Gutkeled

 

 Die Gutkeled waren eine schwäbische Familie, die unter König Peter (1038 - 1046) nach Ungarn kam, wahrscheinlich um die deutschen Interessen zu wahren. Über ihre Frühzeit ist nichts bekannt. Erst im 13. Jahrhundert, als sie bereits weit verzweigt waren, werden sie in den Quellen greifbar. Zur Zeit der Schlacht von Mohi gegen die Tataren im Jahre 1241, war ein Stefan I., Sohn des Dragun von Gutkeled, im Gefolge des Königs. Er wurde später Hofrichter und Palatin. Sein Bruder Nikolaus I., Ban von Slawonien, fiel in der Schlacht von Mohi. Die Erfahrungen aus dem Tatarensturm ließ König Bela IV. den Burgenbau besonders fördern, da nur Steinburgen den Tataren standhalten konnten. Wahrscheinlich entstanden damals auch die Befestigungen von Purbach, St. Margarethen und Roy, die im späteren Einflussbereich der Gutkeled lagen. König Bela IV. ernannte Stefan I. von Gutkeled zum Herzog von Slawonien, 1254 machte er ihn zum Hauptmann der Steiermark. Von dort wurde er mit seinem Gefolge aber bald vertrieben. Unter König Stefan V. (1270 - 1273) erhielt Joachim, der Sohn Stefans I:, die Würde eines Banus von Kroatien und Slawonien. Die Königin verheiratete ihn mit der Tochter Romans von Halics und der  Gertrud von Babenberg. Im Dienste der Königin entführte Joachim den zehnjährigen Prinzen Ladislaus, als dieser seinem zukünftigen Schwiegervater, Karl von Anjou, vorgestellt werden sollte. Der König entzog ihm daraufhin alle Ämter und Würden.

Die Gutkeled mischten also in den Thronkämpfen bereits kräftig mit. 1273 zerstörte Premysl Ottokar die Befestigungen von Leithaprodersdorf, Purbach und St. Margarethen. Auf seiner Seite standen die Güssinger. Joachim von Gutkeled war zunächst im Heer des ungarischen Königs. Nach dem Tod König Stefans V. kehrte Heinrich von Güssing nach Ungarn zurück und übernahm zusammen mit Joachim Gutkeled die Macht. Die Königin setzte sich aber zunächst mit ihrer Partei durch, Joachim verlor seinen Einfluss und musste den Hof verlassen. Eine Koalition zwischen dem Güssinger, Joachim Gutkeled und Matthias Csák zerfiel bald wieder. Im Herbst 1274 siegte der König im Kampf über die mächtigen Gegner. Joachim wurde 1277 in einer Blutrachefehde getötet. Zuvor war er noch am Abschluss des Bündnisses zwischen König Ladislaus IV. und Rudolf von Habsburg beteiligt, das schließlich zur Vernichtung Ottokars führte. Joachims Bruder Stefan II., "Herzog von ganz Slawonien", war an den Kämpfen von Dürnkrut beteiligt.

Nach der Ermordung König Ladislaus IV. wurde der Venetianer Andreas III. zum König gekrönt. Die Gutkeled standen zunächst an seiner Seite gegen die Güssinger, die die italienischen Anjou unterstützten. 1307 trat König Karl Robert von Anjou die Herrschaft in Ungarn an und belohnte die Güssinger reich. Nikolaus von Güssing wurde Obergespan von Wieselburg und Ödenburg und Schatzmeister. 1317 standen die Güssinger aber schon im Lager der Gegner der Anjou. 1318 war Nikolaus von Oberlimbach aus der Familie der Gutkeled Obergespan von Ödenburg. Sowohl in den Kämpfen gegen Ottokar, in deren Verlauf das Kastell in St. Margarethen zerstört wurde, wie auch gegen die Kumanen und die Söhne Heinrichs von Güssing sowie dann für Andreas III. standen die Gutkeled auf der Seite des Königs. Im Heer König Andreas III. gegen Herzog Albrecht I. von Österreich stand Stefan I., Sohn Michaels I. von Gutkeled.

Wann die Gutkeled im Wulkabecken erstmals Fuß fassten ist unbekannt. Sie erwarben jedenfalls dort, wahrscheinlich auf Grund königlicher Schenkungen, umfangreiche Besitzungen. 1231 wird ein Detlip de Mayard (von St. Margarethen) erwähnt, wobei nicht ganz sicher ist, ob er ein Gutkeled war. Er fungierte als königlicher Pristalde (Herold) in einem Besitzstreit. Mit Paul I. von St. Margarethen, Sohn Nikolaus I., ist die Forschung dann auf sicherem Boden. Paul war in einen Streit mit Konrad I. von Ungarisch Altenburg in einen Streit verwickelt. Mit seinem Verwandten Lodomer von St. Margarethen und Lorenz von Wulkaprodersdorf sowie 70 Gefolgsleuten war er an den Kämpfen zwischen Ungarn und Böhmen um das Babenberger - Erbe beteiligt. Paul geriet in Gefangenschaft und konnte sich nach dem Verkauf seiner Besitzung in St. Margarethen freikaufen. Er wurde von König Stefan V. mit der Maut über Salzschiffe auf dem Fluss Szamos entschädigt.

Noch im 13. Jahrhundert teilte sich der St. Margarethener Zweig der Gutkelde in zwei Linien: den Lothárd-Zweig und den Bathory-Zweig. Der Sohn Pauls I., Lothárd I., Banus von Slavonien, dessen Sohn Ladislaus I. und dessen Nachkommen erhielten von König Andreas III. ihre Privilegien bestätigt. Dionysius, ein zweiter Sohn Lothárds I., fiel im Kampf gegen die Kumanen.

