oggau

Ansichtskarte aus der Zwischenkriegszeit. Sammlung Floiger

Urgeschichte

Nur wenige burgenländische Orte weisen eine so große Fülle an vorgeschichtlichen Funden auf wie Oggau. Das Spektrum reicht von der Jungsteinzeit bis in die Völkerwanderungszeit. Streufunde der linearbandkeramischen Kultur, Steingeräte und Tonscherben, gelangten in großer Zahl ins Landesmuseum. Eine Siedlung aus der Jungsteinzeit wurde 1941 lokalisiert. Aus der Badener Kultur stammen Funde in den Rieden Altenberg und Bratschkräften, unter anderem eine Grube mit Herd und Aschenresten. An der Seestraße wurden Gräber der Glockenbecherkultur gefunden, Hockergräber mit einem Henkeltöpfchen, Schüsseln, einem kleinen Dolch aus Bronze. Richard Pittioni hat diesen Fundkomplex als "Typus Oggau" in die Fachliteratur eingeführt (Frühe Bronzezeit). Weiters wurden Gräber der frühbronzezeitlichen Wieselburger Kultur, u.a. eine Doppelbestattung und ein Kindergrab mit einem Spiralarmband, und Gräber aus der mittleren Bronzezeit mit Bronzespiralarmringen gefunden. 1939 wurde dieses Gebiet planmäßig von R. Pittioni ergraben. Er fand fünf Hockergräber der Wieselburger Kultur. 1941 wurden fünf frühbronzezeitliche Hockergräber mit Steinsetzungen und Keramik gefunden. Im Zuge einer Notgrabung 1947 wurden drei weitere Gräber der Wieselburger Kultur freigelegt, unter anderem mit einem Bronzedolchblatt. Insgesamt wurden 30 Gräber aufgedeckt. Auch direkt im Ort wurden 1949/50 beim Wasserleitungsbau ein Begräbnisplatz angeschnitten und von A. Ohrenberger freigelegt. Auch die Urnenfelderkultur ist an mehreren Stellen nachgewiesen. Ein Bronzedepotfund in der Sammlung Wolf, angeblich an der Straße nach Schützen geborgen, enthielt Tüllenäxte, Bronzepfeilspitzen und eine Lanzenspitze. 1934 wurde ein Urnengrab in der Ried Murkengarten geborgen, bald darauf noch eine zweite Urne. 1942, beim Siedlungsbau in der Antonigasse, wurde ein Siedlungshorizont aus der Spätbronzezeit gefunden. Die Hallstattzeit ist mit nur wenigen Funden vertreten. Anders die La Tène - Zeit. Ihr ist ein Körpergrab in der Ried Wurmwiesen zuzuordnen, mit einem Eisenschwert, zwei Eisenfibeln, einer Lanzenspitze und den Resten eines großen Schildes. Im Bereich dieses Grabes lag wahrscheinlich eine Siedlung der La Tène - Zeit, da 1949 auch Reibsteine und Keramik gefunden wurden. 1935 wurden zwei weitere Körpergräber aufgedeckt, in einem ein eisernes Haumesser, sieben Bronzereifen und Perlen aus Glas und Bernstein. 1852 wurden vier weitere Gräber gefunden, in einem konnte Leichenzerstückelung  festgestellt werden.

Aus der Römerzeit stammen mehrere Friedhöfe, etwa auf den Krautgartenäckern. Vermutlich waren die damaligen Bewohner keine Römer. Dafür spricht auch die römische Inschrift an der Friedhofsmauer, der Grabstein einer Cocceia Ismara. Sie und ihre drei Schwestern, die den Grabstein setzen ließen, tragen nichtrömische Namen. Die Funde vom Hölzlstein, in einem verschütteten Schacht eines Steinbruches, enthielten unter anderem auch Münzen aus der Zeit des Kaisers Augustus. Der Steinbruch, so könnte man folgern, muss also schon in der Zeit der Besetzung durch die Römer in Betrieb gewesen sein. In der Ried Trifthaide wurden 1939 17 Gräber mit vielen Beigaben aus dem ausgehenden 3. und aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. gefunden.

1986 wurde ein sehr interessantes Grab aus dem 5. Jahrhundert, also aus der Völkerwanderungszeit, gefunden. Die Todesursache des Mannes war ein Lanzenstich in den Rücken. Die Lanzenspitze steckte noch im Brustkorb.

Im Hochmittelalter soll schon vor der späteren Siedlung Oggau auf einer künstlichen Bodenschwelle in der Ried Rohrwiese eine Kirche bestanden haben. Der Platz wird als "öde Kirche" bezeichnet. 1931 wurde dort gegraben und es kamen zahlreiche Skelette und auch mittelalterliche Keramik zum Vorschein.

Ortsname und erste urkundliche Erwähnung

Der Ortsname "villa Scaka" , 1344 erstmals urkundlich erwähnt, dürfte aus dem Altslawischen stammen. Caka, Csakova bedeutet "der Wachposten". Spätestens um 1200 wurde der Ortsname  ins Deutsche entlehnt (Zaggouwe, Tsouka). Weitere Formen des Ortsnamens sind Zaka (1355, 1382, 1388), Zaka et Oka (1393), Schaka alio nomine Oka (1402), Okau (1483), Ocau, Okau, Oggau (im 17. Jahrhundert).

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte in einer Urkunde, die Rust betraf und die Scaka als Nachbarort erwähnte. Ingram, Sohn des Erb von Chyl (Rust), verkaufte seine Besitzung an die Söhne des Konrad von Veszekeny.

