kalchbrenner

Karl Kalchbrenner

 

* 15.05.1807 in Pöttelsdorf
† 05.06.1886 in Wallendorf in der Zips

 

Pilzforscher und Pflanzengeograf
  

Sohn des Pöttelsdorfer Pfarrers Joseph Kalchbrenner. Sein Vater hatte in Jena studiert und war später bis 1819 Pfarrer von Agendorf, Wandorf und Loipersbach. Dann wurde er nach Pest berufen. In Agendorf verbrachte Karl Kalchbrenner seine Jugend. Sein Vater hielt im Rahmen der Erwachsenenbildung Vorträge zur Physik, Naturkunde und Ökonomie und weckte das naturwissenschaftliche Interesse seines Sohnes. Das besondere Interesse an Algen und Flechten, Gräsern und Pilzen mag  bei ausgedehnten Wanderungen in der Umgebung von Agendorf  entstanden sein. Nach der Volksschule besuchte Karl für kurze Zeit das Gymnasium in Raab/Györ, dann das evangelische Lyceum  in Ödenburg, das Piaristengymnasium in Pest und schließlich das Gymnasium in Schemnitz. Der Besuch einiger katholischer Schulen durch den Pastorensohn ist wahrscheinlich durch das Bemühen, neben Deutsch auch Ungarisch zu lernen, zu erklären. Er studierte Theologie an der Evangelischen Akademie in Ödenburg und an der Universität Halle/Saale.  Seine erste Anstellung erhielt er als Kaplan an der Seite seines Vaters in Pest. Von dort wurde er als Pfarrer nach Wallersdorf in der Zips (Szepesolaszi, Spisské Vlachy) berufen, wo er sein weiteres Leben verbrachte. In und um diese Kleinstadt in der heutigen Slowakei entfaltete er sein Forscherleben und wurde schließlich zu einer internationalen Kapazität auf dem Gebiet der Pilzkunde (Mykologie). Er heiratete die Slowakin Mathilde Stavnicky, mit der er drei Kinder hatte.  Karl Kalchbrenner muss auch ein hervorragender Pfarrer gewesen sein, er machte eine beachtliche Karriere und wurde schließlich Obersuperintendent der sieben Zipser Städte.

In seiner Freizeit durchstreifte Kalchbrenner die nähere und weitere Umgebung auf zahlreichen Wanderungen. Er entdeckte eine neue Seggenart und begann, seine Erkenntnisse zu publizieren. 1867 hielt er einen Vortrag in einer Sitzung der Gesellschaft der Ungarischen Ärzte und Naturforscher. 1868 folgte eine Bahn brechende Arbeit über die Pflanzengeographie des Zipser Erzgebirges, die in der Zeitschrift der Akademie der Wissenschaften erschien. Es folgten die Erforschung der Moose und Algen und schließlich der Pilze, denen in der Folgezeit sein Hauptinteresse galt. Als Mykologe wurde er schließlich weltweit bekannt. In seinem Hauptwerk über die Pilze der Zips zählt er 1334 Pilzarten auf. Diese Leistung trug ihm die Ernennung zum korrespondierenden Mitglied, schließlich 1882 zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften ein. Er trat in Kontakt zu den führenden Mykologen  Europas, etwa zu Elias Fries in Schweden, zu Ludwig Heufler zu Hohenbühel und dem österreichischen Mykologen Felix Freiherr von Thümen, Lenormand und Roumeguère. Er arbeitete an der Revision von Pilzsammlungen aus aller Welt, etwa aus Sibirien, Südamerika und Australien. Seine Arbeiten erschienen nun in den wichtigsten Fachzeitschriften der Welt, etwa in der Grevillea oder in der Revue Mycologique. Das Hauptwerk Kalchbrenners erschien in den Jahren 1873 – 1877 in vier Lieferungen als „Icones selectae Hymenomycetum Hungariae“. Faszinierend waren und sind an diesem Werk vor allem die 40 Farbtafeln. Sie sind das Werk von Stephan Schulzer von Müggenburg, der eine handschriftliche Arbeit über die Pilze Ungarns mit den herrlichen farbigen Abbildungen verfasste. Die Akademie der Wissenschaften kaufte dieses Manuskript an und übergab es Kalchbrenner zur kritischen Überarbeitung. Das Ergebnis war ein besonders schönes Buch, das Ruhm und Bekanntheit Kalchbrenners vermehrte.

Literatur: Zoltán Kárpáti, Karl Kalchbrenner (1807 – 1886). In: Bgld. Heimatblätter 1968, Heft  1-2, S.57 - 65