Nach dem Aussterben der Arpaden und dem Regierungsantritt Karl Roberts von Anjou wechselten die Gutkeled die Seite. Sie schlossen sich den aufständischen Güssingern, Matthäus Csák und anderen Magnaten an. Beteiligt waren die Söhne Lothárds II., Jakob, Paul II. und Johann sowie die Söhne des Dionysius, Andreas II. Dionysius II. und Lothárd III. Sie wurden ihrer Besitzungen für verlustig erklärt.

Ladislaus I., Sohn des Bans Nikolaus I., belehnte in St. Margarethen Wolfger, Nikolaus, Ebron, Andreas und Michael, die Söhne des Ebron dicti Mendel de Mead (von St. Margarethen) mit 4 1/2 Lehen und mit einem halben Lehen in Eisenstadt. Die Belehnung dieser Dienstleute der Gutkeled erfolgte nach "österreichischem Recht". Vielleicht kamen sie kurz davor aus Österreich, vielleicht halfen sie den Gutkeled auch aus Geldverlegenheiten. 1300 teilten Ladislaus I. und sein Bruder Johann I. vor dem Eisenburger Kapitel ihre Erbbesitzungen. Ladislaus erhielt St. Margarethe, St. Georgen, Oslip und Mörbisch und die Hälfte von Család, Johann I. Eisenstadt und die andere Hälfte von Család. Mit den beiden Brüdern starb dieser Zweig der Familie aus, die Besitzungen wurden auf die Verwandten aufgeteilt.

Banus Stefan II., Bruder des Nikolaus von St. Margarethen, unter König Ladislaus IV. Obergespan des Wieselburger Komitates, bedrängte die Kleinadeligen von Götsch und nahm ihnen Apetlon weg. König Karl Robert sorgte für die Rückgabe. Nach der Ausschaltung des st. Margarethener Zweiges wegen der Teilnahme am Aufstand blieben die Bathory - Zweig und der Egyedmonostori - Zweig der Gutkeled, die sich noch lange Zeit behaupteten. 1307 teilte der Egyedmonostori - Zweig seine Besitzungen. Unter anderem erhielten Graf Cozma II. der Kleine und  sein Erbe Ivánka II. die Hälfte von Trausdorf und ganz Wulkaprodersdorf, Graf Ivánka III. und dessen Sohn Nikolaus II. von Adony erhielten neben anderen Besitzungen die andere Hälfte von Trausdorf. Ivánka fiel 1312 gegen Matthäus Csák. In dieser Zeit ging die Siedlung Temfel (später Wüstung, auf dem Gebiet von Eisenstadt) den Gutkeled verloren.

Die Gutkeled waren durch die Opposition gegen den König kompromittiert. Die königliche Gunst gewann schließlich Andreas II. von Bathory, Propst von Ofen und später Bischof von Várad, zurück. Er und seine Brüder Johann II., Leukus und Nikolaus I. erbaten von König Karl Robert die Rückgabe von Temfel und hatten 1325 Erfolg. Sie waren aber nicht die einzigen Besitzer von Temfel, auch andere Gutkeledzweige hatten Anteile. 1327 wurden die Besitzungen in Trausdorf und Wulkaprodersdorf  erneut geteilt. Die Güter im Wulkabecken lagen zu weit von den Hauptsitzen der Sippe jenseits der Theiß entfernt. So wurden sie nach und nach aufgegeben. 1337 verpfändete und verkaufte schließlich Johann III. 14 ganze Lehen in Wulkaprodersdorf und einige Mühlen an den Hofrichter Paul von Mattersdorf - Forchtenstein. Auch die Adony verkauften ihre Anteile, vermutlich ebenfalls an die Mattersdorf - Forchtensteiner. Die Besitzungen des Bathory - Zweiges an der Wulka waren extrem zwrsplittert und wurden ebenfalls teilweise verkauft.

Parallel zum Niedergang der Gutkeled im Wulkagebiet erfolgte der Aufstieg der Kanizsai unter Ludwig d. Großen. Sie brachten die früheren Besitzungen der Gutkeled Stück für Stück an sich - St. Margarethen, Oslip, Eisenstadt, Mörbisch -  trotz der Proteste einiger Gutkeled - Angehöriger. Die Proteste blieben auch deshalb vergeblich, weil König Sigismund in den Kanizsai verlässliche Verbündete bei der Sicherung der Westgrenze sah.

Die Herren von Trausdorf waren wahrscheinlich ebenfalls ein Seitenzweig der Gutkeled. Sie hatten Besitzungen in St. Georgen, Wulkaprodersdorf und Trausdorf. Ein Johann von Trausdorf war mit Agnes, der Tochter des Martin von Pöttelsdorf und der Elisabeth von Pottendorf verheiratet. Mit Hilfe von Urkundenfälschungen versuichte er, große Teile des Erbbesitzes der Pöttelsdorfer an sich zu bringen. Auf der Ödenburger Komitatsversammlung von Heiligenstein (Hegykö) wurde er des Betruges überführt und verlor seine Besitzungen in St. Georgen, Wulkaprodersdorf und Trausdorf. In Trausdorf gehörte dazu eine Kurie mit einem steinernen Turm und einem steinernen Herrenhaus. 1376 und 1420 tauchte erneut eine Familie von Trausdorf auf. Es ist jedoch ungewiss, ob diese Nachkommen des Johann waren. In Trausdorf war Hagenauer der neue Besitzer. Nach dessen Tod schenkte der König diese Besitzungen den Kanizsai. Die Mattersdorf - Forchtensteiner machten jedoch ältere Rechte geltend und setzten sich durch.

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