Mittelalter, Herrschaftsgeschichte

1355 wurde die Verpfändung oder der Verkauf der Besitzanteile des Michael, Wynchlo (Wenzel) und Ladislaus, der Söhne des Nikolaus von Roy, sowie des Johann und Stephan, der Söhne des Detricus (Dietrich), und Stephans, des Sohnes des Nikolaus, in Oggau verboten. Der Ort war also zumindest teilweise im Besitz der Herrn von Roy, einer Burg im Leithagebirge, deren Standort bis heute nicht ermittelt werden konnte. Am ehesten ist er im Gebiet des späteren Stotzing zu suchen. Das Verbot erfolgte aufgrund des Protests des Magisters Petheu (Peter) von  Kolon, Vizekastellan von Schintau, in seinem Namen und im Namen seiner Kinder Ladislaus und Elisabeth sowie seiner Enkel Nikolaus und Peter, Söhne des Andreas. Die Besitzungen lagen in Roy, Donnerskirchen, Szentpétertelek und Oggau. Als Kaufinteressent trat Beled de Heulen  (von Höflein) auf.  Die Roy waren mit mit den Kolon nahe verwandt, letztere hatten also ein Vorkaufsrecht. In der Folgezeit vertrugen sich die Roy und Kolon wieder, hatten aber einen gemeinsamen Feind, der sie sehr beunruhigte. Bartholomäus von Trochmann, Sohn des Paul von Oslip, warb Söldner an und überfiel die Güter seiner Nachbarn. Trotz wiederholter Mahnungen König Ludwigs unternahm Trochmann immer wieder Raub- und Plünderungszüge bis nach Österreich. Schließlich wurden seine Güter eingezogen und er selbst verbannt. Sein Besitz kam an Thomas und Peter von St. Georgen und Bösing. Auch der Sohn Peters von Kolon Ladislaus kam mit dem Gesetz in Konflikt. Sein Besitz, unter anderem sein Besitzanteil in Oggau, wurde konfisziert. Michael, ein Neffe Petrs, konnte ihn jedoch einlösen. Die Herren von Roy stellten sich schließlich auf die Seite der Österreicher. Ihre Burg wurde zerstört, die königstreuen Kanizsai übernahmen ihren Besitz. Graf Thomas von St. Georgen und Bösing verkaufte seinen Besitz Oslip und auch seinen Anteil an Oggau 1393 an die Kanizsai. Ein anderer Teil des Ortes wurde 1402  von Wolfgang Gangel und Wel Schiebenhyerter gekauft. Damit endete das einst mächtige Geschlecht der Roy und ihrer Seitenlinie, der Szék ( von Pirichendorf) in männlicher Linie. Ihre Nachfolger wurden die im Dienst des Königs rasch aufsteigenden Kanizsai. 1393 befahl König Sigismund dem Kapitel von Raab, die Kanizsai in die Herrschaft der Burg Oslip und in Besitzenteile in Oggau und Pirichendorf einzuführen. 1415 verkauften auch Ulrich Sybenhitter (Siebenhierter) und Bendikt und Wolphkang, die Söhne Gangels,  ihren Besitz in Oggau an Stephan und Johann Kanizsai. 1429 verlangte Hedrigis (Hedwig), die Tochter des einst verbannten Ladislaus von Roy, die nach Ungarn zurückgekehrt war und den Ödenburger Bürger Traysmawrer geheiratet hatte, einen Anteil an Oggau, wahrscheinlich ihren ihr zustehenden Mädchenanteil. Auf Anordnung König Sigismunds wurde sie in den Besitz eines Teiles von Oggau eingeführt. Ein weiterer Teil des Ortes befand sich im Besitz der Adeligen Abraham de Thankhaza und Georgs de Illyeshaza, sdie ihn zusammen mit Besitzungen in Schützen am Gebirge an den Raaber Bischof Urban Doczy verkauften.

Kirche.  Widerstand gegen die Katholisierung

Unbekannt ist die Entstehung einer eigenen Pfarre. Im Urbar von 1515 wird noch kein Pfarrhof erwähnt, wohl aber eine Wiese bei der "öden Kirche". Ob diese, deren Standort auf den "Rohrwiesen" durch Steine und Gräber nachgewisen ist, zu einer Wüstung Lehndorf gehörte oder zu einer Vorläudersiedlung von Oggau, die wegen der Überschwemmungsgefahr aufgegeben wurde, ist nicht zu klären. Oggau wurde vermutlich von Rust oder von St. Margarethen aus seelsorgerisch betreut.

Ab 1562 bis 1582 predigte mit Michael Schweninger ein evangelischer Pfarrer in Oggau. Er gilt als Flacianer und machte die Oggauer offenbar zu überzeugten Protestanten. 1582 erschien im Auftrag des Kaisers ein Mandat Erzherzog Ernsts gegen die "seckhtischen flazianischen Predikanten" in den Herrschaften Forchtensein und Eisenstadt. Schweninger musste weichen, dürfte sich aber noch einige Zeit in Oggau aufgehalten haben. Die Oggauer aber wollten "von "khainen anderen glauben wissen alls den lutherischen, dorinnen sy von Jugendt erzogen  worden". Der Gegenreformation leisteten die Oggauer also  entschiedenen Widerstand.  Bei der Installation des Pfarrers Püchler musste dieser vor den evangelischen Einwohnern geschützt werden, durch Kroaten, die wahrscheinlich aus Oslip kamen. Sie verweigerten dem katholischen Pfarrer die drei Weingärten, die sie für den Predikanten angelegt hatten  und schrieen, sie würden den Messpfaffen erschlagen, weil sie sich vom reinen Evangelium nicht trennen wollen. Der kaiserlichen Kommission wurde die Bewirtung verweigert.  Nikolaus Saffran und Peter Fleischhacker wurden wegen dieser Vorfälle nach Wien zitiert. 1583 berichtete Püchler an den Kaiser, dass er und sein Schulmeister sich nicht auf der Straße blicken lassen dürften, ja dass er selbst im Pfarrhof nicht sicher sei. Es gibt "khain ärger unndt gefährlicher orth  bey den besetzten Pfaren". Die Oggauer ließen ihre Kinder vom evangelischen Pfarrer in Mörbisch taufen. Püchler blieb bis 1587 in Oggau. In diesem Jahr brannte die Kirche ab. Pfarrer Hoffmann aus Eisenstadt meinte dazu in einem Brief an den Klosterrat, dass die Oggauer darüber keineswegs traurig waren, da sie hofften, keinen katholischen  Priester mehr zu bekommen. Dies traf dann auch zu. Bei der Amtseinführung des katholischen Pfarrers Weyerer von St. Margarethen in Oggau im Jahre 1588 waren lediglich drei kroatische Untertanen anwesend, die übrigen Ortsbewohner boykottierten sie. Sie weigerten sich auch, in die Kirche nach St. Margarethen zu gehen. Der Richter und der Schulmeister hielten evangelische Andachten ab.  Pfarrer Weyerer musste wegen eines Totschlages St. Margarethen verlassen. Sein Nachfolger, Mag. Paul Hildebrand, war ein gelehrter Mann, von den Jesuiten erzogen. Er versuchte, mit der Bevölkerung auszukommen, indem er nichts unternahm, keinen Gottesdienst hielt. Er musste seinen Posten aufgeben. Laut Visitationsprotokoll von 1597 versah Pfarrer Auer aus Rust auch St. Margarethen und Oggau, wo er aber ebenfalls keine Gottesdienste hielt. Er klagte, "er hab keinen kirchen gehorsamb". Auch in der Folgezeit wurde Oggau mehr oder weniger von benachbarten katholischen Pfarren betreut.

