karall

Dr. Lorenz Karall

 

* 10.08.1894 in Großwarasdorf
† 17.03.1965 in Walbersdorf

Landeshauptmann des Burgenlandes
  

Er entstammte einer kinderreichen kroatischen Familie. Sein Onkel war Dechant in Karlburg (Oroszvár, heute Rusovce), der für seine Erziehung sorgte. Er konnte das Gymnasium in Pressburg besuchen, wo er 1812 maturierte. Er begann mit dem Jusstudium in Budapest, rückte 1914 ein und diente als Offizier beim Infanterieregiment Nr. 48. Nach dem Krieg schloss er sich den "weißen" Truppen unter Horthy an. Er setzte sein Jusstudium in Budapest fort und beendete es 1922 als Dr. Jur. 1922 kam er unter dem Einfluss von Pfarrer Martin Mersich d. Älteren, Pfarrer in Großwarasdorf, in die Politik. Er gehörte zu den Mitbegründern der Zeitschrift "Hrvatske novine" und 1923 der "Kroatischen Partei" (Hrvatska stranka). Nach deren Scheitern in der Wahl wandte er sich den Christlichsozialen zu und bekam für die Auflösung der Kroatenpartei einen sicheren Listenplatz. 1927 zog er in den Landtag ein und wurde Kurator der Landeshypothekenanstalt. Im Landtag profilierte er sich vor allem als Sprecher der Kroaten. 1932 heiratete er die Tochter des Landeshauptmannes Anton Schreiner. Als Schreiner zurücktrat und Thullner Landeshauptmann wurde bekam Karall den Posten eines Landesrates für Gewerbeangelegenheiten. 1932 wurde er Landesparteiobmann - Stellvertreter. Er gehörte zum rechten Flügel der Partei, der Dollfuß und dessen autoritären Kurs unterstützte. 1934 wurde er Landesstatthalter, musste aber dem Vertreter der Heimwehren Walter Riehl weichen und als "Vertreter de kroatischen Minderheit" in den Staatsrat nach Wien gehen.

In nationalsozialistischer Zeit begrüßte er den Anschluss an das dritte Reich, war dadurch keinerlei Repressionen ausgesetzt und vertrat die kroatische Volksgruppe 1938 auf dem 14. Europäischen Nationalitätenkongress in Stockholm. Im Burgenland verlor er alle politischen  und öffentlichen Ämter, etwa im Kroatischen Kulturverein, und zog sich ins Wirtschaftsleben zurück. Er leitete die Ziegelwerke in Walbersdorf, die seine Frau 1932 geerbt hatte.

Sofort nach dem Einmarsch der Russen wurde Karall wieder aktiv. Am 11. April 1945 gründete er mit einigen erreichbaren Persönlichkeiten in Mattersburg ein "Provisorisches Landeskommitee", das etwas später den "Provisorischen Landesausschuss" aus Vertretern der ÖVP, der SPÖ und der Kommunisten bildete. In der "Provisorischen Landesregierung" war er Landeshauptmannstellvertreter. Im November 1945 erhielt die ÖVP die absolute Mehrheit,  Karall wurde Landeshauptmann und blieb es bis 1956.

1951 erlitt Karall einen schweren Herzinfarkt und bei den Wahlen 1953 musste die ÖVP einen Rückschlag hinnehmen. 1954 begann sich  innerhalb seiner Partei Widerstand abzuzeichnen. Die schweren Skandale in seiner Partei, vor allem die Missstände im Genossenschaftswesen, erschütterten ihn persönlich, vor allem aber der offene Angriff der "Katholischen Aktion". Nach einem neuerlichen Herzinfarkt 1956 und einer Kehlkopferkrankung kandidierte er zwar nochmals für die ÖVP, trat aber im Juni 1958 zugunsten von Johann Wagner als Landeshauptmann zurück. Er wurde erster Landtagspräsident und Präsident der Burgenländischen Kammer der Gewerblichen Wirtschaft. Er war auch Vorsitzender des Länderkuratoriums der Bundesländer - Versicherung und Präsidiumsmitglied der NEWAG. 1960 trat er als Landtagspräsident und  1963 als Landesparteiobmann zurück. Er starb an einem dritten Herzinfarkt.

Karall war als Landeshauptmann überaus populär und galt auch gegenüber dem politischen Gegner als gesprächsbereit. Gegentlich warf man ihm die überproportionale Förderung der kroatischen Volksgruppe vor. Für diese war er als Identitätsfigur von großer Bedeutung.

Literatur:

  • Gerald Schlag, Burgenland. Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien. Eisenstadt 1991