, ebenso in den Stallungen und Stadeln der Bauern. Sie wurden von SA - Männern bewacht. Bunker, Laufgräben und MG - Stellungen sind auch heute noch am Hackelsberg zu sehen. Jois hatte im Krieg 59 Gefallene und 27 Vermisste zu beklagen.

Beim Einmarsch der Russen am Osterdienstag 1945 gab es keinen Widerstand. Es folgten Plünderungen, einige Personen wurden erschossen, darunter auch eine Frau und ihr Kind. Ein Joiser wurde erschlagen, ebenso ein ukrainischer Arzt, der die Zwangsarbeiter betreut hatte. Insgesamt wurden acht Personen getötet. Zahlreiche Frauen und Mädchen, darunter eine Zwölfjährige, wurden vergewaltigt. Die Joiser Bevölkerung wurde beim Einebnen des Parndorfer Flugfeldes eingesetzt. Die Russen setzten Ludwig Steurer und später Georg Karner als Bürgermeister ein. Große Probleme bereiteten ehemalige Zwangsarbeiter, die, oft in russischen Uniformen, immer wieder plünderten. Noch im Juli 1945 überfielen an die 2000 Ukrainer den Ort und plünderten die Häuser komplett aus. Es waren anscheinend frühere Zwangsarbeiter, die in Kaisersteinbruch und Bruck für den Heimtransport gesammelt wurden. Angeblich wurde das Diebsgut mit 35 Wagen und 70 Pferden abtransportiert. Jois musste zur Notstandsgemeinde erklärt werden. Zwei weitere Todesopfer gab es, als Kinder mit herumliegendem Kriegsgerät spielten.

Nachkriegszeit

In Jois wurden zahlreiche vertriebene Volksdeutsche aufgenommen, viele von ihnen aus Barbarsz bei Mohács. Sie mussten - obwohl zu Hause selbständige Bauern - als Knechte und Taglöhner arbeiten, konnten sich aber rasch eine eigene Existenzgrundlage aufbauen und sich in die Dorfgemeinschaft integrieren.

Frühere Nationalsozialisten wurden in Neusiedl interniert. 1946 befanden sich in diesem Lager 62 Personen. In Jois gab es 54 registrierte ehemalige Nationalsozialisten, darunter sieben Frauen. Nur zwei Personen wurden als "belastet" eingestuft.

1946 bis 1947 war Josef Leichtl Bürgermeister, gefolgt von Franz Glanz bis 1950. Der Gemeindeausschuss löste sich auf und konnte sich unter Aufnahme der Kommunisten Michael Kiss, später Johann Jäger, neu konstituieren. Die Geschäfte der Gemeinde führte von 1939 bis 1948 Maria Reichardt. Johann Schmauss wurde Gemeindeamtmann und blieb es bis 1979. 1949 wurde die Volksschule renoviert und eine Klasse dazugebaut. Da die Nachfrage nach Bauplätzen groß war wurde ein Ortsverbauungsplan erstellt. Die "Reitschule" und der Klausenberg wurden parzelliert und dadurch 28 Bauplätze geschaffen 1950 wurde die Erneuerung der Ortsstraße und die Kanalisation beschlossen. In der Gemeinderatswahl von 1950 wurde die ÖVP mit 373 Stimmen und 7 Mandaten die stärkste Gruppierung, die SPÖ erhielt 319 Stimmen und 5 Mandate, die KPÖ 60 Stimmen und ein Mandat. Johann Kiss wurde Bürgermeister, Josef Steidl Vizebürgermeister. Wichtigste Aufgabe war die Befestigung der Ortsstraße. 1954 erreichte die ÖVP wieder mit 399 Stimmen und 7 Madaten die Mehrheit, die SPÖ erhielt 333 Stimmen und 6 Mandate. Die KPÖ bekam nur mehr 18 Stimmen. Johann Kiss blieb Bürgermeister. Bis 1956 blieb die ÖVP die stärkste Partei, 1967 nur mehr mit drei Stimmen Vorsprung. Bürgermeister waren Josef Hillinger, dann wieder Johann Kiss und Georg Hoffmann. 1972 gewann die SPÖ die Wahl mit 421 Stimmen und 8 Gemeinderäten, die ÖVP erhielt 413 Stimmen und 7 Mandate. Karl Haider blieb von nun an durch drei Perioden Bürgermeister. 1977 baute die SPÖ ihren Vorsprung auf 490 Stimmen und 9 Mandate aus. 1982 bekam die SPÖ 465 Stimmen und 8 Mandate, die ÖVP 383 Stimmen und 7 Mandate. In den Jahren bis 1961 wurden die Stra0en ausgebaut, unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung, so dass die Kosten niedrig blieben. In den 1960er Jahren wurden die Güterwege befestigt. Die Wasserleitung des Ortes bediente sich zunächst des Schulbrunnens. 1980 wurde am Tannenberg ein Wasserspeicher errichtet. 1974 wurde das neue Gemeindeamtshaus fertig gestellt. Zur Finanzierung wurde das Gemeindegasthaus verkauft.