Ernsthafte Bemühungen um eine Rekatholisierung gab es erst unter Esterhazy durch Missionen der Jesuiten 1638/39. 1651 waren aber fast alle Bauern noch immer evangelisch. Nur die Holden und Taglöhner waren katholisch. 1659 war die Hälfte der Bevölkerung katholisch, 1674 bekannten sich wieder alle Oggauer zur katholischen Kirche, mit Ausnahme der Bewohner des Edelhofes. In der Visitation von 1713 wurden die Oggauer als übereifrige Katholiken geschildert.

Ab 1634 gab es in Oggau ständig einen katholischen Pfarrer.  Johann Adam Scholte war zugleich Pfarrer von Rust. Auch Ordensleute wurden immer wieder als Administratoren eingesetzt. Unter Pfarrer Franz Kessel (1728 - 1732) wurde die Pfarrkirche gebaut, die alte Kirche verschwand vollständig, nur die Taufkapelle soll der Überlieferung nach erhalten geblieben sein. Zum Neubau trug der Wiener Ratsherr Matthias Weißenbeck, ein gebürtiger Oggauer, besonders bei. Er hinterließ der Kirche auch eine Stiftung von 6000 Gulden für die Errichtung einer Kaplanstelle. 1683 zerstörten die Türken die Pfarrkirche vollständig. 1685 war sie bereits wieder aufgebaut. 1880 wurde die Kirche von Franz Storno renoviert, bezahlt vom Raaber Domherrn Josef Mayerhofer und zwei Geistlichen, die alle aus Oggau stammten. Zur Zeit Pfarrer Kessels brannten auch der Pfarrhof und das Schulgebäude ab. Sie wurden 1732 neu errichtet. Unter Pfarrer Paul Ignaz Payer  (1733 - 1751) wurde eine Volksmission von zwei Jesuiten abgehalten. Weitere Pfarrer waren Georg Lang (1772 - 1788) und Jakob Meixner (1788 - 1822) 1795 wurde ein neuer Pfarrhof gebaut. Dann folgte der gebürtige Eisenstädter Josef von Gaal (1825 - 1855). Er war auch Mitglied der Ödenburger Gerichtstafel. 1926 -  1949 war Josef Heurigs Dechantpfarrer und päpstlicher Geheimkämmerer. Er war auch Mitglied des Diözesanschulrates und bewog zahlreiche junge Menschen zu einer geistlichen Laufbahn.

Überregionale Bedeutung hatte die Rosalienkapelle. Nach einem Gelübde im Pestjahr 1713 wurde sie errichtet, mit Hilfe einer Stiftung von Frau Anna Maria Dobler aus Wiesen. 1716 wurde der Rosalientag zum Feiertag erklärt. 1768 gewährte der Papst den Besuchern der Kapelle einen vollständigen Ablass (1775 erneuert). 1785 berichteten die Visitatoren, dass eine große Zahl von Gläubigen aus der ganzen Umgebung zur Kapelle strömten. 1833 wurde die Kapelle renoviert, 1861 erhielt sie einen neuen Turm.

Die Kreuzkapelle war ursprünglich eine Friedhofskapelle. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde für Fremde und Bettler am Ortsende neben dem Zechkeller ein neuer Friedhof angelegt, der anscheinend auch als Pestfriedhof diente. 1955 wurden bei der Kapelle durch Dechant Pilles ein Pfarrkindergarten und ein Schwesternheim errichtet, 1901 kam ein zweites Schulgebäude hinzu.

Frühe Neuzeit, Dorfbesfestigung

Mit dem Übergang an die Kanizsai wurde Oggau also ein Teil der Herrschaft Hornstein bzw. Eisenstadt und kam später mit der Herrschaft Eisenstadt an die Habsburger bzw. der von ihnen eingesetzten Pfandherrn und Verwalter. Die Türkenzüge von 1520 und 1532 haben in Oggau große Verwüstungen und Menschenverluste hinterlassen. Zu einer Kroateneinsiedlung kam es jedoch nicht. Unter dem Eindruck der Bocskai - Wirren 1604/5 und des Bethlenaufstandes 1519/20, die erneut schwere Opfer kosteten, wurde Oggau - obwohl es kein Markt war, also als gewöhnliches Dorf, befestigt. Einige kleine Teile der damals errichteten Mauer sind heute noch erhalten, ein größerer Abschnitt wurde leider erst in unserer Zeit ein Opfer der "Dorfverschönerung". Die Zugänge zum Ort, der aus der Hauptstraße bestand, wurde durch zwei Toranlagen gesichert. Die Wächterhäuser bestanden bis in das 19. Jahrhundert. Die am unteren Ende der Hauptstraße noch vorhandene Mauer, etwa 35 Meter, wurde 1963 abgerissen und musste einer Grünanlage weichen.  1641 und 1649 waren Pestjahre, ebenso 1713. 1713 starben 119 Einwohner. Nach dem Erlöschen der Seuche wurde die Rosalienkapelle errichtet. Die Einwohnerzahl sank auf 826 Personen.  1683 zerstörten die Kuruzzen Barkoczys, die mit 1000 Mann von Schützen nach Mörbisch zogen, den Ort und die Kirche. Im Rakoczy - Aufstand 1704 bis 1709 wurde Oggau ebenfalls mehrmals schwer mitgenommen. Wie auch in anderen Orten versuchten die Bewohner, ihre Lebensmittelvorräte in "Kuruzzenlöchern" zu verstecken. Einige dieser bis zu 3 Meter tiefen, birnenförmigen Gruben wurden bei Bauarbeiten entdeckt.   Zur Franzosenzeit litt der Ort unter Einquartierungen. 1780 hatte der Ort 1106 Einwohner. 1831 starben 93 Menschen an der Cholera. Von den vielen Bränden war der vor 1732 besonders schlimm. Auch die Kirche und die Schule fielen ihm zum Opfer. 1843 vernichtete ein Großbrand die Ortschaft.

Urbar von 1675

Nach diesem Urbar der Herrschaft Eisenstadt gab es in Oggau 1 ganzes Lehen (Fekhlerischer Hof), 1 Dreiviertellehen (Pfarrhof), 12 halbe,  35 Viertel (davon 2 fehklerische), 8 Achtellehen (zwei fehklerische), 13 Hofstätten und 2 Kleinhäusel, ein Schulhaus, einen Kirchenkeller, ein Wachterhaus, eine Gemeindeschmiede und ein Halterhaus. Die Oggauer zahlten jährlich 1000 Gulden Kontraktgeld an die Herrschaft, mit dem sie alle Abgaben einlösten. Auch die Robot wurde damit abgegolten ( nach dem Urbar von 1569 hatten die Oggauer drei Hofbreiten mit 24 Joch und 10 Tagwerk Wiesen auf Schützener Gebiet zu leisten). Neben dem Kontraktgeld mussten 40 Eimer Bannwein von der Herrschaft übernommen weden. An Bergrecht mussten etwa 82 Eimer Most abgeliefert werden.

Wichtigster Erwerbszweig war natürlich zu allen Zeiten der Weinbau. Der Oggauer Wein war von herausragender Qualität. Der Ort erhielt auch immer wieder Handels- bzw. Ausfuhrprivilegien, etwa 1630, 1631 und 1632 von Ferdinand II. und 1638 von Ferdinand III. Sie durften ihren Wein frei über die Leitha nach Niederösterreich und darüber hinaus ausführen. 1651 etwa verkauften die Oggauer und die Schützener 180 Eimer Wein über Wien. Wie begehrt der Oggauer Wein war zeigt vor allem der Weingartenbesitz der Auswärtigen. 1570 etwa besaß Wr. Neustadt 84 Viertel Weingärten, 1754 309 Pfund. Die gesamte Weinbaufläche betrug 1570 240 Viertel. Davon waren nur 82 Viertel in der Hand der Ortsbewohner.  1754 lasen die Wiener Neustädter 278 Eimer. Besitzungen hatten auch Neunkirchen, Deutschprodersdorf, Mannersdorf, Schottwien, Erlach u.a. Die Wr. Neustädter Klöster, das Neukloster und das Paulinerkloster, hatten Weingartenbesitz, aber auch die Stadtgemeinde, die Kramerzeche.

Der Edelhof

Schon im Urbar von 1515 scheint ein Edelhof in Oggau auf. Er gehörte der Traismaurerin von Ödenburg und umfasste ein ganzes, ein Drittel- und ein Viertellehen. Der Freihof wurde später "Studthof" genannt. Der Hof ging in den Besitz des Wolf Kellner, Rentmeister in Wr. Neustadt, über. Über Kilian Hareter ging er 1569 in den Besitz  des Christoph Geyer von Osterburg über, der auch in Schützen einen Edelhof hatte (Thurnhof). Der Studthof dürfte vorübergehend verfallen sein. 1650 verkaufte Christoph Adam Freiherr von Osterburg  und Inzersdorf den Studthof und den Thurnhof an den Ödenburger Johann Baptist Föggler. Im Urbar von 1675 scheint ein Fekhlerischer Edelhof auf, mit einem ganzen, zwei Viertel- und zwei Achtellehen und natürlich den dazugehörenden Untertanen. Der Hof wurde wahrscheinlich von den Föggler neu erbaut. So wie auch in anderen Orten war Esterhazy bestrebt, diesen Hof, der außerhalb seiner Herrschaft stand, zu erwerben. Nach langwierigen Verhandlungen konnte Esterhazy 1679 den Hof von Johann Ehrenreich Föggler ( Fökhler, Fekhler, Fekler) kaufen. Er übertrug den Edelhof um 5 700 Gulden der Gemeinde Oggau. Aus dem Edelhof, über dessen Lage nichts mit absoluter Sicherheit zu sagen ist,  wurde vielleicht das Gemeindegasthaus und später das Gemeindeamt. Die Gemeinde verkaufte 49 Joch Äcker und 8 1/2 Tagwerk Wiesen an 31 Bauern. Diese Grundstücke galten als Überlandgründe, gehörten also nicht zur Ansässigkeit. 73 Pfund Weingärten wurden an 24 Oggauer und 3 Wiener Neustädter verkauft.