Schon 1967 erfolgte ein Ansuchen an die Landesregierung, Jois als Fremdenverkehrsgemeinde anzuerkennen. Es gab damals 50 Betten in gewerblichen und 20 Betten in privaten Betrieben. 1967 wurde auch der Rückkauf der Schilffläche und des Seeanteils, die von der USIA in den Besitz der Republik Österreich übergegangen waren, im Umfang von 869 ha durchgeführt. Zwei Drittel übernahm die Agrargemeinschaft Jois, davon 20 % die Gemeinde. Das dritte Drittel kaufte Paul Waldbott. 1972 ließ der damalige Bürgermeister Josef Hillinger ohne Genehmigung einen Damm durch den Schilfgürtel aufschütten. Der Bürgermeister prozessierte deswegen mit der Landesregierung. 1972 erbat die Gemeinde die Zustimmung der Naturschutzbehörde zur Errichtung eines Erholungszentrums im Schilfgürtel. 1975 fasste der Gemeinderat den Beschluss zur Errichtung eines Hafenbeckens mit einem Kanal für Segelboote. 1980 pachtete die Gemeinde die nötigen Flächen. Nach dem Plan des Mattersburger Architekten Graf war ein Segelhafen mit Klubgebäude und Restaurant vorgesehen. 1980 begannen die Arbeiten, zeitweise wegen der Brutzeiten der Vögel unterbrochen. 1981 wurde der Bottshafen geflutet. Dann zeigte sich aber, dass die Liegeplätze zu den vorgesehenen Preisen nicht zu verkaufen waren. Die weiteren Arbeiten wurden eingestellt. Es gab zwar private Interessenten am Segelhafen, diese planten allerdings die Erweiterung und die Errichtung von Ferienhäusern. Dafür gab es aber keine Genehmigung, da sich die öffentliche Meinung zunehmend gegen das Projekt wandte. Die Schuldenlast, die blieb, war enorm. Die Zinsen konnten nicht mehr bezahlt werden, die Firmen klagten offene Rechnungen ein. Die Gemeinde musste der Hypo - Bank Burgenland die Vermarktungsrechte übertragen. 1986 gelang eine Umschuldung. Die Gemeinde aber wurde der Kontrolle der Landesregierung unterstellt.

1965 wurde das Abwasserproblem akut. Eine geplante Kläranlage wurde aber nicht verwirklicht, die Kosten waren zu hoch. Erst 1979 wurde der Auftrag erteilt. 1982 wurde die Kläranlage in Betrieb genommen. Die Kosten für Kanalisation und Kläranlage betrugen bis 1989 52 Millionen Schilling.

Die großen Probleme, die hohen Schulden prägten auch die Gemeinderatswahl von 1987. Die SPÖ erhielt 410 Stimmen und 7 Mandate, die ÖVP 341 Stimmen und 6 Mandate. Daneben bekam die Liste "Rettet Jois" 113 Stimmen und 2 Mandate. Mit Hilfe dieser Liste wurde der ÖVP - Kandidat Georg Hoffmann Bürgermeister. Bei der Amtsübertragung hatte die Gemeinde 73,6 Millionen Schilling Schulden. Der Rechnungshof wurde eingeschaltet und deckte die Fehler und Fehleinschätzungen auf. Die Landesregierung stellte 10 Millionen zur Verfügung und die Hypo senkte den Zinssatz. Trotzdem erwog der Bürgermeister den Konkurs der Gemeinde. Das Land gab daraufhin weitere 10 Millionen und die Hypo erließ 3 Millionen Schilling Zinsen. Die Gemeinde baute die Anlage am See aus, der Segelhafen wurde verpachtet. Der Flächenwidmungsplan wurde geändert und die Union Bau Mobilien errichtete 79 Holzhäuser.

2004 begann die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft mit der Errichtung von Wohnungen und Reihenhäusern am Krotzen. Am Henneberg entstanden exklusive große Wohnhäuser. Die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern war und ist nach wie vor groß, vor allen wegen der günstigen Verkehrslage seit dem Bau der Autobahn. Auch viele alte Häuser wurden renoviert und modernisiert. Die Einwohnerzahl blieb lange Zeit konstant, seit den 1990er Jahren steigt sie jedoch (1951: 1308, 1971: 1270, 1991: 1277, 2005: 1335).