Schiffsbau in Oggau

Nikolaus II. Esterházy ordnete 1805 den Bau eines Segelschiffes in Oggau an. Damit wurde der Wiener Schiffsbaumeister Franz Menden beauftragt. Noch 1805 wurde mit dem Bau des Schiffes, von den Herrschaftsbeamten "Lustschiff" genannt, begonnen. Der Schiffsbauer legte drei Entwürfe vor. Der Richter von Oggau wurde mit der Beaufsichtigung des Baues beauftragt. Die Hölzer kamen aus den Wäldern von Lackenbach und Kobersdorf. Sie wurden im Kobersdorfer Sägewerk geschnitten und mit bäuerlichen Fuhrwerken im Rahmen der Robot nach Oggau gebracht. Beim Bau des Schiffes wurden zwei Zimmerleute und zwei Handlanger beschäftigt, die örtlichen Handwerker aus Oggau und Eisenstadt lieferten Bestandteile. Im Jahre 1806 war das Schiff fertig und am 21. Mai fand die Jungfernfahrt statt, Die Gesamtkosten des "Lustschiffes" betrugen 929 Gulden. Der Plan, auch ein Frachtschiff zu bauen, wurde nicht mehr verwirklicht, 1807 wurde der Schiffsbaumeister Menden fristlos entlassen.

Die Franzosen in Oggau

Vom 31. Mai bis 7. November 1809 waren französische Truppen in Oggau stationiert und mussten einquartiert und versorgt werden. Dies stellte eine enorme Belastung für den Ort dar. Die Abrechnung ergab Kosten in der Höhe von nahezu 45 000 Gulden. Allein der Weinkonsum belief sich auf 12 572 "Halbe".

Die "Seeschlacht" mit Rust

1866 kam es zur "Seeschlacht", die eine blutige Prügelei war und mit zahlreichen schweren Körperverletzungen endete. Es ging dabei um "Einstreu", den die Oggauer im ausgetrockneten Teil des Sees gemäht hatten. Dieses Gebiet war aber zwischen Oggau und Rust umstritten.  Während die Oggauer eine Prozession zur Rosalienkapelle unternahmen verluden die Ruster das geschnittene Rohr der Oggauer. Diese sahen dies vom Berg aus, eilten nach Hause und bewaffneten sich mit Dreschflegel, Sensen, Gabeln  ... Unter Führung des Ortsrichters Freund stürzten sie sich am "Rohrwasser" auf die Ruster.  Ein Gerichtsverfahren folgte und 1870 wurde das Urteil gesprochen. 14 Ruster, darunter auch der Stadthauptmann, und 20 Oggauer wurden zu Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr verurteilt. Nach einem Gnadengesuch beider Parteien wurden die Gefängnisstrafen auf die Hälfte herabgesetzt, die Reststrafen wurden im Ödenburger Komitatsgefängnis abgesessen.

Die Grundentlastung

Die Urbarialansässigkeiten mit den zugehörigen Feldern, Wiesen und Weingärten wurden im Gefolge der Gesetze zur Grundentlastung den Bauern übertragen und waren damit in deren Privateigentum. Das große Problem waren die Rodungs- und die großen Überlandgründe, die von den Bauern mit Geldzahlungen abgelöst werden mussten. Der Vertrag mit der Grundherrschaft konnte erst 1881 abgeschlossen werden, also sehr spät. Oggau war die vorletzte Gemeinde im Gebiet des heutigen Burgenlandes, die zu einer Einigung kam. Es gab schwere Differenzen zwischen den Bauern und der Grundherrschaft, die - da es keine außergerichtliche Einigung gab - in langen Urbarialprozessen ausgetragen werden mussten. Von den Rodungsgründen blieben auch weiterhin 148 Joch im Besitz der Esterházy, die 444 Joch Überlandgründe mussten mit nahezu 17 000 Gulden abgelöst werden. Die Ablösezahlungen zogen sich bis 1891 hin. Die ehemalige Grundherrschaft behielt  104 ha Ackerland, die zum Seehof gehörten. Besonders umstritten war auch die Waldzuteilung an die Bauern. Die Oggauer sollten Wald in Breitenbrunn erhalten, wogegen sie heftig protestierten. Schließlich erhielten sie 459 Joch in Purbach, die in den Besitz der Oggauer Urbarialgemeinschaft übergingen.

Siedlungsentwicklung

Seit der Anlage des ersten Urbars im Jahre 1515 war die Zahl an Hofstellen konstant. 1515 wurden 7 halbe und 31 Viertelansässigkeiten gezählt, 2 Lehen waren öde. 1527 gab es 12 halbe und 30 Viertellehen. 1567 gab es neben dem Pfarrhof und dem Feklerischen Edelhof mit einem ganzen Lehen 15 halbe und 34 Viertellehen sowie 13 Hofstätten. Die Hofstätten bzw. Söllnerhäuser wurden nicht in die Befestigung einbezogen. 1682 wurde eine "Neustift" mit 10 Söllnerhäusern angelegt. Sie hatten 5 Gulden Hauszins zu zahlen und 5 Tage Handrobot zu leisten. Bei diesem Hausbestand blieb es trotz der wachsenden Bevölkerung. Die Häuser waren  wegen der hohen Zahl an Inwohnern überbelegt. Erst 1862 wurden 6 neue Hausplätze zugeteilt.

1869 waren in 176 Häusern 280 Wohnparteien untergebracht. In 13 Häusern war ein Gewerbetrieb untergebracht. Der Ort hatte 1313 Einwohner. Der Bildungsstand wurde ebenfalls erhoben: etwa 73 % der Männer und 64 % der Frauen konnten lesen und schreiben. Analphabeten waren 24 % der Männer und 28 % der Frauen. Der Rest konnte nur lesen. Die Ortsbewohner waren mit Ausnahme von 7 Juden alle Katholiken. 278 Personen bezeichneten sich als Grundbesitzer, 46 als Knechte und 472 als Taglöhner. Diese Zahlen lassen deutlich die großen sozialen Probleme im Ort ahnen. Denn die meisten der Taglöhner waren Inwohner bei den Bauern. 1897 wurde mit dem Bahnbau und dem Bahnhof Schützen auch eine bessere Verbindung nach Wien geschaffen.

Das Wohnungsproblem konnte erst nach dem Abschluss der Grundablöseverhandlungen mit Esterhazy angegangen werden. Die Gemeinde parzellierte die Gemeinde-Sätz auf. 1891 wurden entlang der Straße nach Donnerskirchen Bauplätze vergeben, Bis zum Ersten Weltkrieg wurden die Sebastianstraße, die Altenberggasse und die Setzgasse ausgebaut. Eine starke Ausdehnung des Ortes erfolgte schon in der Zwischenkriegszeit gegen den See zu, in der Triftgasse und Seegasse. Die Bauplätze wurden zum Teil von der Urbarialgemeinde zur Verfügung gestellt. Der Bauboom in der Nachkriegszeit wurde durch besonders billige Bauplätze der Urbarialgemeinde ermöglicht. So konnten vor allem junge Familien ihre Eigenheime bauen (Baumschulgasse, Triftsteig, Elias Wimmer-Gasse, Setzweg, Weißenbückgasse). Die Gemeinde parzellierte die Altenbergkräften zu Bauplätzen auf. 1991 waren die Wohnungsprobleme endgültig beseitigt. Die 1876 Oggauer lebten in 725 Wohnungen in 598 Häusern, also fast ausschließlich in Ein- und wenigen Zweifamilienhäusern.

Anschlusszeit

Zur Zeit der Räterepublik war Matthias Werner Bürgermeister. Er konnte sich erfolgreich für seinen Ort gegenüber den Kommissaren der Räte durchsetzen und bewahrte einige Oggauer vor der Verhaftung. Die zahlreichen Beschlagnahmungen von Vieh und Lebensmitteln hatten Versorgungsprobleme zur Folge. Um die Nahrungsmittelnot zu mildern ließ Werner einfach den größten Gemeindestier schlachten.

In Oggau waren die besonders gefürchteten Freischärler des Ivan Hejjas untergebracht. Sie entführten Paul Stippschitz. Er wurde frei gelassen, nachdem eine größere Zahl von Oggauer Männern sich für ihn einsetzte. Bei einer Schießerei zwischen Freischärlern und österreichischen Gendarmen wurde der Oggauer Franz Rest, der die Gendarmen mit seinem Fuhrwerk zur Grenze bringen musste, verletzt.

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

Im 1. Weltkrieg fielen von den eingerückten 200 Männern 91, im 2. Weltkrieg gab es 80 Gefallene, 38 Vermisste und 34 Kriegsinvalide.

Die wirtschaftliche Situation war in der Zwischenkriegszeit äußerst triste. Der Weinbau hatte mit niedrigen Preisen und mit Absatzproblemen zu kämpfen. Es gab im Dorf kaum Arbeit für die ehemaligen Holden. Die landwirtschaftliche Wanderarbeit bot nur ungenügend und nur saisonal Beschäftigungsmöglichkeiten. Erntearbeiter aus Oggau, zeitweise 100 bis 200 Personen,  gingen vor allem nach Niederösterreich, nach Seibersdorf, Mannersdorf und Hof. Kleinbauern und Taglöhner begannen auch in Oggau in das Bau- und Bauhilfsgewerbe abzuwandern, waren aber ebenfalls von der hohen Arbeitslosigkeit im Wiener Raum betroffen.

Der Weinbau war äußerst klein strukturiert. Im Jahre 1934 entfielen die 308 ha Weinbaufläche auf 454 Weingartenbesitzer. Die Hälfte davon besaß weniger als einen halben ha, ein Viertel von einem halben bis einem ha. 76 Weinbauern hatten 1 bis 2 ha, 17 2 bis 3 ha, 6 Besitzer hatten 3 bis 4 ha und nur zwei 5 bis 10 ha. Von den landwirtschaftlichen Betrieben besaßen nur wenige über 10 ha.  Im Besitz des Fürsten Esterhazy befanden sich fast 4000 ha, davon waren aber nur 122 ha Ackerland, 1452 ha Wiesen, 155 ha Hutweide und 626 ha Wald, 1588 ha waren unproduktive Fläche, also Schilf und Wasser.

Das Gewerbe wies in Oggau nur die üblichen Handwerksbetriebe auf und bot nur wenig Arbeit. Nur Paul Salmutter betrieb eine Stukkaturrohrfabrik mit 18 Beschäftigten.

1927 wurde eine Raiffaisenkasse gegründet, die ab 1952 ein eigenes Geschäftslokal bekam und 1982 in ein neues Kassengebäude übersiedelte. 1983 erfolgte der Zusammenschluss zur Raiffeisenbank Donnerskirchen - Oggau - Schützen am Gebirge. 1930/31 wurde eine neue Schule eröffnet. Sie war vierklassig, später fünfklassig. 1961 wurde durch Aufstockung eine 6. Klasse geschaffen.

Nach dem Anschluss wurde der bisherige Ortsrichter Josef Mad zum Gemeindeverwaltungskommissär ernannt. 1931 wurde der Oggauer Bürgermeister Elias Wimmer in den Bundesrat entsandt und dann in den Nationalrat gewählt. Wimmer blieb bis 1938 Bürgermeister. Auch in Oggau kam es zu Ortsgruppengründungen der politischen Parteien. Die politischen Verhältnisse waren durch eine starke Mehrheit der Christlichsozialen geprägt, sowohl bei den Wahlen 1923 wie 1927. 1931 verloren die Christlichsozialen stark an Stimmen, behielten aber die Mehrheit im Gemeinderat.  Viele Bauern traten der Heimwehr bei, die unter der Leitung von Andreas Tschank und Karl Mad stand. Zu Auseinandersetzungen kam es aber in Oggau nicht. Lediglich am 11, März 1938, also kurz vor dem Anschluss an das Dritte Reich, vertrieben Nationalsozialisten aus Mörbisch eine Gruppe von Gymnasiasten aus Eisenstadt, die in Oggau für ein unabhängiges Österreich plakatieren wollten, aus dem Ort.