In wirtschaftlicher Hinsicht hat auch Jois den Charakter einer Agrargemeinde verloren. In den 1960er und 1970er Jahren waren viele Joiser bei den Bundesbahnen beschäftigt, vor allem durch Vermittlung des Bürgermeisters und Abgeordneten Karl Steidl.  1960 gab es in der Landwirtschaft  noch 260 Vollerwerbsbetriebe, 1999 nur mehr 138, aber 138 Nebenerwerbs- und Zuerwerbsbetriebe. Die meisten Joiser arbeiten heute als Tagespendler in der Agglomeration Wien oder in Eisenstadt. Im Ort selbst bietet der Fremdenverkehr einige Arbeitsplätze. Es gab 2006 4 Beherbergungsbetriebe mit 292 Betten und 30 Privatquartiere mit zusammen 243 Betten. 1993 gab es 35 000 Übernachtungen. Jois profitiert von der Nähe der Festspiele in Mörbisch und St. Margarethen, liegt aber auch an zwei beliebten Radfahrwegen. Attraktiv ist auch das Naturschutzgebiet am Hackelsberg und am Tannenberg. In jüngerer Zeit war ein großes Freizeitprojekt "Pantasia" im Hanftal. Eine Bürgerinitiative setzte eine Volksbefragung durch, die 80 % Zustimmung für das Projekt ergab. Wegen der vielen Gegner verzichteten die Betreiber aber schließlich.

Der Weinbau ist nach wie vor wichtig. Die Weingartenfläche wurde von 210 ha 1949 auf 507 ha 1999 vergrößert. Die Tierhaltung wurde nahezu ganz aufgegeben. Überproduktion an Wein und starker Preisverfall in den 1970er und 1980er Jahren und schließlich der Weinskandal machten der Weinwirtschaft aber stark zu schaffen. Joiser Weinbauern waren zwar nicht beteiligt, aber die Produktion von hochwertigen Qualitätsweinen litt besonders. Das Weingesetz brachte dann die Wende zur Qualitätsweinproduktion und zu neuen Vermarktungsstrategien. Eine junge Generation von Winzern war bald  im In- und Ausland sehr erfolgreich. Neue Keller und Betriebsanlagen wurden gebaut. Die Zahl der Betriebe sank freilich von 262 im Jahre 1988 auf 165 im Jahr 2000.

1925 wurde der erste Weinbauverein gegründet. Er hatte damals 133 Mitglieder. Nach dem Anschluss an Deutschland wurde er in eine Winzergenossenschaft umgewandelt. 1949 wurde der Weinbauverein neu gegründet, Filter- und Abfüllanlagen angeschafft. 19969 hatte der Verein 150 Mitglieder, 1990 111, 2007 nur mehr 59. Der Verein organisierte verschiedene Veranstaltungen, 1989 etwa wurde ein Weinlehrpfad errichtet. 1961 wurde wieder eine Winzergenossenschaft gegründet, 1962 ein Keller errichtet. Der Fassungsraum stieg von etwa 150 000 Liter auf über 1 300 000 Liter im Jahre 1981. Seit 1965 wurde die Genossenschaft in Jois und Winden umbenannt. Ein Teil der Genossenschafter schloss sich 2004 der Winzergenossenschaft Andau an, 2006 wurde das Gebäude in Jois an Leo Hillinger verpachtet.

In der Gemeindepolitik blieb die SPÖ die stärkste Kraft, zunehmend traten aber auch weitere Mitbewerber auf. 1992 erhielt die SPÖ 353 Stimmen und 7 Mandate, die ÖVP 307 Stimmen und 6 Mndate, die Liste Rettet Jois 90 Stimmen und ein Mandat, die Unabhängige Bürgerliste 67 Stimmen und ein Mandat. Erstmals wurde der Bürgermeister direkt gewählt. In der Stichwahl setzte sich DI Dr. Norbert Kusolitsch durch. Nach wie vor kämpfte man mit der Schuldenlast, die durch Seehafen und Kanal entstanden war. 1997 wurde eine Altstoffsammelstelle errichtet. Kirchberg und Klausenberg wurden für die Verbauung aufgeschlossen.1997 wurde der neue Kindergarten eröffnet. 1997 erhielt die SPÖ 379 Stimmen und 9 Mandate, die ÖVP 316 Stimmen und 8 Mandate, Rettet Jois 95 Stimmen und zwei Mandate. In der Stichwahl setzte sich Georg Hoffmann gegen Kusolitsch durch. Die Untere Hauptstraße und der Hauptplatz wurden neu gestaltet. 202 erhielt die SPÖ 457 Stimmen und 9 Mandate, die ÖVP 422 Stimmen und ebenfalls 9 Mandate, die Loste Sozial und gerecht 81 Stimmen und 1 Mandatl Bürgermeister wurde Leonhard Steinwandtner.  2007 konnte die SPÖ mit 517 Stimmen und 10 Mandaten einen beachtlichen Erfolg erzielen. Die ÖVP bekam 361 Stimmen und 7 Mandate, die Liste Gemeinsam für Jois 119 Stimmen und 2 Mandate. Steinwandtner wurde wieder Bürgermeister. Für die wirtschaftliche Entwicklung war die Errichtung eines Hightech - Betriebes wichtig (Zoerkler Gears Zahnrad- und Getriebetechnik).

Literatur:

  • Franz Hillinger, Jois. 800 Jahre und mehr. Jois 2008
  • Franz Hillinger, Jois. Bausteine zur Geschichte. Jois 2005