Am 12. März wurde der Anschluss auch in Oggau mit einem Fackelzug gefeiert, die Abstimmung erbrachte nur "Ja" - Stimmen. Die dezidiert "vaterländischen" Lehrer wurden versetzt, das Vermögen der katholischen Vereine beschlagnahmt. Bürgermeister in nationalsozialistischer Zeit waren Georg Mähner, Richard Erdt, Franz Thometitsch, Ferdinand Migschitz und Paul Sallmutter. Viele bäuerliche Betriebe waren schwer verschuldet. 18 Bauern stellten einen Antrag auf Entschuldung, 15 zogen ihn aber bald wieder zurück (so wie auch in anderen Orten), denn der nach dem Anschluss rasch ansteigende Weinabsatz und die Verdoppelung der Weinpreise machten eine Rückzahlung der Schulden aus eigener Kraft möglich. 36 Bauern aus Oggau wurden in die Erbhofrolle aufgenommen, nach entsprechenden Überprüfungen.

Die Reichsschutzstellung (Südostwall) führte über Oggauer Gemeindegebiet. Etwa 2000 Schanzarbeiter waren eingesetzt, meist Kriegsgefangene. Es wurden Panzer- und Laufgräben, Bunker und Panzersperren gebaut.

1945 flohen nur etwa 5 % der Oggauer vor den Russen. Der Ort wurde von 80 SS-Männern und 80 Volkssturmleuten verteidigt. Am 1. April konnte ein erster Angriff abgewehrt werden, gegen Abend griffen die Russen erneut an, die Verteidiger mussten sich in Richtung Leithagebirge zurückziehen. Zahlreiche Häuser und Scheunen gerieten in Brand, etwa 50 Objekte wurden durch Granateinschläge beschädigt. Die Kirche erhielt 60 bis 65 Granattreffer und drohte einzustürzen.  Die Russen hatten etwa 15, die Verteidiger 5 Gefallene zu beklagen. Drei Männer, darunter ein 15-Jähriger,  und eine Frau aus dem Ort wurden erschossen. Die Frauen und Mädchen waren - wie in fast allen Gemeinden - schlimmen Übergriffen ausgesetzt, viele mussten sich in ärztliche Behandlung begeben. In 150 Häusern wurden etwa 600 russische Soldaten einquartiert. Zugvieh, Wagen, Kleidung und Lebensmittel wurden requiriert. Die Bevölkerung wurde zu Zwangsarbeiten eingesetzt.  Erst allmählich zogen die Russen ab, im Mai 1948 gab es noch immer 40 Mann Russen in Oggau.

Nachkriegszeit

1945 wurde Elias Wimmer als Bürgermeister eingesetzt. Er erwies sich auch der Besatzungsmacht gegenüber als mutig, ebenso wie sein Nachfolger Johann Siess ab 1948. Im Herbst 1945, bei der ersten freien Wahl, kam es zu einem Zwischenfall. Ein Russe, angeblich ein Arzt, erschien aus Eisenstadt und drohte mit Waffeneinsatz, anscheinend weil es keine kommunistischen Kandidaten gab. Eine russische Streife griff ein und nahm die Ruhestörer fest. Die ÖVP stellte 9, die SPÖ 6 Gemeinderäte. 1948 musste auch ein Kommunist aufgenommen werden. Bei den Gemeinderatswahlen von 1950 erhielt die ÖVP 591, die SPÖ 199, eine Liste Berger 219 Stimmen. Bürgermeister wurde Johann Sieß von der ÖVP. 1954 entfielen auf die ÖVP 540, auf die SPÖ 455 Stimmen. 1958 kandidierte neben der ÖVP (526 Stimmen) und der SPÖ (272 Stimmen) auch eine Liste der Christlichsozialen und erreichte mit Thometitsch Franz und Mad Karl an der Spitze 318 Stimmen. Ähnlich war das Ergebnis der Wahl 1959. 1962 bekam die ÖVP 626, die SPÖ 462 Stimmen. Dieses Kräfteverhältnis blieb dann auch 1967, 1972, 1977 und 1982 bestehen. Bürgermeister war ab 1972 Leopold Werner. 1987 holte die SPÖ stark auf, die ÖVP bekam 672, die SPÖ 633 Stimmen. 1992 entfielen auf die SPÖ 520 Stimmen und 8 Mandate, auf die ÖVP 603 Stimmen und 10 Mandate. Die FPÖ, die mit der Weinbäuerin Ilse Felber an der Spitze kandidierte, erhielt 114 Stimmen und ein Mandat. Bürgermeister wurde mit 50, 19 % der Stimmen Leopold Werner, Vizebürgermeister Ernst Schmid. 1997 erlangte die SPÖ mit 549 Stimmen die Mehrheit, die ÖVP erhielt 528 Stimmen, die FPÖ 102. Bürgermeister wurde Schmid mit 63,73 %.  2002 konnte die SPÖ ihren Vorsprung auf 727 Stimmen gegenüber der ÖVP mit 527 Stimmen ausbauen. Die FPÖ verlor die Hälfte ihrer Stimmen. Im Gemeinderat stand es nun 12 : 9. Schmid blieb Bürgermeister. 2007 erhielt die SPÖ 705 Stimmen und 12 Mandate, die ÖVP 509 Stimmen und 8 Mandate. Eine Freie Bürgerliste konnte 102 Stimmen und ein Mandat erreichen. Bürgermeister blieb erneut mit großer Stimmenmehrheit Schmid. 2012 musste die SPÖ Stimmen abgeben. Sie kam auf  636 Stimmen und 10 Mandate, die ÖVP auf 552 und 9 Mandate, die Freie Bürgerliste konnte mit 161 Stimmen ein zweites Mandat hinzugewinnen.

Der Wiederaufbau und die Beseitigung der Kriegsschäden kam rasch in Schwung, da einige gute Weinernten für ein entsprechendes Einkommen sorgten. 1949 gelang es zusammen mit der Gemeinde Rust, das Wasserwerk und das Leitungsnetz sowie das ehemalige Barackenlager der Wehrmacht von der Besatzungsmacht zu kaufen. Das Wasserwerk wurde bis 1950 ausgebaut. Das Barackenlager diente als Notunterkunft, wurde später an den Staat abgetreten und vom Bundesheer (Seekaserne) genutzt.

Die Jahrzehnte nach dem Krieg waren durch die üblichen infrastrukturellen Baumaßnahmen gekennzeichnet: Straßenbau, Stromnetz, Bau eines Kindergartens, Aufstockung des Gemeindeamtes. vor allem aber Errichtung zahlreicher neuer Einfamilienhäuser. 1978 wurde die Aufbahrungshalle eingeweiht.  1977 wurde ein großes Schwimmbad eröffnet, 1956 das Gemeindeamt aufgestockt und 1994 im Dachgeschoss ein Sitzungssaal eingerichtet. Im Gemeindeamt wurde auch das Postamt untergebracht.

In der Landwirtschaft setzte die Motorisierung ein. Die Jugend begann aus der Landwirtschaft abzuwandern, viele kleine Betriebe gaben auf oder wurden Nebenerwerbsbetriebe. Der Weinbau machte mehrere Veränderungsprozesse durch. In den 1870er Jahren war auch der Oggauer Weinbau vom Reblausbefall schwer betroffen. Um die Jahrhundertwende wurden die Weingärten neu angelegt, auf Unterlagsreben, die sich allerdings auf den kalkhältigen Böden nicht bewährten. So musste nach 1921 erneut umgestellt werden. Durch breitere "Gassen" zwischen den Weinstockreihen wurde auch der Einsatz von Maschinen möglich, die Umstellung auf Drahtkultur erfolgte allerdings erst in der Nachkriegszeit. 1924 errichtete der Weinbauverein ein Vortreibhaus, das erste im Burgenland. Veredlungskurse wurden abgehalten und im Gemeindekeller auch die moderne Kellerwirtschaft gelehrt. Schon bald stellten sich große Erfolge ein. Auf internationalen Weinausstellungen erzielten Weine aus Oggau erste Preise,  in Wien wurde eine "Oggauer Weinstube" eingerichtet. Die Rebfläche die 1914 202 ha groß war, wurde auf 329 ha ausgeweitet. Dann aber gab es große Absatzprobleme, der Weinpreis verfiel. Erst 1938 konnten Absatz und Preise wieder steigen. Heute wird auch in Oggau vor allem auf Qualität geachtet. Zu einem Viertel wird Rotwein (hauptsächlich Blaufränkisch), zu drei Viertel Weißwein angebaut (Grüner Veltliner, Weißburgunder und Chardonnay, Welschriesling, Müller - Thurgau, Neuburger ...)1983 wurde ein "Weinwanderweg" mit 30 Stationen eröffnet. Ein beträchtlicher Teil der Trauben wird von der 1957 gegründeten Winzergenossenschaft übernommen, die 1960 ein eigenes Betriebsgebäude errichtete.

Josef Lentsch, ÖVP - Landeshauptmann des Burgenlandes, war Oggauer Abstammung. 1909 geboren, besuchte er nach der Volksschule die Lehrerbildungsanstalt in Wien, war Lehrer in Tadten, Markt St. Martin, 1934 in Klostermarienberg. Ab 1935 war er in der Schulverwaltung tätig. 1938 wurde er als einer der maßgebenden "vaterländischen" Funktionäre zwangspensioniert. 1945 wurde er in den Landtag gewählt, wurde Bezirksschulinspektor und gehörte ab 1948 als Landesrat für Unterrichts- und Erziehungswesen der Landesregierung an. 1953 wurde er Erster Landtagspräsident und schließlich Landeshauptmann des Burgenlandes.

Die See - Kaserne und das "Seepark - Projekt"

1935 wurde in Oggau ein Fliegerabwehr - Schießplatz eröffnet. 1938 wurde er als Teil der Fliegerabwehrschule erweitert und ausgebaut. 1945 wurde die Anlage von der Besatzungsmacht beschlagnahmt. 1949 wurde das Objekt von der Gemeinde Oggau angekauft und sofort an die Bundesgebäudeverwaltung weiter verkauft. Bis 1958 dienten die Gebäude als Notunterkünfte. Nach der Übernahme durch das Bundesheer zog ein Teil des Jägerbataillons 2 ein. In Oggau wurden Gruppen und Zugskommandanten der Miliz sowie Einjährig Freiwillige ausgebildet. Die Anlagen wurden laufend ausgebaut.

Schließlich gab das Bundesheer die Kaserne auf und verkaufte das Areal 2007. Käufer der Liegenschaft war ein Konsortium aus der Kasernen AG – einer Konzerngesellschaft der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, an der auch die HYPO Investmentbank AG beteiligt war, und der BAI Bauträger Austria Immobilien GmbH. Der Kauf erfolgte über die gemeinsame Projektgesellschaft, die Seepark Oggau Projektentwicklungs GmbH. Der Kaufpreis  für die 63 000  qm betrug 695 000 Euro.

Das Bankenkonsortium verkaufte das Gelände allerdings bald weiter, an eine  „Seepark Oggau Projektentwicklung OG“ (hinter der eine Sollenauer Immobilienmaklerin, ein Welser Projektentwickler und ein Neusiedler Transportunternehmer stehen.  Es wurden  47 Grundstücke direkt am  See aufgeschlossen. Die Hälfte davon sind bereits verkauft (2013). Das vertraglich zugesicherte Hotel mit Restaurant fehlt aber immer noch.

Literatur:

650 Jahre Oggau 1344 - 1994

Landestopographie, 2. Band Bezirk Eisenstadt, 2. Teilband, Oggau